M.40. Laibach den 8. Vctober 1864.____________8. Jahrgang. Nlätter au8 Rrain. (Beilage zur „Laibacher Zeitung.") , Die ^Blätter aus Krain" erscheinen jeden Samstag, und ist der PrannmcrationsPrciS ganzjährig 2 fl. österr. Währung. Der Stern. Ich war allein, ein Spiel dcr Nacht, Und ihres still geheimen Wcbcns, Und suchte'mir im Gcistcsfchacht Zum Liede Stoff, allein vergebens. Da blinkte durch des Fensters Raum Ein Stern so lieblich und so heiter. Als rief' er: „Du, in Deinen Traum Vcrsunk'ner, werde mein Begleiter." Tie Weisen führt' ein solcher Stern Zur Hütte, wo das Kind geboren: Willst du, o schönes Licht des Herrn, Wegweiser sein für einen Thoren? Wohlan, dn weckst in mir den Mnth Dir nllchzuwcmdeln ohne Wanken, Zum Orte, wo er schlummernd ruht, Dcr Kern des Liedes: dcr Gedanken. Und wcun ich den ersehntcu dort Mit einem Vcrögehäg' umfriede, Dann lomm' o Stern und leuchte fort Als ewige Lamp' in meinem Liede. Julie. Novelle von Ludwig Vowitsch. ! Am westlichen Ende des Städtchens, unfern dem Strome, sieht ein kleines, stockhohes, uraltes Gebäude, das bis in die jüngste Zeit herein, in der die Gerichtsbarkeit manche Aenderung erfuhr und das Haus in einen Schoppen umgewandelt wurde, den ehrsamen Scharfrichter beherbergte. Im Jahre 1845 kam ein Baron SigiZmund — auf Besuch in das herrschaftliche Schloß. (5in gewiegter Don Juan, war er sogleich auf Durchführung galanter Abenteuer bedacht. Von allen Mädchen, deren er ansichtig wnrdc, reizte ihn jedoch keines so mächtig, als Julie, die Tochter des Henkers. Die Dirne war auch zauberfchöu, schlank wie eine Gazelle und dabei doch üppig und voll. Ihre Augen flammten wie Sterne dcr Mitternacht und die dunkelbraunen Haare wogten in reicben ! Locken über Busen und Nacken. Der Baron war über Vorurtheile hinaus, sein Sieg jedoch wurde dadurch erschwert, das; auch ein Anderer vor dcr verrufenen Handthierung des Meisters 'Andres nicht zurückgeschaudert und dcr schönen Julie Herz und Hand zur Fahrt durch'Z Leben angeboten hatte. Dieser Werber war Wilhelm, des gräflichen Nevierjägcrs einziger Sohn. Meister Andres hatte, obgleich es ihm leid that, sein Geschäft nicht auf den Schwiegersohn vererben zu können, in die Verbindung gewilligt und der feierliche Akt der Trauung sollte nach der Weinlese stattfinden. Wilhelm war ein trefflicher junger Mann und hing an seiner Geliebten mit aller Glut eines treuen, unverdorbenen Herzens. Er hatte gegenüber seinem Vater manchen Kampf zu bestehen gehabt, bevor sich dieser mit der Idee, das Kind eines Scharfrichters als Tochter zu begrüßen, befreunden konnte. Baron Sigismund unternahm allerlei Manövers, konnte jedoch nicht zu seinem Ziele gelangen. Endlich verfiel er auf die Rolle eines Prolcctors, sprach beim Grafen für das junge Paar und i suchte solcherweise dasselbe sich dankesvflichtig zu machen. > Eines Tages hatte Meister Andres in einem mehrere ! Meilen entfernten Marktstecken einem Verufscollegen zu suppliren. Wilhelm wurde vom Grafen auf Anrathen Eigismunds mit einer Mission in einem jenseits des Stromes gelegenen Forste betraut. Julie saß allein auf dem alterthümlichen Gehöfte. Die einzige Magd des Hauses war am Strande mit Holzfällen