175. Dienstag den 17. KeYtember 1833. V ö h m e n. ^) rag. Se. k. k. Majestät nahmen am 2ten September in Begleitung des Hrn. Oberstburggra» sen das neue Convict in allen seinen Bestandtheilen in Augenschein, geruhten sodann die Versorgungä» und Bcsckäfligungg. Anstalt für erwachsene Blinde zu besichtigen, und den Rücklveg zur k. Burg turck den Volksgarten anzutreten. 3iacl> der Ta» fel verfügten sich Ihre f. k. Maiestäten in den deut" schcn und spanischen Saal xur Besichtigung der da» selbst aufgestellten böhmischen Gewerbe und Fa» drikö - Producte. Abends geruhten Se. Majestät den von der hicrortigen Universität ehrfurchtsvoll dargebotenen Fackllzug der Studierenden huldreichst anzunehmen. Am 3. Morgens vor 3 Uhr. verließen Ihre Majestäten, der Kaiser und die Kaiserinn, nach einem beinahe lrti>vöchentltchen Aufenthalte die Hauptstadt Prag, begleitet von den innigsten Se« genöwünschen aller ihre» Newahner. VMien. den 8. Hc^tember. Ihre k. k. Majestäten haben am 3. d. M. Prag verlassen, um Sich nach Münchengrätz zu begeben, woselbst Allerhochsidieselben den Besuch Sr. Majestät des Kaiser3 yy,» Rußland erwarten. Alö St. Majestät der Kaiser von der nahe be» vorstehenden Ankunft dicseK Monarchen benachrich. tigt wurden, war die crste Wahl dcä Ones zu Höckstdessen Empfang «uf Fried lan d, als dem .qn der nördlichen Gränze der Monarchie nächstgelegenen Schlosse, gefallen; der Vergleich der Lo. calttätcn hat jedoch jenem von MünchenglÜH Yen Porzug gesichert. Nebst Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland werden auch Ihre lönigl. Hoheiten der Großherzog und die Frau Großhcrzoginn von Sacksen» Wei« mar zu Münchcngrätz erwartet. Am ä> d. M. hatte man daselbst noch keine Kunde von der erfolg» ten Ankunft Sr. russisch-kaiscrlichen.Majcstät zu Stettin, wohin Höchfidieselbcn die Ueberfahrt von Kronstadt auf einem kaiserlichen Dampf, boote zu machen gedachten. Se. k. k. Majcsiät haben den Obcrfiburggra« fcn v.on Böhmen, Grafen von CHot eck, an die Gränze zum Smpfang des Monarchen abgesendet. Wien, den io. September. Nachrichten aus Münchengratzvom7. September zufolge waren om Abend des vorhergehenden Tagcs II. k. k. HH. der Großyerzog und die T-roßherzoginn von Sachsen' Weimar daselbst eingetroffen. Durch directe Nachrichten aus St. Petersburg wußte man, daß Se. Majestät der Kaiser von Nußland Sich am 26. August auf einem k.nsc'rli» chen Dampfboote eingeschifft hatten. ?lm 5. September Früh war dasselbe noch nickt zu Stettin eingelaufen, welches die heftigen Nortlvestwinke zu erklären genügen. Wahrscheinlich ist es selbst, daß Se. kaiserl. Majestät irgendwo angelegt ha. bcn dürften, indem die See für Dampfschiff.- kaum haltbar war. De? russisch. kaiserliche Vicckanzlcr, Graf von Nesselrade, wurde am 6. zu Gorlitz erwartet. Gr hat die Ueberfahrt auf dem gewöhnlichen Damyf» boot von Kronsiact nach Lübeck in 6'Tagen uud 16 Stunden zurückgelegt; eine Fahrt, zu der gewöhnlich kaum vier Tage erforderlich sind. Die allerhöchsten Herrschaften bewohnen zu Müttchenglätz daö gräflich Wallstcin'lche Schl^h. 3ao Das wenig zahlreiche Gefolge ist in Prioatgebau« den in der Stadt untergebracht. ''Wien,, den il. September. Nachrichten aus Münch eng ratz vom 6. d. M. zufolge, war am -Morgen-dieses Tages daselbst dieKunde angelangt, daß,Se. Majestät der Kaiser von Ruhland, welcher Sich, wie bekannt, am 26. August auf einem D.nnpfbootc zur Neberfcchrt nach Stettin eingeschifft hatte, durch heftige widrige Winde auf» gehalten. Sich nach einer zwanzigstündigcn Fahrt wieder nach Petersburg zurückbegab. Se. kai« serl. Majestät haben hierauf i>en Landweg einge« schlagen, und sind nach einer beispiellos schnellen Reise am 5. September Nachmittags zu Schwedt, «0 Se. Majestät der König von Preußen Höchst« dieselben erwarteten, eingetroffen. —Man erwar« tele die Ankunft Sr. Majestät des Kaisers von Nupland zu Münch eng ratz für den 10. oder n. September. Der russisch'kaiserliche Vizekanzler Graf von Ncssclrode, ist am ö. September zu Münchengrätz angekommen, Se. k. k. Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 14. Juni d. I., dem Besitzer der Herrschaft Kroiscndach in Illyrien, OttoBarbo Grafen von Waxcnstejn, die k. k. Kämmerers-wülde in Gnadell zu verleihen geruhet. SalMrg. vcn 1l. September. Nachdem Ihre königl. Majestäten von Baiern Sonntag den 3. September, von Bcrchtesgadcn aus, Kleßheim mit.einem Besuche beehrt hatten, verfügten Sick Allerdückstdieselben heute Nachmittags 4 5^ Uhr durch unsere Kreishauptstadt nach dem fürstl. von Schwarzenbcrg'scden Park Aign, besahen im Ruckwege dieRoseneggerschen Anlagen, und kehrten Abends um 7 1)4 Uhr wicdcr dahin zurück. (Slzb. Z.) A n Farn. ff5. Pesth. Vn schauderhaftes (Zrcigmh trug sich diese Wocde hier zu, und bildet jetzt das Tagsge« spräck aller Klassen der hiettgen Bewohne. Noch kennen wir nicht die genauern Details dieser furchtbaren That, doch können wirfolgcndcn Hergang der Sache mit Gewißheit angeben. Am Abende des 7. Septembers kam ein Mensch, Namens Franz Nemeth, in das Haus der Witwe Frau von R. (einer geachteten Dame, aus den angesehensten Familien der Stadt), woselbst er früher einige Zeit als Diener angestellt war, und erst kürzlich, wc< gen schlechter Aufführung, wie man sagt, entlassen wurde, und bat, da cr angeblich in Noth lvar, um Nachtlager und Kost über diese einzige Nacht. Edelmüthig gewährte ihm die Frau vom Hause seine Bitte und gestattete ihm in dem Zimmer des jtdi» gen Hausdieners, gemeinschaftlich mit demselben, die Nacht zuzubringen. — Aber wie lohnte der Elende diese Großmuth! — Am andern Morgen, gegen I Uhr, begann er sein entsetzliches Vorhaben damit, datz er dem schlafenden Diener mittelst ei< nes scharfen Messers den Hals abschnitt. Hierauf begab sich der Mörder zu dem Zimmer, wo die Kinder der Witwe schliefen, klopfte an die Thüre und als sie der neunjährige Sohn öffnete, ergriff er denselben, schleppte ih» zu den bereits crmor« deten Diener und schlachtete ihn ebenfalls. Sofort ging er in das Zimme? der Frau von R., welche indessen von einem Geräusch wach wurde, faßte dieselbe, rang mit ihr und beide wanden sich big in das Gemach, wo die »eunzehnjährige Tochter mit einem Dienstmädchen schlief. Hie? brachte er auch der unglücklichen Witwe den Todcsschnitt bei. Nun machte sich das Ungeheuer üver das Fräulein von R., welche sich in, ihr Bett so gut als möglich mit den Kissen zu verschanzen suchte; allein vergebens. Der Elende brachte ihr unzählige Wün« den durch Messerstiche bei, so daß sie zwar jetzt noch am Leben ist, aber wenig Hoffnung zur Genesung hat. Während dieses Kampfes gelang es der er« wähnten Dicnstmagd aus dem Zimmer zu entkom« men und da das Hausthor gesperrt war (Frau v. R. bewohnte das Haus, das in der belebtesten Straße der Stadt liegt, ganz allcin), eilte sie auf den Boden des Hauses, und nachdem sie die Thüre hinter sich verriegelte, schri« sie durch das Dachsen« ster auf die Straße um Hülfe., Nach kurzer Zeit kamen Menschen herbei, welche in das Hausthor drangen, den ruchlosen Mörder, den woh> nichts als Geldgier zu dieser unerhörten That verleitete, ergriffen und ihn den Händen der Gerechtigkeit überlieferten. Dieses Scheusal ist erst 16 Iahrealt!!! Am 9. September fand das Lcichenbegängniß der unglücklichen Opfer statt. Vielleicht hat Pcsih nie ein Gleiches gesehen. Gegen 25,000 Menschen folgten dem Zuge. Dieverlanve. Das Amsterdamer Handelst, lad meldet aus dem Haag vom 3a. August: „Die hier ' anwesenden Minister sind vorgestern nach dem 3oo abgegangen, um dort in Folge der aus London 3oi emZcga,igcnen Depeschen einem ^abinettsrathe bei« zuwohncn. Diese Depeschen sollen auf die, ver« siosscnen Montag (26.) Statt gehabte, Sitzung der Londoner Konferenz Bezug haben. Luxemburg und die Schcldeschifffahrt find immer noch der Stein des Anstoßes, welcher schwer aus dem Wege zu räumen ist. Die Eonfcrrcnz scheint nach dieser Sitzung auseinandcrgegangen zu seyn, ohne cincn Beschluß gefaßt oder die Zeit bestimmt zu haben, wann sie ihre Arbeiten wieder beginnen wird. Hr. Vcrstolk wird nun, nach dem Mißlin« gen seiner Sendung, nach Holland zurückkehren. Einige glauben, daß die teutsche Bundcsvcrsamm« lung in Bezug auf Luxemburg dieser Tage einen Beschluß gefaßt habe; Andere behaupten, in dem (Zabincttsrathe auf dem Loo werde eine Vorstellung entworfen werden, welche, die Luxemburgischen Verhältnisse besprechend, dem teutschen Bunde über» reicht wcroen solle." (Ocst. B.) Frankreich. Ein Schreiben auö Toulon vom 25. August im Messager meldet, daß man die Zurüstungcn für die Expedition nach Bugia eifrig betreibe. Es sollten 52« Zugpferde und Maulthicre eingeschifft werden. Die Expedition soll« auö vier Batailla» nen Infanterie zu 52»o Maun, aus 5oo Mann Artillerie und Genie, und aus 400 Jägern von Afrika, im Ganzen aus 4i5o Maun, ohne das Vcrwaltungspcrsonal, bestehen. Sie werte ,2 Kanonen und 45o Pferde, ohne die der Jäger von Afrika, mitnehmen. Der M 0 nileur enthält in seinem ämtlichen Theile die Ocnvcntion vom 20. November iL3i und 22. März ,W5 zwischen Frankreich undGroß« .britannicn i > Bezug auf Vcrhüchung des Verbrc» chcnS dcö Ncgerhandels. Die erste, von dem Vi» ccmtc Granvilie und dem Grafen Scdasiiani un« terzeichncte seht fest, daß das gegenseitige Bislta. tionsrccht an Bord der Schisse beider Nationen, aber nur in folgenden Seegegendcn, ausgeübt wer< den kann: 1) Längs der Westküste von Afrika von dem grünen Vorgebirge bis auf »o Grade südlich .vom Aequator, das heißt vom zehnten Grade süd. -Uchcr Breite zum i5tcn Grade nördlicher Breite ' und bis zum 3osten Grade westlicher Länge, vom Pariser Meridian aus. 2) Um die ganze Insel Ma-dagaskar in einem Umkreise von 20 Stunden in der Breite: 3) Inbersclbcn Entfernung von den Küsten der Insel Euba; 0 In derselben Entfer. lmng von den Küsten der Insel Porto.Nico; 5) In derselben Entfernung von den Küsten von Bra« silien. Es können aber auch Schiffe außer dieser Entfernung visitirt werden, wenn man sie schon vorher innerhalb dieser Entfernung gesehen hat, ihnen nachgesegelt ist. und sie erst außer dem Um» kreise erreicht hat. Nur Kriegsschiffe, deren Commandant den Eapitäns« oder wenigstens den Schiffälieutenantsrang haben, dürfen das Visita« tionsrecht ausüben. — Die zweite Eonvention vom 22. März iL35 ist vom Vicomtc Granville und dem Herzoge von Broglic unterzeichnet, und enthält nä-hcre Bestimmungen über die Art der Ausübung des Visitationsrechts, über die verdächtigen Zeichen bei einem Handelsschiffe, das sich mit dem Negerhandcl abgibt, über Abführung der verdächtigen Handelsschiffe, über die gehörige Protocols» aufnähme u. s. w. (Journal desDebats.) Unsere persönliche Meinung ist, daß es unter den Mauern von Lissabon zu keinem wirklich ernsten Kampfe mehr kom» men wird; d,ie Anerkennung der Dona Maria durch England und Frankreich wird vielleicht für die Ar» mee Don Miguels als Vorwand des Rückzugs dienen, und das mildern, was für die bei dieser küh» nen Unternehmung bctheiligte Eigenliebe zu ncr« letzend seyn könnte. Wie dem aber auch sey (denn wir maßen uns nicht an, auf 4«o Stunden hin Ereignisse vorauszusagen), so zweifeln wir nicht, daß Don Pedro jetzt im Stande ist, seine Haupt» stadt, wenn sie angegriffen werden sollte, zu vcr» thcidigen, und alsdann würde der Kampf gewiß entscheidend seyn. Am 20. August wurden 100a Mann regelmäßige Truppen von Oporto nach Lissabon