„Freiheit, Wohlstand, Bildung flr Alle." Nr. t»». Freitag, t». «ktober »8«« Jahrgang Die .Marburger Zeitnnn" erschein» jeden Sonntng. Mitlwocki und Freitnfl. Preise - fiir Marl'urg: ganzialirig k fl.. halb,ahug 3 fl., vlertelzaiirlg 1 fl. 50 kl' für MteNun^ in» Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl.. vierteljährig 2 fl. Die eui Mal gespaltene Garmondzeile wlrd bel emmaliger Einschaltung mit 10, bei ziveimallger mit IS, bei dreinlaliger mit 20 kr. berechnet, wozu fiir jedesmalige Einschaltung 30 kr. JnserateN'L>icmpelgebuhr kommen. Zur geschichte des Tages. Ueber die Thätigteit der Partei Ka i se rseld und iiber Verhandlungen dtrselben mit d^r Partei Deal lvird dem „Wanderer" vom 8. d. aus Graz geschrieben; .,Jn den Kreisen unserer deutschen Autonomsten herrscht ungewöhnliche Spannung. Bekanntlich wird gegen-wärtig das Programm Kaiserfeld's lebhaft erörtert, wobei sich vielseitig, der Wunsch kundgegeben hat. von diesem Programme vor dessen Ver. öffentlichung außer «den Parteigenossen auch irgend ein liervorrngendes Mitglied der Partei Deal Einficht nehmen laffen und sich dessen Aus-spruch darüber zu erbitten, damit etwaige Bedenken der ungarischen Libe-ralen wo möglich schon im Voraus behoben werden und dem autono-mistischen Programm eine günstige Aufnahme von Seite der Deak'schen Partei gesichert werde. Seit gestern zirkulirt nun die Nachricht. Baron Sigmund Kemeny, der Chefredakteur deS „Pesti Naplo'', der intime Freund und Gesinnungsgenosse Franz Deak'S. werde lunte hier eintreffen -- nach einer andern Version ist er bereits eingetroffen — und es ist begreiflich, daß man diesen Besuch mit der ertvähnten Angelegenheit in Zusammenhang bringt, da der hervorragendste publizistische Vertreter der Partei Deak'S allerdings die geeignetste Persönlichkeit wäre, um die Auto-nomisten darüber zu orientiren^ welche Aufnahme ihr Programm in Un-garn zu gewärtigen hätte. Man fügt hinzu. Baron Kemeny werde sich von hier auS direkt zu Franz Peak begeben und es scheint nicht unmö-glich, daß sich diesem Besuche bei dem gefeierten ungarischen Patrioten vielleicht auch ein oder das andere hervorragende Mitglied der deutschen Autonomistenpartei anschließen könnte." Die Redaktion des „Wandere»" bemerkt hiezu. daß Baron Kemeny vergangenen Samstag allerdings von Wien einen Ausflug nach Steiermark unternommen, von dort über Pra-gerhof und Kanischa nach Pest zurückzukehren und bei dieser Gelegenheit auch Deak anf der Pusta Sz. LaSzlo zu besuchen beabsichtigte; — in wie weit jedoch diese Reise mit den angedeuteten politischen Zwecken in Verbindung stehe, darüber vermag sie keinen Ausschluß zu geben. Ueber die ungarische Legion wird aus Ratibor geschneben: Nachdem höheren OrtS die Auflösung der in Bauerwiß und den umlie-genden Ortschaften einquartierten ungarischen Legion angeordnet war. wurde eS den Mannschaften freigestellt, entweder hier eine anderweitige Beschäftigung zu suchen oder nach Ungarn zurückzukehren. Eine kleine Anzahl derselben, namentlich die früher ein Handwerk gelernt hatten, fand ein Unterkommen und blieb zurück, der größte Theil aber entschloß sich zur Heimkehr. Vor ihrer Abreise empfingen die Leute ein Handgeld und zwar die Gemeinen bis auflvärts zum Feldwebel von 20 bis 80 Thlr.; die Offiziere erhielten je nach ilirer Charge 200 bis 500 Thlr. Außerdem wurde denselben eine Reiselegitimation. ferner ein Fi^hrungs« zeugniß zugestellt, dcm ein Abdruck des betannten Artikels deS Friedens-Vertrages, lvonach allen beiderseitigen Staatsangehörigen, die sich durch itir politisches Verhalten während des Krieges kompromittirt haben, voll-ständige Straffreiheit zugesichert wird, beigefügt war. Gestern Nachmittag langte der erste Extrazug mit 850 Mann, denen übrigens die Uniformö-stücke belassen worden waren, hier an und wurde sofort naci> Oderberg weiterbefördert. Die Offiziere, welche fast sämmtlich der ungarischen Emigration angehören und es wohl nicht wagen können, den österreichischen Boden zu betreten, begleiteten sie bis Ännaberg. der letzten prnifii-schen Eisenbalinstation, und verabschiedeten sich daselbit auf das Herzlichste und mit ulwerkennbarer Rührung von ihren bisherigen Unterge-benen. Der Trompeter blies hier zum letzten Male seine fremdartigen. Signale, dann gab er sein Horn ab, die Mannschaften, stiegen ein und in wenigen Minuten waren sie anf österreichischem Gebiet. Hier wurden sie von dem preußischen RtgierungSkommissariuS fiir die Legion. Hauptmann von DrigalSky. förmlich entlassen und konnten in be-liebiger Weise il)rc Weiterreise antreten. Eine Uebergalie der Legionäre an das in Otierberg stationirte Etappenkomtnando. worauf dasselbe zunächst Anspruch machte, wurde selbstredend preußischerscits mit Cntschie-denheit abgelehnt. — So eben geht uns noch folgende Mitthcilung zu: Als tieute Nachmittags der zweite und letzte Cztrazug mit 70i» Legionären in Oderberg anlangte, erhielten dieselben die Nachricht, daß ihre gestern avgklangten Kameraden auf der Reise nach Pest in Lundenburg angehal-ten und forttransportirt lvorden seien. Unt'ir diesen Umständen tiielten ne eS nicht für gerathen, die Eisenbahn wnter zu benüßen. sondern setzten sich sosort in Marjch um durch den nur wenige Meilen entfernten Ja-bluuka-Pap Ungarn zu erreichen. Nur ein kleiner Theil zog es vor. nach Preußen zurückzukehren, um hier daS Weitere abzuwarten. D e r K ö n i g vo n P reuß en wird an die Belvohner der ein-verleibten Länder nachstehende Proklamation erlassen: „Durch das Patent, welches ich heute vollzogen habe, vereinige ich euch. Einwohner der — Lande, mit meinen Unlerthanen. euren Nachbarn und deutschen Brüdern Schto»» Iveiktiart. Pom Verfasser der schwarten Mare. (Fortsetzung.) Ein noch tveit gefährlicherer nnd frecherer Völ'elvicht lvar Friedrich Vittor. Cr war ein Mensch mit