I«. Areitag, den 10. Aeöruar 187t. X. Jahrgang. Die „Marburger Zeitung" erscheint jeden Sonntag. Mittwoch »nd Freitag. Preise — für Marburg: aanzjähria 6 ft. ins Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendung: gauzjährig 8 fl.. halbjährig 4 st., vierteljährig , halbjäl)rig 3 fl., vierteljährig 1 fl. Sli kr; für Zustellung 2 fl. Znsertionßgebiihr 6 kr. pr. Zeile. Aas Ministerium Koßmwart. Marburg, 9. Februar. Die österreichische Ministerfrage, seit Monaten in der Schwebe, hat nun für diesmal ihre LSsung gefunden—Graf Hohenwalt. Stattlialter von Ober-Oesterreich ist zum Borstßkr des Mini-sterrathe» und zum Minister des Innern ernannt. Der Präsident cineS Ministeriums velichtifst diesem das Geprägt und der Minister des Innern, zumal der österreichische, ist einer der wichtigsten Staattlenker. Hohenwart darf fich nicht blo« rühmen, von hohem Adel und ein hervorragendes Mitglied dkS BeamtenthumS zu sein — er ist auch ein Hochkirchler. Die Nachricht von drr Ernennung dieses Mannes hat, besonders in Wien, einen verblüffen-den Eindruck gemacht — auf Jene, die sich noch verblüffen lassen und deren Zahl gerade in der Hauptstadt des Reiches erschreckend groß. Die «amen der neuen Minister bliebkn allerdings bis zur lepen Stunde ein Geheimnih; was aber die Sache betrissl, so mußten wir l>iesen AuSgang Vorhersehen: bei der Halblzeit und Lauhkit der „gemüßigt greisinnigen", bci der Ztrsahrenheit und RegierungSunfähigteit dersellien kounle sichs gar nicht anders fügen. Wirihschastet im StantS-leben eine Partei ab, so tritt eine andere, die sich vorgedrungen, aus den freien Plan — und daS war eben die ultramontan-tschechische Partei. Wie wir dieskS Ministerium ausnehmen? Wären wir schadenfroh, so könnten wir uns die Hände reiben; allein wir sind ernste Männer, die auf der Zinne der Freiheit Woche hnlten. Wir verlangen auf unseren Werda-Ruf be-stimmte Antwort und diese tvlrd uns gegeben. Das Mtnisterium Hohenwart ist echtlärbi^^ und es tvitd seinen Grundsätzen gewiß treuer anhängen, als zum Beispiele daS gepriesene Bürgtruiinisteiinm dem Grafen Hohenwart gegenüber getha«. welchen Gistra zum Et^Ulhalter von Ober-Oesterreich be-fördert, trotzdem er wußte, ja wissen mußte, daß seine Wahl einen Zögling und Gönner der Jesuiten gelrofsen. Ein Ministerium Hohrnwau! — daS bringt endlich wieder Klarheit ii» die St'llung der Par-teien. das zwingt die Gtgner zum Vctentnisse der vollen Wahrheil und die Wahrticit, nur diejc allein, wird auch unS freimachen. DtiS neue Ministerium wird sicher, wie der N^une des ersten Mitgliedes bedeutet, link hohe Warte scin — für die gräflich hochkirchlich tschechische Partei l Uebtr Losung und Felc^^geschrei waltet kein Zweifel mrhr sür Alle, die zur Fahire deS ZjolteS g'schlvoren Am Geschichte des Zages. Kampf gegrn jede» Systml. wrlches nicht unsere Grundsätze zur Gcllung biingt — das ist Parteipflicht; abrr die Weise, wir neue Ministerium vom größten Tl)e!l der Wiener Presse angegriffen tvird, pnsit lzerzlich stiltcht zuin tranrigen Ernste des Äugenbl.ekS. Diese „freiwilligen Vertreter deS Bolkes"-ein Titel, den sir sich tigenmächlig beigelegt wätinen, die ganz«-Weltgeschichte und besonders die LtidnlSgcschichl. Oesterreichs h,ilic f.inen andrrrn Zweck. <'IS t'aß sie daran ihren Witz iibcn könncn. Mögen dissr Bertretsr doch lieber bedeiikeii, daß sie unstre mitverschuldet, indem sie nur formelle, unfruchl-bare Polnik getrieben — zehn Jahre lang. Bezilglich der Frage, ob die Bewohner von Elsaß-Lothringen an den Wahlen