November. 167. Keft. (Seile 4001 Bis 4024.) 1917. Schule und Vaterland Zeitschrift für bodenständige Jugenderziehung und Volksbildung in Österreich. Schriftleitern Ar. Andolf Seerz. Inhalt: a) Schule und Saterland. 1. Österreichs Lehrerhelden.... 4001 2. Eine zeitgemäße Rede an die vaterländische Lehrerschaft . . 4002 3. Przemysl fiel. ................ 4007 4. Soldatenlied.................... 4007 5. Wie ich mit meinen Rekruten ..Schule" hielt................ 4008 6. Zur Erneuerung des österrci-chischen Erziehung«- und Schul-wesen« ............................4010 7. Kleine Mitteilungen..............4011 "3 -b 53 «u CS t» Gk b) ISlätter für den ABteilungs-unterrichl. 8. Eine Anklage ...................4013 9.100 Jahre deutsche Redezeichenkunst ...........................4014 10. Sprachfehler in der Schule und ihre Heilung.................... 4016 11. Randbemerkungen zu F. 123 . 4018 12. Schulhistorisches.................4019 13. Briefkasten...................... 4021 14. Durch den Russensturm.... 4023 15. Pädagogische Splitter 4024 16. Polack-Ecke...................... 4024 Monatlich 1 Seit. AusgaöNelle: Verlag der „Mütter für den Söteikungsunterricht" in ^aiBach Aahrespreis der 12 Sefte 6 K (6 M, 6 K.). Druck ron Josef pavlicek in Gottschee (Kram). 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! L.AC.Hardtmnths | ft ft II ■ Jrftx L.AC.Hardtmnths Kohinoor I Xs I IllIIlII Farbstifte., .. Zeichenstifte L.1XU.IIUI U1IIIU1II Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN IX. Budweis in Böhmen. Farbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. Die Reformkreide staubt nicht, färbt nicht ab und schont die Schul-tafeln. In den meisten Schulen Österreichs mH dem besten Erfolge eingeführt. Vom n.-ö. Landeslehrervereine empfohlen. Probesendung: 100 Stück K 2. Wiederverkäufer erhalten entsprechenden Rabatt. Franz Hoschkara, Kreidefabrik, Waidhofen a. d. Ybbs. i! 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Einzelnummer 60 h von an die „Verwaltung der <60 Pf, 70 et». Blätter für den AbtetlungS- Postspark. Nr. 68.213. Mlldolf & CCtJ. unterricht in Laibach". Handschriften und Bücher an den Schriftleiter, MieS in Böhmen. — „Schule und Vaterland" kann gesondert nicht bezogen werden. 1914-17. Josef Preis; Schulleiter in Lohhäuser, Bez. Marienbad, Ersatzreservist im k. u. k. Ldst.Jnf.Reg. Nr. 6. Am 11. August 1914 zog er mit mehreren seiner Amtsbrüder ins Feld, geriet jedoch noch im Herbst dieses Jahres in russische Gesangenschaft. Er wurde nach dem äußersten Ostasten verschickt, wo er bis zum 28. April 1916 verblieb, nach welcher Zeit er mit zwei Amtsbrüdern seines DienstbezirkeS zu einem Eisenbahnbau iu die Gegend der finnischen Seenplatte kam, um kurz darauf in ein Epidemiespital zu Eemipra-towo bei Moskau kommandiert zu werden. Hier erlag er am 11. Juli 1916 einer tückischen Krankheit und wurde gebettet in feindliche Erde von seinen treuen Berufsgenossen der Heimat. Schulleiter Preiß war 1877 zu Brims, Bez. Deutsch-Gabel in Böhmen, geboren, besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Reichenberg, wo er stch 1898 das Zeugnis der Reise erwarb. Er wirkte au den Schulen Sangerberg, Leskau, Auschowitz und Hohendorf und wurde vor einigen Jahren Schulleiter in Lohhäuser, als welcher er sich die Lehrbefähigung der dritten Fachgruppe an Bürgerschulen erwarb. Preiß hinterläßt eine Witwe und drei im schulpflichtigen Alter stehende Kinder. Im Kreise seiner Amtsbrüder galt er als idealer Lehrer, denn er vereinte regen Wissensdrang und Gewissenhaftigkeit mit eisernem Fleiß und liebevoller Milde, galt er als einer der besten Kollegen, denn seine Kameradschaft war lauteres Gold und sonniges Leben. Unbegrenzte Liebe einte ihn mit seiner Familie, der sein Mühen und Sorgen galt für und für. Unvergeßlich wird bleiben das Andenken an den Braven und Guten, dem leicht sei die FcindeSerde! Warienvadcr Lehrerverein. Oesterreichs Lehrerhelden in dein Großen Kriege 29. Eine zeitgemäße Rede an die vaterländische Lehrerschaft. Liebe Standesgenossen 1 Der Weltkrieg geht zuende. Wir fühlen es und können es erklügeln. Nachdem unsere wohlgemeinten Friedensangebote keinen Erfolg gehabt, sondern vielmehr unsere Feinde bloß übermütiger gemacht haben, weil diese das Entgegenkommen der Mittelmächte als Schwäche deuteten, so werden nach längstbewährter Erfahrung tüchtige Schläge ausgeteilt; nur sie sind imstande, die betörten Massen unserer Gegner zur Vernunft zu bringen und die Bahn zum Frieden zu öffnen. Mer vermeinte, die aufgewühlte Volksleidenschaft des Südländers sei durch Vernunft zu dämmen, kannte nicht die Psyche des Romanen; er nahm von sich das Beispiel. Das ist ein alter Fehler, daß man, statt sich in die Denkungsweise des anderen zu versenken, die eigene zur Grundlage nimmt, ein Fall, der bei jenen Lehrern zutrifft, die so zum Kinde sprechen, als wären sie selber das Kind. Das steht also fest: Wir haben mit der Friedensaktion den Feinden sozusagen einen Dienst erwiesen, weil sie unter Hinweis auf unsere scheinbare Schwäche ihre Völker stacheln konnten und Zeit zu neuen Rüstungen gewannen. Nun uns die Lehre ward, wendet sich die Methode: § ff— „Es wird fortgedroschen!“ Zwar fordert sie zahllose Opfer an Gut und Blut, doch nicht so viel als in dem Falle, da wir immer nur stückweise dem Ziele näherrücken. Der spart mit Mitteln und mit Kraft, der das Werk frischweg packt und vollends bezwingt; der Zauderer vergeudet beides, er erschöpft sich schließlich. Freilich kommt ihm eines zustatten: er kann auf die Zufuhr neuer Kräfte warten, er kommt für den Augenblick mit Wenigem aus; summiert man es jedoch, so ergibt sich als Ganzes ein weit größeres Quantum, als der starke Stoß es erfordert hätte. Würden wir Rußland zögernd verfolgt, Rumänien ruckweise bezwungen, Serbien nach all den schlimmen Erfahrungen wieder bloß mit einem geringen Machtaufgebote gefaßt haben, wir stünden heute nicht rücken- und flankenfrei da, sondern müßten nach allen Seiten hin uns wehren. So aber sind die hinterwärts zerschmettert oder doch wenigstens derart geschwächt, daß wir lustig nach vorwärts greifen können. Zn diese Richtung führt der Weg zum Frieden. — Wer wird den Frieden nicht wollen? Jedermanns Sehnen geht nach ihm. Wenn nur das Tun auch seine Fährte ginge I Mit Seufzern und mit Wünschen ist nichts gerichtet; cs muß die werktätige Zstlfe in die Schränken treten. Da der wuchtige Hieb, der unsere noch lebensfähigen Gegner betäuben soll, auf daß sie sodann zur Vernunft erwachen, reiche Mittel fordert, damit es der Armee an nichts fehle, weil andernfalls mitten im reifenden Enderfolg innegehalten werden muß, so ist es geboten, den Worten Werke folgen zu lasten, d. H., je nach Vermögen