Nr. 255. Mittwoch, 7. November 1906. 125. Jahrgang. Mbacher Zeitung VrännmerattonepreiS: Mit Po st Versendung: ganzjährig 30 X, halbjährig lü li. Im Kuittor: ganzjährig LL ll, halbjährig li «. ssür die Zustellung in« Haul ganzjährig 2 X, — Instltlonsgebühr: Für lleine Inserate bis zu 4 Zeilen 5« d, größere per Zeile 12 d; l>ci österc» Wiederholungen per Zeile 8 d. Die «Laibacher Zcüung» erscheint täglich, mit Nusnahme der Sonn- und Feiertage, Die Ndminiftratlon befindet fich Kongreftplah Nr, L, die Mtdaltiou Dalmaliiigasse Nr. l<>. Sprechstunde» dil Nedaltion von 8 bis 1» Uhr vor» nnttag«, Unsranlirrte Vliese werden nicht angenommen. Mannilripte nicht zurückgestellt Nichtamtlicher Ceil. Die englische Marine. Man schreibt aus Loiidoil: Selten Hal sich eii,e so umfangreiche Verschiebung in den höchsten Steileil der britische», Flotte vollzogen, als die jetzt ange-kündigte. Der zweite nnd der jüngere Lord der Ad-miralität, die Kommandanten cn «Iiel der drei großen aktiven Flotten, der Kanalflotte, der Ätlanticflotte und der Mittel me«1lotte, die der nengeschnsfenen Hcimatflotte, des Spezialdienstgeschwaders, des Kap-geschwaders und des ostindischen Geschwaders, sowie der Kommandant on oin'f w Portsiuouth solleil neu ernannt werden. Gewiß treten die Veränderungen nicht sofort in Kraft, auch wenn die offizielle Ernennung demnächst erfolgen sollte, aber sie werden doch in kürzerer Frist vor sich gehen, je nachdem die alten Inhaber aus den betreffenden Stellungen aus-scheiden. Zum zweiten Seelord der Admiralität ist Vize-Admiral Tir W. May designiert worden. In ihm besitzt die englische Flotte nicht nnr einen Führer, sondern ein Verwaltnngs- und Organisationstalent ersten Ranges, nnd es ist damit zu rechnen, daß er schliesslich an die oberste Stelle vorrücken dürste. Er gehörte der Admiralität schon als Kontrollor längere Zeit an und es sind ihm sehr wichtige Neuernngen zu danken. Er ist ein Befürworter moderner Dampf-erzeugungssysteme, der Anwenünng von Wasserruhrkesseln auch inl Verein mit anderen Kesselsystemen, der Venvendung von Ölfeuerung auch als Zuschllß zu der uormaleu KrafteutwicklungsiMthode fiir Gelegenheiten, wo es daraus ankommt, eine anormale Geschwindigkeit zu schaffen. Während des letzten Mall overs führte er die fo viel kommentierte Parforce-fahrt von, Kampfplatz von der spanischen Küste bis zur englischen Küste aus, ohne daß ihm der stärkere Gegner, welcher diese Küsten verleidigen sollte, hätte folgen tonnen. Der bisherige zweite Teelord, Vize-Admiral Sir Charles Drnry, übernimmt an Stelle des Lord Charles Beresford das Kommando der Mittelmeerflotte. Er war in seiner ausgezeichneten Laufbahn vor allem in tätig und hat dem Ordnauce-Komitce als Mitglied wie als Vizepräsident lange Jahre angehört. Seine Gemahlin ist die älteste Tochter des Torpedolonstrnk-lenrs Robert Whitehead, der ja auch in Fiume ein ^tablissement besaß. Lord Charles Ber^sford erhält seinerseits nach der Verabschieduug des Admirals Sir Artur Wilson den Oberbefehl über die Kanalflotte, die stärkste in Dienst gestellte britische Streitkraft zur See. Zuni jüngeren Seelord der Admiralität wird der jetzige Kommandant der Torpedofahrzenge nnd Unterseeboote in den Heimaisgewässeru, Kontre-Admiral A. Winsloe an Stelle des Kontre-Admirals Inglefield ernannt, welch letzterer als Nachfolger des Admirals Sir Day Vosancniet das SpeZialdieust-Geschwader übernimmt. Das Kommando über die Torpedofahrzenge nnd Unterseeboote erhält, wie bereits gemeldet, Kvntre.Admiral Montgomery. Dem ncnen Chef der Mittelmeerflotte wird als Zweitkom-mandierender der Kommandant des Kreuzergeschwa° ders Nr. ^, Kontre-Admiral Prinz Lonis von Balten-berg, beigegeben. Der bisherige Zweittommanoierende der Mitteluleerflotte, Kontre-Admiral Bridgeman, soll die nene Heimatsflotte init dem Hauptquartier in Sheerneß übernehmen. Er tritt mithin wieder in nahe dienstliche Berührnng mit seinem alten Chef, Lord Beresforo. Zlveitkommandierender der Heimatsflotte wird Kontre-Admiral Groß. Der jetzige Zweitkommandierende der 5lanalflotte, Vize-Admiral Sir Asheton Curzon HoNx: wird als Nachfolger des Viz^ Admirals May zum Kommandant ^n <-In>t' der Ätlanticflotte ernannt werden. Zum Kommandanten < u cli^t' von Portsmouth ist der bisherige Chef des Spezialdienstgeschwaders, Admiral Sir Day Nosan-quet, bestimmt. Der bisherige Befehlshaber des ostindischen Geschwaders, Vizeadmiral Sir Ednmnd Poe, ist zum Kommandanten des Geschwaders am Kap auserseheu. Eeiil bisheriges Geschwader wird ihm von nun an ebenfalls untergeordnet werden. Die Führung desselben erhält Kapitän Hugh Tyrwhitt, unier temporärer kerieiyung des mangos als Kon», modore. — Don, Vernehmen nach soll die „Tread-uonght" nach ihrer Iudietisl'stellung Flaggschiff der ucu zu organisierenden Hoimatsflotte lverden, was wohl als ein Beweis dafür anzuseben ist, das; die Admiralität gesonnen ist, in de^r neneu Flotte zuni Unterschied von den Reserven vergangener Iabre eine sehr leistungsfähige Stroi,tkraft zu schaffen. n>elche völlig besähigt sein soll, in wirtsamer Weise mit der Kanalflotle und der Ätlanticflotte in del, heimischeil Gewässeru zu operieren nnd mit ihnen eine fast nn erreicht starke Vcrteidignng des Landes zn bilden. Jede der drei Flotten wird natürlich ihr Kreuzer geschwader erhalten nnd der als Kommandant des Kreuzergefchwaders der Heimatsflotte designierte Kontre-Admiral Groß wird seine Fbagge auf der „Leviathan" hissen, emem Panzerkreuzer erster Klasse von 14.IM Tonnen nnd einer aus zwei Ll-Zentimeter-und sechzehn l^-Zentinieter'Schnellfeuergeschützen be« stehenden Armieillllg. Politische Uebersicht. Laibach, 6. 9iovenlber. In einer Betrachtung über das erfreuliche Ergebnis der Unterredung zwischen dem Minister des Äußern Freiherrn von Ahrenthal und dem ita° lienischen Botschafter Herzog von A v a r n a führt das „Nene Wiener Dagblatt" aus, daß es das Bestreben der beiderseitigen Staatsmänner sein müsse, dein Bunde zwischen Qslel-^'ich-Unaai'n und Italien eine solche Resonanz in den Voltsgemüteru zu sichern, wie sie das Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland hervorgerufen hat. Taranf hinznarbeiten, daß ein dauornder Rapport bestehe zwischen der Vei> nagspolitik der Staaten, dc'M Intellekt der Politiker und den Empfindungen der Völker, das sei eine hohe und schölio Anfgaibe für die verantwortlichen Leiter der auswärtigen Politik iu Osterreich-Uugarn wie in Italien. Auf welcher Höhe politischer Zweckmäßigkeit und kultureller Sittlichkeit stoben solche Intentionen im Vergleiche mit den Strebungen und Aspirationen Feuilleton. Amor als Hcilkünstler. Von A,nel,'ie Ainge. (Schluß.) Statt der Schmerzen Plötzlich ein wohliges Behagen spüreud, saß der Druckereibesitzer zw^ Teknn-den später seiner Reisegefährtin in dem langsam in Bewegung fich setzenden Zuge gegenüber. Wie Balsam legte es sich auf seiue Stimmnug. So mochte, die wild-cuipörte See sein, wenn sie das lindernde Öl empfan« geil hatte. Woher nnr dieser plötzliclie Wandel? Be» saßen die schönen Angen ibm gegenüber vielleicht suggestive Kraslc' „Mein Fränlein, ich