PrävumerarionS - Preise: Für Laibach: Ganzjährig . . 8 fl. 40 kr. Halbjährig . . 4 „ 20 „ Vierteljährig . 2 „ 10 „ Monatlich „ 70 „ M i l der Post: Ganzjährig................12 fl. Halbjährig................ 6 „ Vierteljährig............ 3 Laibacher Redactiou Bahnhofgasfe Nr. 132. Für Zustellung jn6 Haus virrtelj. 25 tr., monall. 9 fr. Einzelne Nummern 6 tr. 8rt>editionö- LJnseraten-Bureau: Longreßplatz Nr. 81 (Buch-kiandlung von Jg. v. Kleinmayr & geb. Bamberg ) ♦ JusertionSpreise: Für die einspaltige Petitzeile L 4 kr, bei wiederholter Einschaltung ä 3 fr. Anzeigen bis 5 Zeilen 20 kr. Bei größeren Inseraten und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. Für complicierten Satz bete Vergütung. Anonyme Mitteilungen werden nicht berücksichtigt; Manuscripte nicht zuritckgesenbet. Nr. 295. Montag, 27. Dezember 1875. — Morgen: Unschuldige Kinder. 8. Jahrgang. ^ Zur Morallheologie des katholischen Klerus. „Welch unendlichen Schatz besitzt doch die glaubensstarke Bevölkerung an der Religion . . . allein es ist ein ruchloses Bergehen von jenen, in deren Händen die Religion eines Staates gegeben wird, wenn sie dieselbe misbrauchen zu anderen Zwecken. Es ist dies ein ruchloses Vergehen, denn in ihren Händen lieqt es, den höchsten Segen dieser größten Klasse der Landbevölkerung zu geben, und sie scheuen sich nicht, einen Hebel für die politische Bewegung daraus zu machen. Die äußerlichen Formen des con-feffionellen Lebens sind bei diesen in Aufschwung, die wahre Religiosität ist in Abnahme begriffen bei dieser Klasse." Diese schwere Anklage wider das unheilige Ge' bahren des heutigen Klerus in Oesterreich erhob neulich in der Debatte über das Budget des Cultus-und Unterrichtsministers der Abg. Eduard Sueß, ebenso bekannt als gründlicher Forscher und Gelehrter, wie als warmer österreichischer Patriot und makelloser Charakter. Derselbe trat wie immer energisch für das Recht der freien Forschung und echt wissenschaftlichen Bildung gegenüber den von ultra-montaner Seite erhobenen Klagen ein und plaidierte auch heuer wieder in eingehender Weise für die end^ liche Anbahnung der seinerzeit von der Regierung in Aussicht gestellten Reform der katholischen Facul-täten und theologischen Lehranstalten. Als kleiner Beleg, wie es mit der Bildung in unseren theologischen Drillanstalten aussieht, mag die Thatsache dienen, daß in denselben die berüch- tigte Moraltheologie des Pater Gury von der Gesellschaft Jesu als Leitfaden dient, ja dieses durch und durch unmoralische Buch den beständigen Begleiter und Rathgeber der geistlichen Seelsorger und Beichtväter bildet. Zur Kennzeichnung dieses BuchcS dient unter ändern die Thatsache, daß es stellenweise so cynischen und unflälhigen Inhaltes ist, daß die Uebersetzer sich gezwungen sehen, die aller-schmutzigsten Abschnitte in der Ursprache, dem Latein, zu belassen, da keine moderne Sprache solchen Un-flath wiederzugeben vermag, sondern hiezu die Sprache eines Petronius, eines Martial, eines Apulejus allein für fähig gehalten wird. Daß der Glaube an Zauberei, Hexerei, Besessensein vom leibhaftigen Teufel, Teufelaustreibungen, kurz alle und jede Art des gröbsten und schändlichsten Aberglaubens in der eingehendsten Weise behandelt, aus den heiligen Bätern und aus päpstlichen Bullen bewiesen und den künftigen Erziehern und Berathern des Volkes als heiliges Dogma ans Herz gelegt wird, versteht sich bei einem Jesuiten von selbst. Die Zauberei oder Magie zerfällt dem würdigen Pater Gury noch heute in die weiße und schwarze. Die weiße Magie ist ihm die Kunst, durch natürliche Ursachen ohne irgend eine Beihilfe des bösen Feiudes Wunderbares zn thun. Dagegen ist ihm die schwarze Zauberei oder Hexerei (rnaleficiurn) die Kunst, mit Hilfe des bösen Feindes, des Satonas, der noch heutzutage umgeht und sein unheimliches Wesen treibt, seinen Mitmenschen zu schaden. Man unterscheidet jedoch wieder eine doppelte Zauberei: den Liebeszauber (maleficium amatorium) und den schädlichen ober giftigen Zauber (maleficium vene- ficum). Das Anzaubern der Liebe und der Liebes-! trank (pliiltrum) ist eine teuflische Kunst, wodurch in einer Person eine sündhafte Liebe oder auch Haß in anderer erweckt wird. Die schädliche oder giftige Zauberei ist die eigentliche Kunst, dem Nächsten mit Hilfe des bösen Feindes zu schaden. Die Schwarzkünstler und Hexenmeister verfallen nach der Bulle Coena domini Papst Urbans V. (1362) dem härtesten Kirchenbanne, besonders wenn sie mit ihren Künsten formelle Ketzerei verbinden, heilige Sachen gebrauchen, den Teufel anbeten und ihn um Dinge fragen, die er nicht wissen kann. Zauberer und Hexen sollst du nicht leben lassen. . . . Wir könnten es nach solchen Proben von dem Geiste, der in unseren geistlichen Seminarien weht, genügen lasten, allein es dürfte nicht uninteressant sein, auch auf das Gebiet der praktischen Moral und Sittenlehre, wie es Pater Gury bebaut, einen kleinen Abstecher zu machen. Da begegnen