einer athletisclien Figur, von gleicher Körperkraft und nicht minder großer Behendigkeit des Ki)rperS. Srit Jahren hatte er nicht nur die Grenze durch Raub und Diebstahl unsicher gemacht, sondern auch seine Verbrechen meilenweit tiefer in das Land hineingetragen. Mehrere Male hatte er zu der Bande der beiden Juden Schlom gehört. Sein wilder, unbändiger, händelsüchtiger Eharakler hattr ihn ober nicht lange dort gelitten. Immer jedoch liber war er zn ihr znlückgekehrt. )n der Zwischenzeit hatte er sein Handlverk altf seine eigene Hand oder mit aus dem Stegreif zusammeutierafften Genossen getrieben. Das Bewus^tsein seiner ungeheuern Körperkraft, seine große Vertvegeiiheit und seine Nichtachtung jeder Gefahr hatten mehrmals die Folge gehabt, daß er ergriffen war. Immer aber h'tte er sich zu befreien gewußt, bevor re in die festen Gefängnisse der Kreisjustizkommission hatte können abgeliefert werden. Die festesten Mauern der Gefängnisse der Unterge-richte — allerdings nicht im besten Zustande — waren ihm nicht zu fest, die stärksten Ketten ihm nicht zu stark getvesen. Ueberall hatte er seiner Ketten sich zu entledigen gewußt ; überall lvar er ausgebrochen; immer auf äußerst freche, zuweilen auf unbegreifliche Weise. Auf jedem TranS-Porte lvar er entkommen, durch Gewalt oder durch List, iv^nn er nicht mit der größten Borficht durch mehrere Gensd'armen war tran?portirt tvorden. Endlich lvar e» geglückt, ihn nach Ragnit zu schaffen. Ach f.,nd ihn schon vor, als ich dort hinkam. Er war unstreitig der wildeste, un-bändiqste und gefährlichste unter allen Verbrechern, die in dem alten Ritterschlosse verlvahrt gehalten tvurden. Wenn ich die ungelvöli«»lich hohe und breite Figur mit den starken Knochen, den wildcn, stets rollenden dunkeln Augen, dem schwarzen wolligen Haar ansab, so kam er mir immer vor. wie eine utigeheure, unbändige Tigerkatze, die nur immer darauf sinnt, die schweren eisernen Stäbe ihreS Käfiges zu zerbrechen, um in fürchterlicher Wuth und Blutgier AlleS zu zerstören und zu ve nichten. was ihr in den Weg komme. Eine ingrimmige Wuth gegen die sämmtlichen Beamten deS Gerichts und der Gejanguisse hatte er öfters unverholen ausgesprochen, besonders gegen mich. Er hatte. seitdelN ich mein Amt in Ragnit angetreten, zweimal den Versul) gemacht, aus dem Gefängnisse auszubrechen. Das eine ?.^!al hatte er den Ofen durchbrochen, das andere Mal mit einer staunensiver-then Beharrlichkeit die dicke Mauer deS alten Schlosses. Sein Entkom-lnen lvar jedesmal daran gescheitert, daß er. mit der iilneren Einrichtung des Schlosses unbekannt, den Auslveg nicht hatte finden könnet». Schon gleich nach dem ersten Persuche hatte ich strengere Berwal,-rungstnlißregcln gegen ihn für meine Pflicht hallen müssen. Ich hatte ihn, anstatt daß er bisher in Ketten eingeschlossen war. in schilierere Ketten eittschmieden lassen. Wie früher daS zerbrechlichere Schloß, so hatte er bei dem zweiten Fluchtversuche die Kette selbst zu zerbrechen gewußt. Ich ließ ihn daraus in noch stärkere Ketten cinichmieden und ilim zugleich Hörner anlegen. Diese bcstant^en aus zivei geschweiften etsernen Stäben, die an eittent eisernen Ringe besestigt lvaren. Der Ring ivurde um den Hals gelegt, so daß die beiden Hörner ihm zu beiden Seiten abstanden. Es lvurde ihm dadurch daS Kriechen durch Maneröffnungen unmöglich; er hätte diese denn viel größer und tveiler brechen müssen, als rs irgend gkstttchtet werden konnte. Er l,attc in der Thal seitdem elnen weitern Fluchtversuch nicht gemacht. Die ungewöhnlichen Fesseln schienen sogar ver Untiändigkeit seineS Ehar.ikterS zu Fesseln geworden zu ?cin. Er war stiller, gehorsamer lm Gefängnisse getvorden. Er bat demütbig ihn von den schweren Eisen zn besreien, und versicherte dabei hoch und theuer, nle an einen Bersltch der Flucht lvieder denken zu wollen. Ich h^tte Mich zuletzt dazu verstanden, ihm wenigstens die Hörner abzunehmen, nicht weil iet, seinen Bersprechungen traute, sondern weil nur seine Gesundheit Durch die Entscheidung deS Krieges und durch die Ncugestciltun;^ de^^ t^cmeinstuueu deutschen Vateilaudes nunmehr von einem Fürstenliause getrennt, dem ihr mit treuer Ergkbtlihcit nnsiehan.^en, lretct ihr jclU in den Velbaud des Nachbarllindcs, dessen Bevölkei'nn;^ euch durch Stnm-meöl^cmeinsäiast. durch Sprache und Sitte verw^iudt und durch Kcmciu-samkcit der Jntcrcsseu befreundet ist. — Wenn ihr euch nicht ohne Schmerz von srithereu euch liebi^eivordeucn Verhältnissen lossai^t, so ehre ich diesen Schmerz und würdij^c deuselben als eine Bürgschtist, ^nsj il,r und eure Kinder »luch mir und meinem Hause mit Treue angehören werdet. Ihr werdet die Nothwendigkeit des Geschehenen erfennen. Denn sollen die Früchte des schlveren Kampfes und der blutiz^en Siege fi'lr Deutschland nicht verloren seili, so gebietet es ebenso die Pflicht der Selbsterhaltunt^. als die Sorge si'u' die Förderung der nationalen Interessen, Hannover mit Prcnßcu scst und dauernd zu vereinigen, und — wie schon mein in Gott ruhender Herr Vater es auSgesproctien — nnr Deutschland h^it l-^e-wonnkn. was Preufien erworben. Dieses tverdet ihr init Ernst ertvägen. und so vertraue ich enrsm deutschen und "i'edlichen Sinne, daß ihr mir eure Treue ebenso aufrichtig «geloben werdet, wie ich zu meinem LZolte euch aufnehme. — (Lnren Gewerben, eurem Hanoel und eurer Schifsfahrt eröffnen sieh durch die Vereinigung mit meinen Staaten reichere Quellen. Meine Borsorge wird eurem Fleiße wirksam cnti,egcnkommen. — Eine gleiche Nertheiluug der Staatslasten, eiue ziveckmäßige rnergische Nerwal-tnng. sorgsam erwogenv' Gesetze, eine gerechte nnd pimftliche Instizpfle.ie. kurz alle die Garantien, ivelche Preußen zu dem gemacht, als waS ts sich jeht in harter Probe belvährt hat. werden euch fortan gemeinsame Giller sein. — Eure kriegstüchtige