i^nthett, Mnt str AI»." Rr. »« Ä!o««tag, <4. Kebruar H8SS. VI« Jahrgang Die „Marburger Zeitun,," erscheint jede« Sonntag, Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fi., halbjährig S fl., vierteljährig I fl. by ?r; für Zustellung ins Haus monatlich IV kr. — mit Postversendnng: ,ganzjährig 8 fl., halbjährig 4fl., vierteljährig 2 fi. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mit 1V, bei zweimaliger mit 15, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, wozu fttr jedesmalige Einschaltung 30 kr. Jnseraten-Stempelgebühr kommen. Znr ^ji'jchicht«' Tun«!'. Die Kommlssio». welche zur Borberathung der Reich«, brseftigunq ernannt tvorden. beantr.'j^t die Befestigung von Prag, BudweiS. der EnnKlinie. Auök»au von Krakau. Olmütz und die B.fcstigung Wiens, wciters kin>s PnnkieS am Dniestcr in Ostgalizien, EperieS, Pest« OfiN, Szolnok, Szrgedln. jene von PrzemySl gewissermaßen als Berbin« dung zwischen Krukau und dem Drpotplatz in Oslgaiizien, schließlich die Btseftigung Sndti ols durch dj? Anlaj»e vieler Forts und die Besestigung TrientS. endlich jcnk von Villach und Ma'bnrg. WaS kostet die Befestigung EincS Platze»^? Mindestens 30 Millionen, denn tvenn man auch dtkmalen durch eine besondere Kouslruktlon der Laffetirung die Anwendung der Kaselnatten, der Schürten und der Panzer zu beseitigen vermeint, so muffen doch die Besatzung, die Vorrälhe. inSbejonders daS Schießma-trrial gegen die Hohlgeschosse verwahrt werden, wodurch sich die Kosten der beantragten Bautrn auf mindestcuS 400 Millionen erhöhen. In den maßgebenden Kreisen Baier nS verhült man sich zu der Flage üb^r die KriegSkcreitschast der Südstaaten sehr zuge-knöpft und hat nur ausweichende» Bescheid. Dieses Benehmen der Re-gierung stößt dadurch noch mehr BedeuktN ein, daß seit Beginn dieser Woche im KrirgSministerium tägliche VrrAhungen abgelialten werden, an »velchen der Ministerialrat!) Frhr. v. Völderndorff vom Minislerium deS Aeußern fich bclhliligt So kommt cS denn, daß man mit diesen Um-ständen drn jüngst erlassene» TagSbesehl dcS Kommandanten deS zweiten Armeekorps, in welchem er auf die Möglichkeit baldiger ernster Ereignisse hinweift, in Sintlayg bringt und ih» als Beleg zur RegierungSpolltit betrachtet. Die Politik Napoleons dürste ivesentlich davon abhängen, ob er sich der Zustimmung der Volksvertretung sicher fühlt. Es ist also nur natürlich, daß man jetzt schon nach Allem ausschaut tvaS einen Schluß aus den muthmaßlichen Ausfall der allgemeinen Wahlen im grühsommer geftaltet. In einigen Gegenden ist die Opposition dcs Sieges ziemlich slchet; aber sie vergißt, daß der Schwerpunkt deS allge-meinen Stimmrechts eigentlich doch nur im Bauernstände liegt. Die „Opinion Nationale" enthält abermals einen ihrer Briefe vom Lande, welcher in dieser Hinsicht sehr »venig trostreiche Aussichten eröffnet. Die Landbevölkerung ist und bleibt unt^r dem lLinflusse eineS fast albernen Schreckens vor dem zusammengesetzten Wesen. daS sich Behörde nennt. Sie ist mit gleicher Gelehrigkeit immer dem Willen der Regierung gefolgt im Jahre 1848 dem der Kommission der Republik, im Jahre 18S2 dem des Prinz Präsidenten, seitdem dem Willen der Präfekten. die ihnen ihre Kandidaten fertig liefern. Der Berichterstatter der „Opinion Rati-onale" bat gewiß nicht Unrecht, wenn er gleich von vornherein einen wesentlichen Fehler der bestehenden Wahlart in der Ausgabe von gedruckten Stimmzetteln findet. Eine geheime Abstimmung gibtS bei diesem Ber» fahren auf dem Lande durchaus nicht. Der Bürgermeister kann, tvenn er den Zettel auS der Hand deS Wählenden nimmt, ohne Weiteres er-kennen, ob das der amtlich vertheilte ist. Wenn der arme Teufel von Bauer selbst Lust hat. eine freie Stimme auf einem freien Papier abzu-geben, wird er sich dreimal bedenken, ob er den Scherereien des Beamten trotzen soll. Bei der Einführung dieser Wahlart wollte man die große Zahl der Franzosen, welche deS Lesens und Schreibens unkundig sind, nicht von der Ausübung ihres Wahlrechtes ausschließen. Die Erfahrung muß aber bereits klar gelnacht haben, daß man ein Uebel durch ein größeres zu verbeffern sucht. Die Mitgtt-d-rzahl de» Abg-ord«-te«ha«s-«. Marburg, 13. Februar. Eine Vermehrung der gewählten ReichSvertreter ist von jeher verlangt worden und hat sich die Regierung nun endlich au diese Frage gewagt: der Ministerrath soll nach BergerS Antrag beschloffen haben, die Zahl der Abgeordnelen um hundert zu vermehren; es würden demnach dreihundert uud drei Mitglieder im Abgeordnetenhause fitzen. Giskra soll die Ziffer vierhundert und sechs beantragt haben. Wir haben den Ausgleich mit Ungarn angenommen und mit einer schweren Bürde uns belastet in der Hoffnung, mit Ungarn gleichgestellt Nikolaus Leu au. Ein Vichtttlede« von H. kg (Schluß.) „Eher klein alS groß, aber stämmig, um die Schultern breit, von vortrefflicher Lunge und Brust, mit sehnigen Armen und Beinen, dazu