wir denn selbst« verständlich einem ingrimmigen Haß gegen alle An-dersdenkende. Ein Ketzer und Liberaler mag noch so viel Gutes und Edles für die Menschheit wirken, noch so engelrein und unbescholten leben, es nützt ihm nichts, er wird unrettbar zur Hölle fahren. Aller Verkehr, aller Umgang mit einem solchen Auswürfling der Menschheit ist untersagt. Ja „alle Bücher der Ketzer sind verboten, wenn sie auch keine Jrrlhümer enthalten und gar nicht von Religion handeln." Demnach ist etwa ein Lehrbuch der Mathematik oder Astronomie, wenn es ein Ketzer geschrieben, wie die Pest zu fliehen und zu meiden. Minder strenge sind die sittlichen Vorschriften des frommen JesuilenpaterS für seine eigenen Ge- Feuilleton. Handbuch für österreichische Geschlvorne von Dr. Victor Leitmaier. 8» fl. 150. Laibach,Kleinmayr 4 Bamberg. Man mag über die Zweckmäßigkeit und den Nutzen der Geschwornengerichte wa« immer^ für einer Ansicht sein, soviel ist gewiß, daß ein Staat, welcher den Anfpiuch auf den Namen eines ftultur« ftaateS erheben will, heutzutage dieses Rechtsinstitutes nicht entbehren kann. Wer es demnach mit dem Fortschritte in Oesterreich ehrlich meint, wem das Wort Freiheit nicht blos eine teere Phrase ist, der muß nach Kräften bestrebt fein das genannte Institut zu unterstützen, damit dasselbe sich zum Frommen des Volkes entwickle und derart ins Fleisch und Blut des Volkes übergehe, wie dies beispielsweise in England der Fall ist. Es kann allerdings nicht verkannt werden, daß derzeit der Entwicklung dieses Institute« in unserem Heimatslande der Mangel geeigneter Geschwornen sehr im Wege stehe; indessen ist aller Anfang schwer und es hieße an der Bildungsfähigkeit, an den intellektuellen Kräften unserer Landsleute zweifeln, wollte man behaupten, daß eine Heranbildung derselben zu tüchtigen Geschwornen eine Sache der Unmöglichkeit sei. Allerdings darf man die Sache nicht gehen lassen wie sie geht, sondern es muß anregend und belehrend auf jene Volksklassen gewirkt werden, welche das Hauptcontingent für die Ge« fchwornenbänke stellen. Man versuche es nur und der Versuch wird bei den hoch entwickelten Verstan-deskrästen, deren sich gerade unsere Landsleute erfreuen, sicher nicht mißlingen. Man reiße vor allem anderen unsere Landsleute, wir meinen nicht allein die Landwirthe, sondern auch die Bürger und Industriellen, aus ihrer Apathie und suche ihnen begreiflich zu machen, daß freiheitliche Institutionen mit dem Aufschwünge aller Kräfte des Volkes, daher auch mit dem Aufschwünge des wirtschaftlichen Lebens in einem unleugbaren Zusammenhänge stehen. Man breche mit den bisherigen Vorurtheilen, suche das Volk für höhere Ideen zu begeistern und es wird sicher auch der materielle Erfolg nicht auSbleiben. Wir können demnach jeden Versuch, in dieser Richtung aufklärend auf das Volk zu wirken, von vorhinein nur auf das lebhafteste begrüßen. Als ein solcher Versuch und wie wir hoffen al» ein gelungener Versuch erscheint uns das vorliegende Handbuch für österreichische Geschworne. Wir haben das Büchlein nur einmal durchge. lesen, allein dabei die volle Ueberzeugung gewonnen, daß cs seinen Zweck, die Geschwornen auf die Wichtigkeit und Erhabenheit ihrer Ausgabe, auf die Schwierigkeit ihres Amtes aufmerksam zu machen, sie mit den nöthigen Kentnisien für ihr Amt aus» zustatten, ihnen die Mittel und Wege zur richtigen Lösung ihrer Ausgaben an die Hand zu geben, sie über ihrer Rechte und Pflichten zu belehren und ins. besondere sie für ihr Amt zu begeistern, vollkommen erreichen wird. Sehr angenehm berührte uns insbesondere die leicht verständliche, allgemein faßliche Sprache, welche es ermöglicht, daß der gewöhnliche Sandmann, der de« Lesen« und Schreibens kundig ist, das Buch verstehen kann. Ebenso zweckentsprechend ist die Anführung von vielen praktischen Beispielen, welche da« Verständnis der erläuterten Rechtsgrundsätze ungemein fördert und dabei auch das Interesse de» Zeit signalisiert worden. Zwischen Dr. v. Egger und seinen ReichSrathSwählern bestand nemtich eine principielle Meinungsverschiedenheit inbetreff der Predilbahn, an deren Zustandekommen der ganze Villacher Wahlbezirk ein lebhaftes Interesse nimmt, während Dr. o. Egger ein Gegner dieser Bahnlinie ist. Da derselbe von seinem Standpunkte nicht ab-geheu wollte und andererseits die Wähler des genannten Bezirkes ein energisches Eintreten ihre« Abgeordneten für das genannte Eifenbahnprvject wünschten, so erklärte Dr. v. Egger, daß er nach beendigter Budgetdebatte auf sein Mandat verzichten werde, welcher Absicht er nunmehr nachgekommen ist. Eine diesertagc erfolgte Entscheidung des Cultus-ministeriums wird nicht verfehlen, in liberalen Rrei» sen Befriedigung zu erwecken. Schon seit langer Zeit streben die in Tirol lebenden Bekenner der protestantischen Religion, die ihren religiösen Hebungen bisher nur in Pnvatvcrsammlungen nachgehen konnten, ihre Anerkennung als selbständige Airchengeutcinden an. Der