Jugend wird sich ihren Brildern in meinen andern Staaten zum Schutze deS Vaterlandes treu anschließen, und mit Freude wird die preußische Armee die tapfern Hannoveraner ?c. empfau-gkn, denen in den I^,hrbilchern deutschen Ruhmes nunmehr ein ueneS, gröiZeres Blatt eriiffnet ist. (Bei Frankfurt fehlt der letztere Theil dieses Satzes.) — Die Diener der Kirche werden ane!) fernerhin die Vewahrer des väterlichen Glaubens fein. — Euren Lehranstalten, den vieljährigen Pflegerinnen deutscher Kunst nnd Wissenschaft, werde ich meine besondere Aufmerksamkeit tvidmen, nnd wenn der preußische Tliron, je länger desto mehr, als der Hort der Freiheit nnd Selbständigkeit des deutschen Vater landts erkannt und getvindigt tvird. dann lvird aneli euer Name unter denen seiner bestcir Söliue verzeichnet lverdeu. dann tverdet anch ilir den Augenblick segnen, der euch mit einem größereu Vaterlande vereinigt hat^ Das ivalte Gelt!" Die Bevölkerung Sachsens in ihrer nngehenren Aiehrheit ist unstreitig dem Königshaus der Albertiuer ergeben, sie lvilrde auch dessen Unalihättgigkeit und die Neichsverfassulig von 184!) dem Eiutritte in den norddelltschen Bund vorziehen -- dari'lber kann kein Zlveisel sein. Ist doch Dresden seiner Zeit slir diese Reichsverfassnng und den gesalnmt' deutschen Bundesstaat mit Waffen eingestanden und dafiir von Heirn von Beust nach seinem Siege so sckwer gezi'lchtigt lvordeu! Doch das sächsische Volk fügt sich nunmehr der eiseruen Nothivendigkeit; und nachdem seine kleine Armee in den furchtbaren Schlachten voll Ml'lnchengrätz bis To-liitschau gekämpft und geblutet, nachdem dlis Kriegsgliick gegen dasselbe entschieden hat. ist es ihm wohl nicht zu verargen, wenn es dem Wunsche nael) schleuuigster Aeuderung seiner Verhältnisse, nach chebaldigster Rege-lung seiner Stellung zn Prenßen, und nach einem befriedigenden Aus gleiche mit jeneln Staate Ausdruck gibt, wie es iu Dresden geschehen. Das Interesse Sachsens verlangt daher eine lialdige AnSsöhnuug mit Preußen, uud lvie lvir glaubeu, auch das Interesse des sächsischen Königshauses selbst, da bei einer länger dauernden Abtvesenheit die Bande, lvelche die Dlinastie mit der Nation verkni^pfen. nothwendig gelockert lvcrt'en mi'lssen. Warum also nicht rechtzeitig Konzessionen macheu, wenn sch nt konzedirt iverden muß? Die gestellten Forderungen sind das Geringste dessen, womit sich Preußen zufrieden geben wirt>. und sollte m.ui dle!> geeigneten Orts nicht einsehen wollen, so fiirchten wir sehr, wird Äönig unter denl Tragen der schlveren Stangen anl Halse zn leiden schien. Er hatte mich, lvie ich mich jetzt überzeugte, auch darin getäuscht. Diesen beiden gefährlichen Verbrechern »var eö geglilckt, zu entkommen. Viktor und Trinkat hatten gemeinschaftlich in einer Zelle oben im vierten Stocke deS Gefängnisses geseffen. Ich hatte sie eben nm ihrer Gefährlichkeit ivillen in diese Höhe bringen lassen, lvo sie, nächst den K^llergefängnifsen, am Sichersten verlvahrt waren. Der Korridor lr'ar dort feft abgesperrt. Nach untell durchzubrechen, war eine llnmöglichkeit. Ein Ausbruch nach oben konnte sie nur auf die Zinne des alten Schlos-ses führen. Ein Fortkonlmen von dieser erschien mir aber völlig nllmög-lich. Das Schloß »var über siebenzig Fus^ hoch. Die ?.^!auern ragten noch von dem Brande her zerrissen und nackt in die Höhe. Es war ans der schlvindlichen Höhe kein Gegenstand, an dem IelnanV sich festhalten konnte. Die Steine lagen bröcklig. Selbst eine Strickleiter oder ein ähnliches Instruinent schien kaum angelegt werden zu . können. ^Nan bätte sie nur an den Mauersteinen befestigen können, deren Weichen jeden Angenblick befiirchtet lverden mnsjte, unt» mit dem Weichen unrettbar ein tövtlicher Fall anf das Steinpflaster, das nach allen SeittN das Schiaß umgab. Dazu kam, daß das Schloß vier Schildwachen nmstanden, an jeder Äiauerseite eine Jede Beivegung an oder anf der Mauer muszte augenblicklich bemerkt lverden. Trotz allen diesen Vorsiebtsmaßregeln tvar es den beiden Verbrechern gelungen, zu entkommet:. Freilich aus keine räthlelhafte Weise, dailkgen durch Ausdauer. Verivegeuheit und Knhnlieit, wie sie bisher bei ähnlichen Unternehmungen wohl kaum hervorgetreten waren. Die Zelle der beiden Gefangenen befand sich unmittelbar unter dem ehemal'gen Schloßdache^ Dieses lvar durch den Brand im Jahre l82k^ zerstört ivorden. Eine Reparatur hatte in der Art stattgefunden, daß über die ^^änge und Breite des Gebäudes starke Holzbohlen in einer Dicke von andertbald Fuß scst und dicht verbunden gelegt lvaren. Sie bildeten die Decke der dort oben benndlichen Zellen. AuS einer solchen Bolile hatten die beiden Gefangenen ein Stück herausgeschnitten. Durch iv^lches Instrument, »var nicht zu ermitteln. Dem Gefangenen, der feNen ^)^>illen und Geschieklichscit Wilhelm seinem gekrönten und gesalbten Bruder von Sachsen, dem er seinerzeit den Schlncr; einer Zerstücklung sciues Landes nicht bereiten !vollte. ein ähnliches Sehickjlil bereiten, »vie es gegenlvartig Se. königliche Hoheit t'er Knrfü?st aller Hessen auf Philippsri'lhe genießt, wobei nur eiiles sehleil dinfle. nälnlich die 600.000 Thlr. jährlich, die Friedrich Wilh'lnl I. den Schltterz über seine Entfernung versüßen. Der A d r eß eu t lv u r f des iv ü r t eln b er g i s ch e n Abge-ordnetenha u se s dringt auf die Bildung eineS süddeutschen Bundes; die bezilglichen Stellen de>5 Entlvurfes lauten: „Ein kurze,', aber blutiger Krieg hat zur Lösung des dk^utschen Bundes, zum Ausschlüsse Oestei-reichs 'aus der Verbind.lng mit dem übrigen Deutschland, zur Vergrößern ug Preußens gefnlirt. und mit der Gründung eines norddeutschen Bulides sollen ^ie sndivestlichen Staaten Deutschlands sich selbst überlassen werden. Wenn anch die Rede ,nit lvelcher im Namen Eurer königliclien ?.ltajestnt die Sitzungen