Zeitung.
Nr. 12.
Piänumcialloilspiei«: Im Comptoir ganzj. fi. 11, halbj. fi. 5.5«. ssilr die Zustellung in« Hau« halbj.5n lr. Mi« der Post «anzj. fi. 15, halbj. fi. 7.50.
Donnerstag, 16. Immer
Inseili »««gebüht bi« ly Zeile«: imal««lr., lm.«0lr., 3«l. 1 s!.; sonst Pr.Zeile im. ßlr., »m.tilt., 3». IN Ir. u. s.»». Insertion«ftempel jede»m. 50 t».
1868.
Zur heimfahrt
weiland Seiner MaMat Kaiser Marimilians van Memo.
"ebt Euch aus den weichen Matten,
^asseil lernt den Heimatstrand,
Stählet Ench z» starlen Thaten
Auch zur See für's Vaterland!
Auf, die Anker rasch gelichtet,
Seh't, der West die Segel schwellt,
Steuert aus, den Comp'aß richtet:
Uns're Heimat ist die Welt!
Spracht der edle Admiral, Uud mit lautem Strahl ,vlosl das kühne Wort vom Strands Adria's durch Oestreichs 5'andc. -
Eö ward. — Schon sind es eilf der Jahrs
Und die Novara stach in See.
Im Morgengiauz stand Mi ram are,
Das Schiff entglitt niit leichter Bö,
Stolz trug cs Oestreichs hehre Flagge
Die Wirbel der Carybdis hin,
vorbei in hohem Wellenschläge,
Wo Scl,llas Felsenzinnen glüh'n.
Durch Vande hin, wo 's »ie noch wehte,
Flog u-'ser Banner, hoch uud hehr,
Bon Nord nach Süd, von Blickt zu Vihede,
Die Klippen durch von Meer zu Meer.
So war denn aus des Meeres Wegen Zu mancher schönen Frucht an Bord Gereift, dein Paterland zum Segen: Des Prinzen Maximilian Wort.
Schier war der lühne kreis gezogen
Novara's nm der Erde Ni'ind
AIS sie im blauen Meeresbogen
Bor Valparaiso'S Küste stund.
Da drang an Bord die schwere Knude:
Das lheii're Vaterland iu Noth!
Und bange, flog's von Mund zn Munde:
Die Anle'r licht, die Segel flott! --
Nicht säumend die Novara lenlte
Das Stener nach dem Heimatland.
Die Falirt war bange. - Endlich senkte
Sie Auter vor Gravosa's StraiN'.
Vernichtend war die Traurrpost:
Wie schwer das Vaterland getroffen!
Da lam Prinz Max »nv brachte Trost
An Bord nud mahnte M»lh und Hoffen:
Wenil'S mir an Muth nns nicht gebricht, Wird siegend einst doch Oestreich flaggen; Ist auch das tapfre H^"' geschlagen, Cs war der letzte Kampf noch nicht!
Hinan die dalmatiu'schen Küsten Giugs dann mit leichter Bris' — Vom Strande die Kanonen grüßten, Die jüngst der Franle schweigen hieß. Des Karstes graue Hohen winlten Im Morgcnsä'eiu scl»on näher her, Und Miramare's Diebel blinkten In gold'nem Schimmer übrr's Meer. Und als sich Mnggia's Küste hellte, Da — ein (^edantc küh,< uud groß, Die eh'rne Brust des Seemanns schwellte? Wir rächen Solferino's ^us!__
Jahre flohen.
Oestreich baute auf den Trümmern
Von gesnnl'ncm Schlachlenglück
Neu sich auf, der Freiheit Schimmer,,
Hellte nns ein trilb' Geschick.
In dem Schloß zn Mi ram are,
Das die Brandung schwer umiollt,
Sproß das (Mick dem Fürslenpaare,
Das den heiter» Mnsen hold.
Da — rin Ruf ans dnnllrr Ferne Schlug jetzt an des Edens Strand, Maximilian glaubt' dem Sterne Der im Süden leuchtend stand,
Maximilian sah ihn fnnkcln:
Dieser Stern, rr trüget nickt,
Denn er winlt mir ans dem dunkeln
Prinzenlos znm Throneslicht.' —
Die Novara lreiste wieder Vor dem Hafen von Trieft, Miramare auf nud nieder' Sie die Segel flattern läßt.
Ob die Seinen auch in Thränen Mahnten nnd mit mildem Wort Trieb ihn doch ein glühend^Sehnen Nach der fernen Küste fort. Nach dem Scepter, nach der Krone Stand sein glnh'nder Thalendrang, Stand sein Stern, ob anch die Sonne
Seinrs Glücks damit versanl.--------
Sali er Sie do>,1> an der Seite, Die ihm melir als Allrs war, Die sich seinen Planen weihte, Jubelnd flog mit seinem Äar.
Und sein Aar flog über's Meer.
Er schiffet tiihn durch Fluth nnd Stürme Dem Sterne zu, der leuchtend stand; Schon winket Vera Cruz, die Thürme, Die Höh'n von Monteznma's !t,'and. -» Sein Kaiser ist's, — der es betritt, Die edle Fürstin an der Seite: Und Jubel folget seinem Schritt, Begeist'rung gibt ilnn das (Geleite.
— "Doch in dVr flücht'gcn Räuber Blicken Mimmt noch des Aufruhrs wilde Gint, Den letzten Flinten zu ersticken,
(iilt Oestreichs, Belgiens Kriegerblui, Jetzt wilder lodernd zischt die Flamme, Von Inarez geschiirt, empor, So Mancher fällt von edlem Stamme, Der Tren' dem neuen Cäsar schwor. Der greift jetzt mächtig in dir Zügel
- Die Willlür Hal sie arg verhäugc — Mit Weisbeil ulitzt er's Kaisersiegel, Mit edlem Sinn den Staat er lenki. Doch wie das Niff die tühne Welle,
Warf Mexico des Kaisers Wort, ' ,
De» Willen seiner großen Seele
Zurück a»f seines Thrones Bord.
Zn Mhn, z» groß war, was er schaffte. Ein Kaiser Joseph Mexico's, Daß es in diesem Volte hafte, Das selbst gewollt ein - niedres ^'os.
Und während dort der Aufruhr flutet,
Ningt bier iu, Kampfe Oesterreich. -
Im'Schlachtenfeld besiegt, verblntet
lHs schier, das große Kaiserreich,
Gelähmt die Schwingen, liegt sem Aar. —
Jetzt hebt er sie zum Schlage wieder,
Wild blitzet seiner Augen Paar.
