Vrällumrrailoa» - prcilc ^ Für Laibach «Sou„ährlg . . . ^ fl. — kr. Halbjährrg . . . ^ „ Merreljährrg. . . i „ L(> „ Monarlich . . — ^ 50 ^ Mil rer Post: Gan,lährig . . . s fl. — »r. Halbjährig . . . « » LIi , Bierreljabrig. . . » » rs . KLr Zustellung ins Haus viertel, jährig rs kr., nwnatlis !« kr. Einzeln- Nummern L kr. Laibacher Tagblatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesender. Lkdaklioo: «ahndosgaffe Nr. 1»». Lrnkdili-m uud Zulrratku-Liirtail i Kongreßplatz Nr «I («uSdandw, z von I. V. K leinmavr L «s.Bamdcr»,- Zuscrliousptrisr: Kiir die einspaltige Petitzeile!I kr. v^i zweimaliger Ein!»allnng » L!,. dreinial L 7 kr. ^nserlionssiemvel jedesmal »t, kr. Bei gröbere» Inseraten und öfterer SinISaltnng entlxreibender Rabatt. Nr. 47. Montag, 28. Februar. — Morgen: Fastnacht. 1870. Monnements -Einladung. Mit 1. März 1870 beginnt ein neues Abonnement auf das „Lnibacher Tagblatt." Bis I. April 1870: Für Laibach ...............................50 kr. Mit der Post...............................75 kr. Für Zustellung ins Haus monatlich 9 kr. WM- Auf das „Laib. Tagblatt" kann täglich abonnirt werden, doch muß das Abonnement immer mit Schluß eines Monates ablaufen. Dem verunglückten Ausgleich mit den Czechen widmet die in Prag erscheinende „Deutsche Volkszeitung" folgenden Nachruf: Das Ereigniß, das in der verflossenen Woche die czechifchcn Kreise und die czcchischen Blätter in§ Athcm gehalten hat, war die Einladung des Mini-^ stcrs Dr. Giskra an die Herren Doktoren Slad-! kovski und Rieger, nach Wien zu kommen und mit ihm über die sogenannte „czechische Frage" zu verhandeln. Diese Einladung traf die Herren wie ein Blitz ans hntercm Himmel. Sie hatten den Feld< zug gegen unser Ministerium mit Roß und Mann bereits angetreten und unter den Pfeilm, die sie Tag für Tag gegen dasselbe verschossen, fand sich Tag für Tag der Pfeil der „Unversönlichkeit," die^ sic unserem Ministerium vorweifen. Und siehe da, es kam der Geist der Versöh-, lichkeit über unser Ministerium offenkundig für jeder-i mann, zu lesen und zu begreifen für jedermann in dem viclzüngigen Oesterreich, nur vielleicht nicht zu begreifen für die Deutschen I Und es erging eine Botschaft an die Herren Sladkovski und Rieger,! um mit dem Minister Giskra Rathes zu pflegen und zu besprechen, was geschehen solle zu Nutzen und Frommen — der großen czcchischen Nation. Sladkovski und Rieger fühlten sich aber gedrückt im Gemüth, und wußten nicht — wie ihnen dies srüher schon öfters passirt ist — was sic thun sollen. Und sie beriefen oie anderen Weifen und Führer der Nation um sich, so viele ihrer da waren in Prag, Mann für Mann, hielten Ralh mit ihnen, was geschehen sollte, und ob sie dem Ruse folgen sollten, der von Süden an sic ergangen. Und sie beratschlagten lange und endlich wurde beschlossen, Nicht nach Wien zu ziehen in die Stadl des Teufels und nicht zu unterhandeln mit Giskra, dem Sohne des Belzebub. Einer der Weisen stand aber auf und sagte: Was antworten wir uusereni Volke, wenn es uns fragt: warum >eid ihr nicht gegen Süden gezogen und Habel die Hand nicht angenommen, die man euch cnlgegengeslreckt? Wir können ihm doch nicht sagen, was wir allein wissen dürfen, daß wir selbst nicht wissen, was wir wollen, uud deshalb nicht gegen Süden ziehe». Da erhob sich ein anderer und sprach: Müssige Frage. Verkündet doch dem Volke, daß mit Giskra nichls anzusangen, weil er zuerst den Sladkovsky geladen und dann erst mich, den Rieger, da ich doch älter bin als Sladkoosly und um 100 Rinder reicher; verkündet doch dem Volke, daß mit Giskra nichts anzusangen, weil er die Fürsten unserer Nation vergessen, die Martiniee, die Thune, die Lob-kowice, ohne die doch dem Volke nichts frommen und gedeihen kann. Verkündet doch dem Volke, daß mit Giskra nichts anzusangen, weil er unsere Brüder in Mähren vergessen, die von uns zwar nichts wissen wollen, die wir aber an uns ketten müssen zu ihrem Heile und Besten. Und nachdem dieser Weise gccndet, erhob sich ein allgemeines Gemurmel des Beifalls ; Sladkovsky und Rieger gingen nicht nach Wien und man verkündigte dem Volke, was der zweite Weise geredet und das Volk war zufrieden, denn cs glaubt —' an Worte. — Verhandlungen des Resolntions-Ans-schnsses. Der Resolutions-Ausschuß des Abgeordnetenhauses setzte am 25. die Deratbung über den Grocholski-schen Antrag fort. Die Diskussion begann bei Ht. 6 des Punktes nach welchem die Feststellung ?er Grundsätze des Unter richtswesens bezüglich der Volksschulen und Glmnasic», daun die Gesetzgebung über die Universitäten in die Kompetenz des galizischm Landiages übergehen soll Ministerpräsident Ritter v. Hcisner bemerktim vorhinein, daß die Regierung eine definitive Erklärung ihrerseits erst dann werde abgeben können, wenn sie aus der Annahme oder Ablehnung der einzelnen Punkte im ganzen eine definitive Erledigung des Gegenstandes der Frage erwarten, darf. Zwar 'finde die Regierung in den derzeitigen Zuständen der Gesetzgebung in Galizien insofern- einen Anhaltspunkt zu einer Konzession, als das Regulativ für den Landes,'chul-rath Galizien in eine ganz besondere Stellung mik Rücksichl auf das Unterrichtswesen gebracht hat. Doch könne sie nicht verkennen, daß nach der Natur der Sache die Gesetzgebung über Universitäten, welch letztere Weltanstalten mit dem absoluten Bedürfnisse der Freizügigkeit sind, weder im Interesse des Landes gelegen sei, noch eine Landesgesetzgebung in dieser Richtung als wünscheuswerth erscheinen könnte. Ritter v. Grocholski und Ritter v. Czer -kawski meinten, man könne Überzeugtsein, daß Ga- Feuilleton. Ein Kapitel aus dem Roman Garibaldis. Ein Mailänder Blatt veröffentlicht