beschäftigt. Die Sonne begann zu sinken. Ihre letzten Strahlen zuckten i um den Galgen, der auf einem liart am Wasser aufstrebenden > Ielsenhügel stand und unheimlich in die Stube der Scharfrichter« hiueinlugte. Da ward gepocht. Baron Sigismund trat ein. Julie, ! obgleich betroffen, empfing den uucrwarteten Gast, in welchem ! sie einen Gönner ihrer Liebe, einen Freund des Grafen ehren ! zu müssen vermeinte, mit Ehrerbietuug. ! Der Baron schlug jedoch in seinem Benehmen bald um. ! Zärtlicher und inniger wurde seine Rede, glühender funkelten > seine Blicke. Ein berrschaftlicher Diener brachte Wein. j „Mädchen," rief er aus, „morgen reise ich fort, laß mich nicht in Verzweiflung von Dir scheiden!" Julie zitterte wie Rohr im Winde. Sie suchte der Umarmung Sigismunds sich zu entwinden. ! „Ich liebe Dich," fuhr diefer fort, „ich liebe Dich wie ein Rasender, reizende Julie — doch ich will verzichten auf ein Glück, das meine Phantasie als das Höchste des Lebens mir darstellt — trink Julie mir zum Schcidcgruße zu." Widerstrebend griff das Mädchen zum Kclchglase. „Tie Nacht bricht ein — ich will Licht anzünden." 158 „Laß das — es fitzt sich so traulich in der Dämmerung — der volle Mond taucht über den Auen empor — eine prachtvolle Aussicht —." „Der Rabenstein," unterbrach Julie schaudernd. Im Vollmond glitzernd, schien der Galgen dem Hause sich Zu nähern. „Und wäre diese Armensünderschaukel mein Loos — was liegt daran — drücke ich nur Dich in meine Arme!" „Freveln Sie mcht, Herr Varon," sichte Julie, die Vorhänge der Fenster nicderlaßend. Sigismunds schöne Gestalt, so wie die schlauen, auf Emporrüttlung der schlummernden Sinnlichkeit berechneten Vuhlcr-tünste, der feurige Wein hatten das Mädchen betäubt. Bewußtlos sank es in die Arme des Verführers. „Lebe wohl, schöne Dirne — ich danke Dir," hieß es am Morgen. Seine Sporen klirrten die Stiege hinab — dann ward ! Alles todtcnM. - ! Julie strich sich mit der Hand das aufgelöste Haar aus ! der Stirne. ! Hatte sie geträumt? ^ Die volle, klare Besinnung war zurückgekehrt. Nein — ! cs war kein Traum! Julie war Julie nicht mehr — ihr Vlic! i fiel in den Spiegel — sie schauderte uor ihrem eigenen Bilde. ! „Wilhelm." schrie sie jammernd auf, „Tu bist betrogen ! — Du hast Deine Braut — wie konnte es geschehen — schändlicher Betrüger — ich bin eine Verworfene — dort hängen ^ meines Vaters Nichtschwerter —" ^ Vernichtet sank sie in die Kissen des Bettes, ein Strom ! von Thränen brach aus dem Auge. Noch lag sie, eine zcrknikte Rose, regungslos und starr. ! Heller und heller flammte die Sonne — da — wie vom Blitz ! getroffen fuhr die Unglückliche zusammen — die schmetternden ! Fanfaren eines Iägerhorns klangen an ihr Ohr. Das war ^ Wilhelms Brauch, der Geliebten seine Nähe zu verkünden. „Keine Rettung, kein Ausweg! Verloren!" stöhnte Julie. Sie eilte nicht an's Fenster, um, wie sie es sonst gethan, dem Theuern ein Kußhändchen zuzusenden. Sie warf ihr Haus- ! kleid um, stürzte durch das Hinterpförtchen des Gehöftes und ^ raste gegen den Strom. ^ Als Meister Andres von seiner Geschäftsreise wieder zu Hause eintraf, wies man ihm die Leiche seines Kindes, die von Schiffern aufgefangen worden