Und furchtbar zürnend stoßt er meder
Und aßt den Feind. - D,e stolze ^loit.'
Italiens verschlingt d,c ^ee
Ein ^Pfl'r stammt dem ^achcgottc Von Oestreichs stolzer Flaggcnhöh': Vor Vifs" reifte liihu die Saat, Die einst Prinz Max gesärt hat!
Sein Stern verglomm. lHr sah ihn sinken,
Doch Maximilian wanltc nicht:
Sieg oder Tod! — Die Würfel blinten, -
Tod oder Sieg — Nacht oder 5,'icht!
iahn? ^ Wo gereift die höchsten Pläne, Wo cr schuf und rang nnd litt, Wo cr einst mit einer Thräne Von der Heimaterde schied ^ — Einsam blickt es, ihn zn grüßen, Das verlaß'ne Witwenschloß, — Sie doch naht nicht, ihn zn lussen, Wo ihr Arm ihn einst umschloß.
Also innate sie ibn wieder,
Die geliebte Heimat, schan'n,
Wo jetzt frohe Frcihcitslieder,
Hcit'rc Fricdenstagc blan'n! —
Oestreich, schmück' ihn mil dem Zweige,
Von dem Frcihci tsbau m gepflückt,
Daß er sanft der Stirn sich beuge.
Wo dir Krone schwer gedrückt.
Seinen frühen Sarg nmlauschen
Soll dirs' Baumes frisches Wrh'u,
Seine bieder nm ihn rauschen,
Singend ihm vom Wird ersehn.
Was lins seines Bruders Hand Mild und liebevoll verliehen, Soll um seiner Schlafen Äand Ewig, unvergänglich blühen! —
O weinet nicht. Ihr, seine Viebcn Um ihn, cr ist uns doch geblieben: Des Prinzen Geist, er lebt noch immer Und seines Sternes goldner Schimmer Beschloß nnr hier den müden ^,'aus, Im Jenseits ging cr leuchtend anf; Denn seht, die heißen, glüh'nden Mhren, Die hent' das treue Oestreich weint, Wie sie im Wiedersehe!ne sich verklären Des Sternes, der im Icnscits scheint! —
Ludwig Dimitz.
92
Amtlicher Theil.
Äm l-4. Jänner 18»i8 wurdein der I. l. Hof- uud Staat«.
druck?rri das lll. Stiict de« R,ich?gesetzblattea ausgegeben und
verseudel.
Dasselbe enthält mncr
Nr. 5 dit Kundmachung dfs Finau;ministeriu>n>? uom 2^, December 18n Podgorze, ^iiepolomi^? und Sie-?o5lavice;
Nr. 6 dic Verordnung des IustlzniiuisienumS vom 11. Jänner 180,^ betreffend die Durchführung deö zweiten Absatzes deö Artikeln 1 des Siaat^sirnnd^cse^es vom ^l. December l!?6? über die richterliche Gewa!t; wirksam sür Böhmen, Dalmalicn, Galizien, Oesterreich unter und ob der Enu^, Salzburg, Stciermark, Kaniteil, K'rain, Vulowina, Mähren, Schlesien, Tirol mit Vorarlberg Gorz uud Oradisca, Istrieu und dic Stadt Trieft >nit ihreiu Gebiete.
(Wr. Ztg, Nr. 11 vom I^l. Iäuuer)
Nichtamtlicher Theil.
^iaidach, 1^. Jänner.
Die Eröffnung der Berathiliigen der Delegationen wird mit einem feierlichen Acte nicht uerbun» den sein. In der ersten Sitzung dürflc man sich anf Formalien beschränken, dcr Alterspräsident —. Freiherr u^. <> ichtenfcls oder Cardinal R a n s ch c r — wird die Debatte bis zur Wahl des Präsidenten leiten, sür welchen Posten Graf Anton Anerspcrg in Aussicht genommen ist, Erst in dcr zweiten Sitznng wird zur Wahl des Bureau's geschrittcil nnd werden die Regie« rungsvorlagen eingebracht werden.
Für die nächsten Tage werden als erste gesetzgc-l,crischc Acte dcs ncncn Ministeriums die folgenden drei angekündigt: I. Eine Verordnung, welche die Beeidigung aller Staatsbeamten anf dic Verfassung anordnet nnd den Amtscid neu normirt; 5?. eine Vcrordnnng, welche die Bestimmung dcr Verfassung übcr die Gegenzeichnung aller a. h. Verfügungen durch das verantwortliche Mini» stcrinm regelt; .'5. ein Erlaß, welcher die Beschränkungen, die in Galizicn noch für die Juden hinsichtlich des Rech« tcs znm Erwerb von Grundcigcnthum bestehen, als dl:rch die Verfassung beseitigt erklärt. Die Vorlagen für die Delegationen dürft«n erst im ^anfe dieser Woche beendig! werdtn, man vcrninnnt, daß da< Ändget sür die Aruiec nnd die Marine zusammen 80 Viill. Guldcn betragen wird. In Angelegenheit dcr Verwaltung dcr Staatsschuld wurdc der 'cndgiltigc Beschluß gefaßt, daß die Administration dcr consolidirten Staatsschuld dcm cis-leithanischcn Landei?finauzministcril>!n zu übertragen sei.
