Mittwoch, den 80. SeptemSer 1871. X. Jahrgang. Z>ie gefäftkiche Lage Hesterreichs. Die Berliner „National-Zeitung" besprich „die ftefährliche Lage Oesterreichs"; sie mißbillig das Vorgehen Hohenwarts und sagt unter Ande rem: „Möge doch (das ist unser ganzes Begehrens ist Wien immer so regiert werden, daß wir aus den Schranfen der Berichterstattung und anspruchS losen Beurtheilung nicht herauszutreten brauchen! Allein ob wir darin werden stehenbleiben können und stehenbleiben dürfen, daS ist nicht in unskre Hand gegeben. Ein alter Spruch sagt: Deine kigkne Habe steht aus dem Spiele, wenn deS ?tachbarS HauS zu brennen anfängt; und schon hienach würde eS die Wiener Regierung uns nicht verübeln dürfen, wenn Feutksgefahr in ihrem Hause unS beunruhigte. Wir fins mit dabei bcthtiligt, wenn sie Neuer auskommen läßt. Vollends aber, wenn aus Haß und geindschast gegtN unser deutsches BoltSlhum Keuer angtl,gt würde oder eine solche Bermessenheit auch nur zu brfütchten wäre, dann würden wir von den österreichischen Borgängen flugs in Mitleidenschaft gezogen werden und nicht umhin können, Klage und Beschwerde zu erheben. Wcnn man doch in Wien zu rechter Zeit die Gefahren ins Auge fafsen wollte, welche zu drohen scheinen! Der Reichsraih ist noch nicht einberufen. eS ist daher noch Zeit zur Ucberlegung. Aber an die Vorarbeiten und Borbereitungen der j.tzl. gen Minister der westlichen ReichShälfte kann man nicht ohne Sorge denken. Nach dem Prager Frieden trug stch die Wiener Regierung zunächst noch mit dem Plane, ihren verlorenen Einfluß in Deutschland bei guter Gelegenheit wieder zu erobern. Der Gang deS Krieges zwischen Deutschland und Frankreich nöthigte fie. stch alle Gedanken dieser Art auS dem Kopfe zu schlage» und mit ciucr der jähen Wendungen, an denen die öfterrtichische Politik seit mehr als zwanzig Äahren überreich ist. wurde nun der Plan ausgenommen, den Slaven im Reiche zu willfahren. Ein seltsames Berhängniß für die deutschen Oesterreicher, daß gerade die Erhebung und Cini' gung deS deutschen BolkeS die Folge für sie selbst haben soll, ihren bisherigen Rang unter den habSburg'fchtN Völkern zu verlieren! Dies ist je, doch so ungeheuerlich und greift so tief, daß Al-leS, waS in l>iesem Jahrhundert in Oesterreich ge« schehen ist, daneben unbedeutend und verschwindend klein erscheint..... Schon oft hat in Wien die Regierung von einem Anlauf sich zurückgezogen, um einen anderen Weg zu Versuchen. Es würde daher nicht zu fchwer für sie sein und eS wäre gut grthan, noch einmal zu überlegen, ob sich denn daS Mi-nisterium Hohenwart wirklich auf dem rechten und heilsamen Wege befinde." Im Hefchichte des Tages. Der deutsch'österreichische Abgeord« netentag hat den Plan der Partei gegen das Ministerium festgestellt; die Beschlüsse werden veröffentlicht, sobald die Parteigenossen in allen Landtagen in Kcnntniß gesetzt worden. Der mannhaste Schritt der deutschböhmischen und deutschmährischen Abgeordneten wiri) in Volks« und Wählerversammlungen. in Sitzungen derGkMeinde-ausjchüfse und dcr Handelskammern gebilligt — zum Zeichen, das Volk hinter den Vertretern stehe. Ungarn verkennt nicht mehr die Gefahr, ivelche von Selten Hohenwarts droht. Hervor-ragende Mitglieder der Deakpartei haben mit M. v. Kaiserfeld verhcindelt und gilt'S ein ge-meitlsameS Vorgehen