der Stände eröffnet »vnrden, keine Ansicht über die allgeineiue Lage kundgibt, in ivelche lvir durch die Vorgänge der letzten Monate versetzt sind, so hält sich doch die Kammer der'Abgeordneten für verpflichtet, hierüli.er siel) auszusprechen. So möge denn vor Allem rnckhaltlo.'t von uns ausgesprochen sein, daö der Wechsel der Ereignisse die Ueberzeugnng von Recht und Unrecht, lvie lvir sie vor Beginn des Krieges gehegt, nicht ändern kann. Uni) lvenn die kriegerischen Erfolge die Elreichung des von uns bisher erstrebten Zieles selbst als ullmög-lich darstellen sollten, so mns; nns doch unverwehrt sein, daran zu erinnern, daß die Einignng des ganzen Deutschlands seit einem halben Jahrhundert der Wahlspruch deutscher Patrioten war, und daß die hoch-sten Ideen einer Nation darum noch nicht untergehen, weil ihnen in einem bestimmten Momente die Verwirklichung versagt zu sein scheint. Aber »vir stehen als die Besiegtell unter der Macht der TlMachen, und die Pflicht fordert von unS, auf dem gegebenen Boden für daS Beste deS Volkes zu sorgen. Wir müssen es liinnehmetl, daß mit der gkgenwärti-gen Gestaltung Deutschlands der Schutz des einzelnen Staates gegen Außen eine unverkennbare Einbuße erlitten hat; hoffen wir, daß dennoch jeder Angriff auf deutsches Gebiet die Nation zur einmüthigen Abwehr bereit fillden »verde. Dem norddeutschen Bunde unS anzuschließen, »vären wir nicht im Stande, selbst wenn lvir eS wollten, iveil Preußen sich nicht in der Lage befindet, es zn gestatten. Für uns fällt mit demselben Ge-lvichte. lvie die Verbindung Deutschlands zur mächtigen Einheit gegen Außen, die Freiheit des Volkes in die Wagschale; wir sind ihm schuldig, nach Kräften die Rechte zu sichern, hie schon bisher des Schutzes der Verfassung genossen und ungehemmt ihrer lveiteren Ausbildung entgegen-geführt werden können. Dcirum kann nur auf einer Grundlage, welche die berechtigte Selbstbestimmung deS EinzelstaateS mit der nothwendigen Einheit des Gesammtstaates versöhnt und die freie Cntivicklung deS ton-stitutionclleu Lebens gelvährleistet. eine Verbindung von Nord- und Süd-deutschland in befriedigender Weise hergestellt lverden. Wir suchen ver« geblich anf der Seite jenes Bundes nach den Garantien, welche unser Recht schützen und den Fortschritt auf der Bahn der Freiheit zn sichern geeignet wären. Wir können e» daher auch, für jetzt nicht alS unsere Aufgabe betrachten, den Anschluß an den norddeutschen Bund zu erstre-ben. Fern von jeder Feindseligkeit gegen Preußen und obwohl wir die Treiinung deS deutschen Südens und Nordens für die Dauer durchaus Veriverfen. könnten lvir es bei den nach jeder Richtung unfertigen Verhältnissen nur als einen Fehler der süddeutschen Staaten erkennen, wenn sie in hastiger Flncht vor der drohenden Isolirung eine Stellung zu dem Norden schon jetzt nehmen wollten, deren Bedeutung sich unter den ge-gebenen Umständen gar nicht bestimmen läßt. Die augenblickliche Lage der südlichen Staaten, lvelche lvir allerdings als eine haltbare nicht an-zlisehell vermögen, ließe sich durch ihre engere Verbindung unter einander mit gemeinsamer parlamentarischer Vertretung günstiger gestalten. Sollte dieser Bund zur Zelt auf unüberwindliche Hindernisse stoßen, so ist doch die Einigung jener Staaten über die lvichtigste Angelegenheit deS Schu- besitzt, dient eine Nadel zum Bohrer, eine Glasscherbe zur Säge. Durch die entstandene Oeffnung waren sie, wenn gleich mühsam, auf die Zinne des Schlosses gekommeil. Von ihren Strohsäcken und von Hanf, den sie znm Spinnen in der Zelle verabreicht bekommen, liatten sie ein Seil gemacht, das vollkomlnen die Länge von der Höbe des Schlosses hatte. Wie lange hatten sie an dem Balken schneiden uud sägen, lvie lange an d'Nl Vc/nfe durch allmälige kleine unbeinerkbare Entwendullgen sammeln lnüssea ! Allein diese Mühe, diese Ausdauer wurden hundertfach überwogen durch den letzten gefahrvollen Theil ihreS Unternehmens. Die Zinnen des Schlosses erlioben sich in ihrer zerstörten Gestalt etiva anderthalb bis zwei Fuß über jener Balkenlage. ?tirgends bot sich eiN Gegel,stand zum Festhalten. Anklammern dar. An ihnen standen die Flüchtlinge, in einer Höhe von »nehr als siebenzig Fuß. rund um sich her stockfinstere Nacht, »lnter sich den surchtbaren Äbgrulld; dabei rings umlier die Stille der Nacht, die jeden Schritt, fast den Athem der unten auf lliid abgehenden Schildivache zn ihnen herauftrug. Der geringste Laut verrieth sie, das geringste Schwanken ivarf sie in den gelvissen Tod. ^ennoli hatten sie sich znrechtgefnndcn. hatten sie ihr Ziel erreicht. An der Nordseite des Schlosses hatten sie in deln Zinnenlverke ein pal»r hervorragende Steine gefunden, unzerreißbar gehalten von jenem festen Mör-tel der Bauten des Mittelalters, den hier auch die Glut deS FeuerS nicht tjatte zerstören können. Uln diese Steine hatten sie das Seil geschlungen, an dem sie sich hinunterlassen mußten. Die Schildtvachen hatten sie durch eine einfache List unschädlich zu ln^cheu geivußt Einer von ihnen hatte sich nach der Südseite deS Schlosses begei^'en. und dort ein Geräusch gemacht, durch lvelcheS sämmtliche vier Soldaten nach jener Seite hin an der Mauer zusammen gelockt waren. Diese räumten nachher ein. daß sie in der Nacht zlvischea zwei und drei lllir olin» auf dem Dache, an der südlichen Seite des Schlosses, plötzlich ,ein anhaltendes leiseS Wimmern, ivie eineS Kindes, gehört hätten, daß ^dieses sie sämmtlich nach jener Seite hin zusammen geführt habe, und .daß sic dort längere Zeit über die Ursache der schauerlichen Töne sich l unterlmltn, hätten. Manölier und Zeit hatten die Verbrecher benutzt, mit tzes nach Außen und daher insbesondere über die Kriegsverfassunj^ so sehr durch die Natur der Sache jzfbotcn, daß knum Einer derselben sich dage-tM zu strauben t^emeint sein diirstc " Es ist viel l-lcstritl. u lvorden, iv r l ch e Streitkräfte Viktor Emanucl i ni Fcldc q e b a b t. Eiue Stellt deS Schreibens. ivclcheS Mazzini unter dcnl Titcl: „Republikanischer Bund" so eben au die Ita-licner veröffentlicht, gibt dari'iber Aufschlnß. „Die Monarchie." sagt er. „rückte mit !)50.0l)0 Soldaten deS regnlärtn Hkeres inS Feld; sie hatte außerdem 1W.000 Mann der mobilisirten Nation^lgarde. ferner 30,000 Freiwillijie. wobei das ganze Land übcrditS zur Vcrtlieidil^unt^ und als tliatjächliche Reserve bereit war. und sich jeder Mann zum Nachtlieile drs slt'Mdcn Feindes verstiworcn liatte. Oesterreich l)atte in Italien 150,000 Mann. Der preußische ürieg verbot unter allen Umständen, einen linzij^en^Maun liinzuzufin^en.'