Dic CMllSurrlcihtmgell
an einige dcr hervorragendsten Mitglieder des Reichs-rathcs/dic von der „Wr. Ztg." veröffentlicht wurden, haben g'wiß in den weitesten Kreisen die frcndigste Zn> stimmung gcfnnden. Die Auszeichnung von Männern, die in den Wirren und Einzclnphascn unserer politischen Kämpfe stet'.' dcr Verfassung treu geblieben, dic im Dienste der Freiheit ausgeharrt, bis der Tag angebrochen, der ihr beharrliches Wirken gekrönt sieht, taun wohl mit Fug und Recht als ein politisches Symptom für nnfere neue Aera aufgefaßt werden. Sie ist die Ancrkcunnug jener Principien, d,ren Träger dicfe Männer sind, eine Vlncrlcnmma. dic nm so gewichtiger in dic Wagschalc sakcn lnuß, als sie die Bürgschaft dafür gibt, daß die Ueberzeugung vou der abjowtcn Nothwendigkeit des ncucu Regimes eine unerschütterlich feste geworden. Angesichts der" Thaten und der ausgeprägt politischen Richtung, die für den Charakter dieser Männer lant redcndes Zeugniß geben, bedarf es wohl keiner eingehenden Schilderung der Verdienste der Eiuzclncn. Graf Anton Ancrsperg ist einer unserer ersten Freiheitskämpfer, der auf den Schwingen des Gesanges die Herzen für ^icht. Recht und Freiheit begeisterte, da dic Wcihrauchncbcl noch die Massen umhüllten. Nnd wie er im Liede einstand für diese hohcu Idceu, so kämpfte er auch hicfür in der fto-Uliscbcn Arena. Von Altgraf S nl m > Rei f fe r s ch e i d können wir sagcu, daß er, dcr hochgcborne Aristokrat, stets verfassungstreu gewesen. Um die Durchführung des freiheitlichen Regimes iu Oesterreich hat sich Dr. Iguaz Kuranda uulcugbar große Verdienste erworben. Stets in erster Rcihc, wo cS gilt, einzustehen für verfassungsmäßiges Recht, ist Dr. Kuranda einer dcr beredtesten Vertheidiger im Kampfe für das deutsche Element, wie er auch in den letzten Tagen dcr AnsgleichSverhandlun-gen mit wohlthuender Wärme für dcu Ausgleich ciutrat. Ein politischer Eharakter ohne Matcl, hat er sich die Hochachtnug auch seiner Gegner erworben. Unstreitig die größten Verdicustc aber um die Durchführung dcr neuen innerstaatlichen Gestaltung hat Dr. Muriz v. Kaiser-feld. Er war Vorkämpfer für diese Idcc zn einer Zeit, da selbst politische Führer der inneren Lage Oesterreichs keine Rechnung zu tragen wußten, und die Fortcutwick« lung des Reiches nach längst zerfallenen Schablonen be< mcfscn wollten. Dcr Erfolg hat die Wahrheit dcr Ideen KaiserfcldS cuich in Eislcithauicn dargcthan; seine Prin. cipien sind auch hier, wenn auch im harten Kampfe dcr Parteien, endlich dennoch sieghaft geblieben. Kaiser«
feld ist ein Charakter von antiker Reinheit; über seinen Interessen stehen ihm hoch die des Vaterlandes, und sein ganzer Ehrgeiz giftsclt in dcm Wohle des Reiches. Möge die Zukunft dcm Vaterlande noch viele solcher Söhne bescheiden! (Dcb.)
V u l a ch t e n
über die Reorganisuung dcr Landes-lHebäralchalt und die Reform, resp. Anfhelmmj dcr Laildes-Fmdelallstalt.
Abgegeben uum Vereitle der Aerzte in Krain.
Verfaßt vom Berichterstatter Dr. Moriz A a u st e r, (Schluß.)
Eine Bemerkung sei noch erlaubt. Dic Aehand-luug der erkrankten Findlinge, die sich in der auswärtigen Pflege befinden, muß wohl bei Entfernung des Findlings von einem Kiudcrspitalc in dcr Regel bci den Pflcgceltcrn geschehen. Zweckmäßig wäre cö, bci längeren Kranlhcitcn, die den Transport erlaubcu, das kraute Kind entweder in das ^audes'KraulcuhauS zn bringen, in dem eine Abtheilung für Kinder zu errichten wäre, oder mit dein in ^aibach bestehenden Kinocrspitalc cm Abkomnicu über die Aufnahme dcr trankcu Findliugc zu treffen, welches den Kindern uud der Anstalt zu Gute käme.
Dort aber, wo kurze Krankheiten vorhanden sind oder die kranken Findlinge nicht inö Spital überbrachl werden löuue», hättc die Behandlung in ähnlicher Weife wie bisher durchgeführt zu werden; dabei wäre eM> des h. kram. Vandtagcs sich klar lind mit überzeugenden Grüu- , dcu für den Fortbestand dcr Gcbäranslalt ausspricht, so
* Tk Anträge lauteten: '
„Der ^audciüNlöschnß wird beauftragt, m rcislichc Erwägung zn ziehen, ud die Ocbäranstall einer dnraMeifcudcn Reform zu unterziehen wäre.
Bezuglich der tzindelalislalt in .ttvain wird beantragt: !
1. Tiesc soll zwar nicht allsogleich ganzlich aufgchudcn,
2. jeooch soll die Aufnahme m dieseldc folgcn2crm.) solche Kinder sind mir jenen Gcnuindcn in die Verpflegung zn gcwi, wo ihre Mutter anserzogm worden si„d >. !
>-) dic in dcr Laidacher und Triesler Gcl'äranstalt geborelic» Kiuder jener hicrläudig.n Mütter, welche, ^gleich inch! Findlinge, jedoch adcr gänzlich arme Personen sind, sollcu von den Gemeinden, denen solche MMler angchorcu uud iu cl'cn diesen Gemeinden ucrpsllgt werdei: ;
,!) die Gcmciudc hat das Recht, jene Mutter, selbst weuu diese ein Fiudliug ist, also eine jede Mutter. dcreu uneheliche« Kind entweder die betreffende Gemeinde odcr da? i.'a»d zu vclsorgeu halte, dahiu zu verhalten, daß sic den Vater ihres unehelichen Kinde? namhaft mache, anf daß dcr betreffende Oemeindeuorsiand denselben in Gemäkheit des § 16? de-allg. li G., je nach dessen Permögeiioninständeu, entweder zur gänzlichen oder nur thcilwcisen Tragunn, der Vclpfleg^ostcn, erforderlichenfalls auch im gerichtlichen Wege verpflichten loüuc;
o) Müller, wclche iu der Ocbaraustalt cutbuudcn werden nnd dic Verpflegokosleu sclust entweder zum Theile nur 0der ganz bestrcilen louncu und wollen, sollcn Pflegemütter sür ihre. unehelichen Kinder nicht dinch die Fiudelaustalt, soudcru selbst slichcu uud bezahlen.
A. Wa? die iu der hiesigen Ocbäranstalt gcborcnell unehelichen Kinder anSwärtigtr Müller anbetrifft, so möge darüber der ^audeSml.'schus; reiflich erwägen uud das Resultat seiner ErN'«-gung dem uächsllil Landtage vorlegen."
hat der Verein diesbezüglich nnr dic angenehme Pflicht,
den Gründen des AnSschnßbcrichtcs ganz cinvcrständlich
beizutrctcn.