das 42. Kapitel des soeben dic Presse verlassenden neuesten Romans des Einsiedlers von Eaprera, welcher, wie eS, scheint, eine hervorragend politische Tendenz hat und mehr den Charakter eines politischen Glaubensbekenntnisses oder einer Sammlung der mitunter extravaganten Anschauungen Garibaldi's, als einer Zeit-uud Sittenschilderung an sich trägt. Die Personen des Romans werden durch ihre Schicksale nach der Insel Eaprera verschlagen. Hören wir, wie der General die Insel und ihre Bewohner schildert: „Im italienischen Archipel, der im Süden mit Sizilien anfängt und im Norden mit Eorsika auf-aufhört, befindet sich eine fast verödete Insel. Zusammengesetzt aus reinem Granit, sind ihre Wasserquellen ganz vortrefflich, obwohl sie im Sommer eben nicht reichlich fließen. Die Insel ist reich an Vegetation, nicht von hohem Wuchs, den lassen die Stürme nicht zu, die unbarmherzig über die Insel Hinsegen. Die fast beständig und nur allzu stark über die Insel hinstürmenden Winde machen aber die Luft gesund. Die Gesträuche, welche in den Ritzen der Steine emporwachsen, sind alle aromatisch, und wenn du, ein Gast auf dieser wüsten Erde, ein Feuer anzündest, fühlst du, wie der liebliche Geruch der verbrannten Zweige die Luft durchwürzt. Das wenige Vieh, das auf der Insel weidet, seine Nahrung in den Felsen suchend, ist klein von Wuchs, aber sehr kräftig. Die wenigen Bewohner der Insel leben nicht glänzend, aber in einem reichlichen Wohlstände von den Produkten der Fischerei und der Jagd, und zu einem geringen Thcile auch des Ackerbaues, und verdanken viel der großmüthi-gen Fürsorge der Freunde, welche vom Kontinent das Nöthige herbeisühren. Die beschränkte Zahl der Bewohner macht Regierung uud Polizei überflüssig, die Abwesenheit der Priester ist der größte Segen der Jusel. Man verehrt da Gott, wie eS sich gcbührt, im Geiste, ohne Prunk, in dem großartigen Tempel der Natur, der den Himmel zum Gewölbe und die Sterne zu Leuchtern hat. Das Haupt der Familie, welche auf dieser Insel herrscht, ist ein Mensch, wie alle ändern, mit seinem Glück und Elend. Er hatte das Geschick, einige Zeit der Sache der unterdrückten Völker zu dienen, wie irgend ein Sterblicher, hat auch er seine Gebrechen. Kosmopolit, liebt er doch vom Herzen sein Land — Italien, Rom, ja er vergöttert eS. Er haßt dic Priester als eine trügerische und schädliche Institution, abcr an dcm Tage, an wel chcm sic ihren Charakter, den die Geschichte an ihrer ! Kaste nachweist, verlieren und wieder Menschen werden, ist er bereit, sie freundlich aufzuuehmen und ihnen ihre vergangenen Fehler zu verzeihen. Er bekennt sich zu den Ideen allgemeiner Duldung und unterwirft sich ihnen, aber die Priester als Prie-i fter erkennt er nicht an. Er hat sein Leben in der Hoffnung verbracht, das Volk veredelt zu sehen, und er hat immer und überall seine Rechte vertheidigt. Aber mit Beschämung bekennt er, theilweise enttäuscht worden zu sein, weil der vom Glück emporgehobene Plebejer z mit dcm Despotismus eins und vielleicht noch schlechter als der Patrizier geworden ist. Deswegen verzweifelt er aber nicht an der menschlichen Veredlung — es schmerzt ihn nur, daß sie so langsam fortschreitet. (Schluß folgt.) Morgen wird das Blatt um vier Uhr auSgegeben. lizien sich nicht rou deu Eiurlchtungen und Bedürfnissen der Universitäten im allgemeinen ausschließen werde. Es wurde in dieser Beziehung auf die Schweiz hingewiesen. Ebenso muß man auch berücksichtigen, daß von den Universitäten die Lehrer der Mittelschulen erzogen werden, daß von ihrer Bildung die Wirksamkeit der Volks- und Mittelschulen abhänge. Abg. Groch olski erklärt entschieden, daß der galizische Landtag auf diesen Pult, als einen ker vorzüglichsten, ein besonderes Gewicht lege. Abg. Kurauda frug die galizischen Abgeordneten, was sie denn mit der Uebertragung der Gesetzgebung über Universitäten an den galizischen Landtag für spezielle Gesetze und Einrichtungen beabsichtigen, und wodurch sich diese von den jetzt bestehenden Einrichtungen und Normen unterscheiden sollten. Andere Redner waren der Ansicht, daß, wenn durch die Bewilligung der Gesetzgebung über die Universitäten ein gesicherter Friede mit der galizischen LandeSvertretung erzielt würde, auch hierin allerdings auf Zugeständnisse ihrerseits gerechnet werden könnte. Es wurde weiters hervorgehoben, daß auch die Nationalität der Ruthenen und deren Schutz, sowie die Sorge für die Mittel zu ihrer Bildung geschafft und garantirt werden müßten; ebenso das Moment ins Auge gefaßt, daß viele Mittelschulen und namentlich auch die Universitäten in Lemberg und Krakau aus Reichsmitteln erhalten werden, und daß eine Anomalie daraus hervorgehe, wenn die Einrichtung und die Anordnungen vom Lande Galizien getroffen würden, welche das Reich dann ohne Einrede zu zahlen hätte; und endlich die Frage erörtert, wie es denn möglich sei, daß ein galizifcher Advokar oder Medizinä Doktor in den andere» Ländern oder umgekehrt ferne Wissenschaft ansüben würde, wenn an den gedachten Universitäten verschiedene Einrichtungen bestehen sollten. Vom Minister-Präsidenten Dr. v. Haf-n e r wurde bemerkt: daß er die Gesetzgebung von Seite des Landes über Universitätssachen nicht als zweckmäßig erachte, daß die Regierung aber insoserne, salls gerade diese Frage als der Angelpunkt der Entscheidung betrachtet werden sollte, dieselbe auch gleichzeitig als diskntirbar annehmen würde. Intime Briese aus dem Konzil. Nom, 21. Februar. (N. Wr. Tagbl.) In dem Hotel einer der hiesigen Gesandtschaften erzählt man heute, der Zorn des heiligen Baterö gegen die Veröffentlichungen in der „Allg Ztg." sei so groß, daß er beschlossen habe, die Kanones