der Fiöhne deß heiligsten ltzerzenß Jesu. - ...... Organ brK ÄLarten-Nrrein§ für Afrika. ----------------------- Der geilige Botet Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten um» «»hltSter, den apostolischen Segen erteilt. Mit Empfehlung vieler hochwürdigster Bischöfe. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Post r K — 2 OTl- — » Kraulten. Ueöafttfon unv Administration: Mislionsbaus /villand bet «riren. Tirol. ........ ■■■ ■■ — Irrhal't: ■■ ■■ ■■■■■■:--=------;------ 1 — Unser Missionsgebiet (Schluß) 97. — — Viehzucht bei den Schilluk (Fortsetzung) 104. — Aus dem Missionsleben: Eine Aehre ans Bvoz' Acker 109. — Unterhaltendes: Cingua Basse's Vertraute (Fortsetzung) 113. — Verschiedenes: Zeitschrift für Missionswissenschaft 119. Die Bedeutung und der Segen der Missionen in den Augen eines deutschen Staatsmannes 120. Abbildungen: Teilansicht von Khartum. — Leilansicht von Khartum: Markthallen, Moschee. — Wau — Bahr-el-Ghazal — Soldaten-Viertcl. — Ein erlegter Elefant. — Attigv: Missionäre beim Krankenbesuche zur Regenzeit. — Araberinnen auf dem Gange zum Markte. Dem Memento der hochw. Missionäre und dem Gebete aller Leser werden die folgenden Verstorbenen empfohlen: Hochw. Herr Thomas Hagen, Lustenau; Frau Josefa Achamer, Gmunden; Fräulein M. Hauber, Bregenz; Herr Johann Stadlhuber, Wels; Frau Katharina Moröder, St. Ulrich, Groden. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!" Dank dem heiligsten lserzen Jesu, das mich in so auffallender Weise in meinem schweren Anliegen erhört hat. Hicniit sei ihm öffentlich gedankt! Dem Gebete zum heiligsten herzen Jesu, zur seligsten Jungfrau Maria und zum hl. Josef empfehle ich mich in meinem schweren Nervenleiden, die Neugetauften mögen sich mit mir im Gebete vereinigen. Ich empfehle mich dem Gebete in einem überaus wichtigen Anliegen. Außerdem werden noch verschiedene wichtige Anliegen dem Gebete empfohlen. Abonnements - Grmeuermng err. Bom 10. März bis 10. April 1911 haben folgende Nummern ihr Abonnement erneuert: 64 121 148 232 284 301 309 338 355 582 767 809 873 959 1006 1017 1121 1235 1369 1441 1465 1468 1469 1509 1617 2090 2264 2581 2750 2927 3235 3515 3554 3555 5143 5186 5206 5215 5249 5279 5371 5448 5457 5466 5643 6365 6592 6937 7045 7199 8035 Kcrben-WevzeicHnis vom 10. Wävz bis 10. Apvit 19t1. ----------In Kronen. ---------- Gpserstock: Brixen I. K. 30; U. 1; Bruck V. 20; Pf. 5; Bruneck' d. Koop. M. 20; Erding Dr. R. 117; Gries G. V. 4; Hochkretschham F. M. 11'75; Innsbruck M. Sch. 3; Kortsch N. N. 2; K. R. 20; Laa-kirchen A. G. O'öO; Lambach P. B. G. 12; Lengmoos Benes. E. 40; Lienz N. N. 30; Linz v. M. 120; München A. I. 3 5 k; Neukirchen F. G. 20; Niederkappel I. E. 15; Plan Tech. I. Sch. 1; Ried I. K. M. 10; Deck). T. 10; N. Sk. 10; o. 907. 300; Saal-fclden I. R. 3; St. Ulrich d. H. 10; Schwaz N. A. 1; Bahrn N.' N. 80; Wien Dr. R. v. B.3; T. E. 0.1'K5. Zur Perfolvierung von heiligen Messen sandten ein: Ebcnsee F. St. 3; Eggenberg Ehrw. Schw. 6; Ettlingenweier I. K. 585; Kostelzen Pf. Fr. Sch. 6; Laibach M. Z. 10; Münstereifel M. H. 3996; Rückersdorf £. W. 12; Saalfelden I. R. 2; Sachsenkamni I. H. 3-51; St. Valentin A. M. 40; Sarnthcin M. G. 3; Schwancnstadt T. Z. 20; Steele H. Sch. 50;. Ungarn G. Z. 9'80; Weizenkirchen F. M. 11. pr die Heidenkinder: d. Koop. M. 20. Zur Saufe von Heidenkindern: Altmünster Al. Pr. 30 (Aloisia); C. H. 30 (Cacilia); Gmunden Ungenannt 30 (Theodor); M. P. 20 (Maria); M. Sch. 20 (Maria); A. M. 40 (Ottilia und Percgrinus);. Ohlstorf F. P. 20 (Josef). Zur die Mission: Kostelzen Pf. Fr. Sch. 2(L Effekten: Th. H. Bücher. Briefmarken liefen ein aus: Au, Brixen, Frauzcns-feste, Karlsbad, Milland, Trient. Zur dar werk der Erlösers liefen ein: 390-61. * * * ,,© Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deiner Namens willen das ewige Leben!" Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften, Fügung und Führung. Ein Briefwechsel mit Alban Stolz. Herausgegeben von Dr. Julius Mayer, o. Professor an der Universität Freiburg im Breis-gau. Zweite und dritte Auflage. 8°. (VI und 272.) Freiburg und Wien 1911, Herdcrsche Verlags-Handlung. Kr. 2 64; geb in Leinwand Kr. 360. „Das Buch wirkt wie eine psychische Offenbarung", so bekündet der „Gral" seine Ergriffenheit von diesem selten schönen Briefwechsel zwischen Julie Meineke und Alban Stolz. Und das „Hochland" sieht darin „eine hervorragende Bereicherung der apologetischen Literatur". Gleichmäßig bekennen alle Beurteilungen die seelenführende Macht dieser an sich so schlichten Blätter. Ein Priester und ein Laie schrieben sie. Eine Seele, die in rührender Sehnsucht Gottesfrieden sucht, und eine andere starke, feurige, reiche, die ihn spendet — in zwei Menschen, die sich nie sahen. Die eigenartige Hirteunatur des Priesters Stolz tritt hier m WW MholischeNsswnsMschnst llerZöhne öes heiliMmherrens JE (Organ äes Manen-Verelns für Afrika) ©tent vornehmlich der Unterstützung und Nusbrettung der tlhtssionstätigkeit der Söhne des heiligsten Derzens Aesu und sucht Verständnis und werktätige Liebe des tflMssionswerfces in Miort und Schritt zu tördern. Das Arbeitsfeld dieser /Idtsstonäre ist der Sudan (Lenfral-Atttka). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus MUland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. Nbonnementsprels grmzjäbrlg mit ipostverfentmng Ikr. 2.—. ÜVK. 2.—. zfr. 3.—. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für bit Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. 1beft 5. slDat 19U. XIV. Zabrg. Hin (er fllMsstonsgcbieL (Zur Beilage der März-Nummer.) Bevor wir in der Beschreibung unseres Missionsgebietes fortfahren, bringen wir das in der letzten Nummer erwähnte Dekret der Kongregation de Propaganda fide. Durch dasselbe wurden die Grenzen unseres Vikariates einer neuen Regulierung unterzogen. Enthalten ist das Dekret in den „Acta Apo-stolicae sedis“ vom 15. März laufenden Jahres: „Damit die Grenzen, welche die Apostolische Präfektur Ubangi-Schari von dem Apostolischen Vikariate Zentral-Afrika oder Sudan trennen, zur Förderung der Evangelisierung entsprechend, den Ortsverhältnissen zweckentsprechender festgesetzt werden, so habew-Jhre Eminenzen die Väter dieser heiligen Kongregation zur Verbreitung des christlichen Namens in einer-vollzähligen Versammlung des letztverflossenen Jänner es für gut befunden, die Grenzen der Apostolischen Präfektur Ubangi-Schari im französischen Kongo gegen Norden bis zum zehnteil Grade nördlicherBreite zu verschieben, htbetn sie dieses Gebiet von dem oben er-wähnten Apostolischen Vikariate Zentral-Afrika trennen. Diesen Beschluß Ihrer Eminenzen aber, der unserem Heiligen Vater Pius X. vom endes-gefertigten Sekretär derselben Kongregation in einer Audienz am 7. des laufenden Februar unterbreitet wurde, haben Se. Heiligkeit geruht, zu billigen und gutzuheißen, und befohlen, das gegenwärtige Dekret betreffs dieses Punktes bekannt zu geben. Gegeben zu Rom, aus der heiligen Kongregation zl^Verltreitung des Glaubens, den 14. Februar Itifl. ' Fr. H. M. Gotti, Präfekt. Aloisius Veccia, Sekretär." Zwischen dein Bahr-el-Arab im Norden, dem Mbomu im Süden und dem Bahr-el-Gebel im Osten liegt die Provinz Bahr-el-Ghazal. Das ganze große Gebiet war seit der Eroberung Senaars und Kordofans ein Revier der Elefanten- und Sklavenjäger, die sich zum Betriebe ihres Geschäfts gewisse Stützpunkte im Lande verschafften, wo sie ihre Schütze aufspeicherten und von denen aus sie ihre Jagd- und Sklavenraubzüge unternahmen. Es ist das ein prächtiges, von der Naturreich gesegnetes Land; von zahlreichen Flüssen durchzogen, entfaltet die tropische Vegetation hier eine wunderbare Kraft und Mannigfaltigkeit. Ihn die Senkungen des Ts ad-Sees gruppieren sich die Länder Sonnt, Kanem, Bagirmi und in größerer Entfernung Wadai. Das merkwürdige Reich Wadai hat in der Bodenbeschaffenheit viele Ähnlichkeit mit dem östlichen Nachbarlande Darfur und dem westlichen Bagirmi. Der Boden senkt sich gegen Westen dem Tsad-See zu, dem auch seine Gewässer zuströmen, und zeigt nur im Osten bedeutendere Erhebungen. Das Land ist reich an Waldungen und fruchtbar. Besser bekannt als Wadai ist das südöstlich vom Tsad-See am Geäder des Schari-Flusses gelegene Negerreich Bagirmi. Vorherrschend ist die Ebene, die sich von Südost gegen Nordost zum Tsad-See abdacht; kleinere Erhebungen hat das Land nur an der Peripherie. Der bedeutendste und älteste Staat unter denTsad-See-Ländern ist ohneZweifel Bornn. Begrenzt ist Somit im Norden von Steppen der Sahara, die von Tibu und Tuarek durchschwärmt werden, int Osten vom Tsad-See und Schari, int Süden von dem Felata-Reiche Adamana und dem Gebiete der heidnischen Stämme der Salts und Musgu, im Westen von den Haussa-Staaten und hat einen Flächeninhalt von 150.000 Quadratmetern. „Das Land ist," schreibt Dr. Nachtigal, „mit Ausnahme der Greuzprovinzen int Nordwesteu, Westen und Süden, durchaus eben. In den Provinzen Munir und Sinder sind einige Serggruppen, die sich bis zu 1000 Meter erheben; auch int Margi- und Mandara-Lande finden sich einzelne Erhöhungen von zirka 1000 Meter Höhe. Der Kern des Landes ist so eben, daß die Flüsse in der trockenen Jahreszeit wegen des äußerst geringen Gefälles nur einzelne Tümpel bilden, so daß man oft gar nicht unterscheiden kann, ob sie fließendes Wasser bringen und in tvelcher Richtnng sie fließen. Kleinere, sich in die Flüsse ergießende Rinnsale kommen int Laude wegen seiner außerordentlichen Flachheit gar nicht zur Ausbildung. Im nördlichen Teile des Landes waltet der Steppeucharaktcr vor; auf dem der Wüste zugekehrten Rande dieses Gebietes gedeiht auch die Dattelpalme. Das Steppengebiet bildet den Tummelplatz zahlreicher Straußen-, Giraffen- und Gazellenrudel. Der südliche Teil hat ungefähr denselben Charakter, nur wird die Vegetation üppiger und bringt nette Gewächse hervor. In den perennierenden Flüssen und Hintergewüssern wimmelt es von Flußpferden, in den Nferwaldungen von Schweinen und Süffeln und die ganze Gegend ist ein Paradies für Wasservögel, unter denen fremdartige Reiher, Lösfelgänse, Enten, schwarze Störche und große Herden stolzer Kronstrauße eine entzückende Zierde der Landschaft bilden. Die Häufigkeit der Ortschaften und die Tätigkeit der Menschen in Feld und Flur lassen zwar hier die Raubtiere nicht so zahlreich werden als im Norden, doch fehlen Löwen, Luchse und Leoparden nicht. Am Südrande des Landes wechseln dichte Waldungen mit üppigen Graswiesen, auf denen sich das lauteste Tierleben entfaltet." Der Sudan kann im allgemeinen als sehr wasserreich bezeichnet werden; die Gewässer sind jedoch zu ungleich verteilt und davon kommt es, daß wir nebst den fruchtbaren Landstrichen, die an Fülle und Mannigfaltigkeit der Produkte den gesegnetsten Ländern ebenbürtig zur Seite stehen, gleich dabei wasserlose, sonnverbrannte Wüsten antreffen, in denen keine Spur des Pflanzenoder Tierlebens sich findet. Die Gewässer des Vikariates von Zentralafrika gehören vier Stromgebieten an. Der wichtigste Fluß