für die verfafsunggebende Versammlung theilnehmen sollen, ist einer Meldung auS Berlin zufolge biS jetzt noch nicht die miadestc Entschcil^ung getrof-fen worden; eS gewinnt vielmehr den Anschein, als ivolle man den Wühlern ganz und gar freie Hand laffen und ihnen dabei nicht daS geringste Hinderniß in den Weg legen. Im Allgemeinen wird die Lage Frankreichs nicht dadurch geändert, ob die Elsäffer und Lothringer an den Wahlen sich betheiligen oder nicht ; deutscherseits neigt man sich dagegen der Anficht zu. die Betvohner der besktzten Länder würden weit eher für den Frieden, als für den Krieg stimmen, weil sie dadurch schneller zu geordneten Zuständen gelangen. un0 schon anS diesem GrUlide hat die Bundesregierung kein Interesse daran, die Theilnahme an den Walilen in den neuen ReichSlanden zu verbieten Lo tvird denn auch in Elsaß-Lothringen gewühlt «Verden. Der Acrmpf zwischen der FriedenS-und KrlegSpartei in Frankreich, als deren Häupter wir Julius Favre und Leo Gam-betta ansehen, ist vorlaufig beendigt--zu Gunsten der elsteren. Gambelta ivurde von drr Regierung abgesetzt, welche zugleich die Äahlverordnung Gam-i)ct!a'S. betrefftnd die Ausschlievung der Bona-partisten als nicht rechtsverbindlich e,klärt — „als unverein'.'or mit den Grundsätzeir der Freiheit und de» allgemeinen Stilnmrechles". An Gambetta verliert die provisorische Regierung unstreitig ihr lielvorragendsteS Talent und den thatkrästigsten Mann. Wie die KriegSpartei die Beseitigung ihres Führers aufnehmen wird, ist wenigstens in Bezug aus den Süden Nicht zu bezweifeln: dort tvird es an stürmischen Kundgeliungen nichi fehlen, da die bedeutendsten Städte dcSsklben für die Fortsetzung de« KampseS stimmen. Um das Elend Frankreichs nicht auch durch innere Wirreti, nament lich aber durch die Selbstzersteisäiungder Republikaner zu vergrößert,, ist ein vollständigei^ Sieg der FriedenSpartei nothwendig. — Wie aits Bcr. saillörjgen in Ungewißheit lassen, bevor sie es über sich bringen, einen Brief zuschreiben. Es ist unbegreiflich, allein es ist Thatsache, daß selbst im jetzigen Krie^^e noch sogar Os^iere nach großen Schlachten )e. ihre Familien Wochen lang ohne Nachricht gelassen, obwohl sie die beste Postver-bindunq hatten. ^Oesterreichische Münzscheine.) Bon den zivölf Millionen Gulden in Münzscheineu, welche das österreichische Ministerium seiner Zeit als Ersa^für die aus dem Berkehr verschwundene Silbermunze ausgegeben, sind an fünf Millionen Gulden nicht bei den Staatskasse« zur Auswechslung überreicht worden Man kann daher annehmen, daß dieselben im Lause der Jahre verloren gegangen, vernichtet und zerstört worden sind. Es ist dies ein neuer Gewinn, welchen de-Staat auf Kosten seiner Bevölkerung «acht. (Zoll- und H a n d el s e ini g u n g Oesterreichs mitD e u t s ch la n d.) Der „Volks-wirthschaftliche Berein" in Wien hat kürzlich die „Erklärung" abgegeben: „In der Ueberzeugun., daß eine künftige Zoll- und Handelseinigung Oesterreichs mit Deutschland unserer volkswirthschaft-lichen Enttvicklung zum Bortheil gereichen würde, spricht der Verein die Erwartung aus, daß Re-gierung und BolkSverlretung es als ihre Pflicht erkennen, diese Einigung mit allen Krästen zu el-streben." Die Entwerthung des Papiergeldes, das Berhältniß Oesterreichs zu Ungarn ivie —trotz dtr augenblicklichen „ausrichtig herzlichen Freundschaft" Bismarcks und Beust's— zu Preußen und verschiedene andere »icht minder nnwichtige Diiij^e lassen diese Erwartung alseinen srommen Wunsch erscheinen. ^Boneinem allen