von der Kirche zurückzuziehen, weil dieselben „durch die Öffentlichkeit beschmutzt worden seien und deshalb nicht mehr würdig erscheinen, das Konzil zu beschäftigen." A» Stelle der so „beschmutzten" Kanoneö sollen andere ansgearbcitet werden. Sollte diese Nachricht sich bestätigen, dann würde das ein höchst eigen-thümlicheS Licht auf die Theorie der Unfehlbarkeit werfen. Denn entweder sind die veröffentlichten Ka noneS die richtigen, dann können sie nicht „beschmutzt" und auch nicht geändert wevden. Oder aber es ist eine solche „Beschmutzung" möglich, nun dann darf überhaupt nichts an die Oeffentlichkeit kommen, was übrigens das beste wäre, denn dann bliebe die ganze KonzilSaffaire ein Familiengeheimiiiß der Väter, das niemanden zu bekümmern brauchte. Man nimmt die Vertagung des Konzils ernstlich in Aussicht. Der Papst gedenkt seine Paläste von Castelgandolfo und Porto d'Anzio für die Bischöfe herzurichten, die während der heißen Jahreszeit nicht in ihre Heimat zurückkehren würden. Biele Bischöfe nehmen jetzt schon Urlaub. Die Gesammtheit der Kölner Diözese hat in einer an den Monsignor Melchers gerichteten Adresse gegen das Dogma der Unfehlbarkeit protestirt. Der Karneval ist bis jetzt wenig belebt. Die katholische Ausstellung macht Fiasko. Am ersten Tage wurde sie von 800, am zweiten von 500 und gestern, am Sonntag, bei emem Eintrittsgelde von nur einem halben Franken, von nur 1300 Personen besucht. Politische Rundschau. Laibach, 27. Februar. Die „Pslitik" bringt in einer kurzen Notiz die Mitteilung, daß die Herren Rieger und Sladkovsky die Einladung des Ministers Dr. Giskra definitiv abgelehnl haben. Dieser Entschluß der beiden Herren scheint erst in letzter Stunde und zwar, wie uia» der „Tagesptesse" miuheilt, unter einer bedeutenden Pression gefaßt worden zu sein, die von der vereinigten aitezechisch klerikalen Kligue in Prag auSgegangen ist. Nach unseren Informationen erklärte sich Dr. Sladkovsky unbedingt für die Ansgleichsverhandlungen, während Dr. Rieger sich anfangs neutral verhielt und erst später, als sich seine Parteigenossen bei den Konferenzen in heftiger Weife gegen die Einladung wie gegen das Ministerium überhaupt auSspracheu, sür die Nicht-annahme der Einladung plaidirte. Dem Terrorismus der altczechischen Klique in Prag ist es also gelungen, auch diesmal die Hand der Berständigung, welche der böhmischen Oppositieu gereicht wurde, zurückzuweiscn. FM2. v. ttoller soll zur Berichterstattung in dieser Angelegenheit heute in Wien eintresfen. Das Ablehnungsschreiben hält an dem Standpunkt der Deklaration sest, betont, daß die Eingeladenen nicht berechtigt seien, namens der böhm.-mährischen Opposition zu verhandeln, und daß unter den derzeitigen Verhältnissen eine fruchtbare Ausgleichs-Diskussion undenkbar sei. Es ist hier — lelegrasirt man der „Bohemia" aus Wien — die bestimmte Nachricht cingttrossen, daß die ö st er reich i s ch- » ng a r isch en Bischöfe mit kaum nennenSwerther Ausnahme das Konzil und Rom verlassen. Zu Thorda in Siebenbürgen hat unlängst eine Versammlung hervorragender rumänischer Führer stattgefunden, lieber das dort entworfene Programm bringt die „Hermannstädter Ztg." folgende Details: Es soll zur Bertheidigung der Interessen der rumänischen Nation Siebenbürgens eine Geua-ral-Deputation, bestehend ans drei Mitgliedern und drei Supplenten, eingesetzt werden. Es soll ein Einvernehmen mit den Rumänen in der Bukowina und mit jeder „unterdrückten Nation" der Monarchie, besonders mit den Ezechen, Kroaten, Serben, Slovenen u. s. w., vermittelt werde«, um mit Uebereinstimmni'g in der Erreichung der nationalen Zwecke sichere Erfolge erwirken zn können. — Es soll aber auch mit 'Aufrichtigkeit dahin gestrebt werden, die Magyaren selber durch Hinweisung auf die ihnen und allen Völkern der ungarischen Krone drohenden Gefahren sür die Aendernng des jetzigen Systems zu kapazitiren. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitnng" be- zeichnet die Nachricht des Londoner „Standard," daß Graf Daru über den Inhalt der anläßlich der ReichötagSeröffnung gehaltenen Thronrede eine Interpellation nach Berlin gerichtet und befriedigende Erklärungen verlangt habe, als erlogen. Die Diskussion über die äs inori- kui- vlericorum wird, wie mau aus Rom, lOlen Februar schreibt, täglich fortgesetzt. Erzbischof Hay-nald krilisirte das Lreviku'ium romumtw, er führte die Fehler und Anachronismen an. Er bat inständig, die Reform betreffs des Breviariums und der liturgischen Bücher, wie sie von Papst Benedikt XIV. begonnen wurde, durchzuführen. Der Erzbischof von Kalocsa hat ein mächtigeres Organ und mehr ora-torifche Gewalt, als der Bischof von Diakovar, aber man versichert, daß Stroßmayer viel einschmeichelnder ist und an die besten französischen DebatteurS erinnert. Erzbischof Haynald's Redeweise charakterisirt die Wärme der Begeisterung. Die lateinischen Reden Haynald's und Siroßmayer's sind die besten, welche im Konzil gehalten wurden. In Lyon haben bei der Rekruten-Aushebung einige Demonstrationen stattgefunden. Banden durchzogen die Stoßen, indem sie die Marseillaise und die Girondins sangen und Viv« Lovlrskort! riefen. Nur die, welche den letzteren Ruf ausstießen, wur- den verhaftet. Zu Konflikten kam es nicht. Auch in vielen anderen Städten fangen die Rekruten ebenfalls die Marseillaise. Die Behörden schritten aber nicht ein. Der Herzog von Montpensier machte bekanntlich jüngst eine Reise nach der spanischen Hauptstadt, so eine Art Kronsahrt. Wie verlautet, haben so ziemlich alle Minister dem Herzog einen entgegenkommenden Empfang bereitet. Das Verhalten des Marschalls Prim jedoch soll sehr diplomatisch gewesen