LMcher TigRatt.« Redaction und Expedition: Bahnhvfgasse Nr. 15 |i 1 -"-- - - ------- - :- ---- - - -.-.------ ' r- --—=t=—■- ' '■ - -- - .. '' V'Ty . „ A Pränumeration «preise: . _ , ^ Ins e rt i° n « P re i s e: Ein. QfUk ftilr t’nibai: ®ami. fl. 8-40; SllXrttt <■/* ,> 1 Atit Uav 1 Q 7O UY><3> (»altiae Btiiticile i 4 lt., bei 4 0 C^/>'(i'V/%'*'*5y6e- 200 ^ä- -aiba*:- ®a",i' ®>?; luftetlung in« Haus vrtij. 25 tr. Kit bet «oft : Ganzjähr. fl. 12. Molltag, 1. September 1879. — Morgen: Stephan K. 12.Jahrg7 Das wichtigste Ereignis des Tages ist die in Linz erfolgte Anbahnung einer Vereinigung aller verfassungstreuen Fractionen. Als wir zum letzten male die Anzeichen besprachen, unter welchen diese Versammlung vorbereitet wurde, konnten wir nicht umhin, der Befürchtung Ausdruck zu geben, daß es schwer sein dürfte, jenen Geist fractioneller Zerfahrenheit zu bannen, welcher der Verfafsuugspartei um so gefährlicher zu werden drohte, als gerade in letzter Zeit wiederholte Versuche gemacht wurden, ein Kompromiß zwischen der Regierung und den geschworenen Gegnern unseres Verfassungslebens zu stände zu bringen. Der Verlaus der Linzer Parteikonferenz hat unsere Befürchtungen zerstreut, und wenn heute jemand in der Lage ist, den Zusammenbruch einer sorgsam gehegten und gepflegten Erwartung zu bestreiten, so ist es nicht die Verfassungspartei, sondern jener Theil der gouvernementalen Presse, welaje mit schlecht verhehlter Schadenfreude jede Nachricht begrüßte, welche auf eine Fortdauer des Zerwürfnisses im verfassungstreuen Lager hinwies. Sie ging dabei natürlich von der Voraussetzung aus, daß die geplante Einigung ihre Spitze gegen die Regierung richten müsse und faselte dort von einer grundsätzlichen Politik der Verneinung, wo es doch nur galt, den Boden für die parlamentarische Action der Zukunft zu sondieren. Ob und inwiefern sie Grund und Ursache zur Annahme hatte, daß die Verfassungspartei dem Ministerium Taafse Opposition machen müsse, muß sie, vermöge ihrer Verbindungen mit dem Preß-bureau, besser wissen, als wir, die wir nur nach den vorliegenden Ausgleichsversuchen und der Zusammensetzung des Ministeriums einen Schluß auf die Absichten der Regierung wagen konnten. Genug, es wurde vonseite der Osficiösen keine Gelegenheit versäumt, die Linzer Versammlung als ein zweck- und gegenstandsloses Unternehmen hinzustellen, das schon bei seinem Entstehen vielfachem Widerspruche im Lager der Verfassungspartei selbst begegne. Während aber der eine Ossiciosus daraus verwies, daß neben der Linzer Versammlung auch eine von den Theilnehmern der Liezener Zusammenkunft eitiberufene Konferenz stattfinden werde, uud daß neben diesen Zusammenkünften von wesentlich verschiedenem Charakter die steiermärkischen Fortschrittler ein Conventikel auf Grund des Grazer Parteiprogramines veranstalten würden, glaubte der andere Officiosns unter Berücksichtigung der früheren Regierungsfreundlichkeit einiger Einberufer der Linzer Versammlungen annehmen zn können, daß man sich in der Hauptstadt Oberösterreichs über die Möglichkeit eines Anschlusses der gemäßigten verfassungstreuen Elemente an die neue „Reichspartei" im Sinne der Regierung berathen würde. Nichts von alledem ist in Erfüllung gegangen. Der Linzer Parteitag war von 77 verfassungstreuen Abgeordneten besucht, diese haben sich nach dem Wortlaute unseres Telegrammes als die Vertreter sämintlicher verfassungstreuen Fractionen erklärt, und ist schon aus diesem Grunde mit aller Sicherheit anzunehmen, daß jene 51 Abgeordneten, welche ihr Nichterscheinen entschuldigt hatten, den Beschlüssen einer solchen Versammlung ihre rückhaltlose Beistimmung geben werden. Selbst die steiermärkischen Abgeordneten haben den Ofsiciösen den Gefallen nicht erwiesen, den Einheitsbestrebun-geit des Linzer Parteitages ein Separatconventikel an die Seite zu stellen, indem nach einem in Linz eingetrossenen Telegramme von der Abhaltung der geplanten Konferenz steiermärkischer Abgeordneter Umgang genommen wird. Eine Versammlung aber, auf welche alle Fractionen der Verfafsuugspartei vertreten sind, an welcher neben dem mehr zu einer diplomatischen Behandlung des Parlamentarismus,, geneigten Abgeordneten und Großindustriellen Wolfrum der ebenso energische alH consequente Führer der Fortschrittspartei Dr. Kopp theilneh-, men, kann wol unmöglich die Aufgabe haben, einer zukünftigen Reichspartei im Sinne des „Fremdenblatt" die Wege zu bahnen. Dieser Thatsache wurde denn auch schon in der Vorbesprechung vom 30. v. M. Ausdruck gegeben, indem Dr. Ruß er-. klärte, daß mit der Linzer Konferenz kein Mißton in die Verfafsuugspartei gebracht, nicht die jetzt doppelt notwendige Einigkeit derselben gestört,., am allerwenigsten die Basis zur Bildung einer sogenannten „Reichspartei" geboten werden soll. Die Linzer Konferenz solle nicht der in Siezen ungebahnten Versammlung ber Verfafsuugspartei entgegenwirken, sondern sie solle gleichfalls zur Erörterung der Lage führen unb so die Einigkeit der Partei anbahnen. In treffenber Weife betonte Herbst, baß im Augenblicke der Gefahr, welche die gefammte Ver-fassnngspartei bedroht, alle persönlichen Empfin-,. düngen schweigen müssen. Wenn man sich dazu entschließen würde und die eigentlichen Erörterungen nur im Dienste der Partei und der Sache führen werde, bann werbe auch bas Band der Einigkeit alle Gruppen