Beilage zur Laibacher Zeitung.
M 3t. " Siebenter Jahrgang. 33. Mai R8O3.
Pfingsten.
M
Wiel' hundert Jahre sind vcrslosscn, Seit jener Geist ward aufgegossen, Der Liebe dieser Welt gelehrt; Der ans des Wahnes Finsternissen Die Menschheit hat cmporgerisscn, Daß sie dm Vlick znni Lichte lehrt.
Geoffenbart mit Flammenznugen, Ist er als Sieger vorgedrungen; Vor ihm entfloh die diist'rc Nacht. Das Wort, das er der Welt verkündet, Hat Morgeusounen angezündet, Und hat den Menschen frei gemacht.
Und ist er immer frei geblieben'? Ward er nicht oft zurückgetrieben In's alte Joch, zum finstern Wahn? Fragt nur einmal die Weltgeschichte, sie hat's verzeichnet zum Gerichte, Sie klagt dm Menschen furchtbar an.
sr hat mit seinen frechen Händen Das Licht benutzt, damit zu blenden, Nis selber er die Svnr verlor. Er hat mit Haß getränkt sein Streben , Und fand er Liebe je im Leben, so hat er sie geschmäht, der Thor.
Und doch begeht er immer wieder Die Feier, das, vom Himmel nieder Des Geistes lichte Flamme quoll; Er sieht iu jedem Wcttcrglühcn Das hcil'gc Wnndcr sich vollziehen, Und dünkt sich selbst des Geistes voll.
Er merkt nicht, daß vom Wahu befangen,
Auf einem Pfad er ist gegangen.
Der ihu zum Abgrund niederreißt —
O Mensch! schlag' an die Brnst voll Neu?,
Und bitte Gott, daß er auf's Neue
Dir sende feinen hcil'gen Geist.
Aiel'eswege.
Eine Geschichte vou E. Hoefc r. (Fortsetzung.)
«T^ic alte Excellenz empfing mich sitzend und ohne Miene zu !
machen, mir einen Stuhl anzubieten, den ich mir daher ruhig !
selbst heranzog. Sie sah meinem Verfahren mit halb vcrwun- !
denen, halb finsteren Blicken zu, jh,<, sch„^„ Lippen preßten !
sich noch fester an einander, allein sie sprach nach einem kurzen I
Schweigen nur mit scharfem Ton: „Meine Kammerfrau sagt !
mir, daß die ,Person drüben sterben wird." — „So ist/Z, !
Excellenz," versetzte ich kalt. „Sie wird sterben, weil ihre Krankheit vernachlässigt worden." — Sie maß mich wieder mit einem finsteren hochmüthigen Vlick, bevor sie entgegnete: „Ich mag keine Todesfälle in meinem Hause und noch weniger die incvitable Unruhe. Ich gebe einen großen Beitrag für das Krankenhaus. Sorgen Sie dafür, das; die Person dahin ge-! schafft wird." — „Unmöglich, Excellenz," erwiederte ich, mich zusammennehmend und fo kalt wie ich's vermochte. „Die Frau ist nicht mehr zu transportiren. Und wäre ihr Tod auch nicht so nahe — ich würde bei dieser Krankheit dennoch jeden Wechsel des Aufenthalts verbieten. — Ich habe der Gräsin Tochter gesagt, daß ich um zehn Uhr wiederkommen werde. Haben Euere ^ Ercellcnz mir sonst noch Etwas mitzutheilen?" setzte ich hinzu, ^ stand auf und schob den Stuhl an seinen frühern Platz Zurück. ^ — „Nein," sagte sie kurz. -- Ich verbeugte mich und ver-! ließ Zinnner und Haus.