sein; er hätte, wie man erzählt, dem Herzog versichert, daß er persönlich gegen seine Bewerbung nm die Krone gar nichts einzuwenden habe, daß er aber durch politische Verpflichtungen bis jetzt gehindert sei, dieselbe ;u unterstützen. Der sünszehnte Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, welcher das Stimmrecht nnabhängiig macht von Abstammung oder Haut färbe, also das N e g e r st i m m r e ch t ausstellt, ist jetzt von den erforderlichen drei Vierteln der 37 Staaten, nämlich von 29 derselben, bestätigt und tritt demnach in gesetzliche Giltigkeit. Aus dem Gerichtssaale. Graz, 24. Februar. (Eine „Engelmacherin.) Im Jahre 1868 wurden im Murflusse die Leichen von vier Kindern gefunden, welche sämmtlich. nicht unmittelbar, fondern wenigstens einige Tage nach ihrer Geburt zum Tode gekommen waren. Die kleinen Leichen waren ganz nackt, mir Ausnahme der am 14. August in der Mur gefundenen, eines Knaben, welche ein Herndchen und Häubchen anhatte. Die Erhebungen lenkten den Verdacht, dieses Kind gewaltsam zum Tove gebracht zu haben, auf die Brun-nenarbeitersfrau Anna Pausch, welche daraus ein Geschäft machte, Wöchnerinnen bei sich entbinden zu lassen und neugeborne Kinder in Verpflegung zu nehmen. Dieses Weib hatte seit April bis 16. Dezember dreiundzwanzig Säuglinge in Obsorge übernommen, von denen dies festgestellt ist, wobei man annehmen kann, daß deren noch weit mehr waren. Diese Annahme ist dadurch gerechtfertigt, daß die Bettgeheriunen der Anna Pausch fortwährend wechselten und der Abgang verstorbener Pfleglinge stets durch neue ersetzt wurde. Von den dreiundzwanzig Kindern sind zwanzig gestorben und drei deni Weibe abgenommen worden. Dreizehn dieser kleinen Leichen waren zur Beschau gelaugt, welche eiuen natürliche» Tod derselben konstatirte, sieben dagege» wurden weder vom Todteubefchauer untersucht, noch in die Todtenkammer des allgemeinen Krankenhauses gebracht oder beim Pfarramt angemeldet. Es wurde außer allem Zweifel festgestellt, daß die zuletzt ausgesundene Leiche von dem Manne der Pausch in die Mur geworfen wurde, was er auch mit den übrigen nickt angemeldeten sechs Leichen gethan hatte. Die Eheleute Pausch machten, wie gesagt, aus der Ausnahme von Wöchnerinnen und der Verpflegung von Kindern einen Erwerbszweiz. Doch wurden die armen Kleinen von dem Weibe erbarmungswürdig gehalten, abgesehen von den unvermeidlichen schädlichen Einflüsse», denen sie in einem Zimmer anSgesetzt waren, wo oft acht Personen schliefen. Wenn die Kinder meist vor Hunger schrien, wurden sic geschlagen, in die Polster gesteckt, damit mau ihr Weinen nicht höre, und zum Schlafengehen mit Mohnabsud beruhigt, wozu das Weib bis zu vier Mohnköpfe verwendete. Die Angeklagte hat im Jahre 1860 ihren Mann geheiratet, nachdem sic schon früher sechs uneheliche Kinder gehabt hat, von denen noch zwei am Leben sind. Sie bleibt bei der Schlußverhandlung wie in der Voruntersuchung dabei, daß der erwähnte Knabe, mit welchem sie allein im Zimmer war, in der Nacht auf ihren Armen an den Fraisen gestorben sei, doch gibt sie zu, daß sie ihm zur Beruhigung eine zusammengelegte Windel über das Gesicht gelegt hat. Die Leiche blieb drei Tage im Zimmer liegen und wurde dann des Abends in die Mur geworfen, was die Angeklagte wußte. Dom April bis zum 16. Dezember erhielt sie von den Müttern der Kinder 260 Gulden im Fm- delhause bezogene Abfertigungsgelder. Die von ihr übernommenen Kinder sind durchschnittlich sechszehn Tage nach der Uebernahme gestorben. Es erscheint deshalb die 49 Jahre alte Anna Pausch, ein Weib mit harten Zügen, unter der Anklage des Verbrechens des gemeinen Mordes, der Ueber-kretungen der Veruntreuung und der versuchten Verleitung zum Diebstahle vor Gericht und netzen ihr sitzt auf der Anklagebank ihr Mann Anton Pausch, 49 Jahre alt, wegen Mitschuld am Morde und der Theil-nehmung an der Veruntreuung. Bei dem Transporte der früher in die Mur geworfenen Kinder hatte ihm das Weib den Korb mit zwei Leichen eine Strecke weit getragen. — In dem . Arreste wurde von der Angeklagten an ihren Mann ein Brief geschrieben, welchen sie ihm — wie sie lachend bemerkt, was ihr der Vorsitzende verweist — in einem Semmelschmarrn überschicken wollte. Sie forderte in diesem Briefe ihren Mann auf, fest zu bleiben und sie nicht „einzutunken," sondern zu sagen, sie wisse nichts davon, daß er die Leichen in die Mur geworfen habe. Zu der für drei Tage angesetzten Schlußverhandlung sind 23 Zeugen vorgeladen. Mit dem Verhöre der Angeklagten und dem Vernehmen der Gerichtsärzte schließt die erste Sitzung, zu welcher sich eine große Zuhörerschaft eiugefunden hat. Auf das Resultat der Verhandlung werden wir zurückkommen. Zur Tagesgeschichte. — Der Kaiser wird bis zum 6. März in Pest weilen, dann für einige Tage nach Wien gehen und nach Pcst zurückkehren. da die Kaiserin bis Ende des Frühlings theils in Ofen, theils in Gödöllö residiren wird, wohin mit Eintritt der milderen Jahreszeit auch Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela kommen. — In einem vor dem Geschwornengerichte durchgeführten Ehrenbeleidigungs-Prozesse kam es vor dem obersten Gerichtshöfe zur Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde, welche der Angeklagte gegen das Urlheil des Geschwornengerichtes überreicht hatte. Der oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde. Der Prozeß ist in juridischer Beziehung von hohem Interesse, da in demselben sehr wichtige prinzipielle Fragen berührt wurden. Der oberste Gerichtshof entschied solgeudes: 1. Die Eidesformel der Geschwonen ist für alle Religionsbekenntnisse eine gleiche. Kruzifix und Thora kommen nicht in Betracht, cs genügt das Aussprechen der Worte: „Ich schwöre." 