Hohenlvari.) Der „Pester Lloyd" erzählt sotjjende Geschichte; „Als im Jahre 18V4 der Wiener Erzbischos Mi-gazzi mit Tode abging, litß Kaiser Franz stincn ehemaligen Religionsiehrer. damals bereits Bischos von Et. Pölten. Sigismund Anton Grafen von Hohenwai^t zu sich bescheiden und sr.igte, t,uf das an der Wand Hangende Bildniß skiiies ehemali-gen Katecheten deutend: „Was glauben Sie wohl^ tver das ist?" Bescheiden lächelnd antivortete Hohenwart: „Wenn ich nicht irre, sn ist cS der Bi-schof von St. Pölten." „Sie hoben sich lZeirrt." entgegnete der Kaiser, dem Grasen die Hand lei-chend, „eS ist der Crzbischof von Wien" . . . . Wenn man dem Herrn Karl Sigismund Grafen von Hohenwart zn Gerlachstein, Rabensberg und Raunach, Freiherrn de Leo von und zu öewen' berg noch vor tvenigea Wochen seine eigene Photographie enlgetzengvhalten hätte mit der Frage, wer das sei? würde er gelviß mit der unbefangensten Miene von der Welt geantwortet halien: das sei der Statthalter von Ober-Oesterreich und er selbst wäre am meisten erstaun! gewesen, »venu man ihm darouf gesagt Hütte: „Sie irren daö ist der künftige österreichische Ministerprasidenl." llnd er ist's tiente .... a n d tv i r th sch a f t.) Die Erschöpfung des Bodens.) Was die Düugersrage für die Landwirthschast bedeutet, vermag am besten die chemische Untersuchung darzuthun. Es ist ermittelt worden, daß guter Boden, welcher auf 100.0V0 Gtwichtsthkile 13'4 Theile Kali und 8 b Theile Natron enthält und mit Klee bebaut wird, nach Verlauf einiger Jahre nur noch 2 Thclle von ersierem und 5 5 Theile von letzterem besitze, und nu?: noch eine mäßige Ernte und schlechten Klee hervorbringen könne. Andererseits sind die „schwarzen Erden" Rußlands, deren Fruchlbatkeit einen europäischen Ruf genießt, durch emen aufeinaudersolgenden mehrjährigen Anbau der Runkelrüben so erschöpft, daß sie nach Verlaus dieser Zeit gänzlich außer Stande sind, eine lohnende Ernte zu liefern, da die noch im Boden befindlichen Kalibestandtheile sich nicht mehr in einem Zustande befinden, daß sie von der Pflanze ausgenommen werden können. Aber das ist noch nicht Alles. Die Arbeiten von Grouven haben tlzatsächlich gezeigt, daß. wenn die Asche eineS Klees von gnter Blschaffenheit 32'ü bis 37 8 Perzent Kali enthält, die eines auf erschöptem Bode« erzeugten KleeS nur 332 PerzeNt, den zkhnlen Theil davon enthalten. Und wie mit dein Klee ist es tuit allen Flüchten, Mit dcu rincn mehr, mit den andern weniger. Der beste, der fruchtbarste Boden tvird schließlich erschöpft, wie dcr tiesste Brunnen, und Ivo niemals eiwas hinein kommt, da kann erOlich auch n.chts mehr heraus. Es gibt sogeuannte „praktische" Landwirtl^e, die das immer noch nicht zu begreijen vermögen. Marburger Berichte jsThätigkeit des Gemein deaus-schujses und des S tadtamtes Marburg). Im verflossen Aibellsbüchern 24ö. Ausslellung von Schub« Pässen und bindenden Marschroulen 287, Straf-amtshandlungea 372. Anmeldungen und Aus-trittSerklärungen von Dienstboten, Arbeitern u. s. w. 4824. Aufnahme von Kommisslone-Ptotokollen 126, Versteigerungs.Protokolte 232. Aufnahme von Krankenhaus Protokollen 1401, Thellnahme an VereittSsitzungen und öffentlichen Versammlungen 67, Theitnahme an militärischen Komniis sionen 55. Todfalleausnahmen 199, Ausfertigungen über Markts uno Fleischpreise 1038. Korrespondenz, betreffend die Evitenzhaltung und Clnberusung der Ullauber 511. Musiklizenzen 217. Verhaftungen durch die Polizei 633. Llesör-derung der Schüblinge 540. ^Allgemeiue Kranken- und Jnva-tidenkasse für Art,eiter). Am 5. d.M. tagten die Mitglieder der hiesigen Filiale in der Gambrinushalle. Der Obmann, Franz Wies-thaler. der sich onftragSgemäß au der Hauptver-sammlung des Vereines in Graz am2^. Zänner betheiligt. erllatttte seinen Bericht. Die Central-v.rwaltun., habe den AusiveiS übir daS verflossene Jahr vorgelegt und sei derselbe genehmigt woiden. it)ie lKinnahmen b«trugen 9889 fl., die Ausgaben 6958 fl. Mit der allgemeinen Kranken-und Jnvalidenkasse ter Arbeiter in W.