Macher TaMtt. Redaction und Expedition: Bahiihofgasse Nr. 15 Nr. 203. EEESSi Donnerstag, 4. Sept. 1879. — Morgen: Laurentius I. 12. Zahrq. Mit der Post: ö'anjiäjr. fl. 12. zeigen bl» 6 Zeilen 20 tr. y Insertion »preise: Sin. Auch ein Vorschlag. Wir sind es nicht gewohnt, die ^national-rechtlichen Schmerzensrnfe und politischen Rathschläge der national-klerikalen Presse an dieser Stelle zu besprechen. Für sie genügt der lokale, beziehungsweise der provinzielle Theil um so mehr, als gegenstandslose Träumereien, die nur der völlig Uneingeweihte als reale Projekte behandeln und beurtheilen kann, gewiß kein besonders dankens-werthes Objekt politischer Erörterungen abgeben können. Wenn wir heute von dieser unserer Gepflogenheit eine Ausnahme machen und einen Ansspruch der „Novice" zum Gegenstände einer ernsteren Betrachtung machen müssen, so geschieht das keineswegs deshalb, weil wir dem Organe des Dr. Bleiweis irgend welchen autoritativen Einfluß auf den Gang der politischen Ereignisse in Oesterreich beimessen. Im Gegentheil handelt es sich bei uns im vorliegenden Falle lediglich darum, die vollständige politische Unreife eines Organs zu konstatieren, das trotz der Inspiration durch den Palacky des Slovenenthums doch kaum über die ersten Anfänge konstitutionellen Denkens hinausgekommen ist. Gleich dem „Slovenski Narod" ist auch den „Novice" der Linzer Parteitag ein sehr unbequemer Zwischenfall. Während aber das Organ deS selig im Herrn entschlafenen Junaslovenenthums in etwas rabiater Weise dem Miiiiftmum Taaffe den indirekten Vorwurf der Schwäche deshalb machte, weil es den Linzer Parteitag nicht buich die Polizei sprengen ließ, spielen sich die „Novice" auf den Staatskünstler hinaus, welchem vor allem daran gelegen ist, seinen speziellen Wünschen auch auf parlamentarischem Wege eine Art von Berechtigungs-Hintergrund zu verleihen. „Novice" rechnen aus, daß nach den Zahlen des Linzer Pmteitags die Regierung im neuen Abgeordneten-h^i'se höchstens auf eine Majorität von 13 Stimmen rechnen könne. Da eine solche Mehrheit ungenügend sei, um das Ministerium Taaffe vor dem Anstürme der geeinigten verfassungstreuen Gegnerschaft zu schützen, so werde es den Reichsrath auflösen und Neuwahlen ausschreiben müssen. „Novice" sprechen diese Beweisführung mit einer nicht zu verkennenden stolzen Ruhe aus, gerade so, als ob sie damit eine ganz neue politische Offenbarung der Mitwelt überliefern wollten. Wir sind jedoch anderer Ansicht und haben uns bei den „Novice" nur insofern zu bedanken, als sie unsere bereits längst ausgesprochene Ueberzengung von der Regierungsunfähigkeit der parlamentarischen Mittelpartei auch zu der ihrigen machte. Liegt ja doch in der Zustimmung des Gegners der triftigste Beweis für die sachliche Begründung unserer Anschauung. Wenn aber „Novice" an die Erkenntnis der erwähnten unleugbaren Thatsache den Satz knüpfen, daß die Regierung im gegenwärtigen Zeitpunkte zur Sprengung des Reichsrathes schreiten solle, so ist das eine Forderung, die wir im Munde eines nationalen Organs nur dann begreiflich finden, wenn wir bei demselben eine vollständige Begriffsverwirrung in Bezug auf das parlamentarische Regiment und dessen Hilfsmittel voraussetzen. Wie jedermann weiß, ist die Auflösung con-stitutioneller Vertretungskörper vor Ablauf ihrer gesetzlichen Functionszeit als eine Berufung der Regierung vom Parlamente an das Volk zu betrachten. Erstere wird daher von ihrem diesbezüglichen Rechte nur dann Gebrauch machen, wenn sie mit der Majorität der betreffenden parlamentarischen Körper in Widerspruch geräth und zugleich der Meinung ist, daß die von dieser Mehrheit vertretene, von ihr aber bekämpfte Richtung auch innerhalb der Wählerschaft auf keine Beistimmung zählen könne. Zu dieser Rechnung haben dann die Resultate der Neuwahlen die Hjrobe zu bilden. Fallen sie im Sinne der Regierung aus, so ist wenigstens nach außen hin der Beweis erbracht, daß die Voraussetzungen derselben richtig waren. Es ist daher eine Pflicht der Selbsterhaltung für jedes Kabinet, von dem Auflösungs- rechte nur dann Gebrauch zu machen, wenn seine Stellung zum Parlamente unhaltbar geworden und zugleich genügende Anhaltspunkte für ein günstiges Resultat der Neuwahlen vorhanden sind. Wie stellt sich nun das Ministerium Taaffe zu diesem Satze? Kann dieses hoffen, aus der ihm von der „Novice" angerathenen Ausschreibung der Neuwahlen auch neue Lebenskraft zu ziehen? Wir müssen letztere Frage ganz entschieden im verneinenden Sinne beantworten. Denn die Achillesferse seines Sistems liegt ja nicht darin, daß er im Parlamente nur über eine zu kleine Majorität verfügt, sondern vielmehr einzig und allein im Factum unnatürlicher Allianzen. Wäre die parlamentarische Majorität eines Kabinets Taaffe-Falkenhayn-PraZak-Korb auch noch so groß: sie wird und muß bei der Behandlung concreter, politischer Fragen in ihre Elemente zerfallen und mit ihr zugleich das Ministerium, welche sie repräsentierte. Es ist also nicht gut einzusehen, wie durch Neuwahlen dort Hilfe für ein Ministerium geschafft werden soll, dessen Schwäche nicht als vorübergehendes Hebel, sondern als Uebel seiner Gesammtorganisation anszusaffen