in Betreff der kaiserlichen Botschaft, mit welcher der böhmische Landta;, eröffnet worden. Am deutsch-österreichischen Abge-ordnetentage in Wien hat auch eine Vertrauens-Person des ungarischen AbgeordnetenhanftS iheil-genommen und wird ln parlamentarischen Kreise« m Pest dahin gelvirkt, den Plan der Deutsch-Oesterreichcr krästig zu unterstützen. Der Altkatholikentag in München wird sich einer grobartigen Thrilnahme erfreuen. Alle bedeutenden Städte Deutschlands lassen sich vertreten; auS O.sterreich, Ungarn, aus der Schweiz und Holland sind zahlreiche Anmeldungen erfolgt. Die Oesterieicher und die Schweizer werden die freisinnigsten Anträge stellen. Die Vermischte Rachrtchten. (In französischen Gefängnissen.) Zahl der gefangenen Aufständischen, welche sich noch in H.tst besinden. soll 20.000 betragen. Die Regierung „hosst". bis Ende September die Untersuchung in den Seehäfen und biS zum 25. in Versailles beenden zu können. (Proletariat in Rußland). In Petersburg btschäfligt man sich eifrig mit einer Verbesserung deS „Ack-rg.setzeS". Ein kaiserlicher Erlaß spricht sich Mißliebig darüber auS. daß Unkrnntrrih und Trägheit Uebelsiände in der ländlichen Organi sation heimisch werden ließen, die schwer zu be seitigen swd und der Regierung Verlegenheiten bereiten müssen, deren Tragweile nicht zu berechnen ist. Man sieht jetzt — allerdings etwas zu spät — eil», daß bei der Regulirung der ländlichen Verhältnisse im Jahre 1861 man zu leicht über die Kl«zsse der sogenannten Hosleute hinweggegangen. illS die Dorfleute, die sich bei Aushebuiig der Leibeigenschaft im Besitz der Feldmark befanden, Mit Land betheilt wurden, blieben die Hofleute ttanz außer Acht, weil malt wahrscheinlich aiinahm. >aß die, tvelche biS dahin nicht vorn Landbaue lebten, sondern am Hofe des Herrn oder in dessen Dienst anderweit beschästigt wciren nnd vom Herrr» unterhalten werden muhten, auch fernerhin und noch besser ihren Unterhalt finden lvürden, wenn ie als freie Arbeiter schaffen und Lohn erhalten, vo sie früher nur ivie Thiere fsir'S Futter gear-leitet. Wenn früher einer dieser Hosleutc arbeitS-unfähtg wurde oder auS diesem oder jenem Grunde in die Gemeinde zurücktrat, so erhielt er seinen Antheil vom Gemeindeltmd; er ivar, ivenn auch nicht Eigenthümer, doch Besitzer einer Scholle. >ie nährte. Jetzt ist dies anders. Wie der srühere Leibeigene jetzt als freier Arbeiter nach Belieben eine Scholle wählen darf, so sucht und wählt auch ^er ehemalige GntSherr seine Leute, und da sein früherer Leibeigener sich lieber dem Müstig. gange nnd Trünke hingibt, als arbeitet, so ist er unbrauchbar. Der Entlassene sinkt tiefer und tiefer, und da die Gemeinde ihm nichts mehr zu geben hat. die Familie, der er entstl'MMt. aber vielleicht selbst schon nichtS mehr hat. da die Wirthschaft schon wieder an den Herrn gefallen, bei dem sie selbst ivieder in dem früheren Sklavenverljältnib als Arbeiter steht, so begibt sich der Brotlose in die Stadt, wohin ihm bald genug andere Glieder seiner Familie folgen, und wo sich bereits Tausende in derselben Lage — hui'gernd und lungernd wie er — planlos herumtreiben. Die Zahl Jener, welche dem hier Gezeichneten gleichen, wächst von Tage zu Tage, und daS Proletariat, von dem man früher in Rußland kaum eine Ahnung gehabt, droht dem Reiche größere