bin versucht zu glauben, daß Sie eine Zauberin sind", begann er, der gestellten Aufgabe sich erinnernd, galanten Tones: „Ich bin entzückt - seit Taigen das Opfer böse,r Schmerzen, fühle ich, sm ich Sie erblickte, keine mehr!" Die ^uhoreriil war bei den Worten leise von ihrem Gegenüber weiter fortgerückt; der Wüterich wäre ihr entschieden lieber gewesen, als dieser fade. Schmeichler. Wollte er sie täuschen, oder hatte der Schafsner es geraten? Ein gefährlicher Mensch war ihr Reisegefährte jedenfalls. „Es handelte sich hier sicher lim einen jailer Fälle von Neuralgie, mein Herr, die durch ihr oft fprung-haftes Erscheinen nnd Verschwinden schon manchem Arzt Kopfzerbrechen gemacht lmben," lain es im Toll stolzer Abwehr. Die Stirn des Zuhörers rötete sich. Seine Mio neu uotameu plötzlich etwas Gehaltenes: interessiert heftete e-r die Augen ans die Sprecherin. „Hut ab, m^in Fränlein, vor so viel Hintansetzung weiblicher Eitelkeit! Einer so ehrlichen Partnerin bm auch ich ^Ehrlichkeit schuldig, . . . Znnächst aber gestatten Sie: Felir Tteinach, Drnckereibesitzer aus L." „Magdalene Tülong aus W." Eiu anmutiges Kopsueigeu begleitete die Vorstellung. „Magdalene Dü ° — Fräulein Dü'long aus W?" Der Stammelnde quittierte insgeheim, daß die Tchicksalsgöttl'n ihn heute offenbar zu ihrem Opfer ausersehen habe. Zu der scheinbareil geschäftlichen Vernachlässigung, kam nun noch, daß er der Tochter des Hauses mit Unehrerbietnng begegnet wa.r schlechter hätte er sich bei Dülong und Ko. wahrlich nicht einführen köunen. Merknm'rdigerN>eise aber wollte das Gefühl der Zerknirschung in Tteinach nicht aufkommen, — ein Etwas ließ es nicht zu. Der Geschäfts- und Lebemann fühlte plötzlich, oas; auch seine Seele Kleinodion besaß — die Fähigkeit, gut und groß und tief zu empfinden. Diese schönen, klngen Mädcheuaugen hier, in Achtuug auf sich ruheil zu sehen — müßte — köstlich seill . . . „Sie sehen mich überrascht, Fräulein Düloug! Meine Reise gilt nämlich Ihrem Herrn Vater - " „So sind Sie jener Herr Steinach, mit dem Papa in geschäftlicher Verbiudung steht? Doch ^ -Papas. Schilderung Ihrer Person -" erröteud stotterte sie. „Paßt uicht auf den Wüterich', uicht lvahr, Fräulein?" fiel Tteinach in aufbrechender Heiterkeit ein. „Ich bitte nni Gehör - vielleicht gewähren Sie nach der Erzählnng dem Sünder Absolntion." Es wurde eine heitere Fahrt. Immer zutraulicher und wohlgefälliger blieben die Augen der Zu-höreriu an dem Erzähler hängen und bald erfüllte silberhelles Lachen das Coup«'-, in dein ein kleiner, beflügelter Gast seinen Einzug gehalteil hatte. Der Abend fand Steinach in dem geselligen Fa milienkreise des Herrn Diilong. Fränlein Magdalene, ill ivelcher das Mißgeschick des Truckereibesitzers rasch jenes zärtliche Erbarmen geweckt hatte, dessen da^ Fraucnherz so leicht fähig ist, war der Anwalt deH späten Gastes gewordeil, so daß diesem das Geschäft geblüht nnd er als lieber Gast allsgenommen worden war. Und der Teufel, der Nerven-Rheumatismus? Di^ Reise mit Hiuderuisseu? Wie ein Traun» lag beides ill Steinachs Erinnerung. Als er sich endlich in der lieitersten Stimmung verabschiedete, um uiu dem Nachtzuge heimzureisen, traten die Erlebnisse des Tages wieder vor ihn hin: „Ich bin heute um manche Erfalirung reicher geworden, Fränlein Diilong - das Wohl lind Wehe der einen, gewissen aber liegt in dieser kleinen Handl Wenn wieder Schmerzen den armen Schelm heimsuchen, darf er dann kommen und sich Linderung holen?" bat er ux,rm, den Blick in ihre Auguu sen° keild, aller Vernnnft znm Trotz überzeugt, daß dies^ schönen Sterne die Kraft besäßen, Schmer.zeu ,;n heilen. „Ich weiß nicht, ob ich Talent zur Samariterin habe," flüsterte sie erglühend. „Wollen Sie es erproben?" „Ich will es." — Als der Herbst mit den, blanken Souuenglauz die letzte Rose verklärte, holte ein glücklicher Mmm sich das „Ja" von geliebten Lippen. „Magdalene, liebe, kleine Heilkünstlerin, mit Zauberhänoen hast du den ,Wüterich' dir gezähmt", flüsterte er und beim Tauschen ihrer Küsse fühlten lx'ide das süße Feuer der Erosflamme, von der man sagt, das; sie Schmerzen zn heilen vermag. Laibacher Zeitung Nr. 255. 2382 7. November 1906. der jeder Veranttvoi'tlichken baren Agitatoren, deren Atom die Gehäßigkeit, deren Zweck die Feindschaft und dereu Arbeit das Wühlen ist. Könnten diejenigen, die ihnen Gehör schenken und Beifall zollen, in die Zukunft schauen, in eine Zukunft nämlich, die das Endergebnis solcher Agitationen wäre, falls diese zum Unheil der Staaten den Erfolg für sich hätten, mit Entrüstung und Unwillen würden sie als Menschen, als Bürger, als Väter den unverantwortlichen Ausstreuern politischen Spl-engstoffes die Gefolgschaft versagen nnd den Verkündigeln der den Nationen zum Segen gereichenden Votschaft des Vertrages und des Vertragens, des Friedens und der Freundschaft zueilen. Tie Erekntivkomitees der radikalfortfchrittlichen, staatsrechtlichen u.nd nationalfozialen czechischen Partei erklären in eineni Kommunique, das; das Elaborat des Wa h l re f o r m a n s sch u f se s nicht auf dem gleichen Wahlrecht basiert, da das czechische Volt gegeül das deutsche unt 44 Mandate, verkürzt wurde. Das Elaborat habe den böhmischen Boden in einen czechischen und einen deutschen abgegrenzt und hie« durch ein Stück czechischer Erde unter eine dauernde unbegründete deutsche Vorherrschaft gestellt. Durch die qualifizierte Präsenz seien alle Möglichkeiten einer Verbesserung im Sinne der Gleichheit des Wahlrechtes auf friedlichem und gesetzlichem Wege ausgeschlossen. Die genannten Parteien lehnen deshalb das Elaborat ab und sprechen ihre feste und unerschütterliche Überzeugung aus, daß die czechischen Abgeordneten, wenn sie die Ehre und Rechte ihres Volkes nicht schädigen wollen, nicht zulassen werden, das; dieser Entwurf Gesetz werde. Das „Vaterland" erörtert die Bedeutung des Getzmannschen Dringlichleitsantrnges auf die sofortige Vornahme der zweiten Lesung der Wahl-refo r mvorlage n und sagt, falls sich die Mehrheit des Hauses für die Zulassung dieses Antrages entscheidet, werde es sich um die Frage handeln, ob wirklich zwei Tritteise der Abgeordneten für die dringliche Beratung der Wahlreformvorlagen sind. Wäre auch das der Fall, dann könnte man das Schicksal der Wahlreform als nahezu entschieden betrachteil, und zwar im Sinne der Wahlreformfreunde und der Negierung. Man könne deshalb die Abstimmung über den Dringlichteitsantrag Geßmann. wenn es wirklich dazn kommt, als eine Generalprobe für die Wahlreform bezeichnen. — Die „Österreichische Volkszeitung" bespricht die Wahlveformen, die in Österreich vom Jahre I860 bis auf den heutigeu Tag durchgeführt wurden und kommt zu dem Schlüsse, daß die Entwicklung des österreichische!, Parlamentarismus in dieser Zeit nur geringe Fortschritte gemacht habe. Bald aber werde er dem anderer Staaten vollkommen ebenbürtig sein. Die „Arbeiterzeitung" erinnert an die stampfe, welche das Proletariat um die Erlangung deZ allgemeinen Wahlrechtes geführt hat und hofft, daß das abgelaufene Jahr der friedlichen eifrigen Erneuerimg für die Beendiguug der Reform von guber Vorbedeutung sein werde. Die ruhige Entwicklung sei verbürgt mit den: Zustandekommen der Reform, wie niemand im Zweifel sein kann, daß ihre Vereitelung den entschlossensten Kampf bedenten müßte. Nach dem Berichte der russische!, Reichskontrolle über die Realisierung des Bud» g e-ts für 1905 übersteigen die gewöhnlichen Ein-niahmen die gewöhnlichen Ausgaben um 99,382.4l)5 Rubel. Im Voranschlag war ein Überschuß von unr M,89().047 Rubel vorgesehen. Die gewöhnlichen Ein nahmen betrugen 2.024,558.452 Rubel, die gewöhnlichen Ausgaben 1.925,176.047 Rubel, die außerordentlichen Einnahmen 793,515.197 Nnbel, die außer» ordentlichen Ausgaben 1.379,576.802 Rubel. Die go wohnlichen und die außerordentlichen Ausgaben über-!