WaS die Ncorgauisirnng dcr Anstalt betrifft, so
glauben wir nur folgende Punkte beantragen zu sollen: I. Die Ansnahmc soll unter Angabc dcS Namens nnd
Nationales statthaben.
II. Jene Schwangcrc, welche nicht die Kosten ihrer Verpflegung beim Eiutritte zahlt, odcr keinen Vür< gcn für die Zahluug stellt, hat bci ihrcm Eintritte den Armcuschein beizubringen,,den sie, wcuu er ihr vou dcr Gemeinde grundlos verweigert wurdc, durch dic StaatsbezirlSbchürdc zu erwirken hat. Wäre die Beibringung des Armeuschcins wegen vorgerückter Schwangerschaft nicht mchr möglich, so ist sogleich die nöthige Erhebung über deren VcrniögcnS-Verhältnisse zu veranlassen.
III. Vor dcr A<>. SchwangcrschaftSwoche soll, so weit cs dic wissenschaftliche Diagnostik znläßt und keine gefährlichen Erschcinnngcn vorhanden sind, in der Regel lcinc Schwangere aufgenommen werden; da-dnrch würde sowohl dcr Humanitntsfordcrnng genügend Rcchnnng gclragcn, daß schwangere Mädchen, welche dic lctztc Zeit vor dcr Geburt leine Unterkunft finden, in dcr Anstalt Untcrlunft finden können, als anch dcr übermäßigen Erhöhung der Kosten vorgebeugt.
Zwcckimtßig wäre eS, wem, die uichl zahlenden Schwangeren zu Arbeiten, die sür sie Passen, vor" halten würden nnd der Arbeitsertrag dcr Anstalt als Ersatz zu Guten käme.
IV. Für die Armeu zahlt dcr ^andcssond.
Dies begründet sich auf dem Umstände, daß die Gebärcudeu zn UutcrrichtSzwccken für dic dicsländi-gcn Hebammen verwendet werden.
Dcr Unterricht kommt dem ^andc zn Gute. daher diefe Kosten vom Vandc anzusprechen sind, während das ^ehrpersonale vom Staate beigestellt wirb. Jede zn grußc Sparsucht wird daS Lchrmateriale so erheblich vermindern, daß dadurch die Bevölkerung des Bandes Schaden leidet. Es wird chuehiu durch deu Umstand dcr Zufluß zur Anstalt geringer werden, daß nicht die darin geborenen Kinder bcdin-gungs- »nd kostenlos in dic lvindclanstalt aufgcnum' men werden löuncn.
V. Der Aufenthalt dcr auf öffentliche Kosten verpfleg» ten Wöchucriuuen sollte auf l4 Tage nach dcr Gc< burt bestimmt scin.
Ansuahme davon hätten Krankheit derselben odcr strenge Winterszeit zu begründen.
Bci Krankheit erfolge dic Ucbcrsctzuug dcr Kranken in das ssraulcnhauS, und zwar auf eine besondere Abtheilung für Fraucnlranlhcilcn, ober je nach der Krankheit auf andeic Abtheilungen des Krankenhauses. Tie l-ttägige Verpflcgsdaucr der Wöchnerinnen dürfte ill der Ncgel ausreichend scin, wenn wir bedenken, daß viele daheim am achten Tage odcr noch früher ihrcn Geschäften nachgehen. Um aber ja der Humanität volle Rechnung zu tragen, wärc cS zweckmäßig, daß jene Wöchnerinnen, welche sich iu einer besonderen Nothlage bcsindcn, bci ihrem Austritte auS dem der WohlthätigkcitSanslalten-Direction zur Verfügung stehenden Nccouvalcsccn-ten.Fondc entsprechend betbeilt würden, damit sie sich noch eine kleine Zeit schonen und besser verpflegen können.
Nur dort, wo dcr Austritt in dcr bcregtcn Zeit einen Schaden für die Gcsnndhcit der Wöchnerinnen mit vollster Wahrscheinlichkeit herbciführcu würde, wärc eiu bis vier Wochen dauernder Aufenthalt dnrch übcrcinstiüitliciidcll Beschluß des Directors der Anstalt und des ProfcsforS der Geburtshilfe zu gestatten.
Dies wären die Grundzüge der Reorganisation der Gebäranstalt, welche ebenfalls auf dcm Priucipc beruhen, daß die Vcrbcrgung dcr Schaudc der unehelichen Mutter derzeit kein ausreichendes Motiv für die Gcbäranstatt gäbe, sondern daß sie im großen Ganzen von denselben Gesichtspunkten zn betrachten sei, wie die Krankenanstalten.
Der hochlüblichc ^andcSauöschnß wollc auf dcM Gutachten ersehen, daß wir den iu mehrfacher Richlnng wichtigcu Gegenstand vou uusircm ärztlichcu Etaudpunttc mit der Aufmcrksamteit behandelt haocn, welche er vcr' dient, und welche auch die Aerzte insbcsondcrS mit berufen sind, ihm zu widmen.
Iu präcisester Form sind die Resultate deS Gutachtens folgende:
l. Auf cinc Aufhebung dcr Findelanstalt kann nicht eher ciugerathcn werden, als bis ^andesvcrsorgnng5< oder Pflcgcanstaltcn für schutzbcdürftige, fcunilicnlose Kinder geschaffen sind.
N. Eine Reform der Fiudclauftalt auf Grundlage der Humanität, Gcrechtiglcit gegenüber dem Fiudlingc, Billigkeit gcgen die Mutter und die Steuerträger uud vorsichtiger Sparsamkeit ist dringend noth' wendig.
III. Diese Reform wärc theils gleich durchzuführen, theils dann, wenn die bürgerliche Gesetzgebung gl' geuübcr unehelichen Kinder» dcn Fordcrnngen dcr Gerechtigkeit nnd jchigcr Zeitauschmmng culsprcchenv geregelt ist.
