Zlr. 7R »84«. Alterthümer im Nömerbade Tüffer in Steyermark. ^^ (Aus der „Wiener Zeitung.") <^as Römerbad zu Töplitz nächst Tüffer, in neue. ster Zeit durch die Freigebigkeit seines Inhabers, Hrn. Groß.-Händlers Uhli ch in Triest, nach dem wahren Werthe seiner Wunderquellen gehoben, dürfte bald einen höheren Rang unrer den ösierr. Badeorten einnehmen. Wir wiesen in einem früheren Artikel auf die Zutageförderung von Anrika-lien, zu welcher die Erweiterungsbauten dieser Thermen Veranlassung gaben. Während nun in diesem Frühlinge das nachbarliche Gebirge Senosek die Botaniker Präfecr Dorf-mann, Badearzt Henn :c., durch das reiche Vorkommen des Kamme,,!»» Uwra überraschte, erfreute die Freunde heimischer Alterthumskunde mehr als ein Fund, der von der einstigen Wichtigkeit dieser Thermen unter den Römern zeugt. Der Herr Inhaber nämlich vermehrte in diesem Jahre die Hausräume bis auf 100 Wohnzimmer, und begann den Ban einer neuen Straße zur Brücke, welche den über der Sann entstehenden Stationshof der Südbahn mit dem Ro-merbade in Verbindung bringt. Bei dieser Gelegenheit stieß man überall auf römische Ziegel, lange Wasserleitungsröhren aus gebranntem Thon, zum Theile durch den Niederschlag des Badeschlammes verengt und verstopft, und fand ein Oelkrüglein, ein Maß, Fibeln und vor Allem eine sehr nette römische Glocke, aus reiner Bronce von viereckiger Form. Als nach dem Beschlusse des Inhabers der Grund zu einem neuen Damenbadhause am Fuße des Fürstenstöckels gegraben wurde, stieß man auf die Reste eines römischen Badebassins aus Terrazza von solcher Festigkeit, daß die Fortsetzung des Baues nur durch theilweise Sprengung möglich gewesen wäre. Eine Sammlung und Aufstellung aller an Ort und Stelle gefundenen Antiken bürgt für die Erhaltung und Wu-.-d.gung dessen, was der Boden vom Erbe römischer Vorfahren den deutschen Enkeln bewahrt. Dr. Nudolph Puff. Jakob der Fuhrmann. Novelle von Leonh^ Schreiner. (Schluß.) „Ihr fragt mich, Herr Nichter, warum ich das Hei-l.gchum entweihet, und Ihr habt Recht, denn der Mensch ist kein unvernünftig Thier, sondern mit Verstand und Vernunft begabt. Das Thier wird von seinem Naturtrieb gereizt, dieß zu thun und jenes zu unterlassen; der Mensch aber, dem Gott Vernunft gegeben, gibt sich erst Rechenschaft, und thut dieß, weil es vernünftig ist, und unterläßt jenes, weil es unvernünftig »st, so muß er mit Recht bestraft werden; denn er hat. die heilige Vernunft mißachtet, die ihm Gott gegeben. Nun hat Euch, Ihr Christen, der Herr Verstand und Vernunft gegeben. Ihr beherrscht fast die ganze Welt, und wir, die armen Juden, sind gegen Euch nur einige winzige Sandkörnlein am Meeresufer. Euch ist die Macht gegeben worden, aber Ihr gebraucht sie nicht, den Schwachen zu beschirmen, sondern zu erdrücken und mir Füßen zu treten. Warum? — Wenn ein Pferd oder ein Stier ausschlägt, werden sie bestraft; man legt dem einen Kappzaum an und bindet diesen mit guten Stricken fest, damit er nicht seine Stärke mißbrauche. Und doch ist das Pferd, so wie der Stier, unvernünftig und kann nicht Rechenschaft ablegen für sein Thun; aber »renn die Menschen im Uebermuthe freche Gewaltthat üben, so denkt Niemand-weder an Kappzaum noch Strick und sie haben das Recht, weil sie die Gewalt haben. Ja! — dieß ist das Elend auf dieser Welt, daß das Recht fast immer auf der Seite der Gewaltigen, die Gewalt aber selten auf der Seite der Rechtlichen ist. Wie geschähe auch sonst so viel Unrecht und Gewaltthat! Auf dem Dache dieses Hauses steht die Gerechtigkeit mit verbundenen Augen; das will sagen, daß hier kein Unterschied sey zwischen Reich und Arm, zwischen Herr und Knecht. Aber ist das auch wahr? Wenn ein Jude wuchert, so straft Ihr ihn, nicht weil er ein Wucherer, sondern weil er ein Jude ist, und wenn ein Jude stiehlt, so straft Ihr ihn, nicht weil er ein Dieb, sondern weil er ein Jude ist. Und ein Geschrei erhebt sich: »Ein Jude hat betrogen! Ein Jude hat gewuchert! Ein Jude har gestohlen!