^'g'2n die gewöhnlichen und die außergewöhnlichen Einnahmen um 215,010.037 Rubel. Durch die Benützung der aus dem Budget des Jahres 1W4 verbliebenen freien Mttel, welche die Neichsrentei fiir die Deckung außerordentlicher Ausgaben verwendete, ist das Gesamtdefizit, das in der Höhe von 180 Millionen erwachsen war, auf 158 Millionen herabgesetzt worden. Das Defizit wnrde mit dem Erlöse der sechsprozentigen Anleihe vom Jahre 1906 gedeckt. Tagesneuigteiten. — (Seerubben in der N a r e n t a.) Aus Mettoviö. 1. November, wird geschrieben: Am 27. v, nachts standen einige Jäger von. Nomin am Lago di Modriö neben dem Narentafluß am Anstand anf Wildenten. Im Dunkeln hörten sie ein unaufgeklärtes Geräusch, und unmittelbar darauf ging auf die Jäger ein Tier, welches sie nicht erkannten, los. Das Merkwürdige war, daß das Tier gerade auf jenen Jäger am Ufer des Sees zueilte, welcher mit der Lockpfeife die Wildenten heranlockte. Erschreckt schössen alle fünf Jäger auf das Tier. Bei Tagesanbruch stellte es sich heraus, daß sie eine Seerobbe erlegt hatten. Es war ein schönes weibliches Eremplar von 2 Metern 30 Zentimetern Länge und wog 140 Kilogramm, Der Lago di Modriö liegt an der linken Seite der Na° rentamündnng nnd wird durch einen Steindamm vom Meere getrennt. An diesem Steindamm sind kleine Öffnungen für den Zu« und Abgang der See» fische, zumeist Aalfische, altgebracht. Wie diese Seerobbe durch diese Ösfnungen in den, Lago di Modrig, lvelcher zwei bis drei Meter Tiefe hat, kam, ist unaufgeklärt. Die Jäger, welä>e das Tier erlegten, brachten es nach Sarajevo ins dortige Landesmuseum. — (Feine Rache.) Von dem früheren Direktor dcr Pariser Oper, Ritt, der ebenso geistreich wie tatkräftig war, erzählt man sich eine amüsante Geschichte. Er hatte sich den Zorn, einer hochgestellten Dame in reifein Alter zugezogen, indem er ihr wie vielen anderen ihre Freiloge entzog. Als er zufällig in einer Gesellschaft mit der gealterten Schönen zn-fammentraf, zeigte ihm diese unverhohlen ihr Mißfallen und äußerte sich laut höchst absprechend darüber, da^ ein solcher Greis Direktor wäre. Da trat Ritt mutig auf sie zu: „Madame", sagte er, „ich hatte schon einmal das Unglück, Ihr Mißfallen zu erregen." — „Wieso denn?" — „Sie erinnern sich vielleicht, meine Gnädige, daß bei Ihrer Einsegnung die feierliche Handlung durch das Schreien eines kleinen Täuflings unterbrochen wurde . . ." — „Ja, aber ich sehe nicht ein . . .?" fragte die erstaunte Dame. „Nun," antwortete Ritt mit vielsagendem Lächeln, „der Täufling war ich!" - (S chr ecken s sze u e i n einem Zirkus.) Aus Berlin, 5. d. M, wird gemeldet: Als der Tier« bä'ndiger Peters gestern nachmittag im Iirkns Busch seine zehn Tiger nnd sechs Löwen vorführte, glitt er aus, worauf die Bestien auf ihn stürzten und ihn durch Bisse und Kratzwnnden schwer verletzten. Vier Gehilfen drangen in den Käfig und trieben die Tiere durch Hiebe mit eisernen Stangen und durch Schreckschüsse zurück. Unter dem Schutze der Gehilfen kroch Peters durch die Gittertüre hinaus. Er konnte sich dem Publikum noch dreimal im Zirkus zeigen, brach aber dann bewußtlos zusammen. Peters wird längere Zeit zu seiner Wiederherstellung brauchen. Das Publikum, hauptsächlich Kinder, war bei der Schreckensszene von einer Art Panik erfaßt, dann aber durch die Zirkus« angestellten, beruhigt worden. ^- sDer „Haupt m a n n" von Köpeni ck.) Aus Berlin wird gemeldet: Die gerichtliche Unter suänmg gegen den „Hauptmann," don Köpenick, Wil belm Vogt, hat begonnen. Vogt ist, wie verlautet, geistig recht rege und drückt sich in einer so gewandten Weise aus, wie man es nicht fur möglich halten sollte mit Rücksicht darauf, daß er den größten Teil seines Lebens in Strafanstalten verbracht hat. Allerdings hat er in seiner Jugend die höhere Bürgerschule in Tilsit bis zur Tertia besucht und dadurch wohl eine gewisse Gewandtheit im Gebrauch der Sprache er-langt. Körperlich macht er einen recht heruntergekommenen Eindruck. Seine eingefallenen Wangen nnd seine gelbliche Gesichtsfarbe lassen auf Krankheit schließen. Die Voruntersuchung dürfte voraussichtlich keine lange Zeit in Anspruch nehmen. Hauptsächlich wird es sich nm die Prüfung der Frage handeln, ob Vogts Aburteilung vor der Strafkammer oder vor dem im Dezember zusammentretenden Schwurgericht stattfinden foll. Lolal- und Provinzial-Nachrichteu. Philharmonische Gesellschaft. Erster Kammenmisitabend am 3. November 19W. Der erste Abend, den die Kammermnsikvereini-gung der Philharmonischen Gesellschaft veranstaltete, bot ein erfreuliches Bild, denn, er lieferte überzeugende Beweise von der regen Teilnahn^e der in stattlicher Zahl erschienenen Freunde der intimen Kunst, die andächtig lauschend auf ihren Plätzen verharrten. Diese warme Teilnahme mag dem wackeren Quartettprimarius, Herrn Konzertmeister Hans Gerstner, nnd seinen trefflichen Mitarbeitern, den Herren Alfred Iagschitz, Heinrich Wettach und Franz Löt> rl nm so größere Genugtunng bereiten, als sie keiner Reklame oder Laune des Augenblicks ihren Urspruug verdankte, vielmehr — wie ja schon der herzliche langandauernde Beifall nach jedem Satze des ersten Quartettes bewies — aufrichtige, Gefühle des Dankes fiir die Erhalter nnd Förderer der Kammermusik in Laibach zürn Ausdrucke brachte. Seit einem Vierteljahrhnndert erfreut sich die Kammermusik seitens der Philharmonischen Gesellschaft sorgsamer Pflege, bildet einen festen Damm gegen Geschmacksverirrung und ist von hohem Werte für das Musikleben unserer Stadt. Möge die intime Kunst auch nxnterhiu ihren veredelnden und lantern» Dienst zweler Herren. Roman von A. L. Lindner. (53. Fortsetzung.) (Nachdruck verbalen.) Er verbeugte sich ironisch und sah sie cm mit einein Blick, der in seiner hohnvollen Kälte wie ein Schlag wirkte. „Womit kann ich dienen? Ich darf natürlich nicht annehmen, oatz Interesse für mich oder Rose-Marie im Spiel ist." Seine matzlose Bitterkeit gab ihr die Haltung wieder: „Laß uns nicht in solchem Tone sprechen, Roland. Ich habe dich nicht im Leichtsinn verlassen. Du weißt nicht, wie viele Kämpfe es mich gekostet hat, daß deine Härte mich bis zum Äußersten trieb, dennoch —" „Warst du natürlich im Recht", unterbrach er sie niit eisiger Ironie. Sie ließ den EinWurf unbeachtet. „Vielleicht hatten wir beide recht, und deshalb, meine ich, müßten wir zu einem Einverständnis kom° MM. So