Der loetltge Barer Plus X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdtgsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Lettmeritz, Linz, Olmlltz, Marburg, Trient, Triest und Wien, Ytv der t) SB e, iat!)olifö)ß MWliWiWi-l. Bezugspreise für das Jahr 182 Ganzjährig- Für österreich 2 Schillinge, für Deutschland 2 Goldmark, stir Italien und Alto Adige 8 Lire, für die Tschechoslowakei 10 Tschechokronen, für Jugoslawien 24 Dinar, für Ungarn 24.000 ung. Kronen und für die Schweiz : : 2 Franken, Herausgegeben vom Missionshaus Graz, Paulustorgasse 10, Steiermark. Rest 3. fMn 1926. XXIX. Iahrg. Von der Station St Immaculata in Witbank, Von Hochw. ?. Angerer, F. S. C. ||||l|ä|une unserer Stationen ist Mit-banst im Westen der Präfektur, mit einem Pater für die Seelsorge der Weißen, etwa 150 Katholiken unter einer Menge protestantischer Sekten, und einem zweiten Pater für die Missionierung der Eingeborenen. Wie Witbank, das „Weißbank" bedeutet, zu seinem Namen kommt, ist mir ein Rätsel, eher verdiente es „Schwarzofen" genannt zu werden, denn es zeigt gar zu deutlich Stempel und Farbe der schwarzen Kohle. Die dunkelfarbige Bevölkerung, die mit ihren etwa 20.000 Seelen die Weißen an Zahl weit überflügelt, setzt sich aus den verschiedensten Bantustämmen zusammen, die in Rhodesia, Vetschuana-, Zululand, Natal, Kapkolonie u. a. ihre Heimat haben. Auf einer Anhöhe inmitten der Stadt, nahe beim großen Konvent der Dominikanerinnen, liegt unser Kirchlein. Am gegenüberliegenden Ende der Stadt ragt die Dutsch-Calvinerkirche der Buren über die Dächer empor, die größte Kirche des Ortes. Sie ist ein ständiger Protest gegen die „fremden" Kirchen, die sich allenthalben im Stadtbilde erheben, mehr oder weniger klein, namentlich gegen das katholische Kirchlein am Gegenpol, das immerhin die zweitgrößte ist. Was diese aber allen anderen, die Synagoge nicht ausgenommen, voraus hat, ist, daß sie am besten besucht wird. An Sonn- und Feiertagen kann man gegen V29 Uhr und selbst abends 1/28 Uhr die Katholiken in Autos, auf Fahrrädern und zu Fuß ihrem Gotteshause zuströmen sehen. Nicht selten finden sich auch Andersgläubige ein. Eingeborene Katholiken sind vorläufig leider noch sehr wenige; doch kommen 30—40 Lernende, Heiden und Protestanten, darunter auch Kinder, nicht selten stundenweit her zum Gottesdienst. Und diese armen, zu Maschinen herabgepreßten Schwarzen drücken oft so sehnsüchtig ihr Verlangen nach Unterricht und volle Teilnahme an den Segnungen der katholischen Kirche aus, daß man in Verlegenheit kommt, ihnen begreiflich zu machen, wie augenblicklich unsere Mittel, Lehrer, Schulen und Katechistenposten zu beschaffen, noch lange nicht reichen. Vorläufig, so lange noch keine Schulen und Katechistenposten errichtet sind, bleibt mir nichts übrig, als mehrmals in der Woche die Ansiedelungen („lokations“) der schwarzen Arbeiter zu besuchen. Ich bediene mich dabei des Fahrrades, das hier das gewöhnliche Verkehrsmittel der ärmeren Leute ist. Wer sich zu den Wohlhabenden rechnet, hat ein Auto. Solche lokations sind mehrere in der Nähe der Stadt bei den Kohlengruben und Kraftanlagen. Die Arbeiter sind in Abteilungen getrennt: Ledige und Verheiratete. Die Ledigen wohnen nahe den Maschinenhäusern in festgefügten, langen Hallen, die in Säle abgeteilt sind, in denen sie gemeinsam schlafen und essen, ähnlich wie die Soldaten in den Kasernen. In einiger Entfernung liegt je ein ausgedehntes, in peinlicher Ordnung gehaltenes Dorf mit den Arbeiterfamilien, die Hütten gleichförmig gebaut und in gerader Linie angeordnet. Dazwischen sind Bäume gepflanzt und breite Straßen angelegt, auf denen sich die Jugend tummelt. In einer solchen Arbeiteransiedlung zählte ich nicht weniger als acht Holzkirchlein, eine neben der anderen, die den protestantischen Sekten als Gebetshaus und zugleich als Schule dienen. Die hiesigen Neger zeigen alle einen mehr oder weniger starken Drang, es den Weißen gleichzutun. In der Schule nun sehen sie ein Mittel, zu besserer Stellung und höherem Lohne zu gelangen. Unter dem ständigen Einfluß ihrer weißen Umgebung mit dem bestechenden Anstrich von Kultur in modernster Form, haben sie ihre heidnischen Anschauungen sozusagen völlig abgestreift. Mit dem Religionsunterricht ist es aber doch recht schlecht bestellt, da die Lehrer selbst in diesem wichtigsten Fache schrecklich unwissend sind. Sie begnügen sich mit Bibellesen und Singen und scheinen überhaupt mehr dazusein, um sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Ich habe mich bei manchen protestantisch Getauften überzeugen können, daß sie kaum wußten, daß sie getauft waren, noch viel weniger, welcher Sekte sie angehörten. Die einfachsten christlichen Wahrheiten schienen ihnen eine Neuheit zu sein. So kommt es, daß vielen nachdenklichen Leuten die katholische Lehre, wenn sie dieselbe kennenlernen, als etwas Ernstes und Gediegenes erscheint gegenüber den anderen christlich sich nennenden Religionsformen. Eine katholische Schule könnte hier unzählig viel Gutes stiften für das Heil der Seelen. Da macht sich die Geldnot so recht empfindlich bemerkbar. Und nun, lieber Leser, besuche mit mir eine dieser Arbeiterwohnungen. Ich fahre nachmittags mit dem Rade ungefähr eine halbe Stunde weit bis zu den rauchenden Kohlenanlagen und den