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,V. Diese Ncform wäre zugleich daS beste Ucbergangs-uiittcl zu den unter ^. crwähnteu Anstalten; doch läßt sich iecr ncucn Ministerien.) Die „Wiener Abdftst." chrcibt: Die jüngst von mehreren hiesigen Blättern nach incr Localcorrcspondcnz gebrachte Älittheiluug über die lngcblich beschlossene Vcrthcilung der Geschäfte nntcr dle inzclnen Ministerien enthält eine Reihe von Unrlch-igkcitcn und kann.hierüber cndgiltig Positives noch ucht gemeldet werden, da die Feststellung des Ressorts !in;clncr der neuen Ministerien, namcntllch jener des Handels, und AckcrbanministevinmS. noch Oegcnitand von Verhandlungen ist. Angenschcinlich unbegründet mutzten jedoch schon für dcu crstcu Augenblick jene Angaben der gedachten Notiz erscheinen, welche sich auf die AusMi. ^ung zahlreicher Ocschäftsagcudeu au« dem Ressort des Ministeriums dcs Innern bezogen, da im Falle der Äe< statigung derselben das letztere Ministerium nahezu gegenstandslos werden würde. ^
— 14. Jänner. (Enthüllungen aus R u tz -land.) Die „Dcb." schreibt: Es wird nnS mitgetheilt, daß am Petersburger Hofe der ssamftf zwischen der Partei des Reichskanzlers Gort schal off und des Generals Ignaticff bereits begonnen habe. Der Reichskanzler will die Pforte in, Wege der Unterhandlung zn Reformen und Couccssioucn zu Gunsten der christlichen Völker dcS Orients bewegen, und auf diese Weise die gefährliche Krise im Orient mildern oder znr Lösung bringen. General Ignatieff wählt hingegen einen viel entschiede, ncrcn Weg. Er will die Psortc durch die christliche!, Völlerschn'fteu des Orients selbst geradezu zu Conccssio. neu zwingen, und zwar zu bei weitem umfangreicheren als der Reichskanzler anstrebt. Auf dicsc Weise stcnert General Ignatieff ganz einfach einem Ausstände der slam-fchen Völker dcs Balkans uitgcgru nnd man behauptet i» wohlunterrichteten Kreisen, baß diese Erhebung sogar die eigentliche Absicht des Generals Iguaticff sei. Wir erfahren ferner, daß der Kaiser von Rußland anf Seite Ignatieff'S stehe.
P^st, 14. Jänner. (Thätigkeit der M'' n i st c r i e n. - D i e P a r t e i e u. -^ ^ g l s cN. v e s
„Pcsli Naplo" meldet: DaS Ministerium des ^nncin hat die jüngst sanctionirten Gesetze an die Iur.^ct.oncn versendet. Das Iustizmiuistcrium hat, um die ^agc d.s Judcncidcs im Sinne der Gleichberechtigung /"/"'"' sich an Nabbi ^oew in Szegcdiu mn cln Gutach enge' wendet. - „5azant" prüeisirt den Unterschied zwischen der Dcak.Partei und dem linken Centrum. Dle Deal-Partei faßt das Verhältniß zn Oesterreich vom staatlm cn Gesichtspunkte auf und hat darum die gcmemsamcn An-^'legknhcitcn nnd die Delegationen constitnnt. ,^aö l^nic Centrum betrachtet das Verhältniß als ein mlcrnatlo. uales nnd darum sind ihre Grnndftlincimcu nicht gemm,-same Angelegenheiten, gemeinsames Ministerium nnd ^c. legation, sondern internationale Vertrage nud Vernhrnng der dciden Staatsrcgicruugcu von Fall zu Fall. In inneren Angelegenheiten sei daS linle Centrum entschieden liberal, während die Regierung nnd ihre Partei im cou-scruativcu Sinne liberal ist. — Die Codificationscom-nussion ist seit einigen Tagen nnter dem Vorsitze uon Bonis ulit ihren Arbcitcu beschäftigt. — Dic Rational!-tälcncomniission hält morgen eine Sitzung.
Ullsi'and.
Stuttgart, 13. Jänner. (Die Kammer) hat mit 45 gegen Ntt Stimmcn beschlossen, daß l>rcß» vergehen gegen fremde Sonveraine und Regierungen den Laudesschwurgerichten znznwcisen sind, uud hat hierauf dic ucnc Strasproceßordunne; mit 79 grgcn 2 Slimnicn angenommen.
Karlsruhe, 13. Jänner. (Die Abgcord» netenkammtr) uahm heute unt 52 Stimmen gegen eine das MinistcrlicrmUwortlichkcitsgcsctz wesentlich nach den Coiiimissionsvorschlügen an.
Flirrn;, 12. Jänner. (D i e O Pft v s i t i on) hat beschlossen, eine zuwartende Hallung in Bezug auf das Ministerium zu beobachteu.
Paris, 1u ^ncatau dauert fort. Präsident Juarez hat eiu Dccret cr< lassen, welches alle Kaiserlichen verbannt. Auch Japan wird unterm N. December der Rücktritt des Taifuns bestätigt. Die Regierungsgewalt wurde an den Mikado übertragen. Dic Eröffnung dcs Hafens von Icodo wnrdc auf den 1. April vertagt. __________
Hagesneuigkeiten.
— Se. Majestät der Kaiser haben der Nagy'Enveoer helvetischen Gemeinde zur Ausbcsjernng ihrer Kirche und zum Äaue einer neuen Pfarrerswohnung 1000 st. aus dem für prot.stanlisch« Kirche»- und Schulzwcckc bestimmten Pauschale allergnaoigst anzuweisen geruht.
— (Im Namen Sr. Majestüt des Ka iser«.)
Zur Crzielung eines bei allen Gerichten gleichmäßigen Vor» ganges bei Durchführung der Beslimmung dc>l zweiten Ab» satzcs dciü Arlilels 1 des Staatögrundgesetzes über die rich' telllche Gewalt vom 21. December wurden in einer Verord< nüng des Justizministeriums vom U.d.M. die Gerichte angewiesen, die von ihnen auszufertigenden Urtheile und Erkenntniss« mit den Worte« zu beginnen: „Im Namen Sr. Majestät dcs Kaisers" und hierauf erst die Benennung de« Gelichtes selbst solgen zu lassen.