wie es ist, kann es nicht weiter gehen." „Weshalb nicht? Auf diesem Wege war doch nur der erste Schritt schwer, die weiteren folgen dann schon von selbst. Ich verstehe dich überhaupt ganz und gar nicht. Du hast ja deine Kunst. Was willst du mehr?" „Um Gotteswillen, nicht diese Ironie, Roland. Ick) verdiene das nicht. Ich habe in den letzten Monaten viel gedacht und viel gelesen. Manches ist mir klar geworden, was ich früher nicht begriff. Ich bin durch ernste Kämpfe gegangen, Roland. Ich — weiß jetzt, daß ^-" sie zögerte, „daß ich kein Recht hatte, mein Kind zu verlassen." „Ein, Jahr ist zum Erkennen eines Elementarsatzes zu lang. Das hättest du früher einfehen sollen", sagte er frostig. „Wir mackien alle Fohler", sagte sie. „Die Hauptsache bleibt dock), daß man sie als solche erkennt. Der Gedanke an Rose-Marie läßt mir keine Ruhe mehr. Ick) sel)e ein, daß mein Platz bei ihr ist; ich will gut machen, was ich versah. Es wird wohl so sein. daß die Ansprüche der Mntter vor denen des Kindes zu< rücktreten müssen." Die Farbe kam und ging auf ihrem Gesicht. „Ich bin bereit, morgen zu dir zurückzukehren, wenn du mir nur etwas entgegenkommst, mir nur etwas Freiheit gewährst. Du lveißt, wie ich es nieine. Ich kann nicht glauben, daß du alle deine Vorurteile unverändert festhalten willst," Sie standen noch immer unbeweglich auf dem-selben Fleck, ohne zu beachtelt, daß der Platz um sie sich leerte. Aus den Coupes streift hier und da ein neugieriger Vlick das so auffällig vertiefte Paar. Sein Gesicht wurde immer finsterer. Wagte sie wirklich, ihm Bedingungen zu stellen, wo es doch nur eins für sie gab, Untenverfung auf Gnade und Ungnade ? Die Herrennatur in ihm erwachte, und mit ihr der Jähzorn und der Wunsch, Ilse zu demütigen, ihr recht tveh zu wn für alles, was er durch sie gelitten hatte. „Wir haben diesen Punkt damals restlos er» örtert," sagte er, „ich mutzte mich überzeugei!. daß du — leider — eine Frau bist, die für Häuslichkeit nnd trene Pflichterfüllung überhaupt kein Verständnis l>at, und ich sehe, daß du in allem Wesentlichen noch dieselbe bist und bleiben wirst. Deshalb kann ich mir für die Zukunft von einem Zusammenleben nichts verspreäien. Um NosoMarie mache dir keine Sorgen. Sie ist in meinen Händen sick)erer aufgehoben als in deinen. Mit dem Almosen einer unter Hängen und Würgen geleisteten Pflichterfüllung ist lveder ihr noch mir gedient." Rauh und hart kamen die Worte heraus. Er redete sich in um so heif^reu Zorn hinein, je sanfter und gelassener sie blieb. Er mochte auch von ihrer Seite ein Aufflammen erwartet haben. „Du traust mir also nicht?" fragte sie traurig. „Nein!" Er hatte gar nicht darauf geachtet, daß sein Zug längst eingelaufen war. Erst als die Schaffner krallend die Türen zuschlugen, kam es ihm wieder zum Bewußtsein, wo er war, und wo er hin wollte. Es war tatsächlich keine Minute mehr zu verlieren. So blieb denn dies rauhe „Nein" soin letztes Wort. Er riß lxistig den Hut vom Kopfe, wie vor einer Fremden nnd stürmte davon. Sein „Adieu" ging im Zischen und Faucken der Lokomotive verloren. ^~ (Fortsetzung folgt.) Laibacher Zeitunq Nr. 255. 2363 7, November 1906. den Einfluß ansüben und imincr lveitere Greife für sich gewinne»,! Die bequeullichsatten Worte Fasiters: „Ich lieg' uud besitz' — laß mich schlafen", mögen nie schläfrige Teilnahiuslosigkeit des Publikums uuch Mutlosigkeit der .Ailrstler rechtfertigen. Ter Wille der Kmlstler bleibe fest lind unverwandt auf das reine, erhabene Ziel gerichtet, in dein Bewußtsein, allen und jedem den Bildungsschatz zu verntitteln, der in reiner, edler Knust liegt. Einem langjährigen, löblichen Gebrauche folgend, eröffnete die Kammermusitvereinigung den ersten Abend der Saison mit Beethoven, und zwar mit dem entzückenden Streichquartette Nr. 6 in L-äur aus «I». 1k. Inmitten von Tatzen voll sprudelnden Lebens erhebt die Melancholie im Adagio ihre erschütternde Klage in schmerzvoller Ahnung des schweren Schicksals, das seine dunklen Fittiche dränend erhellt. In der Ausführung des Wertes zeigten fich die oft anerkannten Vorzüge de5 GerstuersclM Quartet tes: Echt männlicher, markiger Toi,, frei von aller Cüßlichkeit, feurige Rhythmen in den Allegrosätzen, Vorzüge, die der Forderung Beethovens eutsprecheu: ,,Dem Manne müsse die Musik Feuer ans dem Geist? schlagen." Mit edler Empfindung wurde das Adagio zum Ausdrucke gebracht' es bedeutete den Höhepunkt des Absuds. Ter neuengagierle Cellolchi-er. Herr Franz Löhrl, taun als'Gewinn für das Quartett bezeichnet werden und ergänzt es in vollkommener Weise. Es mird sich demnächst Gelegenheit finden, seine lünst-lerisclieu. Eigenschaften näher zu beleuchten. Ten zweiten Teil des Abends bildete das wirksame Klavierquintett o^i. kl in .V 6ni' von Anton Dvorük, das, zu den erfreulichsten Kompositionen des fruchtbaren .Komponisten zählend, iu angenehmer Erinnerung von zwei Aufführungen im Jahre 1895 stand. Den heiklen, an technischen nud rhythmischen Schwierigkeiten roichen Klavierpart spielte die Pianistin Fräulein Marianne Vrüuner aus Wien, eine schätzenswerte .Uünstlerm, die musikalische Intelligenz mit großer Begabuug und reichem technischen >lönnen vereint. Zum idealen bis ins kleinste Detail Vollendelen Quarlettspiele gehört natürlich längeres Zusammenspiel und gegenseitiges Vertrautsein, wes-. halb die Schwierigkeiten, die sich beim plötzlichen Hinzutreten einer fremden, neuen ilraft ergeben, nicht ganz bewältigt werden können. Dank der energischen Führung des Herrn Konzertmeisters Ge r st n er nnd der musikalischen Tüchtigkeit der Mitwirkenden wnr-deu kleinere Hindernisse ohne Schwanken genomiuen und die Kraft und Wärme, in der die Ausführung dahinströmte, ohne die Grenzlinie musikalischer Schönheit zn überschreiten, riß auch die Zuhörer mit. Am lebhaftesten sprach der erste Satz und das Scherzo au, während die geistreiche Ausführung die Bedeutsamkeit der Themen im zweiten Satze überwiegt. Im Vortrage mehrerer Solostücke errang Fräulein Vrüuner einen schönen Erfolg. Sie bet'nndet echt künstlerische Eigenschaften: Verständnisvolle Auffassung, Temperament, männlich-kräftigen, ausdrucksfähigen Anschlag uu,d führt das ganze Rüstzeug der modernen Technik ins Treffen. Die prächtige Ballade in <:-un>1I von Chopin litt allerdings anfänglich unter der allzu ergiebigen Akustik des großen Saales: es erschien manches verwischt. Hingegen erwies sich die Künstlerin in der glänzenden Ausführung von Liszts „Waldesrauschen" als treffliche Liszt-Spielerin uud erfreute durch die klare Ausarbeitung der sonst herzlich unbedeutenden Komposition von Müller-Nalt, Melodie, Tanzpoem. Schließlich spielte sie über stürmisches Verlangen mit bestrickender Feinheit ein Capriccio von Mendelssohn als Zngabe. Die Künstlerin wurde durch reichen Beifall und viele Hervorrufe geehrt. »I. Laibacher Gcmeinderat. Ter Laibacher Gemeinderat trat gestern abend zu einer außerordentlichen, Sitzung zusammen, au welcher uuter Vorsitz des Bürgermeisters Hribar 21 Ge-meinderätc teilnahmen. Zu Vorifickatoren des Sit° zungsprotokolles wurden die Genieinderäte Mayer uud