Mittel bereitzustellcn, die der großen Sache dienen. D i e Rechnung wird jedes Kind begreifen: Die Feinde haben an Menschen und an Material fünfmal mehr, als wir es aufweisen können. Schreitet nun unser Angriff zögernd oder fangen wir die Offensiven immer wieder nur auf, so gewinnen die Gegner jedesmal Zeit, sich aufs neu zu sammeln und frischgekräftigt vorzurücken. Wer siegt nach diesem Rezept zu-guterietst ? Der mehr zuzusetzen hat! Wo in aller Welt wird denn auch einer, der mit einem anderen ringt und ihn glücklich zum Fall gebracht hat, so daß er das Knie auf feine Brust setzen kann, ihm gnädigst Ruhe lassen, sich zu erhole», auf daß der Besiegte Zeit gewinne, Kraft zu sammeln?! Man würde ihn, der seinen Gegner bezwang, einen Toren nennen. Würgen, pressen, schnüren, bis der Keuchende um Frieden fleht, — nur so ist die Sache zu machen I Aber, wie erwähnt, heischt das die Aufbietung der ganzen Kraft und eine nichterlahmende Ausdauer. Wir, die wir im Hinterlande find, können sie mit Bezug auf das große Ringen, das nur in den Dimensionen anders ist als jenes zwischen Ich und Du, in der Entwicklung aber diesem vollends gleicht, betätigen, wenn wir die zur gründlichen Kriegführung notwendigen Mittel lockern, d. H. die Kriegsanleihe in jeder möglichen Art fördern. — Daß uns hiebei große Hindernisse in den lücg lausen, weiß jeder, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Dienste des kämpfenden Vaterlands die Werbearbeit für die Kriegsanleihen zu übernehmen. Die Hemmnisse haben manchen kleinlaut gemacht, ja ihm völlig allen Mut benommen; den soll die vorstehende Darlegung aufrichten, gilt es doch, in entscheidender Stunde das letzte Quentchen Kraft hervorzuholen und der heiligen Sache zu leihen, lver herzhaft weiter wirkt, dem werden die gegebenen Andeutungen ein willkommenes Mittel sein, die Zuhörerschaft in die rechte Stimmung zu bringen, bezw. Einwürfen zu begegnen und Bedenken zu zerstreuen. Der Bedenken gibt es viele, sie hänfen sich von Kriegsanleihe zu Kriegsanleihe und reifen als „Schlagworte des Tages" ins Land. Ja, das Schlagwort! Es wirkt wie ein mächtiger Schlag aufs Haupt; davon feilt Name. Der Betroffene, zumal der Bauer, prüft es nicht näher; er glaubt an die „Wahrheit", weil sie so laut und so bündig er-scheint. Ach, man muß nicht erst den Mann aus dem Volke als Erweis der Wirkung herbeiholen, selbst Lehrer, denen doch Forschen und Ergründen Pflicht sein soll, um dem Unterrichte eine feste Basis zu geben und den Geist zu schärfen, rennen zuweilen dem Schlagworte blindlings nach und stehen alsbald in seinem Machtbereich. Wie erst der biedere Landmann, für den Erwägen just nicht das Tageshandwerk ist! Wehe, wenn nun auch der, der zur Erkenntnis führen soll, taumelt oder nicht die Mittel zurhand hat, die Bedenken sofort in die rechte Helle zu rücken I Dann bleibt der Säckel des Bauers verschlossen, Milliarden schlummern ungenützt und das Vaterland verblutet, weil es nicht den entscheidenden Streich zu führen vermag. — Also heraus mit den Schlagworten des Tages, diesen geheimsten und gefährlichsten Verrätern! Da sind sie: st) Pie Kriegsanleihe verkängert den Krieg. Wer so spricht, hat sich niemals in dett Gedankengang, der dieser Rede zur Einleitung dient, vertieft; sonst müßte er geradewegs das Gegenteil behaupten, weil ja das „kleinweise" Nachhinken bei jeder Sache verlängernd wirkt. — Es gibt jedoch für den Fall nicht allein dieses eine Gegenargument, sondern noch eine Mitteilung, die bisnun als Geheimnis gehütet wurde, nunmehr aber ans Tageslicht darf, weil die Zeit des Vertuschens und des Verfchleierns überhaupt in allem vorüber ist. Matt höre! Die Kriegsanleihe steht mit der Dauer und derGe st altung des Krieges eigentlich in keinerlei Zusammenhang. Der Staat greift Mittel heraus, sobald er sie braucht, unbekümmert darum, von welcher Seite sie Zuströmen. Es wäre wohl auch naiv, zu glauben, daß er immer erst zuwartet, was ihm die Kriegsanleihe beschert, und darnach seine Anschaffungen an Kriegsgerät entrichtet. Darüber könnte uns ja der Feind überrennen. Diese Nachricht, die für jeden, der nicht in der Umnachtung des Alltags wandelt, keineswegs neu sein kann, bringt uns nun allerdings in eine logische Enge, weil ja vorhin erörtert wurde, reiche Mittel ermöglichen den Hieb, weshalb die Auflockerung der Milliarden Volksvermögen zur Kriegsanleihe nötig erscheine, und nun behauptet wird, daß der Krieg eigentlich von den Kriegsanleihen nicht abhänge. Man muß mit dem Entwände rechnen; denn ist einmal der Geist des Bauers erschlossen, so dringt er in die innersten Falten des Gedankengewebes. Wie steht es also mit der Funktion der Kriegsanleihe? So: Die Kriegsanleihe ist vor allem dazu bestimmt, Verpflichtungen ehestens nachzukommen, weil sonst die Firmen, an die der Staat Zahlungen zu leisten hat, ihre Ansprüche naturgemäß erhöhen müßten, und die Valuta zu stärken. Wenn es dem Staate in einer Zeit, da er dringende, gänzlich unaufschiebbare Ausgaben zu bestreiten hat, wie es eben die behufs rechtzeitiger Bereitstellung von Kriegsgeräten sind, an Geldmitteln gebricht, so muß er sie schließlich nehmen, wo sie zu nehmen sind, oder er läßt es zu, daß die Notenpressc in Tätigkeit komme. Da nun letzterenfalls der Wert unseres Papiergeldes ständig sinkt, so muß diese Art der Beschaffung schließlich beim Ruin münden. Das sowie die hohen Steuern, durch die das erforderliche Geld hereingebracht werden müßte, wenn alles versagt, will der Staat vermeiden; daher versucht er es, die im Banne ruhenden Milliarden freizumachen und mit ihnen Schuld und valutafall zu mindern. Wer also flüssiges Geld zurückhält, erhöht die Steuern oder er trägt dazu bei, daß die Teuerung ins Ungemessene zunimmt, weil ja infolge des steten Sinkens unserer Valuta Waren aus dein Auslande zu immer höheren Preisen bezogen werden müssen, welcher Umstand mittelbar auf die Kaufverhältnisse im Inlande zurückwirkt. Und was im Überflüsse vorhanden ist, sinkt in seinem Wert. Das trifft bei der Papiergeldfabrikation vollends zu. Wenn schließlich unser Geld ganz entwertet wird, nun dann ist auch das ein-gehamsterte mit betroffen, so daß der, dem das verkaufte Vieh 3000 K brachte, eigentlich im verlaufe bloß noch stDOO K in der Truhe liegen hat. — Da der Staat darauf bedacht ist, seinen Bestand zu retten, muß ihm jedes Mittel erlaubt sein, das Werk zu vollführen, wie ja auch der Kranke alles aufwendet, am Leben zu bleiben. Wie einfältig, wenn nun jemand glaubt, der Staat würde sich aufgeben und den Krieg beenden, sobald die Kriegsanleihe nicht die Mittel bringt! — 2.) Pas Held in der Kriegsanleihe ist verloren. — Wer dieses Schlagwort als reifender Agent der Entente im Koffer hat, führt für seinen