— (Ueber die I u d e n e i ee s s e in C a l a r a s ch) schreibt man der „N. Temesvar^r Ieilunz" : Eine hiesige Judenfamilie halte ein Dienstmädchen, Müller eine» kleinen Maochen^, u»d »ach einigen Stteiliglcite», wobei von bci< Den Seiten hes^ge Woile ftekn, >azle lie jüdische Frau den Dienstboten sammt dcm Kinde au« dsm Hause. Das Kind eltranlle hald darauf und s,arl) nach ungefähr sünf Tac,en. Nun wurde dai Dienstmädchen von liimn Unruhesl'ster und Fti»o der genannten Iudenfamilie berroet, die Iudensrau dcs Mordes anzuklagen, das hrchl, dasi die Jüdin dem Kinde Blut ada/zapit hatte. Das Dlei'slmcUchlN gi„g au> oicse» iMischcn Plan tin ui,o j»iglc d^'M Gerichte dcu so czesiallclen Vorfall an. Der StaalSanwalt bcgad sich äugen« dlicllich zur Lnchc deö Kinde« und ertlärle, al« er an dem Ll!ch„am einige blaue Flecken vemerlle, dah daö wohl die Stelle» sein lümNe» , wo ma» das Älut abgezapst habe. Ohnc aczilichc Odductio», au5 eigener M^chlvoUcumme,lheit, scüte ll einen Proccs.Vnbal au?, uud nichl nnnig wu>i> oeUe sich die arme Iudrnsamilie, al>> mit eincm m^lc da» Voll, das man von Dec Asjairc iu Kennlnih gtjchl und ausgestachelt hatte, uol ihr Hau, illclle, sie zu flinordcn drohte und ohne Umslände das Haus ssu dcmolireu began». Dcr hiesige Piüsc,,: wandle umsonst alle Mittil a-l,^ um Nuhe hrlzuslclien, das Volt raele u»d wollte scin ü^pjcr habcn- er lclea/aphille d^halb an den Minister und dic„r «ab ihm die VuUmachl, sich der hi.siüen Oarmsm, zu be. d!on» Mitllerweile wurde die ganze Iubenfamllle >n» Ge. ,^„.,,jh gfwo.fen, und nach schwerer Muhe ist e« endlich dem Pl^iscltn gelungen, 3tuhe und Oidnung herzufteilln. Di? Untlvsnchung ift in vollem Gange und hilhelligt sich da« Voll dabei in miathcucrcu Massen.
— Lawinen st u r z.) Von brn slnlen südlichen Ge^ lcinden dcs unteren Gaillhalcs dllrslcu heuer, wie dic „Klagf. Zta." meldet, line ziemliche Anzahl Schnlelawinen herunter lommcn. Etliche Volläuserinnrn brausten bereits hernieder. Eme solche brgiub ti»cn Jäger, der mil Echutercife» an den Füßen d«> Spur eine« Marders in« Gebirge verfolgte, (ir schoft nämlich zwar ba5 Thier, allci« cben die dutch den Schus; verursachte Erschütterung löste die Lawine, wllche sür den Schützen so verha'.gnibuoll wurde. Vis Hilfe zur Stelle war fand man nalü'lich »ur die Leich< des Uiu,li!cllichalue>sammluiig der Landwiclh» schaslsgrsellschast beschlossenen Ges^e«
— iGrasvon der Golh) der preußische Gesandte i,i Variö hat sich am l.hlen Sonnabend cixer langcn unv schmerzl'.sten Ope.atio» von 10 Mi.nttcn nMe.zogen, die
der vollständig gelnngc» ist. D,e Operation wurb. vo>» Professor Nelaton unt.r A„.,tenz des Dr. Kolb ausgesuhrt. Qcr von der GM wurde narcol.sitt und es bedürfte des Beistandes d.e,er Pns«»e", "'"ihn aufrecht zuhalte.,. Das arM!ie Bulletin constalitt, °°b dei Zustand de. Opn.ttcn alzilu^ <.u ^^ .^,^ ^^ Napollou, dcr König
v"n Preuhen und Graf Äi.ma.ck lassen sich laglich um das
"lu^ '^^^hi/unf^l'^) De. tester Me»d. 12 d erlitt b«i Göfling einen Ach,enbruch, pvslzug "°" . ^ ^ ^cht werden und gi»g erst um
. ,'. ^, n.,d am 1^!. Nachts zwei Laltcnzüge il'ianx bei Gloggmb si"d am ^^ zc.l.ü.nm^rl Wunen.
"tl^r a" ". d. «ls vcr->< n>,r >>, Salzburg cintra>, war von einem gio.
^',!''",^le1n Folge einc« Federbrucheo die Maschine d ! ''S. eil,a.n i» Vaiern) und dem ganz.n Zuge d.ohlc d. MsNn, >n den tiesrn Abgru.'d. Z.m Glücle wurbc der rollend! Tiain nchtzeilig glbmnöt und zu.» Stehen ^bracht. Durch die Ausmerlsamleit de< ^ugöpcrjonalcs ward sonnt das Un.lück abgewendet und der Zug wurde mit einer r.« !3uirir"» M.mafchinc ohne erheblichen Unfall weiterdcfdrdc.t.
— (Der di«sjäbrige Winler in (5 ngland.) Auch in London — schreibt die „Engl. Corr." — ist v« Winter ungewöhnlich strenge. In der Hauptstadt ist aller-dings das Lis auf den Teichen der Pails uno d,n Canä» len der Docks noch nicht einmal start genug, um ein paar Duhenb schliltschublaufcndcr Jungen sicher zu tragen; «z frieren die Masstttanncn auch in ungeheizleü Schiasstuben nicht zu: was sich die Nacht Nber an Iis auf dem Straßen» pslaster bildet, schmilzt am Tage unter den Schritten der Menschen und den Rüdern der Fuhrwerke rasch wieder zusammen, und auch auf dem Lande ist es bisher nicht vor« gelommen, daß Aahnzüge sich einen künstlichen Weg durch Schncemauern hätten brechen müssen, daß Ddrfer verschneit oder größere Flüsse unfahlbar geworden wären, aber jeder leidet doch seinen Theil durch die ungewöhnliche Strenge der Witterung. Der Kamin erwärmt nur den, der sich in sei» ner allernächsten Nahe niederlassen lann i eisig zieht der Wind durch die Spalten der schlcchtverschlossencn Thüren und Fenster, während drauhen auf der Straße die Pferde mit ihren glatten Beschlagen nur mühsam von der Stelle kommen und Haufen arbeitsloser Menschen ihre Noth im Chorus vor den Thüren der Häuser absingen. In England, wo Hüuser, Kleidung, Heizung und Veschäftigungsmelhode auf mittlere TonMaturgrade berechnet sind, machen sich ein paar ehrlich lalle Tage bei weitem unangenehmer fühlbar, als in höheren Breitegraden.