« Werden aber solche Verbrechen von einem Christen begangen, so wird Niemand ausrufen: »Ein Christ hat betrogen! Ein Christ har gewuchert! Ein Christ hat gestohlen!« sondern Ihr ruft: »Er ist ein Betrieger! Ein Wucherer! Ein Dieb!« Warum? — Weil Ihr glaubt, daß ein wahrer Christ weder betriegen, noch wuchern, noch stehlen kann, unt> das; solche Verbrechen nur ein Jude zu begehen vermag. 282 Wenn Ihr min uns Illden das ganze Jahr verfolgt und uns für eitel Schufte und Schurken haltet, ist das Liebe? Und wenn Ihr unsere Synagoge verhöhnt, ist da.s Duldung? Und »venn Ihr uns Nachts auf der Straße auflauert, wie wilden Bestien und uns schwache, wehrlose Menschen mordet, ist das Barmherzigkeit? Wird ein todtes Kind gefunden, so verbreitet sich gleich das Gerücht, die Juden hätten es gemordet, um das Blut für das Passahfest zu gebrauchen. Habt Ihr Beweise, dasi »vir Juden, die wir uns so sehr vor Blut fürchten, das Blut unschuldiger Kinder abzapfen, um unsern Gott zu versöhnen? — Ihr habt keine Beweise. Und doch macht es Euch gar keine Gewissensbisse, ein ganzes Volk für nichtswürdige Mörder zu halten. Ist das etwa gar Barmherzigkeit? — Seht, so handelt Ihr gegen uns Juden, und so ist Eure gerühmte Liebe nur bitterer Haß, Eure gepriesene Duldung bösartige Verfolgung und Eure unendliche Barmherzigkeit empfindliche Unbarmhcrzigkeit. Nun wißt Ihr aber, daß Gottes Schöpfung so wunderbar eingerichtet, daß jedem Geschöpf eine Waffe zur Vertheidigung gegeben. Hat die wilde Bestie unbesiegbare Kraft des Leibes, so hat der Mensch außerordentliche Kraft des Geistes. Die Natter hat ihr Gift, der Stier seine Hörner, der Löwe seine Tatzen. Wenn Ihr die Natter tretet und sie Euch in die Ferse beißt, fragt Ihr, warum? Wenn Ihr den Stier peinigt und er stößt, fragt Ihr, warum? Wenn der gereizte Löwe Euch zerreißt, fragt Ihr, warum? Ihr aber tretet und peinigt und reizt uns, und wenn wir nun stechen, stoßen und reißen, so fragt Ihr warum? Ist es nicht ganz natürlich, wenn wir uns wehren? Ihr habt Euer Heiligthum entweiht gefunden, und um den Schimpf zu rächen, seyd Ihr gleich über die Juden hergefallen, habt unsere Greise gemordet, unsere Weiber und Töchter gepeinigt, und seyd mit unsern Kindern erbarmungslos verfahren. Wer aber hat Euch gesagt, daß ein Jude diesen Frevel begangen? Konnte nicht der Bösewicht auch ein Christ seyn, der in unbegreiflichem Wahnsinn die verruchte That verübte? Seyd Ihr so durchaus fromm, so durchaus gut, daß nicht ein Unreiner, ein Gottloser, ein Böser unter Euch sich. befindet? Und wenn Ihr auch überzeugt wäret, daß ein Jude diese Schandthat vollbracht, warum mordet Ihr alle ohne Unterschied; die Schuldlosen mit Schuldigen, warum? Ist das Liebe, ist das Duldung, ist das Barmherzigkeit? Aber ich stehe jetzt hier und bekenne, daß ich den Frevel begangen. Fragt mich nicht, warum, sondern bestraft mich allein, den heillosen Frevler, und nicht die Unschuldigen. Denn, bei Gott im Himmel, wenn ich diese gottlose That nicht gethan, die andern Juden haben sie gewiß