Gefahr, als alle Feinde von außen. (Landwirthschaft — „Regulirung der Feld tvege durchGenossenschaf-ten — ein bewährteS Mitlel, die Ei-genthümer der F e l d e r i n der D reife l-derwirthschaft auch zu Herren ihrer Felder zu machen. Unter slützungen d c, zu tverden angebote n.") Unter dieser Ueberschrist erläßt der Obmann deS landwirth-schciftlichen Vereins für Rheinpreußen, Hermann v. Rath, folgende Mittljeilung über diesbezügliche Maßnahmen: Welche Dienste die zweckmäßige Regulirung der Feldwege dem Fortschritte deS Fut-terbaueS, der Viehzucht und der Landwirthschaft überhaupt zu leisten im Stande ist. darüber haben uns die interesilinten Mittheilungen sehr spre-chende Beweise gegeben. Dort sind auch die Mittel und Wege klar vorgezeichnet, welche ge-ivählt werden müssen, um zu dem gewünschten Ziele zu kommen. Schivierigkriten ergeben sich biStveilen aus dem Mangel einer Kuffe, welche bereit wäre, die Kosten für technische Vorbereitung deS neuen WegnetzplaneS vorzuschießen. Um diese Schwierigkeiten, so viel eS in seinen Kräften steht, libzumindrrn. hat der Verein in daS Erforderniß für 1871 200 Thaler aufgenommen, um daraus an solche Gemeinden und Genossenschaften, welche Feloivege-Regulirungen vornehmen wollen, Unterstützungen zu verabfolgen für solche technische Vorbereitung,en. Gemeinden oder Genoffenschliften, »velchc Anspruch nus eine solche Unterstützung machen wollen, haben die ausdrückliche Verpflich, tung auszusprechen, die erhaltenen Vorschüsse an die Kasse des Vereins zurückzuzalilcn. wenn innerhalb zweier Jahre die beabsichtigte Feldwege-Re-gulirulig nicht zu Stande gekommen. (Zur Geldnoth.) Der Mangel an Silbkr-Scheidemünze wird täglich bemerkbarer. Der Hauptgrund dieser Erscheinung liegt unstreitig darin, daß die bisher ausgeprägten neuen Münzen dieser Art sür den Verkehr überhaupt nicht ausreichen und daß der Verkehr, sehr bescheiden gerechnet, ganz gut noch einige weitere Millionen Verträgen könnte. Ein Stück Scheidemlmze zu 10 kr. kommt nach genauen Berechnungen auf 3'/^ Kreuzer zu stehen, daS „Silberscheidemünze-Machen" ist sonach ziemlich einträglich. Freilich-wohl ist die Notensabrikation ein noch beslereS Geschäft. (G e w e r b e g e r i ch t.) Nächstens wird zu Wien dc,S erste Gewerbe^ericht sür die fabriksmäßig betriebenen Gewerbs-Unternphmungen der Maschinen- und Metallwaaren-Jndustrie inS Leben treteii. Die niederosterreichische HandelS-und Geiverbekammer erivähnt in ihrer dieSbezüg- litben Zuschrift, daß die Vewerbegnichtc wie an« dcrivärtS. so auch bei un< segensreich wirken werden. Sie wurden nicht bloS die einzelnen, auf persönliche ArbeitSverhältniffe sich beziehenden Streltigtkiten schlichten, sondern über diese Fälle hinaus allmülig für die Ges'MMtheit dcr ihrem Richteramte zugehörenden Personen RechtS-grundgesetze zur dauernden Beachtung bringen. In Brünn, wo das krste Gewerbegericht in der österreichischen Monarchie errichtet worden, fand dasselbe eine kräftige Unterstützung von Seite der Gemeindevertretung, wie dieS auch in ganz Deutschland geschieht. (BerzehrungSsteuer.) Dem amtlichen Nachweis über daS Ergebniß der BerzehrungSsteuer sür 1870 zufolge, welcher nun erschienen, beziffert sich der Gesammtertrag in der Steiermark auf 2.35S.674 fl. — um 133 012 Gulden mehr als 1869; darunter für Branntwein 