Landesausschuß een Tirol suchte dies mit allen erdenklichen Mitteln und unter Berufung auf die Landesrechte zu Hintertreiben, und sein Einfluß scheint insofern gewirkt zu haben, als man in der Statthaltern zu Innsbruck das Gesuch der Protestanten mit großer Zurückhaltung behandelte. DaS Cultusministerium hat nun der un> erquicklichen Affaire ein Ende gemacht, indem es die Constituierung von zwei evangelischen Kirchengemeinden in Tirol, und zwar in Innsbruck und Meran genehmigte. Das ungarische Oberhaus hat am 22. d. auch die Erhöhung der Einkommensteuer und die neue Renlenanleihe angenommen. Die Cons:roaliven hatten gegen die erstcre gestimmt, sich aber dagegen für die Anleihe erklärt. Äußerungen, die von Rednern dieser Partei zugunsten des Zoll- und Handelsbündnisses mit Oesterreich gemacht wurden, gaben dem Ministerpräsidenten K. TiSza Anlaß, die Hoffnung auszusprechen, daß die Aufrechterhaltung de» einheitlichen Zollgebietes, welche er aus« wärmste wünsche, schließlich doch gelingen werde, ein Beweis, daß sich die ungarische Regierung durch die Agitation, welche im Van de zugunsten der Errichtung von Zollschranken betrieben wird, von ihrem bisherigen Standpunkt nicht abdrängen lassen will. Mit der Donnerstag-Sitzung hat auch das Oberhaus seine merilorische Thätigkeit bis auf weiteres eingestellt. Bezüglich der Abstimmung über das Budget sei noch erwähnt, daß särnrnliche Bischöse uns Prälaten, siebzehn an der Zahl, mit der Regierungspartei gestimmt, sich somit in einer hochwichtigen Principiensrage von den Eonservativin entschieden loSgcsagt hatten. Arrsla»-. In welcher Weise b>e officiöse preu. ßische Presse für die Cent rali sation des deut- schen Eisenbahnwesen« in« Zeug geht, Davon liefert eine im Ministerium des Innern redigierte Eorrespondenz ein Beispiel. Es heißt in derselben: „Der Plan einer Eentralisierung des deutschen Eisenbahnwesens durch Ankauf für das Reich hat vom ersten Tage seines Bekanntwerdens an fast allgemein eine Überraschend günstige Aufnahme gefunden. Bedenken, welche dagegen laut werden, kommen fast ausschließlich von Seiten, welche an dem Erhalten des Status quo und der bisherigen Misverhällmsse auf Kosten der allgemeinen Wohlfahrt ein besondere« Interesse haben, oder sie geben nur dem Zweifel an der Ausführbarkeit Ausdruck, ohne die Nützlichkeit und das Gewicht der Grunde für den Plan zu bestreiten, Die Schwierigkeiten der Realisierung dürften übrigens weniger groß und unüberwindlich sein, als von manchen Seiten befürchtet wird Namentlich die Sorge, daß dem Reich durch den Ankauf der Bahnen eine gefährliche Kaft auferlegt und der Geldmarkt in neue Bedrängnis gestürzt werden würde, ist unbegründet. Mit Hilfe des Rentensystems und des allgemeinen Vertrauens sowol zu dem Unternehmen selbst wie in das Reichs-Finanzwesen, wird die Umwandlung der Besitzritel ohne irgend eine Erschütterung des Geldmarktes und ohne Ansprüche an dessen Stiftungen vollzogen werden können." Wie ein Telegramm aus Versailles meldet, hat die N a 11 o 11 a 1 v e r s a m m I u n g am 24. d. M. ihre Auslösung beschlossen. Endlich! In diesem eine» Worte liegt die beste Kritik des allzu langen toben« eines Vettrelungskörpers, der in seiner Zufammen-setzung schon längst nicht mehr der Stimmung der Bevölkerung entsprach. Candidaten für die neue Ver« fammlung melden sich schon allerorten, unter ihnen-auch der Prinz Peter Bonaparte, der sich in Cvrsica um ein Mandat bewirbt. Sollte er gewählt werden, so wird man ihm vor seinem Eintritt in den Bt-rathungssaal jedesmal die Taschen durchsuchen müssen, ob er keinen Revolver bei sich führt. Der berliner Correfpondent der „Times," welcher die Veröffentlichung des türkischen Reform«, F tritt ans dem Einflüsse Jgnatieff's zuschreibirmd die diplomatischt Campagnt des Grasen Andrassy ul* gescheitert anfitht, theilt telegraphisch mit, daß Graf Andrassy die Absicht gezeigt habe, an die Pforte die Aufforderung zu richten, die Äusführung ihrer Reformen zu verschieben, bis ihr da« Reformprogramm der Mächte vorgelegt sein wird. Da aus solche ffietfe daS Fehlschlagen der Politik des Grafen Andraffh vertuscht werden kann, meint der Correfpondent, wird die Pforte auf diesen Vorschlag eingehen, umsomehr als eine beträchtliche Zeit verstreichen wird, bevor das Reformprogramm der Mächte vollständig formuliert und ihr einmüthig vorgelegt werden wird. Nach einem berliner Telegramme des „Daily Telegraph- sei der P f o r t e nach der Veröffentlichung finnungSgenoffen, ja nicht selten von verblüffender Elafticität und Dehnbarkeit, mit denen sich z. B. die Bestimmungen unseres Strafgesetzbuches nur schwer in Einklang bringen lassen. Bei Behandlung der Sünden gegen das Eigenthum z. B. kommt rnifer Morallehrer auch auf die „geheime Schadlos-Haltung," wie er euphemistisch den Diebstahl zu nennen beliebt, zu sprechen und äußut sich dabei folgendermaßen: „Die geheime Schadloshaltung ist nicht unerlaubt (ergo erlaubt!), wofern dem