der Verfaffmtgs-vartei in einem Momente umschließen, in welchem bereit Politische und nationale Interessen in bedenklichster Werse gefährdet erscheinen. In gleichem Sinne sprach sich Dr. Kovp ans, inbent er anläßlich ber unter bem Präsidium bes Abg. Dr. Groß abgehaltenen Vorbesprechung das Hauptgewicht der Beschlüsse darauf gelegt wissen wollte, daß m denselben der Besorgnis Ausdruck gegeben werde, zu welcher die neue Regierung Veranlassung gibt. Die Einigung sämmtticher Fractionen der Ver- Jeuillelon. Die Geheimnisse der Residenz. Nachtstücke aus dem Leben. Roman von F. Klinck. (Fortsetzung.) „Nennen Sie mich nicht so, ich mochte wieder einmal meinen Namen Abele genannt wissen," sagte bie Dame mit flehenber Stimme. „Ob ich glaube, baß Ihre Mutter verheiratet war? Wie kommen Sie zu der Frage? Wer glaubte das nicht? Trotzdem Gras Horn stets das Gegentheil sagt. O, Julie, bedauern Sie mich, daß ich in die Hände jenes Mannes siel, bedauern Sie mich, weil ich keine Mutter hatte, die über ihr Kind wachen konnte, sondern in die Hände herzloser Verwandten gegeben wurde, denen nichts an der Zukunst des armen Kindes lag. Ich bin jung und welches Leben liegt vor mir? Ein Leben voll Spott und Verachtung, oder glauben Sie, wich ließe das gerechte Urtheit der Menge kalt? Nein, gewiß nicht, ich empfinde es so schmerzlich, daß ich kaum wage, mich irgendwo sehen zu lassen. Als ich zu Ihnen hereintrat, Julie, war mein erster Gedanke: wie wird man sich mit Verachtung von dir wenden! O, ich habe es gesehen, wie Ihre Tante vor mir zurückschauderte; ich bemerke so etwas gleich — nur Sie waren edel, Sie bemitleideten die Unglückliche. Kommt es daher, weil man auch anfänglich Ihre gute Mutter mit Verachtung behandelte und erst, als man einsah, wie Unrecht man ihr gethan, sie bedauerte ? Aber wie schlecht muß der Mann sein, der alle Beweise dieser Trauung vernichten konnte! O, wie ich ihn verabscheue!" „Alle Beweise, o nein, nicht alle sind vernichtet ," entgegnete Julie triumphierend, „der Trauschein meiner verstorbenen Mutter wenigstens ist da." „Und Sie dulden es, Julie, daß der Name Ihrer unglücklichen Mutter nur von dem leisesten dunklen Schatten getrübt wird?" fragte Fräulein Adele, sich voll Erstaunen aufrichtend. Ihre Augen strahlten vor Erwartung der Antwort, die folgen würde. „Nein, gewiß nicht," erwiderte Julie feierlich, „es wird ein Tag kommen, wo der Name meiner Mutter so hell und rein strahlt, daß niemand den leisesten Schatten daran finden wirb. Der Tag ist nicht allzu fern mehr, ich wollte warten, unb weil ich es bem Grafen versprach, werbe ich auch noch kurze Heit Gebulb haben, aber nicht lange mehr. Sie sinb mir wieber ein beutlicher Beweis, baß ich bem Manne, ben ich leider meinen Vater nennen muß, nicht zu sehr trauen darf, und ich werde mich darnach richten." „O, ich bitte Sie," rief ^räuleiit Adele fast bestürzt aus, „ich möchte mich um alle Schätze der Welt nicht zwischen Vater und Tochter stellen. Was können Sie befürchten, so lange sich der Trauschein in Ihren Händen befindet? Bedenken Sie, selbst der schlechteste Mensch ist der Besserung fähig, und es wäre schrecklich, ihn vielleicht durch unzeitigen Argwohn von der Bahn der Besserung abzulenken. O, ich bitte Sie, Julie, lassen Sie mich nicht Schuld sein, daß Sie gegen Ihren Vater auftreten. Nur bewahren Sie vor allen Dingen den Trauschein; lassen Sie ihn keine Minute aus Ihren Händen, nur bei Ihnen ist er sicher." „Er ruht hier sicher verborgen," entgegnete Julie, ihre Hand auf die Brust legend, „ich lasse den Trauschein nicht lebend aus meinen Händen, darüber können Sie unbesorgt sein." Ein triumphierendes Lächeln glitt über das Antlitz Adelens und verlieh ihm etwas Dämonisches — sie hatte es, obgleich Meisterin in der Verstellungskunst, doch noch nicht so weit gebracht, fassungspartei auf Grund eines gemeinsamen Programmes hält Dr. Kopp schon deshalb für nicht gut durchführbar, weil er als Mitglied des Fortschrittsklub an dem Programme festhalteu müsse, auf welches hin ihm von seinen Wählern das Mandat übertragen wurde. Doch plaidiert er entschieden für die Einigung aller Schattierungen der Verfassungspartei zur Abwendung der gemeinsamen Gefahr, während er anderseits das Recht des Fortschrittsklub wahren müsse, daß vor einer großen Entscheidung über die zukünftige Gestaltung der Parteiverhältnisse die früheren Mitglieder desselben ^jUiihbcrufen werden, um selbst über die Zukunft des Klubs Beschluß zu fassen. Eine solche Anschauung widerspricht in keiner Weise der Forderung des Abg. Dr. Herbst, daß die Einigkeit der Verfassungspartei in gewissen Punkten constatiert werden könne, ohne daß man deshalb die im parlamentarischen Leben ganz unausweichlichen Meinungsverschiedenheiten über untergeordnete Tagesfragen wie mit einem Schwamme weg-zuwischen brauche. Als solche Punkte bezeichnete er das Festhalten an den freiheitlichen Errungenschaften, die Solidarität aller Deutschen in Oesterreich, die Herstellung des Gleichgewichtes im Staatshaushalte, über welche volle Einigung und kein Meinmigszwiespalt in der gesammten Verfassungspartei besteht und bestehen dürfe. Das sei ausreichend für die nächste Zukunft. Auch bei den anderen nationalen Parteien Oesterreichs gebe es Gegensätze; dennoch treten diese Parteien in entscheidenden Augenblicken geschlossen auf, weil sie