124.089 fl., für Wein, Weinmost und Olist-wein 99.724 fl., für Bier 925 006 fl., für Fleisch 166.736 fl.. für die anderen Gtgenstände 426.855 Gulden. Bierbrauereien stüb eS im Lande 87, Branntweinbrennereien 5655. Aus der Landstube.') In der Sitzung des Landtages vdm 16. September wurden unter Anderem vorgelegt: der Gesetzentwurf über die Einhebung der ZinSkreuzer in Marburg für 1871 von Miethzinsen unter 89 fl. ^ der Antrag über die Errichtung der Weinbauschule in Marburg. Die Herren: Baron Rast. Dr. Neckermann (Cilli), Seidl. Friedrich Brandstetter, Ianeschitz Mann) und GenofstN stellten den Antrag, daS Schulgeld in den Volksschulen auszuheben und die Erhaltung derselben auf die LandeSkafse zu übernehmen. >l)ie Herren: Friedrich Brandsietter, Dr. Neckermann. Reuter, Baron Rast und Genossen beantragten; eS sei zur Revision und Berichterstattung über die Gemeindeordnung und über daS Ges'tz, betreffend die BezirkSvertretung ein Ausschuß von 19 Mitgliedern zu erwählen und soll diesem Ausschuß auch der Antrag der Herren: Dr. Neckermann. Friedrich Brandftetter und Genossen. betreffend die Revision der Dienstboten-ordnung zur Berichterstattung zugetviesen werden. Herr Baron Rast fragte denLandeSauSschuß, ob dem Beschlüsse deS Landtages, betreffend den Ersatz der unterschlagenen 45.594 fl. Grunoent-lastungSgelder Folge gegeben und beim Reichsgerichte die Klage gegen den Staat angestrengt worden ^ und wen» nicht — auS welchenGründea dieS unterblieben? Herr Karl Reuter machte bei der Frage über die Emrechnung der Steuerzuschläge dehufS deS Wahlrechtes ausmertsam, daß die Stadt Marburg durch eine Erklärung der Gemeindevertretung gegen die Verordnung deS Ministeriums sich verwahrt habe. In den Finanzausschuß wurden nebst Anderen gewählt: die Herren Karl Reuter, Joseph von Kaiserfeld (Pettan). Dr. Neckermann. Lohninger (Großgrundbesitz, Mißling). 3m Ausschuß zur Prüsung der Wahlen befindet sich auch Herr Karl Reuter, im Ausschuß, sür daS Wafscrgesetz Herr Lohninger. Marburger Berichte. (A«fkesundk»tr Ltichnaoi.) Der AuSzügler ArUon Stuchetz in Kokoritschen, Gerichts« bezrrk Luttenbcrg, wurde neulich auf der Drejch-tenne todt aufgesunden — die Füße an eine Leiter gelehnt und daS Haupt abivärtS gkkeljrt. (Brand.) Im Hause deS Grundbesitzers Joseph Ehrlich zu Woretzet,. Gerichlölezirk Lut- Unter dieser Aufschrift soll nber Gesetze und Beschlüsse des Landtages, welche namentlich die untere Steiermarf betreffen und über die Tyätigkeit der freisinnigen Abgeordneten dieses LandeötheilS berichtet werden. Anmkg. der Red. tenberg, entstand am 14. d.M.Feuer und gingen der Dachstuhl deS Wohngebäudes. Scheune und Stall mit Vieh und Fatter in Flammen aus. (Vom Männergesangverein.) Der Reinertrag dcS „BoltSkonzerteS," welches der hiesige Männergesangverein gegeben, war bekanntlich Mr Hälste für den Schulpfennig bestimmt. Diese Hälfte — 93 fl. — wurde vom Verein aus der eigenen Kasse aus 100 fl. erhöht und bei der Absendung der Wunsch ausgesprochen, daS Geld möge nach Thunlichkeit für Schulen im Bezirke Marburg verwendet werden. Der Männergesangverein hat darauf nun nachstehende Zuschrist er-halten: .,Die gefertit^te VereinSleitung sieht sich sehr angenehm verpflichtet, dem löblichen Männergesang' vereine für die wahrhaft großmüthige Spende eines Betrages von 