LllibacherMMtllng. Nr. 10«. Pläni!!!!clatio»«plcis: Im Compton qan,,. fl. I l, hnlbj. fl. 5>.5><». ssllr bic Zustelln»« iuö Hau« halbj. 50 lr. Mil bcr Post gauzj. fl. 15, halbj. fl. 7.5.0. Mittwoch, 11. Mm Inscrtionsgebiihr bi« wZellcn: lmalsolr., lim. «0 lr., ^m. I fl.; sonst pi. Zcilc Im. ü lr., «m. 8 lr., »m. 10 lr. u. s. w. Insertionsstcmpcl jedcsm. 30 lr. 187tt. Nichtamtlicher Theil. Das Programm der österreichischen Ver-sajsungspartci. Soeben ist in Graz (Lcytam'schc Druckerei) rine Flugschrift uuter dem Titel: „Dic Entwicklung dcr östcr-lcichischcii VcrfassnugSpartci," erschienen, welche, im März 1870 vor der ncncstcn Wcnduug dcr Dingc geschrieben, in einer vom 8. April datirten „Nachschrift" das „ibealc" Programm dcr benannten Partei in nach» stehender Weise zeichne!: So lange der Neichsrath die große Majorität dcr Völker Oesterreichs rcftläsentirlc und derselbe in dei Continuilät scincr Zusauiincnsetzuu^ nicht bedroht war, so waren in dcr Action dcr österreichischen Vcrfassnngs-Partci alle Schritte gerechtfeitigl, welche die Machtstellung der verschiedenen Parteien nach dcr Schwere dcr Stimmcuanzahl der Abgeordneten bemessen hat. Dieser Anschauung zufolge war, wie schon nachgewiesen, das Reformprogramm GiSta's parlamentarisch berechtigt. Nachdem dasselbe abgelehnt war, so war das Programm dcr äußersten Linken, nämlich die Um-stallung dcr Wahlreform mit der Gewährung einer Sonde, stclluug Galizicns ein durchführbarer Gedanke, und vielleicht eine erlösende That. Diese Anschauung hat aber ihre innere Vercchti» yung verloren von dem Augenblicke, als der Rcichsrath lncht mehr die reale Vertretung der Monarchie ist, Ich hade schon früher nachgewiesen, daß dcr Mangel ber Einigkeit unserer Partei zur Auflösung des ganzen NelchsralhcS und zum Appell nicht an die Landtage, sondern an die Urwählcr führen dürfte. Die Auflösuug nur jener Landtage, deren Abgcord-"cwih, daß mittlcrwcilc dcr Schwerpunkt dcr Action wieder in dic Landtage gelegt wcrdc, und dcr complcliile RcichSrath mit einer abermaligen Einbuße seiner Machtstellung zu einer Dele» sintei'tammcr dcr Landtage hcrabsiukt. — Im besten Falle vermag cr sich jcnc Position zu schaffen, wclchc derselbe vor dem AuSlrilte dcr Nalionalcn bcsrsscn. Dic Polilit dcr kleinen Mittel ist cin übcrwuudo ncr Standplinlt. Die Stellung dcr deulschcn Antono-misten in der galizischcu ResolutionSfragc eine von der Stcllnng dcr Polen bcdinqie; die Frage jeder Wahl« reform und die Kräftigung deö Ncichsrathcs gegenüber den Landlagen eine hinausgeschobene, wenn nicht auf» gehobene. Kurz, es ist jener Zustand der Unbehaglich, kcit in Permanenz, welcher cbcu als Ursache dcr gegenwärtigen Situation zu gelten hat. Die Grunduisache des Uebels liegt uich! bloS in der Vcrquickung dcr Nal,l für die Landlage und dcn Neichsralh, sondern im Gesetze dcr Wahlordnung selbst. So lange als in dieser die Grundidee dcr öfter» rcichischcn VelfassungSparlei, das ist die Freiheit dcS individuellen österreichischen Staatsbürgers, gefälscht ist, vermag diese Idee wcdcr die Einiguug dcr Partei in sich zu vollziehen, noch ihic Anerkennung auS dem Tücl wahrer Gleichberechtigung von ihren Gegnern zu erzwingen. Wenn für dcn Landtag, sowie für BezirlSvertre« tungcn die Wahlordnnng auf Grundlage dcr Inleresfen-vcrtrclung eine gewisse Berechtigung hat, weil in denselben voizilalich malcriclle Fsaacn veihandelt werden, nnd weil die L^ndt^c ebc» nur Eine Kammer sind »i'd von diesem Standpuntlr auch alle Iülllessrn in dieser ocrliclcu sein sollen; so sind dem Ecnlial-Pailamcnlc vor allem dic persönlichen Interessen deS RcchlcS und dcr Freiheit auf dem Principe der Gleichheit anheim-' gegeben und der besondere Schuh der specifischen In tcrcsscn im Gleichgewichte zweier Kammern gesichcrl. Bei dcr Verschiedenheit der Principien, wclchc einer Wahlordnung für ein Rcichsparlamcnt, und einer solchen für österreichische Landtage innelicgcn, konnte bei Vcrquickung beider auch nicht an die meritorischc Reform derselben gegangen werden. Die Landtage waren ans Rücksichten für die Conformist der allgemeinen Rcichsrathswahlordnung bccugt, eigenthümlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen, und das große demokratische Princip dcr individuellen Freiheit und Gleichheit konnte in der zweiten Kammer des Ncichsrathcs aus Rücksicht für daS Princip dcr Inter- er sich's, in diesem Capitel märchenhaft morgenländischer Weisheit auch ein bischen bewandert zu sein. Denn abgesehen davon, daß man, mit solcher Kenntniß aus» gerüstet, möglicherweise die Discussionen über Nestbau zwischen jenem alten Spatzen und dem ihm befreundeten Schwalbcnmännchen belauschen und sich durch dercu Enthüllung dcn französischen Akademiker, der in jüngster Zeit so gelehrte und interessante Abhandluugcn über die dem Zeitgeist angepaßten Fortschritte der Vögel in der Ncslarchiteltonil geschrieben, zum Freunde machen könnte, man könnte gewiß auch sonst viel Interessantes und Amüsantes erfahren, dcnn so ein Vöqlein, das stiegt gar viel herum und sieht so Manches, waS nicht Jedermann sieht, und weiß es gewiß auch pikant zu erzählen. So im Allgemeinen; wenden wir aber dcn Fall auf's Spc> cicllc an, so glauben wir auch ohne obcrwähnte mysteriöse Kenntniß kaum irre zu gehen, wenn wir behaupten, heuer drchc sich das Laubcngczwitschcr wie die meisten Salongesprächc znvürdcrst um Meteorologie und dazu gehörige