Dr. Triller nominiert. Zu Beginn der Sitzung machte der Bürgermeister die Mitteilung, daß unser Allerhöchstes Kaiserhaus vou einem schweren Verluste betroffen wurde, indem der dulMauchtigste Herr Erzherzog Otto am 1. November l. I. einer langen schnüren Kraukheit erlag. Die Völker der Monarchie trauern am offenen Grabe und auch die Stadt Laibach fühlt den schwelx'u Verlust. Der Bürg er meist er erbat sich vom Gemciude-rate die Ermächtignng zur Absendnng folgender Depesche an die Allerhöchste 5labinetlskauzlci: „Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Laibach hat mich ili seiuer heutigen Sitzung ermächtigt, ans Anlaß des Verlustes, von welchem das erlauchte Kaiserhaus in- folge des allzufrühen Ablebens Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Otto betroffen wurde, den Ausdruck des untertänigsten Beileids an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Bürgermeister Hribar." Der Bürgermeister verlas sodann eine Zuschrift des Herrn Mar von Sturtevant aus Balmam iu England, welcher aus deut Nachlaß eines dortigen Knnstmäcens eine .«llollektion interessanter Bilder aus deu Hauptschlachten der englischen Armee (1100 bis 1815) erstand und diese als Zeichen seiner Sympathie für Laibach der städtischen Gemäldegalerie überläßt. Die Mitteilung wurde zur Kenntnis genommen und .Herrn von Ttnrtevant der Tant' des Gemeinderates ausgesprochen. Nach Übergang zur Tagesordnung wurde zunächst zur Wahl eines Vertreters der Stadtgemeinde im t. k. Laudesschulrate für die neue sechsjährige Fuut--tionsperiode geschritten. Über Antrag des Gemeindo» rates l^ubic wurde der bisherige Vertreter, Vize< bülgermeister Dr. Ritter von Blei weis, p<^> :i(x-l:!lu:llioin'm wiedergewählt und ihm gleichzeitig für feine bisherige Tätigkeit im k. t. Landesschulrate der Dank ausgesprochen. Namens der vereinigten Personal- und Finanz-seition berichtete sodann Gemeinderat Svetek über die Anträge des Bürgermeisters in betreff Erhöhung der Dienstbezüge der städtischen Bediensteten. Wie wir der bezüglichen eingehenden Motivierung des Herrn Bürgermeisters entnehmen, fand die letzte Gehalts-reguliernng der städtischen Beamten im Jahre 1898 statt. Seither haben jedoch die Verhältnisse eine we-» sentliche Änderung erfahren; die Teuerung nimmt vou Tag zu Tag zu und dieser schwer ius Gewicht fallende Umstand veranlaßte auch die trainische Landesvertretung sowie auch die städtische Sportasse in Laibach, die Bezüge der Landes-, resp. Sparkasse^ bediensteten den Zeitverhältnissen entsprechend zu erhöhen. Auch die derzeitige» Tienstbezüge der städtischen Beamten erheischen dl-ingend eine Neuregelung, bezw. Erhöhung, welche in der Weise zu erfolgen hätte, daß alle städtischen Beamten um eilte Gehaltsstufe vorrücken, so daß die erste Rangsklasse der städtischen Beamten der sechsten Rangsklasse der Staats,-beamten, die, zweite der siebenten, die dritte der achten, die vierte der nennten, die fünfte der zehnten und die sechste der elften Nangsklasse der Staatsbeamten gleichkäme. Die Quinquenniein wären von zwei anf vier zu erhöhen, um dadurch die städtischen Beamten für die geringen Avancementchancen teilweise zu entschädigen. Der für diese Geha^ltsvegu,-lieruug erforderliche Mehrbetrag beziffert sich ans 40.510 K. Dieses Erfordernis soll aus dem Neinertrage des städtischen Elektrizitätslverkes gedeckt wer-den nud entfällt somit die Notnx'ndigkeit der Erhöhung der Gemeindcumlagen. Der Referent stellte schließlich eine Reihe von Anträgen, von denen wir hier nur die wichtigsten hervorheben wollen. Die Au-träge lauten: 1.) Die Beamten des Stadtmagistrates und der städtischeu selbständigen Unternehmungen werden in sechs Nangsklasseül eingeteilt, welche den Rang Massen sechs bis elf del- Staatsbeamten vollständig gleich kommen uud künftighin auch mit den gleichen römischen Zahlen bezeichnet werden sollen. Die Dienstbezüge der städtischen Beamten werden vom 1. Jänner !907 ab wie folgt fchgesetzl: Gehalt für die sechste Nangsklasse 7 zu besehen. 1.) Den Konzeptspraktikauten ist das Adjulum jährlicher 1200 X nach füufiähriger Dienstleistung auf 1800 l<, den übrigen Praktikanten von 900 Iv auf 1400 X zu erhöhcu. Nach zehnjähriger Dienst» leisluug rücken die ersteren in die zehnte, die letzteren i» die elfte Rangsklassc vor. 5.) Die Tienstlautionen für die städtischeu Beamten (Ttadtkasse) werden mit 1. Jänner 1907 abgeschafft. 6.) Die bisher anerlaufenen Quinquennien blei-den in Kraft, doch dürfen dieselben nicht weiter als dis 1. November 189!'. zurückreichen. 7.) Die städtischen Beamten mit akademischer Bildung haben nach A5 Dienstiahren Anspruch auf volle Pension. 8.) Die Dienstbezüge für die städtischen Oder Polizeiwachmänner und Detektivs werden vom 1. Jänner 1907 ab mit 1UX) lv nnd zwei Qnimniennien zn 100 K, für die städtischen Polizeiwachmänner mit 1l)00 lv und zwei Qninqnennien zn 100 lv festgesetzt: die Attivitätsznlaae beträgt je 20 batte cu dluc einstimmig angenommen uud endlich unter Vorsitz des Vizebü'rgermeisters beschlossen, die Funktionsznlage des Bürgermeisters von 7200 K auf 10.000 l( zu erhöhen. Dem Bürgermeister sowie dem Referenten wurde für die eingehende Darlegung der nunmehr genehmigten Gehnltsregnlierung der Dank des Geineinderates ausgesprochen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung berichtete Geineiuderat Dr. Triller namens der Finauzsek-tion über die am 2. Jänner l. I. stattgefnndene 11. Verlosung des Laibacher Lotterieanlehens. Gezogen wurden l!00 Nummern. Der Haupttreffer per 50.000 X ist bisher nicht buhobeu worden. Ter be« züglick>e Betrag ist statutenmäßig fruchtbringend an gelegt. Der Bericht wnrde zur Kenntnis genommen. Gemoinderat Dr. Triller berichtete weiters über das Gesuch der Vereinskapelle um eine außer« ordentliche Untel-stütziing von 800 1< nnd stellte namens der Sektion den Antrag auf Abweifung des Anfucheus, da für derlei außerordentliche Unterstüt-zungem im Voranschlage ein Kredit nicht vorgesehen sei. Geineinderat Turk stellte den VermittlungS' anlrag anf ^'Währung einer Unterstützung von 100 lv, welcher Autrag auch vom Genieinderate Mayer wärmsteus unterstützt nnd bei der Al'stim mung auch angenontuten wurde. Namens der PoliIeisektion berichtete Vizebürgermeister Dr. Ritter von Blei weis über die Tätigkeit des FeueNvehr- und Mttungsvereines im dritten Quartal 190k. Der Bericht wurde zurKenntuis genommen und der Feuerwehr für ilne mutvolle Tätigkeit anläßlich der bekannten Erplosion beim Pnlverdepot am Laibacher Felde die Anerkennung ausgesprochen, Für die Beheizuua. der Feuerwehr-Telepholtstatiou wurden jährlich 25 Meterzeutuer Steinkohle bewilligt. Schließlich begründete Gemeinderat Fran-chetti seinen selbständigen Antrag, wornach die Südbahugesellschaft aufgefordert Norden soll, für die Errichtung eines öffentlichen Abortes vor dein Siid-b ahn Hofe Sorge zu tragen und nnter den Kastanien. bäume» gegenüber dem Aufnahm^gebände eine ent sprechende Anzahl von Sitzbänt'en für das reisende Publikum aufstelleu zu lassen. Dc,r Antrag wurde mit dem Zusätze des Gemeiuderates Mayer au-genonmien, daß auch für die Arbeitertransporte, die nun im Freien kampien'n müsse», geeiguete Warteräume beigestellt werden sollen. Eudlich wurde über Antrag des Gemeinderates Turk beschlossen, die Eüdbahngesellschaft zllr Errichtung von Straß«!