aufgeschütteten Bergen von Schlacke und minderwertiger Kohle, die teilweise noch an den Abhängen brennt und raucht. Zwischen europäischen Häusern, Ziegelsabriken, schwarzen Maschinenhäusern, Eingeborenenhütten und langen Hallen zieht sich der kohlenbelegte Weg hin zu dem freien Platz im Zentrum: Bureau, ihm gegenüber die Küche. Ich stelle mein Rad in eine der Hallen, die noch unbewohnt und mir für den Religionsunterricht freigegeben ist. Es ist alles ruhig, denn die Arbeit ist noch in vollem Gange. Da, um 5 Uhr, wird das Zeichen zum Essen gegeben für jene, die in der Schicht abgelöst werden. Jetzt wird's lebendig. Hunderte von schwarzen Gestalten eilen singend und schreiend in ihre Hallen, werfen ihre Arbeitskittel ab, flugs unter die Dusche und in ein paar Minuten ziehen sie schon, sauber und in bunte Trachten gekleidet, in langen Reihen um die Küche herum. Jeder hält seine Musikinstrumente hervorgeholt, es wird leise gesungen, geplaudert und spazierengegangen, kurz man ruht aus, denn in der Nacht beginnt dre Arbeit von neuem. Diese Zeit der Ruhe bietet die einzige Möglichkeit, den Armen beizukommen und sie das Nötigste von den Wahrheiten des heiligen Glaubens zu lehren. Aber das hat seine Schwierigkeit, denn meine Zu- ll Q Kirche in Witbarik. (Links angebaut ist die Priesterwohnung; rechts sieht inan das Haus unseres protestantischen Nachbars.) Schüssel hin und bekommt aus der einen Seite eine reichlich bemessene Portion Maisbrei, auf der andern Seite Fleisch oder Fisch in einer Tunke. Dabei werden sie von einer Art Polizei, mit Peitschen bewaffnet, in Ordnung gehalten. Alles geht rasch und in großer Stille vor sich. Die großen Kessel innerhalb der Küche werden bald leer und die hungrige Mannschaft sitzt zufrieden in Gruppen beisammen und tut bent guten Koch alle Ehre an. Ist das geschehen, werden einheimische Hörer gehören drei, vier verschiedenen Stämmen an mit ganz abweichender Sprache. Doch verstehen die meisten ein wenig Zulu, die einzige Bantusprache, in der ich mich einigermaßen verständlich machen kann. Mit beiderseitigem guten Willen einigen wir uns dahin, daß sich die Teilnehmer selbst einander im Lernen unterstützen sollen. So habe ich für den Anfang doch etwa ein Dutzend Arbeiter im Katechumenat zusammengebracht, feste Burschen darunter, die es ernst nehmen mit dem Glauben, große Achtung vor dem Priester bekunden und lernen, wenn die Arbeitszeit es ihnen erlaubt. Es wird dunkel, also Zeit zum Aufbruch. Unter Sang und Klang geht dieser vor sich. Einige Insassen der Arbeiterhallen waren bei guter Laune und hatten Lust zum Lärmen bekommen. Etwa ein Dutzend einheimische Musikapparate stellen sie auf, jeder eine Art Klaviatur. Sie besteht aus drei Reihen tönender Brettchen aus rotem Holz und sind ein wenig gebogen. In der ersten Reihe sind diese Brettchen klein, 50 cm lang in der dritten. Mit Stöcken werden sie bearbeitet, also ein wahres „Orgel schlagen". Dabei sum- war am Vorabend des Festes Mariä Geburt. Wie gewöhnlich besuchte ich das Viertel der Eingeborenen. Ich habe einige Kopien der j Zeitung „Jzindaba Zabantu" bei mir, welche von den Mariannhiller Missionären herausgegeben wird. Ich will diese gute Zeitung unter die Schwarzen bringen und sie soll mir helfen, mit ihnen in Fühlung zu kommen. Ich bin noch nicht bei den ersten Hütten vorüber, da scharen sich schon viele Kinder um mich, Knaben und Mädchen. Ich unterhalte mich mit diesen lustigen Knirpsen im Weitergehen. Treuherzig antworten sie auf meine Fragen und ein jeder will mit mir sprechen. Sie balgen sich, sie springen, sie jagen sich. Die meisten von ihnen besuchen schon irgendeine der protestantischen Schulen. Unsere Unterhaltung geht wie immer recht laut her. men sie im Takt ihre Lieder. Schilde und Speere vor den Instrumenten geben dem ganzen ein wildes, einheimisches Gepräge. Während ich den Heimweg langsam bergauf puste, tönt mir noch lange dies lärmende Geklimper nach, mehr Rhythmus als Melodie und Harmonie. In meinem Gemüte aber spielt eine andere Musik, der stürmisch drängende Aufschrei: diese verwahrlosten, aber willigen Schwarzen möchten doch statt der blinden Führer bald die rechten Lenker bekommen! So nahe der Wahrheit, so dürstend nach dem Guten, so sehnsüchtig nach der Harmonie der Seele — und doch so weit! da sie laut sprechen müssen, daß ich sie mit meinen tauben Ohren verstehen kann. So weiß bald das ganze Viertel, daß der „Umfundisi" da ist, und das neugierige Geschlecht guckt bei allen Löchern heraus oder kommt auf die Straße. Die eine hat ihr Kleinstes auf dem Rücken und ich muß es etwas liebkosen; eine andere wartet schon auf die Zeitung und die dritte lacht mit vollem Gesicht über mich, schrickt dann furchtsam zurück vor meiner Ohrtrompete, kommt aber behutsam wieder, das Ding zu besehen und auch zu versuchen. Langsam kommen auch die Männer von der Arbeit heim und dann beginnt auch mit ihnen die Unterhaltung. Der eine sucht in seinen Taschen und reicht mir dann einen roten Zettel mit der Frage, ob es recht sei, daß er jedes Jahr im voraus 2 Pfund Sterling Kopfsteuer zahlen müsse. Ich muß — €in Gesuch im eingeborenem ^ n ^ viertel von ^Barberton. it 4 Von P. Karl Fischer, P. 8. C. ihn etwas beruhigen und sage: „Freund, da kann ich dir nicht helfen; du mußt eben fleißig arbeiten und nicht mehr