eben, in den Hauptfragen einig, gleichen Zielen zustreben. Mit dieser Taktik müsse es auch heute die Verfassungspartei halten. Sei doch die Situation von heute womöglich noch schwieriger, als zur Zeit Potocki's und Hohenwarts; damals habe es auch nationale und politische Gegner im Kabinette gegeben, aber sie waren keine prononcierten Parteigänger. Es wäre wünschenswerth gewesen, erst vor dem Zusammentritte des Reichsrathes Stellung zu nehmen; nachdem man sich aber einmal versammelt hat, sei es nothwendig, eindringlich und verständlich die Einigkeit der Verfassungspartei gegenüber der Lage zu constatieren., Das ist denn auch, wie unser Linzer Telegramm meldet, vollinhaltlich geschehen. Die Mitglieder der Parteikonferenz sprachen nämlich in der am.31. v. M. abgehaltenen Hauptversammlung die Ueberzengung aus, daß die staatsrechtlichen Grundlagen des Reiches wie die in der Verfassung und ihren Ausführungsgesetzen begründeten kulturellen und freiheitlichen Institutionen unver- sehrt erhalten werden müssen und daß nur in diesem Rahmen den Forderungen nach erweiterter Befriedigung nationaler Wünsche stattgegeben werden dürfe. Letzterer Passus der Resolution kehrt sich gegen das im Lause der letzten Woche wiederholt zutage getretene Streben, die Forderungen der Nationalen auf administrativem Wege und über die Köpfe der Volksvertreter hinweg in Erfüllung zu bringen. Wenn die Resolution erklärt, daß die Ordnung im Staatshaushalte durch Sparsamkeit in allen Zweigen der Verwaltung, vor allem aber durch die mit der Wehrhaftigkeit des Reiches vereinbarliche Herabminderung des Heeresaufwandes ernstlich anzustreben sei, so hat sie in dieser Beziehung gewiß auf die Zustimmung aller Patrioten zu rechnen, welche dem Hazardspiele einer auf großartigem Plane aufgebauten Actionspolitik nicht die verläßlichen Grundlagen des nationalen Wohlstandes zum Opfer bringen wollen. Der vorerwähnten Bemerkung des Abg. Dr. Kopp, daß er sich durch sein vor den Wählern abgegebenes Glaubensbekenntnis in seiner parlamentarischen Stellungnahme gebunden erachte, entspricht der weitere Satz der Resolution, nach welchem den während der Wahlbewegung in Stadt und Land erhobenen Forderungen nach Maßgabe der Gesetzgebung und Verwaltung, soweit solche eine Besserung der wirthschastlicheu Lage herbeizuführen vermögen, auch durch Initiativanträge sofort Rechnung zu tragen ist. Damit sind allerdings nur die ersten Grundzüge für die Einigkeit im Lager der Verfassungspartei angegeben, daß man sich aber damit nicht begnügen, sondern daraufhin erst die weiteren Bestimmungen betreffs eines einheitlichen Vorgehens im Parlamente selbst vereinbaren wird, ist ausdrücklich hervorgehoben. Wir zweifeln nicht daran, daß die nächste, bei Zusammentritt des Reichsrathes stattfindende Versammlung aller verfassungstreuen Abgeordneten das begonnene Werk der Einigung in gedeihlicher Weise fortführen wird. Nicht in Fractionen zersplittert — nein, als große einheitliche Partei werden die Verfassungstreuen auf dem parlamentarischen Wahlplatze erscheinen, und einzig und allein von der Haltung des Ministeriums Taaffe wird es abhängen, ob der Beginn der parlamentarischen Action auch zugleich das Signal eines in seinen Resultaten gar nicht zweifelhaften Kampfes der gesammten Verfassungspartei gegen das System unnatürlicher Allianzen sein wird. Wir enthalten uns darüber vorläufig aller weiteren Bemerkungen; aber dessen sind wir gewiß, daß ein Ministerium, welches staatsrecht- liche Ausgleiche aus außerordentlicher Basis blos deshalb ins Werk setzen wollte, um mit Hilfe einer durch Zugeständnisse nothdürftig znsam mengekitteten national'klerikal-fendalen Mittelpartei unter confer-vativem Banner einzelne Budgetfragen im Sinne der Regierung, aber gegen den Willen der Verfassungspartei und der Bevölkerung zu lösen, für uns keine Gefahr mehr ist. Officiöse Verheißungen. Die Linzer Parteikonferenz legt den Offieiösen die Verpflichtung auf, den auf Behebung der wirth-schastlichen Uebelstände und des Deficits im Staatshaushalte hinauslaufenden Anforderungen der Verfassungspartei ein gouvernementales Gegengewicht zu verschaffen. Zunächst kommt dieser Aufgabe die hochoffieiöse „Montags-Revue" nach, welche darlegt, daß die Absicht der Regierung dahin gehe, die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte schon durch das cisleithanische Budget pro 1880 zur Thatsache za machen. Wie aus dem diesbezüglichen Telegramm hervorgeht, wird auch vom genannten Blatte der Nachweis versucht, daß dieses Ziel einerseits durch die erfreuliche Steigerung der Einnahmen, dann durch die so weit als möglich durchzu-führende Reduction des Militärbudgets und schließlich durch Genehmigung der von der Regierung projektierten Steuervorlagen seitens des Reichsraths ganz gut erreichbar sei. Aufrichtig gesagt, befremdet uns die Zusammenstellung dieser Heilmittel gegen das Deficit. Wir haben zu einer Erhöhung der Einnahmen kein rechtes Zutrauen, welche zu einer Zeit allgemeiner Geschästslosigkeit verzeichnet wird. Denn eine solrfie ist unter derartigen Umständen nur durch eine kräftigere Handhabung der Steuerschraube möglich. Was die Herabminderung des Heeresbudgets an-belangt, so verweisen wir darauf, daß der erste Versuch zur Bildung eines Ministeriums Taaffe daran scheiterte, daß die für dasselbe in Aussicht genommenen verfassungstreuen