Übergängen vor dem Bahnbof-gebäude aufzufordern, worauf die öffentliche Sit zung um 7 Uhr abends geschlossen wnrde. (Erzherzog Otto !'.) Seine Majestät der Baiser uud sämtliche Mitglieder des kaiserlichen Hauses, die sich in Wien aufhalten, sind im Laufe des vorgestiigeu Tages im Augartenpalais erschienen, um der Witwe des Erzherzogs Otto, Erzherzogin Maria ^osefa. nnd den beide» Söhnen, Erzherzog Karl Franz Josef nnd Marimilia», ihr Beileid anszu« sprechen, Weiters erschien im Augartenpalais zur Beileid^erstattnng Prinz Eitel Friedrich von Preußen, welcher den deutschen Kaiser beim Leichenbegängnisse vertrat. Gestern nachmittag 4 Uhr erfolgte im Beisein Seiner Majestät, des Kaisers nnter dem üblickien Zeremoniell die feierliche Beisetzung der Leiche des Erzherzogs, nachdem sie iu verschlossenem Sänge den Vormittag hindurch in der Hofpfarrkirche erponiert Laibacher Zeitung Nr. 255. 2384 7. November 1906. worden war. Vorgestern sind Deputationen der preu-tziss Ministerium für Kultus und Unterricht hat gestattet, daß Fräuleiu Hilda Mardet-schläger, Tochter des Herrn Mag. Pharm. Mar-oetschläger, in der II. n Klasse des hiesigen I, Staats-gymnasiums dem Unterrichte in der Geographie und Naturgeschichte hospitierend beiwohne. — (W oh ltä tig keits-Baza r i in großen Saale de5 Hotel Elefant.) Ein durch seine Opferfrendigteit bestbekanntes Komitee edel-fühlender Dauien eröffnete am 5. d. M. inl oben be-zeichneten Saale eine Ausstellung verschiedener kleiner und großer Dinge, die zum Schmucke des Heims unerläßlich sind. Der Besucher bewundert die mannig' faltigsten Decken und Deckchcn, Tischläufer, Polster usw. iu all den modernen Techniken, die dein jetzigen Geschmacke, sowohl in der schönen Zeichnung als auch in der gelungenen Arbeit, so sehr gefallen. Da gibt es künstlerisch beinalte Deckchen in Brillantmalerei und wieder die bescheidene, aber mühsame Holbcintechnit, da Delfter-Bilder im Kreuzstich, öort Kunstblnmen, die sich wie natürlich ansehen. Auch allerliebste Puppen, welche sich nach ihrer kleinen Mama sehnen und von ihr gewiß mit großer Liebe gepflegt würden, haben sich eingefunden. Originell ist ein japanifches Bettlerpaar nebst vielen anderen aus Japan stammenden Kleinigkeiten sonne reizende Muscheln, lvelche, verschiedenartig bemalt, wohl nur im nieversagenden Quell wahrer Nächstenliebe gefunden werden. All die schönen Dinge, welche von warmfühlenoen Damen ausgeführt nnd dem Komitee selbstlos znr Verfügung gestellt, wnrdeii, können bis einschließlich Samstag — 10. d. M. — täglich von l) bis '/^1 Uhr und von ^3 bis 5 Uhr nachmittags gegen ein Eintrittsgeld von 80 n besehen nnd auch zu sehr mäßigen Preisen erworben werden. Der Neinertrag soll den armen Waisenknaben zufließeu. Es ist wohl selbstverständlich, daß cm so edler Zweck auch eines großen Erfolges siclier ist, welcher den Beweis erbringen soll, daß Geben wirklich seliger ist oenn Nehmen. ., ^ (A l s Spezialist für Chirurgie und Orthopädie) hat sich diesertage in unserer Stadt U. M. Dr. Jos. Stojc niedergelassen. Doktor S'tojc, ein gebürtiger Laibacher, hat nach beendeten allgemein-lnedizinischon Studien an allen Abteilungen des hiesigen Landesspitales als Sekundararzt praktiziert. Seine Spezialstudien für Chirurgie, Orthopädie und plastische Operationen genoß er an beiden chirurgischen Kliniken Wiens und an der Abteilung des Negierungsrates Dr. Gersuny, des bekannten Wiener Chirurgen und Spezialiswn für plastische Operationen. Zum Schlüsse fungierte er als Assistent an der orthopädischen Klinik des Geheimen Nates Professor H 0 ssa in Berlin. — (Leichenbegängnis.) Heute nachmittags um 2 Uhr findet vom Bahnhöfe in Krainburg! aus das Leichenbegängnis nach dem unlängst verstorbenen Herrn, Gvmnasialdirektor Josef Hnbad statt. — (Ei ue Marti ni - Feie r) wird Sonntag abends 6 Uhr vom hiesigen katholischen Gesellenvereine im Vereinshause (Komenskygnsse) veranstaltet werden. Anf dem Programme stehen drei Chöre, ein Couplet und das Lustspiel „Reise um die Welt in 8l> Tagen". Eintrittsgebühr 50 li. ' (A bgäugig.) Seit 2. d. M. ist die 165)! in Laibach geborene und nach Preoasscl zustäudige Magd Theresia Gale abgängig. Sie hat ein rundes Gesicht schwarze Augen, braune Haare und ist von stark,.,,> Körperbau. Das Mädchen ist etwas schwachsinnig- m trng einen blauen Nock, eine schwarz-nud nxi'> gestreifte Samtbluse, ein lichtes seidenes Kopstuch und eine schwarze, weißpunttierte Schürze. Ein Selbstmord ist nicht ansgeschlossen. Seit einigen Tagen ist aus der Kaserne Aliton Pelessot, Rekrut des 27. LandwehrinfanterieregiuWnts, abgängig. Er ist ohne Waffe. * (Ein reuiger Dieb.) Diesertage wurde einer am Petersdamm wohnhaften Taglöhnerin ein Geldbetrag per 300 Iv gestohlen. Während die Detet-tivabteilung die Nachforschungen nach dem Täter pflog, kam der Dieb mibemerkt zurück und legte die drei Hnndertnoten zwischen die Kleider der Bestoh-lenenj. — (Landwirte, dünget mit ent-leimtem Knochenmehl!) Das entkeimte Knochenmehl enthält durchschuittlich 30 Prozent Vhosphorsäurc, d. i. 80 Kilogramm Phosphorsäure in 100 Kilogramm ,^!iockienmehl, die Thomasschlacke hingegen 15 Prozent Phosphorsäure. Der Phosphor-säuregehalt des eutleimlen Knochenmehles ist doppelt so hoch wie jeuer der Thomasschlackv. 30 Kilogramm Phosphorsänre in 100 Kilogramm entleimten Knochenmehles koswn 8 K 40 II, 15 Kilogramm der genannten Säure ill der gleichen Quantität Thomas-schlacke 5 1< 60 li; es kostot sonnt 1 Kilogramm Phosphorsäure in cntleimtem Knochenmehl 2<^ !», in der Thomasschlacke rund 87 ll. Die Phosphorsäure ill dor Thomasschlacke ist daher bei einein Kilogramm nm li-7 l> teurer, als im Knochenmehl. Ein halber Waggon (50 Meterzentner) cntleimten Knochenmehles entspricht bezüglich des Phosphursäuregehaltes einem ganzen Waggon (100 Meterzentner) Thomasschlacke. Vom ersteren Düngemittel kostet ein halber Waggon (50 Meterzentner) loko Laibach 120 X, vom letzteren ein ganzer Waggon (100 Meterzentner) 5(i0 K, worans folgt, daß die gleiche Menge Phosphorsänre im entleimten Knochenmehle 140 Iv weniger kostet als in der Thomasschlacke. Die Wirkung des entleimten Knochenmehles als Düngemittel kommt jener der Thomasschlacke gleich oder übertrifft sie noch. Mit cntleimtem Knochenmehl haben wir - nach dreijährigen Versuchen — sowohl anf Mineralböden, als auch auf Moorböden sehr gute Erfolge erzielt. Nebst-bei sei bemerkt, daß von der Gesamt-Phosphorsäure im entleimten Knochenmehl durchschnittlich !