Schuldner kein Unrecht geichieht, wenn nicht Verwirrung der Rechtsordnung und keine wichtige Störung des Gemeinwohles daraus folgt (d. H. wenn die Sünde hübsch verborgen bleibt.) Wer in dieser Weise sich schadlos hält, nimmt nach der Voraussetzung nur soviel, als mit Gewißheit fein eigen ist und was ihm nach strenger Gerechtigkeit schuldet. Es wird dadurch die Rechtsordnung nicht gestört, das öffentliche Wohl erleidet auch keinen Schaden. „Darf — fragt nun Oury weiter — ein Dienst bote, der feine schuldigen Arbeiten vermehrt, sich schadlos hatten? Ja, wenn seine Arbeiten durch den aus-drücklichen oder stillschweigenden Willen seines Herrn vermehrt werden, denn dann gilt mit Recht: Der Arbeiter ist seines Lohnes werth. Welcher Entgelt billig sei, dies zu beurtheilen, kann man dem Dienstboten überlassen, wenn er andererseits gewissenhaft und klug ist (d. H. sich nicht auf der That ertappen läßt) und die Gefahr der Selbsttäuschung ferne, wa« nur selten der Fall sein wird." Ist es bei einer so laxen Moral unseren Köchinnen und sonstigen dienenden Geistern nicht ein Kinderspiel, dem Gebote Gottes, das da schlicht und einfältig tautet: „D u sollst nicht stehlen!" ein Schnippchen zu schlagen, da der gute Pater Gury und der Beichtvater, der Gury's Buch als unfehlbaren, vom heiligen Stuhle approbierten Leitfaden in Sachen der Moral betrachtet und darnach handelt, für alles und jedes ein Hinterthürchen finden. Doch hören wir weiter. „Sündigt derjenige schwer", fragt Pa ter Gnry, „und gegen die Gerechtigkeit, welcher sich schadlos hält, ohne zuvor den gerichtlichen Weg ein» geschlagen zu haben, wenn Recurö an den Richter möglich war? Antwort: er sündigt gar nicht, wenn der gerichtliche Weg viele Schwierigkeiten verursachen würde, z. B. Gefahr des Atrgerniffes, außerordentliche Ausgaben, weil dann der Recur« an den Richter moralisch unmöglich ist." ___________________(Forljeyung folgt.)_________________ Politische Rundschau. Laibach, 27. Dezember. Island. Einer Meldung aus Klagenfurt zufolge hat Dt 8t. v. Egger sein Mandat als Reichsrathsabgeordneter de« Stadtbezirkes Villach eitder gelegt. Dieser Schritt war schon vor einigst: Lesens im hohen Grade anregt. In dieser Richtung ist insbesondere der dramatisch vorgesührte Schwur-flttichtefati vollkommen geeignet, dem Leser nicht nur ein klares Bild über den Gang einer Schwur-gevichtsverhandlung zu -eben, sondern denselben auch mit feen wichtigsten Indizien bekannt zu machen und elf diese Weise das Verständnis der eigentlichen Aufgabe der Gefchwrrnen, dir an sie gtsttllten Fragen richtig zu beantworten, wesentlich zu erleichtern. Da« Buch hat mit Inbegriff der Vorrede und fee« Inhaltsverzeichnisse« 304 Seiten, ist in Taschenformat nach Art der Manz'schen Gesetzessammlung gedruckt. Dasselbe zerfällt in drei Kapitel, von denen daS erste die Vvrkenntmsst au« dem Strafgesetze, daS zweite die wichtigsten, auf da« Geschwornen-grricht bezughabenden Bestimmungen der Straf-prezeßordnung, und da« dritte die Aufgabe der Gt-schworntn und die Mittel ihrer richtigen Lösung, »behandelt. Dem ist ein änhang beigefügt, welcher die gesetzlichen Bestimmungen über die Bildung der Gtschworntnlisten, sowie die auf da« Verfahren vor feen Gcschwornen einschlägigen Paragraphe der Straf-Prozeßordnung enthält. Im ersten Kapitel sind dit wichtigsten allge- meinen RechtSgrundsätze des Strafgesetzes, und zwar 1 die Eintheilung der strafbaren Handlungen, der Unterschied von Verbrechen, Vergehen und lieber-trttungen, die Lehre vom bösen Vorsatz, den Entschuldigungsgründen, der unmittelbaren Thälerschaft, der Mitschuld, Thcilnahme und Theiluehmung, des strafbaren Versuches enthalten, sodann folgt die Eintheilung und Auszählung der Verbrech-n, die Ein-theitunfl der Vergehen und Uebertretungen, woran sich die Darstellung jener Grundsätze anschließt, welche bei der Subsumierung eines gegebenen Falles unter das Strafgesetz zur Anwendung zu kommen haben. Diese Grundsätze werden sodann in den wichtigsten und am häufigsten vor das Gefchwornen-gericht kommenden strafbaren Handlungen, ntmlich am Morde, Todtschlage, an der schweren körperlichen Beschädigung, Brandlegung, am Diebstahle, au der Veruntreuung, an der Theilnehrnung am Diebstahle und der Veruntreuung, am Raube, am Betrüge und an der Aufwiegelung behandelt. Diese Beschreibung der angeführten Delicte ist io eingehend und hiebei doch so verständlich, daß der Laie in der Rechtswissenschaft, der diese AuS-einandtrsttzungtn mit Aufmerksamkeit durchlitöt, 1 nicht nur einen ganz richtigen Begriff von den tr-örttrttn Delicttn erhält, sondern dadurch sich jene Kenntnisse aneignet, welche e« ihm ermöglichi«. bei anderen nicht besprochenen strafbaren Handlangen, mit Zuhilfenahme dt« Strafgesetzes, da« derselben, das ist, ihre gesetzlichen Kriterien heraus-zufinden nnd demnach in einem bestimmten Falle mit Leichtigkeit den gegebenen Tatbestand der gesetzlichen Bestimmung unterordnen zu können. Diese