100 fl. sür den Schulpfen-nig, — dessen Empfang bereits von Seite deS VereinSkassierS bestätigt wurde — den besonderen Dank auszusprechen und tvird das Geld im Sinne der UNS mttgetheilten Widmung verwendet wer-den. Hochachtungsvoll der fteierm. VolkSbildungS-Verein in Graz. Der Obmann: Breisach." Die Wiener .Morgen-Post" vom 18. d. M. bringt über diesen Gegenstand folgende Anerkennung: „Der Männergesangverein in Marburg an der Drau widmete dem steiermärtischen Schulpfennig die bedeutende Summe von 100 fl. Eine derartige Unterstützung eines so edlen Unternehmens, wie eS die Schulpfennig Sammlungen sind, verdient wohl vollkommendaS öffentliche Lob. welches wir hiemit diesem wackeren Vereine angedeihen lassen." (Pettauer Ausstellung.) DaS Finanzministerium hat im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern dem Ausstellungsatls-schuß in Pettau bewilligt, eine Verlosung von landwirthschaftlichen Gegenständen — 10.000 Lose zu 20 kr. — abzuhalten und soll dasür nicht mehr als die Hälste der zehnperzentigen Gebühr entrichtet werden. Schaudthilt. ^ ^ Die Saison hat begonnen. Samstag den 16. d. M. eröffnete ein von Hilarius (Herrn Ferdinand Baron Rast) finnreich gtschriebener Prolog, welcher vom Herrn Direktor Rosenfeld in ernster, würdiger Welse gesprochen uud vom Publikum beisällig aufgenommen wurde, den Reigen der bevorstehenden Theaterabende. Hierauf folgte die Darstellung des 4akligen Schauspiels „Hanns Lange" von Paul Heyse. Obgleich wir hlebei nicht Gelegenheit hatten, die gesummten Kräfte unseres Bühnenpersonals kennen und beurthellen zu lernen, so war doch, mit dlM Maßstab sür kleinere Verhältnisse gemessen, der erste Eindruck ein — guter. Herr Direktor Rost nfeld, noch Vom Vorjahre als Schauspieler im guten Angedenken, gab den Hosmarschall ..Massow" mit charakteristischem Gepräge. Frl. LaniuS (Herzogin) und Herr Roscn (Großknecht) sind uns durch ihre früheren Leistungen ln bester Erinnerung und rechtfertigten unsere Erivartungen. Neu vorgeführt wurd!tg empor, daß dieselben von Flammen und Rauch nicht den AuSweg ge-sunden haben möchten und betäubt in dem brennenden Hause lägen. ES drohte »hnen dann, wenn nicht schleunige Hilfe kam, dasselbe Geschick, welches der herrliche Biehstand deS RingguteS unrettbar erleiden mußte, dessen gräßliches Geschrei und PhdeSgebrüll unter den verzehrenden Flammen schon allmälig vcr« stammte. Allein eS war nicht möglich gewesen, noch ^u den Ställen vorzudringen, so furchtbar tvüthete bereits die verheerende Glut, die nach allen Seiten sich reckend und züngelnd ordentlich vom Heißhunger getrieben erschien. Mehrere Männer, welche sich zuvor mit Wafser Übergossen hatten, drangen durch die Fenster in das Wohnhaus. Ein schrecklicher Anblick wurde ihnen schon bei den ersten Schritten. In der großen Wohnstube, vor einem geöffneten leeren Wandschrank, lag die Leiche deS Ringbauers Johann Fröse mit einer furchtbaren Beilivunde im Kopfe, die ihm den Schädel vollständig gespalten hatte. DaS Gehirn war weit umhergespritzt und auf dem Fußbodeu ausgeflossen; der Bauer mußte unter der unmittelbaren Wirkung deS Mordschlages sofort gestorben sein. Die SchreckenSrufe derer, welche im Hause diese Leiche fanden, riefen noch andere unerschro- ckene nach, die ebenfalls durch die Fenster in daS brennende HauS