^ Und in einer Note bemerkt Mazzini: „Unsere amtlichen Verichterstattn' sagten. Italien l)abe bei Beginn des Krieges 450.000 Mann bereit gel)alit; ll'Ute sagen sie, es seien nnr 200.000 gewesen. Sie logen damals und sie liigen l)eute. das erslemal. damit das Land, den Ersolg sicher wähucud, il)nen freie Hand lasse; das zweitemal. um siir iljren Mißerfolg einen Grund anzugeben. Unsere Ziffer ist die richtige." Bezeichnend für die Lage deS Papstes ist ein Artikel der ..Armonia^' in Rom; das kirchliche Blatt schreibt : „Seit langer Zeit ist tS allbekannt, daß der heil. Stul)l. eingezwängt in seinem gegenwärtigen Gebiete, seine wUtliche Herrschast nicht ausüben kann. Hievon ist die gemäßigte Revolutionspartei in Italien so gut überzeugt, daß sie mit Eichrrheit die Stunde ausrechnen kann, wann der heil. Stuhl zu Grabe getragen wird. Sie ist gegenwartig in Betrachtungen über den päpst lichen Todeskampf versunken, zählt die Pulsschläge des Sterbenden und hat keine andere Sorge, so sicher ist ste ihrer Sache, als zu verhindern, damit tun überflüssiges, gewaltsames Veibrechen begangen werde." (Anspielung auf den italienischen MilitÜrkordon längst der päpstlichen Grenze.) Ge n eral B ix io. welcher sein 5tommando niedergelegt, hat mit einem Tagesbefehl Abschied genommen, worin er sein Bedauern ausspricht, daß das Glück die italienischen Waffen nicht begiinstigt hat. und beifilgt: „Mir lächelt die Hoffnung eines nahen Krieges, worin unser Italien, rrstarkt durch die Errungenschaften des lehten Feldzuges, frei in seinen Allianzen, ohne erniedrigende Rüeksichten auf mächtige Freunde, zur Be-freiung der ganzen italienischen Familie kämpfen wird." General Leboeuf ist nach Verona abgereist, wo er mit der Ueber-gäbe des F e stun gS v i e r e ek S an die betreffenden Munizipien beginnen wird. Diese Operation »vird dem Vernehmen nach 5 Tage in Anspruch nehmen. Im Augenblicke, wo diese stattfindet, werden zwei französische Fiegalten der Piazetta gegenüber Anker werfen. Gleich nach Vollziehung des AkteS wird auf Beranlafsung des Munizipiumö auf den Flaggenbüumen deS MarkuSplaßes die italienische Flagge aufgezogen und von allen Forts so wie von den französischen Schiffen begrilpt werden, worauf letztere die Anker lichten werde»». Am Tage der Uebergabe sollen auch fünf italienische Panzerfregatlen unter Kontreadmlral Vacea in Ve-nedig einlaufen. Die österreichischen Truppen werden sich am Lido an Bord der österreichischen Flotte einschiffen, die zu diesem Zwecke von Fa-sana herkommen wird. Das Munizipium hat Befehl erhalteu, die Quartiere der italienischen Truppen für den 8. berut zu halten. Nebst der Artillerie werden 2 Linienregimenter und 4 Bataillone Bersaglieri die Besatzung bilden. In einem Berichte der Liberte aus Palermo finden wir eine Reihe von Thatsachen verzeichnet, aus denen hervorgeht, daß die Aufständischen sich noch in ftarkrn Abtlieilungen im Innern des ^^andes lial-ten und noch ein blutiger Guerillakampf nothwendij, sein ivird, eh«' man die Insel wieder als pazifizirt betrachten darf. Die dnrch den Kampf in Palermo zerfprengten. aber nicht vollends besiegten Banden haben auf dem Lande sich wieder vereinigt; ihre Zahl, ihre Kühnheit, die Sympa-tl)ien. tvelche sie bei der ländlichen Bevölkerung finden, machen sie dem Lande furchtbar. In gewissen Gegenden ist der Fanatismns furchtbar gesteigert. So wurc^e am 27. September ein Grenadier-Bataillon, das nach Kapraniko. einer zeljn Slnnden von Palermo entlegenen Stadt von 15,000 Cinivohnern. gesandt tvurde. beim Einzüge in die Stadt v^'ll-ständig umzingelt und vernichtet. CS wurde zar Zilchtignng de,? Ortes eine stärkere Macht abgeschickt; fie tvird siegen nnd strafen. Wie viel Blut Ivird aber noch fließen, ehe die Insulaner selten, das; sie gegen die ^Viacht des Staates nicht aufznkomtnen vermögen? In Palermo trafen bis 'Anm 6. d. M. immer wieder neue Verstärkungen vom Festlande ein. und die Besatzung zählte bereits 50.000 Mann. Der Belagernngszu-stand wird mit großer Strenge dnichgeführt und krieg^^gerichtliche Hiurich-tungen sind an der Tagesordnung. Der B,richters!alter der Libert(' stellt in Atiredl'. daß die Insurgenten in Palermo selbst geplündett oder über-hanpt irgend welche Ereesse begangen hätten ihre Mannszucht sei eine eiserne gelvesen. Wie gewissenhaft sie das Eigenthum des Staates sowohl als der Privatleute geschont, ersehe man unter Anderem aus dem Umstaiide. daß kein Versuch gemacht worden sei, das nur von einer halben Kom-pagnie besetzte Batlkgebäude. in dem zehn Millionen Franken lagerten, zu nelimen. Es sei.nicht nur kein Schuß gegen diese kleine Truppe ab-gefeuert, sondern auch die Weisnng ertheilt lvörden, sie im Nott)salle zu beschützen. Obgleich die tussischen Zeituugen die orientalische Frage noch immer uur nebensächlich behandeln, scheint doch die Regierung ihre ganze Ausmerksamkeit fast ausschließlich dieser Frage zuzuwenden, ta die Truppenauhäufnngen in der Nähe des Prnth alles bisherige Maß weit übersteigen. In Polen hielt man noch vor wenigen Monaten eine Besatzung von 