Auseinandersetzungen beruhen selbftocr» ständlich auf dem dermal giltigen Strafgesetze und wird demnach dieses Kapitel eine durchgreifende Umarbeitung erfahren müssen, wenn der Entwurf de« neuen Strafgesetzes Gesetzeskraft erlangen sollte. Da jedoch der besagte Entwurf noch nicht über die Au«-schußberathungen hinaus ist und es demnach keinem Zweifel unterliegen kann, daß der Entwurf, wen« er überhaupt angenommen wird, erst nach einigen Jahren Gesetzeskraft erlangen wird, so war eS, da nach Verlaus dieser Zeit, das Bedürfnis eines derartigen Buches bei weitem nicht so dringend wäre, als gegenwärtig, ganz an gezeigt, die Herausgabe diese« Werkes nicht auf unbestimmte Z«t za verschieben. (Schluß folgt.) des Aermans eine »Jfote unterbreitet worden, welche besonder» Nachdruck auf den Umstand legt, daß Mahmud Paschas Pcojecl durch die Thatsache, daß die Insurgenten nicht eher die Waffen niederlegen wollen, bis alle wünschenswerten Reformen von den Mächten thatjachlich garantiert sind, unnütz wird, daß die Einstellung der Feindseligkeiten höchst wesentlich ist, um ju einet möglichen Lösung der Frage zu gelangen, «vd daß, sollten die Insurgenten fortfahren, in Waffen zu bleiben, nachdem die Pforte und die Mächte ju einem endgilngen Abkommen gelangt sind, die 'letzteren wahrscheinlich eine temporäre Besetzung der insurgierten Provinzen empfehlen würden.________ Sur LagesgeMchte. — Ein eigentchKmlicher Erkrankungsfall wird aus Slogan gemeldet: Eine junge Dame, die Tocbter einer hiesigen angesehene» Familie, war während tocr Abende der vorigen Wochen mit Stickereien beschäftigt, und hatte, um das Lampenlicht abzuschwächen, über die Lampe einen grünen Lampenschleier gehangen. Schon am ersten Abende stellten sich bei der Dame Kopfschmerzen ein, die sich an den folgenden Abenden wiederholten. Als nun gar das Kopfhaar des jungen Mädchens anfing auszufallcn, wurde ein Arzt herbeigeholt, der jedoch nicht helfen konnte, weil er die Ursache der Erkrankung nicht zu ermitteln vermochte. Endlich macht; die Mutter der jungen Dame die Bemerkung, der grüne Lampenschleier enthalte vielleicht schädliche Stoffe, ütunmeht wurde der letztere in die Stadt schickt, um ihn untersuchen zu lassen und dort wurde fest» gestellt, daß 6er grüne Lampenschleier eine nicht unbedeutende Quantität Arsenik enthalte. Der Schleier ist sofort entfernt worden und das junge Fräulein ist seitdem wieder wohl und munter. — Was ist Liebenswürdigkeit? Diese Frage hat ein englischer Schriftsteller in fügender interessanter Weise beantwortet: Sie liegt nicht in Perlpuder, noch in goldener Haarfarbe, noch in Juwelen. Man kann sie in keiner Flasche ober Büchse erhalten. Es ist angenehm, schon ,u fein; .ober alle Schönheit ist noch nicht Liebenswürdigkeit. fesS gibt eine höhere Schönheit, welche uns zärtliche Liebe «infHW- Augen, Diese, Haar oder Teint ihun,das noch nicht, obgleich tii angenehm 'ist, schöne Gesichtszüge zu sehen. ELaS man ist, das entscheidet, ob uns die Natur hübsch oder newöhttlich gebildet. Itiute Menschen sehen niemals untie-Lettswiirdig aus. Wie immer die Gesichter sein mögen, ein treunblicher Snsvrnck versöhnt alles. Sind sie dazu noch heiter, so wird sie niemand weniger lieben, weil die ffieftchts« lüge nicht regelmäßig sind, oder weil sie zu fett, zu hager, |U bleich oder zu dunkel gefärbt erscheinen. Die Kultur toeS GeisteS gibt den Gesichtern einen neuen Reiz, und wenn rin Mädchen geliebt werden will, liegt das mehr in ihrer alS Lausende es ahnen. Weder kosmetische Mittet noä) Toilette entscheiden, aber eine liebenswürdige Dame »itb sich immer nett unb mit Geschmack kleiden. Erzwun« jjtneö Lächeln und affektierte Freundlichkeit helfen nichts; »aninujj gut fühlen, nicht ueidtfa, nicht launisch fein, wenn t9 möglich ist, und man wird Hiebe entflögen. Dann tritt «jn Ausdruck in die Züge, der oft die Rosen der Jugend «setzt .HJid joern (BSeibe nicht nur einen «atten gewinnt, {ondetn einen Liebenden für Zeitlebens. — Gallium, ein neues Metall. Am 20. Sep» •tT&fr hat Herr Iecoq dk Äois-Baudran in der ^anzösischen Akademie der Wissenschaften die Eröffnung eines versiegelten, «on ihm dort am 27. August deponierten Packets beantragt, und gleichzeitig präsentierte Herr Würtz im Aufträge des Genannten eine 9(ote, welche mit allgemeinem Enthusiasmus ausgenommen wurde. Es handelt sich um Entdeckung «incS neuen Elements, eines Metalls, analog dem Kadmium «nd Zink. Herr Lecoq kam zuerst auf die Wahrscheinlichkeit 6er Existenz dieses neuen Körper« durch die Wahrnehmung zweier Spectrallinien, welche er mit feinen eines ändern «infachen Körpers idtnlifieieren konnte. Diese beiden Linien liegen im Violett; eine davon, sehr hell, hat die Wellenlänge 417, die andere, schwächere 405. Durch den Namen Gallium will der Entdecker Frankreich ehren. gocal? unD PrsvlaMkÄLgeie^enyttteu. — (Erstickungstod durch Leuchtgas.) AIS am heil- Ehristtag morgens der Friseurlehrling der vormals Jureiii'schen