Wcttcrbctrachlungcn. Dcnn der Mai ist hcncr, wic die ganze jüngere Generation, aus der Art geschlagen, cr ist kühl und grämlich, uud sähe man nicht um dic Mittagszeit die elegante Wclt in leichter, luftiger Toilette die Alleen, heiter plaudernd, wenn auch clwas fröstelnd, durchschrcitcu, so könnte mau beinahe versucht werden, selbst am Kalender zn zweifeln. Doch lein Wind ist so schlecht, dcr Niemand ctwaS Gutes brächte. Dcr verdrießliche Wind, dcr unsere Gesellschaft abhält, die Abendstunden im Freien zu vcr< bringen, der wcht alles in geschlossene Räume, und wer essen-Vertretung in den nur aus Einer Kammer bestehenden Landtagen nicht zum Durchbrüche kommen. Aus dem Gesagten ergibt sich aber mit innerer Nothwendigkeit, daß durch die Completirung des Reichsrathes auS den alten Landtagen lein Schritt aus dcr Verschiedenheit der Ansichten im Schooßc der österreichi« schcn Vcrfassun^Spartci zur Einigung und Consolidirung derselben vorwärts gemacht werden wird. Nnr wenn die VerfassungSpartei ihren Mandataren in dcr Aufstellung eines Actions-Programmes für die gegenwärtige Situation cin einheitliches Ziel bestimmt, werden die Abgeordneten auf Grundlage eines solchen in die Action eintreten können. Es erübrigt noch zum Schlüsse das Wahlprogramm selbst zu entwickeln, welches als Banner der liberalen, deutsch-österreichischen Partei bei Eintritt einer Neuwahl aufzuhissen sei. um, treu ihren ursprünglichen Principien, sich im Innern zu einigen, und dcn Gegnern jeden Vor» wand gerechter Klage abzuschneiden. Vor allem hat daS Princip der RechtSconlinuitüt als unumstößliches Staatsrecht zu gelten. Jede Aenbe« rung kann nur im verfassungsmäßigen Wege durchge-führt werden. Sodann hat das Arundprincip der individuellen Freiheit, als dcr österreichische StaatSgedanle, von der Partei als österreichischen festgehalten und gelräfliget zu werden. Die zweite Kammer hat in ihrer Wahloidnung das Princip der Partei unverfälscht zum Ausdrucke zu bringen. Es hat die Vertretung der individuellen Person-lichleit in demokratischer Weise so weit geltend zu machen , daß die hohen Interessen der persönlichen Freiheit und Cultur durch dcn Census einer gewissen Vorbildung der Wühler gewahrt seien. Die Heranziehung dcr Vertretung einer intelligenten Arbcitcr-Bevölkerung vor Eintritt einer socialen Ge» wcgnng ist staalSmännisch gerechtfertigt; denn organisirle Masfen sind weniger gefährlich, als ^crbröckelle Atome, die unbcwnßl von unsichtbaren Händen getrieben werden. Die smialc Bewegung, die nicht allein kommen wird, die schon gegenwärtig sich kundgibt, ohne durch die sociale Noth in Oesterreich erzeugt zu sein, welche aus dem Multerschoße dcr Geschichte mit dem Menschen zu> gleich gcdorcn, einmal zum Bewußtsein ihrer Reife und Kraft gclangl, dic politischen Fragen verdunkeln wird: sie muß cbcn dadurch in das Bett der Gesetzlichkeit geleitet werden, daß ihr die im Staate berechtigte Vertre« tung zu Thcil werde. Die Vertretung derselben ist aber nicht allein gerecht, sondern sie schafft dcr österreichischen Versassungs» Partei einen mächtigen und selbstbewußten Alliirten im Kampfe gegen die ultramontane und feudale Liga, welche sich brutaler, unbewußter Arbeitcr'Ntome zum Sturze der Freiheit und Aufklärung bedienen könnte. Und wenn die zweite Kammer den Individualismus am wenigsten Grund hat, darüber zu klagen, daS sind unsere beiden Thcaterdirectorcn. Denn Graz erfreut sich nnnmchr zwcicr solcher Persönlichleiten: das landschaftliche und das Thaliatheater — vormals auch Circus geheißen, nunmehr aber Sladtthcatcr getauft — deren Leitung bis vor kurzem in Einer Hand ruhte, sind jetzt ;u getrennten Territorien geworden und machen eina»dlr Concurrcnz. Es gibt zwar auch hier boshafte Leute, die da die Meinung ausstellen wollen, Graz sei zwar groß nnd dicht bevölkert, aber es habe doch nicht Theater-publicum genug iu seiuen Mauern, um allabendlich zwei Mu'entempel zu füllen, und über kurz oder lang würden sich die Entrepreneurs gegenseitig ruiniren und da« Publicum gleichfalls leinen Vorcheil davon haben. Da« ist nun allerdings eine Frage, deren Beantwortung wir dcr Zeit überlassen müssen, die bisherigen Erfahrungen lajscu so pcssimislischc Anschauungen noch durchaus nicht anfiouimcn. An bcidcn Theatern begegnen wir ganz schützcnswcrthcn, mitunter sogar vorzüglichen Kräften, beide thun ihr Möglichstes in Hinsicht der Decoratio» nen, wie des Repertoires, und zur Eröffnung der Som-mcrsaison haben auch schon beide Zugstücke ins Treffen geführt, das Stadllhealcr das französische Modcstück „Frou-Frou" und das iu Wien mit so großem Beifall aufgenommene „Von Stufe zu Stufe," das lo.ndscho.st, liche den „Arcicr," ein nicht ohne Talent cmuachtes Drama aus dcr Zeit Maria Theresia's, rcich an voli-tischen Anspielungen, - und so sehen wir denn Parterre und Logen, Sperrsitze und Galerie reichbesctzt Haben aber die Theater leinen Anlaß, über man. 768 der Persönlichkeit in demokratischer Weise zu Ansehen und Geltung zu bringen hat, so hat die erste Kammer das aristokratische Element im weiteren Sinne zu vertreten. Die unlimitirte Anzahl von Pairs der Krone müßte im Interesse des Constitutionolismus begrenzt werden, und das Oberhaus neben den Virilstimmen noch durch Abgeordnete aus Gesellschaftskreisen verstärkt werden, welche im Staate ein specifisches Interesse repräsentiren. Der Großgrundbesitz und die Handelskammer