ist. Vollständig widersinnig ist es aber, von der Sprengung des Parlaments und der Ausschreibung neuer Wahlen eine Vermehrung der Zahl jener zu erwarten, welche dem jetzt beliebten Sisteme unnatürlicher Allianzen ihre Zustimmung geben. Hat ja doch schon die Zeit von den letzten Wahlen bis heute vollständig hingereicht, um jeden vor-urtheilsfreien Beobachter zu überzeugen, daß selbst die redlichsten Wünsche zur Constituierung einer sogenannten Mittelpartei im Sinne Taaffe's nur den Veitstanz nationaler und föderalistischer Sou-derbestrebnngen begünstigen. Als Graf Taaffe die letzten Wahlen behufs Bildung einer alle Fraktionen vereinigenden Compromißpartei leitete, konnte man sich wenigstens auf den guten Willen des künftigen Ministerpräsidenten berufen. Nun haben aber die Extravaganzen der verschiedenen föderalistischen Parteien gezeigt, welche Preise sie Feuilleton. Wenn Fürsten reisen. Neben vielen zum Theile recht annehmbaren Vorzügen haben die Repräsentanten des monarchischen Prinzips vor den regierten Menschenkindern unter anderem auch die Unbequemlichkeit voraus, daß sie ihrem nachbarlichen Ranggenossen keine Visite abstatten können, ohne Stoff zu großartigen Zeitungsartikeln zn geben. Der gewöhnliche peitsch ist froh, wenn er „nicht in die Zeitung 'vmmt". Regenten müssen sich aber daran gewöhnen, daß schon ein zufälliges „Verschnupftsein" ,lt den Zeitungsredactionen bis auf dessen letzt-Möglichen politischen Folgen mit Aufmerksamkeit Erfolgt und erläutert wird. Wer kümmert sich ®?rum, wenn Vetter Leim oder Schwager Knie-bei einer politischen Wirthshausdebatte so ’^ge sitzen bleiben, daß sie am nächsten Morgen ?! einem Zustande erwachen, zu dessen Beseitigung 0,e Holländer den eingesalzenen Häring erfanden? Niemand, als höchstens die Ehehälften der Betreffenden, welchen es in richtiger Würdigung des alten Satzes, daß Mann und Weib eine Seele und ein Leib sein sollen, stets im Kopfe herumzugehen pflegt, wenn der Eheherr den geistigen Genüssen allzusehr huldigte. Wie ganz anders bei einem reisenden Fürsten, der keine Migräne, keinen Kopfschmerz haben darf, wenn er nicht Gefahr laufen will, daß ein Runzeln der Stirne, ein nervöses Zucken der Mundwinkel von irgend einem besonders scharfsinnigen Zeitungsrepor(er als Symptom hochgradiger Verwicklungen gedeutet uni) entsprechend journalistisch verwerthet wird. Genügt ja doch schon die bloße Kunde, daß ein Fürst auf Reisen geht, um sofort die ganze Tagespreffe in gelinde Aufregung zu bringen. „Wohin reist er — warum reist er — mit wem reist er", so tönt die Frage von Bureau zu Bureau. Der Leitartikler spitzt die Feder, um in Hinblick auf das Ziel der Reise und die politische Situation der Gegenwart ein Congloinerat politischer Eonjecturalweisheit zum Besten zu geben, obgleich er, im Grunde genommen, über den be- sprochenen Gegenstand nicht mehr und nicht weniger weiß, wie die Mehrzahl seiner Leser. Der Feuilletonist greift in die Anekdotenmappe und schneidet aus biographischen Meidingern einen Artikel, der unter dem Strich die Stelle dessen einzunehmen Hat, wo neben anderweitigen Erörterungen anch jene Aufsätze Platz finden, welche unter die Kritik gehören. Der Lokalberichterstatter, dessen erste Vorzüge in ein paar tüchtigen Lungenflügeln, langen Beinen und einem sehr dehnbaren Gewissen in Bezug auf Wahrheitsliebe bestehen, spitzt ein Dutzend Bleistifte, um damit den durchreisenden Fürsten zu empfangen. Kurz, alles ist in Action und wehe dem unglücklichen Leser, wenn ein solcher Fürstenbesuch in jene Woche» fällt, in welcher reife Gurken und Pflaumen die Signatur der Jahreszeit abgeben. Dann erhält er Wochen lang kein anderes Zei-tnngsmaterial zu Gesichte, als Leitartikel, Feuilleton und Lokalnotizen über den reisenden Potentaten, über sein Gefolge und seine Absichten. Diese Gefahr steigert sich, wenn der betreffende Fürst gewissermaßen einen exotischen Anstrich an sich für die Unterstützung der Regierung verlangen, und dieser Umstand allein muß hinreichen, um bei eventuellen Neuwahlen eine große Zahl jener Wähler schwankend zu machen, welche ehedem sanauinisch genug waren, an die Möglichkeit eines Zusammengehens der conservativen Elemente der Verfassungspartei mit nationalen, klerikalen und feudalen Sonderpolitikern zu glauben. Die Auflösung des Reichsrathes würde nicht eine Verstärkung, sondern eine Schwächung der Regierungspartei nach dem jetzigen Sisteme zufolge haben. Die „Novice" sind daher in einem gewaltigen Jrrthum befangen, wenn sie glauben, daß ein Appell des Ministeriums Taafse an die Wähler von diesen mit einem Vertrauensvotum für daS Coalitionsministerium beantwortet werden würde. Das Gegentheil kann vielmehr mit mehr als bloßer Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden, so zwar, daß der ganze Nutzen, welcher aus einer Beachtung der Rathschläge des Bleiweis'schen Organs erwachen würde, höchstens in den Aufregungen eines neuen Wahlkampfes und in einer Steigerung der nationalen Gegensätze bestehen müßte. Das mag zwar nach dem Geschmacke gewisser Größen sein, welche bei solchen Anlässen sich im Abglanze ihres Einflusses sonnen können, eine Regierung aber, welche die Versöhnung der Parteien