^ Freude hatte mir, wie man sieht, die Erfüllung meines
! Knabcnwunsches nicht gebracht, obgleich eigentlich auch keine ! Enttäuschung, da mir Besonderes im Ucbcrfluß vor Augen ge-l kommen — die hochmüthige Alte, die freche Dienerin — die ! anziehende trauervolle Gestalt der Tochter. Die Erscheinung dieser Letztcrn wollte mich gar nicht verlassen, sondern stand fort und fort vor mir.. War sie das damalige rosige, ftische j Kind gewesen, dem wir so neugierig nachgeforscht, und das ! wir doch niemals zu Gesicht bekommen? Ich mußte Paul dar-! nach fragen, der durch seinen Vater immerhin mehr als An-! dere von per Familie wissen konnte. Ich eilte nach Hause zu ! kommen.
j Allein unterwegs noch wurde ich von einem Mädchen an-
! gehalten, welches mich zu einer schweren Entbindung rief i ich folgte und mußte dort bis gegen zehn Uhr verweilen, worauf ^ ich sogleich dann wieder zu der Gräfin ging. Da fand ich es, wie ich mir gedacht: die verordneten Mittel waren ohne Wirkung geblieben, und die Kranke näherte sich schnell ihrem Ende. ^ Neben der Eomtesse weilte jetzt eine jüngere, bescheidenere Dienerin im Zimmer und am Bett der Sterbenden, die bereits ! das Bewußtsein verloren hatte.
Als ich mich von meiner Untersuchung wieder aufrichtete, ruhte daB dunkle, müde Auge der Dame fest auf mir, und sie fragte leise: „Nicht wahr, es geht zu Ende, Toctor?" — Ich nickte. — „Läßt sich Nichts mehr thun?" sprach sie auf's Neue, und als wollte sie diese Frage entschuldigen, setzte sie hinzu: „Ursula bat mich seit meinem siebenten Jahre nicht
einen Augenblick verlassen." — Das waren ihre letzten Worte: ! nach ihnen zog sie den leichten dunklen Ehawl fester uni die ! Schultern und saß fortan schweigend nnd rcgnngslos, bis nach ^ einer halben Ctnnde etwa der letzte Athemzug verzittert war ! und ich aufstand. Denn obschon ich nicht helfen konnte, hatte ! ich inich zum Gehen nicht zn entschließen vermocht. Wir waren ^ in dem großen, vornehmen Hause, in dem es Menschen genug zur Hilfe und zum Trost geben mußte, aber — ich weiß nickt, wie das geschah — die Dame kam mir vor, als sei sie trotz- i dem einsam und von aller Welt verlassen. !
Nun, da ich aufstand, erhob auch sie sich und reichte i mir ihre Hand. „Nehmen Sie meinen wärmsten Tank, Toctor," ^ sagte sie. „Ihre Anwesenheit hat mir wohl gethan." — „Ihr bester Tank wäre, wenn Sie jetzt an sick selber denken wollten," versetzte ich fast traurig, denn ihr Anblick machte mir das Herz schwer. — „So will ich," entgegnete sie ruhig. „Es hat aber Nichts zn sagen: ich bin an den Ernst gewöhnt." — Wir schieden: das Mädchen leuchtete mir durch das bereits dunkle, lodtenstillc Hans bis zur Thür.
Daheim ging ich gleich zur Nuhe, allein ich tonnte noch lange nicht schlafen, da mich der Gedanke an das ernste, bleiche Gesicht der Gräfin, an ihre ganze eigenthümliche Erscheinung auch jetzt nicht verlassen wollte; und dazu hörte ich, daß droben über meinem Haupt Paul gleichfalls noch wachte und stundenlang mit gleichmäßigem Schritt sein Schlafzimmer durchmaß. Ich tannte schon diese Angewohnheit des Freundes, der ohne eine solche Promenade nicht schlafen zn können behauptete. Nur schien sie mir heut' noch länger zu dauern, als gewöhnlich. U^ Ich schlief endlich darüber ein.
^ Am folgenden Mittag, als ich von meinen Besuchen zurück-
kam, begegnete ich ihm auf der Straße und ging mit ihm nach Haufe. „Deine Praris florirt, wie es fcheint," sagte er nach einigen gleichgiltigen Reden. „Tu bist gestern ja sogar zur Excellenz Rödcr gerufen, wie ich auf Deiner Tafel sah. Du kannst das hoch anschlagen, die Dame ist erclusiv." — , „So schien es mir," versetzte ich. — „Sie ist krank?" fragte er. — „Nein, cs war eine Kammerfrau der Comtesse —" — „Doch nicht Ursula?" unterbrach er mich so rasch, wie ich noch keine Rede bisher von ihm gehört. — „Ja, ja," vcr-^ setzte ich, „so hieß sie. Tu bist also in dem Hause bekannt, ß Paul?" — „Nicht daß ich wüßte," gab er gleichmüthig zur Antwort; „mein Vater redete nicht von den Leuten. Ursula 5 aber kenne ich noch von damals; sie kam zuweilen zu uns. R Ist sie ernstlich krank?" — „Sie ist leider schon todt — !" W — „Todt?" fiel er mir wieder fast heftig in die Rede, und l dießmal blieb er auch mitten auf der Straße stehn und starrte K mich mit einem Ausdruck an, den ich nicht anders, als „ent-l setzt" nennen kann. „Aber um Gotteswillen, Gustav, was t redest Tu? Wie wäre das möglich? Sie war doch vor acht ß> Tagen noch wohlauf — da begegnete ich ihr," setzte er crklä-U rend hinzu, indem er an meiner Seite wieder weiter ging. ^ (Fortsetzung folgt.)