fo viel und tief in den Bierkrug schauen, dann wirst du immer genug Geld haben und zufrieden sein." Ein anderer fällt dazwischen und fragt: „Wo wohnst du? Ich will meine Kinder zu dir in die Schule schicken." So geht es weiter durch das ganze Viertel und immer in derselben Weife. Ich fühle mich dabei ganz glücklich und vergnügt, da bringe ich immer ein gutes Wort oder eine fromme Mahnung an den Mann. Auch viele heiße Seufzer steigen dabei zum Himmel aus meiner Brust, daß wir bald eine Schule hier errichten können, um den guten Leuten das Licht des wahren Glaubens zu bringen. Daß mir dabei mein persönliches Leiden, die Schwerhörigkeit und dadurch meine Untauglichkeit, ihnen zu helfen, recht zu Herzen geht, ist gewiß menschlich. Wie gerne wäre ich bereit, alles für ihre Bekehrung zu tun! Der liebe Gott kennt jedoch meinen guten Willen und wird mich durch andere, bessere Kräfte ersetzen. Heute begegnete mir etwas Besonderes. Die Kinder hatten mit ihrem Geschrei meine Ankunft bereits angekündigt. Ich tröstete eben eine Frau wegen ihres kranken Kindes, da zog mich ein kleiner Knirps am Ärmel zur nächsten Hütte. Am Eingang erwartete mich eine junge Frau. Sie reichte mir die Hand, grüßte freundlich und hielt mir ein Geldstück von zwei Schilling entgegen. Ich meinte, sie wolle damit die Zeitung zahlen und sagte, daß ich nicht wechseln könne. Sie aber erwiderte mir darauf: „Das Geld hier ist nicht für die Zeitung, die werde ich dir immer be- zahlen, sondern für dich." — „Bist du denn eine Katholikin?" Nein, das war sie nicht. — „Also eine Protestantin?" ■— „Auch das nicht." — „Ja, was hast du denn für eine Religion?" — „Ich habe keine", antwortete sie etwas beschämt. — „Und warum gibst du mir dann das Geld?" — „Ich gebe es dir, weil du gut bist und du mich auch gut machen sollst." — „So willst du also bei mir lernen?" — „Ja, ich und mein Kind wollen zu dir in die Schule kommen und deine Religion lernen." Dabei zeigte sie mir einen Knaben, den ich tags zuvor kennengelernt hatte. Ich besuchte nämlich eine schwarze Frau, die auch katholisch werden will. Vier Meilen wohnte sie entfernt. Und auf diesem Wege folgte mir der Knabe verstohlen hin und zurück. Jedenfalls hat er dann mit seiner Mutter gesprochen und ihr auch etwas von dem Gespräch aus dem Katechismus mitgeteilt. Ich nahm nun das Opfer der Armen an unter der Bedingung, daß sie zum Katechismusunterricht komme, womit sie gern einverstanden war. Befriedigt zog sie sich in ihre Hütte zurück. Die arme Frau gab mir fast alles, was sie hatte, ihren Arbeitslohn von nahezu zwei Tagen. Ich kehrte diesmal bald nach Hause zurück, in Gedanken versunken. Wie gut ist doch der liebe Gott und wie zärtlich liebt er die Seelen, daß er sie auf alle Weise an sich zieht. Wenn ich doch die Fähigkeit hätte,. diese armen Leute selbst zu unterrichten! So muß ich denn in Geduld meine Taubheit tragen und warten, bis der liebe Gott einen andern Missionär zu ihnen schickt. 38 Stern der Neger Heft 3 T ^ £m Slick ins 'Reid) der Novizen. SN Lieber Freund! Es dürfte Dir gewiß nicht unlieb sein, einmal einen verstohlenen Blick zu werfen in das stille Heiligtum unseres Noviziates, schreibst Du ja, daß es Dir seiner Außen- ħ W Was die Außenansicht und Rundschau anbelangt, ist unser Noviziat vom Himmel ungemein begünstigt. Das Klösterlein besitzt nämlich eine wahrhaft fürstliche Lage. Wie ein reizendes Elfenschloß liegt es über wie Innenansicht nach ein noch gänzlich unerforschtes und verschlossenes Land sei; was es wohl an interessanten, vielleicht gruseligen Geheimnissen bergen möge? Nun, so will ich Dich denn heute zu einer kleinen Studienreise durch diesen jedenfalls „schwarzen Erdteil" einladen. Nur möchte ich Dir den gutgemeinten Rat mitgeben: Leg Deine allzu profanen Brillen ab und gewöhne Deine lärmliebenden Ohren für kurze Zeit an die Klosterstille. dem grünen Eisacktale und der Lärm des uralten, vielgeschäftigen Musenstädtchens Brixen erstirbt zu seinen Füßen. Die Rundsicht ist wunderbar: lachende Dörs-lein, freundliche Weiler und Weingärten ringsum; und so oft ich meinen Blick durchs Fenster hinausschweifen lasse über die feingeschwungenen Linien der Hügelreihen und Mittelgebirge, bleibt er hängen an den Alpenriesen in der Runde. Es macht beinahe den Eindruck, als schauten diese ehrwürdigen Wächter des Tales, mit ihren schneeweißen Locken auf den greisen Häuptern, wie verwundert auf die seltsame klösterliche Friedensinsel herunter: im Norden die wilde Kreuzspitze (3130 m) und der gigantische Hochseiler (3525 m), der seine Gletscherkappe bis über die Ohren herabgezogen hat; im Nordosten ragt die breitschulterige Eidechsspitze wie ein Riese unter den Zwergen so recht majestätisch hervor. Im Osten endlich postiert sich die Plose, int Westen die Königsangerspitze mit einer Höhe von 2440 Metern. Ihren schwarzen, waldreichen Rücken überragt eine weithin sichtbare Glatze, die sie jedoch vor den unverfrorenen Blicken pietätloser Hochtouristen oft genug in eine Wolkenhaube verbirgt... Wie Du siehst, hat es Gottes liebevolle Vorsehung wirklich gut mit uns gemeint; sie hat uns inmitten eines Paradieses ein Paradies geschaffen, wo die ehemaligen Weltfahrer zu tüchtigen Aszeten und Transvaalmissionären heranreifen sollen. Uns Novizen ist im Hause der oberste Teil angewiesen, der