Ofsicin auf dem Kundschaftsplatz die gaffen« stitige Thüre noch versperrt vorsand, versuchte et den Eintritt rückwärts durch den Hof. Der Zugang war unversperrt, aber ein penetranter Gasgeruch drang ihm entgegen und der gegenwärtige Inhaber der Friseur-Ossi cm lag mitsammt seiner Geliebten regungslos auf dem Boden. Der Bursche machte fogleich Lärm, Menschen strömten zusammen, glück« licherweise kam auch Primarius Dr. Fuchs des Weges, hone von dem Unglückssall und stellte sogleich die ersten Wiederbelebungsversuche an. Bei dem Frauenzimmer gelang es ihm auch alsbald die erschlafften Lebensgeister zn wecken; nicht jo bei dem Friseur, bei welchem der Erstickungstod bereits eingetreten war. Das Frauenzimmer, Kellnerin im Gasthaufe „zur Linde," wurde ins Eivilspitol übertragen, ist aber ebenfalls bereits in der gestrigen Nacht gestorben. Der Verunglückte war ein noch junger Mann und braver Sohn; seine betagten Eltern in der Krakau verlieren an ihm ihre einzige Stütze. — Wir haben schon einmal in einem längeren Aufsatze auf die Gefährlichkeit des Leucht« gafes in Wohnräumen aufmerksam gemacht und tn Anbetracht der zahlreichen Unglücksfälle das Verlangen gestellt, es möge das Schlafen in Gemächern, in welche eine Gasleitung führt, behördlich verboten weiden. Wie oft ist die Leitungsröhre beschädigt und strömt unmerklich das todbringende Gemenge aus; wie oft ist man, wie in dem eben erzählten Falle, nicht achtsam genug beim Schließen der Hähne und die Folge ist Tod durch Erstickung oder eine Explosion, salls man mit einem Lichte einem solchen Raume nahe kommt. Nebenbei sei noch erwähnt, daß dem Dr. Fuchs, der, um bequemer arbeiten zu können, seinen Winter« rock abgelegt hatte, der letztere mitsammt der Brieftasche, die in demselben stack, gestohlen wurde. Ein Gauner war mit der Menschenmenge mit eingebntngen und hatte den Augenblick, wo aller Aufmerksamkeit aus die Verunglückten und die Wiederbelebungsversuche gerichtet war, dazu benützt, um mit dem abgelegten Winkerrocke zu verschwinden. Der Polizei war es jedoch bald gelungen, den Aockdied ausfindig zu machen. ES versteht sich übrigens in Lotbach von selbst, daß der Vorfall in der Friseurossicin das ausschließliche Tagesgespräch während der Feiertage bildete, ja daß es den kirchlichen Kreisen ent gefundenes Fressen ist, um wieder einmal in echt christlicher Weise vom bewußten „Finger ®otteS“ von allen Kanzeln zu salbadern. — (Selbstmord.) Am vergangenen Donnerstag machte ein Feldwebel des hier stationierten 46. ungarischen Jttf.-RegimeuteS Sachsen-Meiningen in der hiesigen Soli« seumskaserne feinem Leben ein Enbe. Als er sich einen Moment in dem von ihm inid mehreren Chargen sonst gemeinsam bewohnten Zimmer allein befand,. lud er sein Gewehr, stemmte den Kolben gegen den Boden, legte die Mündung beS Laufes an bie Stirne und drückte mit einem Lineale den Hahn los. Der Kopf des Selbstmörders war furchtbar zerschmettert, Plafond unb Ztmmerwände von Gehirnfetzen bedeckt. Motiv zu dem gräßlichen Selbstmorde scheint unbefriedigter Ehrgeiz deS jungen Mannes yeioelen zu fein. Früher DffizierSaspirant, soll das nicht ganz tadellose Vorleben ihm nunmehr jede Aussicht auf Beförderung versperrt haben. — (Der Verein der Arrzte) für Kretin hält Mittwoch den 29. Dezember eine Generalversammlung «fe- — (Alpenverein.) Wir werden ersucht mityi» theilen, daß jene p. t. Veteinsmitglieber, welche die für tue heute Abend mit einer SectionSversammlnng verbundene Lhriftdescheerung bestimmten Spenden noch nicht abgeliefert haben, selbe am Abende mitbringen mögen. — (Ehristbaumseier der freiwilligen Feuerwehr.) Vergangenen Samstag (Lhristtag) beging in den Lokalitäten der Casinvreftauration unsere Feuerwehr das Christfest in sehr animierter Weise, und würben vielen Besuchern sehr schöne Spenden juthtii. Eine Musikkapelle würzte in angenehmer Abwechslung bie Unterhaltung und ift bieje Feier als ein echtes Familienfest zu bezeichnen. Der tingegaugene Reingewinn wird zur Anschaffung von fechS Mänteln für die Mannschaft verwendet werben. — (Maler Franke) hat soeben da« Porträt der Baronin Apsaltrern geb Gräfin Margheri vollendet. Das wohlgctroffent Bild bleibt durch einige Tage in der Buchhandlung v. Kleinmayr & Bamberg ausgestellt. — (Da? zweite Eoncert der philharmonischen Gesellschaft) findet morgen DinStag den 28. b. abends (Anfang 7 Uhr) im latibschasmchcn Rebouten-faale statt. Da« Programm desselben lautet: I. G. Meherbeer. jpuvetture „Stnienfee" für Orchester. II. R.,S chumann. „Ein Königssohn," Ballade für Sole-stimmen, Thor unb Orchester. (Die Soli gesungen von Frau R. von Wurzbach, drn Herren Razinger, Medic und Till.) III. Fel. Mendelssohn > B a r t k> o 1 d y /fitbalio," für Solostimmen, Ehor und Orchester. (Die Soli werden gesungen von den Damen Frl. Giementine Eberbart, Frau v Wnrzbach, Frau Till und Frl Finz. Da« leitende Ge» bicht wiro von Herrn Frederigk, Mitglied des landschaftlichen Theaters, gesprochen.) Die