— (Das Verkehrswesen der Well.) Die Üisenbahncn Ouropa's haben i„ dem Zeiträume von i«tt0 bis 1605 von L955 auf 10.000 geographische Meilen zn< gekommen, und wührcnd sie damals ein Capital von 10.051 Mill. Fr. absolbirt hallen, betrug die Capitalsanlaa.« zu (5nde des Jahres 1«05 schon 31.414 Mill. Fr. In dieser kurzen fülisjährigen Periode mußten demnach in Europa aUnn 12.3V3 Mill. Fr. für den Ausbau des Eisen« bahunetzeö, also jährlich ungefähr 1000 Mill. Gulden ver» wendet werden. Die Länge der Aahnen in Europa be< trägt Ü3.l54, in Amerika OU.ILO, in Asien 5893, in Asrila 1051, i» AuSslralien 865. Lange der Eisenbahn» linien der Wllt 157.143 Kilometer, 21.176 geographische Meilen. Zu oem Aelliebc sind gegenwärtig mindestens 40.000 Locomolioeu und 1,200.000 Wage» in Veweguna,. Damit weldrn lüglich ungefähr 27 Milnonen Ce»t»el Waaren verfrachtet und orn Millionen Passagiere befördert. Nach dem Duichschnilte der sür mchrrse Äcchnen bekannten Angaben berechnet sich die Anzahl der in mittelbarem Bahn» dienjlc stthelideu Beamlen, Diener und Arbeiter auf eine Million bis 1,200.000 Menschen, ohne jla»d) spricht sich Pros. Eo. Hildcbrand in seiner jüngst erschienene» „!)ides Monats um 10 Uhr Vormittags «ine Sitzung deö Ausschusses stattfindet. Al« der Auischuh constituiit war, berichtete Heir Dr. Vlei weis über zwei der Gsfellschajt von der t. l. Landesregierung abverlangte Aeußerungen. Die eine bezieht sich auf die Einführung der Hartinger'schen landwillhschaftlichen Tafel», rüclsichtlich deren Uebcrtragung in« Slowenische, wolüber rer Ausschuh seinen Veschluh auf die nÄchste Sitzung vertagt-. Die zweite bitraf die Verlheiluüg del Pserdeptämien auf mehrere O>t,. Der Ausschlch stimmte dem Antrage des Secrctüi« dci. dafür .Nrainburg, Adelsderg und Nassen» suß vorzuschlagen. (5>»rlich wurde auf Antraz des Herrn Dr. Aha cic beschlossen, line Pelilion an den Reichs-rc>th um Herabsitzung des Frachlentaiiss sür landwirthschait' liche Pioducle aus der Sülbahn einzureichen, und es wurden m den Auöschuh zur Auiarbsilung deiselbcn die Herren Dr. Achat schilsa,, Dr. Vleiwei«, D^. 6 o st a und Joses Seunig gewühlt.
— (Heri Prof. Ferd. Nusoni) aus Toscana, btlnhmlcr Conceüis! auf dem Clarinet und Ehrenmitglied der philharmonischen Gellllschasl in Vologna, ist gcstern aus Trieft, wo er sich nach der Verchllichung mit der rühmlichst bekannten Clavielspiclerin Anna Weih niedergelassen, hier aug'loinme,,, in der Absicht, ein Concert zu veranstalten oder allenfalls in einer musikalischen Akademie mitzuwicten. Vi,,'!» leicht lirhe sich cie Aueiührung diese« Vorhabens am leich: testen «lmüaMen, wenn Herr Zöllner dl» Horn Bu« soni zur Mitwiilung bei dem nächsten Benrfiz-Abende acqui» riren wütde.
— (V e n e f ic c an zei g e.) Kommenden Samstag 16. d. M. wird zum Venefice unsere« tüchtigen Varitcmisten, He,rn Ferdinand Podhorsly, Rossini's classiscbes Weil: „Wilhelm Tell" gegeben. Da diese Oper wohl als die bedeutendste unter alle» bisher zur Aufführung gekommenen angesehen wcrden muß, aUe unsere ersten OpernlrHste i» derselben beschäftigt sind, und wir auch bei der Tüchtigkeit u»sr den Rehen arge Verheerungen ange« lichtet und der Schnee ihnen ihre gewöhnliche Nahruna, die Aeser, zugedeckt hat, sich den Wohnungen der Landleute zu nähern.
Neueste M-
Wien, 14. Jänner. Die ,.Pr." schreibt: DaS Reich sblldg et ist heute in einer unlcr dem Vorsitze Sr. Majestät deS Kaisers abgehaltenen Ministerraths-Sitzlmg festgestellt worden. Außer den Reichs-, oder wenn man will, den „Ministern für die gemeinsamen Angc« legenhcitcn", wohnten der Sitzung bei von ungarischer Seite: Graf slndrassy, Graf FesttticS nno v. ^onyay; von cisleithauischcr: Fürst AncrSpcrg, Graf Taaffe, Dr.
Brcstel und Dr. Giskra, letzterer als Experte in Betreff des Armeedudget«. Dasselbe bildete auch den eigentlichen Gegenstand der Erörterungen und der ehemalige Berichterstatter des Finanzausschusses des Abgeordnetenhauses über das Kriegsbudget fand wahrscheinlich Gelegenheit die Anschauungen des Abgeordnetenhauses gegenüber den Anforderungen des Militär-EtatS näher zu präcisircn. Als Ergebniß wurde festgestellt das Erfordcrniß für das Ordinarium mit W.0O0.W0, für das Extra-Ordinarium, Anschaffung von' Hinterladern und Festungsbauten (Kra< tau) mit 31,000.000 fl. Das Erfordcrnih des anS-würtigen Amtes beziffert sich in runder Summe mit 5 Millionen, jenes deS Finanzministeriums, einschließlich der Neichspcusionen (mit etwa einer Million), auf zwei Millionen. Da jedoch letztere Betrüge nahezu durch das Zollerträgniß gedeckt werden, so würde sich die eigentliche Anforderung deS Reichsministeriums an die Heiden ^an-dcS-Finanzministcricn auf das Erforderniß dcS Armee-Etats beschränken. Es steht zu erwarten, daß das so festgestellte Reichsbudget schon in den nächsten Tagen die definitive Genehmigung Sr. Majestät deS Kaisers crhal, ten wird.