Zweck gute Ware. Der Bauer ist angesichts der hohen Summe, die der Krieg „scheinbar" verschlingt, ängstlich und zudem von l)aus aus um fein Gut besorgt. Wenn also der Trompetenstoß -er Unsicherheit der Kriegsanleihe ausgegeben wird, so kommt ihm das gelegen und er schiebt den gefüllten Strumpf um einige Fächer tiefer in die Lade zurück. Womit soll der Werber auf den Einwand erwidern? — Nr. \ verweise er darauf, daß mit Bezug auf Punkt s) gerade dann, wenn der Staat die Notenpresse arbeiten lassen muß, ein Niedergang zu gewärtigen ist, dem die Entwertung des gesamten Geldes, also auch des verborgenen, folgt. — Nr. 2 werden als schlagkräftige Argumente aufgeführt: a) von den stO Milliarden des österreichischen Volksvermögens sind bloß etwa sO Milliarden außerlandes oder in die Luft geflogen und ins Wasser versunken; alles Übrige rollt im Reiche herum und kann nach Bedürfnis eingeholt werden. Es war also geradezu ein Glück, daß uns die Feinde von aller Welt abschlossen; so blieb das Geld daheim. Der Staat kann nun nach dem Kriege einfach hohe Steuern vorschreiben, und die Kriegsanleihen sind gedeckt, b) Der Staat ist reich; er besitzt gewaltige Güter und ergiebige Faustpfänder (Eroberungen). Diese kann er belegen. — c) Wäre die Kriegsanleihe nicht sicher, so könnte auch die Sparkasse sich ihrer nicht bedienen; so aber vertraut sie ihr den größten Teil an. — d) Der Staat kann die Anleihezeichner nicht im Stiche lassen, weil er damit seine treuesten Bürger, u. zw. unendlich viele, ins Unglück brächte und so sich selbst das Grab schaufelte. Übrigens müßte ja die Volksvertretung (das Parlament) die Stimme erhebe», wenn das Volk zu Schaden kommen sollte. Die im Reichsrate sitzen, sind ja zum weitaus größten Teile selbst Kriegsanleihe-Zeichner, Für den Staat wäre es weit einfacher und weniger verantwortungsvoll gewesen, mit wenigen Reichen das Geschäft zu machen, als die große Masse aufzurufen. — e) Was würden die Nachkommen dazu sagen, wenn der Staat nicht sein Wort hielte? Er büßte sein Ansehen für alle Zeiten ein, niemand wäre mehr für eine Anleihe zu haben, das Vaterland wäre verloren. — f) Österreich-Ungarn steht das unerschöpfliche, mächtige Deutschland zurseite, u. zw. aus eigenem Interesse, weil es auf die Wirtschaftsgemeinschaft mit uns angewiesen ist. wenn also unser ve:mögen und damit unsere Arbeit litte, so wäre das für Deutschland ver- hängnisvoll. — g) Die österreichisch-ungarischen Kriegsanleihen werden voin Auslande gerne gekauft, weil hinter ihnen ein gesegnetes Stück Land liegt. Bezeichnend wäre es nun, wenn sonst niemand sich vor der österreichischen Kriegsanleihe fürchtete als bloß der Österreicher selbst. Allerdings wäre es echt „österreichisch", nämlich nach der Art, daß wir zu uns selbst immer geringes Vertrauen besitzen. — 3.) I>as Geld in der Kriegsanleihe ist gestunden. Fürs erste bi» ich als Volkspsychologe davon überzeugt, daß kein Bauer alles, was er an Geld besitzt, aus dem I}aufc gibt; soviel, was die kommende Wirtschaft heischt, legt er zurück. Wenn übrigens bloß das «Entbehrlichste ans Licht käme, so könnte die Notenpresse ruhen und unsere Valuta bliebe stehen. — Fürs zweite kann die Kriegsanleihe belehnt oder verkauft werden. Zum dritten wird der Staat dafür sorgen, gleich nach Friedensschluß einen Teil der kleinen Kriegsanleihen wenigstens prozentuell einzulösen, um einerseits die Zinsenlast zu verringern und anderseits die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Stockt diese, so gibt es geringe Steuern und der Staat stirbt. — Wenn er die Deckung jenes Teiles, der nicht sofort benötigt wird, der kommenden Generation überläßt, so ist das nur gerecht, denn für sie wird doch der große Krieg geführt. — H.) Soll'n's eine Zwangsankeihe anffegen; sie Besteuert gleichmäßig! Richtig 1 Das wäre die gerechteste Maßnahme: Die einen fechten in der Front, die ändern tragen ihren Teil im Hinterlande bei; so gebietet es die Pflicht, denn der Krieg wird für alle geführt, zum Schutz und zum Wohle aller. — So selbstverständlich die Formel klingt, so schwer ist die Durchführung. Wir traten unvorbereitet in den Kampf ein. Wie hätte da sogleich der ungeheuere Apparat einer Besteuerung durchgeführt werden können, die, ohne diese oder jene Wirtschaft zu zerstören, gleichmäßig und mit den ständigen «Einnahmen im raschen Wechsel der Vermögensverhältnisse Schritt haltend, nach allen Seiten hin ausgegriffen haben würde I Woher hätten wir die hiezu notwendigen geschulten Mrgane genommen und wie die Maßnahme, für die nichts als Muster vorlag, durchführen können! Zudem rechnete niemand mit der langen Dauer des Krieges. «Endlich wäre eine Zwangsanleihe für unsere Feinde ein Mittel gewesen, ihre Massen gegen uns auszureizen, weil sie den Hinweis, „Seht, Österreichs Völker wollen nicht aus freien Stücken mittun; man muß sie zwingen, das gibt bald eine Revolution: also nur noch eine zeitlang durchhalten und das Reich zerfällt und wir ziehen als Sieger ein und teilen reiche Beutel" — weidlich ausgenützt und damit das Ringen verlängert hätten. Nun, da der Weltkrieg in die Jahre geht, fällt diese Rücksicht. Mb es im Falle einer Zwangsanleihe 6 %> Zinsen und die Zusicherung baldiger Rückzahlung des eingezogenen Kapitals gibt, das bleibe dahingestellt. Die 7. Kriegsanleihe schreitet noch werbend durchs Land, die 8. vielleicht nicht mehr; das mag den, der nichts hat, mit Befriedigung erfüllen, weniger aber den Besitzenden, sofern er nicht das 7. Mal sich noch sputete, seine «Ersparnisse sicher und gut, d. H. in der Kriegsanleihe, zu verankern. — Anschließend an den Ruf nach einer Zwangsanleihe wird immer wieder auch auf die „Reichen" verwiesen, als böten sie zu wenig. Zum Teil mit Recht, zum Teil aber mit Unrecht. Man lese aus den großen Tageszeitungen die Beträge mit den vielen Nullen vor — und der «Einwand verstummt. 5.) In bet Sparkasse ist das Geld am Vesten aufgeljoöen. Auch richtig I Aber das ist zu bedenken: Die Sparkasse kann mit den vielen «Einlagen nichts anfangen, weil jetzt niemand Geld aufnimmt. So müßte sie denn Zinsen zahlen, ohne ihre Kapitalien verwerten zu können. Um den diesbezüglichen Verlusten aus dem Wege zu gehen, gibt sie einen Großteil der Bestände an die Kriegsanleihe ab. Wenn also ein mißtrauischer Bauer seinen Gewinn statt in die Kriegsanleihe in die Sparkasse trägt, so ist es eigentlich dasselbe; der Unterschied besteht lediglich darin, daß er ersterenfalls 6% an Zinsen bezogen 4006 hätte, wogegen er zweitenfalls bloß <$% (wenn es hoch geht) erhält. 