könnten hier einen Ersatz finden für die in der zweiten Kammer verlorene Stellung. Das Interesse der Wissenschaft und Kunst wäre durch freie Wahl der Hochschulen, Akademien :c. zu wahren. Die großen Körperschaften der Landtage hätten ihre Repräsentation im Reichsparlamcnte durch Absenkung einer Anzahl von Delegirtcn, welche jedoch diesem Hause nie den Charakter eines Ländcrhauses gewähren dürften. Für die Wahrung der deutschen Nationalität genügt, wie für jede undcrc, die Solidarität Aller in der gemeinsamen Gesetzgebung, Administration und Gerichts« barkeit. Sie verzichtet auf jedes Ucbergcwicht einer gekünstelten Wahlordnung ins Ccntralparlamcnt, sowohl aus dem Titel der Gleichberechtigung Aller im Staate, als auch aus dem Bewußtsein der Machtfülle der von ihr vertretenen Ideen. Und indem sie einem jeden österreichischen Bürger durch die Wahlrcform das gleiche Recht und die gleiche Solidarität der Nationalität wahrt, bringt sie ihr Grundprincip der Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit zur realen Verwirklichung. Sie hat hiermit die drei großen Principien des Rechtes, der Freiheit des Individuums und des solidarischen Schutzes jeder Nationalität in ibrem Programme geciuigct, und allen die Hand zum Bünd-niß geboten, die in einem großen gemeinsamen Oester-reich ein theures Vaterland und eine sichere Stätte der Eultur und des Fortschrittes erblicken. Politische Uebersicht. Laibach. 10. Mai. Wie aus den Mittheilungen des „Dziennit Lwo-wski" erhellt, bereiten Grocholski und Smolka eine ge» meinsamc Action bezüglich der Wahlen vor. Der Ausschuß dcs Lembcrger demokratischen Vereins hat sich nämlich mit dcn Vertretern sämmtlicher Parteien ins Einvernehmen gesetzt, um eine allgemeine polnische Notablen-Versammlung in Lemberg zusammenzuberufen. Einen gleichen Zweck verfolgt Herr v. Grocholsti, und so begegneten die beiden Führer einander in der Absicht, die Wahlagitation im Einverständnisse aller Fractionen einzuleiten. Auch die Krakauer scheinen diesem Plane zuzustimmen, indem sich der Abg. Samelson mit Smolka in Verbindung setzte und von diesem Letzteren angeblich befriedigende Zusagen erhielt. Gestern sollten die Besprechungen des Grafen P o° tocki mit dcn Polenführern ihren Beginn nehmen. Unter den Eingeladenen befinden sich so ziemlich sämmtliche in Galizic» hervorragende Politiker, die alle Partcischattirungc», die Nuthcnen mit inbcgriffcn, rc-präsentiren. Gleich nach Beendigung der Conferenzcn reist Graf Potocli in Begleitung des Baron Petrino nach Prag; der Ministerpräsident dürfte jedoch bald wieder nach Wieu zurückkehren, während Baron Petrino einige Tage in der böhmischen Hauptstadt verweilen will, um die weiteren Unterhandlungen mit den Führern der staatsrechtlichen Opposition zu vermitteln. Dem „Czas" wird aus Wien geschrieben, daß die Czechen, trotz der schroffen Stellung ihrer Forderungen, gelhaften Besuch zu klagen, so hat ihn ein anderes Kunstinstitut um so mehr. Wir meinen die Gemäldeausstellung des steierischen Kunstvereins. Gegen ein höchst unbedeutendes Entree sind die Säle den ganzen Tag hindurch geöffnet, aber die Schritte der wenigen Befucher widerhallen da ganz unheimlich und daS Rauschen einer Damcnrobe wird gar unendlich selten ver-nomimn. Und doch sind die ausgestellten Gemälde des Ansehens wohl werth. Das größte Stück der Ausstellung, van Scverdonk's „Gefecht bei Vucht," aus der Epoche de» niederländischen AufstandcS ist ein Schlachtenbild voll schauriger Poesie und düsterer Erhabenheit." „Paulus Predigt auf dem Areopag in Athm" vou Thiersch in München, ein Bild in großen Dimensionen, das von Kennern sehr gelobt wird, zeigt uns die Scene aus der Apostelgeschichte mit großer topographischer Treue, doch scheint es uns bei aller Schönheit dcr Ausführung etwas zu kühl, zu nüchtern. Durch und durch poetisch, sinnig gedacht und meisterhaft ausgeführt dagegen sind die „Römischen Studien" einer Dame, Clise Ierichau-Baumann, deren wohlbcgründcteS tünstlciisches Renom<> durch die beiden Stücke sehr gehobeu werden wird. Es sind Kindergesichter, auf dem einen Bilde im Freien, im Wcrfeltagsan^ug, ungewaschen und ungekämmt, wie man sie in so classischer Urwüchsigteit nirgends findet, als ln ItaUen, auf dem andern in der Kirche, im Feier-tagsgcwand. so herzig frische. geistvolle Köpfchen. in lhrcr prachNgen Schönheit allerdings echte Sprößlinge der ewigen .Itoma. aber doch durch ihren sinnigen, klaren Blick ans Germanische erinnernd. Auch ausgezeichnete doch sichtlich in der Besorgniß leben, man könnte auch ohne sie zu einer Verständigung mit den übrigen Elementen der staatsrechtlichen Opposition gelangen. Diese Ueberzeugung wurde an maßgebender Stelle geschöpft, trotz dcr naiven oder angeblichen Behauptung dcr Czechen, die österreichischen Ministern gegenüber äußerten, daß man sie nicht übergehen könnte, weil ihnen Gortschakoff und Graf Bismarck versicherten, daß sie nie in einseitige Zugeständnisse für Galizien willigen würden. Das war ganz einfach cine Fanfaronade, weil die genannten Staatsmänner eine solche Zusichcrung weder gebe» konnten, noch auch gaben, aber immerhin ist sie bezeichnend. — So viel man weiß, ist Graf Potocki fest entschlossen, vorwärts zu gehen mit den Czechcn oder ohne sie, und dieser Entschluß verleiht ihm große Kraft. Das Ministerium wird auch nicht vor directen Wahlen in Böhmen zurückschrecken. Potocki besitzt