voll Muth und Bertvegenheit lmd stets getvaltiger Herr des WortS — wäre Lenau ein vortrefflicher Husarenoberst gewesen. Sein sehr großer Schädel zeigt die Hülfsmittel des Dichters in höchster Ausbildung; daS Haupt-haar auf dem gedankenvollen Scheilel etwaS dünn. Backen- und Schnurr« hart dunkelbraun; die Stirne besonders breit, über der kräftigen, sanft-geschwungenen Nase sich gern slark faltend; die Vran'n. wie bei Biel-denkern, oft sich zusammenziehend, die Backenknochen, lvie bei Slaven. »vie denn überhaupt Lennu'S Gesicht an einen edlen Serben mahnte, ettvas hervorragend; die unaufgeworfenen schmalen Lippen energisch geschlossen; das Kinn wie abgehackt; endlich in den Augen zwei unergründ-liche Brunnen von Geist. Ticsfinn und Echwcrmuth . . . lvelch ein Herr, liches Gesicht! Hand und Fuß aristokratisch fein und klein; die Halturtg eiu gemächliches Sichgehenlaffen; meist gebeugt sitzend oder bequem lie-gend; auf gebogenen Knieen sich schwingender Gang; in Kleidung ge-wählt und zierlich fast. stetS rein behandschuht und auf daSAeußere mehr haltend, als man gewöhnlich bei Dichtern trifft: so. so war Lenau zu jener Zeit, als sein Name zuerst durch dle Welt flog." Bon nun an sehen tvir den Dichter im lebhaslcsttN Verkehr mit den vorzüglichsten Geistern WienS und Stuttgarts. In Wien tvar eS vor Anderen der edle Anastasius Glü». welcher sich in einer an Pietät gren zenden Meise von Lknau'S Genius angezogen stthlte. Diese Pietät, die durch Nicht« abgeschwächt wert'cn tonnte, fand später ihren schöitsten AuS druck in dem „Vorivorte". lvelches Anastasius Grün dem dichterischen Nachlasse deS verewigten FreundeS widmete. In Stuttgart waren eS. wie schon früher angedeulet. Uliland. Schwab. Mayer und Kerner. die dem GeisteSgenossen brüderlich die Hand reichten und ihre gastlichen Häuser in echt patriarchalischer Weise öffneten. Än Kerner'S freundlichem Asyl bei Weinsberg verlebte Lenau Stunden des reinsten, harmlosesten Glücks, während die romantische Lage des Orts seine ohnehin schon ungeheuere EinbildungSkrast noch steigerte. In jenem uralten Thurme. der etnft zur Befestigung der Stadt gehörte, und in dessen unterstem Räume, nach Zerstörung der Burg, deren unglücklicher Bertheidiger, Graf von Helfen-stein, gefangen faß, schrieb Lenau 1834 einen bedeutenden theil seines „Faust". Manchen Abend, oft biS titf in die Nacht, stand er auf der Zinne des alten Gemäuers, und schaute nach den dunkeln Umrissen der alten Beste „Weibertreue", aus deren Trümmern die Aeolsharfen herüber, klangen, die der phantastische Kerner dort angebracht hatte. Und streifte das Mondlicht jene Gegend, wo die „Seherin von Prevorst" begraben liegt, über deren Hügel jenes riesige goldene Kreuz schimmert, so griff der einsame Dichter zu seiner Geige, die er so meisterhaft spielte, und entlockte ihren Saiten die schlvermüthigsten Töne, die nicht selten in die wilden, kriegrrischen Klänge deS „Rakoczy" übergingen. „Denn," sagt Kerner, ^tiese Melancholie wechselte bei ihm sehr ost mit ausgelassenem Lustigscin -- eine Dissonanz, die ich oft mit geheimer Sorge beobachtete." Wenn Lcnau'S PersörUichk-it die Männerrvelt so unwiderstehlich anzog. ja beherrschte, so ist eS nicht zu verwundern, wenn diese Persönlichkeit einen mindestens gleich mächtigen Zanbcr auf daS andere Geschlecht übte. Die hervorragendsten Frauen jeneS auserwählten Kreises, obenan dic Damen Gras Alexanders von Würtrmberg, kamen dem Dichter mit unbefangenster Verehrung entgegen, die ihn mit freudiger Genugihuung erfüllte, weil er sie der Reinheit und Keuschheit seiner Muse zusehreiben durste. „Wenn Gräfin Marie sein innigstes Lied: „Weil' auf mir, du dunkles Angel" mit tiefer Empfindung vortru,^. sah man das seinige in freudigem Strahle erglühen. Doch dieses Erglühen, dieses Lächeln erschien immer wie die aus Augenblicke zlvischen düsterem Gewölk hervortretende Sonne." Aber trotz dirser vielseitigen Gunst und Verehrung, die dem Dichter von den edelsten grauen ward, sollte es ihm nicht vergönnt sein, eine Gefährtin zu finden, an deren Seite er beglückt durchs Leben gehen durfte. Einmal hielten ihu materielle Bedenklichkeiten von einem Ehe-bündniß zurück — ein anderes Mal körperliche und — geistige Leiden — zu werden. Vi« 3weith,ilu>g deS R,iches sollt« uns einen Rechtsgrund liesern. sür Oesterreich »ventgllens ein gleichet Maß von BolkSsreiheit und parlamemarischem Rechte zu fordern, wie Ungarn dieselben schon l)lsitzt. Um diese Hoffnung sind wir bis heute getäuscht wordtn wie lange wird sie noch als eine trügerische fich ertveiscn? Ungarn wählt auf 34000 Vewohner einen Abgeordneten; in Oesterreich kommt — abgesehen von der verschiedenen Wahlart — ein Abgeordneter auf 97,300 Seelen. Wo ist l^er die Gleichheit der Ver-ttetung? In Oesterreich fängt bekanntlich der Ktaatsmensch erst beim Steuerzahler an — wie steht es denn zwischen Oesterreich und Ungarn mit