nicht verübt! Beim gerechten Gott, vor dem ich bald, mein Thun verantworten werde, die Juden sind schuldlos,, und wehe Euch, wehe Euerer Gerechtigkeit, wenn Ihr ferner ihnen nur ein Haar auf ihrem Haupte krümmt!" Mit diesen Worten sank er erschöpft auf die Bank. Des Verbrechers Worte machten einen sonderbaren Eindruck. Man war auf eine Vertheidigung und aufrichtige Entdeckung gefaßt, lind nun vernahm man eigentlich nur einen Angriff und aus einem Munde, von dem Niemand solches zu hören erwartet hatre. Der Greis sprach mit der ganzen Bitterkeit eines stolzen, durch Gewalt unterdrückten Herzens, und Fatt also den Richtern und dem Volk Mitleid einzustoßen, brachte er nur ein halb aus Bewunderung, halb aus Unwillen gemischtes Gefühl hervor. Es war in der That unerhört: einen angeklagten gemeinen Juden sich als stolzen Ankläger benehmen zu sehen. Sein Loos-war entschieden. Man legte ihn auf die Folter, um ein Geständniß über etwaige Mitschuldige zu vernehmen und ihn zur Bekenntniß zu zwingen. Jakob wollte keine Geständnisse ablegen. Unrer den grimmigsten Foltern änderte er kaum seine Miene und murmelte nur immer ein leises Gebet vor sich hin. Da alles Foltern und Quälen dem halbtodten Greise kein einziges Wort ablocken konnte, ward er endlich zum Tode durch Henkershand verurtheilr. — Der verhängnißvolle Tag nahete heran lind der Verbrecher ward auf den Richtplatz geführt. Unbeschreiblich war das Gedränge; denn selbst aus weiter Ferne kam Volk herbei, um sich an diesem gräßlichen Schauspiel zu weiden. Die Juden hatten theils die Stadt verlassen, theils lebten sie in Kellern und Gewölben in beständiger Todesangst und verwünschten den Unsinnigen, der so viel Unheil über sie gebracht. Man fragte nun den Verurtheilten, ob er noch etwas wünsche.. Er erwiederte nichrs, sondern band sich die Gebetriemen um den linken Arm und nm die Stirn, verweigerte es, sich die Augen verbinden zu lassen und setzte sich nieder,,, um den Todesstreich zu empfange». " /, ' , So groß die Menge auch war, Niemand regte sich, so daß Jeder sein eigenes Herz klopfen hörte. Da vernimmt man plötzlich einen heftigen Schrei. Eine Bewegung entsteht unter dem Volke und mit dem herzzerreißendsten Ausruf: »Mein Vater! Mein unglücklicher Vater!" drängt sich Lea an's Schaffot. Ihr Anblick stimmte auch die härtesten Herzen zu tiefem Mitleiden. Sie hatte in ihrem Zufluchtsorte ihres Vaters Schicksal vernommen und wollte sei:: dunkles Loos theilen. Aber ihr Oheim, der überzeugt war, sie würde, ohne ihren Vater zu retten, nur sich selbst in's Verderben stürzen, hielt sie in strengstem Gewahrsam. Da hört sie, daß am heutigen Tage die Todesstunde ihres geliebten Vaters schlägt, und ehe noch der Morgen graut, springt sie aus dem Fenster und eilt, wie von wilden Stürmengepeitscht, auf den Richtplatz, wo sie ihren, von Kerkerluft und Folterqualen zum Skelett abgemagerten Vater den Todesstreich erwarten sieht. In einem Sp'runge ist sie auf dem Schaffot, umklammert seine Kniee'und ruft: »Schonet meines Vat,ers! Er ist uiischuldig.