2. Bezüglich der Berjährungssrage haben die Geschworenen über die Umstände, welche die Verjährung bedingen, zu entscheiden, über die Frage jedoch, ob die Verjährung wirklich stattfindet, soll der Gerichtshof nrtheilen. — Die deutschen Beamten, welche aus Anlaß des Ausgleiches mit Ungarn daselbst nicht verwendet wurden, bezogen bis jetzt ihre Qnieszeuten-Ge-bühr aus dem ungarischen Staatssäckel bis zur definitiven Unterbringung in den transleithanifchen Ländern und wurden diese Beamten vom Finanzminister Dr. Brestel gegen ein geringes Taggeld von 1 fl. in Verwendung genommen. Nachdem aber die ungarische Regierung Beamte benöthigt und ohnehin die Onies-zenten-Gebühreu bezahlt, so will mm der ungarische Finanzmiuister seine qnieszirten Beamten zurück babcn, um sie dort zu beschäftigen. Es wurden auch bereits die Vorstände der Aemter, in welchen sich derlei Beamte in Verwendung befinden, zur Vorlage der betreffenden Qualifikations-Tabellen aufgefordert. — Der Verkauf der „Neuen Freien Presse" bestätigt sich. Als Ablösungssumme wird der Betrag von l'/s Millionen Guldeu genannt, wofür auch das Haus, in dem sich Druckerei, Redaktion rc. befinden, mit inbegriffen ist. Der Ankauf geschah für Rechnung eines Koufortiums, an dessen Spitze sich Ritter v. Ofenheim, Direktor der Lemberg-Czernoivitzer Bahn, befindet, und soll das Kapital durch 150 Aktien zu 10.000 fl. aufgebracht sein. Weiters hört man, daß die dermaligen Eigenihümer zur fortgesetzten Mitwirkung für 10 Jahre sich anheischig gemacht haben. — Inder am 24. d. abgehaltenen außerordentlichen vertraulichen Sitzung des Triester Stadtrathes brachte der Podesta zur Keuutniß, er habe sich wegen des beunruhigenden Zustandes der öffentlichen Sicherheit an die Statthalterei gewendet, nm rasche und energische Abhilfsmaßregeln zu erwirken. Hierauf wurde eine Zuschrift der Börsedeputation mitgetheilt, worin der Stadtrath ersucht wird, diesem höchst wichtigen Gegenstände feine erneuerte Aufmerksamkeit zuzuwenden und eine gemischte Kommission in's Leben zu rufen, in der auch die Börsedeputation vertreten sei und welche die entsprechenden Maßregeln zum Schutze der Personen und des Eigenthums ausfindig zu machen und zu beantragen habe. — Der hölzerne Lloyddampfer „Pluto" von 652 Tonnen und 400 Pferdekraft strandete am 23. d. Morgens bei Varna, zwei Meilen vom Kap Galata. Bon Konstantinopel ging sogleich der Lloyd dampfer „Stadion" zur Unterstützung ab; die Pafsa giere wurden gerettet, das Schiff jedock' befindet sich in ernstlicher Gefahr. — Ein klaff isck'er Dieb praktizirie dieser Tage in einem Pfarrhefe im Marchfelde. Dem dortigen Pfarrer wurde nämlich in der Nacht sein Gänsestall, der zwölf Gänse enthielt, gänzlich ausgeräumt, und dafür prangte am Morgen auf der Thüre des Stalles ein Zettel, worauf mit Bleistift geschrieben stand: „In Rom verdarben Gänse den Feinden einst ihr Spiel, d'rnm zogen, Rom zu retten, wir alle zum Konzil." —- Als ein Beispiel, wie die a r m e n K a -plane hie und da von ihren kirchlichen Vorgesetzten behandelt werden, dürfte folgende Geschichte dienen, die wir in böhmischen Blättern lesen. Der Einwohner von Dobromeric Franz Srbrekv ließ kürzlich ein Kiud einsegnen, wofür er dem Dechant in Lann, P. Franz Linhart, bei der Bestellung der Einsegnung die Stolagebühr bezahlte und dann noch aus eigenem Antrieb dem Dechant „einen Gulden" mit der Bitte einhändigte, dieses Geld dem Herrn Kaplan zu übergeben. Der Dechant aber gab dem Kaplan nur 20 kr., behielt die übrigen 80 kr. für sich und rühmte sich dabei noch, daß Srbrcky diese 20 tr. für den Kaplan nur auf sein eindringliches Zureden hergegeben habe. Srbrcky hat nun den wahren Sachverhalt in den Zeitungen in einem offenen Briefe an den Dechant in Lauu ausgesprochen mit der Drohung/ den letzteren gerichtlich zu belangen, wenn er die widerrechtlich zurück-gehalienen 80 kr. dem Kaplan nicht sofort ausfolge. Der Dechant von Lann hat eine reiche Pfründe. —- I» Innsbruck wurde vor mehreren Tagen wie von dort gemeldet wird, dem Bürgermeister die Anzeige erstattet, daß in dem unter der Protektion der Frau von Scheuchenstnel gegründeten Waisenhause, ein Kind gröblich mißhandelt worden sei. Eine Uu-' tersuchnng ergab, daß der Körper des Kindes eine Woche nach der Züchtigung noch blutunterlaufene Striemen zeigte, die offenbar von Stockfchlägen herrührten. Dazu war das mißhandelte Kind ein geistig und fisisch schwächliches Mädchen, das der Vater der Anstalt mit der ausdrücklichsten Bitte übergeben hatte, es einer-liebevollen Pflege zu unterziehen. Die Schwester Fi-lomeua (rekle Gertrud Ruedorffer aus Kitzbichl), welche dieses Mädcheu wegen Bettnässens mir einem spanischen Rohre derart mißhandelt hatte, wurde von dem Bezirksgerichte zu 24stü>idigein Hausarrest verurteilt, welche Strafe für die unbarmherzige Barmherzige natürlich nicht viel zu bedeuten hatte, da bei einer Nonne Hausarrest Ordensregel ist. Eine Untersuchungs-Kommission fand auch sowohl die Tagesordnung als die Kost in dem gedachten Waisenhause höchst tadeluswerth. Sogar im strengen Winter müssen die Kinder um 5^ ^hr Mh aus dem Bette uud iu der eiskalten Kapelle zwei Messen hören. Das geschieht mit 5 bis 7 Jahren alten Kindern, die vor Kälte zittern und kaum wissen, was sie beten. Die Kost ist erbärmlich, „Bitzthumsuppe und Türkenwir-ler," das wechselt mit einander ab, wie Eduard und Kunigunde. Dazu ist auch keine Bewegung iu freier Lust gestattet. So werden die Kinder geistig verdummt und fisisch verdorben und alles „zur größeren Ehre Gottes." — Seitdem es bekannt geworden, baß der Staats-gerichtshof, der im Prozesse des