-Neusiadt wurde ein Vertlag abgeschlossen, ivelcher auf Ge- genseitigkeit beruht. Im Sommer dieses Jahres wird in Wien ein Bereinstag staltfinden, um zwischen den KronlandSvereinen vonSteiermurk. Krain, Kärnten. Tirol. Salzburg, Ober.Oesterreich, Nieder Oesterreich. Böhmen. Mähren und Schlesien einen Verlrag zu verabreden, welchem zufolge die Mit-glieder der verschiedenen Kranken- und Jnvaliden-kassen für Arbeiter überall nach dem Grundsatze deS Gegk «rechtes behandelt werden sollen.— Die Zahl der hiesigen Mitglieder ist auf 591 gestiegen. Ende Februar oder Ansang» März werde» Ab-geordnete der Filiale sich nach Reisnig ^geben. wo dic Glasarbeiter genrigt sind, dem Bereine beizutreten. — Am FaschingSsonntag (19 Febr.) wird im Götz'schrn Saale ein Vereinsball abgehalten. dessen Reinertraii für die Filialkaffe bestimmt ist und zur Entschädigung jener Mitglieder des FilialauSschufseS dienen soll, welche durch die Kontrolirung der Kranken an Werktagen ihre Arbeit versäumen. (Fall Zimmermann.) In der letzten Sitzung deS politisch-volkSwirthschastlichen BereinS „Fortschritt" vom 8. d. M. kam auch dieAnge-legenheil Zimmermanns zur Sprache; nach dem Antrage deS Herrn Brandstetter ivard folgender Beschluß gMk: .In Erwägung, daß: 1. die Thätigkeit des ausgewiesenen Herrn R. Zimmermann sich auf Schriftstellerei beschrankte, »velche dem österreichischen Strafgefetze nach dem Urtheils-spruche der Geschivornen unterliegt, — in Etwä-gung, daß 2. Herr Zimmermann wiederholt von diesem Geschwornengerichte freigesprochen wurde und gegenwärtig noch in vier Prozeffen der Ur-theilsspruch ^gewärtigen »var; — iaErwägung, daß 3. die Vaterlandsliebe, die sittliche und re« ligiöse Ueberzeugung des Grazer Geschwornenge-richts über jeden Zweisel erhaben tst, ...erblickt der Verein „Fortschritt" in der gewaltsamen Ausweisung des Redakteurs Herrn Zimmermann eine polizelliche Geivaltmaßregel. di« mit Rücksicht aus die politischen Berhältniffe des Kronlands Steiermark, sowie der L.mdeshauptstadt Graz, in lvelcher die Zeitschrift »Freiheit" verbreitet ist. in keiner Weise gerechtfertigt ist. Der Berein „Fortschritt" spricht vielmehr seine Ueberzeugung dahin aus, daß e,ne Regierunß, welche in Folge der vernichtenl^en Kritik der beiden Häuser des Reichsrathes seit Monaten zum Rücktritte genö-thigt aus ihre Entlassung harrt, i» keiner Weise berechtigt fein kann, ihre eigenen Begriffe von Staatsgefährlichkeit über den zu erwartenden Ur-theilsspruch der unabhängigen Geschvornen zu ftellen. — Ist auch die öfterreichifche Gefetzgebnng in Folge der geänderten Verhältnisse mehrfach lückenhaft geworden, so kann doch mit Recht gefordert werden, daß von einer auf die Verfassung beeideteu Regierung die entstandenen Lücken i« Geifte der Staatsgrundgesetze ergänzt werden können und keineswegs durch Verordnungen aus der Zelt der starren Reaktion. Das AnseyeU der Regierung mußte aber durch die gehässige Durchführung dtr Maßregel um so mehr leiden, als Jedermann fest uberzeugt ist. daß die Gicherhett des Staates durch die Aufrechthaltung der an-hängigen Prozeffe besser gewahrt würde, als durch die Verfügungen der hohen Staithalterei. In erhöhtem Maße erschüttert die nunmehr durchgeführte ztvangsweife «uswelfung Zimmermanns das Vertrauen in die leidenschaftslose, objektive Wahrung der höchsten Rechtsintereffen durch die Landesregierung, als ja die bereits konstatirte Ein-stellung der Zeltschrift „Freiheit" vorläufig der Gefährlichkeit des Redakteurs vollkommen ein Ziel setzte. Der Verein „Aortschritt" schließt fich daher der Anschauung des Grazer Gemeindera-thes. des DemokratenvereineS u. s. ty. an daß nicht nur die Sicherheit der Fremden in Oester, reich durch ein dem G ifte eines Versaffungs-staates entsprechendes Gesetz zu gewährleisten ist, sondern daß die Regierung überdies in der dem-nächst wieder eröffneten ReichSrathSseffion zu in. terpelliren ist. wie die Bersügung deS gewesenen Justizministers Tschabnschnig sich mit der Auf-gabt der Justiz im RecytSstaate vereinbaren laffe. Diese Angelegenheit verdient um so- mehr d-e öffentliche Aufmeiksamkeit. als den politischen Behörden nicht nur ge^^en Auslänser. sondern auch gegen österreichische Staatsbürger bn Ausübung versaffunflsmüßiger Rechte die Beurtheiluiig der Staatsgefährlichkeit eingeräumt ist und die i« der Ang»legenhtit Zimmermann» an den Tag gelegte Thätigtrit der k. f. Staitdalterki Vielsache Besorgnisse wachgerusen ha»." Der Berein ersuchte das anwesende Mitglied Herrn Reichs ralh Skldl. wegen dieser Angelegenkeit im Abgeordnetenhause eine Anfrage zu stellen, was der Herr Abgeordnete mit einem Danteswort für das ehrende Vertrauen bereitwillig zusagte. (Theater und Kasino). Die satzungs-gemäße Hauptversammlung des Theater- und Ka-sinovkreins wurde am 7. Februar Abends im großen Epeistsaal des Kasino abgehalten. Bon fünsundfünftig stimmberechtigten Mitgliedern waren neunzehn erschienen. Nach Genehmigung deS PrS' lokolis der letzten Hauptversammlung wurde vom Schriftführer H^rrn Friedrich Leyrer der Jahre«, bericht für 1870 vorgetragen; Das aktive Bcr-mögen belänfl sich auf 16903S fl. 55 kr., der Schuldenstand, auf 1V3540 fi. 8 kr. Die Zahl der Mitglieder betrug 477 ; darunter waren 270 Stimmberechtigte (155 Gründer, 115 Gründer und Theilnehmkr zugleich.) Zur Priisung der Rechnung wurden die Herren Dr. Radey, Älius Reitter und Horvalh gewählt. Als Gründer und Theilnehmer zu^eich ließen sich die Herren Eduard Rauscher und Dr. Lorbrr aufnehmen. Frau Al» bensberg, deren verstorbener Gemahl (Zoseph Al-bensberg) Gründer gewesen, erklärte sich als Rechts nachfolgerin. Der neue Berwaltungsrath besteht aus solgknden Herren: Anton Badl, Dr. K Sin Maskenball. Von Z. Temme. K-rlse,««».) Der Herr Tille» veriieK schweigmd den Keller und ging quer über den Paradeplatz nach der andern Seite, an der daS große Bärwaldsch, Modemaqazin lag. Er sah slch unterwegs nach allen Seiten suchend um. Es waren noch viele Spaziergänger da. Sah er sich nach der Familie des reichen Banquier Rosenstein um, so fand er nicht, was er suchte. Geiu Gesicht zeigte eine getvisie Befangenheit, eine leichte Sorge, einen leichten Kummer, wen« man will. Aber es strahlte nur Glück, als er in das Magazin trat. Die schöue Grüsin Potocka trat ihm mit ihrem reizendsten und freundlichsten Lächeln ent-gegen. Wer kennt nicht di«se schönen Polinnen, die als Witwen und Gräsinnen im Auslande reisen? Jung, vierundzwanzig Jahre alt, Volt und schlank, der feinste durchfichtigste Teint, der schönste Arm. Alles Liebe, Feuer, Hiiweben, Verlangen, Alles vor Allem Liebreiz und Eleganz! Sie reichte ihm ihre feine Hand hin. Cr küßte sie zärtlich, vor allen !