das unbedingteste Vertrauen des Kaisers; mit dem Grafen Beust verträgt er sich, «rotz aller gcgentheiligcn Gerüchte, sehr gut, und Graf Andrassy beobachtet eine wohlwollende Neutralität. Um diesen Gerüchten daS wirksamste Dementi entgegen« zustellen, erschienen die Minister Beust, Potocti, Andrassy und Taaffe jüngst in Einer Loge. Die „Narodni Listy" verwerfen daS Programm des Fürsten Czartoryski — wie zu erwarten stand — vollständig. Sie begnügen sich nicht mit dem Maß von Autonomie, das er für dic Polen verlangt, und wollen nicht, daß Böhmcn eine „Provinz" sei. Sie wiederholen, daß die Czechen niemals in einen cisleithanischen Rcichsrath gehen und in dirccle Wahlen für einen solchen nie einwilligen werden. „Pokrok" spricht sich gleichfalls entschieden gegen das Programm Czarto-ryski's aus. Bismarcks Krankheit wurzelt in übergroßer Thätigkeit, welcher er ferner nicht mehr ganz obliegen kann. Es verlautet, daß künftig die Verwaltung besser organisirt werden soll, damit Kräfte herangezogen wer-gcn, welche ermöglichen, daß der Bundeskanzler, unbeschadet seiner Gesundheit, seine Stellung ferner beibehalten kann. Aus N o m wird gemeldet: DaS In sa l,l ib i l i -täts-Schema verdammt: 1. Verleugnet, der päpstliche Stuhl fei unfehlbar der Stuhl Petri. 2. Wer behauptet, außer ihm gebe es noch eine unfehlbare Kirche. 3. Wer noch die Nothwendigkeit dcs göttlichen Lehramts des Stuhls Pctri für alle Menschen leugnet. 4. Wer fagt, der erwählte Papst sei nicht auch hinsichtlich des unfehlbaren Lehramts dcr Nachfolger Petri. 5). Wer sagt, eiu ökumenisches Concil stehe in Betreff der Un« fehlbarkeit des Lehramts über oder dem Papste gleich. Die unmittelbar bevorstehende, vielleicht bereits begonnene Debatte des Concils über die Inflllli-b i l i t ä t hält die clericalen Kreise in Rom in großer Aufregung. Die Anstrengungen für uud gegen werden verdoppelt. Gestern vor acht Tagen hatte eine Versammlung derjenigen Bischöfe stattgefunden, welche die Adresse gegen die InfallibilitätS-Ertlärung uuterzeichuet haben, und es wurde beschlossen, eiue Commission an den Papst zu senden, die ihn bewegen solle, die Vorlage des Decretcs dcr Unfehlbarkeit zurückziehen zu lassen. Dieselbe wurde am 2. d. M. in den Nachmittagsstundcn von dem Papste empfangen. Der Papst selbst aber meinte, auf solche Weise „keinen Machtjpruch gegen die bedeutend größere Anzahl, welche die Discussion über die Unfehlbarkeit verlangt habe, thun zu dürfen," und läßt die Angelegenheit vor das Concil gehen. Bemerkbar war in den Vormittagöstundcu vom 3. d. eine große Bewegung unter den Bischöfen aller Nationen und Riten. Es haben ohne Zweifel viele Priuat-Ve-fftrcchungcn stattgefunden. An den Straßenecken Roms Thicrstücke, Marinebilder und Landschaften fesseln den Blick, leider sind nur, wie gesagt, wenige da, die sich fesseln lasseu. Da wir eben von Ausstellungen sprechen, wollen wir auch der Blumenausstellung erwähnen, die uns im Vurggartcn geboten wurde. Da gab cS eine prachtvolle Collection von Rosen in allen Farben und Nücmcirungcn, frisch und duftig, dazu Azaleen, Pelargonien und wie alle die Kinder Florens heißen, denen man es gar nicht ansah, sie seien nur Treibhauspflanzen, und nicht heiße Sonncntüssc, sondern bescheiden wirkende Ofenwarme habe sie zur Entfaltung gebracht. Zum Schluß noch eine litcrarische Novität. Soeben erscheint bei Lcykam ein neues Buch unseres liebenswürdigen stcirischen Dichters RoscMr, „Sittenbilder aus dem stcirischcn Oberlande" betitelt. Roscggcr, dessen bisherige Publicationen in Buchform, die im steirischc» Dialect geschrieben waren, sich als wahre Alpenblumen echter Poesie erwiesen, tritt nun mit Schilderuuge» des Lebens und Webens seiner Laudsleutc vor die Oeffcnt' lichkeit, die uns beweisen, daß er auch das Hochdeutsche mit ungeschminkter Eleganz handhabt, daß er nicht nur ein unterhaltender Erzähler, sondern auch ein fewer und liebevoller Beobachter des Volkslebens ist, das er zudem kennt, wie nicht bald eiuer. Wir empfehlen das Buch nicht allein allen Freunden der Stciermart, sondern insbesondere auch allen, die au ethnographischen Schilderungen Interesse haben. ist eine Entgegnung dcs Professors Penachi gegen die Schrift des Bischofs Hcfele in dcr Honoriusfragc angeschlagen. Die Abstimmung über dcu „kleinen Kate« chismus" am 4. d. förderte „ach dem „Monde" 70 Mn Moot (Nein) und 50 ?1aeot «ud ooiiliitimw (bediugungswciscs Ja) zu Tage. Die Opposition war demnach 120 Mann stark. Nach dem bcrcils telegraphisch milgclheiltcn Ergebniß dcs Plebiscits haben die Bevolkcrnua.cn vou Paris uud der audercu großen Stable übcrwio grub mit Nein gestimmt, die Landbevölkerung hat dagegen über fünf Millioncu I c sandten den Courier Alexandros, um sich zu erkundigen, warum mau ihnen den Weg versperre, uub als dieser nicht zurückkehrte, theilte» sie sich in zwei Abtheilungen, um zu entrinnen. Die eine unter Chrcstos Arvanitaki sollte mit den Gefangenen Lloyd und Herbert nach Sykaminos durchbrechen, während Talos Arvanitaki links die Trup< pen umgehen und nach Skoimalari zu gelangeu suchen sollte. Die erste Abtheilung wurde angehalten, machte die Gefangenen Herbert und Lloyd nieder uud wurde überwältigt. Chrestos und siebe» seiner Leute fielen und ihre Köpfe wurdeu in Athen ausgestellt. Der Nest wurde gefangen, die andere Gesellschaft gewann eine» Vorsprung von ei» paar Stunden, wurde aber verfolgt, und