Prinzen Pierre Bonaparte das Urcheil fällen soll, in Tours tagen wird, ist die Nachfrage nach Wohnungen für die Dauer der Session eine so große, daß schon alle disponibel gewesenen Zimmer vermiethet sind. Tagtäglich kommen Hunderte von Telegrammen und schriftlichen Anfragen wegen Wohnungen, denen selbstverständlich kaum mehr genügt werden kann. — „Tod aus natürlichen Ursachen, beschleunigt durch Mangel an Nahrung und strenge Kälte — Tod durch Hunger" — so lautete die Klimar einer Londoner Todtenschau über füns Unglückliche, der ärmsten Klasse angehörig, welche man im erfrorenen und halbverhungerten Zustande obdachlos auf den Straßen vorgefunden und nach dem Hospital gebracht hatte, wo sie, kaum angelangt, trotz schnell angewandter Ret-tungsmittel starben. Die Armuth in der Hauptstadt Englands hat seit dem Eintritt des scharfen Frostes in Schrecken erregender Weise zugenomme». Dem amtlichen Armenausweise zufolge betrug die Zahl der Personen, welche während der ersten Woche des Monats Februar in und außerhalb der hauptstädtischen Armenhäuser Verpflegung erhielten, 167.894 oder 12.793 mehr als in der korrefpondirenden Woche des Vorjahres. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. -— (Der Sängerabend des Männerchors der filh. G esellschast), welcher am Samstag den 26. d. M. in den Schießstattlokalitäten abgehalten wurde, war in jeder Richtung ein gelungenes Fest zu nennen. Es hatten sich wohl an 600 Personen eingefunden, darunter der Herr Landespräsident mit seiner Frau Gemalin und Tochter, die Spitzen der Behörden und ein reicher Damenslor. Der gesangliche Theil des Abends war von durchschlagendem Erfolg, wir erinnern uns nicht so bald, unseren Män nerchor so vorzüglich singen gehört zu haben. Es waren auch die Lieder durchwegs lebendig und frisch, so recht den Zwecken des Abends angepaßt; eine ganz vorzügliche Leistung war der Vortrag des schwäbischen Kilidstausreigens von Schäffler und der komische Chor „Einst, jetzt und künftig," von Genee, eine gelungene Persiflirung der heutigen Liedertafelüberschwänglichkeiten, sowie der Zukunftsmusik. Letztere Partie, von den Schlägen der türkischen Trommel aufs wirksamste unterstützt (wir lernten da ein ganz neues Talent unseres tüchtigen Orchesterdirektors kennen), wurde ganz exakt vorgetragen, und rief dieser musikalische Scherz stürmische Heiterkeit hervor. Der Effekt des gesanglichen Theils wurde in überraschender Weise gehoben durch die Vorsorge der Sparkassedirektiou, welche den i als unakustisch mit Recht verschrieenen Saal durch mo-! bile Verglasung von Galerie und Nebensälen absperrte und dadurch die Akustik des Saales so glücklich er-' reichte, daß derselbe nunmehr zu musikalischen Produktionen vollkommen geeignet erscheint. Diese Verglasung wurde nach Beendigung des Gesangsprogrommes sofort wieder entfernt und die übliche Kommunikation des großen Saales mit dem kleinen wieder hergestellt. Bis zum Schlüsse des Gesanges war der Titel des Abends allerdings ein gerechtfertigter, dann gestaltete er sich zu einem Balle, eiuem schönen, eleganten, belebten Balle, mit allen Reizen eines solchen nud mit einer Stimmung, wie sie gelungener und munterer nickt mehr gedacht werden kann. Man tanzte unverdrossen, so gut es bei solcher Menschensülle möglich war, bis in den späten Morgcn hinein. Der Ruf, der dem Arrangement dieser Faschingsunterhaltungen der silh. Gesellschaft stets vorangeht, har sich auch Heuer wieder glänzend bewährt. — (Die Korsofahrt,) diese früher hier so beliebte Volksbelustigung, wird, wie uns mitgetheilt wird, morgen wider stattfinden. — (Katechismus der Verfassung Oesterreichs) ist der Titel einer vom deutsch-poli-tischen Vereine in Leitmeritz herausgegebeuen und von I. W. Rausch verfaßten politischen Broschüre, welche wir allen Vaterlandsfreunden aufs beste anempfehlen können. Das populär-faßlich geschriebene Büchlein behandelt die Frage» der Gesellschaft, der Freiheit, des Rechtes, des Rechtsstaates, der Verfassung, bespricht so- da»» die Staatsgrundgesctze voni 21. De,;. 1867, übergeht ferner zur Erörterung der Fragen der Vollzugs-, der richterlichen Gewalt, des Reichsgerichtes, und kommt zum Schlüsse speziell zum Ehege'sctz, Schulgesetz und dem interkonfessionellen Gesetze und den Geschwornen-gerichten. Die Sprache ist frei, männlich, ehrlich, das Ganze beruht auf genauen Geschichtsquellen, insbesondere der letzten zwanzig Jahre. Wer nicht Gelegenheit hat, weitergehende politische Studien zn machen, der findet in diesem Katechismus alles für den am öffentlichen Leben Antheil nehmenden Staatsbürger uothwen-dige und wifseuswerthe. — (Die Sitzung des ärztlichen Vereines), welche auf den verflossenen Samstag, den 26. d. M., anberaumt war, wurde auf Samötag den 5. März vertagt. Zwar hatte sich die beschlußfähige Anzahl von Mitgliedern eingefunden, doch waren mehrere Arzte durch eine zur selben Stunde im Krankenhaus stallfindende große Operation am Erscheinen verhindert, daher man der Wichtigkeit des Gegenstandes wegen (Statutenänderung) die Sitzung verschob. — (Für die Gründung einer floveni-schen Universität) keineswegs ermunternd sind die meiner der letzten Sitzungen des ungarischen Reichstages stattgehabten Verhandlungen über das Budget des Unterrichtsministeriums. Im Verlaufe der Diskussion schilderte Abg. Paul Hofmann den Zustand der Pester Universität mit den düstersten Farben; seitdem in Folge der Einführung der. ungarische» Vor-tragsfprache die deutschen Lehrkräfte die Universität verlassen haben, sinkt diese immer tiefer und geht dem vollständigen Verfall entgegen. Deshalb bittet er den Unlerrichtsminister, verfette möge die Reform der Universität