>en Leuten, vor allen den vornehmen, stolzen, strenge^ Damen, die in dem Magazin waren. Sie »varen Neide nicht die Leute, die sich vor der Welt Zwang anthaten. „Sie wollen auch hier mein edler Ritter sein, lieber Eitlen?" „Sie kennen meinen Ramen, Gräfin?" „Der kleine Wolfsberg Hut das Treigniß an dreißig Damen hier im Gewölbe erzählt. Cr ist so brav und so neugierig, der kleine Offizier. — Aber kommen Sie! Sie sollen mir helfen. Wir haben morgen Maskenball, und ich habe in meinem Leichtsinn noch für nichts gesorgt. Ihrem Ge» schmacke will ich meinen Anzug anvertrauen." „Sie entzücken mich, Gräfin. Ich weide also Ihre Maske erfahren?" „Sie sollen sie bestimmen." „Ganz und gar?" .Wenn Sie «vollen!" „Nur nicht hier." „Und lvarum nicht?" „Ich muß Sie überraschen." Die Dame tvar schon überrascht, wie lvelii^^-stens ihr Gesicht zeigte. Etwas strenge wnr das schöne Gesicht daneben. muth, Dr. Duchatsch, Dr. Mulls. Karl Reuter. Albensberg, Friedrich Leyrer, Dr. Reiser, A. v. Kriehuber. Roman Pachner. Quandest. Joseph Banealari, Dr. Dominkusch. Stampfl, Dr. Lorber. Johann Haußner. Dr. Schmieverer. Ingenieur Wagner. Peternell. Dr. Maly^ Joh GirstmayrB.; nach diesen t/atten die meisten Stimmen auf sich vereinigt: Emerich Tappeiner. Joh. Girstmayr S.> Notar Bitterl von Tessenberg. Die Jahresbeiträge dtt Mitglieder und den Beitrag für die Theater-direktion bleiben, wie früher. Der Antrag, welchen der Bertvaltungsrath v. I. gestellt, daß znr Be-schlußsähigkeit der Hauptversammlung ein Sechstel der Mitglieder genügen soll, wurde angenommen. Um sich zu überzeugen, daß alle Mitglieder die Ein-ladung erhalten, soll künftig aus einem Namens-verzeichniß der Empfang bestätigt und das Ein-berufungsschreiben an Auswärtige mittels Post-rezepissc versandt werden. Die Einladung soll wenigstens acht Tage vor der Hauptversammlung erfolgen. Die Antheilscheine. welche am 7. geb. auSi^elost wurdet,, sind: 143, 273. 29. 9ö0. 776, 40. 839. 987. 30k. 551. 652, 738. 613, 585. 574. 535, 283. 519. 988. 291,302. 623. 270 477. 856, 867, 161. 421, 722, 877, 744, 991. 986, 959, 212, 475. — Die Ziehung der fünf Schuldscheine zu 20 fl.. die voriges Jahr fizr die Einrichtung der Gasbeleuchtung im Theater und im Kasino ausgestellt worden, betraf die Rum mern 24. 88, 28. 40. 79. (Gasbeleuchtu n g.) Das hellere Licht,' welches wir dem Einschreiten des Herrn Bürgermeisters verdankten, Hot leider nur sehr kurze seit uns erfreut — kaum zwei Tage. Das ungereinigte Gas entwickelte am Mittwoch beim Verbrennen so viel Schwefelwasserstoff, daß man in vielen Häusern ivegcn des Gestankes aenöthigt war die Petroleum zu gebrauchen. (Berein „Merkur.") Sonntag den 12. Februar Abends feiert der kaufmännische Berein im großen Saale „zur Stadt Wien" sein Gründungssest. Der Verein „Merkur" in Graz »vlrd sich durch Abgeordnete vertreten lasten. Der hiefige Münnergesangverein und der Turnverein nehmen gleichfalls Theil und die Mutitkapelle der Südbahnwertstätten ist zur Mitwirkung gewönne:,. I. ^ltram^tane» in Vber Vefterretch Ministerium Hohenwart «it ford^t'^ Entlassung noch nicht ge MÄlen in »rankretch »ab-n ««r »i« Arirasfrgge. Gp,>n,e Mann sah sie lojärtlich, salzirtlich flüsternd beisammenstanden, »iiunftreaaen td an. Er erariff »bre Hand. unk bittend an. Er ergriff ihre Hand. „Anastasia!" sagte er leise. Sie erröthete. Sie wurde verwirrt und ver- hinter sich. gaß :n dieser