anstrebt, darf und wird niemals zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nehmen, welche, abgesehen von den eben erwähnten Folgen, nur zum Sturze des von ihr vertretenen Sistems führen müßten. Die schweizer Ultramontanen denken nicht daran, mit der liberalen Regierung Frieden zu machen. Besonders im Berner Jura wird der Widerstand gegen die verhaßten Neuerungen von der ultramontanen Presse in einer Weise fortgesetzt, welche man recht gut als eine Art von Revolverpolitik bezeichnen kann. Erst jüngst hat der klerikale „Pays" einen Artikel gebracht, in welchem er unter Hinweis auf die Gefahren, deren die alt-katholischen Geistlichen und die Mitglieder der Berner Regierung im Jura ausgesetzt waren, mit einer Fortsetzung der energischesten Opposition droht. Von der liberalen Presse daran erinnert, daß die Hetze reien der Ultramontanen die einzige Schuld an einer solchen Sachlage gewesen seien, wirft sich nun der „Pays" in die Brust und ist schamlos genug, die bisherige Haltung seiner Partei in folgender Weise noch als eine besonders anerkennenswerthe Mäßigung hinzustellen: „Ja, auch heute wiederholen wir: daS jurassische Volk hätte in einem gegebenen Augenblicke die Regierung mit Blut bespritzen können, mit Blut bespritzen in der Person ihres Oberhauptes, Frage man nur Herrn Bodenheimer (den damaligen Berner Regierungspräsidenten), welcher, am 8. November 1873 mit einem anderen RegiermigSrathe und dem ganzen Gefolge der Eindringlinge auf den Rangiers (dem Grenzberge des Amtsbezirkes Pruntrut) angekommen, von der Nachricht, daß die Gegend in Aufruhr sei, sehr in Schrecken gejagt, nicht weiter gehen wollte und beim Präfecten in Pruntrut an-:ragte, ob er es wagen dürfe, nach dieser Stadt zu kommen. Herr Regierungspräsident Bodenheimer brachte damals das ganze Schisma mit sich. Nun wol! Wir behaupten, daß an jenem Tage, wenn der Jura gewollt hätte — und es hätten dazu nur wenige Jurassier genügt, — Herr Bodenheimer mit einen Begleitern auf dem Gipfel der RangierS geblieben und nicht weiter gekommen wäre. Keiner von ihnen hätte weder Bern noch Pruntrut wiedergesehen. Das „Schisma" wäre zu Ende und die Regierung von Bern wäre mehr als „mit Blut bespritzt" gewesen." Schließlich ruft der „Pays", da die Unterdrückung der jurassischen Bevölkerung angeblich auch jetzt noch fortgesetzt wird, dem übrigen Berner Volke die Schimpsworte zu: „Ja, ihr seid Herzlose, ein Volk fortwährend zu quälen, und ihr seid Feiglinge, ihr, Jbie Stärkeren, dieses Volk zu höhnen!" — Das sind die Mittel, mit welchen die Ultramontanen des Berner Jura Propaganda für das llnfehlbarteitsdogma unter einem Papste machen, dessen Milbe weit davon entfernt ist, die letzten Konsequenzen der von seinem Vorgänger eingeleiteten Kirchenpolitik zu ziehen. Und mit solchen rebellischen Kundgebungen und anarchischen Drohungen glaubt man ein System zu stützen, welches seine Wurzeln im Boden der christlichen Nächstenliebe zu besitzen vorgibt? Zum Kulturkämpfe in Frankreich. Die Kluft zwischen Liberalen und Ultra« montanen wird in Frankreich immer größer, während von beiden Seiten der jetzige Kamps dadurch gerechtfertigt wird, daß man, um diese Kluft zu schließen, Einheit in den Unterricht bringen müsse. Die Kirche beruft sich auf das ihr von Christus übertragene unverlierbare Recht aus die Unterweisung der Völker und der Jugend zumal; die Liberalen machen geltend, der moderne Staat müsse, um ungebrochene Bürger zu erhalten, die Geistlichkeit vollständig von der Schule ausschließen. Das „Journal des Debats," das heute diese Forderung in ihrer ganzen Schärfe stellt, fügt hinzu : „Vor dreißig Jahren würden wir diese Forderungen nicht gestellt haben, als die Kirche noch wirklich Kirche war; aber jetzt sind wir dazu gezwungen, da sie sich zur Gehilfin und Sklavin einer Gesellschaft gemacht hat, welche die Frei maureret angreift, während sie selbst der con centriertefte und vollkommenste Typus einer solchen Verbindung ist." Die „Debats" führen nun den Be weis, daß die Kluft, die jetzt zwischen dem modernen Start und der Kirche besteht, nicht von jenem, onbern von dieser gegraben werde: „Der geistliche Unterricht ist nothwendig exelusiv; denn die Kirche hat Dogmen, und sie hat in letzter Zeit noch neue erfunden: es wird der Tag kommen, wo die Kunststücke von Salette und Lourdes zu Dogmen erhoben werden. Um ernster zu reden, die Kirche erkennt die Verpflichtung des Concordats, also eines Vertrages zwischen ihr und dem Staate, nicht mehr an; ie lehrt infolge des neuen Dogmas der Unfehlbarkeit, der Papst sei absoluter Herr der Gewissen, er könne alle Verträge, die er schließe, lösen, und es könne überhaupt fein Vertrag zwischen Personen be-'tchen, von denen die eine die Macht vertritt und die andere derselben unterthau ist. Ein anderer Punkt ist die Zivilehe: soll dieselbe der kirchlichen vorhergehen? Was lehrt die Kirche? Daß die Zivilehe nur ein Concnbinat sei. Nun wol, was sind die Gruiidvesten des jetzigen gesellschaftlichen Bestandes der Nation, wenn es nicht in Bezug auf die Religionsverhältnisse das Concordat, in Bezug auf die bürgerlichen Verhältnisse der Code Civil ist? Ist es daher zu verwundern, wenn junge Leute, die in solchen kirchlichen Ideen erzogen werden, als Gegner, als Feinde in eine Gesellschaft treten, wo Gewissensfreiheit, Gleichheit aller Kirchen vor dem Gesetze und die unbeschränkte Geltung des bürgerlichen Gesetzbuches stattfinden? So entstand der Kamps, der jetzt aus» gefachten wird. Wer hat ihn herbeigeführt und ist für ihn verantwortlich ? Die „Debats" weifen auf eine Rebe Cousins hin, der 1844 der Pairstammer zurief: „Ich erschrecke vor ber tiefen Zerklüftung, die Sie in die Geschlechter bringen, welche Frankreichs Zukunft bilden werden!" Nachdem er den Gegensatz und Kamps zwischen „dem kirchlichen und wesentlich jesuitischen und dem weltlichen, durch Laien ertheilten Unterricht" geschildert, schloß er mit den Worten: „Daraus gehen zwei von Kindesbeinen von einander geschiedene Generationen hervor, die dereinst sich vielleicht als Feinde gegenübertreten. In diesem Lande ist alles möglich! Unsere Väter erlebten politische Bürgerkriege; wer weiß, ob die burch eine tolldreiste Gesetzgebung vorbereitete Zukunft nicht unfern Kindern Religionskriege bringt?" John Lemoimie fügt zu dieser Warnung des alten Cousin hinzu: „Er sah klar, man wollte ihm nicht glauben, und so sind wir jetzt, wo wir sind. Die Bürgerkriege um die Religion lehren wieber, sinb aber erst im Beginnen. Unb beshalb ist es an ber Zeit, jebeii für das verantwortlich zu machen, wofür er bie Schnlb trägt, unb es darf nicht stillschweigend hingenommen werden, wenn gesagt wird, die bürgerliche Gesellschaft, die Laiengesellschaft sei es, welche die Nation zerklüfte unb ben Kampf hervorrufe." Wir heben biefen Artikel bcs „Journal trögt, wie cs bei dem ritterlichen Fürsten der Schwarzen Berge der Fall ist, welcher eben jetzt unsere Reichshaupt- und Residenzstadt mit seinem Besuche beehrt. Die Romantik der Lernagora, das Malerische des montenegrinischen Kostüms — das alles sind Anhaltspunkte, die sich als spaltenfüllendes Zeitungsmaterial nicht minder gut ver-werthen lassen, wie die Beantwortung der Frage, warum ^itrst Nikola nicht nach Petersburg oder Konstantmopel, sondern nach Wien reist. Wir erlauben uns daher nur im Interesse humanen Mitgefühls an das zeitungsleseube Publikum die Bitte zu richten, sich in diesen Tagen mit Lang-muth zu wappnen und der unabwendbaren Hochflut montenegrinischer Leitartikel, Feuilletons und Notizen mit jener geziemenden Geduld entgegenzugehen, wie sie dem gebildeten Steuerträger des Jahrhunderts der Hinterladungsgeschütze geziemt. Zu lesen braucht er ja die Artikel nicht, da sie ja alle doch um den Refrain variieren werden, aß der Besuch Nikolas in Wien ey, Beweis der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Montenegro und Oesterreich sei. ' Doch halt, noch eine t andere Meldung ist aufgetaucht. Nikola will nämlich in Montenegro westeuropäische Kultur einführen und hat deshalb Wien zum Schauplatze seiner Kulturstudien gemacht. Nach der Grazer „Tagespost" hat der Fürst der Schwarzen Berge bei seiner Durchreise durch Graz auch bereits die Wiener Witzblätter mit besonderem Interesse besichtigt. Sollte in Montenegro eine Ausgabe des „Kikeriki" in glagolitischen Schriftcharakteren beabsichtigt werden, oder wollte sich Fürst Nikola aus einem bekannten Titelbilde der „Humoristischen Blätter", auf welchem die Minister Falkenhayn und Korb von Weidenheim in dem Momente abgebildet erscheinen, wie sie dem Grasen Taafse in das Fuchseisen gehen, sich einen Begriff darüber verschaffen, wie man bei uns Ministerkrisen erledigt? Hoffentlich wird sich eine andere, geschicktere Feder, als die unsere, dieses dankbaren Stoffes bemächtigen. Wir verzichten darauf in der sicheren Ueberzeugnng, daß unsere Leser es uns Dank wissen werden, wenn wir dieses Thema vorläufig hier unter dem Striche als abgethan erklären. Die Geheimnisse der Residenz. Nachtstücke aus dem Leben. Roman von F. K l i n ck. (Fortsetzung.) Herr von Lichtensels, dieser war es, schüttelte traurig den Kopf, als er sie so gedankenvoll in die Ferne starren sah. „Marie," redete er das Mädchen mit weicher Stimme an. Sie schrak zusammen, und eine hohe Röthe bedeckte ihre Wangen. „Darf ich wissen, Marie, woran in diesem Augenblick dein Herz denkt? fuhr er fort. Mariens Wattgen färbten sich noch höher, doch suchte sie ihrer Stimme einen heiteren Ton zu verleihen, als sie entgegnete: „Woran mein Herz denkt, Papa? Das dürftest du allerdings wissen, aber ich muß befürchten, du kennst die Person nicht, mit weichet meine Gedanken in Verbindung stehen." „Darin könntest du recht haben, mein Kind, ich kenne nicht alle Menschen, die mit deinem deS Debats" hervor, weil er zeigt, bis zu welcher Erbitterung bereits der Streit zwischen den Liberalen und Ultramontanen in Frankreich gediehen ist. * * * Wie sich gewisse Mitglieder der neuen Regierungspartei die Aufgaben des Ministeriums Taaffe vorstellen, darüber gibt die Rede Aufschluß, welche Fürst Georg Lobkowitz am 1. d. M. in einer zu Protivin abgehaltenen Wanderversammlung der Katholisch-Politischen zum Besten gab. Nach der Versicherung dieses Herrn werden in der kommenden Reichsraths-Session nicht allein staatsrechtliche, sondern auch national-ökonomische. Schul» und Religionsfragen zur Verhandlung kommen. Ueber die Religionsfragcn sei unter den czechischen Abgeordneten noch keine Einigung erzielt worden; die eine Fraction sei kirchenfeindlich, die andere noch zu gleichgiltig; aber jetzt sei es nothwcndig, mit entschieden katholischer Tendenz in den Vordergrund zu treten; darum müßten in Zukunft alle Ortsvereine zur Verbreitung und Befestigung des katholischen Geistes neuerdings arbeiten. * * * Der Versuch der Officiösen, durch die Kundmachung eines wirtschaftlichen Regierungsprogram-mes gewisse Beziehungen zwischen dem Kabinette Taaffe und der Verfassungspartei zu entdecken, hat die czechische Presse in eine gewaltige Aufregung versetzt. „Pokrok" bezweifelt, daß die Regierung daran denke, sich mit Anhängern der Verfassungs-Partei zu verstärken, indem er sagt: „In dem Momente, wo die Verfassungspartei die Majorität erlangt, gibt es ja nur ein Kabinet aus der Partei Herbst-Dumba-Kopp-Sturm, gewiß aber kein Ka-binet Taaffe. Das Coalitionsministerium, als ein ausgleichendes, reformatorifches, hat nur dann einen Sinn, wenn man daran denkt, die föderalistische Partei zu verstärken durch versöhnlich gestimmte Verfassungstreue." Noch viel rabiater geberden sich die jung- czechischeu „Narodni Listy", indem sie erklären, daß das von der „Bohemia" publicierte Programm der Regierung nicht geeignet sei, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die dem Ministerium Taaffe sich entgegenstellen. Das sei eine verkehrte Politik, die nach beiden Seiten mit Täuschungen droht. Daß man heute noch den Verfassungstreuen Weih- rauch streut und die Czechen in herbe Stimmung versetzt, das sei ganz unverständlich. Es sei eine erstaunliche Taktlosigkeit, sich damit das Vertrauen der Verfassungstreuen erwerben zu wollen, indem mau erklären läßt, die Czechen würden die An-geschmierten sein. früheren Leben Zusammenhängen, aber ich möchte gerne mehr davon kennen lernen. Ich muß leider befürchten, meine Marie, daß du dich in den neuen Verhältnissen nicht so ganz glücklich fühlst," sagte Herr von Lichtenfels, und ein Schatten flog Über seine klare Stirn. „Nicht glücklich, Papa, hälft du mich für so undankbar?" fragte Marie vorwurfsvoll. „Für undankbar gewiß nicht, Marie," sagte Lichtenfels, indem er mit der Hand über ihr weiches Haar hinfuhr, „ich halte dich eher für zu dankbar. Es ist mir nicht verborgen geblieben, Marie, daß etwas dein Herz bedrückt. Ich möchte aber nicht gern Geheimnisse zwischen uns wissen, wir dürfen einander nichts verheimlichen, am allerwenigsten einen Kummer, denn getheilter Schmerz ist halber Schmerz. Kind, sei aufrichtig, sage mir, was dir hier fehlt." „Mir fehlt, Papa? O was sollte mir in dieser reichen Umgebung fehlen? Deine Liebe und Güte hat mich ja mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten des Lebens umgeben." „Nicht das meine ich. Daß deine Genügsamkeit dir keine Wünsche gestattet, ist mir bekannt, weine Marie, ob du nicht Geselligkeit, Freunde u. s. w. entbehrst?" Vermischtes. — Ein Opfer der Hitze. Aus Bruck an der Leitha wird unter dem 30. August berichtet: Nachdem heutigen Kavalleriemanöver, gegen 11 Uhr vormittags, sank plötzlich der Kommandant der ersten Division des sechsten Hußarenregimentes, Rittmeister Ritter, vom Pferde. Trotz sofortigen ärztlichen Beistandes war derselbe nach wenigen Minuten eine Leiche. Rittmeister Ritter wurde vom Schlage gerührt. Der Kaiser war von diesem plötzlichen Tode tief erschüttert und ließ sich über Ritters Familien-verhältnisse an Ort und Stelle eingehend Bericht erstatten. Ritter hinterläßt eine Witwe mit drei Kindern. — EinesensationelleGeschichte von unberechenbaren Folgen, wenn sie eben wahr, circu-liert seit einigen Tagen unter einigen wenigen Eingeweihten in Pilsen, die durch Zufall Mitwisser eines überraschenden Geheimnisses geworden sind. Diesertage meldete sich nämlich der in der Strafanstalt zu Bory wegen Verbrechens der Brandlegung und der Majestätsbeleidigung eine mehrjährige Kerkerstrafe abbüßende Sträfling Schneidergehilfe Josef Schwarz bei dem Strafhausdirektor zum Rapporte und gab au, daß er, von Gewissensbissen gepeinigt, einen Meuchelmord gestehen wolle, den er vor etwa zwanzig Jahren noch in Gesellschaft eines Eomplicen verübt habe. Der Ermordete gehörte einem alten böhmischen Grafengeschlechte an, der Compliee des Sträflings soll ein noch am Leben befindlicher Baron, auch aus alter Familie, sein. Der Baron war aus den Grafen eifersüchtig, lauerte ihm mit Schwarz in einem Walde bei Dirne auf, und der Ahnungslose wurde meuchlings aus einem Hinterhalte erschossen. Die Leiche wurde gefunden, die Mörder wußten es jedoch so anzustellen, daß das ärztliche Parete auf Selbstmord lautete und der Graf als „plötzlich gestorben" beerdigt wurde. Nun nach zwanzig Jahren scheint erst die Stimme des Gewissens in dem einen Mörder zu erwachen und der wahre Sachverhalt ans Licht zu kommen. Alle Umstände treffen zusammen, und wenn sich auch die Strafhaus-Directiou anfangs der Meinung hingab, daß Schwarz sich nur nach einem, durch die Untersuchung bedingten Luftwechsel sehne, mußten dennoch bei der genauen Kenntnis aller Familienverhältnisse, die der Verbrecher an den Tag legte, alle die Ueberzeugung gewinnen, daß an der Sache vielleicht doch etwas Wahres fei. Die umfassendste Untersuchung wurde deshalb eingeleitet. — Koffuth krank. Einem Schreiben zufolge. welches Kossuths Gesellschafter, D. Jhasz, an einen der Redaeteure des „Ketskemet" gerichtet, „Gewiß nicht, Papa, deine Gegenwart gibt mir alles. Für Geselligkeit habe ich nie geschwärmt, Freundinnen habe ich nicht, und die einzige, die ich hatte, ist mir verloren gegangen; sie ist zu sehr vom Unglücke heinigesucht, als daß sie sich weiter um mich kümmern sollte. Papa, ich glaube, du täuschest dich, wenn du mich für unglücklich hälft." „Ich täusche mich nicht, Marie," sagte Herr von Lichtenfels ernst. „Ich habe ein scharfes Äuge für die, die mich lieben. Vielleicht weißt du es selbst nicht einmal, und in dem Falle bitte ich dich, einmal ernstlich nachzudenken. Dir fehlt irgend jemand in deiner Umgebung." Abermals bedeckte eine flammende Röthe Mariens Wangen, aber sie gab keine Antwort; sie wagte nicht, es zu bestreiten. „Habe doch Vertrauen zu mir Marie, kannst du es denn nicht? Habe ich dir etwa gezeigt, daß ich kein Herz besitze? Komm', fasse Mnth," fuhr er fort, seinen Arm um ihren Nacken schlingend, „ich kann alles begreifen, was es auch sei, du brauchst dich nicht zu fürchten — auch ich bin einmal jung gewesen, Marie." „O, darf ich, kann ich es dir sagen, Papa, wie undankbar ich bin?" schluchzte Marie. „Ja, hat Kossuth an einem Rheuma schwer zu leiden. DaS Uebel hat sich namentlich in die linke Schulter so eingenistet, daß er den linken Arm nur mit Hilfe der rechten Hand auf den Tisch heben kann. Auch ist sein Gesicht angeschwollen und sein Gesundheits-zustand überhaupt ein derartiger, daß er sich nach Monte Summano zum Gebrauch der Dampfbäder in der dortigen Höhle begeben muß, obwol seine Finanzen, wie Jhasz versichert, sich im schlechtesten Zustande befinden. — Greif Carlo Pecci f. Freitag starb in Rom der älteste Bruder des Papstes, Graf Carlo Pecci, in dem hohen Alter von 84 Jahren. Derselbe war schon seit mehreren Jahren leidend und starb ausgestreckt in einem Sessel sitzend, da ihm das horizontale Liegen große Athembeschwerden verursachte. Wie einige römische Blätter melden, cir-cuiiere in Rom das Gerücht, Leo III. habe heimlich in einer Carrosse den Vatican verlassen, um seinen sterbenden Bruder noch einmal zu sehen und ihm die heiligen Sterbesakramente zu reichen. Die Leiche des Verstorbenen wurde Freitag nach der Kirche della Minerva überführt, wo auch die Beisetzung derselben erfolgen wird. Dem Leichenbegängnisse wird voraussichtlich auch der Bruder des Verstorbenen, Kardinal Pecci, anwohnen. Der Papst hat jeden Empfang für zehn Tage eingestellt. Bemerkenswerth ist noch, daß der Graf in sehr ärmlichen Verhältnissen gestorben ist. Lokal-uu- Provinzial-Angelegenheiten. — (Ein sonderbarer Patriotismus.) Gewohnt, aus jedem Vorkommnis Kapital für die nationalen Zwecke zu schlagen, hat „Slovenskt Narod" auch die vom Obersten Hahmerle veröffentlichte Broschüre „Italicae res“ über die Verhältnisse Italiens benützt, um die slovenischen Anforderungen in möglichst wirksamer Weise neuerdings vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Zu diesem Zwecke lehnt sich der Verfasser des Leitartikels im gestrigen „Narod" an jene Stelle der erwähnten Broschüre an, in welcher von den Absichtender „Jtalia irredenta" aus die. wenn auch nur theilweise von Italienern bewohnten österreichischen Nachbarprovinzen die Rede ist, um schließlich den Satz auszusprechen, daß Oesterreich, wenn es nur wollte, in den Slovenen den sichersten Schutz gegen die Annexionsgelüste der Jtalianissimi haben könnte. Es brauche nur dem slavischen Volke, das am Adriatischen Meere Wacht hält, in nationaler Hinsicht volles Recht angedeihen zu lassen. Denn es sei nicht genug, daß man die Slovenen blos gegen die hochverrätherischen Italiener citiert und ihre Loyalitätskundgebungen du zeigst mir in diesem Augenblick den richtigen Zustand meines Herzens, den ich früher nicht fassen konnte — ich glaube, du hast recht, mir fehlt doch noch etwas in dieser Umgebung. O, aber verdamme mich deswegen nicht, ich habe dich ja damals nicht gekannt, ich hatte niemanden, der mich liebte, und ich sehnte mich so nach einem mitfühlenden Herzen." „Ich verdamme dich gewiß nicht, Marie, ich habe nie den Gedanken gehegt, dich allein zu besitzen — nur auf deine kindliche Liebe habe ich Anspruch erhoben, weiter will ich nichts von dir. Ich habe es längst gesehen, daß du liebtst, und wenn mich etwas schmerzt, so ist es das, daß du mir nicht längst dein Vertrauen geschenkt hast." „Ich habe selbst nie so klar gesehen," schluchzte Marie, „erst deine Worte haben es mir gezeigt. Ja, Papa, jetzt weiß ich es — ach, ich habe nicht geglaubt, daß man so unglücklich werden könne!" „Aber, was macht dick) denn unglücklich, mein Kind? Ist der, den du liebst, deiner nicht würdig?" fragte Herr von Lichtenfels beklommen. „O, Papa, er ist der edelste, beste Mensch von der Welt." „Wer ist es, Marie? Darf ich den Namen des Mannes erfahren?" (Fvrtschnng folgt.) gnädig zur Kenntnis nimmt: man müsse auch die verfassungsmäßigen Rechte der Nation vollinhaltlich und nicht blos ein bischen berücksichtigen. Die ganze slyvenische Nation werde sich erheben gegen die habgierigen Italiener und Deutsch-Preußen, wenn man sie nur zuerst von den Ketten der Germanisation und des Jtatienerthums befreit habe. Abgesehen, baß. es unsäglich läppisch ist, wenn „Slovenski Narob“ im Namen seiner Leser Oesterreich vor bem brutschen Nachbarstaate in Schutz zu nehmen versprich^ vor einem Staate also, auf bessen enge freundschaftliche Beziehungen zu Oesterreich so-wol Krone wie Regierung ben höchsten Werth legen., muß es mit einem Patriotismus wol sehr, schlecht bestellt sein, ber seine Bethätiguug erst dann in Aussicht stellt, wenn bie Regierung beit Slovenen sowol ihre beutscheu als auch ihre italienischen Mitbürger ans Messer liefert. Wäre übrigens ein Zweifel vorhanden, baß lebiglich ber blinde Rassenhaß es ist, welcher dem „Slov. Narod" •feinen Artikel in die Feder diktierte, so würde dieses durch, einen zweiten Artikel desselben Blattes beseitigt. in welchem einmal Italiener und Slovenen in. Görz gegen die dortigen Mittelschulen mit deutscher Unterrichtssprache aufgehetzt werden und gleichzeitig im Namen der Nation gegen die italienische Amtssprache der Gerichtsbehörben zu Triest uud Görz Klage geführt wirb. Helfe, was helfen kann — wenn es nur bem nationalen Chauvinismus Boxschnb leistet.j — (Verlosung.) Am 31. Oktober b. I. finbet im landschaftlichen Burggebäude in Laibach die 48. Versammlung der komischen Grundentlastungsobligationen statt. — (Vom Siechenhause.) In dem der Obhut der barmherzigen Schwestern anvertrauten Siechenhause befinden sich gegenwärtig 43 Sieche beiderlei Geschlechts. Im Mädchenasyl haben derzeit 14 Mäbchen Aufnahme gefunden, doch dürfte deren Zahl demnächst auf Kosten des Landes'Waisensondes auf 20 gesteigert werben. — (Konzert.) Heute abenbs um 8 Uhr produciert sich in den Gartenlokalitäten der Casinorestauration die gut geschulte hiesige Theater- und Nenhauser Kur - Musikkapelle unter Leitung des Orchesterdirektors G. Maier. — (Liedertafelkonzert.) Das Programm des für den 6. d. festgesetzten Singabenbs der Laibacher Liedertafel umfaßt folgende Piecen: 1.) Gericke: „Wach auf, bu schöne Träumerin", Chor ; 2.) Nedved: „Moj dom“, Chor; 3.) Koschat: „Es geht ein altes Mährlein", Soloquartett (Ac. Böhm, I. Böhm, Schulz. Dornik); 4.) Förchtgott: „Jarni“, böhmisches Volkslied, Doppelquartett; 5.) Storch: „Nächtlicher Gruß", Chor mit Tenor-solo (Ae. Böhm); 6.)Hasdrih: „Jadransko morje“, Chor; 7.) Engelsberg: „Mein Vieb ist eineAlpnerin", Chor; 8.) Hajbrih: „Pod olcnom“, Svloqnartett (Ae. Böhm, J.Böhm, Schulz, Puünk); 9.) ©cmtner: „Auf ben Bergen", Chor mit Dvppelqnartett; 10.) D. Jpavec: „Domovini“, Chor mit Tenor-unb Baritonsolo (Ae. Böhm und Schulz); 11.) Koschat: ,,D' Senner Mizzi", Chor; 12.) Otto: „In dem Himmel ruht die Erde", Chor. — Die Zwischenpausen werden durch Musik ausgefüllt. Bei ungünstiger Witterung Wird ber Singabenb auf einen später zu bestimmenden Zeitpunkt vertagt. — (Keine Traubenausstellung.) Die kraiu. Landes Wein- und Obstlianschnle in Slap bei Wippach gibt bekannt, daß heuer wegen der späten Reise der Trauben feine Traubenansstellmig stattfindet und somit auch das Weinkosten entfallt. — (Die Prämiierung krainischer Stuten und Fohlen) wird Heuer für die politischen Bezirke Gurkfeld, Littai, Rudvlfswerth und Tschernembl am 3. Oktober in St. Bartholinä und für bie politischen Bezirke Adelsberg, Gottschee, Umgebung Laibach, Loitsch unb Laibach (Stadt) am 6. Oktober in Adelsberg stattfiudeu. — Die Ver-theilnng der Prämien nimmt in beiden Concursorteu je eine besondere Kommission unter Leitung des betreffenden k. k. Bezirkshauptmannes, der zugleich KommissioiispräseS ist, vor. Außer den Silberguldeu-prämien werden auch Ehrendiplome vertheilt, und zwar speziell dann, wenn es an Silbergnlbeiipräinien mangeln sollte. Die Prämien selbst sind folgende: für Stuten mit Fohlen eine Prämie zu 40, eine Prämie zu 30 und zwei Prämien zu 25 Silbergulden; — für junge Stuten eine Prämie zu 30 und zwei Prämien zu 20 Silbergulden; — für Hengste zwei Prämien zu 15 und eine Prämie mit 13 Silbergulden. — (Laudwirthfchaftliche Tombola.) Montag den 8. September veranstaltet die Filiale der krainischen Landwirthschasts-Gesellschast in Wippach im Freien eine laudwirthfchaftliche Tombola mit folgenden Gewinstgegenständen: 1.) Tombola: Ein ungarischer eiserner Pflug, Werth 38 Gulden; 2.) Quinterue: eine große eiserne Maschine zum Knkuratzschälen, Werth 30 fl.; 3.) Quaterue: ein großer holländischer Filtrierapparat zum Klären des Weines, Werth 25 fl.; 4.) Terno: Traubenpresse, Werth 15 fl.; 5.) Ambo: eine Collection der Obst-baumzucht dienender Werkzeuge, Werth 6 fl. Zu Nr. 1, 2, 3 und 4 kommt je ein Geschenk des Laibacher Centralausschusses der Landwirthschafts-Ge-fcllfchaft. — Ein Los kostet 20 kr. Die Tombola ist mit einet theatralischen Production, mit Gesang und Tanz in den Lokalitäten der Wippacher Cital-niea verbunden. Witterung. Laibach, 4. September. Morgens Nebel, wolkenloser Himmel, schwacher Ost. Wärme: morgens 7 übr + 8 0", nachmittags 2 Uhr + 218° 6. (1878 + 20 6'*; 1877+ 14 6" C.) Barometer im Fallen, 737 87 Millimeter. Dar gestrige TageSmittel der Wärme + 14 5°, um 2,0° unter dem Normale. Angekommene Fremde am 3. September. Hotel Stadt Wien. Hamlisch, Reisender, Budapest. — Kaiser unb Walstabe, Kflte., Wien. — Kreppel, Kfm., Herzogeuburg. Hotel Elefant. Bach, Beamter, und Santarelli, Fabrikant, Wien. — Panlns, Hopfenhändler. — Aufmuth, Kfm., Graz. — Beer, k. k. Beamter beim Generalkommando, Agram. Sternwarte. BarboriS, Gastgeber, Rudolsswerth. — Ziwny, k. k. Zollamtsossieial, sammt Familie, Laibach. — 2er» buhoviö, k. k. Oberst, Graz. Bäurischer Hof. Langer Theodor, Techniker; Langer Fritz, Student, und Termitz, Beamter der Kaiserin Elisabeth-Bahn, Wien. — Rant, Lehrer, sammt Famlie, Prew. Kaiser von Oesterreich. Stcjc, Pfarrviear, Görz. — Zarin k, Lehrer, sammt Familie, Lirabcc. Mohren. Salitsch Maria, Agram. — Milauz, Gutsbes., Zirkniz.____________________ Bcrstordene. Den 2. September. Katharina Berovsek, Gärt-nerslochter, 4 Aion., Wienerftrasje Nr. 25, Brechdurchfall. Den 3. September. Elisabeth Zeglar, Haus-meisterstochter, 10 Moit., Wienerstraße Sfr. 35, Fraisen. — Johanna Hlebs, Hansbesitzerötochter, 31/« Mon., Hra-deezkydors Nr. 34, Brechdurchfall. Iin Zivilspitale: Deu 1. September. Martin Kristan, Diurnist- 34 I., Lungentuberkulose. Den 2. S e p t c tti b c r. Lukas Bierhar, Arbeiter, 35 I., epileptischer Wahnsinn. — Rosalia Svetek, Arbeiterstochter, 3 I., Darmkatarrh. Den 3. September. Johann Svetek, Arbeiters-sohtt, 4 X Darmkatarrh. — Maria Ravuahrib, Inwohnerin, 70 I., Luugcutuberculose. Lebensmittel-Preise in Laibach am 3. September. Weizen 9 fl. 10 kr., Korn 5 fl. 53 kr., Gerste 4 fl. 55 tr., Hafer 2 fl. 93 kr., Buchweizen 5 fl. 40 kr., Hirse 4 fl. 23 kr., Kukurutz 5 fl. — kr. per Hektoliter; Erdäpfel 2 fl. 76 kr. per 100 Kilogramm ; Fisolen 8 fl. kr. per Hektoliter; Rindschmalz 86 kr., Schweiitsett 74 kr., Speck, frischer 56 tr., geselchter 60 kr., Butter 75 tr. per Kilogramm ; Eier 2 kr. per Stück; Milch 8 kr. per Liter; Rindfleisch 58 kr., Kalbfleisch 56 kr., Schweinfleisch 60 kr., Schöpsenfleisch 32 kr. per Kilogramm; Heu 1 fl. 51 tr., Stroh 1 fl. 25 fr. per 100 Kilogramm; hartes Holz 7 fl. — tr., roeiches Holz 5 fl. — kr. per vier E.-Meter; Wein, rother 20 fl., weißer 16 fl. per 100 Liter. Gedenktafel über die am 0. September 1 879 statt findenden Sicitationen. 3. Feilt)., Marinschek'sche Real., Großubelsko, BG. Settosetfch. — 3. Feilb., Gasperlin'sche Real., Kaplavas, BG. Stein. — 2. Feilb., (soflic’schc Real., Savie, BG. Radmanusdors. — 2. Feilb., Tarman'sche Real., Kronau, BG. Kronau. 3. Feilb., Kouaisler'sche Real., Jmpel-bach, BG. Gurkfeld. - 3. Feilb., Klcmcnfii’sche Real., Unterschischka, BG. Laibach. — 3. Feilb., Pire'sche Real., Besniee, BG. Gurkfeld. — 3. Feilb., Svete'sche Real., Brunndorf, BG. Laibach. — 3. Feilb., Büsche Real., Pod-molnik, BG. Laibach. — 1. Feilb., Hizelherger'sche Real., Obersche, BG. Egg. — 3. Feilb., Zorko'sche Real., Selo, BG. Gurkfeld. — 3. Feilb., Ogrine'sche Real., Ogrina, BG. Großlaschiz. — 3. Feilb., Roie'fche Real., Retje, BG. Reisniz. — 3. Feilb., Perjatel'fche Real., Hnaikom, BG. Reisniz. — 3. Feilb, Zorko'sche Real., Ardrn, BG. Gnrk-fclb. — 1. Feilb., Tekavc'sche Real., Zapotok, BG. Laibach. — 1. Feilb., Birant'sche Real., Verbttje, BG. Laibach. — 1. Feilb., Jüdische Real., Goriea, BG. Egg. — 1. Feilb., Gcrfat’sche Real., Jauche», BG. Egg. -- 1. Feilb., Strum-belj'sche Real., Uittergolu, BG. Laibach. — 1. Feilb., GasperZii'sche Real., Eisnern, BG. Lack. Dachlatten bei (365) Emil ZCvEiiiilelsen, Brühl Nr. 27, Haus Ziakowsky (vorm. Koschier). Tlllil und (Sdittfmoltmuren-- Fabriks-Mederlage 1 Wien, VII. Bezirk, Mariahilferstraße Nr. 104, empfiehlt ihr reichhaltiges Lager von den billigsten bis zu den feinsten (402) 8-2 Aock-, Kosen- und Anzugstoffen für die Herbst- und Wintersaison, Dosqnins, Peruviennes, Düffel, Kammgarne, echt steirischen Loden für Herren, desgleichen auch Damenpaletots und Regenmäntel. Musterabschuitte und für bie Herren Schneidermeister Musterkarten auf Verlangen. Wiener Börse vom 3. September. Allgemein« Staat»-! u*„r Weid. ltrebit (£lif»bethbahn, 1. (6m. Ferb.-Norbb. t. ©tlbei Franz-Ioseph-Bahn . Galiz.K ^'udwigb.l.lL Oe st. Norbweft-Bab, Siebenbürger Bahn Staatöbahn, 1. Em. 'übbabit ä 3 Perz. n ä 5 „ . {)rioulluf«. Krebitlose MubolfSlose Devisen. 1‘onbon............ ©cfdforlen. Dukaten............ 20 Francs .... luO b. Reichsmark Silber............. ^etb 124 75 131 76 274 25 87*50 125— 116 25 100- 1011 99 50 96 — 10450 94 40 103* — !«6'80 71*40 169 50 121 75 103 50 170— 18 117-60 Ware 125— 132-25 274 50 88 — 125 50 116-50 100 25 101 30 99 75 96 25 105 — 94-70 103.50 26'— 71 70 170— 122 — 103*75 170 50 18-50 117 70 5-56 5-58 9-31 |9 32»/a 57 60 57 70 100 — |1C0 Telegrafischer Kursbericht am 4. September. Papier-Rente 66 50. — Silber-Rente 6815. — Gold-Rente 79-65. - 1860er Staats-Anlehen 124 -. — Bank-aetien 821. — Kreditaetien 256 50. — London 117 75. — Silber —. — K. f. Münzdukaten 5 58. — 20-Francs-Stücke 9-33. — 100 Reichsmark 57 75. Druck von In- v. K l e i n m a y r & F e d. Bamberg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaetion verantwortlich: Dr. Hans Kraus.