2% spendet er also hochherzig der Sparkasse. — Was ihm einigermaßen verdächtig erscheint, das ist der höhere Zinsensatz der Kriegs» anleihe. Sie kann sich ihn leisten, weil der Staat für sie keine Regieauslagen decken muß. Die Gebäude sind da, die Beamten sind da, die Kanzleieinrichtung ist da und ein Gewinn wird ja nicht angestrebt. Demnach fallen die 2%, die bei Banken und Sparkassen an Verwaltungskosten aufgehen, den Ginlegern zu. Das muß dem Bauer gesagt werden; ebenso das, daß nach einer bestimmten Zusicherung des Finanzministers die Kriegsanleihe niemals schlechter behandelt werden wird als irgendein Staatspapier. Seine Exzellenz sagte in der Rede vom 26. September wörtlich: „Es ist ganz und gar ausgeschlossen, daß der Besitzer von Kriegsanleihe jemals schlechter in diesem Staate weg kommen könnte als der Besitzer von anderen Vermögensobjekten." 6.) ZSerm's am And' schief geht! — Dann, lieber Freund, ist alles aus; dann ist auch das Geld in der Truhe und in der Sparkasse verloren. Der Sieger würde in das eroberte Gebiet starke Besatzungen werfen, um allfällige Aufstände niederzuhalten; die Soldaten müßten verköstigt werden. Der Feind würde'das unterworfene Land aussaugen, um die Kriegskosten zu decken. Der Feind würde alle leitenden Posten mit seinen Leuten besetzen, die besten Güter an seine Invaliden verteilen, kurz: kein Recht und kein Gesetz von früher achten, weil ja er nun zu diktieren hätte. Dieser schmähliche Zustand kann nur vermieden werden, wenn man dem kämpfenden Vaterlande die Mittel bietet, in den Tagen der Entscheidung den Sieg zu sichern. Ls genügt nicht, zu jubilieren, zu triumphieren, sondern es erscheint gerade im Glück geboten, mit weiser Vorsicht den Erfolg zu halten. Dazu sind Mittel notwendig. Fließen sie herbei, dann kann es überhaupt nicht mehr „schiefgehen". — Alles in allem steht fest: IVer nicht zögert, der Kriegsanleihe Gelder zuzuführen, kürzt den Krieg ab, sichert das bisher verausgabte Geld, macht baldigst reiche Mittel frei, hält die Zwangsanleihe hintan, legt fein Kapitälchen auf die beste Iveise an und verhindert den Zusammenbruch des Vaterlands. — Liebe Standesgenossen I Das halbe Dutzend Bedenken habe ich aus dem IVust der Zweifel herausgehoben, um Euch für die neue Kriegsanleihe ein auf vielen im Hinterlande und in der Front unternommenen Reisen erprobtes Rüstzeug in die Hand zu geben. Auf die Werbearbeit der Lehrerschaft wird die Hoffnung des Staates zum Großteil gesetzt. Ilmgebt Euch mit einem Werbeausschuß, ruft in ihn die Vertreter der verschiedenen Stände, auch einige Frauen, legt eine Liste der Zeichnungsfähigen an, sendet dem diesen, jenem jenen der Werber ins Haus, schickt sodann die Liste an die Bezirkshauptmannschaft, auf daß die härtesten dort bekehrt werden — und der Erfolg ist da; denn merkt es der M. und der N., daß alles Auskneifen nichts nützt, daß immer wieder jemand erscheint, dann wird ihm die Sache unbehaglich und er kommt. Arbeitet im allgemeinen weniger mit Papier als vielmehr mit dem gesprochenen Worte von Haus zu Haus, von Mann zu Mann; aber ab und zu rückt in das Heimatblättchen die Nachricht ein: „Zn der Grt-schaft. . . wurden bisher x K Kriegsanleihe, und zwar durch die Besitzer. . . gezeichnet." Das reizt, das wirkt. — Mit dem Werbeausfchusse, der wöchentlich eine Sitzung hält, in der nach Bedarf die Rollen vertauscht werden, so daß den N. diesmal der P., nächstens der R. übernimmt, bis dieser die Sache begreift, muß sich der Lehrer schon aus dem Grunde umgeben, weil er foult der alleinige „Lästige" ist und als solcher nicht mehr genügend Einfluß hat. wollen andere nicht auch mißliebige Besucher werden, dann genügt eine Zuschrift an -die 4007 politische Behörde unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Werbeausschüsse, die fast das einzige wirksame Werbemoment darstellen. Zagen und Zetern gilt nicht; die 7. Kriegsanleihe zieht unter dem Trommelwirbel des Triumphes ins Land, wer zugreift und alles daransetzt, sie in die Front der Sieger zu stellen, der hat teil am großen Werke, aus dem ei» neues, ein starkes Vaterland erwächst. 3ch rufe alle auf, die treu sind zu Kaiser und Reich, sie mögen das, was ihren Busen erfüllt, durch die Tat erweisen, d. H. klärend in die Blassen greifen, um das ans Licht zu bringen, was Unverstand oder Verrat im Dunkeln hält. — Die 7. Kriegsanleihe muß 7 Milliarden bringen! — Ar. *getxj. Przemysl fiel ... Ein Fels stand einsam und stolz im Meer, umbrandet und sturmumbraust! Neptun zürnte. Wutschnaubend warf er seine gewaltigen Wogen immer und immer wieder gegen den Fels, aber ihre zerstörende Kraft zerbrach am eisenharten Wall. Schäumend in machtlosem Zorn prallten sie ab und zerfielen in sich selbst . . . Tiefauf stöhnte das Meer. Gischt- und schaumbedeckt, aber fest stand der Fels. Stolzer als zuvor erhob er sich aus dem feindlichen Element, kühn, drohend — — — Und doch nagten Natur und Zeit an ihm. Langsam zermürbte er. Ein grauender Tag sah ihn zerfallen — — — H. Zach, St. Marg. a. R., O.-Steierm. Soldatenlied. Im Feld, im Feld, da donnern die Geschütze Und ihre heißen Grüße bringen Tod. Im Feld, im Feld, da flammen unsre Blitze Aus lausenden Gewehren blutigrot. In der Heimat schön, in der Heimat schön Gibt es ein Wiedersehn! Im Feld, im Feld, da schlafen wir im Graben, Der Himmel goldbesternt ist unser Zelt. Des Morgens kühler Tau, der muß uns laben. Und dann frischauf, zum Kampfe neu gestellt! In der Heimat schön, in der Heimat schön Gibt es ein Wiedersehn! Im Feld, im Felde mit den Kameraden Zieh’n weiter wir hinein in Feindesland; Bis wir sie alle fest besieget haben, Dann reichen wir zum Frieden unsre Hand. In der Heimat schön, in der Heimat schön Gibt es ein Wiedersehn! Und wer von uns im blut’gen Feld gefallen Und wer begraben wird in fremder Erd’, Die letzten, letzten Grüß’ von ihnen allen, Die bringen wir zurück zum eignen Herd. In der Heimat schön, in der Heimat schön Gibt es ein Wiedersehn ! K. C. Bothe. 