Verwirrung, ihre Hand zurückzu zikhea. „Ja?" fragte er. ,Ial" hauchte sie leise mit einem kaum merktichen Drucke ihrer H.ind. „Anastasia. Si. machen mich zu dem glücklichsten der Menschen!" Er sprach die Worte leisr, sehr leise. Lie mußten doch noch von Jemandem ye. hört »ein, der sie nicht hören sollte, denn un» Mittelbar hinter ihm entstand eine Unruhe. Das große Barwaldsche Magazin hatte mehrere Abtheilungcn und Zimmer. Ans einem der anliegenden Zimmer waren Personen hervorgetreten. Es war die Familie Rosenstein, voran die stolze, dicke Mutter; an ihrer Seite der lange, blasse Sohn mit dem krummen Rücken, hinter ihnen die beiden, lang anfgeschossenen Töchter; in ihrer Mitte die Fremde mit der großen, schönen Ftgur auf den wundervollen Augen. Sie waren i»n Begriff dcn Laden' zu verlassen. „Führe mich, mein Sohn Berthold!" sagte die Madame Rosenstein laut und anspruchsvoll, wie sie immer in ihrem Wesen »vav. Ihr langer Sohn sah sich gerade nach der schönen Fremden um. Er sah sie so besonders an, und sie war auch so besonders schön. Eine so weiche, so melan-choltsche. eine so rührende Schönheit lag über ihrer ganzen Erscheinung ausgebreitet. Sie mußle alle Herzen tief berühren. Die Augen des blassen junget» Menschen hingen an ihr. aliK wenn ihm der Eindruck dieser Schönheit schon recht voll und zugleich recht weh in das Herz hineingezogen sei. Der Ruf der Mutter schreckte ihn auf und gehorsatn gab er der kleineii. dicken Dame den Arm. „Was sahst Du Dich um?" schalt ihn die Mutter. „Man miiß immer vor sich sehen." Aber schon im Augenblicke nachher mußte sie selbst sich umsetien. Ihr Weg sül)rte sie an der schönen Polin und dem jungen Engländer vorüber, Als junger und reicher Cnjjländer »var der Herr Williams, jetzt Sillen. ii> dn Stadt brkannt, er war eS wohl meistens durch sein Berhültnih zu der schönen Polin geworden. Auch die Madame Rosenstein kannte Beide. und verächtlichen Blick zusenden. Da hörte sie einen schmerzlichen Laut „Mutter!" riefe» ihre Töchter wie um Hülfe. „Sie stirbt!" rief der Sohn und rieß sich von ihre« Arme los. „Gott's Wunderl" rief die Madame Rosen-stein. Dann als sie sich nach den Andern umsah, erblickte sie das Gellcht der schönen Fremden, die zwischen ihren Töchtern ging, leichenblaß, die Augen erloschen, die Gestalt wankend. Ihr Sohn fing die Wankende in seinen Armen auf. „Gott's Wunder, was gieht's?" rief die Mutter. „Sie stirbt«" riefen auch die Töchter. „Sie stirbt nicht!" sagte zornig die Mutter. Sie wollte den langen Sohn von der schönen ohnmächtigen Fremden zurückdrängen; dabei wäre sie um ein Haar mit dem junge» Engländer zusammengestoßen. Der Herr Leo Sillen hatte das Rufen hinter sich gehört, und auch er hatte sich umblicken muffen. Er hatte zuerst nur die erschrockenen Gesichter der Familie Rosenstein gesehen. Dann aber das schöne, schweeweiße Geficht der Fremde«, die Augen, die sich ivie sterbend schloffen. Da wurde er selbst blaß und sprang hinzu. Die Madame Rosenstein war ihm zuvorge« kommen. Die stämmige Dame hatte ihren Sohn zurückgestoßen und die Ohnmächtige in ihre Arme genommen. Als er sich zu der Polin zurückwandte, war ^r sehr blaß und schien zu zittern. „Gehen wir?" fragte ihn die schöne polni-sche Gräfin. ..Ich stehe zu Befehl." Er gab ihr seinen Arm. „Was gab es da?" fragte fich die Menge, durch die sie gingen. „Die Rosensteinsche Gouvernante warde ohn-mächtig." „Kaniiten Sie die Dame?" fragte die Gräfin Potocka ihren Begleiter. „Ich habe sie einmal gesehen." „Nein!" sagte er zu ihr