Aeltcste Geschichte des Lnibachcr Theaters.
Von P. v. 3t adic s.
(Vchln^.)
Die Ausstattung gewann fortan die Dberhand bei den Icsuitcndramen, und die Chronik hebt hervor, daß im Jahre 1715 (17. Jänner) die academische Jugend von Laibach dem neuen Landeshauptmanne (Job. Caspar Graf von Cobenzl) „eine Comödic mit allerlei Maschinenwerk" gegeben habe.
Wie die Echuldramcn überall nach den zwei Richtungen hin anregend wirkten, einmal in den Städten, wo sie cmfge-führt wurden, den stehenden Bühnen von Verufsschausvielera allmälig Bahn brachen, danu im Lande den Vauerncomöd^n neue Duellen zuführten — so auch bei un<-.
Wir sahen schon die Landschaft ihre fördernde Hand den „hochdeutschen Comödianten" ohn' Unterlaß darreichen — wk sahen schon die Schüler aufs Land hinaus wandern und draußen, in der Muttersprache „Comödie spielen" — nun begegnet uns (ums Jahr 1730) gar in der kleinen Stadt Krainburg die Aufführung eines P a ssio n s spiels !
Das Manuscriftt desselben befindet sich im Vcsu;? dc.> Herrn Oberamts-Dircctors Dr. Costa und betitelt sich' „Tas Leiden unseres Herrn und Heilands Jesu Christi." Vollständig vorgebracht. N8. Welches zu, Krainburg auf dem öffentlichen Platze den l.>. April 1730 als ein schmcrzenvolles Tragüd, allen nicht ohne häufigen Thränen ist vorgestellt worden.
! Wir sind in die erste Hälfte des XVlll. Iahch:!^r5Z mit unserer Tarstellung vorgerückt: sehen wir auf den durch wandernde Comödianten zur Herrschaft gebrachten Geschv,'m, so finden wir, daß statt der „hochdeutschen Comödiantcn" — denen die Landschaft 1737 nnr mehr 15 Thaler auswarf — nun durch eine Neihe von Jahren „italienische Truppen" bci uns einziehen, ja wir sehen sogar eine „italienische Nobelbühi'.e" erstehen. Es ist auch schon der italienische Kling-Klang — Oper genannt — der bei uns jetzt zum ersten Male ertönt. Es wurden aufgeführt: ,,^rl»«<>l-5<: vramn per Nu^io» c!i> r<^l'l'«l-lnt«r«i n«Ila 8»lln cl«l sulnxxo 1'rovin Liulu (im Saale des Landhauses) in I^lliilln». Doclic:,'.!() nll' exc^l^l» pl'ovinciu (lcl vuculo
!c 1740, 1^« pl)o8iu « c!i 2Il,>t»^lli8in <'!<-. la mu^icil ^ 8mil'ä l)l'i5!l^ lo.; 1742 !) <-'" " t l' i o Dsömn pl)r m u -si o :< 6a ll!p......; (ohne IahreZangabe am Programme) l^ u
Interessant ist uns noch ein Programm in der Museal-bibliothek, das die Ankündigung einer Darstellung enthält, die „unter eifriger Schutzvcrwaltung der hochlöblichen Brüderschaft Kl.>tlemplui-i5 Mmcli von den W. W. E. (5 P. P. Capu-' zincrn" am 1^. April 1743 in Lail'ach in Scene gesetzt unv gespielt wurde.