möglichst beschleunigen und den diesbezüglichen Gesetzentwurf rechtzeitig publiziren, damit die öffentliche Meinung Zeit habe, sich darüber auszusprechen. — (Tabor.) Der „Tgpr." wird aus Graz berichtet: Ende März oder Anfang April wird in Marein ein flovemfcher Tabor veranstaltet. Die bekannte Resolution der slovenischen Landtagsabgeordne-ten wird als Ausdruck des Nationalwillens erklärt werden. — (Die Polizeisrage in Klagensnrt.) Der Gemeinder-Uh von Klagenfurt hat gegen die Verfügung der Landesregierung, durch welche ihm ein Theil der Lokalpolizei abgenommen wird, den Rekurs ergriffen. — (Zum Setzerstrike.) Das Gremium der Wiener Buchdrucker hat sich über einen neuen Tarif geeinigt, welcher zwar den Forderungen der Tarif-Kommission der Gehilfen nicht entspricht, wohl aber gegen den jetzt bestehenden Tarif vom 1. September 1868 eine wesentliche Erhöhung zeigt und selbst noch über diejenigen Sätze hinauSgehl, welche die frühere Tarif-Kommission aufgestellt hatte und den Buchdruckereibesitzern vorlegen wollte, woran sic aber durch das Drängen der sozialistischen Wortführer gehindert wurde. Es wird demzufolge beim Merksatz der Preis der gewöhnlichen Schrifkgalinngen von 17 auf 18 und respekt. 19 kr. erhöht, die Arbeilüdauer verbliebe eine lOstündige; beim Zeilungssatz wird der Preis von 19 kr. ans 21 und respekt. 22 kr. und von 23 auf 24 kr. erhöht. Die „Pr." schließt die bezügliche Millheilnng mit folgenden Worten: „Mö^en die Buchdrucker und Schriftgießer die dargereichle Hanv annehmeu! Mögen sie vor allem ihr Ohr den Hetzereien der bekannten Wortführer verschließen, welche alle in Arbeit stehen und in gedeckter s ich e r e r S t e l lu n g demKampse zuschauen, in welchen sie ihre feiernden Kollegen hineinireiben!" Es werden bereits Klagen laut über das Verhallen der Tarif-Kommission, welche die Einzelnen in Betreff der beansprnchlen Unterstützungen stets auf spätere Zeiten vertröstet und sich durchaus nicht in der Lage befindet, der hereinbrcchcndeii Noch abzuhelfen, einer Noch, die wohl unausbleiblich ist, wenn die 1000 bis 1100 Gehilfen in der Verweigerung der Arbeit fortfahren. Es gehen übrigens von vielen Seilen Unler-stütznngsgelder ein; auch derLaibacher Buchdrucker fortbildungsverein schickte gestern 50 ft. zu dein Zwecke nach Wien. — (Die Gartenlaube) bringt in Nr. 9 folgende Beiträge: Aus eigener Kraft. Erzählung von W. v. Hillern, geb. Birch. (Fortsetzung.) — Ein wiedergefundenes Grab. Von E. St. Mit Abbildung: Lessings Ruhestätte auf dem St. Magni-Kirchhofe in Braunschweig. — Holländische Leule. Von Karl Braun (Wiesbaden.) Nr. 1. — Aus meinem Leben. Von Kapellmeister Dorn in Berlin. — Nr. 2. Erinnerungen an Felix Mendelsohn-Battholdy uud seine Zeitgenossen. — Im neuen RathhauSkeller in Berlin. Von Rudolf Löwenstein. Mil Abbildung. -— Blätter und Blülhen: Ein ostprenßischer Sleuerverweigerer. Von I. A. D. — Eine Streitfrage. — Ein alter Kämpfer. Mit Porträt des Stiftsprobstes v. Döllin ger. — Ueberzeuguug oder Heuchelei? Von G. in Berlin. — Berichtigung. (Theater.) „Bl a uba rr. "— Osfcnbach hatte recht gelhau, Paris, das Zentrum alter Spcttakct und Bcrgnü-guugeu, die Wohnstätte des ^cichtsinnes und der Frivolität zum Sckauplatze seiner musikalischen Thätigkeit zu machen; >vo anders wär'S ihm vielleicht nichr so gui gegangen. Mit jedem neuen Werke, nül welchem Offenbach den überreizten Gaumen der frivolen Pariser kitzelte, feierte er uene Lriumse, welche seinen -Zainen sogar »ach Deittschtand und noch weiler trugen. Freilich schrie die Majorität der deutschen Kritik Zeter- undMordio über die Oberflächlichkeit seiner Mnsik, über das Unsittliche der uusinuigeu Lujels, und protcstirte energisch gegen daS weitere Umsichgreifen der Plötzlich eiugerisseueu musikalischen Prostitution, doch es half wenig. Der Offcubach Kultus Halle schon den Ahcin überschritten, ja er war schon jo weil gediehen, daß eS einige enthusiasmirle Starren sogar waglen, ihm den Lor-beerkrauz eines Künstlers um die Stirne zu winden; in Deutschland baute mau ein Theater btos für Osfenbach'sche Opern, und ein Theil der Kritik getraute sich kaum, den fatalen Notcnschreibcr mil (Aaßehandschuhen anzufassen. Der Lärm der Ooativuen übertöute das immer schwächer werdend: Geschrei der wenigen Hephep-Schreicr, »ud ganz Wien rannte in Offeubach's „Knnsttenipcl," um sich über die unflätigen Zoten uud leichtfertigen Witze eines Mene-laus, einer Helena oder Großhcrzogin halb lodl zu lachen. Nun auch eiu kleines Wort f ü r Offeubach. Wenn Jemand in's Theater geht, um Offeubach zu hören, so thut er cs gewiß nicht in der Erwartung eines höheren Kunstgenusses, sondern um zu lachen. Offeubach ist, bei Goll, keiu Künstler , aber cm vortrefflicher Musiker uud liebenswürdiger Komponist: er ist ein großes Talenl. — Schade, daß er cine vom künstlerischen Standpnukte so ganz und gar verdammte Richtung eiugcschlagcu. Doch / was kümmert Las den Dreister ? Er Hai seinen Zweck erreicht, hat die Pariser toll, die Wiener halb verrückt, sich selbst aber Ruhm uud Geld gemacht. Offeubach ist eiu, Talcut und fürwahr, seine Melodien sind zwar oberflächlich, aber augcuehm; jede sei »er Operetten hat mebrere sülch reizender Melodien, und wenn wir auch z. L. im „Blaubarl" älteren Offcnbach'jcheii Motiven begegnen, so hal cs der Meister so guc verstanden, selbe wieder neu auSzuschmückcn uud dcm lachende» Publikum als neue Waare zu präscutircn, daß wir ihm kaum zu zürncn vermögen; die unsinnigste Handlung gewinnt durch Offcnbach'S plkautc Musik au Jnlcrcfse, uud so kredenzt er uns gemeinen Wein, als wäre eS Champagner,! abcr so galant — denn Offenbach ist ein „feiner Manu" — so gewiuucud. daß