da dcr kranke Graf Boyl nicht folgen konnte, wurde er sofort niedergemacht. Vyner wurde erst fpäter aus dem einen oder anderen Grund erschossen. Im englischen Parlament ist ein Gesetzent» wurf über politisches Stimm recht der Frauen eingebracht wordcu, findet jedoch in der ganze» Presse »ur eiue» Vertheidiger, iu der „Daily-News." Nach dem Urtheile dieses BlatlcS ist die Bill nichts weiter als ein Act der Gerechtigkeit, der nur heilsame uud wohlthätige Folgen haben könnte; denn wenn Englands Frauen sich auch unter ueucu Verhältnissen mehr um Politik bekümmern sollte», so würde dadurch »ur ein crhebcudcr Einfluß mehr in das politische Leben gebracht und selbst im gesellschaftlichen Lebeu würden Männer uud Frauen »ur einen neuen Gegenstand gemeinsamen In-lcresses und gemeinsamen Studiums dadurch gewinne». Die „Times" hat gegen die Vorlage an und für sich und außerhalb deö ZnsammeuhangcS genommen mchtS einzuwenden, und hält auch die unmittelbare» Folgen für lange nicht so schlimm, als manche Gegner dcr Bill anzunehmen belieben. Da indessen mittelbar in dieser Angelegenheit auch die Frage entschieden würde, ob Frauen anch das Recht eingeräumt werden solle, im Parlamente zu sitze», so möchte das leitende Blatt doch vorderhand wenigstens eine so folgenschwere Concession nicht mache». Die übrigen Blätter sind ebenfalls dcr letzteren Ansicht und weichen nur in Worten von einander ab. DaS Schicksal der Bill ist aus dem uutcn folgc»-dcu P a rl a men t S b er i cht zu entnehmen. VrlZ- und DcMsschulralh. Bei cmcm Bezirköschulrathe iu dcr gcfürsteten Grafschaft Oörz-Gradisca kam' die Frage zur Lösuug vor, ob ein Mitglied des Vczirisschulrathcö gleichzeitig auch Mitglied ciucs Ortsschulrathcs sein könne. Die Frage wurdc vom Vczirksschulrathc mit Stimmeumchrheit verneinend entschieden. Gege» diesen Beschluß brachte cm Mitglied ein Minoritätövotum mit dem Ersuchen eiu, daß der Ocgcustand zur Entscheidung dcs Lmidcöschulrathcs gebracht werde. Letzterer entschied mit Stimmenmehrheit dahin, daß, da daö Schulaufsichtögcsctz darüber kciuc Bestimmung enthält und gleichzeitige Älitglicdcrschaft im Bezirks-und im Ortöschulrathc nicht ausschließt, überdies bei Geltung ciucö solchen Verbotes unmöglich die erforderliche ÄN' zahl vou Mitglieder» für die 'Ortsschulräthe aufgebracht werdcu töuutc, dcr Beschluß des Vczirtöschulrathcö aufzuheben sci. Emeu, gegen diese Eutschciduug von der Majorität jcncö Bczirksschulrathcö ciugcbrachtcu Rccursc fand dao Ministerium für Cultus und Unterricht unter dem ^4. April d. I. unter Berufung auf das Schulaufsichtsge- 769 setz, welches die Cumulirung der fraglichen Functionen nicht verbiete, mit dem Beifügen keine ^olge zu geben, es versteht fich uou sclbsl, daß cin in dieser Doppclei-gcnschaft fnngircndcö Hiitglicd des Aezirlsschulrathcs von der Eutschcidung über Nccnrsc auszuschließen ist, welche gegen Verfügungen gerichtet sind, an deren Zustandekommen dasselbe sich bethciligt hatte. Dic Mcödicnstlichtn Rcbungcu für katholische 3'chülcr. In Folge mehrseitig gcslclller Anträge hatte bekanntlich das Ministerinn, für Cultus und Unterricht auf Grund Allerhöchster Ermächtigung nnlcrm 5>. April verordnet, daß in Mlen, wo iil'er t'as Maß der bezeichne' vijchcn dc>l> ^chrlurpcr cincr Mittelschule und der kirchlichen Behörde Differenzen sich ergeben, die ttandesschulbehUrdc selbständig zu entscheiden, hicbci jedoch den Ginndsatz sich gegenwärtig zu halten hat, daß an dem Schnlgotlcödicnstc zn Anfang und zu Ende des Schuljahre«, dann an Sonn- nnd Festläge», endlich an dem Empfange dcs heiligen Sacraincntcs dcr Buße und des Altars zu Anfang und zu Ende dcs Schuljahres, und zur österlichen Zeit festzuhalten ist. Ein neuerer Ministcrialcrlaß vom 2l. April an sämmtliche Vandcsschulbchürdcn erinnert, daß die in dem vorstehenden Erlaß vom 5. April enthaltenen Grundsätze auch für die Volksschulen im allgemeinen als maßgebend anzusehen sein werden, für die allgemeinen Volksschulen jedoch an Stelle des Lehrkörpers die Bcznksschullichörde zu treten haben wird, Darnm crschcint es unerläßlich, daß bei dcr Berathung des Entmnrfcs dcr Schul- lind Unlcrrichtsord-nnng und namcutlich bei der nothwendigen nälicrcn Ausführung des tz lili desselben auch auf die ermähnten, erst gegenwärtig festgestellten Grnndsätze entsprechender Bedacht genommen und dadurch den Schullichürden die Grenze lic^cichnct werde, inncrhalli welcher sie gegenüber den Versügnngcn dcr Kirchcnbchördcn über deu Ncligions-uutcrricht und die religiösen Uebungen vorzugehen haben werden. Dag/rmmljlimmrcchl im englischen llnterhausc. London, li. Mai. Im Unlcrhansc kam gestern die Frage des Fraucnslimmrcchles zur Verhandlung. Obwohl Jakob Bright in seiner Rede zu Onnstcu der Weiten Lesung der von ihm eingebrachten Vorlage behufs Vcrlcihnng des Stimmrcchts au alleiustchendc Frauen, wclchc zur Localbcslcncrnng herangezogen wcrlcn und nach dem Maße derselben als Müuuer das politi sche Stinunrccht genießen würden, nachdrücklich hervorhob, daß es sich hier nur um eine notlnvcndigc Eonse-qucnz dcr Verlcihnug des Municipal - Stimmrcchtcö handle, uud daß im Falle dcr Ocuchmigung dic Zahl dcr weiblichen Wähler zu den männlichen sich nur wic 1 . l)—,Z stellen würde, und obschon ferner Oberst Sykcs in militärischer Kraftsprachc zur Unterstützung der Vorlage die Frage auswarf, was verschlägt es, ol' die stimmberechtigte Person einen Untcrrock oder Hosen trägt, so stieß dic Bill doch im weiteren Vcrlcmfc der Sitzung anf ernsten Widerstand. Scourfield, dcr den Vcrtagnngsantrag stellte, dlhanptctc. das Stimmrccht wcrdc den betreffenden Fraucu nichts weniger als angenehm sein, und sie würden das Geschenk als eine 6llmno«u IwroäiwZ betrachten, wclchc ihren socialen Einfluß vermindern und sie ihrer natürlichen Mission entfremden müsse. Mit ähnlichen Ar^nmcnlcn iück,c Fowler in dic Schranken uud erklärte anßerdcm, d'r einzig richtige Weg, auf dem das Weit) Abhilfe fü> scine Acschwcrdcn suchcn dürfe, liege in dem Einfluß, dcn cs anf dcn Gatten äußere, indcm es diesen vcr-lUlige, den rechten Mann bei seiner Bewerbung um einen Sitz im Parlamente zn nulcrslützcn. Letztere Acuße-l"l!a. zog dcm Redner indessen unverzüglich dic vcr-dicutc Zurechtweisung Sir EharlcS Dillc's zu, daß cs slch hicr dnrchaus nicht um Frauen handlc, deren Vlän "er am Leben seien, sondern nur um solche, die als Un-verheiratete oder Witwen für ihre eigene Interessen ei»? ^clcn müßlen. Soust noch sprachen zu Guustcn der Vorlage Dr, Fr. Glayfair, Sir George Icnkinson u»d Herr Mm,tz, dagegen Bcrcsfoid, Hope und Sir H. ^l°fl. Der Minister des Innern theilte dem Hause '"it, das Cabinet als solches sei noch nicht in der Lage, sciu Urlheil über dic Vorlage abzugeben und ricth daher, btn Fortgang dcr Bill nickt zn beschleunige!', da die Sachc wichtige Fragen in ihrem Gefolge habe, welche wcm nicht ohne reifliche E'wä^nng e>ledigen lönüe. Wenn Franc» zuul Stimmrrchlc zngcl»sslN würden, so m auch f^i„ Om„d ,l,cln' voih^ni'cn, ihnen das Recht zu versagn, ciilc» 2itz im Hanse cinzüiuhmeu. Er ^ldc sich „,,lcr solchen Umstäudcn für dcn Vcrwcr-!lN'gs(nUrag (dcr iu dcr Fuim einer Motion ans M-!>l'»mung übcr die Volträ^c gestellt war) cillärc». Als Ma» darauf wirklich zur Abstimmung über den Verwcr-'""gsautrag schritt, fiel derscll'c mit 9l ge^en 124 Stim-'"kl, z„ Boden, was lnil lauten Zurufen von den Ban lcn des Hauses und Applaus von dcr durch das bc-l"lil,tc Gillcr dcm ?ln.,c cnlzo^cncn Damcminleiic be> Nlüßt wurde. Ohne nnilerc Opposition »l'nrdc alsdann b'c Vorlage zmn zwcitcu male gclcjcn. Ein Zndenklllwall in der Moldau. In dcr Moldau, nud zwar diesmal in dcr Stadt Tekutsch, hat in dcn letzten Tagen des April wieder ein Iudcntrawall stattgefunden, welcher bcdculcudc Verhält» nissc annahm. In anderen Städten der Moldau fürchtet mau ähnliche Crciguisse. so daß die Regierung es für nöthig fand, an die Präscctcn besondere Weisungen hinsichtlich der Sicherheit dcr Israelite,, ergehen zu lassen. Ucbcr dcn Vorfall in Trtulsch theile ich Ihnen mit, was das Amtsblatt vom 2«. April darüber berichtet, indem ich dazn nur bemerke, daß daS amtliche Journal stets geneigt ist, dergleichen traurige Vcgcl'cnhciten zu mildern und zu vertuschen : „Am Oslcrsonntag (24. April) entstand in Tclulsch in einem Zuckcrbäclcrladcn zwischen cincm Nnmäncn und einem Juden ein Strcit, welcher in einen Kampf ausartete, dcr das Signal zu cincr Iudcnhctzc wurde. Das Volt ergoß sich in die Gassen, sprcugtc dic Gewölbe dcr Iudcn, warf dic Waarcu auf die Gasse und zerstörte auch dcn Tcmpcl dcr Juden. In dcr Stadt befanden sich nur I5> Dorobanzcn (Po-lizeisoldalcn), wclchc gezwungen waren, sich vor cincm mit Messern, Knütteln und Revolvern bewaffneten Volts-haufeu zurückzuziehen. Dieser Volkshaufc bestand (nach dcm ..Monitorul") größtcnthcils aus Fremden (?) und ans Eiscnliahuarbcitcrn, dic zu dcn Feiertagen in dic Stadt gekommen waren. Nach zwei Stunden dcr Aufregung und dcr Verwüstung horlcu die Ruhestörer von selbst auf. Zur Herstellung dcr Ordnung waren sofort aus dcm Lager von Fnrceui Truppen herbeigezogen worden. Dic Nacht verlief ruhizi. ?lm andern Morden begann dcr Untersuchungsrichter dcn Thatbestand aufzunehmen ; abcr aus dcm Lager von Furccni waren nnr l;0 Mann geschickt worden, und die Compagnie Gcnic-truppcn, die ans Fotschani hätte kommen sollen, konnte wcgcn dcs Austrittes des Scrcthsinsscs nicht eintreffen. Dieser Umstand verhinderte die Localbchördcn, die Anstifter dcr Unordnung zu verhaften, und als die Excc-dcntcn bemerkten, daß bis 8 Uhr leine andere bewaffnete Macht angerückt war, übcrsluthctcn sie abermals die Gaffen und Straßen uud sctzt<->, ihrc Zerstörungen vom vorigen Tage fort. Die Soldaten, die "leinen Beschl zum Feuern erhalten hatten. l'cschränktcn sich darauf, die Aufforderungen dcr Behörden zu unterstützen, olmnchl einige Soldaten verwundet wurden, während von dcn Indcn nicht cincr verletzt wnrdc. (?) Am Dienstag (Listen April) traf das Gcnic^ Bataillon ans Fotschani in Tc-fulsch cin. Dic Rnhc ward nicht mchr gestört. Dcr Untcrsnchnngsrichlcr nahm scinc Arbcit wicdcr anf nnd dic Vcrhuftungcn wnrdcn, ohne Widerstand zn finden, vorgcno,nmcn. (A. A. Z,) Haqesncnisslieiten. — (Prächtige Fahucubänder) sind i» Pcst zur Besichtigung ausgestellt. Zwei sind von Ihrer l. Hoheit dcr durchlauchtigsten Frau Erzherzogin (5lolilde. Das cine ist ans rothem Sammcl mit der in Gold gestickten Inschrift: „^adnF.j <1ilululml,,«an kk/lmk äiel-iü«^,^. ldolikl s»",u<.,r003. //i>l/1<^.iimk 18<>9) (Flattere siegreich zuiu Richmc unseres Vaterlandes. Erzherzogin Clotildc dem Ofucr 03. Bataillon 1869.) Dieses Band ist reich mit Gold umsäumt und sind darauf auch die Wappen des Landes, der crzherzoglichcn uud der cobnrg'-schc» Familie sichtbar. Das andere, blaue Vand ist mit Silber gestickt uud trägt i>, ungarischer Sprache die Inschrift: „Ewiger Sieg begleite deine glorreiche Bahn. Erzherzogin Elolildc dem PcsvIazygier, 50, Honvcd-Bataillon 180!)." Prachtvolle Bäudcr hadcn die Gräfin I. Andrassy für das Klauscnbura.cr, Gräfin G. Szapavy für das Zalacv uud für das Zala-Mi.ratozcr Honved-Balaillo» angefertigt. — (Scherz und Ern st.) Mehrere feine Herren in Pest wollten einmal dcn Spaß mitmachen, sich eine plötzliche Allarmirung der Feuerwehr bei Nacht anzusehen. Der Odcrcommandant Graf Szcchcnyi willfahrte ohncweiterö ihrer Aitle und ertheilte demgemäß dcm betreffenden (5on-stabler dic Ordre, daß derselbe um 2 Uhr cin Kcllcrfcucr im griechischen Gebäude signalisiren solle. Gegen 2 Uhr Nachts bcgalen sich in dcr That mehrere Herren aus dem Nationalcasiuo in Begleitung dcs Grafen Tzcchcnyi nach dcm Pfarrplatze, um die Auöriickung nnd Hautirung dcr Feuerwehr zn sehen. Kurz nach dcm Moiucnlc, in welchem vcrabredclerwcise von dcm einen Eonstaliler die Feuer» wehr damit allarmirt wurde, daß angeblich im griechischen Gebäude ein Kellcrfeuer ausacbrocheu sei, wurde von anderer Seite ein Feuer in der Palatiugasse Nr. !>, im Gewölbe dcs Posamcnlircrwaaren und HuthändlcrS Moriz Hcch!, siqnalisirt. Die ausgerückte Feuerwehr wußte nun einen Augenblick lang nicht, wo die Hilfe nölhig sei, »doch zögerte Graf Szcchcnyi nicht lauge und dirigirlc die Feuerwehr rasch nach dcr Palalingasse, wo es in der That eine Gefahr gab. Ein Theil dcr neugierigen Herren aus dcm Nalionalcasiuo po-stirlc sich ans die Spritzen, Wasfcr- und Reqnisiicnwagrn und lam so bei dcr Brandstätte an. Nun war abcr dort die Gefahr groß; ei! gab mchr zn thun, als sich dcm muffigen Zusehen hinzugehen. Auf die erste Ausfordcrnng dcs Feuerwehr Obcrcommandanlcn haden denn auch die eleganten Herren sich rasch ihrer Glacehandschuhe und Obcrtlcidcr entledigt nnd an die Spritze gestellt,, wo sie vortreffliche Dienste leisteten und znr Bcwa'ltignng des Feuers beitrugen. Mit der Befriedigung ihrer Ncngicrde, einer Marmiruug der Feuerwehr beizuwohnen, wozu sich ihnen, wie man sieht, eine ernste Gelegenheit darbot, haben die Herren auch ein gntcs Werk gethan. — (Die erste große feste Do na »brücke) (im Wiener Prater be! Etadelau) geht ihrer Vollendung entgegen, und dürfte ciuc der großartigsten Brückenbaulen sein. Sie zerfällt, in einer Gcsammtläuge von 76s) Metern (2470 Fuß), in zwei Theile, in die eigentliche Do-naubrückc, die auf 14 Pfeilern ruht, mit einer Spannweile von 80 Metern im Hanptstrom, und in cine Inun-dalionsbrücke, die erstere 400, die letzlere 300 Meter lang. Ter Van gewinnt namentlich auch dadurch ein Interesse, daß er sich am User vollzieht, und daß die fertige Arlicke von dort auf die Pfeiler hinausgeschoben wird — ein Verfahren, welches in kleinerem Maßstabe bereits bei dem Freiburger Viaduct (Cchweiz) zur Anwendung kam. Tas Material dcr (.nscnconstruclionen, welche in den Werkstätten von Schneider nnd Comp. im (5 reuzot angefertigt sind und hier nur zusammengestellt und vernietet werden, hat ein Gesalnmlgcwichl von 60.000 Ecntncrn. — (Raubmord nnd Brandlegung.) Am 5. d. Nachts wurde, wie die „Prag. Ztg." mittheilt, in dem drei Slnudcn von Neichenbcrg entfernten Dorfe Neundorf cin schauderhaftes Verbrechen vcriibl. Während der gräflich Elam-Gallaö'sche Revierjäger F. Neumann in den herrschaftlichen Wald auf die Auerhcchnbalz sich begab, sind Räuber in seine Wohnung eingebrochen, indcm cr als wohlhabender Mann allenthalben bekannt ist, und haben daselbst nicht nur allcs ausgeraubt, sondern auch seine Frau durch mehrere Etiche in die Brust ermordet, ihren Leichnam sodann mit Stroh bedeckt nnd hierauf das Wohnhaus angezündet. Die herbcigecillcn Nachbarn konnten nur wenig retten, wcil das herrschaftliche Jägerhaus ziemlich weit von den Häusern des Dorfcs entfernt steht. Als bewunderungswürdig erwähnt der Bericht die Treue und Aufmerksamkeit cincs im Hause zurückgebliebenen Hundes, der, als die Feucrsgcsahr ausbrach, auf dcn Dachboden sich begab, um die daselbst schlafenden zwei Personen, einen Mann »nd einen Knaben, durch Kratzen mit seinen Pfoten zu wecken, sonst wären diese unausweichlich mit verbrannt. — (Für dcn Anbau dcr Sonnenblume.) Ein im „Militär-Wochenblatte" befindlicher Aufsatz dcs Dr. Mev. W. Valentin zu Frankfurt am Main liber „die in den Festungen herrschenden Fieber-Epidemien, ihre Ursache unb ihrc Verhütung," euthäll die Mittheilung, daß unsere Tonnenblumc (14<.!iiim schcidcndcs Resultat dcr Ausßlcichsucrhll»dlunsseli herbeizuführen. Sc. Erc. dcr Ministerpräsident Graf Po-locki wird — wie dies ursprünglich bestimmt war -^ liächste Woche zu kurzem Aufenthalte uach Prag reisen. Paris, 10. Mai. (Tr. Ztg.) Gestern M,c»dS fanden in mehreren Stadlthcilcn Unruhen statt, Barrikaden wurden errichtet durch umgestürzte Omnibusse, rö ertönten die Ruse: Es lebe Nochcfort, es lebe die Republik! Chasseurs, Stadtscrgcantcu und Garde räumten die Barrikaden weg, ein Aufrührer wurde fchwcr vcr-wulidcl, eine Tchildwachc ist verschwlindcn, ein zu den Aufri'chrcrn üdcra.ca.cillgc»er Soldat wurde ergriffen. In dcn Departements herrscht Ruhe. vom I". Mai. 5verc. Metallianes 60,50. — 5perc. Mctallique« mil Mai' »lid November-Zinsen 6'l,ru 69.75. Ittül^r 3lc,a!5^'os^ 9<:/,0. - Baularlm, 716. Evcdii- Aclicn 251, — pnudmi 123,»5. — Silber 121.25. Napo- lcoud'orS 9 88'/,. Daö Postdampfschiff „Allemcumia," Llipitän Varends, ging am 4. Mai mil 728 Passagieren von Hamburg vi« Havre nnch New-Yoll at>. 