des Sudans ist d-r Nil, das Geheimnis der Jahrhunderte, der aber jetzt in seinem ganzen Laufe bekannt ist. Er entspringt auf den Tafelländern des äquatorialen Jnnerafrika, durchfließt den 79.850 Quadratkilometer großen Ukerewe-See oder Viktoria-Nyanza und den 90 Kilometer langen Doppelsee Gitansage und Kodja, mn im starkgewundenen raschen Laufe nach 240 Kilometern bei Magnngo in den Albert-Nyanza sich zu ergießen. Nach dem Nusflusse aus dem Viktoria-Nyanza wird der Nil schon schiffbar, doch wird die Schiffahrt unterhalb Fauora durch die Karuma- oder Murchisow Fälle verhindert. Der Fluß, von den Eingeborenen Masaba genannt, stürzt da, 40 Kilometer vom Albert-Nyanza, 36 Meter hoch, von den Felsen eingeengt, in prächtigem Falle herab. Bis zum Albert-Nyanza hat der Nil dieselbe Strecke als der Rhein bei seiner Mündung zurückgelegt. Der Albert-Nyanza ist 643 Meter hoch gelegen und etwa 4800 Quadratkilometer groß und ist so tief zwischen die steil, oft senkrecht abfallenden Plateauränder eingekeilt, daß seine Ufer an vielen Stellen nicht erreicht werden können; die einmündenden Büche und Flüsse bilden Wasserfälle zu 300 Meter Höhe und darüber. Die Gebirge, die seine Vorderstufen begleiten, werden zu 1500 bis 2300 Meter Höhe geschützt. Albert-Nyanza ist aber das zweite Sammelbassin für das Hochwasser des Nils. Durch den Albert-Nyanza beträgt der Stromlauf des Nils 15 Kilometer und dann fließt er in ansehnlicher Breite, inselreich und schiffbar, 250 Kilometer bis nach Nimule mit dem geringen Gefälle von drei Metern. Unterhalb Nimule nimmt der Nil, der hier Bahr-el-Dschebel (Bergstrom) genannt wird, weil er ans den Bergen herauskommt, mehrere Nebenflüsse, den Unjamba, Assua, Atabbi, auf. Von da an wiederholen sich die Stromschnellen und Wasserfälle bis zum Bogwek in der Nähe von Gondökoro, wo er in die Ebene eintritt. Von da an nimmt die Landschaft einen ganz anderen Charakter an. Eine unermeßliche Ebene breitet sich an beiden Seiten ans, die stellenweise mit vereinzelten Bäumen oder kleinen Mimosen-und Ambatsch-Wäldern besetzt, meistens mit hohem Steppengras und Schilfrohr bewachsen und mit zahlreichen Sümpfen bedeckt ist. 660 Kilometer von Gondökoro vereinigt sich der Bergstrom mit dem größten seiner Zuflüsse, dem Gazellenfluß oder Bahr-el-Ghazal, der mit seinen Nebenflüssen ein weitansge-dehntes Stromnetz bildet und bei der Einmündung zu einem großen See, dem No-See, sich erweitert. Seine größten Nebenflüsse sind: tut Nordwesten der Bahr-el-Arab, int Westen der Bahr-el-Hvmr, im Süden der 800 Kilometer lange Dschur und der aus Tondj und Dschan zusammenfließende Apabu. Die Ufer des No-Sees sind weithin mit riesigem Schilfe und Ambatsch bewachsen und dadurch ist jede Aussicht genommen. Von der Bahr-el-Ghazal-Mündung wendet sich der Fluß, der hier seinen Namen Bahr-el-Dschebel (Bergstrom) in Bahr-el-Abiad (Weißer Strom) ändert, wiederum gegen Osten, nimmt den Bahr-el-Seraf, den Giraffenfluß und den schiffbaren Sobat auf und von da fließt er durch die Ebene in gerader, nördlicher Richtung bis Khartum, wo er sich mit dem ans Abessinien kommenden Bahr-el-Azrak, Blauer Strom oder Blauer Nil, vereinigt. Der Bahr-el-, Azrak entspringt auf dem Plateau von Zentral-. Abessinien in der Provinz Salaka. Von da eilt er wie ein echter Bergstrom von bläulich klarer Farbe mit zahlreichen Wasserfällen dem Tana-See zu, durchfließt denselben und stürzt sich in ein enges, finsteres Tal, über das die einzige Brücke geschlagen ist, welche der Strom in Abessinien trägt. An der Mündung" des Jabos tritt er als ein 25 Meter breiter, tiefer Bergstrom in das sudanesische Gebiet ein, durchquert die goldreiche Landschaft Fazogl und ist selbst für Dampfer schiffbar. Die Ufer des Bahr-el-Azrak sind herrliche Landschaften, Mimosen und Urwälder und üppig wuchernde Schlingpflanzen wechseln da ab und ergötzen das Auge des Beschauers, während der Bahr-el-Abiad langweilt und ermüdet. Seine Länge von der Quelle bis Khartum beträgt 1670 Kilometer und er hat ein Gefälle von nahezu 2400 Metern, während das Gefälle des Weißen Stromes von Gon-dökoro bis Khartum nur 75 Meter betrügt. Unterhalb Khartum beginnen die Wasserfälle und Katarakte, die sich bis Assuan fortsetzen. Von da an erhält der Nil nur einen einzigen Zufluß mehr oberhalb Berber. Das ist der aus Abessinien kommende Atbara, der in seinem Oberlaufe den Bahr-Salam, Setit und Takazzir und im Unterlaufe den Gasch oder Mareb aufnimmt und Monate hindurch schiffbar, manchmal aber auch fast wasserleer ist. Der Nil ist wirklich ein Segenspender; ohne ihn wäre ganz Nubien eine Wüste. Sein Wasser hat bei normalem Zustand eine trübe, braungelbliche Farbe, im Mai wird es grünlich, bald darauf wie verderbtes Blut, im Juni wird es ganz lehmgelb und dicklich und hält solchergestalt bis zum Dezember aus, wo es sich zu klären anfängt und im Februar ziemlich klar wird. Vom Nilwasser gilt der Spruch: „Wer einmal vom Nil gekostet, ist nicht glücklich, bis er nicht wieder daraus trinkt." Die Tatsache ist, daß von den Europäern, die einmal in den Nil-Ländern waren, die meisten wieder ihre Rückkehr, wenn sie dieselbe nicht tatsächlich ausführten, wenigstens sehnlichst herbeiwünschten. Zum Stromgebiet des Kongo gehört der Uelle-Fluß mit seinen Zuflüssen aus dem Lande der Niam-Niam und Mangbuttu südlich von der Bahr-el-Ghazal-Provinz. Zur Einsenkung des Tsad gehören die Stromgebiete des in seinem Oberläufe noch gänzlich unerforschten Schari und des Komadugu. Es ist ein Verdienst der deutschen Forscher, daß uns dieses gewaltige Becken ziemlich gut bekannt ist. Der Tsad-Sce liegt 240 Meter über dem Meeresspiegel und sammelt die Abflüsse von Bornn, Bagirmi, der Länder im Süden Wadais und eines Teiles von Darfur. „Er nimmt", schreibt Dr. Nachtigal, „die Tiefe einer weiten, flachen Mulde ein, deren Ränder verschieden hoch sind und in verschiedener Entfernung von ihm liegen und deren Wandungen nicht überall gleichmäßig abfallen. Der See hat die Gestalt eines unregelmäßig geformten Dreieckes mit einer nach Nordwesten gekehrten abgerundeten Spitze und einer nach Südosten gekehrten Grundlinie. Die Breite beträgt in gerader Richtung etwa 230—240 Kilometer, die Grundlinie 170 Kilometer. Der Flächeninhalt beträgt demnach etwa 27.000 Quadratkilometer. Der See hat also beinahe die Größe der Insel Sizilien. Die Oberfläche zeigt nicht überall offenes Wasser, sondern besteht zum dritten Teil aus einem von zahlreichen bewohnten Inseln gebildeten Archipel. Dies gilt hauptsächlich vom östlichen Teile des Sees. Aber auch der westliche Teil, wo das offene Wasser vorwiegt, bietet zum großen Teile von flachen Ufern begrenzte Jnselstreifen. Infolge seiner Lage im Gebiete der Sommerregen trägt der größte Teil seiner Umgebung den steppenartigen Charakter, der die nördlichen Gegenden kennzeichnet. Nur die Ufer des Wasserbeckens sind mit großer Fülle tropischer Vegetation bedeckt." Zum Stromgebiet des Nigers gehört der Benue mit seinen Zuflüssen, die das östlichste Felata-Reich Adamaua bewässern und sich in den Niger ergießen. Znm Schlüsse wollen wir noch die Reiseroute anführen, auf welcher wir in das Innere unseres Missionsgebietes gelangen: es dürfte vielleicht manchem geehrten Leser nicht uninteressant sein. Zunächst trägt uns der Ozeandampfer von Triest durch das Mittelländische Meer nach Alexandrien, wozu wir 4 bis 8 Tage gebrauchen, je nachdem wir mit einem Schnelldampfer oder mit einem gewöhnlichen Schiffe fahren. In Alexandrien haben wir unseren Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt und afrikanisches Leben umwebt uns in seiner ganzen Vielgestaltigkeit-, es wurde in diesen Blättern schon oft geschildert, deshalb wollen wir es hier übergehen. Das Dampfroß bringt uns von Alexandrien in 3 bis 4 Stunden in die Hauptstadt Ägyptens, nach Kairo. Hier machen wir in unserer Niederlassung in Kairo selbst oder auf der Gesirah für einige Tage halt, bis das Notwendige für die Weiterreise hergerichtet ist, denn von jetzt ab müssen wir selbst für unsere Beköstigung sorgen. Jeder Schnellzug führt zwar einen Speisewagen mit sich, wo man für teures Geld alles zum Esseu Notwendige haben kann, aber wohlgemerkt für teueres Geld, was sich aber ein armer Missionär lieber erspart-, auf den Stationen ist auch nichts Ordentliches zu erhalten. Den Aufenthalt in Kairo benützen wir dazu, die Sehenswürdigkeiten dieser orientalischen Millionenstadt, so weit es die Zeit erlaubt, zu besichtigen. Auch der Niederlassung in Helnan wird ein kurzer Besuch abgestattet: mit dem Zuge gelangen wir in einer halben Stunde dorthin. Inzwischen ist alles Notwendige vorbereitet und auch die Ermäßigungs-bescheinignng für die Bahnfahrt bis Khartum ausgefertigt und angekoinmen. Es ist zu bemerken, daß wir auf allen ägyptischen und. sudanesischen Bahnen die Begünstigung einer Preisermäßigung von 50% genießen. Im Sudan ist uns diese Begünstigung auch für die Regiernngsdampfer gewährt. Mit dem Schnellzug gelangen wir dann in 21 Stunden nach Assuan, wo wir, falls der Anschluß nicht günstig ist, in unserer Missionsstation auf einen solchen warten können. Dadurch gewinnen wir auch Zeit, dem großartigen Stauwerke von Schellal einen Besuch abzustatten; zu Esel erreichen wir es in enteignten Stunde. Bemerkt sei noch, daß wir uns. in Assuan bereits auf eigenem Boden befinden, d. h. in unserem Missionsgebiete, das, wie die Karte zeigt, hier in Assuan beginnt. Im nahen Schellal besteigen wir einen Nildampfer, um zwei Tage und ebensoviele Nächte nilanfwärts zu steuern. Schellal ist nämlich die Endstation der ägyptischen Bahn. Auf dem Schiffe haben wir Zeit und Muße genug, uns die Gegend zu betrachten. Leider ist aber nicht viel zu sehen, da sich auf beiden Nilufern ein kahler Gebirgszug hinzieht: innern ganz schmaler Saum ist zwischen dem Flusse und diesen Gebirgsketten zur Bebauung geblieben und das auch nur stellenweise. Jenseits dehnt sich die lybische und nubische Wüste ans, eine unermeßliche Sandfläche. Wir sind froh, daß wir nach zwei Tagen endlich in Wady-Halfa landen können, da das öde Landschaftsbild mit der Zeit ermüdet. Ohne Zögerung begeben wir uns hier auf das Zollamt, da alles Gepäck revidiert wird, tun nach Waffen oder anderen Gegenständen, bereit Einführung in den Sudan verboten ist, zu fahnden. Nach Erledigung der Zoll-förmlichkeiten besteigen wir den bereitstehenden Expreßzng, nachdem wir uns noch vorher mit frischem Wasser versorgt haben, da wir auf der nun folgenden 28stündigen Fahrt kein ordentliches Trinkwasser bekommen können. Auf jeder Station bieten zwar halbnackte Kinder solches in Krügen feil; da man jedoch nicht weiß, wo sie es her haben und was darunter gemischt ist, so zieht man es vor, keines zu kaufen. Auf jedem Waggon befinden sich gleichfalls zwei große Krüge mit Wasser. Da es jedoch zum allgemeinen Gebrauch dient, so macht man so wenig als 102 Stern der Neger. Heft 5. möglich Gebrauch davon; in punkto Reinlichkeit sind nämlich die arabischen Reisegenossen, die dieses Wasser benützen, bekanntlich nicht sehr heikel. Die ersten zehn Stunden fahren wir ununterbrochen durch Wüsteneien: so weit das Auge reicht, sieht es nichts als gelben Wüstensand. Der ganze Zug ist in eine Wolke von aufgewirbeltem Sand eingehüllt; man mag Fenster und Türen noch so sorgfältig schließen, bald ist doch auch in der Kabine alles mit dieser Strecke noch fortwährend Wüste und das Auge bekommt auf dieser Seite durch volle 20 Stunden nichts zu sehen als eine endlose Sandfläche, nur hie und da von einem einsam dastehenden kahlen Felsen unterbrochen. Von Abu-Hammed gelangen wir in achtstündiger Fahrt nach der Station Atbara, wo die Bahn nach Port-Sudan abzweigt. Bald hinter der Station Atbara setzn: wir auf einer gewaltigen Eisenbahnbrücke über den Atbara-Fluß. Das Landschaftsbild bleibt bis Ti s I ‘ ' r ir iH'liir "'ü tleilanficbt von Ilrbarlum. dichtem Sand bedeckt. Nach der Station Abu-Hammcd ändert sich das Landschaftsbild ein wenig, wir gelangen nämlich wieder znm Nil. Sein Einfluß macht sich gleich bemerkbar, da das Bild nicht mehr so öde ist. Zur Rechten begleitet uns ein grüner Saum, der sich so weit erstreckt, als der Nil mit seinem Wasser reicht oder doch vermittels verschiedener Vorrichtungen gebracht werden kann. Ans dieser Seite begegnen wir auch häufig elenden Dörfern, deren Hütten aus Lehm aufgeführt sind. Zur Linken haben wir aber auch auf nach Khartum das gleiche, zur Rechten auf der Nilseite etwas Vegetation, zur Linken Wüste, nur daß die Dörfer etwas zahlreicher werden und wir hie und da auch eine Stadt passieren. Endlich gelangen wir an unserem Ziele an: von weitem schon sehen wir die höheren Gebäude, besonders den Wasserturm von Khartum, sich vom Horizont abheben: schnaubend fährt der Zug in die Stationshalle von Khartum-North oder Halfaya ein. Auf einer Fährte oder einem Segelboote setzen wir über den Blauen Nil, der zur Hochwasserzeit hier gut 700 bis 800 Meter breit ist. Wir landen gleich der katholisch-österreichischen Mission gegenüber und sind froh, endlich am Ziele angelangt zn sein. Die Bahn geht jetzt von Khartum-North aus noch weiter nach Süden, nachdem sie auf einer kühnen Brücke den Blauen Nil übersetzt hat; in sechs Stunden erreicht sie Wad-Medani und Senaar, die einstweilige Endstation. Von Senaar wendet sich die Bahn direkt gegen Westen durch die bringt. Die ersten Stunden geht es ziemlich bergan, bis wir bei der Station Summit den Höhepunkt der Bahn erreicht haben. Das Gelände ist auf dieser ersten Strecke abwechslungsreicher, trotzdem es kahl ist. Bald nach Summit treten die Berge zurück und die reine Wüste tritt wieder hervor, der Boden ist jedoch mehr felsig. Bei Atbara treffen wir mit der Linie Wady-Halfa —Khartum zusammen. Das Apostolische Vikariat von Zentral- —k Tettansiebt von IRbartum: fruchtbare Gestrah; bei Goz-abu-Goma überschreitet sie den Weißen Nil, um in El-Obeid ihr Endziel zu erreichen. Diese letzte Strecke wird jetzt auch bald fertig gestellt sein. Von Kairo aus gibt es noch eine zweite Route, um nach Khartum zu gelangen. Der Zug bringt uns zunächst nach Suez am Roten Meere. In drei Tagen und zwei Nächten gelangen wir durch das Rote Meer nach Port-Sudan. Hier besteigen wir nach Erledigung der zollamtlichen Angelegenheiten den Schnellzug, der uns in 22 Stunden nach Khartum /TMrfctballen, /ißoscbee. Afrika, das sich über diese unermeßlichen Gebiete ausdehnt, steht Unter Österreichs Schutz-Österreich hat sich die Christianisierung diese" Länder zur Pflicht gemacht, darum sollte ein jeder Österreicher sich verpflichtet fühlen, an der großen Aufgabe nach Kräften mitzuwirken, und wir werden so für die Kirche Gottes, für unser Vaterland und auch für uns selbst Ruhm und Verdienste erwerben. Es sollte für einen jeden Österreicher Ehrenpflicht sein, das große Werk, das Österreicher begonnen, auch tatkräftig zu fördern. Mebzuckt bet den Scbtlluk. Won P. 11. Slang F. 8. C. (Forisetzung.) Um bei den Jungen mehr Interesse für die Viehzucht wachzurufen, gibt jeder Vater seinem Sohne schon in den Knabenjahren einen jungen Stier oder gar ein Rind zum Geschenke. Der Zweck, den der Vater dabei verfolgt, wird auch fast immer erreicht; voller Begeisterung ist der Junge bestrebt, die ihm anvertraute Herde nicht nur ans gute Weideplätze zu treiben, sondern getreulich zu bewachen und alles zu tun. was in seiner Macht liegt, um ihr Wachstum und Gedeihen zu fördern; befindet sich doch sein eigenes Rind unter derHerde. alle Nachkommen dieses Rindes gehören dann ihm. Es war vor mehr denn fünf Jahren, ich befand mich kaum zwei Monate im Schillnk-lande: auf Anordnung meines Obern hatte ich neben anderen Beschäftigungen auch das Amt des im Schilluklande weit und breit rühmlichst bekannten Br. Heinrich Blank, seligen Andenkens, übernommen, nämlich die Krankenpflege. Kurz gesagt, ich war Hakim geworden. Da kommt eines Morgens außer den übrigen Kranken eine Schar Knaben mit einem mächtigen Stiere in ihrer Mitte. Sie warten ganz geduldig vor der Türe. jedenfalls nur. weil die Türe zu eng war. um auch den Stier hineinzuführen. Nachdem ich nun alle Patienten befriedigt, ihre Verbände erneuert und ihnen die nötigen -Heilmittel verabreicht hatte, tritt einer der Knaben ein. es war der Eigentümer des Stieres, und bittet mich inständig, auch seinem einzigen, lieben Tiere meine Kunst angedeihen zu lassen. Im ersten Augenblick war ich nicht wenig erstaunt, mich ohne weiteres vom Arzt zum Viehdoktor herabgewürdigt zu sehen; als ich jedoch bemerkte, wie ernst es dem kleinen Schilluk war, machte ich gute Miene zum bösen Spiele und unterzog den sonderbaren Patienten einer gründlichen Untersuchung. Zwischen den Klauen des rechten Vorderfußes hatte sich ein Geschwür gebildet; ich machte mich sogleich daran, dasselbe zu öffnen, während die Jungen mit Spannung zuschauten. Die Ursache des Übels war ein fingerlanger Dorn. den ich herauszog. Als ich denselben vorzeigte, brach die ganze Zuschauermenge in einen Beifallsruf aus. Von nun an war ich nicht nur Menschen-, sondern auch Viehdoktor. Der Knabe bezeigte mir seine Dankbarkeit dadurch, daß er mir einen schönen, großen Fisch brachte. Seit diesem Tage an muß ich nicht nur Menschen, sondern auch Vieh kurieren und besonders die muntere, hoffnungsvolle Jugend nimmt allen Zauberern und Hexenmeistern zum Trotze recht oft ihre Zuflucht zu mir. „Hat man die Jugend, so hat man bald das ganze Volk", dieses Wort bewahrheitet sich auch im Schilluklande. Die Jugend weiß, daß ihre ganze Zukunft auf der Viehzucht beruht und daß. je nach ihrem Gedeihen, die Zukunft eine mehr oder weniger glückliche werde. Es ist daher leicht einzusehen, daß man ihre Anhänglichkeit am leichtesten dadurch gewinnen kann, daß man ihnen hierin so viel als möglich an die Hand geht, daß man ihrem kranken Tiere zur Gesundheit verhilft. Hat man einmal ihre Anhänglichkeit, ihr Vertrauen gewonnen, so ist der erste Schritt zu ihrer Bekehrung getan und die kleinen Mühen, denen man sich unterziehen mußte, werden einem reichlich entlohnt. In den letzten Monaten vor der Regenzeit. Februar bis Mai. werden fast alle Herden ans die verschiedenen Nilinseln geschafft, wo auch zu dieser Jahreszeit, in der ans dem Lande alles trocken und dürr ist. noch besseres Gras zu finden ist. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich die Anhänglichkeit der Schilluk zu ihren Herden in besonderem Grade; man kann sehen, wie sie sich für dieselben auch den größten Gefahren aussetzen, und das nicht nur die Alten, sondern auch die Jungen. Ehe die Herden in den Nil getrieben werden, um die Inseln schwimmend zu erreichen, muß ein Zauberer, im Nile stehend, seinen Hokuspokus machen, um alle Krokodile zu bezaubern, damit sie hübsch ferne bleiben und sich nicht etwa unterstehen, ein fettes Rind oder ein Kalb in die Tiefen zu ziehen und zu verspeisen. Bei dieser Überführung, besonders aber beim Hüten auf einer von Hunderten von Krokodilen umgebenen Insel, setzen sich die Hirten oft großen Gefahren aus und alljährlich wird der eine oder andere das Opfer dieser schrecklichsten, hinterlistigsten uni) gefräßigsten aller Raubtiere des Schilluklandes, des Krokodils. Menschen und Vieh, alles, was so eine Bestie erreicht, ist unrettbar verloren und es kommt nur äußerst selten vor, daß so ein Schilluk mit dem Verluste eines Gliedes oder gar mit dem bloßen Schrecken davon kommt. Sehr häufig werden die Hirten, wenn sie zur Nachtzeit die Milch ans Ufer schaffen, um sie heim zu tragen, von Krokodilen inmitten des Flusses angegriffen. Das kleine Boot aus einem ausgehöhlten Holzstamme oder gar nur aus zusammen gebundenem Ambuschrohr ist bald umgeworfen; zudem ist das Tier sehr stark und entwickelt besonders in seinem Elemente eine unheimliche Kraft. Ist das Boot einmal gekippt, so geht es den armen Insassen schlecht, gewöhnlich fällt der eine oder andere dem Raubtiere zum Opfer und verschwindet unter dem Wasser. Die rote Färbung des Wassers zeigt bald, wo die Bestie ihr Opfer verzehrt hat. Gelingt es den Hirten jedoch, hie und da einmal das herankommende Raubtier zu bemerken, so wird es mit Lanzen empfangen; alle Insassen des Kahnes, groß und klein, erweisen sich in dieser höchsten Not und Verzweiflung als tapfere Helden. Für gewöhnlich rettet sich das Tier noch rechtzeitig unter das Wasser, wenn es nämlich frühzeitig genug wahrnimmt, daß man es beobachtet hat. Manchmal kommt es aber auch vor, daß es seine Freveltat mit dem Leben büßen muß; sein Fleisch wird dann von den Hirten verspeist, während seine dicke, schuppige Haut zu einem Schilde umgearbeitet wird, der dann ein Wehr und Waffenstück seines Besitzers bildet. Hat überhaupt das Krokodil einmal bemerkt, daß mau es beobachtet hat, so wird es nie einen Angriff wagen; nur hinterrücks und unversehens greift es seine Beute an. Es ist daher immer eine große Unvorsichtigkeit, mit dem Rücken gegen den Fluß gewendet, längere Zeit am Nile zu stehen, besonders wenn mau weiß, daß sich Krokodile in der Nähe befinden; wendet man dem Flusse jedoch das Gesicht zu, so kann man ganz ruhig sein, kein Krokodil wird sich sehen lassen; etwas anderes ist es, wenn man sich im Wasser selbst befindet. Manchmal stürzt sich das Krokodil auch ganz blindlings auf seine Beute; so erzählen die Schilluk verschiedene Beispiele, wo das Krokodil, anstatt die Insassen anzugreifen, sich auf das Boot stürzte und die Schilluk ruhig ans Ufer schwimmen ließ, ohne sich darum zu kümmern. Vom Ufer aus konnten daun die Geretteten ruhig zusehen, wie das erboste Tier das Fahrzeug mit seinen Zähnen bearbeitete und zertrümmerte. Trotz dieser Gefahren, welche auf den Inseln Hirten und Herden bedrohen, wird das Vieh doch jedes Jahr zur bestimmten Zeit auf die Inseln geschafft in der Überzeugung, daß das zum Gedeihen der Herden beitrage. Aber auch auf den ländlichen Weideplätzen ist das Vieh gar manchen Gefahren ausgesetzt. Beim Kleinvieh sind es, wie wir bereits gesehen haben, hauptsächlich die Hyänen und Schlangen; dem Großvieh machen die Leoparden und Löwen mehr zu schaffen. Von Hunger getrieben, schleichen sie sich oft an die Herden heran und bemächtigen sich dann in kühnem Sprunge ihrer Beute, meistenteils eines Kalbes oder kleineren Rindes. Dem Könige der Steppe, dem Löwen, sagen aber fast alle Schilluk nach, daß er ein tapferer Held sei, der sich nur dann an ihren Herden vergreife, wenn er kein anderes Wild gefunden habe und deshalb ausgehungert sei; überdies greife er sein Opfer offen an und nicht wie der Leopard, der sich rücklings oder von einem Baume herab auf seine Beute stürzt und ihr so jede Möglichkeit, sich zu retten oder gar zur Wehr zu setzen, nehme. nach Schillukart auf den Boden, ergriff mit der rechten Hand seine kleineLanze, entschlossen, sie dem Löwen beim Sprunge in den Leib zu rennen. Bei diesem ungewöhnlichen Anblicke stutzte der König der Steppe zuerst, hielt in seinem Laufe inne und verhielt sich ganz still, fast unentschlossen, ob er den ungleichen Kampf mit dem kleinen Hirten aufnehmen solle oder nicht. Während sich die beiden Kampfgenossen unentwegt in die Augen schauten und ein jeder auf den Anfang des Mau — Wabr-el-Gbazal — Solöatenvtertcl. Vor noch nicht gar zu langer Zeit ereignete sich folgender Fall im Distrikte von Loak. Ein Knabe hütete ganz allein in ziemlicher Entfernung vom Dorfe das Vieh, plötzlich sah er zu seinem Entsetzen einen Löwen, der sich in raschem Laufe seiner Herde näherte; schon schickte sich der Löwe an, sich im Sprunge auf ein fettes Rind zu schnellen. Im ersten Augenblicke war der Knabe natürlich ganz bestürzt, er faßte sich jedoch gleich und war entschlossen, dem frechen Räuber Widerstand zu leisten. Rasch kniete er sich Kampfes harrte, hatte der Knabe Zeit gewonnen, um Hilfe zu rufen. Zum Glücke wurden seine schrillen, gellenden Schreckensrufe von einigen Männern, die auf einem nahen Felde beschäftigt waren, gleich vernommen. Mit ihren Lanzen bewaffnet, eilten sie herbei, um dem armen Hirten zu Hilfe zu kommen. Der Löwe wurde durch 'beit Lärm, welchen die herbeieilenden Leute verursachten, aus seiner Betrachtung aufgeschreckt, er sah gleich, daß er jetzt der Gefährdete sei, und ließ Hirt und Herde unbehelligt, um sein Heil in der Flucht zu suchen, und zwar war dieselbe so eilig, daß es den Verfolgern unmög war, ihm nachzusetzen oder ihn gar einzuholen. Der tapfere Hirte konnte jedoch von Glück sprechen, daß er mit heiler Haut davongekommen war, ohne eine Beute des Raubtieres zu werden; denn nach dieser Störung hätte sich der Löwe nicht mehr auf ein Rind, sondern zunächst auf den Hirten gestürzt, um erst dann seinen Hunger bei den Rindern zu stillen. Wie Doch solche Fälle sind selten, wie es auch äußerst selten vorkommt, daß sich eines dieser beiden Raubtiere nachts in den Kuhstall wagt, um sich ein Kalb oder Rind zu holen. Selbst in der trockenen Jahreszeit, von Dezember bis zu Beginn der Regenzeit, wo das Vieh nicht in den Ställen inmitten des Dorfes untergebracht ist, sondern im Freien übernachtet, geschieht es selten, daß ein Löwe oder Leopard die Herden heimsucht. Auf freiem IMP» Lin erlegter Elefant. schon erwähnt, befand sich der Hirt mit seiner Herde weit vom Dorfe entfernt und seine Hilferufe hätten dort unmöglich vernommen werden können. Wären seine Retter nicht zufällig auf den nahen Feldern beschäftigt gewesen, so wäre er wohl trotz seiner Tapferkeit oder vielmehr gerade wegen dieser seiner Waghalsigkeit nicht so leichten Kaufes davongekommen; er hätte diese seine Entschlossenheit und Waghalsigkeit in den Krallen des Löwen büßen müssen. Felde wird zu dieser Jahreszeit ein runder Platz mit einem Zaun aus Schilfrohr umgeben und innerhalb dieser Umzäunung verbringen die Herden die Nacht. Daß meistens alles so glatt und ungefährdet abläuft, muß man wohl nächst den zahlreichen bellenden Hunden den vielen kleinen Feuerbränden zuschreiben, die allabendlich zwischen den Tieren angezündet werden Zunächst werden sie allerdings nur angezündet, um die zahlreichen giftigen Moskitos von dem Vieh fernzuhalten, aber ohne daß die Schillnk es selbst bezwecken, halten sie auch die Raubtiere fern. Durch das ständige, eintönige Aufflackern des mit trockenem Kuhdünger genährten und unter.der Asche fortglimmenden Feuers werden die Tiere, die wie alle Raubtiere eine natürliche Scheu vor dem Feuer haben, abgehalten, obwohl sie oft in nächster Nähe drohend herumschleichen. Konnnt es trotzdem in einem solchen Falle zu einem Überfalle, so sind die Hirten und die Jnngmannschaft bald auf den Beinen und stürzen sich, mit Lanzen oder Stöcken bewaffnet, auf das Raubtier, das meistens ganz ahnungslos nur damit beschäftigt ist, seine Beute in Sicherheit zu bringen. Für gewöhnlich sinkt es, von zahlreichen Lanzen durchbohrt, zusammen. Aber auch für die Angreifer geht es nicht immer ohne Verluste ab; der eine oder andere wird fast immer mehr oder weniger schwer verwundet. Ist bei einer solchen Gelegenheit ein Löwe erlegt worden, so wird dessen Herz von den Beteiligten gemeinsam verzehrt. Obwohl die Schillnk sonst das Löwenfleisch verschmähen, so verzehren sie dessen Herz doch mit dem größten Appetite; sie sind nämlich der festen Überzeugung, daß derjenige, der ein Stück des Löwenherzens esse, dadurch stark und tapfer werde und daß er sich einen Mut und eine Kampfeslust aneigne, wie sie der König der Steppe besitzt. Andere wiederum streiten sich um die Ohren, Zähne und Krallen des erlegten Tieres oder gar um Stücke von dessen Schwanz; sind sie so glücklich gewesen, etwas davon zu erobern, so tragen sie die Stücke als Amulette um den Hals, an den Ohren oder Armen, um sich und ihre Landsleute stets an jene große Tat zu erinnern. Außerdem schreiben diese Helden ihren Amuletten auch geheime Kräfte zu; manche glauben gar, daß sie durch die Kraft derselben bei jedem Streit eine übernatürliche Stärke besäßen und auch unverwundbar seien. Das Vieh selbst wittert meistens seinen Todfeind und gibt dessen Nähe durch Scharren und Blöken kund; durch die Unruhe und den Lärm werden die in der Nähe schlafenden Hirten bald aufgeweckt und so kann das Raubtier, meistens noch bevor es sich eine Beute geholt hat, vertrieben werden. Es ist schon vorgekommen, daß ein einziger Mann mit einem brennenden Holz in der Hand einen auf Raub ausgezogenen Leoparden vertrieben hat. Am Eingänge der Kuhhürde ist gewöhnlich ein kleines Aschenhaus gelegen, ungefähr drei Meter hoch, meistens ohne jegliche Bedachung, und zwar aus Maisstengeln. In diesen Raum wird am Morgen die Asche der nächtlichen Feuer gebracht und sorgfältig aufbewahrt. Im Laufe des Tages nehmen dann hier alle männlichen Einwohner ihre Aschenbüder, d. h. sie wälzen sich nach Herzenslust in der rötlichen Asche; andere schlafen auch in der noch warmen Asche und behaupten, sich recht wohl und warm dabei zu fühlen. In den kühleren Monaten (Dezember, Jänner und Februar), wo oft am Morgen, besonders aber während der Nacht, der rauhe Rndo (Nordwind) weht, bildet das Aschenhaus für sie eine wahre Wohltat, eine primitive Wärmestube. Ehe sie dieselbe am Morgen verlassen, reiben sie ihre erstarrten Glieder noch einmal tapfer mit Asche ein; es wird ihnen dabei warm und ihre Glieder sollen der Kälte besser widerstehen. Auch das Vieh fühlt sich in der Asche recht wohl und will ein braver Jüngling seinem Stier oder Rinde besonders schmeicheln, so reibt er es mit Asche ein. Es ist sicher, daß diese Einreibung mit Asche den Tieren sehr zuträglich ist, besonders dem Jungvieh. Das lästige Ungeziefer, durch welches das Vieh in diesen heißen Ländern noch viel mehr zu leiden hat als in unseren Gegenden, kann meistens die Asche und ihre ätzende Wirkung nicht vertragen und geht dann entweder zugrunde oder entfernt sich. Die schlimmste aller Plagen, unter welcher sowohl das Klein- als das Großvieh so furchtbar leibet, die Moskitoplage, wird noch vermehrt durch die Zecken. Sie kommen leider recht zahlreich im Schilluklande vor und können die armen Rinder, an denen sie sich festsetzen, in helle Verzweiflung bringen. Besonders befallen sie die unbehaarten Stellen des Tieres und setzen sich dort mit der nur ihnen eigenen Gründlichkeit, Zähigkeit und Unverwüstlichkeit fest. Bei Kühen kommt es öfters vor, daß sie sich nicht mehr melken lassen und dem armen, jungen Melker entweder den Topf mitsamt der Milch aus der Hand schlagen oder so unruhig sind, daß er die unrentable Arbeit unverrichtet abbricht. In den meisten Fällen haben die Zecken alles Unheil verschuldet. Schaut man näher nach, so findet man noch einzelne am Tatorte, das Euter ist aber ganz entzündet. Dieser Zeckenplage kann nur abgeholfen werden durch gründliches Reinigen der Rinder-, wenigstens wöchentlich einmal sollten die Schmarotzer abgesucht und verbrannt werden. Leider unterschätzen die meisten Schilluk diese Tierchen; man kann oft Kälber sehen, welche fast ganz mit Zecken bedeckt sind. Bei jedem Schritte zucken sie dann vor Schmerzen zusammen. Ich habe mich oft gewundert, wie doch die Schilluk so wenig zur Vertilgung dieser Schmarotzer tun, obwohl sie den Schaden, den dieselben ihrem Vieh verursachen, tagtäglich wahrnehmen können, und doch könnte es ohne viel Mühe und Beschwerde geschehen. (Fortsetzung folgt.) Nus dem fllbtfftonsleben. Mne Bbre aus Wooz' Acker. In nächster Nähe unserer Niederlassung in Kairo erhebt sich das deutsche Spital, die Pflege ist protestantischen Diakonissen übergeben. Da häufig auch Katholiken Aufnahme finden, so lassen wir es uns angelegen sein, dieselben öfters zu besuchen. Ich muß zum Lobe der Verwaltung hervorheben, daß man uns hierin das größte Entgegenkommen zeigt, besonders von Seite der Oberin der Diakonissen, die uns stets benachrichtigen läßt, falls sich ein schwerkranker Katholik dort befindet. Auch die Bemühungen bei verstockten Kranken unterstützen die Schwestern soviel als möglich und bei Versehgängen bereiten sie selbst vorschriftsmäßig einen Tisch her mit Leuchtern und Kruzifix. Bei einem dieser Besuche nun bemerkten wir eine Negerin. Wie sie später angab, gehörte sie zu dem Stamme der Denka. Ich blieb bei ihrem Bette stehen und erkundigte mich nach ihrer Krankheit sowie nach den Verhältnissen, in denen sie lebe. „Ich leide sehr," antwortete sie, „werde von starkem Husten und Atemnot gequält, weder bei Tag noch bei Nacht finde ich Ruhe." Ich schickte mich an, sie etwas zu trösten; dabei nahm ich mit Freuden wahr, daß die Kranke bereits Kenntnis von Gott und unserer Religion hatte, wenn auch diese Kenntnis sehr gering und verwirrt war. Nachdem ich die Kranke, deretwegen wir gekommen waren, besucht hatte, kehrte ich wieder zur Saida, denn so hieß sie, zurück. „So oft ich herkomme, werde ich mich nach dir erkundigen und dich besuchen; bist du damit einverstanden?" „Wie sollte ich es nicht sein? Niemand kümmert sich um mich, kein Mensch besucht mich; du bist die erste, die sich meiner etwas annimmt und ein Interesse zeigt für mich." Ich suchte sie noch etwas zu trösten und zog mich dann zurück, indem ich die Ärmste dem Herrn empfahl und darüber nachsann, wie ich sie zu einer Freundin Gottes machen könne. HO Stern der Neger. Heft 5. Als ich nach einigen Tagen wieder ins Spital kam, blieb ich längere Zeit bei ihr und nach der ersten Begrüßung sagte ich: „Saida, liebst du den Herrn?" „Natürlich liebe ich ihn und sterbe gern, weil er es so will. Ich weiß, daß mein Leben in seinen Händen liegt und daß er über mich verfügen kann-, schon jetzt danke ich ihm für alles, was er über mich beschließen wird. Ich versichere dich, daß ich den guten Gott liebe!" Nachdem so das Gespräch angeknüpft war, gingen wir von einem Gegenstände auf den andern über. Die Arme faßte immer mehr Vertrauen und erzählte mir ihre ganze Lebensgeschichte voller Elend und Leiden. „Zuerst", sagte sie, „wurde ich meinen Eltern geraubt: kaum war ich stark genug, so hielt mich mein Herr zur Arbeit an. und zwar mußte ich mit der Moraka Durra zerkleinern." Die Moraka besteht aus zwei Granitsteinen, einem größeren, der auf der Erde ruht, und einem kleineren, mit dem die Frau, auf der Erde kniend, das Getreide reibt; so ähnlich, wie man manchmal bei uns die Frauen waschen sieht. Die Arbeit ist sehr anstrengend. „Mein ganzes Leben", fuhr Saida fort, „verbrachte ich ohne Trost, ohne Liebe; ich kannte nichts als die Grausamkeit meines Herrn. Ich unterlasse es, dich mit der Erzählung der Mißhandlungen, denen ich preisgegeben war, zu belästigen. Für jede kleinste Unterlassung wurde ich grausam geschlagen, Gott allein war Zeuge meiner Leiden." Hier hielt die Arme inne, um etwas auszuruhen. Ich ergriff die günstige Gelegenheit und sagte ihr: „Möchtest du nach einem so leidenvollen Leben nicht glücklich sein und Gott ohne Unterlaß genießen?" „Natürlich möchte ich das; ist es doch mein einzigster Wunsch", erwiderte sie hastig. Ich sah, daß der Boden vorbereitet sei, und bemühte mich, ihr begreiflich zu machen, wie man zur Seligkeit gelangen könne. Meine Saida glaubte alles und war voller Hoffnung; gerne wollte sie jene Medizin gebrauchen, die ihr zu jener Seligkeit verhelfen, die sie Gott dem Herrn wohlgefällig machen sollte. Es war kein Zweifel, daß die Krankheit lebensgefährlich sei, dennoch schien mir die Todesgefahr nicht so nahe bevorstehend; so wollte ich sie denn mit Muße besser vorbereiten und verschob die Taufe auf einen anderen Tag. In der Tat kehrte ich nach einigen Tagen Araberinnen aut dem Wiege zum /Ifoarhte. zurück. Zu meinem Leidwesen fand ich das Bett, in dem Saida geruht hatte, leer . . . War sie ohne Taufe gestorben? Eiskalt schoß mir dieser Gedanke durch den Kopf. Ich erkundigte mich alsogleich bei einem Diener und erfuhr, daß sie als unheilbar zu ihrem früheren Herrn zurückgeschickt worden sei. Der Herr wollte unserer Armen eine letzte Probe auferlegen. Arme Saida! Wie soll ich sie in dieser Großstadt Kairo finden? Und sollte es mir auch glücken, sie ausfindig zu machen, wie könnte ich dann zu ihr gelangen, um ihrem und unserem Wunsche gerecht zu werden? Ich empfahl die Angelegenheit der Trösterin der Betrübten und tat mein Möglichstes, um den Aufenthalt ausfindig zu machen. Nach vielen vorsichtigen Nachforschungen gelang es, den Ort in Erfahrung zu bringen. Ohne Verzug begebe ich mich mit einer Begleiterin an Ort und Stelle, um nähere Erkundigungen einzuziehen. Unsere Bemühungen waren nicht vergebens; zum Glücke trafen wir den Herrn der Saida selbst. Er empfing uns freundlich. In einen Hof geführt, gingen wir aus diesem in einen etwas kleineren, dann wieder durch verschiedene enge Gänge und gelangten endlich in einen Hof, wo Schafe, Ziegen, Esel usw. in guter Freundschaft zusammen lebten. In einer Ecke befand sich ein abgeschlossener Raum für das Futter und die Streu des Viehes. Und hier drinnen in einem Winkel lag die arme Saida. Die Unglückliche! Ihr ganzes Leben lang hatte sie gearbeitet und schwer hatte sie gearbeitet, ohne das geringste Entgeld! Und jetzt, da sie sterbenskrank ist, unfähig zur Arbeit, wird sie auf den Misthaufen geworfen. Aber sie darf sich nichts Besseres erwarten, ist sie ja doch eine — Sklavin. Außerdem eine Negerin und alt. . . „Da ist sie", sagte uns der Araber, indem er sich gleich aus dieser verpesteten Umgebung zurückzog. Wir waren also Herren des Feldes und machten uns ohne Zögerung ans Werk. Arme Saida! Wie warst du herabgekommen! Die Krankheit hatte fürchterliche Fortschritte gemacht und den Leib, der infolge der ertragenen Mühen ohnedies schon schwach war, fast ganz aufgelöst. Kaum hatte sie uns bemerkt, breitete sie mit Aufbietung der letzten Kräfte ihre Arme aus und rief: „Baraka, Baraka, Baraka! Segen, Segen! Heute lasse ich dich nicht fort, bevor du mich nicht glücklich gemacht hast." Ich sah, daß es bald aus sein werde mit ihr, obwohl sie noch bei voller Besinnung war. In Kürze erneuerte ich mit ihr die Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, tröstete sie mit der Aufforderung, sich in die Hände Gottes zu empfehlen, nur auf ihn zu hoffen und ihn allein zu lieben. „Könnte ich doch dem lieben Jesu, von dem du sagst, daß er so gut sei, einen Beweis meiner Liebe geben; auch ich fühle, daß er voller Barmherzigkeit sein muß." Mit diesen Worten küßte sie das dargereichte Kruzifix. Es war höchste Zeit, dem Wunsche der armen Saida zu entsprechen, die so offenkundig von Gott erleuchtet worden war. Ich goß also das geweihte Wasser auf jene schwarze Stirn. Nach ein paar Minuten schloß Maria, auf diesen Namen hatte ich sie getauft, ihre Augen und wir hielten sie für verschieden. Bald aber öffnete sie dieselben wieder und sagte mit ruhiger und klarer Stimme: „Jetzt gehe ich; was bleibt mir noch zu tun übrig?" Nichts mehr! Erwecke nur stets Akte der Liebe zu Jesus und Maria." Sie tat es mit innigem Glauben; es blieben ihr jedoch nur noch ein paar Augenblicke dazu übrig. Ihre Kräfte nahmen zusehends ab, das Atmen wurde ihr immer schwieriger, bis es ganz aufhörte . . . Wir waren gerade zur rechten Zeit angekommen! Eine Stunde später, so hätten wir uns des Trostes, den wir verkosteten, und Saida des größten Glückes beraubt. Ich bezeichnete die nunmehr geweihte und wiedergeborene Stirn mit dem heiligen Kreuzzeichen. Wir ließen den Körper, dessen Seele sich bereits mit Gott vereint hatte, zurück und begaben uns heimwärts. O Saida, bitte für deine Landsleute, damit auch sie recht bald des Glückes teilhaftig werden, das dir noch im letzten Augenblicke zuteil wurde. Eine Estonsscbwelter. Heft 5. Stern der Neger. 113 U ( ^ \ Untcrbaltcnbcd. g ) Ctrtgua Basse's Vertraute. Lrzäblung von Dr. Dugo /IIMont. (Fortsetzung.) In Gedanken versunken, blieb Senuessi zurück. Einige Knaben, die sich ihm näherten, trieb er weg; die Frauen würdigte er keines Blickes; er dachte an den unbekannten Weißen, an die hundert Gewehre, an die Handlungsweise des klugen Amatosa und grübelte nach, wer denn dieser Weiße sein könnte. Vielleicht ein Feind, ein Gegner, der zu ihm kam, um ihn anzugreifen, oder war es vielleicht ein Konkurrent, der ihn vernichten wollte, oder ... er bemühte sich, den Gedanken zu verscheuchen ... bei ihrer unvergleichlichen Waghalsigkeit war es aber nicht unmöglich . . . oder gar ein Missionär, der ganz in seiner Nähe eine Station gründen wollte? Daun aber wehe dem Waghalsigen! Der Missionär predigte die Freiheit und bekämpfte die Sklaverei, während er, Senuessi, von den Sklaven lebte. Hätten diese sich einmal überzeugt, daß er kein Recht habe, sie so zu behandeln, wer könnte sie dann noch zurückhalten, wer ihren Aufstand unterdrücken? Er wäre unbedingt verloren gewesen, er, der einzige Araber unter so vielen Negern. Die Furcht überwand den Hochmut. Er opferte den letzteren und verließ die Hütte, mit dem Fremdlinge entgegen zu gehen. Nachdem er sich nach der Karawane erkundigt, begab er sich nach jener Richtung. Bald bemerkte er dieselbe. Sie hatte sich auf einer Wiese gelagert am äußersten Ende der Pflanzung. Gegen 200 Neger bemerkte er, sie Ivaren gerade im Begriffe, ihre Sacheit abzulegen. Alle waren bewaffnet; keiner gefesselt. Es waren also keine Sklaven. Es waren freie, gut bewaffnete Männer. 200 Gewehre sind furchtbar, auch wenn sie sich in Händen befinden, die mit den Waffen weniger gut umzugehen verstehen. Was konnte er diesen Gewehren entgegenstellen. Er mußte sich also mit jenen Männer befreunden. An ihrer Spitze stand ein Weißer, nach Beduinenart gekleidet, mit dem Gewehre auf der Schulter, eine martialische Gestalt voller Energie. Der Anführer sprach gerade mit Amatosa. Senuessi freute sich ob der Umsicht seines Oberaufsehers und beschloß, ihn zu belohnen. Als er näher hinzugetreten war, stellte ihn Amatosa mit den Worten vor: „Hier ist mein Herr, der mächtige Emir Senuessi." Er sagte dies auf arabisch, das er so leidlich sprach und das auch von dem Europäer verstanden wurde. „Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen", bemerkte dieser. „Ich bin ein europäischer Reisen-der, Franz Laudon, und bitte dich um Erlaubnis, auf deiner Besitzung übernachten zu können. Ich hoffe sodann, daß du mir die notwendigen Lebensmittel überlassen wirst, trifft man doch so selten eine so gut gepflegte Pflanzung, wie diese da ist, und ich freue mich, mit dem verdienstvollen Eigentümer persönlich bekannt zu werden. Die Worte des jungen Europäers machten Senuessi nachdenklich. „Bist du auf einer Vergnügungsreise?" fragte er ihn. „Nein, ich befinde mich auf einer wissenschaftlichen Forschungsreise. Ich will dem Lindi, einem wenig bekannten Flusse, folgen, seinen ganzen Lauf erforschen und sehen, ob er schiffbar ist; sodann werde ich nach den Stanley-Fällen gehen, wo ich verschiedene andere Europäer treffen werde." Senuessi schüttelte das Haupt. „Wozu diese deine Nachforschungen?" „Um die Wissenschaft und den Handel zu fördern. Ich hoffe, daß einstens einblühenderHandel entstehen wird zwischen diesen fruchtbaren Gegen- den und Europa; dazu muß man aber zuerst die Gegend erforschen und die Wege kennen lernen, besonders aber die Flüsse." Der Araber schüttelte von neuem das Haupt. „Ich begreife dich nicht. Du willst also auf meinem Gebiete lagern?" „Ja." „Scheint dir diese Wiese geeignet?" „Jawohl." „Kannst du mich versichern, daß du keine schlechten Absichten hast." „Ich gebe dir mein Ehrenwort." „Daß deine Sklaven mit den meinigen nicht in Berührung kommen werden." „Meine Leute sind keine Sklaven." „Nicht? Welch ein Unsinn! Warum nimmst du keine Sklaven? Du brauchtest sie nicht jeden Monat zu bezahlen; könntest sie mit mehr Freiheit bestrafen und nach beendeter Reise wieder verkaufen." „Ich verwerfe die Sklaverei," sagte der Weiße. Bei diesen Worten brach Senuessi in ein Gelächter aus. „Warum lachst du?" wandte sich der Weiße an ihn. Senuessi antwortete nicht. „Kannst du mich versichern, daß deine Seilte, Freie oder Sklaven, keinen Verkehr mit meinen Sklaven suchen werden?" „Ich verspreche es dir." „Werde dir glauben. Lagere nur hier und gebe meinem Amatosa deine Aufträge. Er wird dir alles Notwendige verkaufen." „Besten Dank. Würdest du mir erlauben, später in deine Hütte zu kommen?" „Warum?" fragte Senuessi. „Um mit einem Geschenke der großen Achtung Ausdruck zu geben, die ich für dich hege." Senuessi lächelte befriedigt. „Ein Geschenk weise ich nie zurück. Amatosa wird dich zu mir führen, sobald es dir gefällt." Der Araber machte eine leichte Verbeugung und entfernte sich. „Hast du die Anordnungen deines Herrn vernommen?" fragte Laudon Amatosa. „Ja", war die Antwort. „Hier ist mein Koch, er wird dir mitteilen, was wir nötig haben. Ich werde dich sodann I bezahlen", fuhr der Weiße fort, indem er Amatosa einen Neger zeigte, der herbeigetreten war. Die beiden Neger sprachen lange mit einander. Auf ein Zeichen des Weißen lagerten sich seine Leute. Die Trägerlasten wurden zusammengelegt und das Zelt aufgeschlagen. Ein großes Feuer wurde angezündet und die Neger lagerten sich um dasselbe in Erwartung des Abendessens. Laudon hatte ihnen sehr empfohlen, sich nicht vom Lager zu entfernen und mit den Untergebenen des Senuessi zu sprechen, um den letzteren nicht zum Zorne zu reizen. Sie hatten es ihm versprochen, doch weder das eine noch das andere wäre notwendig gewesen, da sie sich viel zu müde fühlten, um noch lange herumzuschweifen. Amatosa hatte inzwischen mit einem anderen Neger einen großen Ochsen herbeigeschafft und wollte sich zurückziehen, als ihn Laudon, der einige Sachen zu sich genommen hatte, zu sich berief. „Führe mich zum Emir." Die Träger machten sich über den Ochsen her, der ihnen als Abendbrot dienen sollte, während sich Laudon mit Amatosa zum Emir begab. Unterwegs fragte der Reisende: „Ist Senuessi schon lange Zeit hier?" „Wenigstens zehn Jahre." „Ist er reich?" „Sehr reich." „Hat er Sklaven?" „Wer hat keine?" „Und wie behandelt er seine Sklaven?" „Als Sklaven." „Grausam?" „Wer wird sie je anders behandeln? Die Peitsche und die Folter sind die einzigen Mittel, sie zn bändigen und unterwürfig zu halten." „Bist du auch ein Sklave?" „Ja." „Und dennoch sprichst du auf diese Weise?" „Ich hoffe, in Bälde frei zu werden, und dann wird es meine erste Sorge sein, mir selbst Sklaven zu verschaffen, und ich werde sie gerade so behandeln, wie es unter den Sklavenhändlern Brauch ist." „Nachdem du die Schrecken der Sklaverei verkostet hast, sprichst du noch so?" fragte der Europäer voller Staunen. Amatosa antwortete ihm nicht. Aber in seinem Innern begann es ein klein wenig zu dämmern. Er fing an, sich einzugestehen, wie ihm die Folterqualen und Peitschenhiebe wehe taten, so konnten sie auch niemand anderem gefallen; und wie er jetzt, da sein Herr ihn nicht mehr schlug, sich so glücklich fühlte, so würden sich auch seine Sklaven darnach sehnen, gut behandelt zu werden. Er hütete sich jedoch, dem Weißen diese seine Gedanken irgendwie anzudeuten; er fürchtete sich nämlich, dieser könnte sie Senuessi offenbaren. Schweigend ging er voran, bis er zur Hütte des Emir gelangte, in die er den Europäer führte. Es war Nacht; die Hütte war nur spärlich durch eine Lampe, die mit Kokosöl genährt wurde, erleuchtet. Senuessi hatte ein Kleid aus kostbarer Seide angezogen und saß ans einem Polster, das mit rotem Samt überzogen war, die Beine kreuzweise unterschlagen. Ein überaus schöner Negerknabe in pnrpurroter Kleidung stand neben ihm, seinen intelligenten, aber furchtsamen Blick ließ er von der Wasserpfeife zum Kohlenbehälter und von diesem zum Kaffeeservice schweifen. Der Knabe erinnerte sich an das, was wenige Stunden vorher seinen: Altersgenossen zugestoßen war, und wollte deshalb seiner Auf-gäbe aufs genaueste nachkommen, um nicht einem ähnlichen Schicksal entgegen zu gehen. London machte eine leichte Berneigung und grützie mit den Worten: „Sallam aleik. Der Friede sei mit dir." „Sallam", antwortete der Araber. Er war durch und durch Mohammedaner und konnte also niemanden, der in seinen Augen nur ein unreiner Hund war, mit anderen Worten begrüßen. „Setze dich", sagte er ihm darauf, indem er auf den Teppich hinwies, der seinem Sitze gegen» über lag. Aber Laudon war nicht der Mann, sich so verächtlich behandeln zu lassen. Er als Europäer wollte sich nicht mit einem Teppich begnügen, während der Araber auf einem Kissen saß. Hätte er das getan, so hätte er stillschweigend seine Unterordnung unter den Araber zugegeben. „Wo ist das Polster?" fragte er deshalb. „Setze dich auf den Teppich", entgegnete ihm der Araber. „Ich sehe, daß ich mich in deiner Person getäuscht habe. Du bist nicht so reich, wie ich glaubte. Ich werde mich also in mein Zelt begeben, um mein Polster zu holen", sagte der Reisende mit leichtem Spott. Senuessi biß sich in die Lippen. „Ein Polster!" befahl er Amatosa. Dieser begab sich in ein nebenan liegendes Zimmer und kehrte mit einem Polster zurück. „Lege es auf die Schwelle!" befahl der Araber. „Es ist nicht notwendig, daß du dich so sehr erniedrigst, indem du an der Türe Platz nimmst. Es freut mich, daß du so meine Überlegenheit anerkennst; ich erlaube dir jedoch, dich an meiner Seite niederzulassen," sagte Laudon. „Das Polster bei der Türe ist ja für dich bestimmt", erwiderte der Emir, der nur mit Mühe seinen Zorn zurückhalten konnte. Laudon schüttelte das Haupt und sagte: „Entweder bist du ein Freund Allahs oder du hast das Gebot Allahs betreffs der geistigen Getränke übertreten." Senuessi verstand die Bedeutung dieser Worte. Laudon hielt ihn für einen Narren oder für einen Betrunkenen. Er bebte deshalb vor Zorn; schwor ihm Rache; bei dem Gedanken an die 200 Gewehre, über welche der weiße Hund verfügte, bezwang er sich jedoch. „Nehme neben mir Platz," sagte er ihm dann. Amatosa legte das Polster zur Rechten Senuessis nieder und der Europäerließ sich darauf nieder. „Soll ich ihm die Willkommenspfcife anbieten?" fragte der Knabe. Als einzige Antwort gab ihm Senuessi zwei Ohrfeigen. Der Knabe schrie laut auf und fuhr mit den Händen ins Antlitz. „Laß ihm fünfzig Peitschenhiebe verabreichen!" befahl Senuessi Amatosa. „Warum? Wessen hat er sich schuldig gemacht?" fiel Laudon ein. „Was geht das dich an? Er ist mein Sklave und ich kann mit ihm verfahren, wie es mir am besten gefällt." „Dieses Recht hast du nicht." „Willst du mir es streitig machen?" warf Senuessi rasch ein. „Ja." „In meiner Hütte? In meiner Pflanzung? Du bist wirklich waghalsig! Ich werde dir aber zeigen, daß dieser Knabe mir gehört und daß ich ihn deshalb auch töten kann!" schrie Senuessi, indem er sein Messer hervorzog. Das Messer in der Hand, stürzte er sich auf den Knaben, der sich erschreckt aufschreiend in eine Ecke verkroch. Das Kind begriff den Zorn seines Herrn nicht. Es glaubte sein Bestes getan zu haben. Es bedachte nicht, daß seine letzte Frage, wie unschuldig sie auch an und für sich war, ganz und gar nicht am Platze war. Wie konnte der Knabe auch nur voraussetzen, daß ein wahrhaft Gläubiger einem Gjaur die Pfeife anbieten konnte, um mit ihm zu rauchen? So etwas tun nur jene Mohammedaner, die gezwungen sind, in großen Städten mit den Gjaureu zusammen zu wohnen und auf sie Rücksicht zu nehmen; niemals wird es aber ein freier Mann tun, der in einer freien Pflanzung wohnt. Senuessi hätte dem Knaben den Dolch in die Brust gepflanzt, wenn der Europäer nicht aufgesprungen wäre und ihm die Hand ergriffen hätte. Senuessi brüllte vor Wut. „Laß mich los, Hund!" schrie er. „Weg mit dem Messer!" rief Laudon mit Stentorstimme. Senuessi versuchte sich loszuwiuden, es gelang ihm jedoch nicht. Der junge Belgier war schon von Natur aus stark, die edle Entrüstung steigerte seine Kraft ins Unendliche. Handelte es sich doch darum, ein junges Menschenleben zu retten. „Laß mich los!" brüllte Senuessi von neuem. „Weg mit dem Messer", gab Laudon zurück. Senuessi sah ein, daß er nachgeben mußte und daß es besser sei, es gleich zu tun. Er ließ daher das Messer fallen und brach in ein Gelächter aus. Laudon wurde ob dieses Lachens bestürzt und ließ den Arm des Arabers fahren. Jener fuhr fort: „Du hast die Probe gut bestanden. Ich wollte sehen, ob eure vielgerühmte Liebe zu den Sklaven nur in Worten bestehe oder ob sie sich auch im Ernstfälle bewähre. Du hast die Probe bestanden. Um dir zu zeigen, daß ich nicht jener grausame Mann bin, für den du mich hältst, nimm hier diesen Knaben; ich schenke ihn dir; er ist dein Eigentum. Mache mit ihm, was du willst." Ein Freudensruf entrang sich bei diesen Worten der Brust des armen Negerknaben. Laudon wußte jedoch nicht, was er von dem Araber denken solle. Hatte jener Mann die Wahrheit gesagt oder war er ein geweckter Betrüger? „Meinen innigsten Dank. Ich bewundere dich, du bist in meiner Achtung sehr gestiegen. Das Geschenk nehme ick> an und werde nicht verfehlen, mich erkenntlich zu zeigen. Für jetzt erlaube, daß ich dir einige Kleinigkeiten anbiete." „Werde sie mit Freuden entgegennehmen. Amatosa, bringe den Knaben in das Lager des Weißen!" befahl Senuessi, zu Amatosa gewandt. Dann kehrte er sich lächelnd zu dem Europäer, der seine Geschenke auf dem Teppich ausbreitete. Es war wunderbar, mit welcher Leichtigkeit Senuessi seine wahren Gefühle zu verbergen wußte. Sein Herz war voller Galle gegen den verhaßten Weißen; er haßte ihn von ganzer Seele und dennoch stellte er sich äußerlich ganz freundlich. Während aber seine Lippen lächelten, erwog er in seinem Innersten, wie er den Waghalsigen bestrafen könne; er sagte sich: „Wer weiß, ob die alte Ramosina nicht schon ihr Gift bereit hat." Der Weiße breitete seine Geschenke aus. Ein arabischer Anzug, ein großes Stück Steinsalz, eine Schere und einige Nadeln. Diese Gegenstände stellten im Innern des schwarzen Erdteiles einen großen Wert dar, wo das Salz, obwohl sehr gesucht, dennoch sehr selten ist; gearbeitete Metallwaren sind gleichfalls kostbar. Senuessi lächelte von neuem. „Das stud fürstliche Geschenke", meinte er. „Sie entsprechen deiner Größe." „Ich danke dir; weiß aber wirklich nicht, wie ich dich dafür entschädigen kann." „Durch die Überlassung des kleinen Negerknaben hast du mich reichlich entschädigt." „Jener Knabe ist wertlos." „Nichts ist in meinen Augen so kostbar wie das Leben eines Menschen." „Der Sklave ist aber kein Mensch." „Nicht? Wer sagt das?" „Der Prophet und was der sagt, ist wahr. Zweifelst bit vielleicht daran?" fragte Sennessi lebhaft. Der Reisende wußte, daß er den religiösen Fanatismus des Arabers nicht reizen durfte, falls er unangenehme Verwickelungen verhüten wollte. Andererseits war er zu charakterfest, um etwas zuzugeben, was er nicht gutheißen konnte. Er sagte daher: „Ich bin kein Mohammedaner." „Ich weiß, daß du ein Giaur bist und deshalb bedauere ich dich." „Ein Giaur? Nennst du mich einen Hund, da ich deine religiöse Überzeugung nicht teile? Was würdest du sagen, wenn ich dich einen Hund nennen würde, einzig deshalb, weil du die meinige nicht teilst?" „Ich würde dich töten." „Beschimpfe mich also nicht, wenn bu mich nicht zwingen willst, das gleiche mit dir zu tun. Ich bin überzeugt, daß mein Glaube der wahre ist. Ich bemitleide dich, der du einen anderen bekennst, beschimpfe dich deshalb aber nicht." „Du willst also sagen, daß meine Religion falsch ist?" warf Sennessi lebhaft ein. „Wir sprechen von den Sklaven und nicht von der Religion", sagte Laudon vorsichtigerweise. „Du hast Recht. Wir sprechen von denSklaven. Der Hanptirrtnm, in dem bit dich befindest, ist deine Ansicht, daß die Sklaven Menschen seien. Wäre das der Fall, so würdest btt mit Recht eine menschliche Behandlung für sie fordern. Es sind aber Tiere, deshalb sind mir im vollen Rechte, wenn wir sie schlecht behandeln und sogar verkaufen." „Die Sklaven sollen unvernünftige Wesen sein? Sie sind doch in allem dir gleich; sie haben den gleichen Körper und die gleiche Seele wie du." „Du täuschest dich. Sie haben keine Seele, sie sind nicht wesensgleich mit mir, sie sind mir kantn ähnlich." „Nach deiner Ansicht ist also ein Neger nur solange Mensch, als er frei ist?" „Ich bin mir dessen nicht gewiß. Weiß nur, daß die Gläubigen Menschen sind." „Der Neger ist also aller Wahrscheinlichkeit nach Mensch, solange er frei ist. Sobald er tunt die Freiheit verliert, muß er znin Tiere werden?" „Ja." „Und wenn du ihm die Freiheit wieder schenkst?" „Dann wird er wahrscheinlich wieder Mensch." „Wie geht das aber zu?" „Ich kann es nicht sagen. Weiß jedoch, daß die Sache sich so verhält", antwortete Sennessi. „Bewegt dich das Los des Sklaven nicht zum Mitleid? Glaubst btt nicht, daß er den Schmerz gerade so gut fühlt wie wir? Glaubst btt nicht, daß er unsäglich leidet, wenn er von der Familie, von seiner Heimat, seinen Lieben fortgerissen wird; wenn man der Mutter die Tochter ans den Armen reißt, dem Vater den Sohn, der Gemahlin den Gemahl; glaubst du es wirklich nicht?" „Du gehst immer von dem falschen Grundsätze aus, daß der Sklave ein Mensch sei. Wisse, daß sic Tiere sind, und belästige mich jetzt nicht mehr mit deinen Worten." Laudon sah ein, daß er mit seinen Vorstellungen nichts erreichen würde, daß es unmöglich sei, den Sklavenhändler umzustimmen. Er lenkte daher das Gespräch ans etwas anderes über. Er befragte Sennessi über den Stand seiner Pflanzung, über die Fruchtbarkeit des Bodens, über den Handel und über hundert andere Gegenstände. Die Antworten, die er erhielt, zeigten ihm jedoch zu Genüge, daß diese Fragen dem Araber überaus ungelegen waren, daher verabschiedete er sich bald von ihm und kehrte in sein Lager zurück, glücklich, einen armen Sklaven vom sicheren Tode gerettet zu haben. 7. Kapitel. Das verlangen nach IRacbe. Sennessi ballte hinter dem weggehenden Lan-don drohend die Hände. „Verwünschter Hund," schrie er, „du hast cs gewagt, mir deinen Willen aufzudrängen! Dieses Wagnis sollst btt mir aber teuer bezahlen!" Er sprang ans. „Ich werde Ramosina aufsuchen. Wer weiß, vielleicht hat sie das Gift schon bereit." Er verließ seine Hütte und schlug den bekannten Weg ein. Die Sonne war schon im Westen verschwunden. Der kurzen Abenddäiiiinernng war die Nacht gefolgt. Die Felder waren menschenleer, kein Lebewesen befand sich mehr auf denselben. Die Neger hatten sich alle in ihre Hütten zurückgezogen. Nur von der Ferne glänzte ein Feuer herüber, es war Laudons Lagerfeuer. Beim Anblick dieses Scheines sagte sich Senuessi, daß in seiner Brust noch ein viel stärkeres Feuer brenne, ein Feuer des Hasses gegen den kühnen Giaur. Außerdem drang auch noch ein halb unterdrückter Gesang an sein Ohr. Ein melancholischer und trauriger Gesang, der Gesang der armen Sklaven, in dem sie ihrem Schmerze Luft machten. Dieser Gesang weckte den Zorn des Arabers. „Sie haben noch Lust zu singen", sagte er. „Amatosa ist zu schwach, zu milde sind die Aufseher. Es muß Blut fließen! Im Blut wird ihre Heiterkeit unterdrückt!" Er setzte seinen Weg fort, bis er zur Hütte der Alten gelangte. Er klopfte. „Herein", tönte es dnmps von innen. Der Araber öffnete die Türe und trat ein. Er fand die Zauberin vor dem Feuer stehend. Die Schlange hatte sich ihr um den Hals gewunden; den Kopf streckte sie unter dem Arme der Alten hervor und richtete ihre grünen Augen ans den Eintretenden. „Was willst du zu dieser Stunde", fragte die Zauberin. Sie war zwar eine Sklavin, fuhr ihn jedoch an, als ob sie die Herrin sei. Daß sie sich dieses Tones auch ihrem Herrn gegenüber bedienen durfte, war eine Folge des Zaubers, den sie auf ihn ausübte. „Hast bit das Gift bereitet?" „Noch nicht. Ich bin gerade mit der Zubereitung beschäftigt", sagte sie. „Wann wird es bereit sein?" „Wolltest du es nicht für Morgen haben?" „Ich brauche es noch diesen Abend." „Diesen Abend? Das wird nicht leicht möglich sein." „Ich nluß es haben. Ich werde es dir mit Gold auftvägen." Ein Lächeln zog sich über das gefurchte Gesicht der Alten. „Mein Zaubermittel hat wohl geholfen?" „Welches Zanbermittcl?" „Ist der widerspenstige Sklave bereit, die Missionäre zu vergiften?" „Nein, dieses Zanbermittel hat noch nichts genützt. Das Gift ist für andere bestimmt. Für die Missionäre wirst du mir morgen eines zubereiten. Kann ich also das, welches eigentlich für sie bestimmt war, haben?" „Es ist noch nicht bereit." „Wann kannst du mir es geben?" „Für wen ist es bestimmt?" „Was geht das dich an?" „Ich muß es wissen. Je nach den Personen muß auch das Gift zubereitet werden." „Das Gift ist für alle gleich." „Mit Nichten! Die Zubereitung ist ganz verschieden; je nachdem es für einen Weißen oder für einen Neger bestimmt ist, je nachdem es für einen Jüngling oder für einen Greis dienen muß, wenn es einem Untergebenen ober einem Vorgesetzten das Leben nehmen soll." Die Worte der Alten überzeugten Senuessi keineswegs; er wagte jedoch nicht, sich noch länger zu widersetzen. „Das Gift ist für einen Weißen bestimmt", sagte er daher. „Für einen Missionär?" „Nein." „Hast du irgend einen anderen Feind unter den Weißen?" „Wozu möchtest du das wissen?" „Um Cingua Basse's Zorn gegen ihn herauszufordern. Der Gott ist mächtig und erhört stets meine Bitten. Er hat sich meinen Bitten gegenüber noch nie taub gestellt; auch diesmal wird er es nicht tun." Senuessi erzählte ihr jetzt das Erlebnis mit Laudon und um sie noch mehr zum Zorne aufzustacheln, fügte er hinzu: „Du mußt auch wissen, daß jener Mann cs wagt, die Sklaverei zu verurteilen." „Er verurteilt sie?!" rief die Alte ans. In ihrer Stimme lag nicht der Ausdruck des Zornes und der Entrüstung, vielmehr einer gewissen Genugtuung. „Ja, er wagte es, sie zu verurteilen. Lasse ich ihn am Leben, so wird er mich noch zwingen, alle meine Sklaven ans freien Fuß zu setzen, was er auch anderen Sklavenhändlern aufdrängen möchte, indem er uns so ganz vernichtet und den Aufenthalt in dieser Gegend unmöglich macht." „Er verurteilt die Sklaverei! Es ist daher ganz recht, daß du ihn tötest. Für ihn habe ich schon ein Gift in Bereitschaft." „Wie? Kurz vorher hast du behauptet, es dauere noch einige Stunden, bis es bereit sei." „Ich glaubte, es sei für die Missionäre bestimmt, für die es kräftiger sein muß, da es berühmte Zauberer sind. Für einen einfachen Sterblichen, der überdies noch die Sklaverei verurteilt, genügt ein gewöhnliches Gift." „Wäre es nicht besser, wenn es kräftig ist, damit es sicherer wirke?" bemerkte Senuessi. „Wer versteht von den Giften mehr, ich oder du?" warf Ramosina ein. „Wer könnte an deiner Tüchtigkeit zweifeln?" „Glaube mir also und lasse mich gewähren." „Wird das Gift sogleich den Tod hcrbei-bringen?" „Nein! Ich wäre wohl nicht recht klug, wenn ich es so einrichten würde. Man könnte auf dich und auf mich Verdacht schöpfen. Das Gift wird langsani, aber sicher wirken. Jener Mann wird sich den Keim des Todes ins Herz pflanzen, der sich entwickeln wird wie der Keim des Aussatzes. Hast du je gehört, daß ein Aussätziger gesundet sei? Ist der Aussatz nicht schrecklicher als der Tod selbst? So wird es diesem Manne ergehen. Er wird den Keim des Todes mit sich tragen und in kurzer Zeit toirb er dann sein Leben vollenden." „Sobald die Kunde von seinem Tode zu mir gelangt, werde ich dir die Freiheit schenken!" rief Senuessi aus. „Bin ich vielleicht jetzt eine Sklavin, ich, die ich die Vertraute der Cingua Basse bin?" fragte die Frau mit Strenge. Senuessi antwortete nicht. Die Alte suchte eine leere Schale, füllte sic zur Hälfte mit Wasser und goß dann aus verschiedenen Gefäßen einige Flüssigkeiten hinzu, endlich noch ein paar Löffel voll von dem Gifte, das über dem Feuer kochte, oder besser gesagt, sie gab sich den Anschein, als ob sie es hinzu gösse. Durch ihre Person verbarg sie die Schale vor den Augen des Arabers und goß das Gift wieder in den Kessel zurück. Dann wandte sie sich wieder zum Einir mit den Worten: „Hier hast du das Gift, gebe acht, daß du es nicht verschüttest." „Wie ist es zu nehmen?" „Schicke jenem Manne' etwas Milch, in die du einige Tropfen dieser Flüssigkeit gegeben hast. Er wird sie trinken und mit ihr den Todeskeim." „Morgen sodann das Gift für die Missionäre." „Es wird bereit sein und du wirst mir Mitteilung zukoinmen lassen betreffs der Wirkung des Zanbermittels bei dem Sklaven." Senuessi versprach es und entfernte sich. Eine halbe Stunde später erhielt Laudon eine Ziege und eine Schale Milch zum Geschenke. Er genoß etwas von der Milch. Amatosa, welcher die Geschenke überbracht hatte, sah es und berichtete es gleich Senuessi; voller Freude brach letzterer in die Worte aus: „Er hat das Gift getrunken. Allah, wie sehr bin ich dir zum Danke verpflichtet." (Fortsetzung folgt.) Verschiedenes. Zeitschrift für Missionswissenschaft. Unter Mitwirkung verschiedener Gelehrten und Ordensgenossenschaften herausgegeben von Professor Dr. Schmidlin-Münster. Jährlich I 4 Hefte — 6 Mark = 7*20 Kronen, Einzelpreis des Heftes 1°80 Mark -= 2-16 Kronen. Aschendorff, Münster. 1. Jahrgang, 1. Heft. Auf mehreren deutschen Katholikentagen ist mit eindringlichen Worten darauf hingewiesen worden, wie sehr ein regeres Verständnis und Interesse insbesondere des Weltklerus und der Gebildeten unserem Missiouswesen nottut, weil cs gerade gegenwärtig an einer so entscheidenden Stunde, aber auch in einer so kritischen Notlage angelangt ist. Aus diesem dringenden Bedürfnis heraus ist diese Zeitschrift entstanden, deren Not-tvendigkeit um so mehr einleuchten muß, als protestantischerseits schon drei deutsche Zeitschriften sich der intensiven Pflege der aJžiffionStD ffcnydjaft widmen, während loir Katholiken bislang noch kein einziges derartiges Organ besaßen und darum auch in missionswissenschaftlicher Beziehung stark zurückbleiben mußten. Sie will diesem empfindlichen Ilebelstand abhelfen und durch wissenschaftliche Aufklärung über das so wichtige katholische Missionswerk den Missionssinn und Missionseifer der gebildeten Katholiken nach Kräften zu wecken und zu fördern suchen. Daß sie diese schwierige Aufgabe zu erfüllen imstande sein wird, dafür bürgen die Namen der bereits gewonnenen Mitarbeiter und die Reichhaltigkeit der in Aussicht gestellten Beiträge. Ans dem reichen Inhalt des ersten Heftes heben wir hervor: Geleitwort von Seiner Eminenz Kardinal Fischer; Was wir wollen! Zur Einführung vom Herausgeber; Schmidlin: Die katholische Missionswissenschaft; Meinertz: Jesus als Begründer der Hcidenmission; Knöpfler: Tie Akkommodation im altchristlichen Missionswesen; Groe-teken: Zur mittelalterlichen Missionsgeschichte der Franziskaner; Missionsrundschau: Die gegenwärtige Lage der katholischen Heidenmission (Schwager); Aus dem heimatlichen Missionsleben (Schmidlin); Besprechungen; Missionsbibliographischer Bericht (Streit). Möge jeder Freund der katholischen Mission und Wissenschaft durch Abonnement auf das neu erscheinende Organ die vielversprechende missionswissenschaftliche Bewegung im katholischen Deutschland wirksam unterstützen! Die Wedeutung und der Legen der Missionen in den Bugen eines deutschen Staatsmannes. Staatssekretär von Lindequist stellte in seiner int deutschen Reichstage zu Berlin am 12. Dezem- ber 1910 gehaltenen Programmrede den Missionen folgendes Zeugnis aus: Wenn auch die Hauptaufgabe der Missionen auf dem Gebiete der Christianisierung der Eingeborenen liegt, so begrüße ich es doch freudig und dankbar, daß auch die Missionsgesellschaften in immer gesteigertem Maße die ärztliche Versorgung der Eingeborenen auf ihr Programm geschrieben haben. Ich bin mir der großen Bedeutung und des Segens der Missionen für unsere Kolonien voll bewußt und ich verkenne dabei nicht, daß dieselben in manchen Gebieten einen sehr schweren Stand bei der Ausbreitung des Christentums haben, sei es gegenüber der Wildheit der Eingebornenstämme, sei es gegenüber dem schnellen Vordringen anderer, nicht christlicher Religionen. Erfreulicherweise ist das Verhältnis der Regierungen zu den Missionen zur Zeit ein sehr gutes. Ich werde darauf halten, daß die Kolonialbeamten auch in Zukunft den Missionären überall freundlich entgegentreten (Beifall in der Mitte) und sic als Faktoren betrachten, welche mit der Regierung auf dasselbe Ziel hinarbeiten, nämlich ans die kulturelle Hebung der schwarzen Rasse. (Beifall in der Mitte.) Anderseits zweifle ich auch nicht, daß die Missionäre gern den Anordnungen der Regierung folgen werden. Ein Handinhandarbeiten von Regierung und Missionären wird für beide von großem Nutzen sein, es wird die Autorität beider beiden Eingeborncn wesentlich stärken. Ich bin selbst von Missionären gerade auf dieses Zusammenarbeiten von Regierung und Missionären noch bei meiner letzten Anwesenheit in Deutsch-Ostafrika hingewiesen worden. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Erziehung der Eingeborenen, welche fast ausschließlich in den Händen der Missionen zurzeit liegt. Ein besonderes Verdienst erwerben sich meines Erachtens diejenigen Missionsstationen, welche die Eingeborenen nicht nur theoretisch unterrichten, sondern sie auch praktisch, sei es im Handwerk, sei es im Garten- und Feldbau, unterweisen. (Beifall in der Milte.) Auch auf diesem Gebiete habe ich wirklich ganz hervorragend Erfreuliches bei meiner letzten Anwesenheit in Deutsch-Ostafrika ans den Missionsstationen beider Konfessionen gesehen und ich kann nur hoffen, daß in dieser Beziehung weiter fortgefahren wird. (Korr. „Afrika".) IDcrantwovtlicbcv Sdni stieltet: IRcfctor P. Dr. m. Ißaftctner F. S. C. — KuLdruckerei tpevolia, Jßrlxen, SfiMiroI. so klar wie selten sonst ans jedem seiner Briefe hervor. Der Literarische Jahresbericht des Dürcrbimdcs (1910) zählt d'as 93itd) deshalb „zu den besten religiösen Schriften". Anderseits kann man in ihm- wie Professor Dr. Saner „ein gut Stuck innerer Gesd)ichte des Katholizismus der Neuzeit" (Literarische Rundschau, Freiburg 1910, Nr. 5) mit vollem Rechte erblicken. Das betrachtende (Bebet. Unterweisungen über die verschiedenen Arten der Betrachtung. Bon Rene von Maumigny S. J. Mit Approbation des hochwst. Herrn Erzbischofs von Freiburg. (Aszetische Bibliothek.) 12°. (XVI und 236.) Freiburg und Wien 1910, Herdersche Verlagshandlung. Mk. 1.80, Kr. 216; geb. in Kunstleder Mk. 240, Kr. 2-88. Das französische Werk über „Das betrachtende Gebet" ist in England verfaßt. Der greife Autor hat nach dem feindlichen Staatsgesetz mit vielen Ordensgenossen den vaterländisck)en Boden verlassen und in der Fremde ein neues Heim gesucht. Dort hatte er sich als Leiter derjenigen Patres, welck)e in der Gesellschaft Jein das dritte Probejahr nmdjcit, mid) mit der Theorie des Gebctslebens zu beschäftigen. Seine Hauptgedanken faßt er in diesem kleinen Bande „Das betrachtende Gebet" nach eigener Erfahrung zusammen. Im französisd)cn Heimatlande des Verfassers erlebte das Buch in kurzer Zeit vier Auflagen, trotzdem dort bekanntlid) Ueberflnß an aszctischen Werken herrscht. Die Ausführungen behandeln das Gebet in seiner Erhabenheit, in seinen Akten und Arten nach der Lehre des heiligen Ignatius; es werden die Schwierigkeiten besprochen und das Gebet des Herzens erklärt. — Zwei Vorzüge charakterisieren das Buch: die Urteile gründen auf unmittelbarer, langer Erfahrung und sie sind angenehm kurz gefaßt. Sie- Erfahrung hält ungesunde Uebertreibungen fern, läßt nichts Schablonenhaftes zu und weiß selbst bei praktischen Winken, die sd)on oft gegeben werden mußten und fid) in allen ähnlichen Büchlein finden, die stereotype Ausdrucksweise zu vermeiden. Ucber-dies zeick)net fid) jeder Abschnitt durch prägnante Kürze aus. Als bündiger, kundiger Wegweiser orientiert das Buck) mit seinen Angaben schnell und leicht über „Das betrack>tende Gebet". Diese beiden guten Eigenschaften, die Kürze und das erfahrene Urteil, verschafften der französischen Ausgabe die große Verbreitung. Die vorliegende deutsche ileber-setzung wurde vom Grafen Josef Mvntgelas (Eggl-kofen, Lberbayern) geschrieben, v. Manmigny übersandte dazu bereits alle Aenderungen, welche er für die itod) ausstehende fünfte Auflage vorgesehen hatte. Der jetzige deutsche Text stellt daher die neueste Ausgabe dar und gibt in sd)lid)tem Stil, wie cs der Gegenstand erfordert, den Inhalt treu wieder. Manchem wird dies neue Bändchen der „Aszctischen Bibliothek" behilf lief) sein, sich die reichen Erfahrungen des heiligen Ignatius zunutze zu mad)en, mit ihrer Hilfe auch bittd) eigene Praxis int Gebetsleben fortzuschreiten und von Gott die hohe Gnade des Gebetes neben der praktischen Hebung stets von neuem zu erbitten; denn beten, beten lernen und beten können, das ist das Edelste, das Höchste und Schönste, was ein Mensch auf Erden tun kann. Dr. pliil. et theol. H. Bruders S. J. Fasten- und ©sterbilder von Konrad Kümmel: Hinauf nackt Sion. I. Fastenbilder. Hinauf nach Sion. II. Osterbilder. Dritte und vierte Auflage. Freiburg und Wien 191Ö, Herdersche Verlags-Hand lnng. Jedes Bündchen geb. in Leinwand je Mk. 2-30, Kr. 2'76. Erzählungen für das Volk — cs liegt eine Ge-schichte des Mißbrauches in diesem Untertitel. Buch-händler und Autor glaubten zumeist, unter dieser Marke literarisM Erzeugnisse vierten Ranges ankünden zu dürfen, und das lesende Publiknm, insofern cs „höhere" Bildung beanspruchte, meinte, mit einem Naserümpfen über diese Bezcid)nnng wegsd)reiten zu können. — Wer vernachlässigt, wer beladjt das Fundament eines Bauwerkes, weil bedeutend mehr Kunst auf Fassade und Aufbau verwendet wurde? Wer weiß nicht, daß alle Wurzeln unserer Kraft und unseres Könnens im Volke stecken? Wer möchte deshalb diesen Boden unbestellt lassen oder gar verseuchen? Wir haben alle Ursache, jenen seltenen Männern zu danken, die nickst bloß so dachten, sondern and) entsprechend handelten. Konrad Kümmel ist ein saldier. Religiöser Sinn, Ucberzcugungsmnt, Lebcns-wahrheit, Klarheit, Einfachheit - wer ein Dickster ist und diese fünf Worte zu seinen Grundsätzen macht, wird ein echter Volksschriftsteller wie Kümmel. Seine beliebte Sammlung Sonntagsstille, welcher diese ausgezeichneten Fasten- und Osterbilder als drittes und viertes Bänddsen angehören, ist — wie die Sammlung „An Gottes Hand", deren drittes und viertes Bändchen (geb. je Mk. 2-30) auch Fasten- und Lster-bilder enthalten — weit ins Volk gewandert und dort heimisch geworden. Es sind, ohne eigentliche religiöse Erzählungen zu sein, Geschichten von hohem erzieherischen Werte Durck) eine Menge feinbeob-acksteter lebendiger Züge und durck) Heranziehung jeweiliger Ersd)einnngcn des Kirchenjahres verleiht ihnen Kümmel eine eindringlidse Realität. Zielsicher sd)reitet die straffe, fesselnde Handlung jeder dieser Erzählungen einer konsequenten Lösung zu. Nirgends wird man aufdringliche Lehrhaftigkeit bemerken und doch verspürt man überall den edlen Geist des Verfassers wie eine Atmosphäre, welche Gestalten und Dinge umgibt. Das betende IRind. Gebctbüchlein für Kinder. Von Wilhelm Färber. Mit Approbation des hochwst. Herrn Erzbischofs von Freiburg. Fünft Auflage. Mit Titelbild in Farbendruck und 32 Abbildungen. 22°. (VI und 120.) Freiburg und Wien 1911, Herdersche Verlagshandlung. Geb. zu 40 Pf., 48 Heller und 50 Pf., 60 Heller. ebrauebte Briefmarken sammeln mir in allen Vuanlitäten und werden solche mit her?« sichern „Vergell's Volk!" non der Verwaltung des Missions« Hanses in fllMllattb bei Btiien entgegengenommen. ■« <■ Druck und Verlag von Eberle & IRidtenbacb in Einsiebein, Scbweij. (Duelle der Gnaden. Vollständiges Gebets- und Erbauungsbuch für Katholiken zur Verehrung des allerheiligsten Herzens Jesu. Von Professor Josef Peter, Direktor des Apostolates des Gebetes. Neunte Auflage. 3ii verschiedenen Einbänden. Ausgabe I. (klein) von Mk. V20 (Leinwand, Notschnitt) bis Mk. 3'50. Ausgabe II. (grob) von Mk. 1*60 (Leinwand, Notschnitt) bis Mk. 2-60. — „Das Buch wendet sich an die Verehrer des heiligsten Herzens und eifert zur Liebe und Verehrung desselben an durch kurze Betrachtungen über die leidende Liebe, über die Vollkommenheit und Tugendbeispiele des göttlichen Herzens. Für eine Novene, für die zwölf Monatskommunionen und andere Uebungen der Herz Iesu-Andacht ist die nötige Anleitung gegeben; überdies ist noch ein vollständiges Gebetbuch damit verbunden." „Salzburger Kirchenzeitung." Gethsemane und Golgatha! gfäSSÄ Engelberg. Eines der besten Leiden Christi-Vücher! Preis in Leinwand, Notschnitt Mk. V20 und höher bis zu Mk. 2 —. ^ ^Gebet- und Belehrungsbüchlein für die Mitglieder des Kind- iT/lr |j0ILIClC ||\l|IOiJwIL* heit Iesu-Vereins von Zoh. Ev. I?agen. Mit Empfehlung des Zentraldirektors des Kindheit Iesu-Vereins P. Claudius Hirt. 3n zwei Einbänden zu 45 Pfennigen. A.' ^ erhält jedermann auf Verlangen je eine Probenummer unserer illustrierten Zeitschriften „Mariengrütze Nj/lnllv aus Einsiedeln" (für das Volk). „Die Zukunft" (für Jünglinge), „Kindergarten" (für Schulkinder) und aus Einsiedeln" (für das vuut;, „vit VMUll|l V«1 juitymigc/, „mi.uuyunv.i viin ^u;uinm«u; „Pädag. Blätter" (für Lehrer und Schulmänner) sowie ein Verzeichnis unserer katholischen Zehn-pfennigbibliothek „Nimm und lies". Man schreibe eine Postkarte (10 Pfennige — 10 Heller) an den Verlag von Lbcri- & Mckcnbach in Einsiedel». ee». Durch alle JfiucbbanMungen zu beziehen. "WW Das unentbehrliche Hilfsmittel des öebüheten r* I r 1 Herbere Konoerfations= Lexikon Ergänzt bis 1910. Heun reidfillustr.Bänbe. K 138.— Dieses Lexikon zeichnet sich dadurch aus. daß es in nur 9 Bänbcn den ganzen ungeheuren Wissensstoff auss sorg, fälligste verarbeitet hat. 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