Bisher wußten wir nur von der schon 1617 eingeführten nnd bis auf Kaiser Josef ll. Zeiten in Uebung gehaltenen CharfreitaZZ - Procession, die von den Eapuzinern auszugehen Pflegte. Nun gar ein Traum — das war offenbar Rivalität mit den Jesuiten.
Das Eapuziner-Schauspicl lautete: 15 l- ll i c! u x — Nira-lülis sMFnuo »ili8 lielüliux ^l»wl', cuin mo»8 et vila lUl^llo conNixer^ mirnlulo: in quc» vüum nen e n«-(lonllo «rll «llienclo op^Ol-luil pugluiro, ul ^«.«.^t li-ium-plinr« ullzu« sio Nl8 »item slllll>l«ü. (Das Programm ist gedruckt in Laibach bei Reichhardt).
Von den 40cr bis in die 00er Jahre, bis zur Erbauung eines eigenen Schauspielhauses, zeigt sich in den erhaltenen Notizen über die in Laibach aufgeführten Stücke eine bedeutende Lücke, sie ist durch die in diesen Zeitraum falleudeu Kriege „Oesterreichs" wohl erklärlich, zu denen die Landschaft don Kram in altgewohnter ergebener Treue au das Herrscherhaus große Summen und Lieferungen beistenerte, wie dieß die landschaftlichen Aufzeichnungen darthuu, also für die „Ergötz-lichkcit" herumziehender Truppen nicht mehr die frühern Beiträge spenden mochte!
Im Jahre 1765 stand der Besuch des Kaisers Franz in Laibach bevor, und so beschloß der Landtag desselben Jahres (Ende Juni) die Herstellung eines landschaftlichen Theaters; es j wurden die vier roheil Wände der landschaftlichen Reitschule, > die auf demselben Platze stand, wohin das erste Laidacher j Schauspielhaus zu stehen kam uud wo auch das heutige steht, ' dazu verwendet, und der laudsckaftliche Baumeister Lorenz Prager ! wurde mit der Ausführnng betraut. Nach 6 Monaten der angestrengtesten Arbeit kam der Meister mit dem Neubaue zu Stande und dieser hatte folgende Dimensionen und Einrichtung: Es war ganz ans Holz gezimmert und hat eine äußere Länge von 20 Klafter und eine Breite von 9 Klafter, 4 Schuh; die Bühne war nur 8 Klafter 9 Zoll breit und 5 Klafter tief; der Zuschauerraum zählte, uebst einer prächtigen Hofloge zu ebener Erde und in zwei Stockwerken, nur 50, zumeist sehr ^ / enge Logen , die jedoch für den damaligen Theaterbesuch (Laibach Zählte damals im Ganzen kaum 7000 Einwohner) weitaus genügte.
Mit welcher Tarstellnng die erste selbstständigc Bühne eröffnet wurde, ist uns leider bis nun nicht betannt. Erst ans ! dem Jahre 17 69 ist die Notiz erhalten: „Die verfolgte Unbekannte." Ein scherzhaftes Singspiel, welches in der Stadt Laibach anf dem neuen landschaftlichen Theater von der Compagnie des Josef Vnstolll im Fasching 1769 aufgeführt werden wird" (Programm gedr. Laibach., Eger— in der Museal-Miothck.) Also wieder ein deutsches Stück!
Zwel Jahre früher spielte mau bei den Jesuiten zum -Jahresschlüsse auch eine ganz deutsche „Comödieu" : 1767 ! am 9. Herbstmond „Penelopo," ein Trauerspiel. (Vorgestellt ! auf dcm Theater des Laibacherischen Collegmm) dcr Gesellschaft Jesu — das Programm und die „Periocken" gedr. Laibach ! l'ci Eger: in der Musenmsbibliothet).
Aus dem Jahre 1769 haben wir noä) ciu? Noüz einer deutschen Aufführung bei den Jesuiten: Alcris, c^; Schäfer- ^
spiel. (Programm bei Egcr Laibach gedr. — in der Museal' bibliothey.
So war wieder der Geschmack für deutsches Drama auf die Bahn gebracht und vielleicht gerade wiedrr durch Zuthun, der Jesuiten!