dem Burgfried eines alten Ritterschloffes aufs Haar gleicht. Diese Platzanweisung geschah sicherlich aus guten und praktischen Gründen, vielleicht auch deshalb, um den ideal veranlagten und hochstrebenden Jungen den Höhenflug zu erleichtern. So horsten wir denn nun jahrein jahraus wie junge Adler in dem romantischen Turmgebäude und blicken von da buchstäblich aus die ganze Welt hinunter, die einen Tag um den andern ihren Geschäften nachjagt. Und dieser Gegensatz: hier die andächtige Stille, dort Lärm und unruhvolle Hast, regt zum Vergleichen und Betrachten an; fast möchten sich einem da die Worte der Schrift auf die Zunge und über die Lippen drängen: „Wie lieb- lich, o Herr der Heerscharen, sind deine Wohnungen." Ein nicht weniger interessantes und reiches Bild bietet die Innenansicht unsres Noviziates mit seinen Insassen, mit seinem Leben und Treiben. Unsere Zahl beträgt derzeit alles in allem 25 Novizen, teils Studenten, teils Laienbrüder. Und obgleich diese Schar nicht gerade übermäßig groß ist, so könnte man sie doch ein kleines Babel von Mundarten nennen. So mannigfaltig und verschieden sind die Laute, die da an das Ohr des Besuchers schlagen, und ebenso bunt Nationale und Heimatschein der Novizengemeinde; fast halb Mitteleuropa ist vertreten. Hier z. B. siehst du eine Gruppe wackerer Leutchen aus dem Lande der sieben Schwaben, dort eine gute Anzahl gemütlicher Bayern, da wieder einen gefühlvollen Bruder von den Ufern des Rheins, gleich daneben ein stattliches Fähnlein wetterfester Tiroler, knorrig wie die Hochwaldfichten ihrer Heimat, treu wie das Gold der Berge. Auch Österreich und Slowenien haben einen ziemlichen Prozentsatz gestellt. Unser Noviziat hat also, wie Du siehst, einen ganz internationalen Anstrich. Aber trotz aller Verschiedenheiten in bezug auf Sitten und Charakter harmonieren die einzelnen Völkerschaften ausgezeichnet miteinander. Immer noch stand unser Wappenspruch in Kraft und Ehren: „Einer für alle, alle für einen". Und was noch das beste ist: bei uns herrscht wirklich Gleichheit und Brüderlichkeit. Doch weiter! Das Noviziat hat, wie Du als Wissenschaftler bei flüchtigem Vergleich sofort zugeben wirst, große Ähnlichkeit mit dem Puppenstadium gewisser Hautflügler aus dem Jnsektenreiche. Es ist eine Zeit ähnlich jener, wo sich das Insekt in einen stillen Winkel von der übrigen Welt absondert und aus einer Raupe zu einem feinen Luftfegler entwickelt. Die Verwandlung ist hier wie dort um so interessanter, je grundverschiedener Lebensgewohnheiten und Aussehen des Individuums vorher waren. Ich denke mir darum oft: welch köstlicher Anblick müßte es doch für die Bekannten unserer Novizen sein, zu sehen, wie z. B. der ehemalige „Seebär" das Matrosenhandwerk an den Nagel gehängt hat und eine „Landratte" geworden ist, um schließlich in den Bergen ein Kloster aufzusuchen. Andere wieder würden kaum ihren Augen trauen, sähen sie den statten Offizier und galanten Weltmann statt der Uniform das Ordensgewand, statt des Degens das Zingulum tragen. Wie mancher Herr Professor endlich würde in heller Verwunderung die Hände zusammenschlagen, könnte er das nie gesehene Schauspiel genießen, wie sein wilder Taugenichts von einst nun im Schatten seiner schwarzen Kutte gar sittsam und bescheiden einherschreitet . .. Und wenn Du mich nach den geheimen Kräften fragst, die solche Verwandlungswunder an der Raupe, wollte sagen an dem Weltkinde wirken, so führe ich Dich schweigend in die Kapelle, dann an das Studierpult, auf dem drei Bücher liegen: das erste mit der Aufschrift „Rodriguez, Leitfaden der christlichen Vollkommenheit", das zweite „Leben der Heiligen" und das dritte ein schmächtiges, aber bedeutsames Bändchen, das „Regelbüchlein". In der Kapelle suchen wir in alltäglicher Betrachtung und Gebetsarbeit das Ideal aller Apostel, Christus, den göttlichen Missionär, zu kopieren, ihm eine Tugend um die andere abzulauschen, ihm die täglich nötige Gnade abzuringen. „Rodriguez" ist das theoretische Lehrbuch der Wissenschaft der Heiligen. Das „Heiligenleben" ist gleichsam das Gegenstück dazu, ein außerordentlich praktischer und lehrreicher Anschauungsunterricht über dasselbe Wissensgebiet, gegeben von den edelsten der Menschheit. Das Regelbüchlein endlich erzieht uns so recht eigentlich zu „Missionären Söhnen des heiligsten Herzens Jesu". — Daneben gibt es auch noch verschiedene Heiltränklein, Kraftmittel und Seelenkuren, die ich Dir wegen Raummangel nicht näfier beschreiben kann. WennDuDich aber dafür interessierst, so wird es das beste sein, wenn Du selber hieher kommst, um an Ort und Stelle Deine Studien zu machen. Jedenfalls ist sicher, daß die allmächtige Gnade Gottes hier in der Stille des Noviziates gewaltiger arbeitet als sonst irgendwo. Darum ist gerade das Noviziat die große geistige Werkstätte, aus welcher das „alte Geschütz" umgegossen und umgeschmiedet mit neuer Leistungsfähigkeit an die Missionsfront abgeht. — Du kannst aber auch leicht ermessen, daß trotz alledem ein tüchtiges Stück Arbeit dem Pater Novizenmeister zufällt. Stelle Dir vor: 25 Glücksritter mit allen möglichen Tugenden und Untugenden frisch aus der Welt hereingeschneit, alle diese sollen ganze Novizen und Ordensleute werden. Da braucht's wahrhaftig mehr als ein Lot Geduld und viele Mühe, all „die wilden