4008 Wie ich mit meinen Rekruten „Schule“ hielt. (Um was wir kämpfen.)1 Ihr habt da, wie ich sehe, unter euren Betten jeder einen Koffer stehen mit verschiedenen nützlichen Sachen: Wäsche, Bürsten, Eßwaren, Briefen von den Angehörigen und Bekannten, darunter vielleicht auch die Photographie eurer Eltern und, was ihr wohl am öftesten zur Hand nehmen werdet, das Bild eures Mäderls. Diese Sachen, die der schmucklose Koffer einschließt, sind jetzt euer ganzes Hab und Gut, euer einziges Eigentum. Manches davon braucht ihr sehr notwendig, anderes müßt ihr nicht gerade haben; aber vieles ist euch so sehr ans Herz gewachsen, daß ihr euch nicht gerne davon trennen würdet. Ihr gebt deshalb acht, daß euch davon nichts verloren gehe. Seid ihr aber abwesend, so bleibt, wie ihr bereits wisset, ein Mann, die Tagcharge, zurück und hütet eure Sachen. Sollte trotzdem etwas entwendet werden, dann wird gleich eine gründliche Untersuchung eingeleitet und der Dieb strenge bestraft. Das Militärkommando hat demnach Einrichtungen zum Schutze eures Eigentums getroffen. Kommt ihr später zur Marschkompanie, dann wird der Koffer durch den Rucksack abgelöst, ihr tragt euer Eigentum auf dem Rücken mit. Wohl drückt bei langem Marsche der „Muckel“, wie die Deutschen den Tornister nennen, ganz erbärmlich und scheint von Kilometer zu Kilometer schwerer zu werden; man ist manchmal nahe daran, ihn weit weg von sich zu schleudern. Schier unerträglich ist er. Langt man aber endlich schweißtriefend, müde und hungrig im Quartier an, dann segnet man den treuen Freund Muckel, daß er anhänglich war und uns so weit gefolgt ist. Frische Wäsche wird angezogen, die Stiefel weiden mit den Schnürschuhen vertauscht und der Hunger wird mit trefflicher Atzung, welche die Heimat geschickt hat, gestillt. Jetzt erst fühlt man, was es heißt, Eigentum haben, und es fühlt der am meisten, der keines besitzt, der sich seiner vielleicht aus Bequemlichkeit leichtfertig entledigt hat. Hat man sich nach Erfüllung aller Pflichten endlich ins Stroh geworfen oder auf einem Brett, in Ermangelung dessen auf bloßer Erde ausgestreckt, dann gehen die Gedanken von der kärglichen Habe nach Hause zu dem vielen Eigentum, das man verlassen mußte. Vor allem taucht das weiche Bett, das jetzt unbenützt daheim steht, in der Vorstellung auf und der Wunsch wird rege: Nur eine Nacht darin schlafen können! Dann defilieren all die ändern schönen Dinge an unserem Gedächtnisse vorbei, die wir jetzt so schwer vermissen: das gute Essen, das Vaterhaus, der Garten, alle Plätze, wo wir gerne weilten, ja selbst Kleinigkeiten fallen uns ein und scheinen uns begehrenswert. Fast packt uns der Neid gegen alle, die daheim sich ihres Besitzes freuen können, die, wenn sie auch jetzt doppelte Arbeit leisten und große Entbehrungen erleiden, doch im großen und ganzen das gewohnte Leben weiter führen und dabei vor den feindlichen Geschossen sicher sind. Ja, wären sie es noch, wenn unsere Feinde ihre Pläne, die ihr ja kennt, durchgeführt hätten ? Denken wir es aus, wie es bei uns daheim jetzt aussehen würde, wenn es den Kosakenhorden geglückt wäre, bis ins Herz Österreichs einzudringen! Wo wären da unsere Lieben, unser Eigentum? Zerschlagen und in alle Winde zerstreut. Daß dem nicht so ist, danken wir alle dem Staate, der uns die tüchtige Armee geschaffen, die bis heute allen Stürmen getrotzt hat. Der Staat hat aber auch schon vor dem Kriege unser Eigentum beschützt. Diesem Umstande haben wir es zu danken, daß wir so lange Zeit ein gutes, ruhiges Leben führen konnten, nach dem wir uns jetzt sehnen. Um euch das zu erklären, will ich etwas weiter ausholen. Sehen wir uns einmal die Tiere draußen in der Natur an! Sie leben zumeist paarweise, Männchen und Weibchen beisammen, zu denen noch die Jungen hinzu- 1 Die Rede wird auch auf die, die bei der Kriegsanleihe nicht mittun wollen, wirken. kommen; sie führen also ein Familienleben. Eine solche Familie sucht oder baut sich die Wohnung und sorgt für die Nahrung, für Nahrungsvorräte. Sie hat demnach auch Eigentum. Dieses Eigentum, zu dem man schließlich das eigene Leben des Tieres und das Leben der ändern Familienmitglieder zählen kann, verteidigt das Tier gegen jeden Feind auf Leben und Tod und weicht schließlich nur dem Stärkeren. Die Menschen haben in den Urzeiten ein ähnliches Leben wie die Tiere geführt, jede Familie hat ihre eigenen Lebensbedürfnisse gesammelt und das Erworbene sowie sich selbst und die Familienmitglieder verteidigt. Mit der Zeit hat sich das Eigentum vermehrt und ist den Menschen immer notwendiger, immer unentbehrlicher, sein Schutz immer schwieriger geworden. Die Menschen haben sich daher zu großen Verbänden, den Staaten, vereinigt. Sie haben die Arbeitsteilung durchgeführt und zerfallen in viele Stände, von denen die wichtigsten der Nähr-, der Lehr- und der Wehrstand sind. Dieser letztere schützt, während die ändern für alles, was das Leben erhält und erleichtert, sorgen, gegen feindliche Überfälle und den Raub des Eigentums. Wer könnte sonst an ruhige Arbeit denken, wer könnte sich seines Eigentums, seines Lebens freuen? Man müßte stets zu einem Kampfe mit dem bösen Nachbar gerüstet sein. Dem Wehrstand ist vor allem der Schutz des Eigentums gegen Gefahren, die diesem im Innern des Staates drohen, anvertraut. Dazu hat er eigene Organe. Wenn im Dorfe alles schläft, dann geht der Nachtwächter durch die stillen Straßen und bewacht die Habe der Dorfbewohner, ln der Stadt versieht den Wachtdienst die Polizei, auf dem Lande die Gendarmerie. Ist trotz des vielen Aufpassens ein Eigentum entwendet oder beschädigt worden, dann diktieren die Gerichte dem Schuldigen die verdiente Strafe. Aus den Gerichtsverhandlungen sehen wir, daß es sich dabei auch um ideelle Güter, wie z. B. die Ehre, die Freiheit u. a., handelt. Gegen Gefahren, die unserem Eigentum von ändern Staaten drohen, schützt uns das Heer, dem jeder waffenfähige Mann, also auch ihr, angehört. Wenn es auf uns allein ankäme, wir würden alle ändern Staaten in Ruhe lassen, mit allen im Frieden Leben. Leider kommt es nicht auf uns allein an und nicht alle Staaten denken wie wir. Rußland, Italien, Serbien, Rumänien und Montenegro haben uns für zu schwach gehalten, unser Eigentum zu verteidigen, und sind daher über uns hergefallen, um es uns kurzerhand zu rauben. Es ist ihnen nicht gelungen, trotz vieler Massenstürme die lebendige Mauer, die das Heer um unser Reich bildet, zu durchbrechen. Nun seid auch ihr berufen, ein Teil dieser Mauer zu werden. Dadurch, [daß ihr mit hinausgeht und am Kampfe teilnehmet, verteidigt ihr euer Haus mit allem, was darinnen ist, euren Grundbesitz, euer Bargeld, eure Angehörigen, euren Schatz, eure Zivilstellung (Beruf), eure Schule, eure Sprache (die Russen würden euch zwingen, in ihre Schule zu gehen und ihre Sprache zu sprechen). Ihr helft auch mit, die Güter eures Nachbars zu verteidigen, aller Bewohner eures Heimatortes, des ganzen Reiches, geradeso wie sie auch wieder helfen, euer Eigentum zu schützen. (Scheinbar sollte man glauben, daß ihr mehr zu schützen habt als die Urmenschen, da diese nur ihr eigenes Eigentum zu schützen hatten. Aber dadurch, daß euch auch die ändern helfen, ist eben euer Eigentum besser beschützt.) Ihr verteidigt endlich euren Kaiser. Ihr setzet das Leben ein für eure Ehre und Freiheit und für Freiheit und Ehre des Reiches. Euer ganzes Eigentum, alles, was euch wert und heilig ist, ist in Gefahr und wehe uns, wenn sich die Mauer zu schwach erweist! Dann würden die feindlichen Horden gleich dem Meere sich über unser schönes Vaterland ergießen, würden uns alles rauben und wir müßten froh sein, mit dem nackten