drangen. Während diese die Leiche deS Bauern auf. hoben und durch das Fenster inS Freie schaffteu. drangen die Andern in dem brennenden Hause weiter vor. um immel neue Schrecken zu ent-decken. Im nächsten Zimmer fanden sie die Bäuerin ebenfalls mit ze'schmetterter Hirnschale todt in ihrem Bette liegend. Grausen erfaßte die fast in einem Flammenmeere so suschtbare Entdeckungen macheiiden Männer, wie dlt draußen versammelte Men.,e, als sie die zweite Leiche erl)lickten und die furchtbare Ueberzcugung von einem entsetzenerregenden Ver-brechin erhielten. daS hier verübt worden ivar und unter den rauchenden Trümmern dcS GuteS hatte begraben werden sollen. Der Schlauch dei Dorfspritze war durch daS Fenster in das Wohnhaus geleitet und sandte Ströme Wassers in die Zimmer, um den vordringenden Männern den Weg flammenfrei zu erhalten. Dennoch mahnte daS unersättlich wüthende Element zur höchsten Eile, und jeden Augenblick bedrohten stürzende Balken und Trümmer die kühnen Männer selbst mit dem sicheren Berderben. Der Dachstuhl schwankte und drohte in sich zusammenzubreihen. ES war vorauszusehen, daß dann auch die Decke des HauseS unter dieser Wucht durchbreche» würde. „Eilt, eilt! Rettet Euch selbst!" riefen Hunderte aiigstvoller Stimmen den noch im Hause weilenden Mälinern zu. welche von leckenden glam-men rings umzingelt waren, die unter den Was-serströnttii nur einen Augenblick erstickten, um sofort. als ob sie Orl getrunken, um so wilder und grimmiger wieder empoizuschlagrn. und ivelche kühnmuthlg von Zimmer zu Zimmer vorwärts drangen, um immer neue Schrecken zu entdecken. Da stürzte auf dem Dache der Rauchfang ein Uiid brach polternd dUlch daS Dach in das HauS. Dach und Haus erzütterten unter der Er-schütteruiig der einbrechenden Tiümmer — der nächste Augtliblick konnte 0aS ganze Nebäude alS einen Trümmerhaufen sehen — die Gcfahr war auf das höchste gestiegen. tgorlsetzung folgt.) vi« LsLerti^a Fsdou ki«mit äio liöok»t dotrüdooäs U»ovrivdt vov äow Mllsodsiä«» ikrv» mmg^tzvliodtev L»ttoa, Vstsr» uvÄ Sok^isxvrvator», 6«» Rorr» ^oliünn »«utvnlioi'ior, Xktksosisäors, vvlodor vkvd leurrsm I^siäsn, vorgvliou mit 6ov Ilsil. 8tsr1zesklcr>melltsv aou 19.3optom-dvr uw 1111t»r VormittkK^s iv gviuvm 63. I^s-dvOt^drv 8sli^ im öerra vvrsvdioüou ist. vis iräisoko klülls äs» tdsusrsQ Vsrbli-v^vvvv virü Vovllsrsta^ 6su 21. Lopt. um 4 vdr im Stordodauso, Vra2vrx»8so, koisriiok viuevso^öt ullä »oäkQu rur o^xsv kuks bs-vis KI. Zeolsllmssso virä k'roiwx 6so 22. 6. Iii. um 1v Ildr iv 6sr Vomleirvdo xs-!o8Sli voräsv. 612 liilsrburKs äsv 19. Loptsmkvr 1371. XkUtSväort«? »I» Vattiv. ?Ä«ä?ieI» ^Ut«väort«k» klc. 0dsr»r2t, »1> Soka. LmtU» sod. LüU L61o v. Ltol- 1«vd»oil» »1» Lokvivxsrtooktsr. II, I^vivI»vv»u^»Ilruv? v. Darlehen 608 in jeder Höhe a«sVrü«dt, Vidter, Wülder oiid Hüuscr nach Steiermark. Kärnten und in die Provinzen zu 5^/4—ßprozkntij^en Zinsen, auf 29—32 Jahre, in kleinen halbjährigkn Raten rückzahlbar. Einsendung der Werthnach« weis Dokumenlc frankirt an daS DkljÜrdl. a>tor. Ettsmole- »d Ett0«ttVtr»ittlo«g»'lomptoir: Wie«, Utnda», Lindengaffe »r. 2. A. k. privilkg. SMahn-Gesellschaft. «u< »nlaß der in l'r'tssr stattfindenden land. wirthschafttichen und Industrie-Ausstellung und der damit verbundenen außerordentlichen Festlichkeiten werden Von Wien. Oedenburst. Bruck, Leobcn. Graz, Marburg. Öfen. Stuhlweißenburq. Bares, Aanizsa. BlUach, Klaftenfurt. Sisjek. Larlst 'dt. Agram und den dazwischen liegenden Stationen nsvli Irisst unil I'vtoui' in der Zeit vom 23. bis 26 September 1871 eingeleitet werden. /ahrpreise: t st-» „ ,, KU.»