war. Der Varon hatte sich bei der Nachricht vom Tode der ! Henkerstochtcr ein wenig entfärbt, und mochte auch scinc Ab- ! reise vordem nur eine singirte gewesen sein, so setzte er sie nun ! mit ausfallender Beschleunigung in's Werk. Wilhelm fand lange Zeit weder Nath noch Trost. Jahre vergingen. Varon Sigismund rang nach neuen Eroberungen auf dem Felde der Liebe. Oft jedoch, wenn der volle Mond am Himmel stand, war cs ihm, als sähe cr im Scharfrichtcrhäuschen und der Rabenstein glitzere in die alter-thümliche Stube. Juliens bleiche Gestalt mit aufgelöstem Haar schwebt an ihm vorüber und ließ schaudernd die Vorhänge herab. Im sturmbewcgten Jahre 1849 stellte sich Sigismund au die Spitze einer Freischaar, wurde jedoch gefangen und dem Kriegsgerichte überliefert. Als ihm das Urtheil und der Ort des Vollzugs angekündigt worden war, brach seine Kraft wie morsches Holz. Am gräflichen Schlöffe, am alten Scharfrichtcrhäuschen vorüber ging der Zug. Am Galgen, den er an Juliens Seite von der Stube aus belächelt, am Galgen, der später so oft durch Mondennächte und Träume ihm entgegengetreten war, endete seine letzte Reise. Der aber das Amt des Henkers übte, war Meister Andres. Volksmärchen aus Kram. 2. Die verzauberten Schwestern. Ein Vater lag auf dem Sterbebette und traurig umstanden ihn scinc drei Söhne. Da sprach er: „Gold und Silber kann ich Euch nicht hinterlassen, und Ihr habt nichts, wovo:: Ihr leben sollt. Aber die Welt ist groß, cs wird sich auch für Euch ein Wohlthäter finden." Darauf starb er und seine Söhne gingen über Land , weit, weit, bis sie zu einem Schlosse kamen. Drinnen aber saft der Graf und stützte voll Schmerz den Kopf in die Hände. Sie fragten ihn, welch ein Leid ihn drücke, doch wollte er es nickt entdecken, da sie ihm doch nicht helfen könnten. Jene bestürmten ihn aber, bis cr erzählte: „Daß eine böse Zauberin feine drei Töchter entführt hätte und er nicht wisse, wo sie wären. Auch habe er im Garten einen Apfelbaum, daran reife jeden Tag ein goldener Apfel, jedoch könnte cr keinen pflücken, denn immer komme ihm die Hexe zuvor." Des uäcbstcn Tages ging der älteste Bruder in den Garten und wartete auf den goldenen Apfel; kaum war er aber gereift , so hatte ihn das böse Weib schon in Händen. Am folgenden Tage ging sein Bruder hinunter, als cr aber den Apfel ! pflücken wollte, öffnete sich die Erde, die Zauberin fuhr dar-! aus hervor und riß die Frucht ab. Am dritten Tage wartete der jüngste Bruder, zugleich mit der Hexe langte cr nach dcm ^ Apfel und da cr größer war als jene, erreichte er ihn glücklich. Mit einem Wuthgcschrei versank die Hexe, das Loch aber füllte sich nicht mchr aus. Da befestigten die Brüder einen grohcn Stein an ein Seil und ließen daran den ältesten in die Tiefe. Unten angekommen erblickte cr einen großen, prächtigen Garten und eine Jungfrau, die darin lustwandelte. Er nahm sie bei der Hand, führte sie zum Seil und ließ sich mit ihr auf die Oberfläche hinaufziehen. Nun ging der zweite Bruder hinein. Der sah denselben Garten, aber ein anderes Mädchen. Auch ^ er nahm cs und fuhr mit ihm aus dem Abgrund. Hierauf ! ließen sie den Jüngsten hinunter, auch der sah den Garten j und die jüngste der