>4 Prozent Zitrat löslich ist. Anßrrdem enthält das kinochen-mehl im Mittel 0-7 Prozent organischen Stickstoffs, die Thomasschlacke hingegen ist frei davon. Ein Kilogramm organischen Stickstoffs wird in künstlichen Düngemitteln mit l I< 20 ll bewertet; 0-7 Kilogramm organischen Stickstofs kosten 84 1», somit die in einem halben Waggon Knochenmehl enthaltene Menge von 35 Kilogramm Stickstoff 42 Kronen. Rechnet man den letzteren Wert zu dem vorherangeführten Werte der Phosphorsäure in einem halben Waggon Knochen-mohl per 140 I< dazu, so folgt daraus, daß jedermann, der Thomasschlacke, statt entleimten Knochenmehles verwendet, bei jedem Waggon Thomasschlacke 182 l<, bezw, bei je 100 Kilogramm Thomasschlacke 1 I< 82 ll unnötigerweise verschlendert. Nachdem die Landwirte iedes Jahr auf diese Weise um Tausende von Kronen geschädigt werden, erachten wir es für unsere Pflicht, sie daraus aufmerksam zn machen. Das entleilnte Knochenmehl im Herbst oder Winter gestreut, eignet sich vortrefflich zur Düngung von Wiesen, Wein-garten, sowie für Getreide, Futterrübeu, Kartoffeln nnd Kleegrasmischnngen. Es ersetzt in den letzteren Fällen auch die Frühjahrsdüngung mit Silperphos-phit. Selbstverständlich ist die Wirkung nur in Ver^ biudung mit Kalisalzdüngung eine volle. Für 1 Joch genügen 150 Kilogramm Knochenmehl, d. i. die Hälfte weniger als von der Thomasschlacke. Daß sich die.Trallsportskosten dabei bedeutend erniedrigen, ist leicht begreiflich. Das entleimte Knochenmehl ist in der Fabrik der Aktiengesellschaft für chemische In-dnstrie in Laibach (Leimfabrik) erhältlich. Jedermann, der mindestens 5l) Meterzentner Knochenmehl von der genannten Fabrik bezieht, kann es unentgeltlich auf den Phosphorsäuregehalt an der hiesigen landwirt schaftlich-chemischen Versuchsstation untersuchen lassen: ! auf Grund dieser Uutersuchung wird sodann der Preis berechnet, indem man den Prozentgehaltan Phosphor- l sänre mit 28 multipliziert. Alle näheren Anskünfte über Untersuchung und Verwendnng des genannten ! Düngemittels erteilt bereitwilligst die landwirtschaft-lich-chemisäie Versuchsstation für Kram ill Laibach (Salenoergasse 3). Dr. E. K ramc r. -^ (Die Laibacher Ve rc in skape lle) veranstaltet heute abend um halb 8 Uhr ein Mit° gliederkonzert im Saale des Restaurants „Znm Löwen", Maria-Thcrcsia-Straße. Elltritt für Mitglieder frei, für Nichtmitglieder 40 1». — Morgen findet ein Konzert in, Hotel „Lloyd" statt. — (Im städtischen Schlachthanse) wurden ill der Zeit vom 21. bis einschließlich 28. Ok> tober 84 Ochsen, 7 Kühe und 5 Stiere, weiters 185 Schweine, 121 Kälber, 18 Hammel und Böcke sowie .'' Kike geschlachtet. Überdies wurden iu geschlachtetem Zustande 1 Ochs nnd 2 Kühe, 15 Schweine, 22 Kälber nnd 1 Hammel nebst 402 Kilogramm Fleisch eingeführt. * (Verloren) wnrde ein goldenes Anhängfol, ferner eine Iwanzigkronen-Note. Theater, Kunst und Literatur. ** (Deutsche Nüh n e.) Grillparzers reifstes Meisterwerk „Die Jüdin, von Toledo" wurde im Eröffnuilgsjahrc des neuen Hanfes mit der Hofschanspielerin Reinhold als Gast aufgeführt nno erfuhr leider seit jener Zeit keine Wiederholung. Überhaupt ist der große vaterländische Dichter in den letzwn Jahren arg vernachlässigt wordeil, trotzdem gerade seine Dramen Provinzbühnen nicht allzuschwere nnd dabei dankbare Aufgaben stellen. Die Bühnen-leitnng folgte nnr einem Zuge der Zeit, da sie „Die Jüdin voll Toledo" auf den Spielplan setzte, denn erst den letzten Jahren war es vorbehalten, das Ver» ständnis für die Größe dieser herrlicheil Dichtung voll zn erschließen, während die Schnlweisheit alter Theoretiker, veralteten Gesetzen folgend, über den nnlx'friedigenden — weil nicht nach der Schablone ausgearbeiteten Schluß — iiber die nach ihrer An» schauung schwache Charakterisiernng des Königs u. dgl. m. die Achseln zuckte und das Tranerspiel als schwächeres Werk Grillparzers bezeichnete. Seit der geniale Künstler Kai nz durch die hinreißende Darstellung des Königs, große Künstlerinnen durch jene der Jüdin die innersten Schönheiten der wnnöerbaren Dichtung auf das Publikum ausströmen ließen, sind nicht llnr die in Schulkommentaren niedergelegten veralteten Benrtellnngen des Tranerspiels über den Haufen geworfen worden, sondern „Die Jüdin von Toledo" gehört heute auch zu den bülmenwirksamsteu Stücken. Einer der modernen Kritiker, Hermann Kienzl, bespricht geistvoll die Wandlnngen, die sich in oer Anschauung über das Wesen der Dichtung vollzogen, indem er u. a. schreibt: „Von Grillparzers Dramen hat keines ein reicheres individuelles Leben, keines größere Weisheit. Die Theoretiker bekreuzen sich wahrscheinlich, wenn einer ,Tie Jüdin von To-lcdo' für des Dichters reifstes Meisterwerk hält. Was!' rufen sie aus, ,ein Stück mit einem so traurigen Helden, wie dieser König Alfons von Kastilien! Ein Drama mit diesem unmotivierten Übergang ans der Tragödie in den tröstlichen Schanspielschlnß?!' Ich finde, daß die Tragödie nach der genialen Schlnß' Wendung vollkommen ist: die Tragödie des Fleisches. Und dieser König ist ein wahrer Mensch. Ist es nicht ein erschütternder Gedanke, wie die große gewaltige Leidenschaft, die den frommen Herrscher, das Mnster aller ehrbaren Tugenden, zn der schöneil, glühenden Jüdin zog, so daß er Weib und Kind, Reich, Thron nnd Volk ill Vuen Netiro dahingab wie der stärkste aller Triebe an der blutigen Leiche des Weibes in Grauen uud Abscheu untergeht und der irdischen Ver« gänglichleit im Fluge des Augenblickes sich ganz nnd gar opfert? Nichts bleibt von dieser trotzigen Kraft als ein bißchen Rene! Roh wie die Natur, grausam luie oie Wahrheit! Es ist eure weisheitsvolle Dichtung. Das Persönliche ist tief und klar erschlossen, aber die Personen nnd ihre Handlungen wachsen aus den, Charakteren der Völker. Ohne .v'aß und Partei steht 5er Dichter über Christen nnd Juden ..." Wir halten diese treffliche Charakterisierung, die sich ja vollkommen mit dem Urteile aller modernen Kritiker deckt, für erschöpfend genng, nm damit die Besprechung über eine Dichtung zn schließen, der es wie so vielen Werken unserer Klassiker vorbehalten war, erst von einer späteren Generation ihrem vollem Werte nach erkannt zu werden. — Die Anfführnng war eine würdige, nnd es gebührt der Regie die Anel-kennnng. daß sie mit bescheidenen Mitteln das Möglichste leistete: freilich blieb noch so manches auszusehen, was besser zu gestalten nicht nnmöglich gewesen wäre. So erregte der tropische Urwald, der in der Szenerie des ersten Auszuges oeu „englischen" Garten zu Toledo vorstelle» solte, Verwunderung, das Bild des schönen Königs, mit dem Nahel ihr Spiel treibt, glich einer Karikatur alls ben „Fliegenden" und bot Ursache zn nnzeitiger Heiterkeit, der Saal im Schlosse zu Retiro hat deutlich Zeichen der Zerstörnng auszuweisen, Ritler Garceran trug sein Schwert samt Scheide nicht im Wehrgehänge, sondern in der Hand n. dgl. m. Von anderen Mißgriffeil, wie der Stil- Laibacher Zeitung Nr. 255. 