Harfe spielt Herr August Steile aus Graz. — (Banknote nfälfchung.) Heute begann die für drei Tage angesetzte Schwurgerichtsverhandlung wider Matthäus Dobida, Johann Dezmann, Alois Sramareic und Josef Rottar wegen Verbrechens der Theilnahme an >der Ereditspapiersälschnng und wegen Betruges. — (Postoerkehr mit Frankreich.) In der „Wiener Zeitung" steht folgende Kundmachung: „Frankreich ist vom 1. Jänner 1876 an dem allgemeinen Post* vereine beigetreten. Demgemäß sind gewöhnliche und recom-mandierte Briefe, Correspondenzkarten, dann Sendungen unter Band mit Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere aus der Österreichifch-nngarischen Monarchie nach Frankreich und Algier, sowie auch umgekehrt vom obigen Zeitpunkte an denselben einheitlichen T-ixen und sonstigen Bestimmungen unterworfen, wie die Correspondenzen nach und aus den ändern Ländern des PoftoereineS, mit Ausnahme von Deutschland, Luxemburg, Helgoland, Serbien und Montenegro. — („W iener Obst- und Garten-Zeitung) Herausgegeben von A. W. Freiherrn t). Cab o. Redigiert voti Dr. R. Sto11. Monatlich ein Heft in Lexicon-Octav mit Illustrationen. Preis halbjährlich 4 fl. mit Postversendung. Berlag von Faesy L Frick in Wien. Die „Wiener Obst» und Garten-Zeitung" ist die erste größere Fachzeitschrift dieser Art, welche in Oesterreich-Ungarn erscheint. Sie füllt in der That eine lange empfundene Lücke aus, da die verschiedenen Vereinszeüschriften, welche diesen Zweig der Literatur bisher allein zu vertreten hatten, naturgemäß sich enge Grenzen stecken mußten und nur feiten Verbreitung über das Vereinsgebiet hinaus gefunden haben. Das erste ausgegebene Heft der „Wiener Obst- und Garten-Zeitung" läßt ahnen, was wir von dieser Zeitschrift erwarten dürfen. Der Inhalt berücksichtigt alle Zweige der Gartenkunst, den Obst- und Gemüsebau, Blumenzucht und Landschaftsgärtnerei, und zwar in einer Vielseitigkeit und Abwechslung, die jeden Gartenfreund ansprechen muß. Die Ausstattung — zahlreiche Illustrationen schmücken den Text — ist eine höchst elegante, und wir glauben mit Recht dieser neuen Zeitschrift ein günstiges Prognofticon stellen zu dürfen -Die Namen des Herausgebers und Redacteurs, sowie die große Reihe der im Blatte angegebenen hervorragenden Mitarbeiter, bürgen für eine gedeihliche Fortführung des Unter» nehmens. Eingesenvet In Ihrer geschätzten Nr. 294 vom 24. d. M. kommt ein sehr freundlicher Artikel unter „Local und Provinzial« angelegenheilen" vor, welcher uns warnt, daß wir bei der bevorstehenden Einführung der metrischen Maßt Jen weitergehenden Gelüsten der Herren Gastwirth- mit der Um« rechnnngs-Tabelle in der Hand entgegenzutreten.haben. Dieser wohlmeinende Rath genügt uns Konsumenten nicht, unb wir werden uns mit einem Kellner, welcher nur im Aufträge seines Prinzipalen handelt, oder mit ihm selbst bei Abschluß einer Gasthaus-Rechnung niemals tu einen Handel oder gar Eonflict einlaffen, erwarten es jedoch von der hiezu kompetenten politischen Behörde, die j, über Fletsch und Brodsatzungen wacht, und wir bitten dieselbe, daß sie uns uer den in Aussicht stehenden Ueberoortheitungen durch Gastwrrthe, durch geeignete Maßregeln in Schutz nehmen wolle und nicht erst warte, bis e« der Residenz ober anderen Provinzstädten gefällig ift, diesfalls die Initiative zu er» greifen. Laibach, am 27. Dezember 1875. »Mehrere Konsumenten. Aus dem Schwurzerichtssaale. Laibach, 23. Dezember. Betrugsprozeß Fr a u z.H a m p e 1. (Schluß.) Siebentens. Im Oktober 1873 hat Stefan Labeiner dem Franz Hampel ein Sparkasf bitchel per 200 fl. und einen Barbetrag per 100 fl. mit dem Ersuchen übergeben, daß er damit tn die Sparkasse gehen uno die ihm gegebenen 100 fl. ans da§ ihm mitgegebene EinlagSbüchel in der Sparkasse fruchtbringend aulegeit sollte, was' tbm dieser auch versprach abermals um 270 fl. gefchädiget, indem er nickt nur die 100 fl. in der Sparkaffe nicht angelegt, sondern noch die bereits angelegten 200 fl. behoben, sodann eine frische Einlage mit 30 fl. gemacht, in diesem neuen Spar-kaffebückel die Summe des Einlagskapitals von 30 fl. auf 300 fl. gefälscht und das Sparkassebückel dem Laheiner übergeben, den Betrag von 270 fl. aber unterschlagen und für sich verwendet bat. Franz Hampel will hievon überhaupt nichts wiflen und stell! daher die Unterschlagung von den vorerwähnten 270 fl. entschieden in Abrede. Allein ungeachtet seines Lengnens erscheint er der Verübung dieser That durch die Aussage des Laheiner umso-mehr dringend verdächtig, als er wegen eines ähnlichen Verbrechens schon abgeunheill worden war. Achtens. Im Frühjahre 1873 hat Stefan Laheiner durch den hiesigen Lottocollectanlen Krehan ein Tllrkenlos in 24 Monatsraten ä 5 fl. bei der öfter.