jungen Bären bildend zu belecken". Nun noch aus unserm alltäglichen Leben und Treiben einige Momentaufnahmen. ■ Unser Tagewerk wickelt sich im Rahmen eines abwechslungsreichen Stundenplans mit der größten Regelmäßigkeit ab. Die geistlichen Übungen, die in reicher Fülle vorgesehen sind, bilden den Kernpunkt, um den sich alles übrige gruppiert. Getreu dem uralten und bewahrten Grundsatz: „ora et labora“ („bete und, arbeite"), pflegen wir Studium und Handarbeit. Die Studenten tummeln ihren wissensdurstigen Geist auf dem Felde der Wissenschaft. Sie widmen sich vor allem dem Studium jener und Mechaniker, Schuster, Schneider usw. unter letzteren sogar einer, der jneben dem Schneiderbock auch den Pegasus zu reiten versteht. Zu Zeiten, zumal im Sommer, wird die Feldarbeit sehr dringend. Dann klopft St. Isidor auch an die Türe der Afrikanische Hüttenkirche. Sprachen, deren Kenntnis ihnen in der Mission vonnöten ist. Daneben müssen sie sich auch noch mit Latein, Griechisch usw. befassen, damit sie nicht alles vergessen, was sie aus dem Gymnasium herübergerettet haben. Die Laienbrüdernovizen dienen der Handarbeit. In ihren Reihen finden sich Gärtner, Ökonome, Köche und Bäcker, Tischler, Schmiede, Elektrotechniker Studentennovizen und erzählt ihnen von den duftenden Heuzeilen, die schon längst des Rechens und der Gabel harren, oder von Kartoffeläckern und Zwiebelgärten, wo zahllose Unkräuter in üppiger Menge ihr Unwesen treiben. Und so geht es denn mit Rechen und Schürze hinaus ins Heu oder auf den Acker, in „die Schützengräben", wie der Fachausdruck für Un- krautjäten lautet. Aus all dem kannst Du klar ersehen, daß wir über dem Idealen keineswegs den Sinn fürs Praktische verloren haben. Noch von einem andern Gewerbszweig will ich Dir berichten, der in unserem Noviziat in hoher Blüte steht. Es ist Dir gewiß aus verschiedenen Zeitschriften bekannt, daß in den Heidenmissionen Rosenkränze heißbegehrte Andachtsgegenstände, oft auch überdies Schmuckartikel sind. Deshalb ist die Nachfrage nach solchen seitens der Neubekehrten und Katechumenen von jeher eine äußerst rege. Außerdem sind in einem Ordenshause, wo vom Rosenkränze ein so ausgiebiger Gebrauch gemacht wird, fortwährend eine Menge Reparaturen notwendig. Uns Novizen nun obliegt das ehrenvolle Amt, beiden Bedürfnissen abzuhelfen: verstümmelte Rosenkränze zu kurieren, alte zu renovieren und neue zu fabrizieren je nach Maßgabe der einlaufenden Bestellungen. Was anderwärts in Fabriken Dampf oder Elektrizität leistet, das vollbringt hier mit stinken Händen der Feuereifer der angehenden Ordensleute mtb. Missionäre. Es ist ein ergötzliches Schauspiel für Engel und Menschen, zu sehen, wie da so ein Novizlein, das vor kurzem noch ein Wildfang voll Feuer und Quecksilber, ohne irgendwelche Spur von Seßhaftigkeit gewesen, nunmehr über seine Drahtrolle gebeugt, emsig an seinen Korallenkettchen nestelt. Nur hie und da verrät ein schelmischer Blick auf sein Gegenüber oder ein zum Fenster hinausgesandter Stoßseufzer, daß es ihm nicht leicht wird, all die unruhigen Geister zu bändigen, die in seinem Kopf und in seinen Beinen hausen. Ganze Kästen voll Rosenkränze der verschiedensten Größen und Farben, fein sortiert nach Qualität und Alter, bilden das Ergebnis vieler fröhlicher Arbeitsstunden. Wohl schon seit den Tagen der Altväter dürfte eine gewisse häusliche Arbeit unter die Standespslichten des Novizen gerechnet worden sein, nämlich das Kehren. Auch bei uns nimmt es eine hervorragende Stellung ein. Da wir weder Kammerdiener noch Stubenfee noch sonst dienstbare Geister im Hause haben, so vollziehen wir dieses ebenso notwendige wie verdienstliche Geschäft in höchsteigener Person und zwar jeden zweiten Tag. Mit dem Glockenschlag beginnt die Arbeit. Eine Stunde lang herrscht in den Zimmern und auf den Gängen ein ungemein anregendes und vielgeschäftiges Treiben! Ist das ein Kehren und Putzen, Rücken und Stellen, Spülen und Wischen! Jeder Eindringling liefe Gefahr, auf der Stelle und ohne viel Federlesens zur Türe hinausgefegt zu werden oder wenigstens eine ordentliche Prise patentierten Sägemehls abzubekommen. Es ist wirklich allerliebst zuzusehen, welch staunenswerte Gewandtheit in Handhabung von Besen und Wischlappen die jungen Ordensleute entwickeln; manch eine Hausfrau könnte sie darum beneiden! Eine Stunde später ist wieder Ruhe über Gängen und Treppen, als ob nichts gewesen wäre. Nur die blanken Dielen und die struppigen Kehrbesen, die in der stillen Ecke unter der Dachstiege ein beschauliches Dasein führen, lassen auf die Arbeit fleißiger Hände schließen. Den Namen des sonderbaren Heinzelvolkes aber meldet jedem, der es wissen will, eine kurze Inschrift, welche die dankbaren Besen auf ihrem abgenutzten Rücken tragen. Heft 3 Stern der Neger 43 ★★ t: Afrikanisch. Von Hochw. P. Joses 3t ng er er, F. S. C. ★ ★ : Jj komme ich in mein Heim. Ich trete durch die Tür ein — in die Sakristei. Ja, die Sakristei ist zugleich auch mein Zimmer; nur eine schwache Wand trennt Christi und meine sonderbare Wohnung. Aber mein Zimmer ist noch mehr, ist zugleich auch Hausflur, Zugang zur Pfarrwohnung, die freilich auch nur aus einem einzigen Zimmerchen besteht. Natürlich ist meine Wohnung oder die Sakristei als Hausflur allen Besuchern zugänglich. Es stehen betritt der Schrank mit den Kirchengeräten, mein Bett und der gemeinsame Speisetisch. Der Ankleide-tisch ist zugleich auch mein Arbeitstisch. In diesem Raume werden Besuche empfangen, da wird für den Gottesdienst hergerichtet, auch ist er eine Art öffentliche Gemeindestube und dann soll er meine Studierbude sein! Kommen Mitbrüder auf Besuch — der Zug bringt sie gewöhnlich nachts —, so muß alles auf die Beine, ein Lager herzurichten. Der hochwürdigste Apostolische Präfekt hat sich neulich selbst sein Lager bereitet, — eine Matratze aus den Boden gebreitet und sich daraufgelegt, in einen Mantel und eine Decke gehüllt. Nun auch noch etwas von unserm Hausdiener (Boy). Da die wenigen Brüder aus der Farm in Lydenburg unentbehrlich sind, so müssen wir neben unseren drängenden Arbeiten auch noch die nötigen häuslichen Verrichtungen selbst besorgen, müssen waschen und putzen, da und dort ausbessern, Kirche und Garten besorgen, die Post zur weit entfernten Station tragen (da es hier keine Briefkästen gibt), wenn wir nicht einen Hausdiener bekommen können. Gegenwärtig haben wir einen Boy, der gut arbeitet, ohne daß man ständig hinter ihm her sein muß, eine Ausnahme von der Regel unter den Eingeborenen. Ja, man muß ihm eher auf die Finger schauen, daß er nicht gar zu viel tun will, denn er weiß, daß er etwas versteht, und glaubt, auch in Privatsachen sich einmischen zu können, mehr als uns lieb ist: Übereifer! Durch sein herrisches, rücksichtsloses Wesen hat er selbst den Schwestern Furcht eingejagt, so daß sie ihn scheuen wie den Leibhaftigen. Gegen seinen Herrn ist er untertänig, fast kriechend, anderen gegenüber grob und selbstbewußt. In seiner äußeren Erscheinung kann er als Bild der anderen Burschen dienen. Im Hause dürftig und schmutzig, mit Kniehose und kurzem, zerrissenem Hemd bekleidet, auf dem Kopf eine Wollhaube mit mächtigen, baumelnden Quasten, barfuß bis zum Knie. Anders beim Ausgang in die Stadt, da wird der Mensch gewechselt. Auf dem Haupte thront selbstbewußt, elegant und schief ein Filzhut, die schwarze Haut bedeckt ein weißes Hemd, die kürze Hose ist eingetauscht gegen eine lange, glänzende; die Füße stecken in einem Paar feingewesener, zerrissener Halbschuhe, in denen er daherwackelt, weil ungewohnt, wie weiland David in der Goliathrüstung. Elegant zwischen den Fingern geschwungen brennt eine Zigarette, der Rauch natürlich wird nobel durch die Nase geblasen Sein Arbeits- und Schlafraum ist ein Blechverschlag, in den der kalte Wind von allen Seiten gruselig hineinpfeift und der Regen unbarmherzig eindringt. Doch hat er sich zu guten Decken erschwungen, die ihn schützen gegen die Kälte. Manchmal wurde er wohl auch mir gegenüber brummig, weil er sich gestört sah im alleinigen Besitze seiner Herrenwohnung ; denn am Abend kommen einige wißbegierige Hausburschen und Küchenjungen aus der Stadt, um bei mir Lesen und Schreiben zu lernen, was ich sie in der Absicht lehre, um ihnen den wichtigeren Katechismus beizubringen, den sie auch gut auffassen. Nun haben wir aber noch kein anderes Lokal als Schulraum gefunden wie diese Dienerwohnung. Da wird ein Brett über Waschtisch und einen ausrangierten, alten Ofen gelegt, ein Behelf für die fehlenden Schulbänke. Das ist afrikanisch; an allen Ecken und Enden hemmt uns die Not, der Mangel an den erforderlichen Mitteln. Wenn man von unserm Kirchlein aus hinüberschaut über die Stadt und über die weite Ebene, sieht man auf allen Seiten hohe Rauchwolken aufsteigen, jede ein Wahrzeichen, daß dort ungezählte Seelen auf das Heil warten. Und der Blick dieser Armen geht hinüber, weit hinüber übers Meer ins Land der Weißen, wo Hilfe sich vorbereitet für ein so aussichtsreiches Missionsfeld, wie es • das unsrige ist. Cs Uu Verkehrsmittel in 'CronsvaaL \\ 0\ S Von Hochw. P. Jpfelkofer, F. 8. C. 0% jj 1 ie der Titel besagt, möchte ich im nachstehenden eine Übersicht geben über die Verkehrsmittel in Transvaal und zugleich zeigen, wie ich mit den einzelnen Bekanntschaft machte. Wir haben in unserer Präfektur 1200 bis 1500 Katholiken, die eben dort leben, wo sie ihr Brot finden können. Sollen sie ihrer Christenpflicht nachkommen, die heiligen Sakramente empfangen, so muß der Priester sie aufsuchen und ihnen Gelegenheit dazu geben. Es war am Mittwoch in der Karwoche. Ich saß im Priesterhaus zu Lydenburg, als die Tür aufging und der hochwürdigste Herr Präfekt hereintrat. Es war noch im ersten Jahre unseres Hierseins und er bedurfte der Ruhe nach anstrengenden Erkundigungsreisen. In Europa liebt man es, an Festtagen viele Geistliche im Ort zu haben. Hier müssen die Patres mit Rück- sicht auf die ausgedehnte Diaspora gerade an Festtagen sich soviel als möglich über das Land verteilen, um auch entfernt wohnenden Katholiken eine richtige Festtagsfeier und -freude zu ermöglichen. Rede und Gegenrede über diese Erwägung hat das Ergebnis, daß ich auf drei Wochen auf die Wanderschaft gehe, um verschiedene Orte zu besuchen. Der erste Ort ist Pilgrims-Rest, etwa 60 Kilometer von Lydenburg entfernt, mit der Bahn aber müßte ich einen Umweg von 350 Kilometer machen. Aus dem Schwesternkloster erhalte ich Meßwein und Hostien, und eine der Zöglinge benachrichtigt telephonisch ihre Eltern, daß der Priester zu Ostern kommt. Mittags bin ich reisefertig. 