Kandidaten Plener und Graf Coronini einen erheblichen Abstrich am Heeresbudget zur Vorbedingung für ihren Eintritt in das Kabinet machten, während Taaffe einem solchen Ansinnen nicht Folge zu geben vermochte. Wir glauben daher kaum, daß es sich bei der versprochenen Herabminderung des Heeresbudgets um ausgiebige Posten handeln wird. Mit kleinen Abstrichen ist aber der Bevölkerung nicht gedient, und man dürfte sich maßgebenden Ortes in einem großen Jrrthnm befinden, wenn man glaubt, daß schon einige kleine Ersparungen im Heerwesen das Abgeordnetenhaus bewegen werden um die Freude und das Gefühl des sicheren Gelingens ihres Planes ganz zu verbergen. Julie schrak zusammen, aber auch schon in demselben Moment sagte Adele: „So muß doch auch er sich demüthiaen, er, der sich für unfehlbar hält oder er wenigstens zu sein vorgibt. O, Julie, es ist gewiß keine Schadenfreude, es ist nur der innige Wunsch, daß auch er einen Schmerz empfindet, wenn es auch nur der des verletzten Hochmnthes ist. Aber ach, wie wird mir denn — ich habe wol zu viel gesprochen — Julie — wenn — wenn das Fräulein doch hier wäre!" Frl. Adele affectierte ihre Ohnmacht meisterhaft. Bestürzt stand Julie da und sah auf das bleiche Gesicht. O wenn sie gewußt hätte, daß ein bischen Schminke im (taube war, ihr diese erschreckende Bläffe zu verleihen. Fast unmittelbar darauf trat Fräulein Mein-hold wieder ein. „Noch nicht besser? O das arme Fräulein, ich sage es immer, sie grämt sich zu Tode!" rief diese aus. „Es ist ein großes Unglück, daß dieses schöne Wesen in eine so entsetzliche Lage kam." Fräulein Adele schlug die Augen wieder auf und als sie Fräulein Meinhold erblickte, athmete sie wie erleichtert auf. „Wir wollen gehen, Fräulein," sagte sie, „ich möchte nicht die Rückkehr der alten Dame abwarten. Nehmen Sie es mir nicht übel, Julie, ich scheue mich, sie wiederzusehen. Sagen Sie ihr in meinem Namen meinen herzlichsten Dank dafür, daß sie sich meiner erbarmte und mir ihr Haus nicht verschloß, wie es so viele andere gethan haben würden. Und nun leben Sie wohl, vergessen Sie die arme Adele nicht, die Sie nicht bitten darf, ihr eine treue Freuudin zu sein, wie sie es möchte. — Leben Sie wohl!" Sie verbeugte sich graziös und schritt dann, auf Fräulein Meinholds Arm gestützt, zur Thür hinaus. Julie sah vom Fenster aus, wie schwer es ihr wurde, in den Wagen zu steigen, aber sie hörte nicht mehr, wie Adele, als der Wagen schnell davon rollte, in ein schallendes Gelächter ausbrach und sich dann in die weichen Polster zurücklehnte „Das wäre abgemacht, sehr gut abgemacht muß ich gestehen," ries sie aus. „Das einfältige Gänschen ist wirklich in die Falle gegangen. Ich begreife nur nicht, wie Graf Horn zu dieser Opera tion noch meiner Hilfe bedurfte, das war ja ein Kinderspiel! Nun, es ist besser so, der Halsschmuck entgeht mir nicht, und auch Sie sollen ihren An-theil haben, Fräulein Meinhold, obgleich ihr be- kanntes impertinentes Lächeln mir abermals einen Streich hätte spielen können. Ich muß mir das für künftige Fälle ein für alle mal verbitten, oder ich muß wieder einmal Klage über Sie bei dem Grafen führen — das merken Sie sich. Doch hiermit sei die Sache für heute abgethan, um des guten Erfolges willen sei Ihnen verziehen. Ich will heute überhaupt gar nichts mehr von dem Geschehenen hören — beschäftigen wir uns mit dem Abend und mit unserer Toilette. Ich werde die blaßrothe Seidenrobe mit dem Tüllüberwurf an» ziehen, das kleidet mich vorzüglich, und dann bin ich wieder einmal die „blaue Gräfin". Ah, gut, daß ich daran denke, ich hätte schon gestern daran denken sollen, mein Boudoir muß in anderer Farbe erscheinen, neue Tapeten, neue Ueberzüge, Vorhänge u. s. w. sind durchaus uöthig. Uebrigens finde ich, daß der Graf in letzterer Zeit gerade nicht sehr freigebig gewesen ist; doch hoffe ich, daß diese Afsaire mir noch etwas Besonderes ein-bringen wird." Fräulein Adele trug sich seit gestern mit einer ganz besonderen Absicht, aber so redselig sie auch sonst war, so war sie in diesem Falle doch zu klug, um sich zu verrathen. (gurtfclnuiii folgt.) die auf eine Erhöhung der Einnahmen hinaas-laufenden Steuervorlagen der Regierung in Bausch und Bogen zu genehmigen. Brauchte man nur zur Beseitigung des Deficits eine Vermehrung der Steuerlast zu dekretieren, so wäre damit die brennendste wirthschaftliche Frage allerdings sehr bald gelöst. Leider geht aber die Geduld des Steuerbürgers nur bis zu einem bestimmten Punkte. Dieser Punkt ist bei uns bereits erreicht und darf daher keineswegs Mehrbelastungen, sondern einzig und allein Ersparungen das Endziel einer verständigen österreichischen Wirthschastspolitik sein. Die russische Presse und die deutschen Ostseeprovinzen. Der deutsch-russische Zeitungskrieg hat auch den alten Vorwürfen wieder Geltung verschafft, daß sich die baltischen Provinzen dem russischen Wesen noch immer nicht in der Weise accommodieren wollen, wie cs im Sinne der großrussischen Partei ist. Vor länger als dreißig Jahren waren es die Slavo-philen, welche ihre Stimme für die Russificierung dieser Provinzen und ganz besonders gegen das deutsche Element erhoben; ihre Zeitungen schürten durch maßlose Angriffe das Feuer. Und was ist erreicht worden? Man hat in den treuesten Provinzen des Reiches ein Element ins Leben gerufen, welches denselben bis dahin