Leben davonzukommen. Dort, wo wir Herren sind, wären wir dann Knechte. Das wißt ihr ja zur Genüge aus der Geschichte, wie es einem geschlagenen Volke, einem eroberten Lande ergeht. Aber dazu darf es nicht kommen! Ist es uns gelungen, gegen eine ungeheure Übermacht bis jetzt stand zu halten, so muß es auch weiterhin gut gehen bis zum endgültigen Frieden. Findet euch dieser in Feindesland, dann geht es an eine freudige Rückkehr. Welch ein Jubel wird es sein, wenn euch die Bahn an die Reichsgrenze bringt. Dann 4010 grüßt euch das Vaterland und dankt euch für die Rettung aus schwerer Not. Kommt ihr nach langer Fahrt ins Heimatland, so könnt ihr euch seiner Schönheit mehr freuen denn je; ihr habt es ja neu gewonnen. Nun gelangt ihr in bekanntere Gegenden, ihr habt die engere Heimat, die Muttersprache wieder. Wie herzlich wird endlich der Empfang im Heimatorte sein I Er ist der alte geblieben und hat, auf euch zwar mit Sehnsucht, aber auch mit Geduld gewartet. Der Gifthauch des Krieges hat ihm nur wenig anhaben können. Was für eine Siegesfreude da herrschen wird, wie euch die Bekannten empfangen, mit welchem Stolz euch die Eltern und besonders euere Schätzchen begrüßen werden, könnt ihr euch selbst ausmalen. Und daheim im Vaterhause werdet ihr die ungezählten lieben Dinge, die ihr so lange entbehren mußtet, jedes auf dem alten, gewohnten Platze wiederfinden. Ihr habt euer Eigentum verteidigt, ihr habt es nun wieder. So mancher bringt dann einen neuen Besitz mit, auf den er stolz sein wird bis an sein Lebensende — eine Tapferkeitsedaille. Fähnrich F. Slawik, Ldst. Ers. Komp. 1/25. Zur Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens. (Stellungnahme zu dem grundlegenden Programm im 151. Heft, 8. 3608.) Zu IV/2. Zur Säuglings- und Kinderpflege sind alle Mädchen ohne Unterschied des Standes ein ganzes Jahr verpflichtet. (Weibliches Dienstjahr1 vom 16.—17. Lebensjahr.) Zu IV/6. Der Satz: „Die heutige Obennittelschule und die ihr gleichgestellten Anstalten usw.“ ist sehr genau zu erwägen, damit nicht, wie gegenwärtig, bei künftigen Verordnungen alle Anstalten nach einem Leisten behandelt werden. Nehmen wir z. B. die durch den Krieg verursachten Bestimmungen Uber die Not-Matura, die allen Mittelschülern und den Zöglingen „gleichgestellter Anstalten“ nach einem vierwöchigen Besuche des letzten Jahrganges die Reifeprüfung gestattet, den Zöglingen des vorletzten ein Zeugnis über den ganzen vorletzten Jahrgang ermöglicht. Bei Gymnasien hat es doch wohl nicht so viel zu sagen, ob die Kriegsmaturanten ein bißchen weniger Griechisch, Lateinisch und Mathematik können oder nicht. Hingegen fällt bei Lehrerbildungsanstalten, bei Staatsgewerbeschulen die eigentliche Berufsausbildung gerade erst in die Zeit, die ihnen durch die Einrückung genommen wird. Da ist ihnen mit I Wochen nicht gedient. In dieser Zeit kann man weder jemanden zu einem Chemiker, noch zu einem Lehrer ausbilden, dies am wenigsten, wenn die Betreffenden mitten aus dem vorhergehenden Jahrgange herausgerissen wurden. Es kann einem um unser Volk und somit um unser Vaterland bange werden, wenn solche unfertige Leute die künftigen Geschlechter, die Zukunft des Vaterlandes, anvertraut erhalten sollen. Hier hätte also zwischen Mittelschülern einerseits und Lehramtszöglingen und höheren Staatsgewerbeschülern andererseits ein Unterschied gemacht werden sollen. Den letzten beiden Gruppen wäre — das ließe sich noch jetzt verordnen! — wenigstens ein Vierteljahr zum Besuche des letzten Jahrganges zu gewähren, Lehramtszöglinge mit der Verpflichtung, jede Woche wenigstens zweimal zu hospitieren und zweimal praktisch in Ganzstunden, im letzten Monat in ganzen Halbtagen aufzutreten. Die letzte Forderung müssen wir auch immer wieder bei jeder geplanten Reform der Lehrerbildung erheben. Zu IV/d. Der erst für die Fortbildungsschulen geforderte Unterricht in der Zweiten Landessprache hätte bereits mit dem I. Volksschuljahre einzusetzen, und zwar jetzt gleich, noch während des Krieges. 3 Vs Jahre haben wir unbenutzt dahinstreichen lassen. Es ist unbegreiflich, daß man diese gerade im Kriege so hervorgetretene österreichische Verständigungsschwierigkeit ruhig weiter bestehen läßt. Ein drastisches Beispiel: In dem Gebäude unserer Lehrerbildungsanstalt ist zugleich eine tschechische Volksschule untergebracht. Der Oberlehrer ist ein Deutscher. Könnte nicht die Militärbehörde ganz einfach kommandieren : Statt der Landwirtschaft, statt eines der vielen Musikfächer, statt des Taubstummen-und Blindenunterriehtes werden wöchentlich mindestens fünf Stunden tschechischer Unterricht 1 Zum Studium dieser Angelegenheit empfehle ich aus den Flugschriften für Österreich-Ungarns Erwachen. „Die Dienstpflicht der Frau“ von Marianne v. Waldkampf, Ed. Straches Verlag in Warnsdoif. Preis 1 K. gehalten. Dadurch würde dem Vaterlande und den Zöglingen sicher mehr gedient sein. Und so ließen sich in jedem Orte sprachkundige Gebildete linden, die auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes zur Verbreitung der Kenntnis einer Zweiten Landessprache heranzuziehen wären. Zu VI. Der Beurteilung (Qualifikation) der Lehrpersonen vor l’rtifungsterminen und Stellenbewerbungen hat immer der Inspektor eines Nachbarbezirkes mit anwesend zu sein. Er, der fremde, also von etwa vorliergegangenen Vorkommnissen völlig unbeeinflußte Inspektor hat den Beurteilungsgrad vorzuschlagen, den der eigene Inspektor wohl verbessern, nicht aber herabdrücken darf. Entsprechend dem Brauche in militärischen Anstalten, deren Lehrer nach 5 Jahren wieder als Offiziere zur Truppe zurück müssen, soll jeder Schulinspektor wieder einmal ein Jahr lang Schule halten, damit er nicht zu einem Bürokraten verknöchere. Es muß ihm Gelegenheit gegeben werden, ein Jahr in einer einklassigen, ein Jahr in einer mehr* klassigen Volksschule, ein Jahr in einer Bürgerschule und eines in einer Übungssclmle zuzubringen. In gleichem Sinne wären auch die Direktoren von Lehrerbildungsanstalten zu verpflichten, ihren Unterricht nicht bloß in den Jahrgängen der Lehrerbildungsanstalten zu erteilen, sondern die Ilälfte ihrer Stunden in der Übungssclmle abzuhalten. Einige Stunden hätten als Musferstunden für die Zöglinge und für den gesamten Lehrkörper zu gelten. Jeder in die Praxis eintretende Abgangszögling ist zur Hospitation bei sämtlichen Lehrkräften der Schule verpflichtet. Außerdem wird ihm der rangälteste Lehrer nach dem Schulleiter in der Art wie bei Probekandidaten als Berater zugewiesen. Außerdem war ich immer schon für die Vereinheitlichung des Lehrerstandes. Hat jeder General als Leutnant, der Erzbischof als einfacher Geistlicher seine Lauf bahn beginnen müssen, warum soll nicht auch jeder Universitätsprofessor als Dorfschullehrer anfangen? ln Sachsen, wo der Ortsgeistliche zugleich der Ortsschulinspektor ist, muß dieser drei Jahre unter dem Titel „Kandidat“ Volksschullehrerdienst getan haben. Vielleicht kommt auch einmal eine Zeit, in der Mitglieder der regierenden Häuser nicht nur ein Handwerk erlernen, sondern nebst dem Offiziersrock und dev Beamtensuniform auch den Lehrerhut für menschenwürdig ansehen. Eine norddeutsche Prinzessin ist seit Kriegsbeginn als Volksschullehrerin tätig. Das Examen hatte sie schon früher erworben. E. S. Kleine Mitteilungen. 