wir sogar all' unsere Skrupel vergessen und — lachen! Was hatten wir mehr gewollt ? — Bci dcr gestrigen Ausführung exzellirte Fräulein Boudl) durch natürliches, drastisches Spiel, sang ovrlresslich uud crnlele nebst Herrn Panscr, der sich seiner Rolle mit uuge wöhulichcr Lull, wetchc ihn sogar zn einigcu lcichl ocrzcihli-chcn Exleinporation.n verleitete, hmgab, den meisten Bei fall. Herr Bernhardt har angenehme Stimmmittel nnd gnlcs Spiel; warum hören wir ihn in keiner anderen Ope rette'? Die Hcrrcn Moser, Erdt, Bcck nnd Gschmeidtcr waren recht gut; ebenso Aränlcin Römer nnd Fräulein Mahr. — Donnerscag wirv Lanbe'S „Täuschungen" zum Lvriheile Fräuleins Kollauu gegeben; die Lcrdicnstc ihrer Leistungen garaiMreu eiu volles Haus. -xi>- LblUcru ug. Laidach, 28. Febrnar. Dcr milde Wetter anhaltend. Wolkenzug aus SW. Wärme: Morgens 0 Uhr 0.0"; Nachmittags 2 Uyr -j- 5.9" R.. (ld>,'.i-j-0.6", 1V68 -j- 10.4") Barometer: 328.10"' im steigen. Das vorgestrige Tagcsiuittel der Wärme -f- 2.6", um 1.9"; oaS gejirige -j- 2.5", um 1.5° über dem Normale. Augrlomuielte Hremoe. Äm 2?. Februar. 8t,»«kt ^ Hahu, Kaufmann, Wien — Spitz- kopf, Kaufmann, Wien. — Pellikan, Reisender, Wien. - Arantl, Reisender, Wien. — Hnbcnh, Reisender, Wien. Globocnig, Eisnern. - Graf Piklcr, k k. Bcamle, Rad-mauttüdorf — Weriiläuder, Handelsmann, Marburg. — Lercher, Handelsmann, Gottschee I Ma.oric, Triest. — Bayer, k. k. Inspektor.— Orazcn, Beamte, Görz. — Lenghl, Kaufmann, Kanischa. - Stare, Mannsburg. — Manscheg, Handels-Reisender. Wien — Morel, Handels Reisender, Wien Verstorbene. Den 26. Februar. Andreas Boven, Jnstilntsarmcr, alt 69 Jahre, im Zivilspital an Altersschwäche. — LukaS Benedik, Lederhändler, alt 51 Jahre, in der Stadt Nr. 70 an der Blutzersetzung. — Johann Perdan, Fleischhauer, alt 66 Jahre, in dcr Polanavorstadt Nr, 34 an der Lungensucht. Marktberichte. Laibach, 26. Februar. Auf dcm heutigen Markte siud erschienen: 10 Wagen mit Getreide, 15 Wagen nnd 3 Schiffe (16 Klafter) mit Holz. Vurchschintls-Preisk. Mkt.- Mgj.- Mgz7- 1 n. ! K. fl. kr. fl. kr. Weizen Pr. Mtz. 490 5 46 Butter, Pfund 48 — — Korn 2^80 331 Eier pr. Stück — — — Gerste „ 2^80 31 5 Milch pr. Maß — 1Ö — — Hafer 2- Rindfleisch, Pfd. — — — Halbfrucht „ — — 370 Kalbfleisch „ — 23 — Heiden „ 2 >80 3!II Schweinefleisch „ — 21 — — virse 2!97 Schöpsenfleisch „ — — - jtukurutz „ 3>10 Hähndel pr. St. 60 Erdäpfel „ 2^- —!— Tauben „ Io Linsen „ 5- —!— Heu pr. Zcutucr 1 10 — Erbsen „ 5!50 — — Stroh „ 85 Fisolen 5!- —!— Holz, har., Klftr. — 7 Rindschmalz,Pfd. - 5l —^— — weich „ 5 20 Schwcincschm. „ -42 — — Wem, rothcr, pr. Speck, frisch ,. -30 —!— Eimer 9 — geränch. „ — -42 — — weißer, „ — — 10 II Gedenktafel über die am I. März 1870 stattfindende:, Azitacionen. 3. Feilb., Frauk'sche Real., Bitine, BG. Fcistriz. — 1. Feilb.. Pcnko'schc Real., Panjc, NM fl., BG. Fcistriz. Lottoziehung vom 26. Febrnar. Wien: 63 59 90 74 84. Graz: 12 28 59 26 79. Theater. Heute: 'Aerhängnißvolle AaschiiigSnacht, Posse in 3 Acten. Morgen: Die TenfelSmühle am Wieiierberge, Zanbermärchen in 4 Aclcu. Anfang nn, halb 5 Uhr Zk Epileptische Krämpfe , (Fallsucht) (16-12) heilt brieflich der Lpejiatlirzt für Epilepsie _ Doktor «. in Berlin, Mittel ^IS straße 6. — Bereits über Hundert geheilt. Wiener Börse vom 26. Februar. StttLtskOLlI«. Zperc. österr. Wädr. . dto. Rente, oft.Pap. dto. dto. öft.inSilb. r.'ose von 1854 . . . öose von 1860, ganze r)ose von 1860, Fünft prämier'sch. v. 1864 . Sruväsvtl.-Vd!. Steiermark zu5pCt. Kärnten, Kram u. Küstenland 5 » 'lngarn. . zu5 „ Kroat. n. Slav. 5 „ Siebenbürg. „ 5 „ §tationaldank . . . Lrcditanftalt . . . ö. Escompte-Gcf. Änalo-öfterr. Bank . Oest. Bodencred.-A. . Oeft. Hypoth.-Bank . Sleier. Escompt.-Bk. ttais. Ferd.-Nordb. . Südbahn-Gefellfch. . tkais. Elifabetb-Bahn. Larl-Ludwig-Bahn Liebend. Eisenbahn . Kais. Franz-IosefSb. .Mnfk.-Barcser L.-B Ülföld-Fium. Lahn Nation. ö.W. verloSb, Ung. Bod.-Creditanst. Sllg.öft.Bod.-Credit. dto. in 33Ä.rückz. . Seid L6are 6>.4S 61.55 . 7l,S.-> 71.45 90.25 90 50 96 80 97.— 1104.50 105.— -1LO.L0 121.— > 92.50 93.50 8«.— 94.— 7.1.50 7S.— 84.— 85.— 75.50 > 76.- 723.— 73o.- 274.30 274.-0 980.- 982.— 344.50 345.— 336.— 340.— 95.— 96.- 245.— L50.— > 2138 2142 244 30 244.50 193.25 193.75 L36 25 236.75 167.50 168.— 187.— 187.50 181.— 181.50 174.75 175.25 i 93.— 93.10 90.50 91.- 107.50 108.— 89.50 90.- Geld Ware est. Hyvoth.-Bank . 98.— 99.— VrtorltLIs-OdllA. Südb.-Gef. zu500Fr. 121.30 121.50 dto. Bons 6 pCt. S50.20 25t.— Nordb. (im) fl. CM.) 92.60 93.— Sieb.-B.s20vft. ö.W.) 90.40 90.70 RudoIfSb.l300fl.ö.W.) 92.75 93.— Fran:-Ios.(200fl.S.) 93.75 94.— Eredrt 100 fl. ö. M. . 160.— 160 50 Don.-Dampfsch.-Gef. zu 100 st. CM. . . Triester 100 sl. CM. . dto. 50 st. ö.W. . Ofener . 40 fl. ö.W.! Salm Palffv . ^ Esarv . „ St. Genois „ Tvindischgrätz Waldstein . Keglevich . Rudolföstift. 40 40 40 40 „ 20 „ 20 ^ 10 „ lOö.W ! 99.- 100.— i 124.— 126.— 61.— 63.— 33.50 34.50 40.— 3". 50 36.— 29.50 41.— 31.— 37 — 30.50 20.50 21.— 22.— 17.50 15.75 VvoLsvl (3 Mon.) Augsb.lOOst.südd.W. 103.30 Franks.ioofl. „ „ ^il.3.50 London 10 Pf. Sterl.ii24.40 Paris 100 Franc» .> 49.45 Kais.Münz-Ducaten^ 5.85 20-FrancSftück... 9.93 BereinSthaler . . 1.83' Silber . . . . 121.75 22.50 18.50 16.50 103.50 103.65 124.50 49.50 K.86 9.94 1.84 122.— Telegrafischer Wechselkurs vom 28. Februar. Sperz. Rente österr. Papier 61.30. — öperz. Ren» österr. Silber 71.15. — 1860er Staatsanlehen 96 80. — Bankaktien 727. — Kreditaktien 275.50. - London 124 40. Silber 121 50. — K. k. Dukaten 5.85. Verleger unv Ar »ie Redaktion vccainworttich.- Oliomar Bamberg Lru» uv„ Jgn. o. Kletnmayr L Fed. Bawberg in Laibach.