Im Jahre 1780 ist große Regsamteil im theatralischen Leben Laibach'Z; es war der bekannte Schickaneder, „Tirec-tcur" der deutschen Schauspieler da. Er führt im selben Jahre auf und läßt zugleich drucken: „I ulius v o n T a r e n t," cin, Trauerfpiel in 5 Aufz., uud „Barbiercr von Scvilicn", Operngesänge. (P. Marcus Pochliu, Bibl. Earn. unter 3.)
Auch heimatliche Eapacitäten werden in dieses Leben hineingerissen; so schreibt unser Historiker Anton Lin hart „Mist Ieuy Löwe," ein Trauerspiel (1780 Augsburg bei Stade gedruckt. 8".) uud der geniale, Priester I. Supan die sloveni-sche Oper: „Velin;" und über dem ganzen Institute waltet schon die schützende und fördernde Fürsorge des für alle Interessen der Heimat gleich begeisterten uud uncrmüdct thätigen, großen, unsterblichen Mäccn's Ti cgmund Fr eih. v. Zoisü
Man gab jetzt durchaus deutsche Schau- und Singspiele, von denen „Diego und Lconore," ein Trauerspiel in 5 Auszügen. Laibach 1783. Klcinmayr (Musealbibliothck), und „Pyrrhus, König von Epirus." ein Singspiel, 1795, die bedeuteudsten waren.
Inzwischen kamen auch wieder „italienische Opcristen" — die auch heute noch in Laibach guten Boden für ihre Aufführungen finden — so hörte man 1737: „ll-
l«lll>i m>Il lwdil 'sl'lUro »»ximlniu >»'!'»»» vern «il'II ^Vlmo 178?. (len. Uerlc, 8lllinp»llaru — in der
Musealbibliothet) und 179 li 5 o /^> n i" und die ,/^uplitiuvn Hliokn," welche letztere 1790 aufgeführt worden, wohl nur von Dilettanten, und so steht diesc slovcnischc Aufführung anf lange hin in den Annalen des Laibacher Theaters vereinzelt da.
Ende der 90er Jahre (des vorigen Jahrhunderts) begann i eine Gesellschaft von Theaterfreunden in Laibach ein Theater- ! journal auszugeben, das, von 1799 an, wöchentlich ein Mal > ersckeincn und unparteiisch gehaltene Besprechungen über den ! Werth der gegebenen Stücke und über die Leistungen der Schau- ^ spieler bringen sollte. Doch nach der zweiten Nummer schon ! geriet!' das olme Rücksicht gehaltene Unternehmen ins Stocken ^ — warum ^! Vielleicht hatte zu seinem Untergange die von Philipp Frantcnstcin, Mitglied und Negisseur der deutschen Echauspielergescllsckaft ausgegangene „Appellation an die gesunde Vernunft gegen das sehr ungesunde hiesige Theatcrjournal" in ! ctwas beigetragen. !
Aus den zwei, im Besitze des Herrn Studienbibliothekars M. Kasteliz befindlichen und mir freundlichst mitgetheilten Nummern ersieht man, was um die Zeit gegeben wurde. Am Schlüsse von 1,796: „Der Bucentauer, oder die Ver-mäluug mit oem Meere." Schauspiel in 5 Aufzügen von Schickaneder: also war der ehemalige „Directeur" in Laibach in gutem Andenken.
Am .1. Jänner 1799 verkündete der Theaterzettel: „Die ! silberne Hochzeit," ein ganz neues, hier noch nicht gesehenes , noch ungedrucktes Original-Schanspiel in 5 Anfzügcn, von August von Kotzebue. Hören wir, was das Journal über dieses Stück urtheilt: „Das Stück — heißt es in der Besprechung des Inhaltes — ist sehr gut, und weit entfernt, seinem trefflichen Meister im Mindesten zu nahe zu treten, glauben wir nur, daß es besser gewesen wäre, das Gute und ! Schöne, welches in seinem Drama vorkömmt, mehr zusammen- ! gedrängt, folglich überraschender uns darzustellen." !
Am 5. Jänner desselben Jahres sollten „die Schwestern ! von Prag" gegeben werden, doch wurden die für diese Oper zahlenden Zuschauer mit dem äußerst übertriebenen, schleppenden und langweiligen „Opfcrtode" wahrscheinlich nicht auf die angenehmste Art überrascht.