« s fi.lS ö.W. iu der II. si. S ö.w. in der III. o « Villach und Xlagenfurt. von Leoben, Vruck, Graz. Marburg. Kanizsa, Siffek, Carlstadt und Astram Abfahrt von Wien: Samstag den 28. September 7 Uhr 5 Min. Früh. Ankunft in Wien: Dienstag den 26. September 7 Uhr 20 Min. Abends. Alles Nähere ist aus der Kundmachung und dem Programme zu entnehmen. 611 Wien im September 1871. Die Geaeral'Direktion. Realitiitellverkauf a«S freier Hand. Meine in O be r - Pob ers ch bei Marburg gelegene Realität, welche eine der schönsten da» selbst und gut arrondirt ist, bestehend auS circa 44 Joch Grundstücken, worunter circa 18 Joch Acker, 2 Joch Wiese. 21 Joch Waldung zc sind, und wobei sich ein neu erbautes gemauertes und geräumiges Wo'inhauS in vollkommen feuersiche» rem Zustande und ein neu erbautes gemauertes BirthschaftSgebäude mit gewölbten Stallungen, sümmtlich mit Ziegeln gedeckt, befinden, ist deS eingetretenen TodfalleS meiner Ehegattin wegen unter sehr vortheilhasten Bedinguagen auS freier Hand zu verkaufen und eS können zwei Drittheile des KaufschillingS auf der Realität stchergestellt anliegend Verbleiben. 613 Anfragen wollen an den Eigentl,ümer selbst wegen Wechsel deS Domizils ehemöl^I'chst gerichtet werden. Michael Wretzl» a»ti»litätenbesiK«r nächst Wiudenau, Post Marburg. Z« der »IN der hohen Statthalterei conresslonirtt» »nt »e« »rga«Wt» Mderva?SoIlt«?oIliiI«, welche mit einem I'IKMSITVMH'l' verbunden ist, Vien, VI., ZNariahilstrstraß«! S3 soorm. .gallmann'sches Institut), beginnt die Aufnahme der Schülerinnen vom 12. September an. Außer den sämmtlichen deutschen Gegenständen der Nnterrealschnle werden in der Anstalt fremde Sprache. Zeichnen, Mnstk, Turnen, Tänzen gelehrt und über kanfmännische Aächer Separatkurse eröffnet. Der Unterricht wird von ausgezeichneten Lehrkräften WieiiS. Kachprofessoren, geprilften Lehrern und Lehrerinnen ertheilt. — Ausführliche Programme werden im Znstituts Lokale unentgeltlich verabfolgt. f»nn> Kvumsnn-Ißlllilbsiio«', 610 Instituts-Aorsteh rin, geprüfte Lehrerin für Volks- und Bürgerschulen. UM-Zl» 1 ^ auf 6ev »sdutsu Idvil vinvg Kai». ^ tArk. 4VV ?nmoi ?rttwi«v-I.o»e» ^ » «uIÄ«» «. IV. vis Qäeksts /ieliuns ertol^t »vkoi» «n, I. I. ,ff. L»upttr«ik»? SVV.Vl^O t» volü KÜoKlcaus naed äem IaKeg-(?0ur8ö. — Lmittirt uvä 2u be^isdeu xsßssu Lio8eu6ul»g äss Lstr»«ss äuroi. äis oe87clmeieni8l!ne »toelc tm LI»vn-PI«t« IVr, g. liö. Vvssrs ^«edielsiade dosorxt äsn Lin- uvä Vsrlc»uk »Usr (ZgttunKsov 8t»»t»- uvä Inäustris kkpLorv, lZolä» unä LilbsrMuLsv, Lsnlevotev unä Vovissa esu»u ui»od «Zom iovvililkvu raxos-voul-ss. ^ ^ustfSgv ftli' äiv lc. !l. vvnv voulantvst viksvtulrt. 