« Sie hält den unglücklichen Greis fest umklammert, der sie vergebens von sich zu reißen bestrebt. »Du stirbst nicht ohne mich, mein Vater," ruft sie, legt ihren Arm um sein Haupt und bedeckt sein Antlitz mit heißen Thrnnen und Küssen. Dieß alles war das Werk einiger Augenblicke und das Schauspiel so überraschend und erschütternd, daß selbst der 283 Henker ein menschliches Regen fühlte und nnwillkührlich das Schwert fallen lies;. Aber Jakob erhob sich und rief: „Warum hinderst Du mich, den Weg zn betreten, der znr Ewigkeit führt? Warnm zeigst Du Dich ungehorsam, Tochter, und hältst Deinen Vater ab. den Tod zn leiden um Gotteswillen?" Doch kaum hatte er vollendet, als es aus der Menge rief: «Ich war 's !" Nun entstand eine außerordentliche Bewegung nnter dem Volke. Einige riefen: »Haltet ihn fest, den Schurken!" Andere schrieen: »Es ist nicht wahr! Richtet den Verbrecher!" Wiederum Andere: „Man will uns hintergehen! Tod dem Juden!" Schon werden viele handgemein, und eine Empörung droht auszubrechen. Ein junger Mensch ans der niedrigsten Volksclasse, der während der schauervollen Scene zwischen Vater und Tochter todt-hleich und zitternd unter den Zuschauern stand, hatte nämlich jene zwei verhängnißvollen Worte gerufen und war gleich in Ohnmacht gefallen. Die Besseren unter dem Volke, die durch dieses merkwürdige Ereignis; auf die Vermuthung eines verruchten Complotts gerietyen, schrieen sogleich, den jungen Mann zu ergreifen ; Andere aber, die Grund genug hatten, auf der Hinrichtung Jakob's zu bestehen, widersetzten sich mit aller Gewalt nnd schickten sich an, den Ohnmächtigen fortzuschaffen. Während dieses Tobens und Lärmens saß der unglückliche Greis auf dem Schassote. Ihm zur Rechten lag seine Tochter auf den Knien und hielt seine zitternden Hände. Ihr Blick ruhte bald auf,seinem bleichen Antlitz, bald auf den rauhen Zügen des Nachrichtcrs, der zur Linken stand, die beiden Hände auf den Griff des Schwertes gestützt, das grell im Sonnenstrahle blitzte, wenn der Wind den rothen Mantel entfaltete. Da kam ein Reiter herangesprengt und winkte mit einem weißen Tnche, zum Zeichen der Gnade. Jakob wurde wieder in den Kerker geführt, wohin ihn seine Tochter begleitete. Der junge Mensch hatte unterdessen sich von seiner Ohnmacht erholr und wurde ebenfalls in strengen Gewahrsam gebracht. Vor Gericht bekannte er, durch 'Bestechung von mehreren Bürgern bewogen worden zu seyn, jene Frevelthat am Heiligthum zu begehen, dann mit mehreren Spießgesellen Aufruhr zu verbreiten und die Juden zu morden uttd zu plündern. Er habe sich Anfangs wohl gesträubt, als man ihm aber so viele Gräuelthaten von den Juden erzählt und ihn bedeutete, daß der Mensch ein kleines Laster mn einer großen Tugend willen begehen könne, war sei,, Gewissen beschwichtigt, und er habe es sich gar zum Verdienste angerechner, ein Erkleckliches zur Ausrottung d'eser schändlichen Brüt beizutragen. »Indessen," fuhr er fo", ^>als ich vernommen, daß der Jude Jakob sich als .denVerbrecher bekannt und alle Folterqualen aushielt, that mn-s doch leid. Auch wäre ich durchaus nicht auf die Richtstatte gegangen, wenn mir meine Verderber, die für sich selbst furchten, nicht dazu gerathen hätten, um durch unsere Gegenwart allen Schein des Verdachtes zu entfernen. Den alten Mann hätte ich dennoch unschuldig sterben sehen können. AIs aber das unglückliche Mädchen ihres Vaters Unschuld betheuerte, als sie ihn umklammerte und nicht mehr von ihm lassen wollte, da fühlte ich die Verruchtheit meiner That und gestand sie vor den Augen der Menge. Ich fürchte mein Schicksal nicht; denn ich habe unschuldig Blutvergießen verursacht und über unzählige Familien Tod und Verderben gebracht. Ich werde keine ruhige Stunde mehr leben können ; darum ist mir der Tod willkommen." Er ergoß sich so in Klagen, und nannte die Niederträchtigen, die ihn zur That gereizt. Jakob wurde freigesprochen. Als man aber den Kerker öffnete, lag er, eine Leiche, in dem