1. Jnr Automobil. Da hat die Ehrwürdige Oberin ausfindig gemacht, daß der Straßenbaumeister von Lydenburg am nächsten Tag nach Pilgrims-Rest fährt, und ihn gebeten, mich mitzunehmen. Der freundliche Ire ist dazu bereit und fo wird die Reise kürzer, angenehmer und billiger. Am Gründonnerstagmorgen hält das Auto vor der Haustür. Ich nehme neben dort zum Braunhügel (benannt nach einem Herrn Braun, der hier seine Farm hatte). Am Fuße des Hügels wird haltgemacht. Der Zähler zeigt 41 Kilometer seit Lyden-bürg. Die Maschine wird nachgesehen, Öl und Wasser nachgegossen, denn nun heißt es, 300 Meter in 30 Prozent Steigung dem Straßenbaumeister Platz. Die übrigen Reisegefährten sind seine Frau und ein Freund aus Pilgrims-Rest. Die Sonne beleuchtet gerade die Spitzen der westlichen Berge, als wir in den kalten Herbstmorgen hineinfahren. Im Ru geht es bergab. Über das n Vsrrasrs nsoll" („Verräterjoch", weil hier im letzten Kriege Buren verraten wurden) gelangen wir nach Rustplaats und von zu erklimmen, um auf die Seehöhe von 2000 Meter zu kommen. Die niedrigste Übersetzung greift ein und das Auto keucht den steilen, vielfach gewundenenWeg hinan. Droben geht es wieder hurtig voran und dann steil bergab. Straßenarbeiter werden herbeigerufen, sie sollen das Auto zurückhalten. Nach kurzer Fahrt sind wir am gefürchteten „Pilgrimshügel". Er ist der niedrigste und am meisten vorgeschobene der Berge, die hier jäh in das vom Fluß Blyde gebildete Tal abfallen. Wo immer das Auge hinblickt, sieht es teils steile Abhänge, an denen die Pfade der Goldsucher sich auf- und abschlängeln, teils nackte Felswände, die, vom Wasser ausgefressen, grinsend zu Tale weisen und in ihrer Tiefe dichtes Gebüsch umschließen. Von der Kuppe des Pilgrimshügels windet sich die 11ji Kilometer lange, in den Felsen gehauene Straße um den Hügel herum, hinunter in das 400 Meter tiefer gelegene Tal. Eine kleine Abweichung vom Wege, eine kleine Unaufmerksamkeit in derLenkung des Fahrzeuges, ein Versagen der Maschine kann tödliche Folgen haben. Weiß man dann noch, daß auch dieser Berg von den Goldsuchern ganz unterwühlt ist, so wird man begreifen, daß ein geistlicher Freund mir gestand: Beim erstmaligenHerabfahren über diesen Hügel habe er die Augen geschlossen und Reue und Leid erweckt. Die Häuser der nächsten Ansiedler bilden eine Ortschaft, die im Munde der Leute „Tintown" (Zinkstadt) heißt, da alle Häuser aus Zinkblech gebaut und innen mit Holz verkleidet sind. Einige dieser Häuser befinden sich links der Straße, in der Nähe des Baches, der beträchtliche Spuren der Goldwäscherei in früheren Jahrhunderten aufweist, während die meisten Häuser rechts den Berg hinangebaut sind. Hoch oben, nahe den Bergspitzen, sind Ortschaften anderer Gattung: Reihen von runden, aus Erde gebauten Hütten („Rondavel" genannt) bilden die Behausung der Eingeborenen, die, etwa 2000 an Zahl, zum Großteil in den Minen beschäftigt sind. Das Automobil bringt mich zum Quartier, das bei den Eltern des Lydenburger Zöglings für mich bereit ist. Ein herzliches „Vergelt's Gott" ist die einzige Zahlung, die der Straßenbaumeister für die angenehme Fahrt entgegennimmt. Zur Unterhaltung und Erbauung. Der sel. Ignatius von WMm Jahre 1569 kam Ignatius von Azevedo als Visitator aus Bra-WlMs&s silien zurück und begehrte Hilfskräfte für jene aussichtsreiche Neugründung. Weitherzig gestattete ihm Pater General Franz Borgias, in Portugal und Spanien Freiwillige für die brasilianische Mission zu werben. Der Appell fand freudigen Widerhall, das ging wie ein Lauffeuer durch die Pyrenäenhalbinsel. Man konnte nicht all die heißen Wünsche be- Azevedo (gest. 1570).*) friedigen; es war schon viel, daß 69 für die Mission bestimmt wurden, hauptsächlich jüngere Kräfte. Diese Frohbotschaft rief bei vielen lauten Jubel hervor, so daß man sie zur Mäßigung mahnen mußte. Die Freude war mehr berechtigt, als die meisten ahnten. Denn nicht das verlockende Land ihrer Sehnsucht sollten sie erreichen, sondern mit der Märtyrerpalme in der Hand sollte die Mehrzahl von ihnen bald zum Himmel emporschweben. *) Entnommen dem ausgezeichneten Werke: „Die Heiligkeit der Gesellschaft Jesu", zweiter Band: „In der Mission", erschienen im Verlag Benziger & Co., Einsiedeln (Schweiz). Der Obere versammelte seine Schar zu Val de Rosal bei Lissabon, um die Zeit bis zu einer günstigen Fahrgelegenheit für die Ausbildung der Missionäre zu benutzen. Durch aszetische Vorträge suchte er sie auf die Strapazen der Reise und das Missionsland vorzubereiten und für ihre hohe Aufgabe zu begeistern. Darin war Ignatius von Azevedo Meister. Als Erstgeborener einer hohen Adelsfamilie hatte er nur mit Mühe von seinem Vater die Erlaubnis zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu erhalten können. Bald gab er den Beweis, wie befähigt er für den Beruf war. Schon mit 26 Jahren wurde er Rektor des Kollegs von Lissabon und bald auch Vizeprovinzial. Aber sein Sehnen ging immer nach den Missionen. Nach der zweiten Generalkongregation sandte ihn P. Borgias deshalb als Visitator nach Brasilien. Alles Feuer, das in ihm für seinen Beruf glühte und für seine Heidenmissionen, suchte er nun seiner auserwählten Schar in Val de Rosal mitzuteilen. Zugleich übte er sie auch in allen mechanischen Arbeiten, die ein Missionär, der den Wilden in Brasiliens Urwäldern auch die