„CZ ist in der That — wettert das Journal gegen den Tbeaterdirector Schantroch — unangenehm, wenn der Unternehmer am Abend noch unter allerlei nichtigen Vorwändcn die Stücke abändern kann, die er versprochen hat und den Zuschauer zum Opfer seines Geldes nöthigt. An andern Orten pflegt man oft Nachmittngs noch gedruckte oder wenigstens geschriebene Ankündigungen zu geben, daß dieses oder jenes Stück mit cinem andern verwechselt wird. Und dieß ist nöthig, damit der Theaterfreund nicht unnöthig geprellt werde: denn, ohne den „Schwestern von Prag" das Wort zu rcdeu, bleibt es doch ausgemacht, daß viele Leute ihr Geld nicht geopfert hätten, wenn ihnen bekannt gewefen wäre, daß man das Büchel der Oper verlegt und sie zum „Opfertode" bestimmt habe."
Am 7. Jänner wurde zum Vortheile der Sophie und des Philipp Frankstem bei Wach s bele u ch l n n g des Schauspielhauses ein Stück aus dem Französischen: „Orion, oder der Fürst und sein Hofnarr." Ein Hofgemälde in 4 Anfzügen, von Pennet, anfgcführt.
Aus der Thcatersaison 1800—1801 bewahrt (!) der historische Vcrcin für Kram einen Theateralmanach, unter dcm Titel: „Taschenbuch der Theaterstücke nnd Singspiele, welche in dem löbl. ständischen Theater in Laiback vom 1. September 1600 bis 1 l. Februar 1801 unter der Entreprise des Herrn l Wilhelm Frasel aufgeführt worden sind" ^). Leider konnte ! ich dieses Heft wegen der gegenwärtig im historischen Vereinc ! herrschenden Unordnnng nicht ausfinden, um es zu dieser Dar^ stellung zu benutzen.
Deßhalb weiß ich auch nicht, ob ich recht annehme, dasi „Schiller" 1801 am 4. October mit dem „Fiesco" znersi auf die Bühne kam, und „Shakespeare" mit „Konig ! Lear" am 13. August desselben Jahres.
Mit diesen Notizen bin ich am Schlüsse meines gewiß noch ! vielfach lückenhaften Entwurfes angelangt. ^ Da ich die Absicht habe, bei anderer Gelegenheit das
! Thema ausführlich zu behandeln, so habe ich nnr noch an ! die ?. l. freundlichen Leser die Bitte anzufügen , mir allfälligc ! Beiträge an Aufzeichnungen, Textbüchern, Theaterzetteln u. s. w. , ^ der behandelten Periode nnd der von 1801 bis 1822 gütigst ! durch die Redaction dieses Blattes zukommen zu lassen.
Die Nachtigallensprache.
Vielleicht wird es vielen Lesern angenehm sein, zu wissen, « daß des Menschen Zunge im Stande ist, die verschiedenen j Modulationen des entzückenden Gesanges der Nachtigall durch artikulirte Sylben auszudrücken, und vermittelst der Feder dcm l Auge sichtbar zu machen. ' l
Wenigstens sechzehn verschiedene Strophen oder Haupt Melodien hat der Gesang des Nachtigallmännchcns während ocr Vrütezeit des Weibchens, die kleinen Variationen nicht einmal « mitgerechnet. Bei dem ersten Anblicke dieser durch Buchstaben s ausgedrückten Töne würde mancher Sprachforscher, wenn er nicht wüßte, daß es Bruchstücke der Nachtigall wären, in Ver^ legenheit geratheu, zu glauben, es wären heilige Ueberrcstc des alten Latinms, oder Denkmäler der alten Eorbcnsprache.
Hier sind sie:
'i'inn, Um», !i>U!, tinn,
'I'io, !io, tiv, >w, üx, ?!a xiü /,'.-, s>„oli
(,!,lic> ^ittiu 8'^>c» Fu^io.
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DIc, cllo (Na cUo cNo ^ln (»n clin
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Hmo i«sI'!N p!v.is)!li,.
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«) Min!,', dco hisiov. Vcrcinö siir Kram. 1«'<1. 20, <-.
Verantwortlicher Redacteur I. v, Kleinmayr. — Truck und Verlag von Igu, v. Kleinmstyv s» F. Bamberg w Laibach.