'Angekommene Fremde. All! 8. Mai 2tadt Mien. Die Herren: Pniuschart, von Klagenfiirt — Blcrmann, l, l. Beamto, von Eilli. — Gabriel, k, l staatö-anwal:, von Graz. Preleönil, Pfarrer, von Stein, --Slainpfel, Handels»,., von Oldenburg. - 'l'etettnct, Handelsmann, uo» S^a/'din. - Tugendhaft, Kanfm, von Vielitz. ^ Brauner, Kaufin., uou Wien. — Tchnrbi, Advocat, von Cilli. — Fink, ssaliriks-Äeschcr, van Oraz, Elefant. Die Herren: Edler v. Von, t. l, Rittmeister, von Trieft. SlVrgnl, Gnlöbes., von Idria. — Kazda, Ban-Ill-spcclor, va» Wien, — Wallmmin. Kanfm., von Druden. — Kastcliz, Handels»,, von Trieft. — Hell, Großhändler, von Trieft. — Karlin, Baunnternchnicr, von Lack. — ^,'ilasch, I»-gmienr, lion Lack. — Gaischcg, Ingenieur, von Zwischen-wässern. Vaicrischer Hof. Die Herren: Iasci, von Tricst. — Ma» fioli, von Tricst, llt6le ^ H <3 » ^ ^".3 ^li'Mg.^32tti!,! 4- 8,, ' windstill Ncb^ <^> " M 2 „ N. 325.5« ^-15., i windstill Ream c»'.,„ 10., Ab. z 32545 >11.0 ! windstill , lrlllie """"' ^Itachlö fteruciihcll. Um 4 Uhr trat dichter Nebel e»,, der sich »ach 7 Uhr hob. Pormiltaa.s zniirhninlde Vewöltiing. Nachmittags »icgci,, seit 1',, Uhr mit nningen Unlrlblechnngen bis ,n die Nacht anhallcnd. Daö Tagebmitle! der Wärme -j-11°, n,n 0''. .Klein m a l> r^ N^rloNlit.orick» 2,^iel>, '.) Mai. Die Vorkurse verlelntc Anfangö zn hohen Enrstn, guig jedoch im wcilerc» Bcrlanfc laniisam znrück , da dlc del Beginn anögefilhrten Känfc tciiic Furt-z^llt^l»U^»U^. schling fanden und daö Eonlissenspiel allein den Curs nicht z» halten vermochlc. (Wdit-Actien nolirlen 25,'i,60, 25«!.80, 253.20, Anglo 314,50, 318, 313.5«, Lombardril 189.80, 13^.40. Tranuual, 212.50, 211.75, Franco 1l5.5>0. Unionbanl 220. 218,50, Bantnerein 2^7, 239, 238, Vanbank 72 25, 7^, Karl-Lndwif, 235.75, 234.7n. Selbst dic tieferen Notirnnqen sind jedoch noch immer beträchtlich hüher, als rine von, Samstag, da eben seit Samslag M>t!agg i>n Priuawerkehr rin starker Prcitzaufschlag eingetreten war, Mittags setzte sich die rückgängiqc Äe-wegunq fort. Zur Erllärnngozeit uotirten Credit 251. Anglo 3!0, Union 218, Bankucrcin --, Nordbahn 2220, Napoleons 9 fl. 87,^ tr., Rente 0<».?0, Silbcrreiitc 69.80. Dampfschiff waren bis 607, Escompte biö 875 begehrt. Ueberhaupt war die zweite Hälftc dcr Bürsezeit belebter uud weist da« Tableau der Schlnßcurse wieder Avancen aus. Aulagspapiere uud Devise» notlrcn annähernd wie Samstag. ____ ___ ____________________ _____ ^U. Allstelueine Staatoschuld. Fllr 100 fl. Geld Waar^ Einheitliche Staatsschuld zu 5 pEt.: in Noten verzinst. Mai-November 60 65 60.75 „ „ „ Februar-Angnst 60.65 60. ?5 „ Silber „ Jänner-Juli . 69.85 69.95 „ „ „ April-October. 69.70 69 80 Stcueranlehcn rückzahlbar (?) . 98,75 99.— (z) . 97.50 98.— Lose V,I. 1839 ..... .230.-23050 „ „ 1854 (4 '/„) zn 250 s!. 30.- 91.— „ „ 1860 zu 500 fl. . . 96.50 96,70 ,. „ 1860 zu 100 ft. . . 1"5,50 106.50 „ ,. 1864 zu 100 fl. . 119 - 119.25 S^allts-Doinäneu.Pfandliriefe zu V20 st. ü W. ,,i Silber . . 128.50 128 75 U. Grundentlastunsts-Obligationen. Filr 100 ft. „.^ Gr!d Waare ^öhmen .... zu5ipCt 95... 96.- Mmzlcn .... s, 7440 7480 Meder-Oesterreich. . '.'../' A"> /^.^) Ober-Ocsterrelch . . „ 5 „ 95..,, ^. ^ Siebenbürgen ... » 5 „ 7575 7^^ Ste,ermarl ... « 5 „ 93.— 94.^ Ungarn ...» "5^ 79.80 80.20, O. Actien von Bankinstituten. Geld Waare Aiiglo-öfterr. Vaul abgesl, . . 314 — 314.50 Anglo-ungar. Bant .... 95.50 96,50 Vcmtvercin.......238,— 238.50 Bodeil-^rcditanstalt . . . . 380 - 382.-ErcditauNalt f, Handel u. Gcw, . 252,30 25^,50 Crcditauftalt, aügeni. nngar. . . 85— 85 50 Escumpte-Gcscllschaft. n, o. . . 872. 875. -Franco-oslerr. Baut . . . .114.75 115.50 Gemralbanl.......—.— -.— Nationalbaul.......719 — 721 — Niederländische Van! . . . .102— ia3" Vcrcinsblliil.......105 — 106.— Vertehrsbank.......110.— 11!.— Wiener Bant......76.50 ??.— «. Actien von Trausportlltltcrneh- mu»ge». Geld Waar,> Nlfäld-Fiumaner Nahn , . .173.-173.5' Böhm, Weftbahn.....239.50 240.5.0 Carl-Ludwig-Bahn.....2^5.25 255,75 Douan-Dampfschifff. GescUsch. . 600,— N<>3 - Elisabeth.Westbahn.....196,50 197 - Ferdmands-Nordbahn . . . .223!') —2240.— Funslirchen-Varcser-Nahn . . 173.— 174.— ! Frmiz-Iosepti«,Vllhn .... 167.50 188 50 Lembrrtl:.— ' Theiß-Bahn.......224 225.— ^ Tramway........211,— 211.50 D. Pfandliriefe (flir 100 ft) Allg. üst Bod^n-Credit-Vliistall Geld Waare oerl^bar zu 5 vEl. in Silber 107.25 107 50 dto.in33I.rüctz.zu5p00Fr. „1. Em. 142.— 142 50 Sildb.G, 3"/,i.500Frc. „ . . 115.— Hb.bl) Südb.-Bons 6"/, (1870^74) /. 500 Frcs......245.— 245.5" Ung, Ostbahn......88.75 88.^ «. Privatlose (per Stück.) (Kreditanstalt f. Handel u. Gew. Ocld Waare ,u 100 st. ü W......I59,f.0 159.75 Rudolf-Stiftung zn 10 ft. . . 14 50 1!>.>''" Wechsel (3 Mon) Geld Waa" Augsburg für 100 st siidd. W. 102.90 103 1" stranlfnrt a,M. 100 fl. bctto 103,15 Il'3 30 Hllmbnrg. fnr 100 Marl «a,:co 91,40 91"^ ^'midoii, fitr 10 Psnud Sterling «23 80 «U.'<-''> Paris, filr 100 Francs . . . 49,15 49.^" l5o,lrS l>^r Geldsovt»» Gel» Wa«" K. MUuz-Dncatei, . 5 si. 85' lr. 5 st. 8«! ". Napoleansd'or . . 9 ., 87^ » 9 ,. ^ " Verrinslhaler. . . 1 „ 82' >, l . "^' " Silbcr . . 121 ,. 10 ,. '^1 « ^'' " Kraimsche Erundentlaftungs-Obligatloueu, Pr» votnotirung: 8«.- Gelb, 94 Waare