eingeschifft; am2,. sollten ic»cio andere folgen; diese Verstärkung im Kriege abqha'vtcle!' Soldaten wird in der Hauptstadt spätestens am 23. angekommen seyn. Die Befestigungsarbeiten uon Lissabon wurden mit äußerster Thätigkeit betrieben; der Kaiser belebt Alles durch seine Anwesenheit. Meh« rere Schiffe sind den Tajo bis zu dem Puncte heraufgefahren, wo der Fluß aufhört, schiffbar zu seyn. Endlich besiüden sich 2000 Mann treffliche englische Truppen und eben so viclc Matrosen an Bord des Geschwaders des Admirals Parker und 6oc»o Mann zu Eork. Manschreibt aus Toulon vom 25. August: „Die Fregatten Herminie und Artcmise legten sich diesen Morgen auf der Rhed? vor Anker. Sie kom. men von Navarin, von wo ste die Reste unserer Besetzungs-Halbbrigade mit zwei Generalen zu« 3o2 ^ lückgebrttcht haben, die man für die Marechaux de Eamp Guchencuc und Fuchcreau de St. Denis ^ hält. Die Ueberlieferung der von den Franzosen besetzten Festungen geschah am 3. an die baicrischen ^ Truppen, die davon Besitz genommen haben. ^ Der Pallast von Versailles wird endlich, wenn wir gut unterrichtet sind, aus der langen Ver« lassenheit, wozu ihn d fluß abzulehnen. Aus den Provinzen erfährt man nichts Neues. Zu Badajoz hat es wegen Desertion zu der Pedristischen Armee auf Befehl des Generals Sarsfields einige Executioncn gegeben. Dcr Kriegsminister scheint dem General in dieser Be» ziehung sehr sirenge Anwcisungel, zugeschickt zu haben. Portugal. Durch das königliche Dampfboot Hermes, welches am 27. Abends in Falmouth angekem« ,' men ist, hat man in England Nachrichten aus L i ssab 0 n bis zum 21. und ausOp.o rt 0 bis zum 25. Aug. erhalten ; sie.desiatlgen, datz die Miguel,« sten am 20. Morgens Villanova da Gaya (am linken Douroufer, Oporto gegenüber), nachdem sie die dortigen Weinporräthe der portugiesischen Com» pagnie zerstört, verlassen und sich nach Grijo zu« rückgezogen hatten.— Von den Pcdristischen Trup-pen waren am 20. Abends loooMann von Oporto nach Lissabon eingeschifft worden; eine gleiche An» zahl sollte am folgenden Tage eben dahin folgen. Die Madrider Zeitung vom 22. und 24» August enthält mehrere Eorrespondenzarlikel aus Portugal, auS denen erhellt, daß die Pcdrisien, nachdem sie auch noch aus Loule vertrieben wor, den, in Algarbien nur noch Faro im Besitz haben. Das schwere Belagerungsgeschütz, das vor Oporto gestanden hatte, war nach Valen^a (do Minha), nördlich von Oporto, transportirt worden. — In dem neuesten Schreiben aus Gloas vom 2a. August heißt es: »Se. Majestät der König Dom Miguel hat d,n Sih seiner Regierung in (Zoimdra aufgeschlagen uyd es ist eine Communicationslinie zwischen dieser Stadt und Olvas, über (Zastcllo« br>nco, errichtet worden. Dom Miguel ist am 7. in Begleitung des MarschaNs Bourmont, der die auf dem Marsche nach Lissabon begriffene Ar. mee commandirt, durch (Zoimbra passirc. Das Hauptquartier befand sich, wie man versichert, am ,3. zu Leyria und eine von den Abtheilungen der Armee war in Torres - Vcdras angelangt. Die Vorpossen waren in Villafranca, den Vorposten d»'s Feindes in Alhambra gegenüber, angelangt. Das Almcecorps des Generals Molellos, das von einem französischen General commandirt wird, hat seine Bewegungen mit denen derHauptarmee com« bitmt und ist am ,5^ in Santarem eingerückt, so daß man von einem Augenblick zum ankern etwas Entscheidendes «rwarten durfte." -- Ucbrigens cr« gibt sich aus den gedachten Madrider Zeitungen der gänzliche Ungrund des in London verbreiteten Ge« rüchtes von dem Ableben des Königs von Spanien. Se. Majestät befanden sich vollkommen wohl und hatten am 23. August in cigencr Person verschie» dcue Ordensverleihungen vorgenommen» (Oest. B.) . U h e a t e r. Heut«: »Das war ich.« — .Der träum." zzevaneur: ^sr. Vav. Meinrich. Verleger? Panaz Al. Gdler v. Aleinmaur.