80.000 Mann — wenn auch in Wirklichkeit nur 60.000 Mauu anwesend waren — für durchaus nothwendig; unlängst ist dieselbe jedoch auf kaum 30,000 Vermindert worden, nnd vor wLnigen Tagen sind abermals 9000 Mann abgegangen, so daß die ganze gegenivärtige Besatzung des ^Königreichs nach dem Urtll>nl Unterrichteter nicht viel über 15.000 Mann betragen dürfte, wozu noch 2000 eben auSgehobene Nefru-teu kommen, die man im Lande belassen. Alle abberufenen Regimenter sind auf der Eisenbahn über St. Petersburg nach dem Süden des Landes dirigirt worden, Ivo bereits eine Armee' von 180.000 Mann zusam-mengezogen sein soll. Den polnischen Nachrichten zufolge dürfte vie KrisiS anch bereits als nahe bevorstehend zu betrachten sein, da eine Ehnsten-erhebuug schon in sehr Vielen Ortschaften im Innern der Balkanhalbinsel erfolgt fein soll. Der Stand der Dinge in Spanien ist noch immer so schlecht, als er nnr sein kann. Täglich wird eiue An;al)l Personen ohne Anklage, ohne irgend ein Urtheil arretirt und in Gesellschaft von Mördern uud anderen llebelthätern nach den pestvergisteten Inseln von Fernando-Po ezpedirt. Nach den gesünderen Kolonien, ivie Havanna, Portoriko. selbst nach den Pljilippinen, wagt die spanische R'gierung sie nicht zu senden, da die Zahl der llnzufriedenen und politischen Erilirten daselbst bereits zu groß ist. Personen anS allen Klessen, und wlche, welche in hoher Achtung stehen, werden zusammengepackt nno in Gesellschaft der größten Verbrecher auf die Galeeren gefendet. Nach Privatbriefen aus Madrid beabsichtigt die spanische Regierung die Frage zu erwägen, ob die KorteS fortbestehen sollen oder nicht. T'aS ist nach eiiier 30jährigen mehr oder weniger konstitutionellen Regierung in der Tl)at selir erbaulich. Die Nachrichten über den Z ustand der Kaiserin vo n M eriko widersprechen sich. Der Allg. Angob. Ztg. schreibt man anS Paris: .„Alles umsonst," soll Kaiserin Charlotte an ihren Gemal telegraphirt haben, als sie nach verschiedenen Unterredungen mit Napoleon Paris vei-ließ und sich uach Älüramar begab. Der Gram über daS Scheitern der mexikanisclAen Uiiternehmungen. an die sie alle Energie geivendet. und aus die Kaiser Mazimilian seine schönsten Hoffaungen gesetzt hatte, lvurde der größten Gefahr ihres Lebens auf der andern Seite von der hohen Mauer an dem dünnen, zerbrechlichen Seil sich hinunter zu lassen. Jede weitere Spur von ihnen lvar verschwunden. Freilich nicht lange. Wenigstens von Friedrich Viktor sollte sehr bald eine, tvcnn gleich keine erfreuliche Nachricht ciutreffen. Ich hatte sofort Alles. waS im ersten Augenblick aufiubieteu war. nach den verschiedensten Seiten zur Verfolgung der Entflohenen auSge-fandt. Ich war noch damit beschäftigt. Boten an alle benachbarte Poli-zeibehörden und Gensd'armerieposten zu schicken, als einer der Gefangen-Wärter in anscheinend leblosem Zustande in seine, iln Schlosse befindliche Wcihnung gebracht wurde. 3hm war Folgendes begegnet: Die Verpflegung der Gefangenen der KreiSjnstizkommission lvar an Bürger der Stadt verdungen, die Brotlieferuug an einen Spacker, der oben in der Stadt, am polnischen Thore. nach der Memel zu ivohnte. Bon dort wnrde jeden Morgen früh, in den Wintermonaten nm sechs Uhr. das Brot geholt. Dies geschah durch zuverlässige Gefanj^ene. ivelche leichte Gefättgnißstrafe zu verbüßen hatten, und von denen eine Entivei-cbung nicht zn fürchten war. Ein Gefangenivärter begleitete sie. Der Gefangeuwärtcr hatte sich auch an jenem Morgen mit vier Gefangenen zu dem Bäcker begeben. Während ilim daS ^.^^rot überivi^sen wird, stürzt ein Nachbar in das HanS. leichenblaß, mit der Nachricht, wie er so eben zwische»» den Hecken deS hinter dem Hause, nach der Memel hin gelegenen GartenS einen großen, wildaussehenden Menschen habe herumschleichen sehen. „DaS ist Viktor. Wer folgt mir?" ruft der entschlossene Gefangen-tvärter. ein kräftigkr, ehemaliger Unteroffizier auS dem litthanischen Dra-gouerregimente, der in den Freiheitskriegen daS eiserne Kreuz nnd zivei oder drei russische Orden, für daS Erschlagen so und so vieler Franzosen im Handgemenge, sich erworben hatte. Die Bäckergesellen und der Nachbar entsetzten sich und machten sich davon. „Burschen. Ihr?" fragt der Gefangenivärter seiiie Gesaagenen „Daraus los. Herr Wachtrneister! Wir gehen mit." In Litlhanen und Ostpreußen iverden die Unterbeamten der Gerichte lvie der Verivaltuttgsbehördeu, Erekutoren. Gesangeniv.irter ilnd so iveiter. Waehtmeister genannt. In anderen preußischen Provinzen haben sie andere Nainen. In Berlin z. B. 'vollen sie sämmtlich Herr NuntinS heißen. Der Gefangknmärter eilte mit seinen Leuten in dem Garten. Iii demselben Augenblicke flog an dem entgegeugeselUen Ende deS Gartens eine lange Gestalt über die niedrige Hecke und eilte der Stemel zn. „Es ist der Viktor; Mir nach!" schrie der Gesc^ngenivärter. „Ibr ^^^eute. zu Hülfe. Helft den Gefangenen greifen, der heute Nacht entst'.'-ljen ist.'' Er setzte gleichfalls über die Hecke. Die vier Gesaiigeiien folgten ihm. Auch die '.^Bäckergesellen lzatten Muth bekonlinen. uiid der Nachbar nnd lindere Nachbaren. Es entstand eine allgemeine Hetzjagd liinter' deiii Flüchtling. Dieser hatte rasch daS User der Menrel erreicht. E^^ lagen dort zivei kleine Nachen, an eiuent Pfahl angeschlossen. Er stnizt^ ans sie zn. (Ilr snchte die Ketten, mit denen sie angeschlossen ir'aren. loo;ureißen. Er Verluchte eS an dem einen, an dem andern Na-ä)en. vergeblich. Seine Veisolger kamen ihm iininer nälier. ^r suchte den Pfahl anS der Erde zu reiszen. an der die Nachen festlagen. Auch hier reichten seine Kräfte nicht auS. Seine Verfolger ivaren nur noch drei Schritte von ihm entfernt. Sie glaubten ihn sichei^ zu haben. Sie frohlockten schon. Sie streckten die Hände nach ihm auS. ihn zu ergreifen. Mit cinem Hohn>;clächtcr sprang ee in daS Wasser. Mit seinen kräftigen Armen zerthcilte er. ein fertiger Schivimmer, die Zlutlieit der Memel. „''Burschen, ihm nach! Wer kann schtvimmen?" rics der Gefangen-ivärter. Die Bäckergesellen und die Nachbaren konnten ivolzl den Mund und die Angen weit aussperren und dem davon Schwimmenden nachgaffen, aber selbst sch'oimmeit konnten sie nicht iFortsetznng folgt.» noch gesteigert durch die Trübung des Verhaltnifses zu dtn Höfen von Brüssel und Wicn. In jolcher traurisien Gcmiithsverfassung k^mi die unglückliche Fr-itt in Rom nn. wo ilir Nfwe«systcm bald in einer Weise angegriffen erschien, daß man Schlimmes zu lnfüichten anfing. DaS Schlimmste ist eingetroffen. Das furchtbare Leiden der Kaiserin soll unter Erschcinnttgcn zu Tage gi-treten sein, nach »welchen uiau. wenig '<'>offnu!lg auf Hrilnug l)ättc. — Nach der Französ. Korr. wäre im Vcfiuden der Kaiserin Charlotte wieder bedeutende Besserung eingetreten. Stehendes Heer oder Volkswehr! I. Marburg. 11. Oktober. Der lej^te Krieg hat jeden Zweifel gehoben, dast unsere Wehrder-sassung einer raschen Aenderung bedarf und nur über das neue System selbst herrscht noch eine Verschiedenheit der Meinungen. Durch die fabelhasten Erfolge der preußischen Waffen verführt, glaubt eine Partei, das Höchste zn leisten, wenn sie die Verbesseiung unseres Heerwesens nach preußischem Muster anstrcbt. Vom rein militärischen Standpunkte aus könnte dieses Älinster am Ende noch empfohlen werden; der militärische Standpunkt allein ist jcdoch für uns nicht maß« gebend: wir fordern eine Umgeftaltnng deS Heerwesens nicht nur ans militärischen, sondern auch aus volkswirthschaftlichen und politischen Gründen. Eine blos dreijährige Dienstzeit, wie in Preufieu. würde unsere Stmerkraft allerdings weniger in Anspruch nehmen — würde unsere arbritsfähigste Jugend nicht so sehr der Arbeit entwöhnen — aber es wäre doch immer nur eine Linderung des Nebels und keine Heilung. Die preußische Wehrvcrfafsnng hat die Bismäreker nicht geliindert, einen ungerechten, brudermörderischen Krieg zu beginnen gegen den erklärten Willen des Volkes. Daß nun der glückliche Ausgang dieses Krieges die öffentliche Meinung in Preußen zu Gunsten des Mannes umgestimmt, der im Falle des UnterliegeS verflucht worden wäre, dessen Leben in diesem Falle von der wüthenden Menge nicht geschont worden wäre, liegt im Wesen der menschlichen Natur; der Staat aber soll durch seine Einrichtungen es verhüten, daß die Gemeinheit dieses WesenS vorherrsche. Eine Volkswehr in Preußen hätte den ganzen Krieg unmölsiich gemacht — in einem Staate mit Volkswehr hätte Bismarck nie Minister werden können. — . Bei einer Frage, die uns in allen Tiefen beweist —bei einer ^rage. von deren Lösung der Fortbestand Oesterreichs abhängt, dürfen wir uni^> mit Halbheiten nicht begnügen. Hat nns das stehende Heer volkswirth schaftlich zu Grunde gerichtet, hat das stehende Heer den Staat nicht zu schützen vermocht — so können wir nun und nimmermehr eine solche Einrichtung beibehalten und wir müssen uuS nothgedrungen sür die Volks« wehr entscheiden. Wer allgemeine Wehrpflicht fordert — und die Wenigsten erklären sich jetzt noch gegen dieselbe — mnß folgerichtig auch die Cmführuu^^ der Volks-wehr verlangen. Bei allgemeiner Wehrpflicht, die jeden Waffenfähigen Zur Ue-bung zlvingt, ist es im Frieden gar nicht möglich, eine so nngehenre Zahl fortwälirend unter den Waffen stehen zu lassen ^ einen Theil jedoch als stehendes Heer auszuscheiden und den anderen jährlich nur auf kurze Zelt einzuberufen, wäre eine Bevorzugung des lehtereu, würde sich mit der Gleichheit Aller vor dem Gesetze nicht vertlagen, die im Verfassungs-staate oberster Grundsatz des Nechtes ist und bleiben muß. Die Krankheit AtapoleonS versetzt Frankreich und die Welt in fieberhafte Spannung. Die Ereign'.sse. welche nach dem Tode deS Tyrannen hereinbrechen müssen. Wersen ihren Schatten voraus. Am ungeduldigsten selien die Pariser der Stunde ent-aegen, in welcher das eiserne, blutbefleckte Szepter der Hand des neuen ^äsar entfällt. Unter dem Eindruck dieser S timmnng wird der „N. Fr. Presse" aus der Seinestadt geschrieben: ' „Große Unruhe hat in jüngster Zeit hier gelzerrscht in Falge der^ über die Gesundheit des Kaisers umlaufenden Geruchte. Noch selten ist uus das Beivußtseiu einer möglicherweise ganz plötzlich hereinbrechenden Katastrophe so nahe getreten. Daö Leiden Napoleon s unterliegt keinem Zweifel. Borauszusagen, welchen Verlauf es nehmen wird, ist allerdings schwer. Aus alle Fälle macht sich die öffentliche Stimmung nicht blos in dem da und dort angeschlagenen Tone der linterhaltnngcn. sondern auch lm tlieillveisen Stocken von Handel und Wcindel geltend. Unter diesen llmstiwden fand unlängst eine Beratliung in republikanischen Kreisen statt; man sülilt. daß mit dem Ableben des .^raisers sofort Alles in Frage ge-stellt wäre. Grundsätzlich sind die Republikaner d.uüber einig, daß die aus der Febru.ir-Revolution st^nnmende Verfassung durch den Geivall-streich vom Dezemlier 1851 Zlvar beiseite gesetzt, alier nicht rechtSkräüig aufgehoben ist; daß vielmclir über dem Haupte des^lsnrpators ull) seiner politischen Schopfun^i sortwälirend moralisch das Schwert der von ilini widerrechtlich ihrer Funktionen beraubten Gerechtigkeit schtvelit. Es !)andelt sich jedoch darum, wie im Falle des Eintretens deS oben erivähnten rignisseS von republikanischer Seite zu handeln sei. . . Zu einem Beschluß kam es vorerst nicht, llelier die Lage lajsen^l^ mich noch Folgendes bemerken: Wenn eine plötüiche Erledigung deo Thrones erfolgen würde, so stünden lvahrscheinlich vier Parteien im Felde : die Kaiserin alS Regentin. Prinz Napoleon, die republikanische Partei, und endlich die Orleans. 