Schooße seiner Tochter. Von seinem Antlitz war jeder Zug menschlicher Leiden verschwunden; ein seliger Friede hatte die Schwingen über seine irdische Hülle entfaltet. Lea, auf deren Schooß das Haupt des Verblichenen lehnte, saß starr und regungslos, wie eine Bildsäule. Der unbändige Schmerz hatte ihren schönen Geist aetödtet, so daß ihr bleiches, von schwarzen Locken umwalltes Gesicht in der matten Ampelbelenchtung den Anwesenden einen geheimen Schaner einflößte. Nur mit der äußersten Mühe konnte man ihr die theure Leiche entreißen. Am andern Tage nach der Beerdignng ihres Vaters schwebte auch ihre gereinigte Seele in jene Gefilde, wo aller Schmerz endet und die Unschuld im Schooß der Ewigkeit lächelt. Dio Tanne und der Trager. D Fabel von I. B. V and l in. Der Träaer sprach zur Tanne: „Es ist fürwahr nicht recht — ,,Ei, bin ich denn Dcin Kneclit? Die Tanne sprach zum Manne: „Trag' nur geduldig mich, „Ich trac>e wieder Dick, „Hast Du einst ausgelitten, „D'rum muß ick aus dem Wald „Und d'rum auch werd' ich bald „In Vrctterchen zerschnitten. Feuilleton. (Der Gscamotenr Schulz nus Laibach.) Laut einer Correspondenznachricht im „Pilger« hat Herr Schulz im letzten Drittel des verflossenen Monats zu Neustadtl in Unterkrain im dortigen Casinosaale drei Vorstellungen aus dem Gebiete der natürlichen Magie gegeben, die sämmtlich so zahlreich besucht waren, daß der Berichterstatter im »Pilger« dieß als eine übernatürliche Erscheinnng bei den gegenwärtigen socialen Verhältnissen Neustadtl's erklärt. Die Ma-nier des Herrn Schulz wird als eine angenehme und gefällige bezeichnet, sein Apparat als recht hübsch angerühmt und seine Gewandtheit im Changiren jener der geschicktesten Taschenkünstler an die Seite gestellt. Herr Schulz hat sich nun bereits in Krainburg und Neustadtl mit seinen Pro»' ductionen Ehre und Beifall erworben, sonach wäre es Zeit, daß er sich auch in seiner Vaterstadt baldmöglichst sehen lasse, was er auch, dem Vernehmen nach, demnächst zu thun gesonnen seyn soll. (Originell!) Kürzlich fand in Edinbnrgh ein Kaufmann , als er Morgens früh ausging, eine Börse mit reichem Inhalte auf der Gasse. Niemand war da, der sie verloren haben konnte, als eine Dame, die er in einiger Entfernung gehen sah. Um sich Gewißheit zu verschaffen, ob sie es sey, die das Geld verloren, verfiel er auf folgendes originelle Mittel. Er ging auf die Dame zu, zog den Hut demüthig ab und bat, »als armer, herabgekommener Kauf- 284 mann" um ein Almosen. Die Dame wies ihn nicht ganz höflich ab: »Geht, ich habe nichts für Euch." Der Stegreif-Bertler aber ließ sich nicht abweisen: er müsse etwas be? kommen, er habe ein krankes Weib daheim und nach Brot schreiende Kinder. Um ihn los zu werdeu, sucht die Dame endlich nach dem Gelde, gewahrt aber zu ihrem Schrecken, das; sie ihre Börse verloren. Jetzt wußte der Kaufmann, was er wissen wollte, — machte seinen ergebenen Bückling und überreichte ihr die verlorue Börse, gab ihr aber zugleich als Zugabe die Ermahnung mir auf den Weg, gegen Unglückliche, die um ein Almosen baten, künftig großmüthiger zu seyn. (Unglücksfall.) In ** ereignete sich am 16. August d. I. ein Unglücksfall, welcher wieder ein trauriges Beispiel gibt, wie man bei Vergnügungen mit Schießgewehren nicht vorsichtig genug seyn kann. Wie gewöhnlich, war die Schützengesellschafr in *^ Sonntags auf der Schießstätte zum Scheibenschießen zusammengekommen. Alles war lustig und munter, Alles aufs eifrigste bemüht, den glücklichsten Schuß zu thun. Plötzlich