der Gleichheit im Berhältniß des Wahlrechtes zur Stcuerpflicht? Auf einen Betrag von 341.000 sl. unmittelbarer und 673,7ö0 fl. mittelbarer Steuern entfällt diesseits der Leitha ein Abgeordneter, während jmseils derselbe« auf einen Abgeordneten nur 78.000 fl. unmittelbarer und 96,700 sl. mittelbarer Steuern gerechnet werden. Wolltk die Regierung die Anspriiche des österreichischen Volkes nur halbwegs besriedigen. so mußte sie dem Antrage des Herrn Giskra bei-stimmen. Warum ist Berger. der 1848 und 1849 alS Abgeordneter so gauz anderen und freisinnigeren Gruudsätzen in Sachen der BolkSvertre' tung gehuldigt, als Minister denselben untreu geworden? Warum hat er diesen bedauerlichen Rückschritt gemacht? Warum zögern die anderen Mitglieder der Regierung, mindesten» soweit vorwärts zu geljen. wie Giskra? Am Rechte des österreichischen Volkes können die Ausgleichs-miRister dsch nicht zweifeln? Hat sie die blaße Furcht abgehalten, die verdoppelte Anzahl der Abgeordneten ivürde ihren Anhang nicht vermehre« 7 Neu« Kräfte und in solcher Anzahl, wie es die VolkSpartei sordert, würden einen frischen, freieren Geist und emsigere Arbeiter i» die Ver. sammlung vor dem Schottenthore bringen — aber nur dann, »venn die Wahlen unmittelbar und auf Grund deS allgemeinen Stimmrechtes er-folge». Bleibt daS System unverändert, dann ist eS besser, die Zahl der Abgeordneten tvird gar nicht eriiöht: hnndert oder zweiljnndert rkgierungt-freundliche Jasager mehr sind nicht der Taggelder, nicht der Mühe bei den Wahlen, nicht einmal der Rede im Reichsralhe, nicht eines Wortes in der Presse werth. Lermischte Nachrichten. (Amerika.) Der Süden der Vereinigten St'>aten fühlt die Rothwendigkeit. seine Kräfte durch europäische Einwanderer zu ver-stürben und haben fich deßwegen in Birginien. Tenneflee. Georgia. Loui-siana. Florida und noch anderen ehemaligen Sklavenstaaten mit Hllfe der gesetzgebenden Behörden Gesellschasten gebildet, um deutsche Ciiuvan. derer nach den genannten Staaten zu ziehen. Die Gesetzgebung von Florida gedenkt noch dieses Jahr die nöthigen Maßregeln zu eigrelfen. einen Theil des großen deutschen Einwandererftromes nach dem Italien Amerikas, wie man Florida wegen seines herrlichen Klimas, seiner Frucht-bartM Vkd Natmschönheit wohl nennei» könnte, zu lenken. St gcdeiht dort nicht nur Baumwolle. Zuckerrohr und Tabak, auch alle tropischen Früchte. Bananen, Orangen. Oliven wachsen auf der Halbinsel in Hülle und Fülle. Winterfröste kennt man dort nicht und im Sommer steigt das Thermometer fast nie über 9b^ Fahrenheit. ivährend man im Norden 110^ ^hrenheit im Schatten zu erdulden hat. Die Seeluft des Golfs von Mexiko nud deS atlantischen Oeeans machen dt'S Klima Flondas zu einem so überaus angenehmen und gesunden. Einwanderer, welche dort nur halb so angestrengt wie im Norden arbeilen, können sich eine sehr angenehme Existenz gründen. Die Abschaffung der Sklaverei noch früher ein böser Zufall, der ihn immer „zu spät^ kommen ließ. I««e ^Sophie", an welche Lenau bis zu seiner großen Krankheit die zättlii^en. vertrautesten, aber auch verzweislungsvollsten Briefe richtete, wurde die Gattin eines Anderen. Ihr galten die Strophen: ..Ach, tvärft Du mein, es wär' ein jchöncS Leben. So aber ist's Entsetzen nur und Trauern!" Bon einer wahehast dämonischen Unruhe getrieben saßte er zu jener Zeit den Entschluß, nach Amerika zu gehen, um dort Ländeieien zu kau-fen. die er Hann verpachten wollte. Iemehr die Freunde zu diesem abenteuerlichen Entschluß die Köpfe schüttelten, je dringlicher sie ihm davon abredeten, desto beharrlicher wurde Lenau und ließ sich nur daS Ver-sprechen abnöthigen. nach Jahresfrist wieder heimzukehren. 3m August 18L2 schiffte er sich ein — und nach Jahresfrist betrat er auch lvieder den heimisehen Boden — wie vorauszusehen war. daS Herz voll von Enttäuschungen. „Mein Aufenthalt in der neuen Welt." sagte er später. ..hat mich von der Chimäre von Freiheit und Unabhängigkeit, für die ich mit jugend-licher Begeisterung schwärmte, geheilt. Ich habe mich dort überzeugt, daß die wahre Freiheit nur in unserer eigenen Brust, in unserem Wollen und Denke«. FühlfN und Handeln ruht." — Cnttüuschuntten olso dort wie hier! — Dazu leidige Geldsorgen, die ein empfindliches Gcmüth. wie das Lenau's. doppelt schwer treffen und seine natürliche Mißstimmung ungemein steigern mußten. Um sich ihrer möglichst zu ent-schlagen, und auch UM eine entschiedenere Stellung in der Gescllschaft zu gewinnen, bkreitete er fich damals ernstlich für die ästhetische Professur an der theresianischen Rilterakedemie zu Wien vor. die ihm vielleicht nur darum nicht wirklich zu Theil »vard, weil er eS unter seiner Würde hielt, sich um dieselbe auf dem allgemein vorgeschriebenen Wege zu bewuben." Diese EMenzsorgen, die ihn wie Gespenster vesfolgtrn, veraulaßten ihn auch mit Baron Cotta einen Vertrag abzuschließen (ivonach er ihm gegen «in Honorar von 20.000 Gulden seine literarischen Erzeugnisse überließ), als ihm in der Person einer jungen Frankfurter Dame daS Glück noch einmal zu lächeln schien. Wir wissen nicht, wollen auch nicht entscheiden, ob dieses Berhältniß. welches die Ehe sanktioniren sollte, von hat den Deutschen ein neues Feld iu den Vereinigten Staaten erschloffen, sie brauchen nue zuzugreifen. (G ew erbegeri chte.) Die Fabrikanten und Arbeiter in den Töpfereien von Staffordshire habe., nunmehr ein BersöhnungS- und Schiedsgericht sür die in ihrem Gewerk entstehenden Zwistigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eingesetzt. Dasselbe wird von zehn Fabritc,nten und zehn Arbeitern gebildet, welch letztere auf einer zahlreich besnchten Versammlung geivählt wurden. Wisr. eliemaligeS Unterhaus-Mitglied für Stafford, tvelcher bei dieser Gelegenheit den Vorsitz führte, prophezeite dieser Einrichtung eine segensreiche Wirkung. Dieselbe sei keineswegs neu. sondern habe schon bei den alten Griechen und Römern bestt^nden; heutzutage stehe sie in Frankreich, w^ es achtzig Friedens- und Schiedsgerichte gebe, in B.lgien. Dänemark und Norwegen in voller Blüthe. In Frankruch seien die Rechtsfälle, die drei Jahre vor Einführuug diejer Gerichte noch 2S.000 zählten, tiis auf 9000 gefallen und auch für England sei die Zeit der Gesetzgebung aus diesem Gebiete gekommen ; die Unterwersung der einen, die Willtürherrschaft der anderen Seite müsse aufhören und daS beste Mittel. dieS zu erreichen, sei die Wahl eigener Arbeiter Vertreter ans den arbeitenden Klaffen ins Parlament. (Frankreich.) Die VerpfändungS«. Besitzveränderungs. und Ge-richtSkosten (bei Zwangsverkäufen) betragen in Frankreich jahrlich ohne Stempel 3ö0 Millionen Franken, welche der Staat bezieht. (Die Ehrengerichte in Offizierssachen.) Das Kriegsministerium hat eine Verordnung ertasten, tvelche die Entscheiduugen der Ehrengerichte znm Gegenstände hat. die sür gleichartige Fälle häufig sehr ungleichartig lauten. In der Verordnung heißt eS u. A.: „Das Ehrengericht hat nicht, wie im Kriegsrecht. nach vorgeschriebeuen BeweiSregeln und bestimmten Strassätzen vorzugehen, sondern nur nach freier Ueber-z ugung zu urtheilen. Jeder als Ehrenrichter zur Urtheilssällung über einen ÄandeSgenossen bernsene Offizier ist jedoch verpflichtet, die durch die Untersuchung konstatirten Thatsachen und besonderen Umstände ge-wiffenhast zu würdigen und seine Stimme als Ehrenmann, frei von Bor-ungenommenheit. Leidenschaft oder der Sache fremdartigen Einstüffen, ab-zugeben. Er hat dabei sowohl die gegen den Beschuldigten sprechenden, als auch die für ihn günstig sprechenden Umstände mit gleicher Sorgfalt zu prüfen nnd sich eine vollkommene Ueberzeugung zu verschaffen, ob eine geringere oder größere Verletzung der StandeSpstichten, ein geringer oder größerer Mangel an Ehrgefühl dem Beschuldigten zur Last falle. Nur in letzteren Fällen, wo also eine mit der ferneren Bekleidung der OffizicrScharge unvereinbare herabwürdigende Handlungsweise oder Ver-ächtlichkeit des Charakters konstatirt werden kann, sür welche mithin »ine Disziplinarstrafe als Sühne nicht mehr ausreicht, wird das strenge llrtheil auf Entfernung aus l^er Reilie der Kameraden gerechtfertigt fein und gewiß auch deS so nöthisftn Vertrauens der Standesgenossen in leine Rechtmäßigkeit niemals entbehren. Dies gilt namentlich auch von dem bei Aufnahme eincS Darleihens verpfändeten und zur bestimmten Zeit nicht eingelösten Ehrenworte. Es kann nicht fchon jede solche Verpfändung als Mißbrauch, noch auch jede Nichteinhaltung schon an und für sich als eine solche herabwürdige und verächtliche Handlungsweise angesehen werden, welche die Entfernung aus dem OffizierSstande unbedingt erfordert. ES ist vielmelir in jedem derlei Falle mit voller Gewiffenhaftigkeir und Sachkennlniß zu unterschtiden zwischen Demjenigen, der in Folge unver» schuld.ter Nothlage oder über Andringen eines dic Bedrängniß aleichssm erwcrbSmäßig ausbeutenden Gläubigers und bn gegrüildeter Hoffnung aus Einhaltung des ZahlungSveriprechenS zur Abgabe des Ehrenlvorten veranlaßt wird, selbes jedoch ohne eigenes Verschulden nicht einlöseS Seiten Lenau's auS wahrem HerzenSbedürfniß angeknüpft wurde — es ist uns nur bekannt. daS seine Beautfahrt nach Frankfurt eine glückliche war — daß er frkudestrahlend zu seinen Freunden nach Stuttgart zurück« kehrte und ivieder Hoffnung schöpfte für eine noch glücklich tverdende Zukunft. Da kamen al>kr „liöfe zischelnde Zungen", die von einem be-relts srit Jahren bestehenden Berhältniß mit einer verheirateten Frau in Wiei, sprachen — die nichtS unversucht ließen, den eben von Glück Träumenden anS seinen Himmeln zu reißen. Bitterkeit und Mißtrauen gegen die Menschen, dazu ivieder seine alte Aengstlichkeit nm nachhaltige Existenz stiegen wechsrlweiS i» seiner zlveifrtsüchtigen Leele auf und war-fen den kaum Hoffenden wieder zu ^Z^oden. Seine damalige Stimmung und deren unmittelbare Folge erhellen ain Klarsten auS der Stelle eines Briefes, den er anS dem Hosrath Rrinbeck'schen Hause schrieb, wo er. die Aufnahme eines greundeS. eineS EohueS fand... „Nach einer Einsicht in die Rrittbeck'schcn WirthschaftSbücher Hab' ich mich überzeugt, daß ich selbst in Stultgart mit weniger als 2000 Gulden rheinisch als Verhei-rateler Mann nicht bestellen könnte. Wie wenig ich auf meine poetischen Erwerl)ttisse (sein Kontrakt mit Cotta war noch in der Schwebe) stcher zählen kann, ersehe ich aus dem bodenlosen Mißmuthe. in welchen mich schon jetzt eine bloße theoretische Berechnung meines ivahrscheinlichen künftigen Elends gestürzt hat. Letzten Sonntag, vor vier Tagen, saß ich mit Reinbeck beim Frühstück. Da fiel mir plötzlich daS ganze Gewicht meiner Lage aus's Herz. Ich sprang auf mit einem Aulschrei deS höchsten Zorns und Kummers, und im gleichen Augenblick fühlte ich einen Riß durch mein Gesicht. Ich ging an den Spiegel, sah Meinen linken Mund-winket in die Höhe gezeert. und die rechte Wange war total starr und gelähmt." Mit diesem Riß. der sein Gesicht durchzuckte, begann der große Riß in seiner Seele — er fand von t)tr Stund an eine unheimliche Lust darin, die Gestörtheit seines Geistes zu prophezeien und sich mit dem Tode in Rapport zu setzen. Ein Blies, den er auS Wien erhielt und dessen Inhalt ^hn offenbar im höchsten Grade beunruhigte und verstimmte, war der letzte und bitterste Tropfe«, der daS G-fäß überfließen machte— und in der darauf folgenden Nacht trat auch wirklich der erste stärkere Paroxys-muS seiner Tobsucht ein. indem er ganz schlaflos blieb, eine fürchterliche kann und Demjenigen, der dabei leichtsinnig, da« Ehrenwort gering schätzend und ohne ficher, Aussicht auf die sein,rz?it nötl^ix^kn Zalilungs-mittel vorgegangen ist. und nur nach dieser Unterscheidung hnt sohin ein milderes oder strengeres Urtheil pl.chzuartifcn." (Salzmonopol.) Bei der Saline zu Hall in Tirol kostet der Zentner Kochsalz 4 fl. 48 kr., die Fracht aus der Bahn bis Scilzburg und sonstige Spesen 26 kr.; zusammen 4 fl. 74 kr. Dasselbe Salz kostet in Haltein S sl. 20 kr. Danach bezirhl jeder Salzburger d^n Zentner Salz um 59 kr. billiger von H^ill in Tirol, als Vau Hallein. Baicrn Verkaust zu Berchtesgaden den Zentner reinen Sieinsalzes tttniahlen um 44 kr. ReichS'Wälirung. glrjch 63 kr. Oe. W. Dasselbe Salz abrr in Stücken kostet in Halliin 5 fl. 20 kr., also mehr um 4 fl. 57 kr. Und dabei sollen ein paar Grenzwnct^ter t)ci der vier Stunden langen Grenzt den Schmuggel herüber aushalten? Murburger Berichte. (Theater- und K a s i n o v e re i n.) 3n der Hauptversammlung^ am 12. Aebruar wurde die 3al)reSrcchnung genelimigt. DaS Vermögen dcs Vereins beträgt 164,731 fl. 89 kr. (Thcaterg»bäube 60.000 fl. Kasino 90.000 fl.. Theatereinrichlun,, 2129 fl. 2 kr., Einrichtung des Kaffee-Hauses und des WirlhSl>t'uses 4049 fl. 42 kr, Fahrnisse im erste» Stockwerk des Kasinogebäudes 9839 ft. 17 kr., neue Einrichtungsstücke im Lesezimmer 280 fl 57 kr. — 166.298 fl. 57 kr; Abnützungsbeitrag 1566 fl. 68 kr.) Die Schulden belaufen sich aus 102.369 fl. 3 kr. und ^var: Forderung der Grazer Sparkasse 5787 fl 24 kr., der Laibacher Sparkasse 38,000 fl.. der Marburger Lpatktisse 5525 fl. 8 kr., die an die Marburger Sparkasse ab.ietretene Forderung des Herrn Obersten Czrrmak 4156 fl. 71 kr. 978 AtttlitilSscheine zu 50 fl. 48 900 fl. Die ^.^iereins-schuld hat sich im Jahre 1868 um 638 fl. 67 kr. Vermindert. Die Einnahmen des verflossenen Jahres erreichen die Hölze von 12,025 fl. 98 kr. (Kttssarest von 1867 183 fl. 43 kr.. Zinsen sür die bei drr Marburger Sparkasse augetki^tcu Gcldlr 17 fl.. Äaljrcspacht der Herren Gschaider und Pschunder 2150 fl. Rückzahlung zuviel entrichteter Zinsen (von der Grajer und Laibacher Spaikassc) 15 fl. 5 kr.. Zusi)nß zum Balle am 18. August 80 fl., str Ueberlassuttg der Lotalltüten zu Borträgen und zur Ausstellung eines Museums 57 fl 50 kr., sür Ueberlassung d.s Thrater« an Paul Hoffmann 10 fl.. Logenertrat, nach Abzug dir Kosten (Stempel. Aus-rusen) 4634 fl.. Gründerbeitrag 15 fl.. Theilnehmerbeltr.,g 4326 fl., Eintrittsgebühr 21 fl.. eutsallenc Repar^itlnkosten (von Herrn Gschaider) 231 fl.. Freiwillige Beiträtet zur Herrichtnn^; der Lokalitälea 186 fl.) 3m Berhältniß zum Borjahre wurden 546 fl. mehr eingenommen. Die Ausgaben betrugen 11059 fl. Beleuchtung 548 fl . Beheizung 458 fl.. Besoldun»^ der Diencrschast 693 fl.. Steuern 375 fl.. Btilrng an den Theaterdmktor 925 fl.. 44 Zeitschristen 460 fl.. R'paraturen dcS Kosi«0' gebäudes 201 fl . Anstreich- und Lackierarbeit 300 fl.. Drucksachen und Autographien 118 fl.. Zeitungsanzeigen 140 fl. BallautlStien 193 fl., Kränzchen nnd Famllien^ibende 347 fl. K^ipittUstilgung und Zinsen 5674 fl. ...) In dsrr Periode zu detail-sie sind bekannt genug. Als die nnglückliche Braut, welche auf die Nachricht von des Dichter» Zustand mit ihr^r Mutter sogleich nach Stuttgart ausbrach, in Heidelberg aus die kommende Post warten muhte, nimmt sie umvillkürlich eine Ztiluug zur Hand U"d liest die furchtbaren Worte: „Lenau ist lvahnsinnig und liegt in der Zwangsjacke." — Am 21. Oktober 1844 wurde er vom Hosratl, Zeller nach der nahen Heilanstalt Winnenthal obgrhol». CS verbreitete sich in Stuttgart das Gerücht, dort sei am nämlichen Tage, wo man Niembsch nach Winnenthal brachte, eln trefflich dargestellt's Stück gegeben worden, welches sein Schicksal ganz enthalte: Stribe's „Fesseln". Wer von den Lesern dieses Drama nicht kennen sollte, der l.se es nach, es wird ihm den treuesten Kommentar zur HerzenSgeschichte unseres Dichters liefern. Die erschütternde Kunde, die sich auch bald in Wien von Lcnan'S Krankheit verbreitete, führte Freunde, wie Bauernfkld und AnastosinS Grün nach Winnenthal, um durch ihr persönliches Erscheinen ein günsti^^eS Resultat zu erzielen. Umsonst! Die einst ihm so theueru Gefährteu jiin. gen wie Schatten vorüber an seinem lriblichen wie geiftit^en Angr. Selbst für seinen treuen Schwager Schurz, der schließlich kam. das mühevolle Werk zu übernehmen, den Kiaiiten in die Heilansttilt Döbling bei Wien überzusühren, hatte er nur zeitweilig Gedächtniß. Nie sollte die leiseste Rückerinnksnng in ihm lviedrikthltN — liiS zu seinem Tode sollten di< Nebelschleier eineS gestörten Giistes srin ödeS Dasein ülierschattcn. Nur einmal, so theilt sein Wärter in Döbling mit. lzabe »hm Nieml'sch beim Spaziergang im Garten ans die s^rage: „Wissen Lie. daß «sie Herl von Nieml)sch sind, der Große?" geantwort't: „O. Nictnbsch ist jktzt klein geworden." Lenaii'S Aussehen und Zustand in der letzten Zeit seines LebenS und Leidens schildert unS der Maler Aigner in charaktervollen, ergreifen. die Vorführung und nackte Darstellung des Verbrechens, das wieber nur durch Verbrechen gesühnt wird, durchaus nicht bei: eS ist ein trauriges Stück deS Volkslebens. daS aus dem tiefsten Schatten desselben hervorgeht, welches das Licht der Lampen so lvenig verträgt, alS daS Licht des Tages. Die Aufführung war gelungen. Frau Barbieri spielte namentlich im dritten Akte sehr ergreifend; daß ihre künstlerische Leistung nicht mehr Beifall erzielt,, kommt auf Rechnung des Verfassers Herr Ziegler (Meister Anton) verfiel einige Male zu sehr in l)en Ton eines Dorf-Predigers, wo nur daS Wesen deS derben, kernhasten Büigers zum Aus-druck gelangen sollte. Die Herren» Bergmann (Haller) und Urban d. j. (Karl), sowie Frau Ziegler (Therese) hatten ihre Rollen gut aufgefaßt; auch, mit Herrn Kößler (Chrfels) konnte man zufrieden sein und war nur stellenweise eine deutlichere Aussprache zu ivüuschen. Das Haus war gut besucht. — Am uächsten Mittwoch wird zum Vortheile der Frau Maria Urban „Dors und Stadt" von Ch. BirchPfeiffer gegeben. Fräulein Graffy. vom Jahre 1867/68 her noch in gutem Andenken, tritt als „Lorle" auf; grau Urban spielt das „Bärble." (W a h l u ut t r i e be.) Auf dem Draufelde beginnen die Herren von der Pfaffheit das Beispiel iljrer Amtsbrüder in den übrigen Theilen des WalilkreiseS nachznahmen. indem sie Unterschriften sammeln, ohne anzugeben, zu ivelchem Zwecke. Bei einer Hochzeit, die kürzlich in St. Leonhardt gefeiert »Vörden, erklärte ein Anhänger des Herrn Dr. Domin« kusch, man müsse für diesen stimmen, weil die Slovenen in Marburg keinen Dienst erhalten nnd sämmtliche Stellen mit Deutschen besetzt werden. (V e r b r a n ch S ve r e i n.) Heute Nachmittag 4 Uhr versammeln sich die Mitglieder des BcrbrauchSvereins im Gasthofe zum Erzherzog Johtnrn. Gegenstände der Verhandlung sind: Wahl dcs leitenden Aus-schusseS. Bestimmung der Lebensmittel, tvelche angetanst werden, Anträge auf Erlt^h einer Geschäftsordnung. Miethe einer Vereinsstube. Anstellung eines VerschleißerS. (V e r t eh r sl e b e n.) Der ZentralauSschuh der steiermärkischen Landwirthschasts-Gesellschast hat eine Beschlverdeschrist an das Haus der Abgrordneten. sotvie an die Ministerien dcs Ackerbaus, des Handels und der Justiz gerichtet, wegen der Schäden, welchen die Verkehswelt bei Ber« sendnng der Waaren durch die Südbalingestllschaft erleidet — theils in Folge von Verlusten oder schlechter Verwahrung der Artikel, insbesondere des Weines in den Aufladeorten und bei Verführung, theils wegen unge« nauer Angabe deS Gelvichtes in dea Frachtbriefen und Vertveigerung von Enlschätiigungen. Diese allgemein gehaltenen Beschiverden sollen durch Anführung einzelner Beschwerdefälle uuterstützt werden, um desto sicherer auf Hilfe rechnen zu dürfen. Vom Bezirksausschuß Marburg ergeht an Alle, welche in dieser Richtung begründete Beschwerde gegen die Bahn-gesellschast zu führen Habel», die Einladung, diese in möglichst kurzer Zeit unter Anschluß etivaiger Beiveise in der Kanzlei der Bezirksvertretung einzubringen, worauf