567 ^Issckäruoll virä vivdt dovorirt.) erste Vssvntliokv kvkvrv HMkls- Lehranstalt, Lttpildstatt, Praterftraße 82, ksri I'orxv«, Virelltor. Die absolvirten Hörer genießen die Begünstigung des einjährigen yreiwilligen' dienftes ln der k. k. Armee, ohne stch der Kreiwilligen-Prüfung unterziehen zn müssen. ?i-vAr»mm« find im Instituts.Lokale und in der Bect'schen Univerfitätsbuchhand« lung, Wien, Litothenthurmstraße Rr. IS, »tl» «u t» »Ken ... in zwei Abtheilnngen: «) die Schul,, d) die ^ecialkurfe. ^ drei Jahrgänge: I. Das Vorbereitung», ^hr: ll. Den Schulunterricht: Hl. Die praktische Thätigkeit. -Die Gvecial^rs,: I. Die Separat-Abtheilung; II. Der Eisen, bahnkursl Hl. DerVerstcherungskurs: IV. Der Wiederholunaskurs «/rr «lrorroolunaprur? für d^ absolvirten Hörer (Sinjähri^Areiwillige). V. DerAbendkurs. Der Schulunterricht beginnt Anfangs Oktober. In der mit dem Institute verbundenen Separat-Abtheilnng: Vnivrriokts-eomptoir Mr «»nl!vIsx^i»»vn»vlMfl«n. für Jene, die durch Alter, Stellung, Vorbildung und veschaftiauna der Schule en^ückt find, finden fortwährende Aufnahmen statt. Am Ä» Oktol^er beginnt ein ,^V«IA«tlQK»r'S m der Dauer von drei Monaten über einfache und doppelt» kaufmännische «Rechnen, die Handelskorrespondenz und Wechsellehre -. Dir. Porges. Sewer Inteii BorbknttimMrle für d«n «»««»»,I»»»« Sisenbah«., »'»rled«- n«» st. Jene in» Leben, die fich u», Anstellungen bei Eisenbahnen be« werben wollen. Der Lehrkörper ist aus bewährten Beamten der k. k. a. priv. Nordbahn gebildet. ». ^ ein Specialkurs Über das G,s folgreiche «onknrrenz geschaffen, daß die übrigen Lehranstalten die musterhafte Organisation des Instituts nachzuahmen fich bestreben. — Einschreibungen finden vom 2V. tSeptemder »n statt. 494 StaatsOberrealschlile i> Marl«rg. Das Schuljahr 1871/72 beginnt mit der Eröffnung der 4. Klasse am 2. Oktober. Die Einschreibungen finden in der DirektionSkanzlei im ehemaligen KreiSamtSgebiiude am 28. 29. und 30. September Vormittags von 8—12 Uhr statt. 603 Direktion der k. k. Oberrealschule in Marburg. ^ulÄei» rikkvisoks Mtsvlor ck^ilgon-MWMIM Mkmssekivon 2U Icauksn wün-bobvu, vsräsn vor ^Qlrsuf von ^asokinsll mit xMlsvdtsm W Ltompsl äsr ^ksvlsr ck Wilson M ßsvvarnt uv<1 Iröunsn W sivll äaäurvk soküt^sv, iväom sio vom VorlcällLsr^svsilsv kuk äsr I'aotur» «iol» äiv Lo8täti Z ^vbsll la«»sv, 6k»8 äio Äasodmv äer ^ksolvr . in LriÄxoportv' Loavsonout oatstamivt. 60 v Kvln'iiilorllsrsvli Alleinlzrvl^te«>«^r!«ßkv lilr Vlltorstvisrmarlr dsi 'Manna Koller. 609 Welch »IIglückseliges Berhängniß Ach! der Erde schönstes Tlück Währt wohl nur einen Augenblick; 'Freude war von keiner Dauer, iebe selbst nicht ohne Trauer. Rivalin. Eil WtiiMi i» Kqchil», eine halbe Stunde von Marburg entfernt, 4 Joch Rebgrund, 2^» Joch Obstgarten sammt Aecker, mit einer neugebauten Winzerei, bestehend aus 2 Zimmern, Küche und Stallung. dann einer Presse mit Keller auf 15 Startin, sammt Obst-und Weinernte; dann eine Wiese in Et. Margarethen bei Marburg mit 14 Joch, im Ganzen oder auch theilweise; endlich ein HanS in Pettan, lvelcheS zu einem Gast Hause geeignet lväre, mit 4 Zimmer, Küche und Speise im erste» Stock, dann 2 Zimmer nebst Küche ebenerdig, sammt zwei Stallungen, sind aus freier Hand zu veikuufen. — RähereS i» Pettau. HauS-Nr. 198. ö07 Haus< (605 DaS in der Tegetthoffstraße hier gelegene stockhohe HauS Nr. 5 Ntbst dazu gehörigen Wirth-schaftSgebäuden und daran sich anschließenden Garten und Wiese ist unter günstigen ZahlnngS-bedingnissen zu verkaufen oder in Bestand zu geben. — Nähere Auskunft ertheilt der hiesige Advokat Dr. Franz Grögl. verantwortliche Redaktion, Druck und Verlag von Eduard Ianjchiß in Vtarburg. 2. «. Lt. 0.