nicht, aber der Ton seiner Stimme sagte auch ihr. daher nicht weiter gefragt sein wolle. Und sie fragte ihn auch nicht w-iterz ihre großen, funkelnden Augen aber schössen dunkle, unheimliche Blitze. Mit dem jungen Engländer war eine Ver-änderung vorgegangen, und sie dachte darüber nach. Fortsetzung folgt. Tt«dt«Theater in Marburg. S«i>»tag dm l2> Februar I87l, »achmtttag t Uhr. Fremd«n»vrst»ll««g 3. «os. KlmdmachM 9? Nachdem die bei der leKtcn Neutvahl d-r Gemeindevertretung der Stadt Marburs^ im I. 1869 aus dem I, Wahlkörper hervorgkgan. gene Repräsentantenflruppe in Folge wiederholt vorgekommener MandatSniederlegungen -- nach bereits geschehener Einberufung aUer Ersatzmänner — nicht mehr vollzähli,^ ist. so hat von Seite dieses WahltörperS gemäß K. 13 des Gemeindk-statutes und g. 17 der Gemeindewahlordnung für die Stadt Marburg vom Jahre 1866 auf Gruud der letzten Hieramts zur Einsicht auflic-genden Wählerlisten eine vrgänzuugswahl von drei Ausschutmttgliedern und von vier Ersatz« «Annern ans die «och übrige Daner der Wahl-Periode pattznpnden. Die Mitglieder de» I. Wahltbrper» der Stadtgemeinde Warburg werdcn daher eingeladen. M Vornahme dieser ErgänzungSwahl am I. März d. I. vormittag nm V Uhr im stüdt. Rathhanssaale sich kinsnden zu wollen. Das Wahlrecht ist mündlich und in der Regel persönlich auszuüben; die Ausnahmen hievon bestimmen die KZ. 4, 5. 6 und 7 der Wahlordnung für die Stadlgemeinde Marburg vom Jahre 1866. Stddtamt Marburg am 9. Februar 1871. Der Bürgermeister: Dr. M. Reiser. 75) Lä. Vereinsjahr. Eintracht, Freundschaft, Fröhlichknt. Samstag den ll. Februllr l8?1 NM 8 Uhr Äl,ends im Garteasalo« de» Hotels zur Stadt Wie»: (ll. dieStährige Prodnktion.) ?i^oU?ain>n. I. „Iagdlied" von A. M. Storch. (Chor.) II. ^^bian Pech und seine Gaste" von N.M. Storch. (Ehor.j III. ^Dte jungen Musikanten" von Kücken. (Chor mit Soloquartett.) IV. dem Himmel ruht die Srde" von A. Eumpert. (Tenorsolo mit Brummchor.) V. „voltslieder": ») Kärntner-Bolktlied von H. Reckheim, d) Im Holzschlag (Aus'n Raßwald) v. A. M. Storch. VI. „Da» fehlerfreie Quartett" v. I.Koch. (Soloquartett.) VII. ,,Das Iudenlhum in der Mufik" von Z.Koch. (Chor mit Soloquartett.) Repertoirstück des Wiener Männergesangvcreine». VIII. „Humoristische Deklamation". vt. „Die Aroschcantate" von Hennig. (Chor.) X. „Inkognito, oder: Kürst wider Willen." Komische Ope« rette von Hermann Kipper. D^^Die ?. I'. unterstützenden Mitglieder wollen ihre Mitgliederkarten gefälligst lieim Eintritte an der Kasse vorweisen. Eintritt für Richtmitglieder I fi. Kassa-Erösfnung 7'/, Uhr. sW' AiK. Anmeldungen zum Beitritt von nnterstüßenden Mitgliedern ilbernehmen die Herren: Josef Kokoschi-negg, E Ianschitz und Anton Hohl Außerdem werden solche an den ProduktionSabenden an der Kasse entgegengenommen. Die Vereinsleitung deS Müllntrgtsa«gl»ertines in Marburg. Ualivxtralit <«4 den btktu und täglich frisch, ohne alle Neimischnng, pr. Flasche K0 kr. im Vrsiik»»»« «St». Wohlgek. Herrn Ed. Eichler jun. v» äsr --u Lnäs, tivÄsn vir ullg vsrpkliol^tvt, dvsijxlivli orlsrutor ^n8tanä8dillluvx der sovvkl »uol» äsr "1'di»tißilreit und uvsrmüäoten Ii'Isi8ss« uugsro» Ilvri'll Alsistsrs, den värmktsn Oanic au87uärüo^vll. ^uxlvieti empk«t»1sn vir auvli kiw künftix^vn lllltsrnolits-dur'» <)bt)kn»unton IliZi'ni aus« Ks8ts. 89 Nvdroro Lodtlisr. M« vostW» wlä I>^«l - >»11. De?' AZTZÄ/ie^e L/aNAe/ eines M cie/' ^eföT'iASTl c/en 6ntA6A67z stimme?!, c/as.«? e?' am R8. I'SlZrAiIdr I.87I. liR NKtT' i lZIitv-l^«>titumk- un