dieselben gesammelt dem Zentralausschusse der LandwirthschatfSgesellschast übergeben werden. Letzte Post. Die Grazer Gemeindevertretung hat beschloffen, den Akeichs» rath um Aufhebung des Zahlenlotto zu ersuchen Das Abgeordnetenhaus hat dem Gesetze über Schwurgerichte in Preßsachen in dritter Lesung beigestimmt In Madrid ist die verfaffunggebende Versammlung feierlich eröffnet worden. den Zügen. „Als wir in Lenau's Zimmer in Döbling traten, zeigte sich nns ein wahrhaft erschütterndes Bild. In einem brannen Lederstubl saß die gcbrochlne Gestalt mit der kranken Seele, ein gelblich bleiches Gesicht, langes, hinter die Ohren gestrichenes Haar, voller Bart, und ein Auge so voll Leiden und ganz unbeschreiblicher Wehmnth begegnete fragend meinem Blick, daß es mir daS Herz zerschneiden wollte. Auf die freundlich gegebene Erklärung deS Arztes, daß er jetzt gemalt werde, stieg ein leises Wimmern aus seiner Brust als Antwort aus Aufmerksam folgte er rnit den Augen allen Vorbereitungen die nöthig waren. biS eS zum eigentlichen Sitzen kam. Endlich konnte ich beginnen, fieberhaft aufgeregt entwarf ich rasch mit Kreide auf Leinwand die Kontouren und fing zu malen an. Zusammengekauert, die Hände auf der Brust gefaltet, den Kopf gesenkt, begegnete der Strahl seines Blickes immer dem meinigen, so oft ich ihn ansah, aber regungslos ließ er mich gewähren, nur stieg in iMtner kürzeren Zwischenräumen der leise, tiefeinschneidende, wehklagende Ton aus seiner Brust, der mich so ergriff, daß ich meiner kaum mehr mächtig war; langsam drängte sich eine Thräne anS meinem Auge und schmerzhaft folgte mir eine zweite, die mein Schauen verdunkelte; in dem-selben Momente stößt der Kranke ein krächzendes Geschrei aus. zitternd und mit grimmigen Blicken will er sich erheben--ich »var erstarrt. Schnell stürzte der Wärter herein, ihn zu beruhigen, und mich nicht minder, indem man mir erklärte, das sei bei ihm etwaS ganz Gewöhn-liteS. und seil Monaten wäre er nicht so lange ununterbrochen rul)ig gewesen. — Nach diesem Vorfall war eS mir unmöglich, das Bild iveitcr auszuführen, halb vollendet mußte ich eS stehen lasten, und er ivurde erst wieder ruhig, nachdem ich von dem verhängniszvollen Hause iveit tveg war." Nicht menschliche Fürsorge nur göttliche — konnte diesen Leiden ein Ziel setzen. Am 22 August 1850 starb Nikolaus Lenau — in den Armen seines treucn Anton Schurz. Auf dem Weidlinger Gottesacker, auf dem er immer gern ruhen ivollte — liegt er begraben. Eine Säule mit seinem Relief-Btldnib bezeichnet die Stätte, die seine sterblichen Reste weiljen. Geschäftsberichte. Marburg. 1». Febr. (Wochenmarkt»bericht.) Weizen fl. 4.80, Korn fl S.S5. «erste fl. 0.—. Hafer fl 1.90, Kukuruj» fl. S.86, Heiden fl. 2.80, Hirsebrei» fl 4.20, Erdäpfel fl. 0.90 pr. Mepen. Rindfleisch 2b kr., Kalbfleisch 26 kr., Schwein fleisch jung 26 kr. pr. Pfund. Holz, hart 36" fl. 0.-. 18" fl. 4.65, detto weich 30 fl. 0.—, 18" fl. 2.80 pr. Klafter. Holzkohlen hart fl. V.70, weich fl. 0.50 pr. Metze« He» fl. 1.30, Stroh, Lager» fl. 1.l0, Streu- fi. 0.70 pr. Centner. V-ettan, 12. Kebr. (Wochenmarktsbericht.) Weizen st. 4.—, Korn fl 2^OeM.fl. 2.90, Hafer fl. 1.6Z, Kukurntz fl. 2.60, Heiven fl. 2.60. Hirsebrei» 4.^, Ue^Üpsel fl. 1.— pr. Mepen. Rindfleisch ohne Zuwage 25, Kalbfleisch ohn Schweinfleisch jung 25 kr. pr. Pf. Holz 36" hart fl. 10.—, detto weici ß. 7.VH pr. Klafter. Holzkohlen hart fl. 0.70, detto weich fl. 0.45 pr. Mehen. Hen fl U15, Vtroh Lager- fl.0.80. Streu« fl. 0.60 pr. Centner. ^ ^ Kundmachung. ^ ^ Die Bezirksvertretung Marburg hat in ihrer neunten Sitzung vom „'19. v. M. die Herstellung einer neuen steinernen Brücke über den kleinen Mariaraster-Bach an der Mariaraster-Bezirksstraße im LizitationSwege beim Ausrufspreise von 411 fl. 56 kr. beschlossen. Die diesfällige MinuendoLizitation ivird auf den 17. Marz 1869 'Vormittags 10 Uhr im hiesigen Bezirks Bertretnngslokale anberaumt. ^ lvozu Unternehmer nnmit eingeladen »Verden. Plan, Vorausmaß und Kostenüberschlag können an jedem AmtStage (Mittwoch und Samstag) hier eingesehen lverden. Bezirksausschuß Marburg, am 11. Februar 1869. Der Obmann: Konrad Seidl. Verstorbene in Marburg. Am 6. Februar: Dem Herrn Jakob Peternell, Kaufmann, die Tochter Auguste 5 Mon. alt, an akutem Lungenkatarrh. — Am 7.: Dem Herrn Josef Braun, k. I Hauptmann, der Sohn Rudolf, 6 Wochen alt, an akntem Lungenkatarrh. - VaSfchreibung. Durch das Ableben deS SchullehrerS an der Lokalieschule zu Heiligen ^idt im «i^suea unä im «lor Vvr>vavätsa äio batrüdoväo I^aodnolit vou ävm loäs äs» Hsrrn (115 vslokor am 18. k'vbruar blorxeo» um 1 Vkr, vorsoksn mit 6en osu. Lt«rl»»Ieramontoo, im 67.1iSbov«^»I»ro »eligs in» Horrn sntsodliof. Vi« LeorÄi^uve tiuctot Lovvtags äev 14. 6. bL. um 2 llkr Uaod-V1M Haus« l^. 8 in äsr Vra?srvor8taät aus statt. Oiv dvil. Looloumssss virä am 15. k'oliruar um kalb 9 Dkr in äar Vr»-vrvor«t»ät-1^ai'rlcir und , alS in Lsta«, Iiustrs« und von nun an in die Herrengasse, Feh'scheS HauS, überlegt habe. Gleichzeitig spricht er seinen innigsten Dank für daS bis jetzt ge« schenkte Zutrauen auS. und bittet auch fernerhin ihn mit zahlreichen Be« i suchen zu beehren. Auch übernimmt er alle Gattungen AOp»r»tvrO», besonders Schirme zum Ueberziehen, welche billig und reel ausgeführt werden. Hochachtungsvoll K A Hobacher vr Sswrlol» I.»rb«r vroMiot soiuo ^6vok»tar8-X»n»Ivi wit I. AlSr» ck.^. in Iil»rburx, kurxx»«»«, VoxottkoM od. Liu Vvdrauod vvrsvkieäonsr ^adnär^tliokor l^ittel v^ar mol»t iln LtaniZo, mein lookvros, Icrankdattss unä kkutiß^ lilutenäes ^atin-Laiaod »u dvilvu, di» iod mivl» äos ^vatkvriv-Iäuvävassvrs vom 2aknarets ?opv ia^iev, Ltaät, öoxnorgsasso I^r. 2, dsäionts, vork^uk äas Ilobsl lolmall uva volllcommvn xsaobon ivuräo. Dem «u k'oljss fükla iot» mied vvrpüioktst, äissos Allittol ^llsn, äis »u vivom kdalivkvQ Ilebvl Iviäov, ärivxvaä -u emptodlsn. 2üriod. (Zrgf?. Volt), m. i'. Grundverkanf. In der Kärntnervorstadt ist der zum Hause Nr. 62 dazugehörige anstoßende Acker, bei 2 Joch, im guten Kulturzustande, zu verkaufen. Der Acker — über 300 Schritte Straßenfront — kann durchwegS zu Baustellen benutzt werden. Preis pr. Quadrat-Klafter 1 fl. 20 kr. Auf Verlangen wird daS HauS auch dazu verkauft. Nähere Auskunft ertheilt Herr He rz og, Steuerbeamter in Marburg, -oder derEigetttl)ümer Jgnaz Schober, LeonliardergasseNr. 712, zweiten Stock, in Graz. Für Kekonomen. Ein Kuhkalb, Schlveizer Raee. roth und weiß gefleckt, zur Zucht sehr geeignet, ist zu Verkaufen. Anzufragen bei H. Bindlechner. in der Herrengasse, Marburg. *)Zu haben in: Marburg bei Herrn Bancalari, Apotheker, tz. Kolletnig und i« Tauchmannß Kunsthandlung; Cilli bei CriSper, in Baumbach» und in Rauschers Apotheke'. Sauerbrunn in der Apotheke: RadkerSburg I. Weihin-ger; Mureck bei Kugler äi Merlack; WaraSdin in A. Halter» Apotheke; Lut-tenberg bei R. Wilhelm; Rohitsch in Krißperö Apotheke; Windisch-Graz in Ammerbacher» Apotheke und bei I. Kaligaritsch; Tüffer in der. Apotheke: Vindisch-Land»berg in Baßulik» Apotheke. ' Warnung. Ich warne hiemit Jedermann, meinem Ehegatten Josef Küberl auf meinen Namen etwaS zu borgen. Maria Kbberl. (107 »« I. ««», blicht »»« «l«>» IUI' Zioliung »m l. Wilri mit Treffern: SO Stück Bienenstöcke, (107 1 1 1 1 2 10ö) Treffer „ . . . „ j^5000 empfiehlt fl. 200,000 . Ü0,000 . 15,000 . 10,000 . 10,000 3 Treffer 2000 fl. 6000 K „ „ 1000 «000 15 „ „ 500 7500 30 „ „ 400 >2.000 740 „ „ 155 114,700 «koli. SvI>HV«na, >pr. Stück 4 ft. 50 fr., sind zu verkaufen. — Auskunft ertheilt I. G. jGrubtr, Draugasse.__ Gine gut eingerichtete Zuckerbäckerei ist unter günstigen Bedingungen sogleich zu verpachten oder zu verkaufen. — Nähere Anfrage im Frohm'schen Hause. Nr. 102, im Brodladen. ___ Z. 68. ^ Trsiwikige Lizitation vo« Wei«gSrte«. Das gefertigte Gericht macht bekannt: ES sei über Ansuchen des Peter Petritsch die freiwillige Lizitation der Weingart-Realitüten in Witschein, Berg Nr. 156 und 161, aä Witschein, im gerichtlich erhobenen Herrengasse Nr. 123. Scdäplvertke pr^3270 ft., dann der Weingart ReMät in Jedlonig, Ber ^ . erHobe lll üHaröUl'A RealitiUen auf den 22. ?vdru»r und zwar für jene in Wit .......«masilverme pr. st., vann oer Welngart Neamat m Äeoionlg, Berg ^ Straß, im gerichtlich erhobenen Schüj^werthe pr. 933 sl. V ^ ^bewilligt und zu deren Vornahme die Tagsakung an Ort und Stelle der ist von mm an geöffnet und es finden die Ansnalimen «»«uterbrochen von v Uhr Früh bis S Uhr Nachmittags statt. (15 Fertigt Aerrenl^leider in reichster Auswahl von den besten Stoffen empfiehlt ^nt«n Gvkelkl, Marburg, Herrengasse, im Payer'schen Hause. (106 ti. fl. 8 bis fl. 24. I Keinl^leider fl. 4 bis fl. 10. tl fl. 5 bis fl. 15. Westen. . ^ fl. 2 bis fl. Aßljittt Sßkßl Zßla»rölke ü. fl. 12 bis fl. 24. schein Vormittags von 11—12 Ul)r. für jene in Jedlonig Nachmittags von 1—2 Uhr angeordnet worden. Die Realität in Witschein mißt 5 Joch 90 Quadratklafter, darunter 3 Joch 1425 Quadratklafter Rebengrund, mit zwei Winzereien fammt Presse und Stallungen, dann gewölbtem Keller auf 22 Äartin; die Realität in Jedlonig mißt 1 Joch 322 Quadratklafter. darunter 1 Joch 175 Quadratklafter Rebengrund mit einer Winzerei, Weinpresse. Stallung und gewölbtem Keller auf 7 Startin; für die Realität in Witschein ist ein Vadium von 330 fl.. für jene in Jtdlonia ein Vadium von 94 ft. zu erlegen. Die übrigen Feilbietunas« Bedingnisse können Hiergerichts oder bei dem k. k. Notar Herrn Dr. Radey in Marburg eingesehen werden. — Aelierzieher, Schlastöcke. K»ßhe»- und Kivder-A«)kge, eine große Auswahl von Mode-Ztoffe« fürHiezn werden Kauflustige eingeladen. zu auffallend billigen Preisen. K. k. Bezirksgericht Marburg, am 3. Jänner 1869. Serantwortlicher Redakteur: Kranz Wießthaler. Druck und Verlag von Eduard Zanschih iu Marburg.