-ung. Escompte- und Kreditbank kaufen lassen und bis zur gänzlichen Abzahlung der Raten einen Jnterimssckein bekommen. Auf diesen Jn-terimsschein hat Stefan Laheiner beim Krehan sieben Raten mit 35 fl. eingezablt, sodann aber den Restbetrag per 85 fl. für die weiteren 17 Raten dem Hampel eingehändigt, da mit er diesen Betrag unmittelbar an die Kreditbank ab führen und das fragliche Los beziehen und ihm übergeben solle. Franz Hampel hat zwar hievon 40 fl. an die Kredit bank abgeführt, den weiteren Betrag per 45 fl. aber unter schlagen und für sich verwendet und dadurch den Stefan Laheiner nicht blos um den veruntreuten Betrag per 45 fl., sondern auch um den bereits eingezahlten Si-trag per 75 fl. geschädigt, weil dieser letztere wegen Nichteinhaltung der Ratentermine der Kreditbank verfallen ist. Franz Hampel gibt zu die fraglichen 85 fl. von Laheiner zum vorerwähnten Zwecke erhalten zu haben, stellt aber in Abrede hievon irgend einen Betrag veruntreut zu haben, behauptend, daß er den ganzen Betrag unmittelbar an bie Creditbank eingefenbet habe. Diese Verantwortung des Beschuldigten ist aber offenbar falsch, weil es durch das Schreiben der Escomptebank erwiesen vorliegt, daß außer den von Laheiner beim Johann Krehan eingezahlten 35 fl. nur noch 40 fl. eingezahlt wurden. Diese beiden letztbesprochcnen Thathandlungcn des Franz Hampel begründen das Verbrechen der Veruntreuung na» § 183 St. Ä. U r t h e i 1. Freitag den 24. d. M. nachmittags 4 Uhr wurde bei überfülltem Zuhörerraume vom Vorsitzenden k. k. Oberlandes-gerichtsrath K a p r e tz das Urtheil verlündet, wonach Franz Hampel auf Grund des bereits letzthin mitgetheilten Wahr-spruches der Geschwornrn, wegen Verbrechens des Betruges nach § 197, 198, 199 lit. d, 200 und 201 lit. a und d., dann wegen Verbrechens der Veruntreuung nach § 183 St. ®. gemäß § 203 St. G. zu fünfjährigem schweren mit einer Faste alle Monate verschärftem Kerker mib nach § 369 St. P. O. zur Leistung einer Privat-entschäbignng pr. 3050 fl. an Stefan Laheiner verurtheilt wurde. — Stanislav Novak, Tabakfabriks-AtbnterSkinb, 1 M., unb 26 L., Stadt Nr. 129, Fraisen- — Joses Branke, Schneider, 36 I., Civilspital, Lungentuberkulose. — Anna Wimmer, Kellnerin, Civilspital, Lungenödem infolge von Gasvergiftung. — Pater Klemens, Franziskaner Ordens-Priester, 39 I., Kapuziner-Borstadt Nr. 16, Typhus. — Raimund Pregel, penf. Sparkassekassier, 40 I. Kapuziner-Vorstadt, Nr. 91, Luugenblutsturz. Lebensmittel-Preise in Laibach am 24. Dezember. Weizen 5 fl 10 kr.; Korn 5 fl. 30 kr.; Gerste 2 fl. 50 kr.; Hafer 2 fl. — kr.; Buchweizen 3 fl. 30 kr.; Hirse 2 fl. 70 kr.; Kukurutz 3 fl. — kr.; Erdäpfel 1 fl. 90 fr.; Fisolen 4 fl. 30 kr. per Metzen ; Rindschmalz 54 fr., Schwein-fett 46 tr., Speck, frischer, 31 tr., Speck, geselchter, 42 tr., Butter 44 fr. per Pfund; Eier 21/* fr. per Stück; Milch 10 fr. per Maß; Rindfleisch 27 tr., Kalbfleisch 26 fr , Schweinfleisch 25 tr. per Pfund; Heu 1 fl. 40 fr, Stroh 1 fl. 30 fr. per Zentner; hartes Holz 8 fl. - fr., weiches Holz 5 fl. 40 fr. per Klafter; Wein, rother 12 fl., weißer 11 fl. pr. Eimer. Lottoziehung vom 24. Dezember. Wien: 45 54 44 33 72. Graz: 55 61 78 38 66. Telegraphischer Cursbcrichi am 27. Dezember. Papier-Rente 69 40 — Silber-Rente 73-80 — 1860ei slaats-Anlehen 112 Banfactien 919. - Lredit 203 30 — London 113 05. — Silber >05 - — K. k. Münz- ducaten 5 31'/,. — 20-Francs Stücke 9-07. — 100 {Rei . f mark 56.—. Verlag von Buschak & Irrgang in Brünn. Vorrälhig in allen Buchhandlungen. Für Käufer und Verkäufer mit 6er am 1. Jänner 1876 gesetzlich attgem. Einführung der metrischen Matze Hauswtrthschaft, Kleinhandel und Marktverkehr zum prakttsche» Gebrauch bestens empfohlen: Gewicht, b) Flüssigkeits-Nass, c) Trocken-Mass, d) Fuss-Mass, e) Elleii-Mass, 5 Umwandlungs-Tafeln a 5 fr., Preis-Tabellen ä IO kr. Abbildungen m 2-2 in natürlicher ($ri% 'Wß und Reihenfolgen, in Farbendruck, unaufgezogen 30 kr. in a) ß I a! ! Diese, vom Magistrate der Stakt Wien zum besten res Amensondes ver» anfialtele Lotterie enthält Treffer von Witterung. Laibach, 27. Dezember. Morgens dünner Nebel, gegen Mittag lheilweise Aufheiterung, Sonnenschein, schwacher WNW. Temperatur: morgens 6 Ubr — 8 4", nachmittags 2 Ubr — 2.9° C. (1874, — 0.1«: 1873, -j- 4 0” C.) Barometer im Steigen 740 32 Mm. Das TageSmittel der Temperatur am 24. d. -f- 11", am 25. t>. — 2 3® und am 26. d. — 5 6°; beziehungsweise 3 7°, 0'5° über und 2-8° unter dem Normale. Verstorbene. Den 2 4. Dezember. Augustin Berdajs. Aibeiters-fohn, 6 I, und 3 M., Stadt Nr. 30, an Fraisen und Miliaria. — Josef Jkßenfo, Dienstmannssohn, 6 I., ita* pnziner Vorstadt Nr. 62, Darmlähmung. Den 25. Dezember. Anton vezlaj, Friseur, 26 I., Stadt Nr. 233, am Stickfluß infolge Gasansströrnnng. — Michael Snchadobnig, t. f. jubil. Buchhaltungsbeamte, 80 I., L.rafau-Vorstadt Nr. 30, au Altersschwäche. Den 26. Dezember. Anna Wötzl, Bildhauers- und Vergolderstochter, 14 I . Gradischa Nr. 25, Lungenlähmung. 1000, 200, lDucatei! 100,100,1 200,100,100/in (Sold, 100 3 Wiener Vommunal-Losc, , fl- Jöilb. deren Mit nur 50 kr. als Preis eines ®ri!iina[fofcs sind zu gewinnen, flOOO Sr 200,000 fl. beträgt.