Segnungen der Kultur bringen will, verstehen muß. Nach fünf Monaten konnte man endlich in die See stechen. Ignatius von Azevedo befand sich mit 39 Gefährten auf der „St. Jakob", die übrigen 30 hatten auf dem Geschwader Vasconcellos, des neuen Statthalters von Brasilien, Platz gefunden. Bis Madeira verlief die Fahrt ohne Unfall; hier trennten sich die Schiffe. Die „St. Jakob" fuhr zunächst allein weiter. Bei Palma, einer der Kanarischen Inseln, kam sie in Sicht eines hugenottischen Seeräubers, ©curie, der von La Rochelle aus das Meer unsicher machte. Es kam am 15. Juli 1570 zu einem regelrechten Kampfe, in dem die „Sankt Jakob", die kaum bewaffnet war, bald unterlag. Während des Gefechtes hatte Azevedo ein Muttergottesbild, eine von Borgias ihm geschenkte Kopie des Gemäldes in Maria Maggiore, mit der Hand emporhaltend, alle zum Vertrauen und zur Reue über ihre Sünden ermahnt. Der sel. Jakob Andrada gab dann die Generalabsolution. Unerschrocken nahmen sich die Missionäre der Verwundeten und Sterbenden an. Der Pirat jubelte, als er entdeckte, wie viele Jesuiten sich an Bord des eroberten Schiffes befanden. Er hatte Befehl gegeben, bloß diejenigen von der Mannschaft zu töten, die im Kampfe besonders hartnäckig gewesen waren; „aber die Jesuiten", so schrie er knirschend vor Wut, „bringt alle um, diese abscheulichen Papisten, die nur deshalb nach Brasilien gehen, um dort das Reich des Antichristen aufzurichten." Die Soldaten stürzten sich sofort auf Pater von Azevedo, ein Säbelhieb brachte ihm eine schwere Kopfwunde bei und Lanzen durchbohrten seinen Leib. Mit Aufbietung seiner letzten Kräfte rief der Selige den ©einigen zu: „Freuet euch, meine lieben Kinder, freuet euch mit mir über das, was mein ganzes Glück ausmacht. Hoffet eine ähnliche Gnade, ich eile euch nur einige Augenblicke voran; heute noch, so erwarte ich von der göttlichen Gnade, werden wir beisammen im Himmel sein." Selbst seine Mörder waren ob dieser Sprache einen Augenblick stumm. Dann suchten sie ihm das Madonnenbild, das er in der Hand hielt, zu entreißen. Doch umsonst. Nun warfen sie den noch Lebenden in die Flut. Auch jetzt noch soll die Hand des Märtyrers das Marienbild umklammert und aus den Wogen emporgehalten haben, gleichsam seine Gefährten zu ermutigen. Auf dem Schiff entstand jetzt ein entsetzliches Blutbad. Die Jesuiten, die wie ihr Oberer frohlockten, wurden teils an Bord erstochen, teils lebend ins - Meer geworfen. Zwei, der fel. Gregor Escri-vano und der fel. Alvarus Mendez, lagen krank zu Bett. Als sie von dem Martyrium ihrer Mitbrüder hörten, standen sie schnell auf, zogen ihr Ordenskleid an und empfingen freudig den Todesstreich für Christus. Den fel. Simon Acosta, einen bildschönen Jüngling von 18 Jahren, wollte man durch Liebkosungen gewinnen. Aber der Novize antwortete entschieden: „Ich bin Katholik und ein Mitglied der Gesellschaft Jesu." Das war sein letztes Wort. Auf einen Wink des Anführers packten die Soldaten Acosta, erwürgten ihn und schleuderten ihn in die See. Eine merkwürdige Ähnlichkeit sollte dieser Heldenkampf mit dem Martyrium der 40 Märtyrer von Sebaste in Armenien haben. Man wäre versucht, es für eine legendarische Nachbildung zu halten, wenn die Sache nicht allzu gut beglaubigt wäre. Es ist bekannt, daß zu Sebaste einer von den 40 Märtyrern abfiel, aber einer der wachehaltenden Soldaten bekannte sich dann als Christ und starb als der 40. Märtyrer. Von den Gefährten des fel. Ignatius von Aze-vedo hat man einen trotz seiner Standhaftigkeit verschont, den Koch; denn die Seeräuber, die offenbar auf ein gut zubereitetes Mahl ein großes Gewicht legten, glaubten, daß dieser Bruder ihnen vortreffliche Dienste leisten könnte. Es befand sich aber auf dem Schiffe ein Jüngling, Johannin de Juan, ein Neffe des Kapitäns, der sehnlichst verlangte, in die Gesellschaft Jesu einzutreten und von Pater von Azevedo auch bereits die Aufnahme erhalten hatte. Der eifrige Kandidat mischte sich von selbst unter die Schlachtopfer, aber da er Weltkleider trug, hieß man ihn weggehen. Nun gebrauchte er eine List, er zog schnell das blutgetränkte Ordenskleid eines bereits getöteten Jesuiten an und erhielt so die 40. Märtyrerkrone. Nun lagen sie alle draußen in der Flut, 40 ruhmgekrönte Märtyrer. Einige lebten noch, man hörte sie nur noch den Namen Jesus und Maria rufen. Aber bald verstummten auch sie und die Flut verschlang einen nach dem andern. Aber zur selben Zeit sah zu Avila eine gottbegnadete Jungfrau, die hl. Theresia von Jesu, wie 40 Märtyrerseelen triumphierend sich zum Himmel emporschwangen. Noch ehe man in Spanien etwas von dem Ereignis wußte, meldete sie die näheren Umstände des Heldentodes jener glor-. reichen Schar, unter der sich ein Verwandter von ihr befand, der selige Franz Perez Godoy. Als P. General Borgias die Nachricht von dem beneidenswerten Tode seiner Söhne erhielt, verordnete er, daß die üblichen Totenmessen nicht zu lesen seien. Papst Pius V. ward von heiliger Freude erfüllt, als er vernahm, daß unter seinem Pontifikate Gott die Palme der Märtyrer so zahlreich aufblühen lasse. Eigentümer, Herausgeber und Berleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronstetner, Missionsbruder in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. - Universttäts-Buchdruckerei Styria" in Graz.