3)!an schreibt dem Prinzen einen Ehrgeiz ;n. der ihn vernnlasscn könnte, als Prätendent auf eigene Fanst aufzutretul. Vielleicht schmeichelt er sich, mit den lmlbichlächti.^en l^eberläufern und einem Tlieilc der Unznfrledenen anderer Parteien einen Sta.itSstreicd au^-^. führen zu können. )e nach Umständen dürfte sein .^.>ervortrtten ^er Sacbe deS Kaiserreiches verderblich we'-^en. oder den Aussichten der Republikaner schaden; denn er hat sich, namentlich in jüngster Zeit, ab^'icht'ich zwischen die beiden gestellt. Vielleicht fällt er auch zivischen zivei '!5^külilen nieder, während er nch auf beide zu setzen sucht, llcber die Kaiserin Side dies Vertrauen kann schr schädlich wer-den; Vorbereitnligen für den geiien'väuig so viel diSkutirten Fall sind jedenfalls auf Seilen der Gegner des ^Kaiserreiches nicht entsprechend ge-troffen." Marburger Berichte. (S ch a u b ü h n e.) Am DienStag war daS Theater sehr zahlreich besucht. In dem Lustspiele: „Der Präsident" errangen besonders die Herren Stt>rei (Karl von Elmhorn, Landratli) und Schlater (Walter) sich den Beifall des Hauses, der auch dem Fränlein Hybl für „DaS Solo Lustspiel" von Saphir gezollt wurde, welches die Künstlerin Meister-Haft vortrug. Diesem folgte: „Große Szene und Arie auS der Oper „Trovatore". in welcher Herr Direktor Sonnleithner zum ersten Male als „Mauriko" auftrat. Herr Sonnleithner ist ein gut geschulter Sänger, seine Stimme jedoch weniger stark als angenelM: das Spiel entsprach der Rolle, was liei Sängern sich nicht häufig findet, weil die meisten um deS GesangeS »Villen die Geberduug veruachlässigen. — Wir wünschen nur: Herr Sonnleithner möge, vom rauschenden Beifall deS Hauses ermuntert, unlere Bühne bald wieder betreten. — Nach dieser Szene konnte die einaktige Posse: „Eu« lenspiegel als Schnipfer" von keiner Wirkung sein, obwohl sie gelungen dargestellt wurde. — „Der Zerrissene" von Nestroy wurde am Mittwoch vor leeren Bänken gespielt. Die Zeit der Nestroy'schen Possen ist unwie» derbringlich vorüber und es wäre besser für Oesterreich und die Kunst, hätte eS nie eine solche Zeit gegeben. (Einbruch.) Vor Kurzem wurde auf der Hube deS Glaöfabri-kauten Herrn Wohak in Rottenberg zur Nachtzeit eingebrochen: die Gau-^ ner, welchen die Ocrtlichkeit wahrscheinlich bekannt gewesen, stahlen dem Maier und seinem Stiefsohne 8 fl. Baarschast nnd Kleider im Wertye von 89 fl. 40 kr. (Diebstah l.) Dem Grundbesitzer Wratschko in St. Georgen an der Pößnitz wurdeu in der Nacht vom 9. auf den 10. d. M. Kleider im Werthe von 117 fl. gestol)len: die Thäter, von welchen man noch keine Spur entdeckt, hatten den Eingang zur Stube, worin sich die Gegenstände befanden. Mit Antvendung bedeutender Getvalt sich geöffnet. (Der letzte Stadtkammerer von Marburg) Herr Satzeritsch ist gestern Vormittag im Alter von 93 Jahren gestorben. Der älteste Bürger ist jetzt Herr Stroi, pensionirter VorspannSkommissär. wel-cher 90 Jahre zählt und noch der besten Gesundheit sich erfreut. Herr Stroi war 18V9 Fähnrich der Marburger Landwehr. (W. von Tegetthoff) wird, wie man unS berichtet, seine Ber-ivandten in Marburg befuchen, und die schöne Zeit der Weinlese hier zu-bringen. Manche Gemeinden haben den Biee-Admiral durch Verleihung des Bürgerrechtes geehrt — könnte nicht seine Vaterstadt zu dem gleichen Schritte stch entschließen, nachdem für den Helden von Helgoland und Lissa stch auf der österreichischen Flotte kein Plätzchen mehr findet? Letzte Post. Die Nachrichten^ über den Fortgang der preußifch»s^stfch-n Friedensverhandlungen bestätigen stch nicht: Friese«, der Gesandte des Königs Johann ist in Berlin noch gar nicht empfange« worden^ Volksabstimmung in Benetie« soll am 2U Oktober ftatt- Die Montenegriner rüsten stch z« einem Ginfalle ans türkisches ^^^^^Der GesnndheitSjnstand Napoleons ist so gefährlich, daß bereits Schüttelfröste steh eingestellt haben. ^ ^ . Das russische Ministerium hat seine Entlaffnng eingereicht: Großfürst Konstantin ist mit der Bildung eineS neuen beanftragt worve^.^ Hauptstadt Mexiko ist von den Nepnblikanern bedroht. Äilgekoullnene in Marblirg. Pom K. bis Iv. Oktober. „Erzherz0^1 Johann." Die Herren: l^raf Pappenheim, kk. Generalmajor. Richter, kk. Steiiereinnelim.. Mahrcnberg. Cch n. ^lijAner, tt. Rittmeiste^ KranichSfeld. Wolf u. Hliiicr, Wien. Beothy, tt. Rittmeister, Wien. Schyns, Direktor, Prag. Leuker, ^>attdelSreis., Wien. ^ ^ „Studt Wien." Die Herren: Dr. v. MiUlcr, kk. Landesgerrchtsrath, InnSbru«. Dr. Niltcr v. Luschan, Hof- n. KerichtSndvowt, Wien, Alach, ft. LandeögerichtSrath, Briest, o. Czerwynski, Mediziner, Wicn. Stöger, Gastwirth, Maria-Zell. Bolkman»,, Pltvtotir.ipli, (?rnz. Hugo, HattSbesitzcr, Graz. Mahn u. Lueiu», Kaufl., Wien. Traut, Weiiihmidler, Pest. Herrmann, Privat. Prag. GiuromeUi, Handelsagent, Stttzing. „Schwarz. Adler." Die Herren: Baron Lichmann, au» Wien. Mosdorfer, Jurist, Weiz. v. Miller, tt. Rath. Wie». Wolf, (^asthauSbes., Cilli. Kallab, Kfm., )elljtsch, Beamter, Hoheumauthen. — Die Franen: Gallina, kk. RathA-Gattin, Wien, l'^oll, PostmeisterS-c^attin, Winvischgraz. „Irnübe." Die Herren: Paick. kk. Hauptmann. Arad. Bernauer, Jngenzeur. Wien. Pertli, kt. ^^ieut., Görz. Wüuscher, Hausbesi^er, Leoben. Mop. Realschullehrer, ^^»tleul'erg. . ,.,^ischer'» Gasthaus." Die Herren: Gold, kk. Lieut., Alume. Xollmann, 'l'rivlü. Va^^eiifurt. .Niger, Südbahn-Beamter, Ofen. Murschij». Privat. Wien. — Die s,r.nlen: ('^rimschitz, OssizierS-Gattin, i/inz. Hartmann, Schanspielerin. Graz. GW Grllndstüek im Flächenmaße von 40 Zoch und von bester Beschaffenheit ist auS fteicr H.ind zu verkaufen. Nähere Auskunft beim Gemeindevorstande zu ^t (^^evrgcu in W. B. _ Eisenbahll - Fahrordllung für Marburg. «ach Wien: Äl'fal»rt: 6 llhr IS Mm. ?^ruh. »l'fahrt: 8 Uhr 15 «ui. 0 Uhr 43 Min. Abends. 9 Uhr 2 Mrn. Nach Billach: «bfabr«: S Uhr Früh. Druck und Verlag »on E»»ard Jauschitz »n Marburg.