66.) Die deutschen Lehrer Österreichs und die Kriegsanleihe. An die deutschen B. Sch. R. in Böhmen hat der Landesschulrat folgendes Anerkennungsschreiben gerichtet: „Auch die G. Kriegsanleihe hat in Böhmen mit 1179,067.337 K einen voll befriedigenden Erfolg erzielt. Von jener Summe hat die Hauptwerbestelle der deutschen Lehrerschaft in Böhmen für die 6. Kriegsanleihe den Betrag von 78.189.300 K aufgebracht. Aus den beim Statthaltcreipräsidiuin eingelangten Berichten ist zu entnehmen, daß nahezu die ganze deutsche Lehrerschaft in Böhmen auch diesmal wieder, sei es im Rahmen der Standesorganisation, sei es im Rahmen der Organisation der politischen Behörden, mit hingebungsvollem Eifer und aufopfernder Mühewaltung trotz der sich entgegenstellenden Schwierigkeiten an der Werbearbeit für die Kriegsanleihe mitgewirkt und sich um den Erfolg große Verdienste erworben hat. Der Bezirksschulrat wird aufgefordert, der deutschen Lehrerschaft für diese neuerliche Betätigung ihrer unwandelbaren und opferwilligen Vaterlandsliebe in geeignetem Wege den wärmsten Dank und die volle Anerkennung des Landesschulrates sofort bekannt zu geben.“ 67.) Lehrerbildung. Nur ein charaktervoller und geistig hochstehender Lehrerstand gibt die Gewähr für das Gelingen der Schulerziehung. Notwendig ist eine durchgreifende Hebung der Lehrerbildung. Der Schulinspektor ist leider zum Aktenmenschen umgewandelt. Auch unsere Schulverwaltung muß strammer, fester werden. (Schulbesuchserleichterungen!) Schwer fällt ins Gewicht, daß während die Schule zu Wohlanständigkeit, zu Gesinnungstüchtigkeit, zu Gemeinsinn usf. anhält, die Umwelt in blendender, hinreißender Form so ziemlich das Gegenteil predigt. Päd. Reform. 68.) Donauwacht. (Gedichte von Marie Rudofsky. Verlag des Silbernen Kreuzes in Wien I., Bäckerstraße 8; Preis K 150.) — Ich bin, sosehr ich mich zur Objektivität zwinge, ein Feind von Kriegsgedichten, insonderlich von solchen, die die Frauenmuse bringt. Aber hier, in dem feldgrauen Bändchen, fand ich mich als gerechter Beurteiler wieder. Warum? Weil ausgesprochene dichterische Begabung und ein tiefes Gemüt zu mir sprechen. Marie Rudofsky ist nicht eine Versemarherin des Tages, sondern eine Dichterseele im wahrsten Sinne des Wortes. Hochauf schießt ein warmer Quell aus einem glühenden Mutterherzen und wärmt nach allen Seiten hin. Man merkt es den Gedichten an, sie haben eine Sturmflut der Gefühle ausgelöst; aus ihnen strömt die große Zeit. — Muß ich nach solcher Wirkung auf das Gemüt des vom Vorurteil befangenen Mannes der Poesie des Weibes gegenüber erst zur Beschaffung dieser seltenen Gabe rufen? In jede Schulbücherei gehört der Feldgraue hinein, auf daß die Jugend des Vaterlands, und vor allem die weibliche, aus seinem Antlitz Heldentum lese. — P. 69.) Säuglingsschutz. Die Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Mähren entsendet eine Wanderlehrerin für Säuglingspflege, die in leichtfaßlichen Vorträgen die weitesten Volkskreise mit moderner Säuglingspflege vertraut macht. Der Dame geht der Ruf bester Fachtüchtigkeit voraus, die sie sich durch praktische Übungen sowie methodische Durchbildung ihrer theoretischen Kenntnisse an den ersten Bildungsstätten der Monarchie und des Reiches erworben. Zeitschr. für Kinderschutz und Jugendfürsorge. 70.) Unsere Front gegen Italien ist in ihrer ganzen Ausdehnung in dem großen Maßstabe 1:350.000 auf den neuen Freytagschen Karten der Tiroler, Kärntner und Isonzofront enthalten. Die beiden Karten sind in vielfachem Farbendruck ausgeführt, 40:55 cm, bezw. 55:80 cm groß, mit einer Fülle von Namen und Einzelheiten versehen und kosten zusammen in einem Umschlag K 2’50 — M 1 60 (mit Postzusendung K 2 60 — M T70) gegen deren vorherige Einsendung (Nachnahme erhöht die Kosten I) jede Buchhandlung wie auch der Verlag G. Frey tag <£ Berndt, Wien VII., Schottenfeldgasse 62 (Robert Friese, Leipzig, Seeburgstr. 69) sie liefert. Die beiden Karten sind auch jede einzeln zu haben und zwar die Tiroler Front für K 150 == M 1 — (mit Postzusendung K 1 60 — M 110), die Kärntner und Isonzofront für K 1 ■— = M 60 (mit Postzusendung K 110 = M 70). Wir empfehlen diese wie die verschiedenen Freytagschen Kriegskarten der anderen Kriegsschauplätze, über die Prospekte vom Verlage auf Verlangen kostenlos zugesandt werden, ihres reichen Inhalts wie der übersichtlichen Darstellung wegen. 71.) Wirkungskreis des Ministeriums für soziale Fürsorge mit Bezug auf die Jugendfürsorge. Angelegenheiten des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge, mit Ausnahme der in den Wirkungskreis der Gerichte fallenden vormundschafts- und strafrechtlichen sowie der dem Ministerium für Volksgesundheit vorbehaltenen gesundheitlichen Angelegenheiten, und zwar insbesondere: Mutter-, Säuglings- und Kleinkinderfürsorge in sozialer und rechtlicher Beziehung, Zieh- und Haltekinderwesen, Waisenpflege, Fürsorgeeinrichtungen für die Jugend (Kindergärten, Horte, Tagesheimstätten, Heime u. dgl), Berufsberatung der schulentlassenen Jugend, Wohlfahrtspflege für die im Gewerbe tätige Jugend (mit Ausnahme der fachlichen Einrichtungen und Maßnahmen zu ihrer Heranbildung) usw.; Durchführung und Vollzug der Fürsorgeerziehung mit Ausnahme der staatlichen Erziehungsanstalten, die für den Vollzug der von den Strafgerichten verfügten Fürsorgeerziehung errichtet werden und bis auf weiteres dem Justizministerium unterstehen; Ausübung der staatlichen Aufsicht über die Anstalten und Einrichtungen zum Schutze der verwaisten, verlassenen, mißhandelten, verwahrlosten oder mit Verwahrlosung bedrohten Kinder und Jugendlichen; fachliche Aus- und Fortbildung des Personales für Kinderschutz und Jugendfürsorgeanstalten; all dies unbeschadet des dem Ministerium für Kultus und Unterricht in Fragen der Erziehung und des Unterrichtes zustehenden Wirkungskreises sowie vorbehaltlich der Mitwirkung dieses Ministeriums in grundsätzlichen und organisatorischen Angelegenheiten. Organisierung und Förderung der freien Selbsttätigkeit auf dem Gebiete des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge, insbesondere der in dieser Richtung wirkenden Vereine, Anstalten, Fonds und Stiftungen. Mitwirkung an den Angelegenheiten der Berufsvormundschaft und der Vormundschaftsräte sowie beim Schutz unehelicher Kinder. Mitwirkung an den grundsätzlichen Angelegenheiten der körperlichen Ertüchtigung der Jugend und ihrer Heranbildung zur Wehrhaftigkeit. \*t 1 ^ ö I ( (14. Jahr.) Jofflf 167. für den Monatschrist zur -fürbtroitg des okerr. faubfajiihstfisis. I9i! (Wie bequem! D. Sch.) Durch den Aussensturm. 