2389 7. November 1806. losi^ii in dl'n .Uostünu'n wolwn luir ciar nicht r^dc'n, da sie schli^s;lich auf d^'n Fortlianii d^'r Handling nicht störend ciuU'irttoil. Tk' Tarstcllnng z^'ngtc von l'ühmllnow^lwnl Eifer d^r SclMlspwlcr nnd hui» nclx'iid^in Flciße. Hrrr Wonn<'r erwies neuerlich scine schöne schanspiek'lifche Begadilng nnd Intelligenz in der Darstellung des 5tvnig5, eine dezr schwierigsten, Au,fgabe,n iX'r Tchanspielkunst, zu deren erschöpfender Au5a.eswltnnii ihn, allerding» vorder-haüid noch oie liinstlerische steife fehlt. Wo die flammen der Leidenschaft emporlodern, gebrach es Herrn W o n g er nicht an kirnst der Steigerung nno manche Szenen gelangten zu schöner Wirkung, insbesondere die Schlußszelie des vierten Auszüge^ der Ällodruch des Schnurze? nnd Entsetzeilo al^ er vor die deiche der ermordeten Jüdin tritt, obgleich gerade hier im Übergänge zur Eruiichterung, Veschämnng, Neue den Absichten des Dichters nicht ganz entsprachen lvnrde. Der ät'önig stürzt aus deili Seitengemache, darf aber nicht vor der Verfammlung zusailimen-bre von Herrn Wonger viel gesündigt, da, cr sich hänfig iiberhastete, die Worte zur Hälfte verschluckte und dadurch, trotzdem er die Nieseilrolle vollständig beherrschte, unverständlich wurde. Wie viele Schönheiten der psychologisch so reich bedachten Szenen gingen dergestalt verloren, wie viele Feinheiten verschwanden, wie vieles blieb also nntlar! Eine! nicht minder schwierige Anfgabe lk'gt in, der Gestaltung einer der reizvollsten, fesselndsten Frauengestalten, die Grillparzer mit der Nahel geschaffen. Nachel bietet eine Vielseitigkeit von Geistes- nnd Charaktereigenschaften, deren Vereinignng in der Darstellung die feinste Ziselierarbeit eincr idealen 5lüns» lerin bilden würde, tnrz ein, Ideal wäre, das vielleicht noch keine Schanspieleriu nicht erreichte. Fräulein Jessie Hold erreichte dieses Ideal natürlich anch nicht, bot aber iinmerhin eine gewinnende nnd inter, essante, Leistung, welche allerdings mehr den weichen, liebenswürdigen, liebreizenden, naiv-lindlichen, als den wilden Momenten voll sinnlicher Glnt, ^ist nnd buhlerischer Verschlagenheit gerecht wurde nnd in oie ser Hinsicht manchmal an die einstige Gastin N<'iichold mahnte. Wir haben schon dos lebhaften Beifalles nnd der schönen Blnmensvenden erwähnt, welche die Anerkennung der strebsamen, jungen Darstellerin zum Ausdrucke brachten. Fräulein Nanschers Esther war in Änßerem, in Sprache und Miene von stil' vollem, düsterem Ernsw. Fränlein Ernotti (Königin) sprach stellenNieiso ganz hübsch, zeigte abetr in Haltung und Spiel noch zn sehr die Anfängerin, Herr Maierhofer gab in diskreten Farben den Don Juan Garceran, doch etwas zn gemütlich in Ton uno Gebärde. Herr Weißmüller charakterisierte den habgierigeil alten Inden in scharfen Linien, Herr V a st a r s bewährte sich iu der Rolle des Grafen von Lara als gnter Sprecher. Gegen entsprechende ^liir-zungen kann natürlich keine Einwendung erhoben lverden,, nur darf hwdnrch der Sinn der betrefsenden Stelle nicht leiöen; vorteilhafter wär's die langen Zwischenakte zn kürzen als die Tichtuug zll verstüm lnelu. ^. — („Zvo n 5-ek.") Die 1l. Nnmwer dieser illustrierteil Jugendzeitschrift enthält Gedichte von Josef Vandot, C. Golar, E. Gangl nnd Osojski, erzählende und belehrende Aufsätze von Vorifov , Mara Ivanovna Tc> vöar , Lad. O g o-rck, Andreas N a p i>, Ivo V l a Lii-, E. Ga n g l, I. V. nnd Iuraj Pangrac. In der Spiclecke fin,den sich »lebst verschiedenen Notizen ein Neons von F. Nojec sowie ein zweistimmiges Lied von V. 5t re k. Telegramme ills l. l. TeltMllhcll'llttlchMcllz-Vllttlllls. Ncichsrat. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Wien, ll. November. In der heutigen SilMng des Abgeordnetenhanses beantwortete Minister des Innern Freiherr von Vienerth mehrere Inter pellationen, lvoranf das Halls die Debatte über d<'n Dringlichteitsantrag Gesnnailn fortfetzt. Abgeordneter Koro«ec begrüßt in längeren Ansfnhrnngen di>e Vorlage, iudem er für die soziale Gleichberechtignng der Arbeiter eintritt und betont, daß die Wahlreform geeignet sei, den Bauernstand vor dem gänzlichen Nuin zu schützen. Abg. P c r n e r st o r f e r präzisiert den Standpunkt seiner Partei zur Wahlrefornl, welche eine Gewähr für die nationale Verständignng gibt, ohne die Österreich nicht mehr erislieren kann. Für die Dringlichkeit des Antrages sprachen anch die Abgeordneten For m a nek, Chia r i, und N yba , während Abg. P lacc t dieselbe bekämpft. Zu Generalredneru lverden die Abg. Schöpfer (pro) nnd Dr. Tav-üar (kontra) giN'ählt. — Nächste Sitzung morgen 1^ Uhr mittags. Wien, l!. November. Das „Fremdenblatt" tritt den Gerüchten über angebliche Nücktrittsabsichlen d<'s Geiuraladjntanlen Seiner Majestät des Baisers und Vorstandes der Militärkanzlei, FZM. Freiherrn von Bolfras, eiltgege'n und erklärt, daß diese Gerüchte, l in welchen Znsamnx'nhang sie anch gebracht sein möA'n, jeder Grnndlage entbehren. Freiherr v. Bol fraS, der feit N) Jahren der Militärlanzlei angehört, genieße heute ebeufo dao Vertrauen des 5laiser5 lr>,^ bisher, und er denke anch selbst nicht daran, sich znr Nnhe zn setzen. I l, n s b r u ck, l>. November. Vier Landes schützen nnd ein, Feuerwerker des Sperrforts Tresatti im Abteitale wurden bei der Herstellnng der durch den letzten Schnoefall beschädigten Telephonleitung von einer Lawine überrascht. Drei wurden verschüttet, zwei von ihnen tonnten gerettet werden, während der dritte tot ans dem Schnee hervorgezogen wnrde. Berl in , ll. November. Heute vormittag wurde auf einem Nenbaue in der Pfulstraßc eiu Naubmord an einein Geldbriesträger veriibt. Der Geldbrief-träger, der l. November. Im Hinblicke anf die ernste Lage in Manretanien beanftragte der ^lvlanial' minister den Generalgonvernenr von Frniizösisch Westafrika, den Gonvernenr des Obercn Senegal nnd Nigeigebietes, sowie den zlommandanten d^'r Truppen in Westasrika sofort anf ihre Posten znrück kehren zn lassen. Verstorbene. Im Z ik i l sp i t alc: ?lm ij. Novrnil'cr, Alois Nomik. ^lrl'ciicresolin, 1'/^. I, Pucimiouic. - Johann Nozj.k, Fadrikrarl'ci!>.'r, 7tt I,, ^?l- vandestheater in itaivach. 22. Vorstellung. Gerader Tag. Mllwlich, dc>, 7. Uoucmbcr i!)0(i Undine. Nomaütische Zaulieiofter in vi^r ÄusziMU. — Hichlinig »üd 'Allsaug halb 8 Uhr. Ende 10 Mn, Meteorologische Beobachtungen in Laibach. EcrhDhs 3W ^ m. Mittl. Luftdruck 736 0 >„m. „ 2U. si. 737 2 16 3 SW. mähig teilw. heiter ^ 9 . Vb. 736-4 13 4 NO. schwach . > ?.> ? U. ^. 1734-2 ^90 NO. mähig bewöllt ! 0 0 T>a«l Tageömittel der gestrigen Temperatur 14 3°, Nor-nale 5 9°. Verantwortlicher Nedatieur: Anton Funtel. ^^^ weiss unzart. | (Will xi hahan. Sarg'8 Glycerin-Seifen bewähren Hich Howolil filr Erwachseno, als auch bei Kindern im zartesten Lebensalter als vorzü^lichNteN Reinigungsmittel. 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PavSlar, na- H H znanja v svojem in v imenu svojili otrok ^M H Jožefa in Nerafinc tor v imenu vseh ^m H sorodnikov vsom prijateljcm in znancem ^H ^l prctužno vest, da jo njen ljubljeni soprog, ^m ^M o/ir. njih oce, brat, svak itd., gospod ^m I Josip Hubad I H c. kr. gimnazijski ravnatelj ¦ ^B po diiljsein bolohanju v 57. letu svojo ^m wU starosti nenadoma zaspal v Guspoda dno ^J H 31. oktobra t. 1. o poldevetih zveCer na H ^B Velikein Lošinja. ^M H Pogreb predragegapokojnilcabodaneg, ^M H 7. novembra, ob 2. uri popoludne v Kranju. H ^B Sv. masa zadušnica se bo brala v ^M H petek, dne 9. novembra 1906 ob 8. uri v H H župni corkvi v Kranju. H H Predragoga pokojnika priporoèamo v H H molitov in blag Bpomin. H H V Kranjn, dne 7. novembra 1900. ^m I Zalojoèi OBtali. ¦