unbekannt war, — das Mißtrauen gegen die Regierung. Dieser Kampf dauerte fort, bis die streitenden Parteien von oben zur Ruhe verwiesen wurden. Wir müssen nun freilich das Bestreben der Regierung nach staatlicher Einheit billigen und können nicht umhin, zuzugeben, daß manches Veraltete, Ungerechte, Mittelalterliche, mit der Zeit in Widerspruch Stehenden die Reform i» den baltischen Provinzen zur Nothwendigkcit machte; aber diese Zustände waren für die national-russische Partei nur ein Vorwand zu dem Kampfe, welcher in der That gegen das Deutsche: gegen deutsche Sitte und Sprache, gerichtet war. Die Mittel, welcher man sich damals zur Russificierung und Bekehrung der Letten und Esthen bediente, die Versuche, auch heute noch den Rassenhaß derselben gegen die Deutschen zu schüren, erscheinen weder vor dem Richterstuhle der Staatsklugheit noch der Humanität gerechtfertigt. Die Reform in der Städte-Ordnung und die noch schwebende Einführung des neuen Gerichtsverfahrens haben der russischen Presse Veranlassung zu neuen Angriffen — und hier ganz offen gegen die, Deutschen gegeben, indem die russische Partei in Verbindung mit Letten und Esthen gegen diese auftrat. Trotz dieser Verschmelzung sind die Deutschen in den Städten in den Hauptsachen Sieger geblieben. Der Einführung der russischen Sprache in Schulen und Gerichten können sich die Deutsche« freilich nicht widersetzen, doch damit geschieht dem deutschen Elemente noch kein Abbruch. Die Ruhe ist nur eine kurze gewesen, und es scheint, als ob der Haß und die Mißgunst, welche sich in einem Theil der russischen Presse in den lächerlichste» Anschuldigungen gegen Deutschland aussprechen, auch auf die baltischen Provinzen übertragen werden; wenigstens leisten Blätter, wie die »Nene Zeit" u. a., darin fast Unglaubliches. In den Angriffen, welche neuerdings gegen die Deutschen in den baltischen Provinzen wieder zur Tagesordnung werden, wird u. a. folgende Frage gestellt: »Wie kann sich dem Geiste unseres Jahrhunderts zuwider eine geringe Zahl deutscher „Einwanderer" >n ihrer Abgeschlossenheit und Entfremdung in den baltischen Provinzen halten?" Der Name „Einwanderer" — eigentlich meint man „Hergelaufener", geradeso wie bei uns in Krain, — ist ein beliebtes ^tichwort der russischen Blätter, welche nicht zu Msen scheinen, daß Riga schon eine reiche Handels-Manie der deutschen Hansa, und zwar nicht auf Mischern Grund und Boden war, als der Groß-pst Johann Kalita das große Dorf an der Mos-8u zu einer Stadt zu machen anfing. * * * Nach einlaufenden telegrafischen Berichten hat die österreichische Militärkommission am 30. v. M. unter türkischer Escorte die Grenze des Paschaliks Novibazar überschritten. Offieiöserseits wird die Bemerkung hinzugefügt, daß der Vormarsch auf keinen Widerstand stößt und daß man sich der Hoffnung hingibt, daß auch die nachrückenden österreichischen Truppen die Limlinie unbehelligt besetzen werden. vermischtes. — ReligiöferWahnfinn. Der 22jährige Schneidergehilfe Michael Ramharter, zu Großhaselbach in Niederösterreich gebürtig und Neulerchenfeld, Brunngasse 26, in Arbeit stehend und wohnhaft, zeigte gestern früh Spuren von religiösem Wahnsinn. Mit einem feiner Ansicht nach mit Weihwasser gefüllten Glase eilte er auf die Neulerchenfelder Hauptstraße, bespritzte mit der Flüssigkeit einen jeden der Passanten, dabei die Worte rufend: „Ich er-theile den Segen, cs kostet nur 30 Kreuzer." Der Unglückliche ist von der fixen Idee befallen, vom Teufel geholt zu werden, begehrt stets Weihwasser, betet unaufhörlich und ruft zuweilen: „Jetzt bin ich gerettet, ich komme ins Himmelreich!“ Zwei Passanten brachten den Irren auf das Polizeikommissariat in Ottakring. Anfangs verhielt er sich ruhig, später wurde er aber plötzlich tobsüchtig, weshalb ihm die Zwangsjacke angelegt werden mußte. Er wurde in die Landesirrcnanstalt abgegeben. — Hinrichtungen in Odessa. Ans Odessa, 22. d, schreibt man der Berliner „Post" : „Heute früh wurden hier drei nihilistische Verschwörer, die Edelleute Tschubaroff und Lisogub, sowie der Beamtensohn Dawidenko durch den Strang gerichtet. Zwei andere Verbrecher, der ehemalige Bootmanns-Mat Logowenko und der Israelit Wittenberg, sind nach Nikolajeff gebracht worden, wo sie morgen dieselbe Strafe auf der Stelle, wo sie ihr Verbrechen planten, erleiden werden. Diese beiden hatten nämlich im August des vorigen Jahres alle Vorbereitungen getroffen, um den Kaiser, welcher am 30. August in Nikolajeff erwartet wurde, auf dem Wege vom Ankerplatz nach der Stadt in die Luft zu sprengen. Durch die lobeuswerthe Wachsamkeit der Polizei wurde das Verbrechen vereitelt, und am 16., zwei Tage vor der Ankunft Sr. Majestät, waren die Bösewichte diegsest gemacht. Man fand bei ihnen alle Beweise des so glücklich vereitelten Verbrechens. Die anderen 23 Angeklagten Nihilisten sind ebenfalls alle vcnirtheilt worden, einige zu 10, 15, 20 Jahren und vier zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. Unter diesen Leuten befindet sich ein junger Midshipman der Schwarzmeerflotte, Kaliushuy, welcher durch Frauenzimmer und allerhand Jutrignen in die nihilistische Verschwörung hiueingezogen war. Als er während des Prozesses hörte, daß seine Mitverschwörer meist wegen Dicbstahls und Betrugs bestrafte Leute waren, bedeckte er fein Gesicht mit beiden Händen und rief laut: „Mein Gott, in welche Mistgrube bin ich hineingefallen!" Unter den anderen Verbrechern befinden sich drei junge Frauenzimmer, ein Küstersohn, zwei desertierte Matrosen, zwei Studenten, acht Juden u. a. m., eine sehr gemischte Gesellschaft. Der alte Vater einer der Inden, welcher längere Zeit von unserer Stadt abwesend war, eilte auf die Nachricht, daß sein Sohn verhaftet fei, auf das MilitärgerK’t und fragte: warum man feinen Sohn eingesperrt halte! Als man ihm erwiderte, daß der Sohn wegen politischer Propaganda unter Gericht stehe, meinte der Alte, welcher das Fremdwort nicht verstand, „das hat nichts zu sagen, er wird wol wieder einige silberne Löffel im Wirths-hause gestohlen haben!" Lokal-und Provinzial-Angelegenheiten. — (Ein Wort an den Minister.) Heute trotzig und keck — morgen voll Wohlwollen gegen die Regierung. Das sind die beiden Pole, zwischen welchen unser bedeutendstes nationales Organ hin und her schwankt, wie das Pendel einer Uhr. Hat das an anderer Stelle in seinen Erfolgen berührte Orakel der „Novice" den Trotz des „SlovenSki Narod" in sanftere Bahnen gelenkt, oder kommt diese durch die neueste Nummer des „Slovenski Narod" conftatierte Wendung lediglich auf Rechnung der dunklen Reminisccnzen an jene Tage unmittelbar nach den Wahlen zu stehen, in welchen sich „Slovenski Narod" schon ganz als RegierungSorgan fühlte? — Wir wissen es nicht! Genug, daß „Slo« venski Narod" den Linzer Abgeordnetentag als eine Demonstration gegen die Regierung denunciert und die Regierung auffordert, derartige Versammlungen polizeilich zu verbieten. Wir bewundern die con« stitntionelle Zartfühligkeit des nationalen Blattes, welches eine Versammlung gewählter Volksvertreter nöthigenfalls durch Grundwächter sprengen möchte, können ihm aber die Versicherung geben, daß es einem Ministerium Lasser niemals eingefallen ist, gegen die Versammlungen nationaler Vertrauensmänner mit Polizeigewalt einzuschreiten. Die Frage aber, was wol das Ministerium Lasser gethan haben würde, wenn von nationalen Abgeordneten eine ahn* liche Versammlung wie die Linzer einberufen und abgehalten worden wäre, ist völlig überflüssig, da ihre Beantwortung bereits thatsächlich gegeben wurde. Völlig unverständlich ist uns aber, wie man die Sprengung einet Versammlung von Abgeordneten deshalb als eine Demonstration gegen die Regie* rung bezeichnen kann, weil auf ihr von der bedenklichen politischen Situation die Rede war Unseres Wissens wird eine Besprechung in diesem Sinne in allen politischen Vereinen geduldet, so lange sich die diesbezüglichen Debatten nicht im Fahrwasser von Aufreizungen gegen die Regierung bewegen. Was aber dem gewöhnlichen Bürger gestattet ist, das soll den berufenen Vertretern der Bevölkerung verwehrt sein? Wir verstehen diesen Gedankengang nicht, ausgenommen denn, wir ziehen die Sorgfalt in Betracht, mit welcher „Slov. Narod" das Ministerium Taaffe vor jeder Schwäche gegen die Verfassungspartei warnt. Wenn es dem nationalen Blatte nach ginge, müßte nämlich Graf Taaffe feine Stärke in sofortiger Maßregelung aller verfassungstreuen Kundgebungen an den Tag legen. Und weil er das unter feiner Würde hält, richtet „Slovenski Narod" ein warnendes Wort an den Minister, die liberalen Schreier nicht auf feinem Nacken tanzen zu lassen. Wir glauben kaum, daß dem Grafen Taaffe der „Slov. Narod" zu Gesicht kommt. Sollte es aber doch der Fall fein, so sind wir überzeugt, daß der Ministerpräsident mit stillem Lächeln eine Warnung beiseite legen wird, welche lediglich im blinden Hasse gegen die Verfassung und deren Anhänger ihren Quell und ihre Ursache besitzt. — (Nationaler Federkrieg.) Zwischen den „Novice" des Dr. Bleiweis und dem „Slovenec" des Reichsrathsabgeordueten Klun ist eine Fehde ausgebrochen, welche ihren Grund in der Aeußeruug des erstgenannten Blattes besitzt, daß die Vertreter des Volkes einzig und allein berufen und kompetent feien, die Forderungen der Nation zu formulieren. Bekanntlich war dieses vom Vater der Nation ausgegangene Communiqne ein Seitenstück zu einer Erklärung des Rieger’schen Leiborgaus. welches ganz übereinstimmend mit der Kundgebung der „Novice" erklärt hatte, daß man sich um die Forderungen der nationalen Presse nicht zu kümmern brauche und daß dem Vertrauensmännerklub allein das Recht zustehe, namens der Nation Wünsche aus-zusprechen und Vereinbarungen zu treffen. Hier wie dort fühlte man, daß durch ein allzu ungestümes Fordern wenig oder gar nichts erreicht sei, und wollte daher der Hochflut nationaler Forderungen einen Damm gegeuüberstcllen. Der „Slovenec" hat das jedoch sehr ungnädig vermerkt und kanzelt die „Novice" deshalb herunter, daß sie der slovenischeu Journalistik, welche so viel für den nationalen Fortschritt gethan, einen Fußtritt versetzen wolle. Allenthalben hersche Preßfreiheit, nur in Böhmen und Slovenieu solle es anders fein. WaS das Prinzip anbelangt, können wir nicht umhin, zuzugcstehen, daß der „Slovenee" im Rechte ist, wenn er sich gegen die Unfehlbarkeitsanwandlungen einzelner Führer auflehnt. Aber weder Rieger noch Bleiweis wären auf den Gedanken verfallen, sich als politische Götter der Nation zu betrachten, wenn ihnen die nationale Presse nicht allzu freigebig Weihrauchspenden dargebracht hätte, lieber die Folgen eigenen Verschuldens zu klagen, hat aber niemand das Recht. Interessant ist es für alle Fälle daß der erste Protest gegen die unbedingte Autorität des „Vaters der Nation" vom „Slovenec" ausgeht, also von einem Blatte, dessen klerikale Proteetoren der politisch-religiösen Richtung des Dr. Bleiweis gewiß näher stehen, als die freilich schon seit geraumer Zeit vergessenen liberalen Anwandlungen des „Slo-veNski Narod." Daraus 'erhellt aber auch, daß die echtsärbigen Ultramontanen sich zwar gerne der Nationalen bedienen, um ihre Souderziele zu erreichen, daß sie aber weit davon entfernt sind, ihre ganze Partei dem unbedingten Kommando des einen oder des anderen nationalen Führers unterzuordnen. — (Die städtische Musikkapelle) konzertierte gestern im Restaurationsgarten zum „Stern" und gab bei diesem Anlasse einen erfreulichen Beweis, daß ihr Kapellmeister Herr Zörner eifrigst bestrebt ist, mäßigen Ansprüchen so viel als möglich Rechnung zu tragen. Bei dem Umstande, als der Mangel einer Musikkapelle in Laibach schwer genug empfunden wird, wäre es unbillig, wenn man dem Bestreben, diesem Mangel abhelfen, anders als fördernd gegenübertreten würde. Kein Baum fällt auf einen Streich, und hat auch Herr Zörner bei seinem Unternehmen noch mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen, so darf er sich dabei doch mit dem Bewußtsein trösten, einem nicht allzu anspruchsvollen Publikum gegenüber zu stehen, das kleine Gebrechen gewiß gerne übersieht, wenn es sich nur überzeugt, daß ein redliches Streben nach Besserem und Vollendeterem vorhanden ist. Wie man uns mittheilt. gedenkt Herr Zörner noch ein oder das andere Konzert auf der Schießstätte zu veranstalten. — (Laibacher Turnverein.) Infolge Einladung des Cillier Turnvereins unternimmt der hiesige Turnverein am 8. September einen Ausflug nach Markt Tüsfer, woselbst ein von beiden Vereinen gemeinschaftlich auszuführendes Schauturnen stattfindet, dessen Reinertrag dem Schulpseunig von Tüsfer gewidmet ist. Witterung. Laibach, 1. September. Morgens Nebel, dann heiter, Höhenrauch, mäßiger Ost. Wärme: morgen« 7 Uhr + 18'1", nachmittags t Uhr + 27-6" 0. (1878 + 22-6°; 1877 + 18'1" C.) Barometer 738 08 Millimeter. Das vorgestrige Tagesmittel der Wärme + 213°, das gestrige + 221°, beziehungsweise um 3-9° und 4'8° über dem Normale. Verstorbene. Den 30. August. Georg Krasovic, Pens. Pfarrer, 87 I., Kuhthal Nr. 11, Marasmus.i Den 31. A u g ii ft. Sofie Sperling, Schriftsctzers-tochter, 4 Mou., Polanadamm Nr. 12, acuter Magen- und Darmkatarrh. — Rudolf Siegel, Magaziusaufscherssohu, 3 Mon, Fabriksgasse Nr. 2, Magen- und Darmkatarrh. — Antonia Lamptt, Hausbesitzerstochter, 7'/, Mon., Jlovca Nr. 7, Brechdurchfall. — Franz Sustar, Kommissionärs lohn, 3 I., Chröngasse Nr. 6, Scrophulose. Im Zivilspitale: Den 30. August. Franz Pokorn, Wagnerssohn, 2 I., Lungentuberculosc. Angekonlmene Fremde am 31. August. Hotel Stadt Wie». Kette s. Gemahlin, Oberlaibach. — Menkes, Kfm., und Weber f. Frau, Wien. -- Sander, Adjunet, Graz. Hotel Elefant. Mahoritfch, k. k. Strafaustaltsdirektor, und Rumer, k. k. Notar, Capodistria. — Hafner, Hdtsm., Feistriz. — Edler v. Garzarolli, Senosetfch. — Kozelj, Gymnasialpräsect an der k. k. Therefianischen Akademie, Wien. Hotel Europa. Strömer, Agent, Villach. — Dr. Frank, Agram. — Holdhaus, Kfm., Hamburg. Mohren. Pinter, Kleidermacher, Villach. — Lantizar und Bohinz, Unterkrain. — Stifter, Wien. Baierifcher Hof. GloboSnik, Reumarktl. — Pokorny, k. k. Major, Cilli. — Marangoni, Bahnbeamter, s. Gemahlin, Triest. Sternwarte. Strnisa und Derganz, Lederer, Töpliz. — JanGi! und Podobner, St. Veit. — Lemnt Franziska und Likar, Jdria. Kaiser von Oesterreich. Pauser, Student, Niederdors. — Perz, Student, Gottschee. Lebensmittel-Preise in Laibach am 30. August. Weizen 8 fl. 94 kr., Korn 5 fl. 53 kr., Gerste 4 fl. 39 kr., Hafer 2 fl. 76 kr., Buchweizen 5 fl. 20 tr., Hirse 4 fl. 23 kr., Kukurutz 5 fl. — kr. per Hektoliter; Erdäpfel 3 fl. — kr. per 100 Kilogramm; Fisolen 8 fl. — kr. per Hektoliter; Rindschmalz 85 tr., Schweiufetk 75 (r., Speck, frifcher 56 tr., geselchter 60 kr., Butter 75 kr. per Kilogramm ; Eier 2 kr. per Stück; Milch 8 kr. per Liter; Rindfleisch 58 kr., Kalbfleisch 56 kr., Schweinfleisch 58 kr., Schöpsenfleisch 32 kr. per Kilogramm; Heu 1 fl. 60 kr., Stroh 1 fl. 51 kr. per 100 Kilogramm; hartes Holz 7 fl. — kr., weiches Holz 5 fl. — kr. per vier C.-Meter; Wein, rother 20 fl., weißer 16 fl. per 100 Liter. Gedenktafel über die am 3. September 1 8 7 9 stattfindenden Licitationen. 3. Feilb., Prudii'fche Real., Niederdorf, BG. Loitsch. 3. Feilb., Makek'sche Real.. Scvca, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Zvigelj'fche Real., Niederdors, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Logar'sche Real., Zerovuic, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Meden'sche Real., Zirkniz, BG. Loitsch. — 1. Feilb., Kristan'sche Real., Mose, BG. Krainburg. — 3. Feilb., Stibil'sche Real., Ostja, BG. Wippach. — 3. Feilb., Biz-jak'sche Real., Slap, BG. Wippach. — 3. Feilb., Logar'sche Real., Oberdorf, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Debevc'sche Real., Slavinje, BG. Senosetfch. — 1. Feilb., Jankoviö'sche Real., Brezovie, BG. Laibach. — 1. Feilb., Potlar'sche Real., Gobnik, BG. Littai. — 1. Feilb., Milave'fche Real., Kervoglance, BG. Möttling. — 1. Feilb., Podobnik'fche Real., Viniverh, BG. Littai. — 1. Feilb., Groznit'sche Real., Veit, 58(8. Littai. — 2. Feilb., Valjavcc'fche Real, Zvirke, BG. Reumarktl. — 2. Feilb, Kuniii’jche Real., Steniene, BG. Reumarktl. — 2. Feilb., Jeras'fche Real., St. Katharina, B@. Reumarktl. — 1. Feilb., Jekler'sche Real., Wocheinervellach, BG. Radmannsdorf. — 1. Feilb., Golobar'sche Real., Reze, BG. Littai. — 2. Feilb., Tnr-Sii’fche Real., Niederdors, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Mar-tinü£'fd)c Real., Seedors, 58®. Loitsch. — 3. Feilb., Mn-sec'sche Real., Eevea, BG. Loitsch.