vernimmt man nach einem Schusse ein Schreien und leichenblaß kommt der Zie-lcr in das Schießhaus gelaufen und erzählt, sein Gehilfe, der Pöllerlosbrenner, schwimme, tödtlich getroffen, in seinem Blute. Der Unglückliche harte sich in dem Warrhauschcn mir K'.igelgießen beschäftigt, zufällig war ihm eine der Kugeln entfallen und hiuausgerollr; er bückte sich nach derselben, steckte dabei den Kovf nur etwa 2 bis 3 Zoll aus dem Häuschen, allein in demselben Moment hatte ihn schon das tödliche Blei erreicht. Der unglückliche Schütze ist ein wackerer Bürger. Papierkorb des Amüsanten. Ein Taschenspieler in einer französischen Stadt schrie auf öffentlichem Platze aus, daß er Jedem, der zwei Francs d'ran setzen wolle, seine Zukunft aus den Karten wahrsagen werde. Unrer andern kam auch ein Steinmetz und zahlte seine 2 Francs. Als die Karten gemischt waren, machte er auf die oberste, um sich vor Karienkünstcn zu sichern, mit einem Fünf-Frankenstück ein Kreuz. »Borgen Sie mir das Fünf-Frankenstück auf eine Weile," rief ihn, der Taschenspieler zu, »und Sie sollen etwas sehen, was Sie gewiß nicht erwarteten." Der Steinmetz reicht ihm das Geld hin, und der Taschenspieler that wirklich, was jener nicht erwartet hatte; er lief mit dem Fünf-Frankenstück davon. Doch in der nächsten Gasse faßte ihn schon ein Gensd'arm am Kragen. Einer der Yankee-Kaufleute, die mit allem handeln, erinnerte sich eines Abends beim Abschluß seiner Rechnungen, an diesem Tage einen Sacie! an einen seiner Kunden verkauft zu haben. Aber der Kauf war nicht eingetragen, und der Kaufmann konnte, so sehr er auch sein Gedächtniß anstrengte, den Namen des Käufers nicht auffinden. Er suchte in dieser Verlegenheit Zuflucht in seinen Büchern, und wollte sein Gedächtniß dadurch etwas auffrischen, daß er sämmtliche Namen durchlas, und wieder durchlas. Eine volle Stunde und 32 Minuicn brachte er damit zu — vergeblich. Als er denn zuletzt einsah, daß seine Nachforschungen fruchtlos seyen, sagte er zu einem seiner Commis mir der verklärten Miene eines Mannes, der eine schwere Aufgabe gelö's't: »Wohlan, so schreiben Sie einen Sattel auf die Rechnung eines jeden Kunden; jene, welche ihn nicht gekauft haben, werden sich dagegen schon wehren." Gesagt, gethan. Bald nahte auch der Augenblick der Enthüllung; die Rechnungen wurden abgeschlossen und die Conti abgeschickt. Wenige der Kunden ließen sich's träumen, daß ein Artikel, den sie nicht genom- men, ihre Rechnung vermehre, und zahlten das Ganze; 32 hatten also schon den eingetragenen Sattel bezahlt, unter welchen natürlich 31 Nichrkäufer waren. Als der Kaufmann den wunderbaren Ausgang seiner merkwürdigen Idee erfuhr, war er im Zweifel, was er nun machen sollte. Doch bald waren seine Zweifel vorüber. »Wahrlich," sagte er, »ich habe die Entschädigung schon für das lange Nachspüren in den Büchern verdient." Und er behielt das Geld. Nun steht bloß zu fürchten, daß er an dieser neuen Mulrivlicationsart zu viel Geschmack finden könnte. Ioh. Mtauß Sohn's Eosmorama. Wie mit dem Zeitgeist alles fortschreitet und fortschreiten muß, indem ein Stillstand Rückschritt wäre, so auck die optischen Vilderausstel-lunge» der sogenannten Zimmerreisen. Wir haben seit den letztcrn Jahren her so Ausgezeichnetes in dieser Art gesehen, daß ein Concurrent der Herren Sattler und (Hallici keinen leichten Standpunct angewiesen bc« kömmt < besonders in Bezug auf den erstgenannten. Herr Mauß )n»',ui- aus Nien hat seine Cosmoramen seit dem verflossenen Sonntag