1. Gortice. Arakau, strahlend im Glanz der untergehenden Sonne, zeigte ein wesentlich anderes Bild, als es aus Büchern und Unterricht gehoben, in der Seele lag. Der eigenartige Stil der Bauten, die weiten Plätze, umsäumt von frischem Grün, die prächtigen Anlagen: alles gemahnte an Wohlhabenheit und feinen Geschmack. Dazu das Singen und Alingen in allen Teilen, die mein Fuß durchschritt I Das alte Polen mit seiner Pracht stieg vor dem Geiste auf. Vergessen war die dräuende Russennot, vergessen der Aampf; Lebenslust schien eingekehrt und mitten drin wob die Zukunft goldene Läden für den alten, nun der Wirklichkeit nähergerückten Traum von der Wiedererstehung des Königreichs. Die Fahrt nach Gorlice über Tarnow hinüber zeigte viel der wechselvollsten, reizendsten Bilder. Die Morgennebel hoben sich und Stück um Stück brachen die Vorgelände des Gebirges hervor. Anmutiges Hügelland, über das sich fruchtbare Acker schwingen und saftige Graswellen ergießen. Der Wald ist zum Teil gefallen,'gefallen wie so mancher Trupp, der durch diese Lurchen stürmte. Das Gedenken an die, die der große Schnitter hier gemäht, stimmte düster. Und je näher wir an Gorlice herankamen, desto mächtiger quoll die Erinnerung an die Tage der denkwürdigen Schlachten auf. Einigermaßen glättend wirkte die Unterhaltung mit einer Lehrerin, die in einer Zweigstelle hereingeschlüpft war. Das junge Fräulein kam schnurstracks von Wolhynien; dort wirkte die Kollegin an einer Militärschule. Nun gab es Ferien, Ferien im weltberühmten Gorlice. . . Von der Bahnstelle weg war ein Weg von einer Stunde auf einer breiten, geraden Straße zurückzulegen. Zch betrachtete die tief* gefahrenen Runsen und hörte im Geiste die schweren Geschütze und Kraftwagen vorüberdonnern. „Hier werden sich die Russenhaufen in wilder Flucht dahin gewälzt haben!" — Allmählich traten die Gebirge aus dem Horizont und umrahmten die Waldecke, aus der sich an jenem 5. Mai die Armeen der Verbündeten auf den Feind geworfen. Lin Schulbeispiel für ein Schlachtfeld! Zuvorderst die Ebene mit sanften Wellen, links hinan ein steiler Hang, jenseits ein weitgezogener Rücken, rechts ein Wall. Ulein Erklärer wies auf die Höhenwand vor uns und teilte mit: „Sehen Sie, dort waren über tausend schwere Geschütze der Angreifer postiert I Es war schon spät am Vormittage, da begannen sie zu brüllen und der Berg spie Feuer, als hätte sich die Hölle aufgetan. Zn wenig Stunden war die Stadt ein Trümmerhaufen und in die Front der Russen eine breite Bresche geschossen. Nun hob der Sturm an. Zn Hellen Kaufen drangen die Deutschen, Ungarn und (Österreicher von den Gängen und ein Ringen, wie es die Weltgeschichte noch nicht verzeichnet, begann. Drüben an der Kirchhof-mauer hatten die Russen Maschinengewehre eingebaut; dort setzten Preußen an. Dreimal fegte sie das Feuer aus dem Gottesacker hinweg; doch immer wieder traten neue Scharen auf den plan, bis das todbringende Zischen erstarb . . . Links den Wald hinan stürmten Tiroler, drunten rangen Bayern nach bewährter Methode, d. H. mit dem blanken Messer. Und mitten durch drang die gewaltige Woge unaufhaltsam vor, bis der Feind ins Wanken geriet und in wilder Flucht sein Heil suchte." — Nachdem ich solcherart die Schlacht vor meinem Auge in furchtbarer Entwicklung gesehen, betrat ich in heiliger Scheu die einzelnen Stätten. Also hier, wo der einsame Stein mitten in der Flur zur Andacht mahnt, da floß preußisches Heldenblut . . . Ein innig Gedenken den Braven 1 — Dann bogen wir zur Talsohle hinab. Verfallene Unterstände am Straßenrand zeigten an, wo die tapferen Bajuwaren gehaust. Am Quell, der durch 4024 die Fluren rauscht, lag noch ein zerbrochenes Messer. Wer niag es geführt, wer durch seinen Stoß das Leben verloren haben I . .. Droben am Waldweg stand zwischen Trümmern die Kirche unversehrt; mitten im Wüten der Schlacht hat sie kein Schuß auch nur gestreift. — Trotz des strömenden Regens stiegen wir den £)aug hinan, über den Tirolerblut geflossen. Tin Friedhof krönte ihn. Ich trat ein und mein Blick traf — welch ein sonderbarer Zufall! — den Namen eines meiner Schüler. Also hier, du Iung-blut aus dem Böhmerwalde, muß ich dich wiederfinden I Damals, als wir beide aus der Schulstube weg ins Feld gezogen, hat stolzer Mut die Brust geschwellt; nun ruhst du unter dem Rasen, aber unter einem, den ein großes Geschehen geheiligt für alle Zeiten . . . Der Mitte zu bleibt mein Auge wieder haften; ein Neffe des Siegers von Krasnik, unseres Dankl, hat hier sein ewiges £)eint gefunden. Ja, unsere Heerführer schonen nicht das eigene Blut; sie zeigen der Welt, daß es jedermanns Pflicht ist, für das bedrohte Vaterland alles, auch das Teuerste, einzusetzen. — Doch sieh, wir sind nicht allein I In der Ecke des Heldenfriedhofes beugt sich eine schwarze Gestalt über einen Hügel. Wir nähern uns. Eine abgehärmte Frau in den Vierziger-Jahren. Eisiges Schweigen schließt den Mund, tiefer Ernst liegt in den Zügen. „Gewiß der gefallene Sohn, Gnädige?" „„Ja, mein Einziger. Ich bin gekommen, seinen Leichnam heimzubringen. Da ich aber auf der Heldenstätte weile, auf der er sein Leben für sein Volk gelassen, bin ich anderen Sinnes geworden. Hier soll er auf immer ruhen, wo er gestritten, hier, wo der Ruhm über seinem Grabe glänzt und wo seine Kameraden neben ihm gebettet sind! Da ist seine Heimat!"" — (Wirb fortgesetzt.) Pädagogische Splitter. Den guten Erzieher erzieht das Kind, den schlechten zieht es. Der Pädagoge schreibt nieder, der Pedant rubriziert. Und wenn nur ein Viertel der vielen Ermahnungen auf fruchtbaren Boden fielen, so würde doch das Kind kein halber Mensch werden. Schlimme Freunde, große Freiheit, Mutterschwäch’ bei Vaterstrenge, Das Ergebnis all der viere? Fehler sind’s in großer Menge, Das Leuchten der Kinderaugen ist die bindende Erklärung, daß die Seele bei der Sache ist. Lerne dem Leben 1 Lebe dem Lernen 1 Theodor Tauber. Polack-Ecke. 19. Ist der Tod ein Erlöser von allerlei Pein, so reißt er doch stets eine Lücke, die nur die Zeit zn füllen vermag. Der beste Trost ist die Liebe, die über Sarg und Grab geht, und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Lande des Lichts. 20. Dezember 1906. 1 Aus einem Briefe an den Kaiser!. Rat A. Hofer in Wien. (Bisher noch nicht veröffentlicht.) l£>eraii*fl