— 3. Feilb., Hodnik'sche Real., Oberdorf, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Pozlep'sche Real., PleZivca, BG. Laibach. — 2. Feilb, Prebiv'sche Real., Dobrava, BG. Laibach. — 2. Feilb., Kcrnc'fche Real., Sufcha, BG. Laibach. — 3. Feilb., Zibert'fche Real., Ober-fkopiz, BG. Landstraß. — 2. Feilb., Rakove'fche Real., Zadraga, BG. Reumarktl. Telegramme. (Original »Tele gr. des „Laib. Tag bl.") Linz, 31. August. Die in Linz versammelten, sämmtlichc» Fraktionen der Berfassnngs-partei angehörigen 77 Abgeordnete» spreche» als ihre Ueberzeuguug aus: Die staatsrechtlichen Grundlagen des Reiches wie die in der Bersas-suug und ihren Ausführuugsgesetzeu begründeten kulturellen und freiheitlichen Institutionen sind unversehrt zu erhalten; nnr in diesem Rahmen kann den Forderungen nach erweiterter Befriedigung uationaler Wünsche stattgegeben werden. Die Ordnung im Staatshaushalte ist durch Sparsamkeit in allen Zweigen der Verwaltung, vor allem aber durch die mit der Wehrhaftigkeit des Reiches vereinbarliche Herabminderung des Heeres-anfwandes ernstlich anzustreben. Den während der Wahlbewegung in Stadt und Land erhobenen Forderungen nach Maßgabe der Gesetzgebung und Berwattnng, so weit solche eine Besserung der wirthschaftlichen Lage herbeizuführen vermögen, ist auch durch Initiativanträge sofort Rechnung zu tragen. Ein Comit^ wurde beauftragt, beim Zusammentritte des Reichsrathes sämmtlichc, der Berfassnngspartei augehörige Abgeordnete einzuberufen, um in diesen Richtungen ein einheitliches Borgehen herbeizuführen. 51 Abgeordnete haben ihr Ausbleiben entschuldigt. Schmerzerfüllt geben wir die traurige Nachricht, daß die liebe Gattin, refp. Schwester und Tante, Frau lofefuie v. fing gek. o. Äurnl nach langem, sehr schmerzvollem Leiden heute morgens um 4 Uhr im 52. Lebensjahre verschieden ist. Das Leichenbegängnis findet Dinstag, den 2. d. M., um 6 Uhr nachmittags vom Trauer-Haufe Hauptplatz Nr. 1 aus statt. Die heil. Seelenmesse wird in der Pfarrkirche gelesen werden. Laibach am 1. September 1879. Leopold v. Lingg, k. k. Major in Pension, Gatte. Antonia v. Bogyai,, Schwester. Eduard von Lingg, Vineenz v. Bogyay, Neffen. Jda von Bogyaq, Nichte. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere aber der Laibacher und der Rudolsswerther freiwilligen Feuerwehr, welche sich am Leichenbegängnisse des zu Rudolfswerth dahingefchie-denen Herrn Cark üditjcfim betheiligt haben, sowie den Spendern der schönen Kränze sagen den innigsten Dank die trauernde» Hinterbliebenen. Fichten- und Tannenholz-Stangen mit »nd ohne Rinde bei (362) Kmit Wühler sen. Wiener Börse vom 29. August. Allgemeine Staats- Papierrente............ e>ilberrente........... Holdrente.............. tztaatSlose, 1854. . . * 1860. . . * 1860 zu 100 fl. * 1864. . . 6rund*nt(uftungs- ©foligutionen. Galizien............... Siebenbürgen . . . Temeser Banal . . . Ungarn ................ Ander« öflenttitfie Anteilen. Donan-Regul.-Lose . Ung. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . Mctien v. Sanken. Kreditanstalt f.H.u.G. Nationalbank........... Geld 65-95 67 95 78 80 114— 124 — 125-75 158 25 91 -86 — 87 50 IDaiv H6'06 68-05 78-90 115 124 25 126-25 158 51 9150 86 50 85 107 90 98*— 111 75 255— 822' Hctien v. (transport-tinUnwhmungtn. Mföld-Bahn............ Donau - Dampfschiff* Elisabeth-Wefibahu . KerdinandS-Nordb. , Franz-Iofeph-Babn . Galiz.Marl-Ludwigb Lemberg - Lzernowitz -Lloi)d'Gesellfchaft . . 133-25 572 175 — 2200 143 25 232 — 1(820 98 5' 112-25 255 10 824 133 76 574 175*50 2205 143-75 232 50 134-50'135 576 —>578 - Nordwestbabn ... NudolsS-Bahn . . . StaatSbahn .... Südbahn............. Ung. Nordoftbahn . Pfandbriefe. Bodenkreditanstall in Gold ............ in österr. Währ. . . Nationalbank.... Ungar. Bodenkredil- j)rioritüt»-Oölig. Elisabethbahn, l. <5m Ferd.-Nordb. i. Silbe» ranz-Ioseph-Bahn. _-aliz.K-^udwigb,i.E. De ft. Nordwest-Babii Siebenbürger Bahn SlaatSbahn, 1. Em. Südbahn & 3 Per;. * 5 „ . privatlvfe. kreditlose ......... rttudolfslose .... Devisen. 116 -100--1011 Geld Ware 124— 124-50 132 — 132-50 270 75 271-25 87— 87-50 125 — 125-50 99 50 100 11650 100-50 101 30 t'onbon Aekdforten. Dukaten............ 20 Francs .... 100 d. Reichsmark Silber............. 96 — 104-50 80 103- — 95*80 71-30 168 50 120 75 102 — 16850 18- 117-70 5 61 9 33»/, 57 70 100 — 96-50 105 — 94-20 103.50 96 20 71 70 169*50 12125 102*50 169 — 18 25 117*85 5*52 9 34% 57-75 ICO— Telegrafischer Kursbericht am 1. September. Papier-Rente 66 30. — Silber-Rente 68'—. -Rente 79-20. - 1860er Staats-Anlehen 123-60. — Bank-actien 822. — Kreditactien 266'80. — London 117 95. — Silber —. — K. k. Münzdukaten 6 57. — 20-Francs-Stücke 9-36. - 100 Reichsmark 57 90. Druck von Jg. v. Klcinmayr & Fed. Bamberg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Hans Kraus.