in einen, ebenerdigen Locale im H o i n i a'scken Hause nächst der k. k, Post in 15 Ansichten aiisaestellt. Wir haben diese Vilder sowohl bei Tag, als auch Abends bei Beleuchtung gesehen, und unsereAn« sickt über diese Ansichten iss folgende Die vier Originalbilder aus China, gemalt vom chinesischen Maler Tsckung-Hai in Macao, Uellen die Stadt Macao, die Factoreien von Canton, die Handelsstadt Hong i, Kong un» den Hafen von Whampoa dar. Die Malerei bietet nichts Außerordentliches, ist, besonders in Bezug der architectoniscken Theile, ganz gewöhnlich, wit z. N. die Ansichten von Macao und Canton, aber durch Unaesuchtheit wenigstens originell. Einen eigenthümlichen Anblick gewahrt Hong-Kong in seiner trüben Beleuchtung mit der sonderbaren Berggcuppe. Der Hafen von Whamroa ist das beste Vild darunter und in seiner Per» spective meisterhaft. Das Panorama von Rom ist zwar ausgebreitet, die Zeichnung sehr gut, aber der Standpunct unuortheilhaft gewählt, indem kein interessanter Punct in der Nähe erscheint. Die Grotte des h. Paulus ist ein sehr brav gehaltenes Vild. Behandlung u»d Tinten beurkunden einen Meister- Eine der schönsten und freundlichsten Ansichten ist Ve» nedig mit seiner Hauptansicht, dem Dogenpallast, der Piazzcta und dcn» Markusthurm. Das Wasser kann nichl natürlicher, transparenter dargestellt werden. Dev Vesuv bei stacht (von drei Veiten). — Der Feuerspeier ist in seiner vollen Activitat dargestellt und zwar auf so ausgezeichnete Art der Nachtbeleuchtung, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Besonders ist das herrliche Colorit des wiederstrahlenden dürren Baumstammes links, und der alten Ruine rechts fast unübertrefflich. Das schöne Rhonethal zeichnet sich besonders durch die wunderschön behandelte Baumparthie rechts mit dem Bergschlosse aus- Die Krone aller Vilder in Vezug der architektonischen Ausführung und der Natürlichkeit der Beleuchtung ist die pracht-volle Kathedrale zu Rheims. Der Kunstkenner kann sich von diesem schönen Vilde kaum trennen- Die Ansicht einer Parthie der sächsischen Schweiz mit der Stadt Wehlen an der Elbe, ist nickt besonders hervortretend. Das Colorit ist unerheblich und matt. Die zwei Ansichten der Adelsberger Grotte haben uns — offen gesagt — nickt ganz vollkommen befriedigt. Wir geben acrnc zu, daß die Behandlung der Stalaktiten dem Künstler eine ungeheuere Schwierigkeit bei der Unsicherheit der Beleuchtung bieten müsse, indeß sind die Ansichten treu, besonders die zweite des Calvarien« berges. welche auch in Hinsicht ihrer Beleuchtung der crstcrn weit voraus ist. Die Höhle von St. Canzian bei Triest ist in der Perspective kräftig und treu behandelt unll überhaupt ein schönes, sehenswerlhes Panoramastück' Den Bckluß macht der neue istrische Leuchtthurm bei Promentore. Das Bild wird jeden Kunstkenner in hohem Grade befriedigen, indem das Meer mit seinen Klippenbrandungen nicht leicht naturtreuer dargestellt werden kann. Das Cosmorama des Herrn Mauß erfreut sich des verdienten Beifalls, auch eines zahlreichen Besuches, und es wäre nur zu wünschen, daß die Aufstellung in einem helleren, passenderen Locale hatte Statt finden können- Leopold Kordes ch. Berichtigung. In unserm letzten .,Illyrischen Blatt,," Nr. 70, erste Zweite, zweite Spalte, 16. Zeile von unten, hat sich ein sehr ärgerlicher Druckfehler ein« geschlichen. Der Leser wolle daher statt ,,vielverdienten Verstand," „vielverdienten Vorstand" lesen. Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleinmayr.