MARBURGERZEITUNG AMTLICHES ORGAN DES ▼•rlu und fleferiftlaitMig Mafbiin a. d. Draa, BwlMaM Nr. t, Ftnraf >•68 und K-M. Ab IB Uhr (Uglteo aufiar Samstag) tat dl« SehnflMtung aar anfPararar Nr. arrelehbar, Davarlaagt« ZuaehHftcn werdaa Bient rttekgMaDdl. Bei aAnUlcbea AafragOB tal d^ Htekporlo betsaiafiaB. PoataehaoklioDto Wlaa Nr. M.ttUS. OeMMftaataUao la dlU, Harbtplats Mr. Panrwlir. 7, aäd ia Pattau, OBgartorgaaae Nr. t, Pamm/ Nr. Ii. STEIRISCHEN HEIMATBUNDES Ineheint «arktlglleh ala MorKaaaaHaaf. B«tafaprali (te Taraaa lahlbar) aioaatUflh RM t.lO «tnaehliaauek 19.8 Rpf PoiUaltuoftagebOhr. Llafamag Im Sratfbaad «uQglleh Porto, bai Ahholmi ta dar QeachlftaMtella RM 2.—. Allrelch riareh Poat monatlich RH 2.10 (ainaohliaBlIab 19.^ Rpf PoatuUun)i<'^bdhr) und ■% Kpf ZuataU-Reb&hr. BlDselnummam werdaa aar gagaa VorataaaBdaag daa Mawalpratoaa und der Portoaualaffan lugaaendat. Nr. 328 ^ 84. Jahrgang Marburg-Drau, Samstag, 25. November 1944 Bis 40000 Schu§ auf ein einzelnes Dorf Die 12. USA.-Armee soltte alles Oberrolleii — im Abwehileuer der deutschen Divisionen aufgefangen PK Im Westen, Ende November ' Als die schmale Mondsichel über den nebelverhangenen Talgründen der Roer und ihrer Kebenflüßchen Inde und Wurm emporstieg und die Schleier der Nacht sich auf die blutende Erde zwischen dem dichten Bergwald von Hürtgen und der Icleinen Industrie- und Ackerstadt Geilenkiirchen Im Norden senkten, hat sich die Orkangewait der großen Schlacht wieder einmal für Stunden ausgetobt Nur das Übliiche Störungsfeuer und plötzlich aufbrüllender Granatenwirbel der Feuerüberfälle hämmern welter auf die Bauemdörfer und Grubensiedlungen des Aachener „Kohlenpotts". Es ist Dienstag, der 21. November. Der ■Ichste Tag der großen Abwehrschlacht bei Aachen ist zu Ende gegangen. Wer dem lärmenden Pulsschlag dieser Materialschlacht tMg-hch gelauscht hat. der meint zu verspüren, daß dem verheerenden Unwetter, das mit Bldtz und Donner alles Lebende zu verschlingen drohte, die Hauptkraft erst einmal genommen Ist, auch wenn die Schlacht mit aller Erbitte-run«? weitergeht. Der Beginn dieser dritten Schlacht hat sich als ein unvergeßliches Bild eingeprägt. Nach kalten Nächten, die mdt Schnee und Reif die Vorberge der Eifel südwestlich von Düren winterlich verwandelt hatten, bis Regen und Schneeschlick die Waldwege des ^st undurchdringlichen, seit vielen Wochen heiß umkämpften Forstes von Hürtgen tief verschlammten, fing die Sonne am Donnerstag, dem 18. November, wieder an einem heiteren, fast wolkenlosen Himmel auf. Wir standen mit dem Führer einer hier eingesetzten Infanteriedivision auf der Serpen-tinenstraße zwisqhen Großhau und Gey. die nach Düren führt, und wechselten ein Rad, das «in GranatsnUtter «uf der ständig unter Feuer liegende Besatzung durchschlagen hatte. Die Bombenwalze begann Wieder gelangen den Amerikanern mdt der Übermacht ihrer Panzerrudel und unter der Feuerglocke stundenlangen Trommelfeuers von einer unvorstellbaren Granatendichte — bis zu 30.000 und 40 000 Schuß auf manches umkämpfte Dorf (!) Einbrüche in die deutsche Hauptkampflinie. Aber immer wurden diese Einbrüche wiederum — manchmal erst nach Führerhauptquartier, 24. November Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: ,Jm verkleinerten Maasbrückenkopf südöstlich Heimond haben unsere Grenadiere in den letzten Tagen zahlreich« englische Angriffe abgewiesen. Die schwere Schlacht im Raum von Aachen stand gestern im Zeichen eigener erfolgreicher Gegenangriffe auf dem gesamten rechten Flügel unserer Abwehrfront. Grenadier«, Volksgrenadiere und Panzertruppen eroberten eine Reihe von Ortschaften wieder und säuberten sie vom Feinde. Nordamerikanische Angriffe, die in der Mitte und am link^ Flügel dieses Kampfraumes mehrere Male vorgetragen wurden, brachen in unserem Feuer zusammen. Nur bei und südöstlich Eschweiler konnte dör Feind geringfügig in unser Kampffeld eindringen. Im Raum von Metz halten sich die Besatzungen mehrerer Befestigungsanlagen weiterhin gegen heftige feindliche Angriffe. In Ostlothringen hat sich die Lage bei lebhafter örtlicher Kampftätigkeit nicht wesentlich verändert. Beiderseits der unterm Vogesen fingen unser« Truppen vor-dringenden Gegner buf und warfen ihn in Gegenangriffen zurück. Von Zabem aus ist es einer feindlichen Panzergruppe gelungen, unsere Sicherungen zu durchstoßen und in die Stadt Straßburg einzudringen. Gegnerische Angriffe vor der Burgundischen Pforte wurden zerschlagen, der Sperriegel unserer Truppen an der Schweizer Grenze durch kräftige Vorstöße verstärkt Die im Raum Mülhausen abgeschnittenen feindlichen Kräfte versuchten vergeblich nach Westen und Nordwesten auszubrechen. Eigene Gegenangriffe aus dem Raum südöstlich Mülhausen sind in gutem Fortschreiten. Großlondon und die Industriebezirke von Lüttlch lagen bei Tag und Nacht unter stärkerem Fembeschuß. Am Ostrand des Etruskischen Apennin rannte die 8. englische Armee mit der zusammengefaßten Masse ihrer Kräfte unter starkem Materialeinsatz gegen eine einzige deutsche Division an und versuchte, den entscheidenden Durchbruch in die Ebene von Romagna zu erzwingen. In beispielhafter Standhaftigkeit behauptete die hier unter Führung von Oberst Grasemann eingesetzte 26. Panzerdivision mit unterstellten Verbänden den Zusammenhalt ihrer Front Die erbitterten Abwehrkämpfe gehen weiter. Auf dem Balkan zerschlugen unsere Truppen im Raum Skutari ^nd Podgorica zahlreiche feindliche Angriffe. In Südungam wiesen imsere Verbände in einer neuen Abwehrfront westlich von Apatin und Batina die mit starken Kräften fortgesetzt angreifenden Bolsche-wisten ab. Zwischen Budapest und dem Matra-gebirge brachen auch gestecn alle von zahl- Berlin, 24. November Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Korvettenkapitän Albrecht Brandl, Kommandant eines U-Bootes, als 22. Soldaten der deutschen Wehrmacht. < \ Brandl hat in einem Zeitraum von fünfzehn Monaten, während die U-Boot-Abwehr des Gegners immer stärker wurde, drei feindliche Kreuzer, 12 Zerstörer und JiO bewaffnete Frachter und Transporter mit zusammen 115.000 brt. versenkt und zwei Flugzeuge abgeschossen. Das entspricht der Vernichtung eines vollständigen, von Kreuzern und Zerstörern stärkstens gesicherten Geleitzuges durch einen Komnian-danten. Der dreißigjährige Dortmunder verdankt diese außergewöhnlichen Erfolge seinem persönlichen Mut, gepaart mit hervorragendem Geschick und einer bisher unerreichten Schießkunst Brandl hatte diese Eigenschaft im Mittelmeer — seinem Hauptkampfraum — zu einer derartigen Vollendung entwickelt, daß er der erfolgreichste U-Boot-Kommandant dieses drei, vier Kilometern, meist aber schon nach wenigen hundert Metern abgeriegelt Was hier die deutschen Verteidiger alle# Verbände, der Infanteriedivisionen, der Panzerdivisionen, der Panzergrenadierdivisionen und vor allem der Volksgrenadlerdivisionen an unvorstellbarem Ausharren, an eisernem Widerstandswillen und an hervorragender Tapferkeit reichen Panzern unterstützten Durchbruchsversuche der Sowjets durch die zähe Abwehr und die Gegenangriffe unserer Truppen bei wirksamer Unterstützung durch die Luftwaffe zusammen. Erneut wurden hier 35 feindliche Panzer vernichtet. Südlich Miskolcz blieben mehrere Angriffe der Bolschewisten im Abwehrfeuer liegen. Im Ostteil der Talsenke gelangen dem Gegner geringe Einbrüche. Nordwestlich Ungvar traten die Sowjets mit starken Kräften zum Angriff an. Sie wiu'den in einer Rückhaltslellung aufgefangen. Im Nordabschnitt ist die Abwehrschlacht östlich Libau bis in den Raum von Autz bei stärkstem Materialeinsatz erneut entbrannt. Alle Angriffe der Bolschewisten zerbrachen bis auf unbedeutende Einbrüche an der Standhaftigkeit unserer bewährten Divisionen. In Kurland wurden gestern 50 feindliche Panzer abgeschossen. Auf Sworbe hat sich die tapfere Besatzung gegenüber mehrfach überlegenem Feind auf die Südspitze der Halbinsel zurück gekämpft. Schweres Feuer unserer Seestreitkräfte lag trotz fortgesetzter Angriffe sowjetischer Bomben- und' Torpedoflugzeuge den ganzen Tag über auf den feindlichen Stellungen. Schwächere Verbände anglo-amerikanischer Terrorflieger warfen durch eine geschlossene Wolkendecke am Tage Bomben auf Westdeutschland und in der Nacht verstreut auf nordwest- und mitteldeutsches Gebiet." ♦ Ergänzend zum Wehrmachtbericht wird gemeldet: „In den harten Abwehrkämpfen um die Festung Metz hat das Sicherungsregiment Nr. 1010 unter Führung von Oberstleutnant Richter besondere Standhaftigkeit bewiesen. Leutnant Werner L., Kompanieführer der dritten Kompanie des Regiments, verteidigte bei einem Feindeinbruch in Bataillonsstärke mit dem Kompanietrupp und zwei Mann seinen Gefechtsstand über sieben Stunden lang gegen eine vielfache feindliche Übermacht. Das Widerstandsnest konnte von den Amerikanern erst genommen werden, als die Verteidiger sämtlich durch Tod oder Verwundung ausgefallen waren. In der Abwehrschlacht südöstlich Libau zeichnete sich das Grenadierregiment 4 unter Führung von Major von Bismarck durch hervorragende Standfestigkeit aus. Im gleichen Kampfraum hat der Stabsgefreite Eilk einer Füsilierschwadron in aufopferndem Heldentum allein einen feindlichen Stoßtrupp im Nahkampf zurückgeschlagen und hierbei vier ihn umklammernde Bolschewisten durch Abziehen einer Handgranate vernichtet wobei dem tapferen Füsilier die Hand abgerissen wurde. Im heldenhaften Kampf auf Sw«rbe hat sich die dort eingesetzte Artillerie unter Führung von Oberst Remer bei der Abwehr von mehr als 170 Angriffen des überlegenen Gegners besonders bewährt." engen, besonders stark überwachten Seegebietes wurde. Was ihn aber aus dem Durchschnitt, auch der guten U-Boots-Kommandanten, heraushebt, ist die absolute Sicherheit, mit der er seine Erfolge erzielte. Seine unmittelbar vor Gibraltar durchgeführten Operationen, über die noch keine Einzelheiten bekanntgegeben werden konnten, waren einmalig und haben der U-Boot-Waffe einen besonderen Klang gegeben. Während der erfolgreichen Feindfahrten mußte er zweimal sein Boot wechseln. Das erstemal wurde er im Operationsgebiet in einer mondheUen Nacht von zwei Flugzeugen angegriffen, von denen er eines abschoß. Di« Flugzeuge hatten sein Boot jedoch so schwer beschädigt, daß es dicht unter der Küste aufgegeben werden mußte. Der Kommandant sprengte e» mit den letzten, an Bord befindlichen ToiTjedos selbst in die Luft nachdem er zuvor die gesamte Besatzung hatte an Land schwlmmn lassen. Kurze Zeit später lief er erneut aus. Nach einem erfolgreichen Unternehmen wurde dieses Boot dyrch Bombentreffer im Hafen vernichtet Aber auch auf seinem dritten Boot blieb ihm das Soldaten-glück treu. Mit neuen Erfolgen brachte «r «• von seiner letzten Unternehmung zurück. Einzelpreis 10 Rpf geleistet haben un j noch leisten, kann nur der ermessen, der sich vorstellen kann, was es heißt, daß auf schmalem Angriffsstreifen von manchmal nur drei bis vier Kilometer, wie m dem blutig umkämpften Raum dreier Dörfer ostwärts von Geilenkirchen, über hundert schwer« Panzer eingesetzt wurden. Die Straßen von Aachen und Geilenkirchen nach Linnich, Jülich und Düren sind die Gebiete erbitterter Panzerschlachten. Geilenkirchen, seit z.wel Monaten umkämpfter Eckpfeiler in der Brandung, ging verloren. Aber die schwache Besatzung kämpft als Insel in der sie umtobenden Materialflut unter dauerndem Trommelfeuer bis zum letzten Mann einen heroischen Kampf. Di« deutsche Artilleri« In dieser Schlacht hat die deutsche Artilleri« sich wieder ein besonderes Ruhmesblatt erworben. Ihre Batterien der leichten and schweren Feldhaubitzen, der Kanonen und Würser und die Abteilungen der Werferregimenter, ständig In schweren Duellen gegen Plünderte von feindlichen Batterien, ständig angegriffen von Kampfgeschwadern und Jagdbomoern, die selbst bei schlechtem Fliegervvetter ährend des ganzen Tages über dem Schlachtfeld krrisen, tragen die Hauptlast des heldenhaften Abwehrkampfes. Als die Amerikaner am vierten Tage der Schlacht am Sonntag, dem 19. November, alles in die Waagschale warfen, was an Material eingesetzt werden konnte, als ihre Bomber ukid Jagdbomber hämmerten, die Artillerie ihr Trommelfeuer zum wildesten Granatfurioso steigerte und die Panzerrudel der ROO bis 1000 eingesetzten Panzer immer wieder fehlen die deutschen Stellungen fluteten, da steigerte &u{.h die starke deutsche Artillerie ihr Abwoh' feuer zu einem Trommelfeuer von einer Wui^nt, wie Wir es zum erstenmal wieder hier «n der Front bei Aachen erlebt hatten. Ein Volksartilleriekorps griff mit vielen Rohren erfolgreich ein. Der Lärm der Schlacht schwoll auf neiden Seiten so gewaltig an, nls ob Himmel imd Hölle sämtliche Elemente zur rasenden Empörung gebracht hätten. Es schien, als ob t.ine Steigerung nun menschenunmöglich sei. Dl« Front hielt Dieses deutsche Artilleriefeuer, in Verbindung mit dem Feuer aller anderen schweren Waffen, der Panzer und der Sturmgeschütze, der Panzerjäger und der Granatwerfer aller Kaliber, war ein stählerner Schild, über den mit wildem Fanatismus kämpfenden Grenadieren und Infanteristen, die wieder i.m di® Häuser und Straßen eines jeden Dorfes kämpften, herausgedrängt wurden, wieder slürmten. sich wieder in den Trümmern festsetzten, abermals der Ubermacht weichen mußten und erneut zum Gegenstoß antraten. Dieser Tag brachte auf unserer Seite die ipfervollston Kämpfe. Aber die sich spannende Front riß nicht durch. Sie hielt! An diesem Sonntag hatte Eisenhower alloi auf die Karte seiner Material- und Menschen-Übermacht gesetzt. Aber seine Karte ECi?en c'cn Trumpf der deutschen Führung, gegen den auf der deutschen Heimaterde über sich an Heldentum hinauswachsenden deutschen Soldaten hatte nicht gestochen. Die blutige Schlacht stampfte Innerhalb weniger Kilometer fast auf der Stelle. Di« Verlust« des Feindet In der Nacht zum Mittwoch wurde die fast umschlossene Bergwerkstadt Eschweiler geräumt, vom Feinde unbemerkt, denn bis zum nächsten Mittag trommelte bcine Artillerie t.uf die tote und verlassene Stadt. Aber der Durchbruch nach Düren, Jülich und Linnicii war wiederum verhindert. Die Pforte bei Aachen blieb verriegelt. Die Amerikaner trafen hier auf vorbereitete Stellungssysteme. Über 300 zerschossene und vernichtete Panzerwracki stehen auf dem Schlachtfeld. Die Sturmrtgi-menter der beiden amerikanischen Armeen sind ausgebrannt. Sie müssen aufgefüllt werden. Wir wissen aus Gefangenenauss^gen, daß einzeln« Divisionen bereits 60 Prozent Ersatz haben. Ihre Gefallenen zählen bereits nach vielen Tausenden. Wenn Eiaenhower heute wieder einen ersten Überschlag über Gewinn und Verlust macht, dann wird er bereits erkennen, daß der Krieg in Deutschland für Amerika sehr teuer wird, daß er weiter Tausende und aber Tausende von Soldaten kostet. Der Riegel muß halten. Das hämmert jeder Pulsschlag der Front Kriegsberichter Fritz Lucka. Aufnihr im römischen Stadtgefängnia rd Bern, 24. November Im Stadtgefängnis von Rom kam es am Donnerstag erneut zu schweren Zwischenfällen. 500 Personen, die als „politische Gefangene" dort eingesperrt waren, konnten sich befreien. Als sie am HauptportsB des Gefängnisses standen, trafen nach der englischen Darstellung 300 Karablnieri-Polizeitruppen ein, di« sofort auf die Gefangenen das Feuer eröffneten. Es gab Tote und Verwundete. Zur Zeit halten die Gefangenen das Dachgeschoß des Gefängnisses besetzt, wo sie regelrecht belagert werden. Die Gefangenen beklagten sich über Hunger, auch darüber, daß man es nicht einmal für notwendig gehalten habe, sie seit Monaten auch nur «in «inziges Mal zu v«rhär«n. Plötzlich zog über uns das bekannte Gedröhn der amerikanischen Großbomber hinweg. Es war genau 11 Uhr 15 Minuten. Ein weißer Strich fiel wie von Geisterhand vom Himmel und noch einer. Die Zielmarkierungen für die folgenden Bombergeschwader, di« zu Hunderten über die Straße nach Norden achwenkten. Die Erde wurde weithin von den Bombenwürfen erschüttet, wie durch ein Erdbeben. Wir sprangen in ein Forsthaus neben der Straße, das allein vom Luftdruck in seine Grundfesten erzitterte, als wolle es jeden Augenblick zusammenstürzen, über die Hügelketten im Norden, da, wo wir die Front um Stolberg wußten, sprang der dichte Rauch der pausenlosen Explosionen hoch. Als die ersten Zielfinger mit dem Winde wegstieben, wurden neue FÜchtstreifen geworfen und neue Flächen-würfe rollten. Sie waren für die ganze Front das Zeichen, daö die dritte und schwerste Schlacht bei Aachen begonnen hatte. Der Bomben walze folgte ein Trommelfeuer von ungeheurer Wucht. Die 12. amerikanische Heeresgruppe zweimal im deutschen Abwehrfeuer vor und hinter Aachen unter hohen Verlusten Hegen geblieben, sollte diesmal mit allen Material- und Menschenmassen den Durch-bruch in das Roertal und damit den Eintritt in die Rheinische Ebene erzwingen. Der Raum beiderseits Aachen zwischen Maas und Bifel bot sich ihm dafür an wie eine Pforte in das Reich. Seitdem der 1. amerikanischen Armee am 21. Oktober zwar die Eroberung der Ruin« der alten Kaiserstadt gelungen, aber seinen schwer angeschlagenen Divisionen das große operative Ziel, der Durchbruch bei Geilenkirchen und Stolberg, wiederum versagt geblieben war, sollte diesmal die frisch herangeführte 9. Armee die aufgefüllte 1. Armee mit vorwärtsreißen. Seit Tagen, das wissen wir von Gefangenen, wurde unter den Soldaten der 1. amerikanischen Armee das Gerücht verbreitet, daß die 9. Armee wie eine Gespensterarmee auftauchen und'das linksrheinische Industriegebiet einfach überrollen würde. Zehn Infanterie- und Panzer-Divisionen mit acht Tloeres-Panzerabteilungen, mit Panzer- und Infanterie-Divisionen als Reserve dahinter, traten auf 70 Kilometer breiter Front an. Die deutsche Führung hatte mit diesem Großangriff seit langem gerechnet und in aller Ka'tblütigkeit die entsprechenden Abwehrmaßnahmen getroffen. Als die Panzerrudel an den alten Schwerpunkten der bisherigen Schlachten bei Geilenkirchen und Stolberg mit Infanteriemassen zum Angriff rollten, mußten sie erkennen, daß die Bomberwalze und das Trommelfeuer die Kampfkraft der deutschen Divisionen nicht gebrochen hatten. Nach dem Gesetz, daß Schweiß Blut spart, bewährte sich das in diesen Wochen gründlich ausgebaute deutsche Stellungssystem mit den Rundumverteidigungen um einzelne Ortschaften. Das Gesicht der dritten Schlacht ähnelte äußerlich sehr dem, der zweiten, nur in allen Maß-sf^ben vergrößert. Wie damals um Aachen so ichQb sich Jetzt um die Industrie- und Kohlenstadt Eschweiltlr Im Tal der Inde, nmd 15 km ostwärts AocMen, die Znnge der Angriffsflügel. Die Brillanten für einen U-Bootkommandanten Korvetten-Kapitän Brandis Versenkungserfolge: Ein Geleitzug Erneute Abwehrschlacht bei Libau Ortschaften bei Aachen zurückerobert Die Vogesenkämpfe s Seite 2 Nr. 328 * Samstag, 20. November 1044 ' I MARBLRGER ZEITUNti Das Eichenlaub mit Schwertern Berlin, 24. November Der Führer verlieh das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisemen Kreuzes an Hauptmann Josef Wurmheller, Cruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, als 108. Soldaten der deutschen Wehrmacht. Er hat die Verleihung nicht erlebt, da er vor einigen Monaten nach seinem 102. Luft-siefi den Heldentod atarb. Hauptmann Wurmheller war der Sohn einei oberbayrischen Bergmannes und selbst als Bergmann tätig. Der hoch gewachsene Jagdflieger, der 27 Jahre alt geworden ist, zählt zu den Besten des Richtholen-Gcschwaders. Als Oberfeldwebel erhielt er nach 24 Luftalegen das Ritterkrtuz des Eisernen Kreuzes. Da.«; Eichenlaub verlieh der Führer dem mittlerweile wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum Offizier Beförderten als 146. Soldaten der deutschen Wehrmacht. Die weitaus meisten Luftsiege errang Wurmhellcr im Kampf gegen England. Am Tage von Dieppc stieg er trotz eines Im Gipsverband stehenden Beines ins Flugzeug, wurde selb.st abgeschossen und holte dennoch sieben temdliche Flugzeuge herunter. Die Fronthilfe der Jugend Axmann ttbermlttelt den Dank deg Führen Berlin, 24. November ' Die im Rahmen des Volksaufgebotei eingesetzt on FronthelXer und Frontheiferinnen der Hitler-Jugend haben sich durch ihren Geist der Freiwilligkeit, durch Ihre bedingungslose und fanatische Einsatzbereitschaft ünd vorbildliche Arbeitsleistungen im Stellungsbau die Anerkennung de» ganzen Volkes und den Dank der kämpfenden Truppe erworben. Weit über IfiO.OOO Jungen und einige tausend Mädel haben in Wochen des härtesten Einsatzes unter oft prpchwerten Bedingungen ihre Pflicht zur Verteidigung der deutschen Heimat erfüllt. Nach Ableistung des ersten gewaltigen Arbeitsprogramms stattete Reichsjugendführer A uur Axmunn den Fronthelfern und Fronthelferinnen im Westen einen Besuch ab und übermittelte Ihnen den Dank und die Anerkennung des Führers. Bei der Besichtigung des erweiterten Kriegseinsatzes der Westgebiete rler Hitler-Jugcnd ließ sich der Relchsjugend-führer von den' Bannführern aus der Arbeit berichten und erteilte ihnen Weisungen für die Fronthilfe der Hitler-Jugend in den nächsten Wochen und Monaten. Aufzeichnungen eines Soivjetfliegers Zum Vergleich mit deutschen Leistungen Berlin, 24. November. Deutsche Flak schoß im syrmischen Raum ein sowjetisches Schlachtilugzeug ab. Die beiden Insassen, der Hauptmann Kuretschkin und aein Bordmechaniker Oberleutnant Raschtschepkln wurden an der Aufschlagstelle tot aufgefunden. In ihrem Besitz betindliche Papiere gaben aufschlußreiche Hinweise auf die Zustände bei der bolschewistischen Fliegerei. Danach galt Hauptmann Kuretschkin als einer der besten Flieger der Sowjetunion. Die Zeitung der „Stalin-Falke" brachte anläßlich seines 100. Feindfluges, den er ohne Havarie gcllogen hatte, ein BÜd von ihm. Im Oktober 1943 hatte er für seinen 150. Feindflug außer dem Leninorden und dem Orden des Goldenen Sternes eine Prämie von 5000 Rubel erhalten. Sein Bordmechaniker bekam 3000 Rubel. Die hohen Auszeichnungen nach 150 Feindflügen sprechen eine beredte Sprache über den Stand der sowjetischen Fliegerei, wenn man sie etwa mit 2355 Foindflügen des deutschen Panzer-jägers Oberstleutnant Rudel vergleicht. Dabei wurde die Prämie für die havarierte Rückkehr verliehen, ohne daß etwas über Abschüsse oder erfolgreiche Bombardements verlautete. Die deutsche Flak- und Jägerabwehr muß sehr gut sein, wenn allein schon für die unbeschädigte Rückführung des Flugzeuges solche Prämien gewährt werden. Hart umkfimpflc Zaberner Senkt Versuchter Handstreich auf die Straßburger RheinbrUcken Berlin, 24. November. Nördlich J.iOthrinijen nahm aie- Kampftäiig-keit weiter zu, feindliche Angriffe wurden jedoch durch Gegenstöße lofort^abgefsngen. In Metz leisten die heroisch kämpfenden Verteidiger weiterhin zähen Widerstand. Auch öst- Druck und Verlag Marburger Verlags- und Druckerei-Giis. m. b H. — Vcrlagsleitung Egon Baumgartner, Hauplschrlftleltung Anton Gergchack, beide In Marburg a. d. Drau, Badeasse 8. Zur Zeit für Anzeigen die Preisliste Nr. 3 gültig! L^nWiii« waisft'jrä /w norweildrd CHHtti lieh Lothringen verstärkte der Gegner seinen Druck gegen die Saar und führte zahlreiche Angriffe in Richtung auf Saargemünd und Saarunieon. Hierbei gelang es einer ganz auf sich selbst gestellten Pakbatterie, den Einbruch in die Hauptkampflinie dadurch zu verhindern, daß sie durch konzentriertes Feuer der feindlichen Stoßgruppe die Panzerspitze wegichlug. Durch Gegenstöße in der Mitte zwischen beiden feLndlichen Stoßkellen verhindvten unsere Truppen ins Gewicht ftllende Bodengewinne der Nordamerlkiner. Der Hauptdruck des Gegners im Süden der Westfront lag belderboit der Zabemer S'^nke. Nördlich tl^r Sioci erzwang er den Austritt aus dem Gebirge und nach Südosten vorstoßend, versuchten vorgeworfene Panzerrudel die Rheinbrücke von Straßburg im Handstreich zu nehmen. Der Plan scheiterte im Feuer unserer Sicherungen. Um das immer noch schmale l^nfallstor durch die Vogesen zu verbreitern« drückten weitere gepanzerte Kampf-^ L;rupp«'n der Nordamftr.!cnncr vom Westen her gegen die Vogesenpässe. Der Hauptstoß g>ng aus dem Raum Ratzen 1' Etappe in Richtung auf die Straße St. Die—Schirmeck. Auf der Höhe des Vogesenkammes wurde er durch Gegenangriffe zum Stehen gebracht. Auch die im Süden der Vogesen gegen die von Remiremont nach Mülhausen und Beifort führenden Straßen angesetzten Angriffe blieben vergeblich. Südöstlich Beifort führte der Gegner weitere starke Angriffe, um den seine Verbindungslinien durchschneidenden Riegel zu öffnen. Unter sehr hohen Verlusten gelang es ihm zwar, einige Ortschaften zwischen Rhein-Rhone-Kanal und Schweizer Grenze zu nehmen, die Sperre blieb tedoch weiterhin bestehen. Im Raum Mülhausen setzen unsere Truppen ihre Gegenangriffe fort und drückten den Feind nach Süden zurück. Zwei, denen es noch zu gut geht Carol und die Lupescu auf Luxusreisen tc Lissabon, 24. November Exkönig Carol von Rumänien hat zusammen mit der Jüdin Lupescu, mit der er noch Immer in der Welt herumreist, plötzlich Sehnsucht nach dem von ihm verratenen Rumänien bekommen, so wird aus Mexiko mitgeteilt. Der Exköniig war so geschmacklos, ausgerechnet die Sowjets um eine Erlaubnis zur Rückkehr nach Bukarest zu bitten. Das Paar hat außerdem um ein Durchreisevisum für Afrika, Ägypten und den Irak nachgesucht. Inzwischen ist der unstete Carol in Brasilien gelandet und hat, wde aus Rio de Janeiro dazu gemeldet wird, in einem Hotel sogar einen Presseempfang gegeben. Während also das rumänische Volk unter der Knute der Sowjets sich bücken muß und täglich aufs neue den Rücken hinhält, 'fährt Carol, der den Pluto-kratlen stets ergeben war und bei ihnen auch Zuflucht fand in einer Welt — fem vom Jammer seines Volkes — umher und treibt riesigen Aufwand. Er erschien in einem blauen Tropenanzug und gab eich sehr jovial, wie es heißt. Setin ganzM Gebaren habe bis zu seinen rötlichen Haaren ein „Gefühl freudiger Stimmung" widergespiegelt. Madame Lupescu war Völlig In unschuldsvolles Weiß gekleidet, worin sie sich anscheinend besonders gefiel. Carol wurde bei dem Presseempfang von allen Seiten und dn allen Stellungen fotografiert. Der rumänische Exkönig verabschiedete sich schließlich in „fließendem Portugiesisch". Die Schaulustigen hatten inzwischen mdt großem hiteresse das Ausladen des Gepäcks vor dem Hotel beobachtet. Vierzig riesige Koffer und siebenundsechzig Stück Handgepäck hatte das Paar mitgebracht. Weiter wurden zwei Automobile vom Schiff ausgeladen. Sechs Hunde gehörten zur Begleitung. Besonderes Interesse fanden bei den Zuschauern Jene deutlich gekennzeichneten Gepäcksstücke, die, wie erzählt wurde, zwei goldene Kronen enthielten; sie sollen mit Diamanten xmd Smaragden geradezu übersät sein. Keiner der Neugierigen dachte aber In dem Augenblick an das „verbündete" Rumänden, das zur Zelt für die Sowjets sich verblutet. Kanonenfutter aus Kanodo ongefdrdert Die Folge: eine Regierungs- und Parlamentskrise rd. Stockholm, 24. November Die hohen Verluste der Invasionsmächte im Westen und in Italien haben zu außerordentlichen Maßnahmen zur Beschaffung neuen Kanonenfutters aus Kanada gezwungen. Auf englisch-amerikanisches Verlangen mußte 4^r kanadische Ministerpräsident Mackenzie King auf eine Änderung jener Bestimmungen bestehen, nach denen die zwangsweise Verwendung kanadischer Soldaten auf überseeischen Kriegsschauplätzen bisher nicht möglich war. Dagegen erhob sich ein Sturm der Opposition, der beinahe zum Sturz der Regierung geführt hätte. Im Parlament kam es zu scharfen Auseinandersetzungen und Tumulten. Mehrere Kabinettsmitglieder traten zurück, darunter der Kriegsminister RaJston, der gegen Jede Neuregelung war. Mackenzie King selbst mußte unter dem Druck der Großmächte sein Kabinett teilweise erneuern. Er verlas am Donnerstag im Unterhaus von Ottawa eine „königliche Verordnung", wonach 16.000 kanadische Soldaten nach Übersee geschickt werden müßten. Der,neue Kriegsmdnister MacNaughton gab im AnschluL bekannt, daß diese 16,000 Mtmn sofort zu den europäischen Fronten abgehen müßten, und zwar über die Freiwilligen hinaus, die sich gemeldet hätten, Die Zahl der Fr^iwilligenmeldungen sei viel zu gering gewesen, während sie in den ersten Stadien des Krieges immer ausgereicht hatten, den „Bedarf 2)2e Schuldlg*n sckuteiqtn „Wenn man erlebt, lyte da« riesiff« Unrtehi «injfach üb9ri$hen wird, das die Sowjets in letzter Zeit vieltn Völkern Europas zufügen, dann stellt man mit Recht die Frage, ob England überhaupt noch zu den Prinzipien steht, für die es angeblich den Krieg trkläfte", schreibt „Catholic Times", ein Außenseiter der britischen Pressepolitik. Das Blatt meint wei-t€r, wenn Groj3i>ritannien in Wahrheit der Verfechter der Freiheit für alle sei, wie könne es dabei die Handlungen der Sowjetunion 2U-lassen? Sie stellten nichts anderes dar als die Unterjochung der Völker. Unter dem Deck' mantel „Befreiung 4Bn den Dtutschen" verwirkliche Moskau seine Pläne, und England heiße sie gut, indem es zu allem schweife. Versklavung und Tod habe die Befreiung durch die Sowjets auch den baltischen Völkern gebracht. Die Litauer beispielsweise seien von Sowjetheamten verhört worden. Am Schluß der Vernehmungen habe man ihnen verschiedenfarbige Ausweise ausgehändigt, die über ihr Schicksal entschieden. Orün bedeutet Zwangsarbeit, rot Einziehung zum Dienst für die Sowjetunion, weiß Deportation. Diejenigen, die keinen Ausweis erhalten hätten, seien noch am selben Tag erschossen wordetj.." Die Frage, die „Catholic Times" stellt, ist in Wahrheit schon längst beantwortet. England hat die Völker Europas den Sowjets ausgeliefert und die Folgen zeigen sich heute in Gestalt von Streiks, Unruhen und blutigen Zerstörungen, dabei nur ahnen lassend, was dem ganzen Kontinent bevorstünde, geriete er unter sowjetische Herrschaft. zu decken". Die schweren Infanterieverluste in Westeuropa und Italien seien zu groß gewesen, als daß man außerordentliche Maßnahiften hätte vermeiden können. Die tfauptanlorde-rungen beträfen die Infanterie. Nach Mackenzie Kings Erklärungen trat der Luftfahrtminister Power zurück, weil er Gegner einer überseeischen Kriegsverwendung kanadischer Wehrpflichtiger war. Die Konservativen dagegen verlangten ihrerseits obligatorische Regelung der Wehrpflicht in Übersee. Ministerpräsident, Mackenzie King verlangte für seine Politik ein Vertrauensvotum. Die Entscheidung darüber aber wird wahrscheinlich erst in den Nächsten Wochen fallen. In schwedischen Meldungen wird betont, daß die Frage des Auslandswehrdienstes dne tiefgehende Spaltung in Kanada hervorgerufen habe. Aber die miHtöri.if hen Notwendigkelten — geme.nt sind die blutigen Verluste der Angreifermächte im Weste. — hätten schwerer gewogen als alle politisclien Rücksichten. Da helfen Sperrballone gar nichts Keine AbwehrmSgliebkelt fOr V t* Lissabon, 24. November - In zunehmendem Maße beschäftigt sdch die Weltöffentlichkeit mit der deutschen Geheimwaffe V 2, stellt die portugiesische Zeltung „Diario Populär" fest. Trotz des großen Schweigens, das man in England um diese neue Waffe streng bewahre, sei doch manches durchgesickert. Bei der V 2 höre man nicht das für die Flugzeugbomben charakteristische Pfeifen, weil sie sich schneller fortbewegen als inr Gedröhn. Da das Geschöß fast senkrecht heruntersause, könnten ihm die Sperren durch Fesselballons nichts anhaben. Auch könne sie nicht von Jagdfiiegern verfolgt werden, weil es den Fliegern unmöglich sei, der Geschoßlinie zu folgen. Außerdem ehtwuckelte V 2 eine Geschwindigkeit, die die des schnellsten Flugzeuges bei weitem übersteige. Es bestehe somit praktisch keinerlei wirksame Abwehrntiöglich-kelt gegen diese Waffe. Feindlicher Luftangriff auf Tokio Tokio, 24. November. Die feindliche Luftwaffe war am heutigen Freitag zwei Stunden lang über Tokio. Ein kleine Anzahl Bomben wurde Ins Zentrum der japanischen Hauptstadt abgeworfen. Die Schäden waren nur ,gering. Mehrere feindliche Maschinen wurden zum Absturz gebracht. Der Laden häli / Eine Schwcr atmend wischtc sich Jörg den Schweiß von der Stirn. Dabei rieselte der feine Sand von der Grabenwand. „Hoppaufl" rief er hinauf zum Sepp, der auf der ersten Treppe stand und mit seiner breiten Schaufel darauf wartete, was ihm Jörg heraufvarf. Es knirschte der Sand am rohen Bretterwerk. Die Steine polterten hinauf zur zweiten und höher zur dritten Treppe. Droben flogen sie über den wuchtigen Schaufelrand in den Hundekipper, der allemal Itreischend und dröhnend mit der übervollen Fuhre auf dem holprigen, schmalen Geleise davonrasseite. Gleichmäßig bissen die Krampen in den Grund. Gleichmäßig flogen die Schaufelstiele aufwärts die zwei Meter bis zur Treppenwand. Manchmal, wenn einer ungeschickt war und .««ich verschaute, prasselte die halbe Schaufel mit Stein und Sand hinunter. Wohl sprangen die Kameraden gewandt zur Seite, aber es gab auch Beulen und Löcher am Schädel. Der Graben kümmerte «ich nicht darum. Fr \vnchs und wuchs in die Tiefe und in die Brette. Wieder rijselte an der Wnnd eine Schütte feinen Gerölls herab. Die Spitzhacke grub tiefer und tiefer. TTnd der (Terüster stärkte weiß Gott wo, our nicht im Graben, wo er die Stützen nachschlagen sollte. „Hör auf!", schrie Sepp, der von oben sah, wie der Sand' nachkollerte. „Der Toni soll nachgrüsten!" Jörg knurrte etwas. Er mochte es nicht, aufgehalten /.u werden, wenn er im Schwung war. Aber für alle Fälle griff er nach dem sichmalen Laden, der von der ersten Treppe heitere Erzählung vom Schanzen herabgerutscht war, und schob ihn langsam durch die Pölzung abwärts zum Boden. „Der halt ja nit!" lachte Sepp von oben, „wart lieber!" Aber Jörg schlug den Laden mit dem Kram-penstiel tiefer hinunter. Das war ein Tannenladen, er kannte das Holz. Solche Tannen wuchsen bei ihm zu Haus droben am Berg. „Der halt ja nit!" wiederholte jetzt der andere ärgerlich, „der is ja für die Katz!" Aber Jörg sagt nichts. Er hat schon wieder zum Krampen gegriffen. Gleich darauf fliegt der Schaufelstiel hoch und auf den hölzernen Treppen poltern die Steine und knistert der Sand. Ein schwerer Lastwagen rumpelt vorbei, daß die Erde zittert. Auf einmal bebt die Wand und ehe Jörg aufschauen kann, schlagen Sand und Steingeröll über ihm zusammen. Sepp brüllt und schwlnRt sich mit den andern Schauflern aufwärts. Aber droben besinnen sie sich und klettern rasch und beschämt wieder hinunter. Tief graben die Schaufeln, .unermüdlich. Ist einer müd, springt der andere ein. Endlich graben sie die Hand heraus. Und jetzt fa.ssen sie den Kopf, Behutsam werden die rissigen, schwieligen Fiiuste. Ganz drinnen, zusammengekrümmt unter dem schmalen Laden, liegt der Jörg. Das Holz hat sich gebogen unter der Wucht des starken Druckes, eirf paar Fasern sind abgesplittert, aber gebrochen ist es nicht. Tapfer hat es die Ma.sse der stürzenden Wand aufgehalten. Und richtig wischt sich der Jörg nach einer Zeit verwundert das Blut und den Sand aus Mund und Nase. Er t»ppt sich ab, aber es ist ^lles hell geblieben. Prüfend gleiten seine Finger über den schmalen Holzladen. Dann lacht er ganz von unten herauf und sagt zum Sepp hinüber: „Ich hab doch glel gewußt, daß er halten tuat, der is von uns dahoam, Holz von unserm Pergl" Erich Kernmayr. Aus dem Kulfurleben Im Alter von 66 Jahren starb einer der führenden Gasforscher Deutschlands, der Leiter des Gasinstituts der technischen Hochschule Karlsruhe, Professor Karl Bunte, Im dritten Philharmonischen Konzert in Berlin machte Clemens Krauß nach Mozarts Jupltet-Symphonie C-dur und Beethovens Pastorale mit einem Bolero des In den letzten Jahren weniger gehörten Maurice Ravel bekannt. Vor 170 Jahren starb auf seinem kleinen Gut in Perchtoldsdorf bei Wien Professor Siegmund Popowitsch, ein Bahnbrecher der vergleichenden Sprachwissenschaft. Er stammte aus einer untorsteirischen Bauernfamilie und wurde 1705 ^n Arzlin bei Cilli geboren. Ms Professor wirkte er in Kremsmünster, dann als Gelehrter in Bas in Bayern und wurde später als bedeutender Botaniker und Lektor der deutschen Sprache von Maria Theresia an die Wiener Universität berufen. Von Kurt Eggers erscheint im Volkschaft-Verlag, 1 Bad Salzschlirf, „Das Katzenbrevier" und „Die Heimat der Starken". Am 27. November vor 128 Jahren verstarb in Adelsberg der steirische Dichter und B*rfei-heitskämpfer Johann Georg Fellinger, den rnau den stelrischen Körner genannt hat und nach dem In Graz eine Gasse benaimt ist. Herber! Alsen sang in Graz Ein Abend echter Volkskunst wurde den entzückten Grazer Hörern durch Herbert Alsen. dem stimmgewaltigen Baß der Wiener Staatsoper, und seinem kongenialen Partner am Flügel, Dr. Egon Kornauth, am Donnerstag im Stephaniensaal beschert. Die Vortragsfolge war ausschließlich dem Oroßmeister der Deutschen Ballade, Karl Loewe gewidmet. In gut abgewogener Folge zogen sie alle am Hörer vorbei, die schönsten Werke dieses an und für sich engumgrenzteh Gebietes: „Heinrich der Vogler", „Der alte Schiffsherr", „Odins Meeresritt", „Edward", „Archibald Douglas", um nur einige zu nennen. Und jedesmal glitt ein Aufleuchten über die Gesichter der lauschenden Menschen, die sich am meisterlichen Vortrag Herbert Alsens nicht minder erquickten als am geschliffenen Kleinwerk der so seltenen Form der Ballade. Alsens Stimme vermag aber auch alles: orgelnd mächtig zu donnern wie die Wogen des Meeres, heldisch zu strahlen wie blitzendes Licht und wieder weich und zart, geheimnisvoll dunkel zu raunen, als hörte man die Geister des Mummelsces selbst. Hier war eine vollendete Wiedergabe am Werke, die jedes einzelne Wort mit dramatischem Leben zu erfüllen vermochte. Alsens hochkultivierte Stimme scheint prädestiniert für diese Stücke, deren inneres Leben alle Bereiche mensrfilicher Schicksale wie im Brenngins vei*-eint. Ihm ebenbürtig als Mitschöpfer am Flügel erschien uns Dr. Egon Konauth, dessen bewährte planistisrhe Meistei-schaft auch diesmal den Genuß noch zu steigern vermochte. So kam es auch zu einem kleinen Zugabenkonzert, das mehr bewies als Worte es vermöchten, wie sehr gerade' mit diesem Abend dem Höter zu Herzen „gesungen" wurde. Kurt Hildebrand Matzak MARBVKGES ZEITUNG Sunctag, 28. November 1S44 • Nr. 828 «Seite 9 Wehrmachtsbesoldung neu geregelt Wichtige Aenderungen für alle Dienstgrade rd Berlin, 24. Novtmber Dai alte Wehrmachtgebühmisgesetz hit, wie kurz gemeldet, eine andeie Faiitiirig erhalten, die im Reichigesetzblatt vom 0, November er-«ohlen^ ift. Wehrsold monatlich vortue. AU« Wehrmachtbangehörigen erhalten zur Beitreitung ihrer persönlichen Bedürfnisse Wehrsold, der nach einer besonderen Wehr-«oldtabelle gewährt und in Zukunft nicht mehr zehntägig, sondern monatlich voraus ausgezahlt wird. Die Wehrsoldtabelle enthält wie bisher 16 Gruppen. Es erhalten an Wehrsold pro Tag: Grenadier RVl 1.—, Feldwebel (ff' Oberscharführer) RM 1.80, Leutnant (J;-Untersturmführer) RM 2.40, Hauptmann (4f' Hauptsturmführer) RJM 3.20, Oberst (Jt - Oberführer) RM 5.— und General (ff-Obergruppenführer) RM 9.— Im Gegensatz dazu beträgt die Frontzulage einheitlich für alle Soldaten vom General bis zum Gre< nadier RM 1,— pro Tag Sie ist keine Kampfoder Gefahrenzulage, sondern wird als • Ausgleich ^für die schwierigen Lebensbedingungen gewährt, denen die Wehrmachtsangehörigen ^ Kriege durch Kampfhandlungen odet reindnähe ausgesetzt sind. Wehrsold und Frontzulage werden von der Einheit ausgezahlt, der der Solda* zur Zeit der Fälligkeit angehört Die in dem GeseUs vorgesehene Relseabfindung beträgt nach der Kriegsreiseordnung einheitlich für alle Soldaten RM 6.— ' und wlrd^ei Dienstreisen neben dem Über-nachtungs^ld gewährt. Jeder Wehrmachtsangehörige hat Anspruch auf die sogenannten Naturalleistungen, die au& treier Verpflegung, freier Unterkunft und freier Bekleidung bestehen. Die Verpflegung wird nach der Elnsatzwehrmachtverpfle-gungsvorschrlft in der Regel in natura gewährt. Selbstverpfleger ertialten eine für alle Dienstgrade einheitliche Geldabfindung, das Verpflegungsgeld, in der Höhe von RM 8.— pro Tag das tageweise berechnet wird. Auch bezüglich der freien Unterkunft, welche Wehrmachtsangehörige in amtlich bereitgestellten Räumen erhalten, sina wie bisher gewisse Ausnahmen berücksichtigt worden. Alle Wehrmachtsangehörigen, die zum Tragen einer Uniform verpflichtet sind, erhalten freie Dienstkleidung mit Ausnahm» der Wehrmachtsangehörigen im Offlziersrang, an die zur Beschaffung und Unterhaituns ihrer Bek'eidung und Ausrüstung eine einmalige Beihilfe in Höhe von RM 480.— (bei blau eingekleideten Marinetellen RM 700.—) und eine monatliche Bekleidungsentschädigung gleichmäßig für alle Wehrmacbtteile und Dienstränge in Höhe von RM 30.— gezahlt wird Bei Versetzungen zu anderen-t W^hrmachtteilen werden Beihilfen Rowährt. Ebenso steht allen Wehrmachtsangehörigen Anspruch auf freie är7tllche Behandlung, auf freie Krankenhauspflege und auf Gebrauch von Hell- und Kurm'tteln zu. Für Berufssoldaten .i)tflrd die freie ärztliche Behandlung auf die Ehefrauen und die nach den Besoldungs-beatlmmungen zu berücksichtigenden Kinder ausgedehnt. kriegsbesoldung vom Obergefreiten an Wichtigster Teil des neuen Wehrmach ts-gebührhisgesetzes ist die Besoldungsordnung für die Berufssoldaten. Hier wird einmal zwischen Berufssoldaten und den Berufswehrmachtbeamten unterschieden. Jene erhalten Wehrmachtsbesoldung nach den neuen Besoldungstabellen diese Bezüge nach dem Reichsbesoldungsgesetz. Alle übrigen Wehrmachtsangehörigen In Dienstgraden der Besoldungi»-empfänger können die Einbeziehving In die Krlegsbe>joldung beantragen, so daß praktiscn alle Soldaten, sobald sie bei der Waffen-Rottenführer oder bei dem Heer Obergefreiter geworden sind, auf die Kriegsbesoldung Anspruch haben Sie werden die Kriegsbesoldung beantragen, wenn sie Überhaupt kein Einkommen haben, oder wenn ihr Einkommen einschließlich des Familienunterhalts niedriger ist als die Wehrmachtsbesoldung nach ihrem Dienstgrad. Der Antrag kann zurückgenommen werden, dann wird wieder der wäh Familienunterhalt einsetzen. In» Gegensatz zu Wehrsold und Frontzulage wird die Besoldung durch die Heimatdienststelle ausgezahlt. Mittelgebalt statt Altars-abstufung Während nämlich bisher die Besoldung umständlich nach Grundgehalt, Wohnungsgeld, Kinder- und Sonderzuschlag und Ausgleichsbetrag errechnet wurde, ist Jetzt für jede Besoldungsgruppe ein Mittelgehalt berechnet worden. Damit hat die Wehrmacht die kürzeste aller im Reiche bestehenden Besoldungsordnungen erhalten. Bei dieser Neuregelung ist die Abstufung nach Alttnkia^n einer Festsetzung von Mittelbeträgen gewichen, die den Jüngeren Dienstaltem ein wenig mehr einbogt, während dafür die älteren etwas niedriger liegen. Den davon nachteilig betroffenen Berufssoldaten wird ein Ausgleich gezahlt Er wird für die Dauer von 18 Monaten gewährt, und bei Beträgen bis zu RM 300.— a|n 1. Februar 1045, bei 300 RM übersteigenden Beträgen mit der RM 300.— übersteigenden Summe am 1. August 1945 ausgezahlt Die neue Besoldungsordnung sieht enttpre-chend der bei anderen Behörden bereits üblichen Zahlungsweise die zweimonatliche Gehaltszahlung ab 1, Jänner 1945 vor. Bei der großen Zahl der Besoldungsempfänger bedeutet diese Vereinfachung eine erhebliche Einschränkung der mit der Überweisung und Zahlung verbundenen Arbeitsvorgänge. Sport und Turnen Pharaonen und Kaiser als Knoblaucfiesser Der Gesundheits- und Heilwert des Knoblauchs ist unbestritten- Im alten Ägypten benutzte man dieses Knollengewächs als eine heilige Pflanze bei der Eidesleistung. Wie eine Inschrift am Fuße der im Jahre 4500 vor unserer Zeitrechnung erbauten Cheopspyramide besagt, wurden für die Beköstigung der Arbeiter des mit ungeheurem Aufwand an Men-schenkraft errichteten Bauwerks allein für Rettich, Zwiebeln und Knoblauch Summen verausgabt, die nach unserm Gelde rund siebeneinhalb Millionen Reichsmark betragen. Von Nero Ist bekannt, daß er in Rom Gärtner ansiedelte, die sich ausschließlich der »Knob-lauchzucht widmeten. In der Frühzeit ^aben die Römer ihren Soldaten vor allem Knoblauch zu essen, um ihren Mut zu erhöhen. Die schon im „Papyros Ebers", dem ältesten Ai'zneibuch der Welt, erwähnte Anwendung von Knoblauch in vielerlei Krankheitsfällen ist auch Hippokrates, dem Vater der Medizin, bekannt gewesen. Er schätzte den Knoblauch besonders seiner abführenden und harntreibenden, aber auch seiner verdauunga-fördernden und appetitanregenden Eigenschaft wegen. Paracelsus nannte den Knoblauch ein Schutzmittel gegen Seuchen aller Art. Geschichtliche Überlieferungen berichten, daß im Jahre 1726, als die Pest in Marseille wütete, vier Diebe sich mit Hilfe von Knoblauchessig vor Ansteckung zu schützen wußten und so in den Häusern der Kranken ungestört ihr unsauberes Handwerk treiben konnten. Auch zu Einreibungen bei Fußschwäche ist der Knoblauch von den Ärzten de» Altertums benutzt worden, und bei dem römischen Schriftsteller Plinius lesen wir von den guten Wirkungen des Knoblauchs bei Biß von tollen Hunden und nach Schlanfrenbiß. Wo man im Buche der Kulturgeschichte blättert, überall trifft man auf die Spuren des Knoblauchs und seiner Verwandten, der Zwiebel. Selbst al» Motiv zu Ornamenten dienten die Lauchgewächse, wie wir es heute noch im Zwiebelmuster des Meißner Porzellan finden. Der Gehalt des Knoblauchs an organischem Jod, mit dem die Konsistenz des Blutes herabgesetzt wird, wirkt sich vor allem senkend auf den Blutdruck in den Gefäßen und damit er-ledchtemd auf die Herzarbeit aus, weshalb Knoblauch in den Fällen, die mit Blutdruckerhöhung einhergehen und bei Arterienverkalkung sowie Altersbeschwerden ärztlicherseits gern empfohlen wird. Nun ist von forschem am Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie an. der Universität Wien auch die keimtötende Wirkung des Knoblauchs bestätigt worden. Diese hervorragende Eigenschaft ist einmal auf die im Knoblauch vorhandenen schwefelhaltigen ätherischen Ole zurückzuführen, die auf die Entwicklung d?r Bakterien hemmend wirken, zum anderen atif die Im Knoblauch gleichfalls vorhanifenen Fermente. Es zeigte sich, daß die in einem Granrmi enthaltenen Fermente ausreichen, um die Bakterien des Darmes abzutöten, die nach einem Urteil von Professor Erwin Becher von der Medizinischen Klinik in Frankfurt am Main so giftig sind, daß wir an ihnen sterben würden, wenn sie in unser Herz gelangten. Gute Erfolge s^h man auch bei Wurmleiden, wobei der Knoblauch in der Form von Abkochung als Zusatz zu Klistieren angewendet wird. Im Laufe der letzten Jahre ist ein reiches Schrifttum über die Heilwirkung des Knoblauche entstanden. Aber auch die Hausfrau bedient sich des Knollengewächses gern, wenn in der Küche die Zwiebel einnnal fehlt. Da wo diese mitkochen soll, tut es auch eine Spur Knoblauch. Was in der kleinen Pflanzenknolle, der wir kaum eine Bedeutung beizumessen gewohnt sind, an Kräften verborgen ist, auch das sind, um mit Scribonius Largus zu sprechen: „Göttliche Hände". Friedrich A Zschau Wir eenken die Vahnea. Mit Unteroffizier Franz Faust und Leutnant Eugen Kahl, die Im Freiheitskampf des deutschen Volkes ihr Leben gaben, verliert der deutsche Fußballiport zwei weitere oft bewährte Auswahlspieler. Faust bildete zusammen mit seinen Kameraden Schuchardt und Dosedzal Jenen gefürchteten Innensturm, der dem FSV. Frankfurt 1038 den Weg ins Endspiel um den Tschammer-Pokal öffnete und auch die Farben der Südwest-Eli vertrat. Eugen Kahl war langjähriger Spielführer des Hamburger SV. und Mitglied der Nordmark-Gaumannschaft. Abschluflveranstmttung des Gewichtheber* Wettbewerbes. AHen Schwierigkeiten zum Trotz blieben die Wiener Gewichtheber in den letzten Wochen unentwegt an der Hantel. Der große Mannschaftswettbewerb wurde soweit fortgeführt, so daß am Sonntag die Abschlußkämpfe durchgeführt werden können. ^ Iberischer Segelflugrekord. Der portugiesische Leutnant Burney hat in einem spanischen Segelfluglager einen neuen iberischen Rekordflug im HöhanfÄig aufgestellt. Er erreichte mit seiner Maschine eine in Spanien und Portugal bisher noch nicht gemessene Höhe von 5050 Metern. Für die Frau „Sondenutellungen". die ins Zuchthaus IQhren. Zwei Angestellte des Ernährungsamtea in Feldkirchen in Kärnten, Christiane Kramer, geborene Kandorfer aus Löllig, und Elisabeth Oberholz, geborene Krause aus Essen, machten sich schwerer Verbrechen schuldig. Die Kramer, die Leiterin des Amtes, gab dem Pensionsinhaber Leopold Hoflfmann in Stiegl am Ossiachersee 12 Fleif-chmarken über seine Zuteilung hinaüs, während die Oberholzer sich eine Raucherkarte und eine große Anzahl Voll-milchrelsemarken aneignete. Das Sondergericht Klagenfurt verurteilte beide zu Je cwel Jahren Zuchthaus Hoflfmann muß seine „Sonderzuteilung" In Fleisch mit fünf Monaten Ge-fönenls büßen. Dte Oendarmenmörder erschossen. Die drei Mörder, , die am 17. November In Klelnrelfling den Gendarmeriemeister Gruber auf bestialische Weise ermordeten, wurden am Dienstag in einem alleinstehenden Objekt im Lumpigraben bei Großraming von einer nach Ihnen ausgesandten Streife ermittelt. Sie setzten sich mit Maschinenpistolen und Handfeuerwaffen gegen die einschreitende Streife zur Wehr und schössen viereinhalb Stunden hindurch auf Jeden Rtrelfenangehörlgen, den sie erblicken konnten. Ihr Unterschlupf konnte aber trotrdem so gut umstellt werden, daß es keinem gelang, daraus zu flüchten. Nachdem die Streife ßegen die MordgeseHen Handgranaten und Maschinen- gewehre zur Anwendung gebracht hatte, konnte rend des Bezuges der Kriegsbesoldung ^ruhende ' ihr Unterschlupf gestürmt werden. Im Kampf mit der Exekutive, der einige Wehrmachtangehörige, Gendarmen und Kriminalbeamte angehörten, wurden die Verbrecher, zu denen sich noch ein Vierter gesellt hatte, niedergemacht. Die Zivilbevölkerung hatte die Sicherheitsorgane tatkräftig unterstützt GrifT in den Zigarettenhaufen. Die 45jährige Elisabeth Eckmaier, die als Bedienerin in Linz in der Austria-Tabakfabrik beschäftigt war, hatte bei Botengängen in die Verpackungsräume, wo die Zigaretten zu großen Haufen geschichtet liegen, jedesmal mit einem raschen Griff 20 bis 30 Zigaretten gestohlen, die sie wegen der Torkontrolle in einem Versteck sam-jnelte. Insgesamt brachte sie auf diese Art und Weise mindestens 2000 Stück «Zigaretten beiseite, von denen sie den Großteil gegen Lebensmittel eintauschte. Sie wurde nun wegen Verbrechens des Diebstahls und kriegsschädlichen Verhaltens zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Die Glühlampe all Bettwärmer. In Mayrhofen (Tirol) wollte ein Junger Stallknecht sein kaltes Bett durch eintf Glühlampe wärmen und schlief darüber ein. Gegen Morgen begann das Bett zu brennen. Der Bursche warf die glühenden Bettstücke auf den Boden, löschte die Glut mit Sand und schlief wieder ein. Das Feuer fraß sich aber welter durch den Holzboden, so daß der leichtsinnige Schläfer alsbald neuer- Mi» wanig Zutafcn frofjdcm guf Wer eine gefüllte Vorratskammer hat, kann leicht kochen ^ aber mit dem auszukommen, was die ungünstige Jahreszeit und die Lebensmittelkarten erlauben, das erfordert schon ein wenig Nachdenken. Trotzdem kann man, wenn man außerdem die Mühe nicht scheut, auch dann noch wohlschmeckende und, was gar-nicht so unwichtig ist, auch ansehnliche Gerichte bereiten. Hier edn paar Proben: Wie wäre es einmal mit einem Kartoffelpudding? Hierzu brauchen wir l Kilogramm Kartoffeln, 1 Ei, 3 Eßlöffel geriebenen Klse, 2 Eßlöffel saure Milch, 1 Prise Thymian, Beifuß oder sonstiges Kräutergewürz, etwas Salz. — Die gekochten Kartoffeln werden geschält, gerieben, mit dem Eigelb, den übrigen Zutaten und dem steifgeschlagenen Schnee gut vermischt, In eine gefettete Puddingform gefüllt und l Stunde im Wasserbad gekocht. Der Pudding schmeckt »ehr gut zu Zwiebel- oder Lauchgemüie. Zu einem guten Lauchgemüse benö'igt man 1 Kilogramm Lauch, 2 Eßlöffel öl oder Fett, etwas Wasser, 2—3 Eßlöffel Weinbeeren oder Korinthen — die man, wenn man sie nicht hat natürlich auch weglassen kann —, l mittelgroße Zwiebel, 1 knappen Eßlöffel Mehl, etwas Welnes8^ig und Salz nach Geschmack. — Von dem sehr gut gewaschenen Lauch schneidet man den oberen Teil des grünen Krautes ab (den man aber nicht wegwirft, sondern zur Gemüsebrühe verwendet). Mit dem Fett und wenig Wasser wird der Lauch nun halbgar gedünstet. Dann gibt man die Wo n-beeren hinzu, dünstet fertig, streut zuletzt die feingewiegte Zwiebel und das Mehl darunter, Ifißt noch einmal aufkochen und schmeckt mit Weinessig und. wenn man will, mdt Salz ab. Beinahe hätten wir die S'ipne vergessen! Kochen win» sie e'nmal aus Wintcrc^emüse; 150 Gramm Sellerie, 3 Möhren, 2 Petersilicn-wurzeln, 2 Lauchstanren werden 4n 2 Eßlöffeln öl weichgedünstet. Man stäubt zwei Eßlöffel Schrot- oder Rog^enn^ehl über dis Gemüse. füllt mit Gemüsebrühe, d'e mnn stets aufbewahren und dnher vorrätig h-^bcn soTie, auf und läßt das Ganze solmr^e kof'hcn bis das Mehl gar ist. Dann schmeckt man m't einer Prise, Basilikum, Beifuß und Ros'^nrin und mit Salz ab und trägt das Gericht, m.t Petersilie bestreut, auf. Sehr fein wird d ese nahrhafte Gemüsesuppe, wenn man roh geriebenen Sellerie, mit saurer Milch verrührt, vor dem Anrichten dazugibt. Folgende Zubereitung von Weißkohl Ist besonders bei strengschmeckenden Kohlsorten zu empfehlen: Man schneidet einen küo^chweren We'ßkohlkopf in Achtel, kocht ihn in 40 Gramm Fett oder Öl und in Liter ent-ah-nter Frischmilch gar. bindet man mit ednem E^llöffel übergestilubten Roecenmehls und sch'^eckt rrwt lieh in Gefahr kam und diesmal alle Hausbewohner zusammenrufen mußte. Mit vereinten i wenig Beifuß, Dillsamen und Salz ab. Kräften konnte das Feuer gelöscht werden, 1 Dr. M P. Lichtsplel-Theater ■urg - NIno. „Dir virlorin« Sohn." Mit Louii Trcnker. Für Jugendliche zu-xciassen! — Sondetveranstaltuai;en; Heute Satnslaf um 12.45 Uhr „Oer Mtlntlribiuir" mit Eduatd KöcJ(. Für JURendllche unter 14 Jahren nicht lu-selassen! — Ab Sonnlag: „Ein tdiS' nor Ti(", Kino Brunndort. Bis 26. November: „Dtr rtütndt engil." Jugcndverbot. ■urglichliplele Cllll. Bis 30. November „Dar Fuchs von Otinarvoon" mit OlRs T«!<3iechova. C. L. Wehl. Ferdinand Marian. Bin Film nach dem Roman von Nicola Röhn. Malropol Cllli. Bis 27. November „Dar Mijoralshirr". Für Jueendllcbe unter 14 lahren nicht ztuclassen. Tontlctitspltlfl Petiau, Dsulschei Haui. Bis 29 November „Sieben Brlilt". Für Jugendliche unter 14 Jahren nidil 7Uf^lassen______ Tontichtiplele, Peltiiu, Stodtlhoatar, Bis 27. November „N(«tht ohn« AbichUd". FUr Jugendliche nicht zugelassen. AMiLICHü ANZEIGEN MaOnahmen zur Sicherunb des Arbeitaeinsatzea bei Flleoereohäden in Betrieben. Bitr; Anitloepnictit fUr ■•irlibslUhrtr bflsctildlgttr odir larstttrtar Betrislit. Wird der Betrieb oder ein Belriebsteil durch einen FlleKeranKriri beschUdigt oder NTStört und können stmtlicbe Oa-tolgtcfa<uiltclieder olcbt splt««t«itc am vierten Ta« nach der BesdiBdlgung wieder ihr« bisherlKe Arbeit im alten be-triebsUblichen Umfang aulnchmen, so ist dem lür den Betrieb zuständigen Arbeits-nmt «plitestens an diesem Arbeitstag 'chriltllche Meldune zu eritattcn. Werden von der ProduklionsbehinderunK mehr nts 100 OefolgschaftsmitgUeder des Betriebes betrolfea, so Ist die .\n-zeige dem Arbeitsamt ternmündiidi zu erstatten und sofort scbriftlidi ni wiederholen. Das Arbeitsamt kann die Wiederholung der Anzeige In von Ihm bestimmten Zeitabstünden verlangen Entsprechende Vordrucke sind bei den Arbeitsämtern (Nebenstellen) erhlltlldi. RetricbsIUhrer. die der vorgeschriebenen ;*nzelfepllicht n'cht oder nicht Irlstge-mäB nachkommen haben nach den Reitenden Bestimmungen mit erhebl'chen Strafen durch das Arbeitsamt tu rechnen. Dar Ch«f dir ZIvllvarwaltunB !■ tftr Unttrstticrmark. Dar Baauftragta lUr Arbtltalragan. Famlllen-Anzelgon JW' Von unsagbilreni Schmerz erfüllt, geben wir die über-' au» traurige Nachricht, daß unser Innlgstgf1;iDolmetsclitr im Aller von 20 Jahren am 1. Oktober 1944 an der Sildostfront gefallen Ist. Marburg,'Drau, Oraz-St. Peter, Jakobstal i. d B, 23. Nov. 1944. In tiefster Tratter: loiaf u. Johanna Flsdiar, Eltern; Lulil Plsctiar, geb. Lammer, Qattln: Joktrf, SOhnchen, Marl« Lammar Schwiegermutter, und alle übrigen Verwandten. Wir geben die traurige Nachricht, daB wir unsere liebe Mutter, OroO-mutter und Tante, Frau Theresia Turlak geb. Rabirnik am Samstag, den 18. November 1944 nach langer schwerer Krankhell im 73. Lebensjahre für immer verloren haben. Die Beerdigung fand am 22. Navember 1944 In Windi-^cherat statt. 44M Cllli, Wlnditchirrat, Reifnif, am 22, November 1944. In tiefer Trauer; Idmund, Alals ü. iMal, Sühn«, und alle Ubrlgan Ver-waadteo. Kleine Anzeigen Zu verkaufen Kauta zwei bis s Monate alte rein'fli-sige Wolfs- oder Schäferhunde. Angebote sind in der OcfChältsstcHe der M. Z. in Cilli abzugeben. 4132-4 4 Paar gut erhaltene, beschlagene Oi> sdiHftstUran und ein Doppelhaustor um 500 RM zu verkaufen. Anzufragen Schmldplatz 36. 2. Tür links. 8463-3 Junge schwere Fahrkuh samt Kalb zu verkaufen. Anzufragen Wat!:nerei FraB, Marburg. 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Uerteng. 18. abzugeben. 8429-13 Elnkaufsnati am Freitag von der Nagy-straBe bla zur Post verloren. Abzugeben gegen gut« Belohmu« bei Riedl. Naxr straBc 6, 1. StodL 84iei-M t y Seite 4 ♦ Nr. 328 ♦ Samstag, 25. November 1944 MARBURGER ZEITUNG Heimatliche Rundschau .Mobatgei Zeitung' etscbeint Sonntoo dafür fällt die MontagAosgabe ana Aus technischen Gründen erscheint die „Marburger Zeitung" bis auf weiteres auch an Sonntagen, wogegen eine Montagsausgabe für diese Zeit nicht herauskommt. Wir bitten unsere Leser, dies zur Kenntnis tu nehmen, Schrl T(ip!etet ün'atsteitei Aus der Ortsgruppe Schleinitz, Kreis Marburg-Land, wurde Gefreiter Josef Brenze mit dem Eisernen Kreuz H. Klasse ausgezeichnet. iimmiiiHim Ein Goldenes Jubelpaar Am 26. November fe.crn der Marburger Malermeister Josef Sorko und seine Frau Josefine das seltene Fest der • goldenen Hochzeit. Beide gebürtige Marburger, waren sie fa.'st 20 Jahre in Fettau, wo der Jubilar in der Zeit von lyüO bis 1913 im Voik.stumskampf ein unbeugsamer Schönereranhänger war und deshalb Anfeindungen und Boykott aus allen Lagern bis zum wirtschaftlichen Ruin ertrajen mußte. In seine Geburtsstadt Marburg zurückgekehrt meldete er sich 1914 freiwillig ins Feld. Jeder, der mit ihm Umgang hatte, "irnte den unerschrockenen, aufrichtigen Mann, der nie aus seiner Gesinnung ein Hehl machte, schätzen. Der Umbruch brachte ihm die Erfüllung seines festen Glaubens der Heimkehr seiner Heimat ins Reich, und auc'i den wjr*;-schaftlichen Aufstieg seines 1897 gegründeten Geschäftes. In bester Gesundheit ist auch heate noch der fast 75jährige täglich an der r^tjeit. Seine Gattin ist ihm in der langen Zeit eine mitfühlende Frau und ihren Kindern eine wahrhaft deutsche Mutter. Dem Jubelpaar wünschen wir viele Jahre glücklichen Beisammenseins. iiniiiiwiiiiiiiiniiiiiiuiiiiii Dienstpflichtunterstützung vereinfacht und verbessert. Durch einen Erlaß ist die Dienstpflichtunterstützung vereinfacht und verbessert worden. Der gesamte Personenkreis, der zur Dienstpflichtunterstützung ohpe förmliche Dienstverpflichtung zugelassen ist, wurde übersichtlich zusammengestellt, wobei einige Personengruppen neu einbezogen worden sind, besonders solche, die durch Maßnahmen des totalen Kriegseinsatzes genötigt sind, eine geringer bezahlte Tätigkeit aufzunehmen. Die Miete wird ohne weiteres mit 10 v. H. des bisherigen Bruttoeinkommens übernommen; beträgt sie mehr, so wird sie auf Antrag bis zum Betrag von 150 Reichsmark monatlich abgegolten. Die Zahlung der Sonderunterstützung im Krankheilsfalle wird ebenfalls auf eine ganz einfache Form gebracht, in dem die bisherige Sonderunterstützung zur Hälfte bis zur Beendigung des Krankheitsfalles weiter gezahlt wird. Aetztlicliei Sonntagsdienst in Mmbutg Diensthabende Ärzte: Dr. Peter Maupitsch, Rei.serstraße l (Tel. 28-17) für das rechte Drau-ufer, Dr. Michael Bedianltsch, Luthergasse 11 (Tel. 29-11) für das linke Drauufer. Für Zahnkranke: Dr. Boris Kristan, Nagy-straße 7. Diensldauer: Samstag von 14—16 Uhr, Sonntag von 8—10 Uhr. Diensthabende Apotheke; Magdalenenapo« theke, Mag. Savost, Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz 3. Opiet de'; Lultangtilies anl Gtoz Dem besonders heimtückischen feindlichen Terrorangriff auf die Gauhauptstadt Graz am 1 November, bei dem zahlreiche Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Kulturstätten und Kirchen zerstört oder beschädigt wurden, sind nach endgültigen Feststellungen 347 Personen, Männer und Frauen, Greise und Kinder, zum Opfer gefallen. * Aus Stadt und Land ' Leibnitz. Kürzlich fand die Verabschiedunf von Pg. Waldemar Danko statt. Kreisleiter Tomaschitz, Landrat Dr. Aßmann, eine Abordnung des DRK sowie des NSKK und viele Volks- und Parteigenossen gaben ihm das letzte Geleite. Pg. Bodirsky sprach ergreifende Abschiedsworte. Der so jäh aus dem Leben Gerissene gehörte seit dem Jahre 1926 der Hit'erJugend an tmd ist seit 1932 Mitglied der NSDAP, Im überfüllten Lichtspielsaal fand eine Großversammlung der Ortsgruppen Leibnitz-Nord -Süd statt. Reichse^nsatzredner Pg. Herbert Stachel sprach zum Thema „Volk ans Gewehr", Die eindrucksvolle Rede, von stürmischem Beifall oft unterbrochen, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Wlldon. Am Sonntag fand im Lichtspie'snal die Heldenehrungsfeier statt, in der Orts-gruppenDropaganda'eiter Schwarz die Gedenkrede hielt. Anschließend an diese eindrucksvolle Feier nahm der Hoheitsträger die Verefdigiing der Mrnner des Volkssturms vor. — Am 21. Oktober fand das Be;»räbnis des äUesten Parteigenossen der OrtsKjrupTDe Wlldon, des Pg. Grinschgl, aus Weitendorf statt, Znhlreiche Partei- und Völksgenossen gaben ihm das letzte Geleite, Za Ifinf Jahten Zuchthou<; ve>aite1lt In einem Brief an einen an der Front stehenden Verwandten machte d'e 42 Jahre alte verheiratete Josefine Jost aus Graz Meinungsäußerungen, die geeignet waren, ein fälschet ^ild von rl-^r j dT Heimat zu vermit- teln und berihigend zu wirken "^le , ..i.id-lung vor dem vor kurzem beim Oberlandesgericht Graz err'f^'i'c^^^n Ssnai für Hoch- und Landesverratsverfahren ze'gt.c vc- der -ffcnt-lichkelt, wie schwer verant vortungslose — selbst unüberlegte — Au.j.. ^.i^.cn gewertet werden müssen, wenn sie ,... , a den Widerstandswillen des deutschen Vo»kes richten. Die Anklage wurde ".u einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die .Weiße Fiau" von Mureck Die Erbauer und ersten Besitzer des Schlosses Mureck verlieren sich im Dunkel der steirischen Frühgeschichte. Von Jahre 1145 bis 1170 war aber der ,4iochfreie Burkhart von Mureck" Besitzer der Herrschaft und des Schlosses. Nach seinem Tode erhielt ein stei-risches Ministerialengeschlecht die umfangreiche Herrschaft. Es starb aber scnon 1240 im Mannesstamme aus. Ein Reimbart I. von Mureck begleitete «ien letzten Traungauermarkgrafen Ottokar auf seinem Kreuzzug und war im Jahre 1174 markgräflicher Verwalter. Er bedachte die steirischen Klöster mit reichlichen Gaben. Sein Sohn Reimbart IL, der Reiche, hingegen lebte in fast beständigem Streit mit den Stiften und Klöstern. Auch er nahm 1216 an einem Kreuzzug teil und begleitete 1231 Herzog Leopold von Österreich auf seinem Zuge nach Italien. Auf dem großartigen Turnier zu Friesach erschien er 1224 mit 40 mi-nisterialen Gefolgsmannen. Im Jahre 1229 war er Landeshauptmann von Steiermark. Er starb im Jahre 1240. Die Herrschaft Mureck erhielt nach ihm eine Tochter Elisabeth, die mit Hermann von Kranichsberg vermählt war. Im Besitze der Herren von Kranichsberg blieb die Herrschaft Mureck nun bis zum 28. August 1366, da Heinrich von Kranichsberg sie samt dem dazugehörigen Turm zu Ratzenau um 8500 Pfund guter Wienerpfennige an die Grafen Hermann und Wilhelm von Cilli Verkaufte. 35 Jahre später ging sie durch Kauf in den Besitz des Hans von Stubenberg über. Mehr als 500 Jahre, bis 1931, blieb die Herrschaft im Besitz dieses reich begüterten Adelsgeschlechtes. In diesem Jahre erstanden Anion und Mathilde Mally Schloß und Besitz. Wie alle Schlösser der Steiermark, hat auch Mureck seine Haussage. Bei besonderen Anlässen soll sich die „Weiße Frau" zeigen. Sie trägt ein weißes, altertümliches Gewand, eine Witwenhaube und einen Schlüsselbund. Hat sie weiße Handschuhe an, dann kündet dies ein frohes Ereignis an, schwarze aber deuten auf Unglück oder Tod. Einst in längst vergangener Zeit hörte ein Diener nach Mitternacht im oberen Stock Schritte und Türen gehen. Er sah nach und plötzlich schwebte die weiße Frau mit einer brennenden Kerze auf den Gang. An den Händen hatte sie schwarze Handschuhe. Der Diener entsetzte sich so, daß er tod umfiel. Tags darauf starb auch ein Sohn des Schloßherrn, des Grafen von Stubenberg. E. P. iii'miMiiiiii'iiiiiiiiiiiiiiiiM Wann wird verdunkelt? Vom 20. November bis 26. November wlid verdunkelt von 17.15 bis 6.30 Uhr. JAN VON WERTH Ein Reiterroman von Franz Herwig Abdrucksrechte: Verlag Schwingenstein, München M Fortsetzung > Früh vier bliesen die Trompeter „Aufsitzen". Über Nacht war Befehl gekommen nach Bergen zu reiten, in das der groote Moritz sich geworfen hatte, und eine Stunde später ritten die Dragonermusketiere, Regiment Sturmius, als erste ab; überm Lambertplatz und vorbei an dem „Dragoner von Breda". Voran vier lange Kerle. Hinter ihnen zwanzig Trompeter, die das Lied vom Winterkönig schmetterten. Acht Mann schlugen mit spielend tanzenden Schlägeln die kleinen Kesselpauken; der kriegerische Marsch drohte die Gasse zu Sprengen. Und fünfzig Schritt hinterher ritt auf seinem hochbeinigen Brandfuchs der Oberst Sturmius mit grauem Knebelbart und hinter ihm polterten an die 500 Dragoner in zehn Kornetts im dritten Jan, den flachen Elsenhelm auf dem Kopf und die Muskete unter der rechten Schulter. Er winkte zu Meisje hinauf, die am Fenster lehnte. So zogen sie mit selbstbewußtem Lärm dahin, nach Mecheln zu, über die Scheide, vor Bergen Und Meisje sab ihnen nach, solange sie einen Eisenhelm blinken sah. Vor Bergen und Fleurus „Helf uns Gott, junger Morgen, zu einem guten Tag." Das betete Jan in jeder Früh, wenn er sich auf seine grobluiochige Isabelle schwang. „HeU um Gott zu einem guten Nachtquartier", beteten die anderen Dragoner, denn sie meinten, auf einem Pferderücken in deri frischen Morgen zu reiten sei ein langweilig und nüchtern Ding. Und wenn es aufsitzen und rangieren hieß, fluchten sie Jämmerlich, während Jan mit heißem Eifer die einundzwanzig Griffe lernte, die zu einem rechten und schulmäßigen Aufnehmen, Chargleren und Feuern einer spanischen Muskete gehörten. Oberst Sturmius war nicht der Mann, der sich Liederlichkeiten in solchen ernsthaften Dingen gefallen ließ. Besonders nicht im Exerzieren zu Pferde. „Aus der Kolonn' in Doppelreih, trab!" „In Glieder gesetzt!" „Einge.schwenktl'* „Zur Attack* formiert!" Und Jan hatte seine liebe Not mitzukommen, besonders wenn er am äußeren Flügel ritt, denn seine Isabelle gab nicht viel her, so sehr sie auch mit erhobenem Stummelschwanz in der blauen Luft herumpinselte. Freilich im Fechten tat es ihm keiner nach. Und da er hell und frisch aus den Augen sah, ritt er bald zu zweit oder dritt auf Kundschaft, denn als sie an die Westerschelde kamen, zeigte sich hie und da der Feind, ein wohldisziplinierter und couragierter Feind, der den Spar rn manches zu schaffen machte. Der Wachtmeister Schulte hatte Ihm längst das Loch Im Ohrzipfel verziehen, als er merkte, welchen Goldhahn er sich an Jan gefangen hatte. „Der groote Moritz soll mich hingen, wenn du nicht ein guter Dragoner wirst", sagte en Jan brannte nur darauf, endlich an den Feind zu kommen. Es zeigte sich, daß sie von Süden her nicht an Bergen herankonnten. Sie mußten nach Turhout zurück, wo drei Regimenter Fußvolk und vierundzwanzig Feldstücke, der Spanier standen. Einmal ritt der Wachtmeister Schulte mit Jan zur Erkundung voraus. Als sie durch ein Wäldchen waren, sahen sie drei Reiter nicht weit, die gemächlich herankamen. Da es drei waren, meinte der Wachtmeister, daß sie selbst i 1 der ,Minderzahl seien und sich also verstecken müßten. Jan aber schwur, daß er auf seiner Isabelle nicht ewig zur Schande des Heeres in Brabant herumreiten könne. „Der Käsefresser dort", sagte er, „scheint mir einen tüchtigen Rappen zu reiten. Ich werde ihn fragen, ob er ihn mir ablassen wilL" Und sofort zwang er seine Isabelle mit Sporenhieben zu einem bockenden unwilligen Galopp, indem er die drei Reiter schon von weitem durch Winken der Hand begrüßte. Als er näher kam, wurde es ihm ein wenig bänglich, denn der Rappe (Hergott — wie ei' die Füße setzte — wie ein junges Mädchen beim Tanz!) gehörte einem Offizier. Aber zurück konnte er nun nicht mehr. „Mein Herr Kavalier", rief er, „Ich bin när-Tisch versessen auf Euren Gaul. Tauscht ihn gegen meine Isabelle, die Euch sicher ebenso zusagt." Sie waren dicht zusammen, Ihre Gäule beschnoberten sich. „Bist du betrunken, Kerl?" rief der Offizier, aber er lächelte. Jan lächelte nun auch und setzte sich Im Sattel zurecht . „Nein, mein Herr Kavalier, ich bin der nüchternste und höflichste Mensch der Welt. Aber Ich müßte unhöflich werden und Euch den Gaul fortnehmen, wenn Ihr nicht gutwillig absteigt. Denn ich will eher mein Seelen-hell drangeben als den Rappen." „Verfluchter Papist", schrie der Holländer, „greift ihn, Burschen!" „Zieh, Käsefresser", brüllte Jan und die Klingen tanzten einen entzückenden Pas de deux miteinander und machten dazu noch selber die hellste, klirrendste Musik Leider war der Tanz nicht lang. Der Offizier schwankte plötzlich im Sattel, und da die beiden holländischen Soldaten gesehen hatten, wie der Wachtmeister Schulte herai;igaloppiert kam, hatten sie ihre Gäule herumgeworfen und ritten davon, daß der Sand stob. Also mußte Jan den Offizier in seine Arme nehmen und auf die Erde gleiten lassen. „Junge, Jan, Teufelskerl", keuchte der Wachtmeister und lachte. Jan hob den Holländer schon auf seine Isabelle. „Es lohnt schon. Ihn mitzunehmen", sagte er. „Er hat einen «Stich unter der sechsten Rippe und nur drei Finger breit hinein." Der Offizier schlug die Augen auf und stöhnte. „Ja", sagte Jan mitleidig, „Ihr dauert mich. Aber weshalb mußtet Ihr einen so guten friedlichen Handel auch mit dem Degen austragen wollen I" Und er schwang lich auf den Rnopen. (