drei Schwestern; die setzte er auf den Stein und scinc Brüder zogen dieselbe hinauf. Als sie aber da? Seu wieder senkten, um auch ihn, cmporzuziehen, machte sich der Stein los und fiel so hart auf den Voden, daß er ein grvßes Loch schlug, wodurch er wieder auf eine neue Wclt sah. Schleunig kletterte er in die Tiefe und findet sich zwischen grünen Matten am Ufer eines ungeheueren Meeres, woran die böse Fee saß und erzählte, „sie sei verurtheilt, Böses zu vollbringen, aber er könne sie erlösen, wenn er wollte: er solle nur warten, cs werde sich Alles von selbst gestalten." Mit diesen Worten verschwand sie. Aber ans einmal verfinsterte sich der Himmel, Blitze durchkreuzten den Himmel und die See kochte und schäumte' als plötzlich ein Hilferuf erscholl. Schnell löste der Jüngling einen Kahn am Ufer, sprang hinein und fuhr muthig in den Sturm. Bald bemerkte er ein großes Schiff und darauf einen alten Mann, mit langem, grauem Barte, der ihm bis auf die Brust hinunterreichte. Der Jüngling sprang in das Schiff und der Alte erklärte, jetzt sei Gelegenheit, die Hexe zu erlösen, er solle nur niit ihm in sein Schloß gehen. Bald darauf gelangten sie zu einer Insel, wo sie aus-stiegen und auf einer steinernen Treppe zwischen dichtem Gebüsche den Schloßgarten erstiegen, wo die herrlichsten Blumen in allen Farben prangten und die Bäume goldene Früchte trugen. Hie und da aber stand cin Steinbild, ein Priuz oder König hoch zu Roß. Diese alle, erklärte der Greis, wären Ritter, die ausgezogen, die Königin zu befreien, denn diefe sei jene Hexe, die immerfort Böses wirke. Darauf zeigte er dem Iüngliug cin prächtiges Zimmer im Schlosse, dort sollte er künftighin wohnen, aber bei Leibe darin nie cin Licht anstecken, welches ihm dieser zusagte. Jeden Abend aber beim Schlafenlegen hörte er am äußersten Ende des Gemachs cin Geräusch, das ihn mit ^eugicrde erfüllte. Er stand also einmal auf, schlug Feuer an und suchte überall nach, aber vergebens. Tu erschien die Gestalt des Greises an der Thüre: „Fliehe, Unglücklicher!" rief er, „denn der böse Zauberer naht. Auf dieje Art dringst Tu nicht mehr Hilfe uud Erlösung der Königin. Aber ich will's Dir sagen. Durchschwimme die neun Seen, die vor Dir liegen, am jenseitigen Ufer findest Tu eine Kapelle, dort laß drei Messen lesen für das Seelenheil der verzauberten Königin. Fort von hier!" Ter Jüngling eilte davon, durchschwamm neun Seen und ließ drei Messen lesen, wie ihm befohlen worden. Vor der Kirche aber erwartete ihn die Königin, dankte herzlich und gab ihm drei goldene Kronen. Tiese schlug er in cin Tuch und wanderte weiter den ganzen Tag, bis er Abends ganz ermüdet an ein Schloß kam und um Nachtlager bat. Die Diener aber wiesen ihn ab: Es sei die Hochzeit zweier Töchter des Grafen, dem das Schloß gehörte, mit zweien Brüdern, die die Schwestern erlöset, der Gäste sei alles voll und toll. Er möge seines Weges ziehen, wenn er sich nicht anders auf irgend eine Weise nützlich machen wüßte. Da sagte der Jüngling, er sei Goldarbcitcr. „Goldarbeit«? Ja der fehlt uns noch, der ist noch nicht gclommcn. Wenn Du bis morgen Früh zwei goldene Kronen machen kannst, so magst Tu bleiben, und cin Nachtlager haben." Jener versprach's und bat, sie möchten ihm cinc Handvoll Haselnüsse bringen. Als cr sie er- 15!> halten, sperrte cr sich in cin Zimmer cin und legte sich schlafen. Am Morgen weckte ihn Trompetengeschmetter. Schnell sprang er auf und eilte zum Grafen, der sich mächtig wunderte, als er ihm zwei goldene Kronen einhändigte, umsomehr, als cr vom Gesinde vernommen, cr habe dazu weiter nichts, als eine ! Handvoll Haselnüsse bedurft. Die Kronen gefielen aber dein ! Grafen ausnehmend und so auch allen Andern. Sie ehrten ^ den Jüngling gar hoch, cr mußte als Hochzcitsgast mit Zur» j Kirche, bei der Tafel saß cr bei seinen zwei Brüdern und dem ! Grafen. Aber weder dieser, noch seine Brüder hatten ihn er- , tannt. Daranf wurde getanzt. Auch cr tanzte mit des Grafen l jüngster Tochter, tanzte vicl, so daß ihm der Sälweiß in hcllcu > Tropfen von der Stirne rann. Da zog er cin Tuch hervor i und trocknete seine Stirne. Tas Fräulein aber erkannte äugen- i blicklich das Tuch, das sie ihm in dcr Höhle gegeben und auch ' ihn. Der Graf gab dem Jüngling seine Tochter zur Gemalin. i Wieder ging's zur Kirche, wo jener seiner Braut die dritte, ^ prächtigste Krone auf's Haupt setzte. Die Hochzeitsgäste aber ^ jubilirten und alle freuten sich gar sehr und wenn sie nicht gc- ! storbcn sind, so leben sie noch jetzt. ^s. 8. ! Melier das Verhältniß der Ehegatten. ! Das Glück der Ehe ist wohl vorzugsweise durch die cr- wäUtc Persönlichkeit bedingt, doch kommt es auf das Verhalten ! des Mannes dcr Frau gegenüber, auf sein Benehmen als ! Gemal und Hausvater wesentlich an, ob bei allen Grundbc- ! dingungen für ein heiteres, zufriedenes Lcbcn die Ehe günstig ! oder ungünstig ausschlagen soll. ! Schon als Liebhaber und Bräutigam hat der junge Mann ! den künftigen Standpunkt des Gatten ins Auge zu fassen. Er ! mache längst vor dem Ringtausche seine Ueberzeugung geltend ! und gestehe vorläufig nichts zu, was cr nach dcr Hand zu ver- ! willigen nicht im Stande oder Willens ist. ! Er lasse nicht in der Flitterwochenzeit die Herrschaft des ! Weibes sich entwickeln, da cr später mit Gewalt cntgcgcnzu- ! treten sich gezwungen fühlen wird. ! Anfänglich, wo die Gattin noch ganz Hingebung ist, wird ! sie sich durch eine sanfteste Mahnung lenken lassen, später, ! wenn das Herz kühler geworden, wird auch cin schärferes Wort ! keinen solchen Bann mehr üben. Tcr Mann sei sich in seinem ^ Wesen, seiner Grundanschauung immer gleich, cr begehre heute ! nicht, was er gestern verworfen, cr verzichte nicht morgen auf das, was cr heute gefordert. Des Gatten schwankender Cha- ! raktcr ist die erste Veranlassung, die Ansichten der Gattin zu ^ verwirre». Seine Uncntschlossenhcit führt die Ehefrau znm Vcr- ! suche uud Bewußtsein ihres eigenen Willens. Wichtig ist dic ! Sorgfalt, welche Ehelcute anwenden müssen, damit, indem sie ^ sich fortan zu sehen, in allen kleinen Launen, Schwächen und ^ Fehlern zu belauschen gezwungen sind, nicht Kälte, Gleichgil- ! tigkcit und Langeweile cinttctcn. Verstellung und Schmeichelei ^ können nicht fruchten, sondern nur verderben. Eine gewisse ^ Achtsamkeit auf sich selbst, ein Hintanhaltcn und Entfernen alleö dessen, was einen widrigen Andruck zu schaffen geeignet ist, ! kommt jedoch wärmstens anzuempfehlen. Der Mann gehe in ^ dieser Rücksicht mit einem guten Beispiele voran und wenn er ! auch weiß, daß die Gattin ihm nur angehört, benehme er sich ! doch so, als ob es ihre Liebe noch immer zn gewinnen gelte: ! bei aller Vertraulichkeit darf keine Unzarthcit, keine Nnhöftich-teit Platz greifen. Ohne sich fremd zu werden, sorge man > 'dafür, daß man durch oft wiederholte Gespräche über denselben ! Gegenstand nicht Ucberdruß erzeuge: Verufsgefchäftc sind das ! beste Vorbcugungsmittel gegen Langeweile. Den nach längerer ! Zeit Heimkehrenden, begrüßt das sehnsuchtsvolle Weib mit Cut- , zucken. Tie Abendstunden gehen unter Besprechungen, Ent- ! würfen und Verabredungen freudig hin. Man zeige sich seiner ! Gattin nie in einer schmutzigen, cckclhaftcn Kleidung und ver- i falle nicht aus Sorglosigkeit in pöbelhafte Manieren. Ter Mann ! erfülle seine Pflicht, prahle aber nicht mit seinem Wissen, Denken, ! Streben und Trachten: nur dem, der die Achtung verdient, ! wird auch die Achtung werden und bleiben. Er hüte sich vor ! Eifersucht, jener Leidenschaft, von der ein bedeutendster deutscher ^ Dichter sagte: „das; sie eine Leidenschaft sei, die mit Eifer sucht, ! was Leiden schafft." Das Vertrauen des Gatten einer braven Gattin gegenüber, ist der beste Schirmvogt ihrer Tugend, während der Zweifel das Herz verwundet und abwendig macht. ! Eifersucht ist häufig die erste Vcranlassuug der Sünde. Einem eifersüchtigen Weibe gegenüber, fahre der Mann fort, seine Pflicht gewissenhaft zu erfüllen, rechtfertige sich nicht weiter, ! und beherrsche seinen Groll. Eine gewisse Würde, Hoheit ! und Ehrbarkeit des Mannes wird auch auf eine heißblütige i Lebensgefährtin nicht vhne Wirkung bleiben und die Irrende zu ! bekehren kaum verfehlen. Im Verkehr mit fremden Damen sei der Mann nicht übertrieben rückhaltend, abcr auch nicht unvorsichtig. Es gibt Koketten, die um die Gnnst des Gatten nur deshalb buhlen, um den Neid der Gattin herauszufordern und das Glück einer Ehe zu zerstören. Er läugnc gegenüber seinem Weibe nie, daß diese oder jene Dame eine angenehme Erscheinung sei. Offenheit ist der beste Schutzdamm gegen den Argwohn. — Eben so wenig schwärme er abcr für gewisse Vorzüge einer Fremden. Ter Mann gewähre seiner Frau immer- i hin eine gewisse Freiheit im Umgang mit Männern: auf das Ehrgefühl läsit sich immer besser bauen, als anf den Zwang. Der Mann verwöhne seine Frau nie durch übermäßig dargebotene Zerstreuungen, er verwehre ihr aber auch uicht die nothwendige Erheiterung, versperre ihren Verwandten nicht vhne Grund das Haus. Sie wird, ist sie in ihrem Wesen gut, je glücklicher sie sich fühlt, ihren Gatten um so höher schätzen, in-, dem sie in ihm den Vermittler dieses Glückes erkennt: ihr Herz aber wird sich ganz von ihm wenden, wenn er ihr als Zerstörer jeder unschuldigen Freude, als der Feind aller jener Personen, die ihrem Heizen einst mehr oder minder gegolten, erscheint. Das liebende Weib vertheidigt den geliebten Mann gegen ihre eigenen Eltern, das hassende opfert ihn dem ersten besten Fremdling auf. Sonderbares Hochzeitsstlindchen. Eiuer eigenthümlichen Sitte in der Campagna von Nom erwähnt Grcgorovius in seinen „Lateinischen Sommern" (Leipzig 1804). Als er sich in der römischen Eampagna, dem alten Latium, und zwar in der Stadt Gcnazzano, befand, erhob sich eines Abends auf dem Platze der Stadt ein fremdartiges ohrenzerreißendes Getöse von allerhand nicht bestimmbaren Instrumenten, und als er hinaus trat, fand er die große wie die kleine Jugend des Ortes vor einem Hause versammelt, wo sie allem Anscheine nach eine Katzenmusik darbrachte. Wohl nirgends würde man eine „genialer erfundene Disharmonie von Instrumenten" hören können. Hier stießen sie schauderhafte Töne aus der gewölbten Mecrmuschcl, oder aus dem Kuhhorn, dort klapperten sie mit Winzermcssern, Spaten oder eisernen Pfannen: dieser hielt ein Bündel von altem Eisen an einem Faden, das er mächtig schüttelte, nnd jener rasselte über dem Straßenpflastcr mit einer alten Casserole, die er im Halbkreis an einem Strick hin und her fchleiftc. Zehn oder zwölf läuteten mit Kuhglocken auf das allervergnüglichste. Auf Befragen erfuhr Gregorovius, daß hier ciuem Witwer, welcher eben geheiratet hatte, eine Katzenmusik, eine Scampancllata (Scam-panare bedeutet ein Glockengeläute machen) gebracht werde. So beißt der ziemlich barbarische Gebrauch von dem Ausläuten der Kuhglocken. In ganz Latium herrscht diese alte Sitte, einem Ehepaar, dessen einer oder der andere Theil vorher schon verwitwet gewesen, drei Abende hinter einander vor dem Hause eine Katzenmusik zu bringen. Dann, nach vollbrachtem infernalischen Spcctakcl, zogen sie durch den Ort, voran auf einer Stange eine Kürbiß-Laterne tragend, und die Procession setzte die hüllische Musik ungestört durch alle Straßen der Stadt fort, wie eine Schaar von Dämonen nnd Teufeln die Nacht durch-schwa'rmend. Epigrammatisches. Die Zeit so groß, die Menschen Nein, -Sag', welche Zeit mag dieß wohl sein? Es ist die Zeit, in der dic Massen Den Einzelnen nicht gelten lassen. l Gedanken groß und wahr, sie werden fortbesteh'u , ! Wie sollte denn der Geist, der sie gedacht, vergeh'«? Ich glaub' cm keine Ewigkeit! Nach schmerzlich langem Widerstreben Bctcnn auch ich, vom Zwang befreit: Daß wir uichl wcrth siud fortzuleben. ! ^ _______ ! ' " ! Literatur. l Der WandcrSmau n. Ein Polkstaleiidcr fiir das Jahr 1865. ! Herausgegeben von Ludwig Vowitsch. Wien bei Pichlcr's Witwe. ! Zum vierten Mal kommt der WauderSmann nnd bringt uns ^ seine "talciidcrischcn uud unterhaltenden Nachrichten ; und daß er immer i wieder kommt, ist ein Beweis dafilr, daß er gastliche Aufnahme j findet. Er verdient sic auch, dcnu sein Inhalt ist reichhaltig. Eine i Reihe kleiner Aufsätze — von denen wir heute einen .über dasVcr- ! lMiiisi der Ehegatten" mittheilen — bictcu sowohl Belehrung und ! geistige Anregung, als auch Unterhaltung. Dcu Eingang bildet ein ! Gedicht des Herausgebers: „Gegenüber dem Materialismus," das ! gerade jetzt, wo dic Rede Hyrtl's bei seinem Antritt d?ö Nccwrats i der Uuivnsität Wien's so viel Aufsehen erregt, Beachtung finden dürfte. Wir können den Wandcrsmauu als freundlichen Gast bestens ! empfehlen. Verantwortlicher Redacteur I. v. Kleinmayr. — Druck und Verlag von Ign. v. Kleinmayr N F. Bamberg in Laibach.