Die „N. Fr. Pr." schreibt: Während eine weitere Vertagung des NeichSratheS über den 29. d. M. hinaus in den letzten Tagen mehrscits als bereits fest-stehend gemeldet wurde, scheint neuerlich die Absicht vor» zuwaltcn, an dem einmal bestimmten Termine festzuhal« ten und den Ncichsrath für jeden Fall am 29. Jänner zusammeutretcn zu lassen. Unmittelbar nach scinem Zu» sammcntriltc würde ihm das Budget für I5<^ vorgelegt und diefcs würde sofort dein Audget>AnSschnß zugewiesen werden, während dessen Berathungen das Plenum dcS Hauses seine Sitzungen unterbrechen würde, so daß die Gleichzeitigkeit der Versammlungen des NcichSratheS und der Delegationen wenigstens für die ersten Wochen deS Februar, vielleicht sogar für den ganzen Monat Februar vermieden wäre. Auch die Neuwahl des Präsidenten würde zn den erstcn Obliegenheiten des Abgeord» nelcnhauseS unmittelbar nach seinem Wiederzusammen-tritte gehören.
Paris, 1-4. Jänner. (Tr. Ztg.) Die Kammer nahm daS Gcsammtmilitäracsctz mit 199 Stimmen gegen 60 an. Die Kammer wurde bis zum 27. d. M. vertagt. Die nächste TagcSordnnng umfaßt daS Preß« gesetz und das VereiuSgcsctz.
Paris, 14. Jänner. Die „Patrie," die gewaltsamen Tendenzen der russischen Politik im Oriente, in Montenegro, Serbien und Bnlgarien signa-lisirend, sagt, diese Tendenzen haben nichts BcsorglicheS, wenn die Westmächtc Enropa's, ihren eigenen Interessen folgend, den russischen Berechnungen eine gegenseitige Uebereinstimmung entgegensetzen. Sie sagt schließlich, die lange Krise im Jahre I8K7 habe nur der graeco-russischen Propaganda genutzt. Mögen die Großmächte sich bemühen, diese Krise zn beendigen, und die russischen Versnchc werden neuerdings vereitelt werden.
Florenz, 15. Jänner. Die „Gazzctta d'Italia" meldet, der Exministcr Gualtcrio wurde zum Minister deS königlichen HauscS ernannt. In der Kammersitzung reclamirtc Nattazzi, die letzt veröffentlichten Documcntc seien unvollständig nud theilwcisc unrichtig und weist weggebliebene Depeschen vor, deren Drucklegung er ver-langt. Mcnabrca erklärt, alle zur Verfüguug gestandenen Documcnte wurden unparteiisch vorgelegt, er werde übrigens Nachforschungen pflegen. Die Kammer beschließt die Drucklegung der neuen Documcntc.
Telegraphische Wechselcourse.
oom 15. Jänner.
5perc. Metallique« 56.50 — 5perc. Metallique« mit Mau un5 stouember-Hinsen 57.30. — öperc. National Änlchen 65,20. .. Vaul-cc^ieu 685. — Treditacticir 184.70. - 1860er StaalSailltheu 83 Silber 118,50. — i!l>ndou 120.5>5. — K. l. Ducatcn 5.74.
Kandel und volkswirtschaftliches.
Vesterreichisch-russische^ Verkehr Dit schwebenden
Verhandlungen bezüglich de« Transit-Tarife« uoil Trieft nach St. Petersburg sind ui St. Petersburg glücklich ^i Lude geführt worden uno soll der Tarif uom 1. Fcbriillr ab inS Lebe» treten. Die Vechandliiüzzcn sind von den bethe,ligten üsinrei-
chischm Bahnen mit der Intention aufgenommen worden, dnrch eine Verbindung mit der klo»^«-!-«« in.^ün.,!« und der Eisenbahn Snc;' Alefllndrien den Vevtehr nach Rußland itbcr Oesterreich zu leiten und widmeten sich unter de» Vertretern jener Vah' nen iusbüsuildere die Herren Kopp, Direclor der Staatsbahn, Ialoby, Gcneralsecretär der Norddahu, Hahn, Inspector der Slid-bahn, und Barach, Vertreter der Lemberss-Ezernovitzer Nahn, persönlich in St. Petersburg drin miternommcucil Werfe niit that« triftiger biogcblllig. Außer dcr Feststellung de« Tarifcö ist ein böhmisch^russischer Verbauduellehr hergestellt worden.
Neues Tterfahre» zur Ttahlfabrication In Süd, staffordshirl, dem großen englische» Eisendistrict, sind jcht Äer-snche mit ctuem neuen sehr eiufachm Versnhren zur Stahlfabri-cation gemacht worden, daö v°i, einem Hi!!!c!ibestl)er Ileatoil er« funden worden ist. Mau bringt 7-li Pfmid Natrunsalpetcr (Chilisalpclcr, ein sehr billige« Salz) in em eiserne« Gefäß, das mit einer durchlöcherten Platte bedeckt und au, Boden des Stahl-bildungsgefässes festgcbol;t wird. DaS letztere scheint einfach ein mit sehr feuerfesten Ziegeln auSgeschler GusMel zu seiu. In diesen lässt lUllü uiiu 14 Eeuluer geschmulzrues Gußeiftu au<> riuciu Kuppclofeu cinsliesicu. Es erfolgt durch deu Sauerstoffgehalt drS Natronsalpeter« eiue sehr heftige Vcrbrluuinig des Kohlenstoffes unter starlcil, indessen uugcsähllicheu Explosionen. Wenn die Reaction aufgehört hat. wird da« stahlarligc Metall iu eiserne Fornieu abgestochen DaS Verfahren ist uom cheinische» Sland-Puncte sehr wohl als möglich zu erkläre» uud würde bei der Auö» fllhruug ungeineiu virl billiger zu stehen lommcu, als das Bessemern. Besonders an Aillagetostcn würde sehr bedeuleud gespart werden löuueu, Pou Seiten unsclcr steierischen Eiseuproduccuten uerdicut dies die ausmcrlsamste Wilrdiguug.
Eine intcrllatiollnle Goldulüllje. Die frauzöfische i)legicruug hat bereit« eiuc Probe-Guldmiiu^c prägen lassen, welche »ach dem auf der letzten mtcrucuioiiale» Miinzcoilfereii; gemachten Vorschlage au die Stelle der coursirendeu Ooldmüuzeu lretcu soll, Auf der ciueu Seite des Goldstlicl^ sieht mau den lorbecr-delräuzteu Kopf drö Kaisers ohne jedwede Inschrift ; auf der Kehr-seite in der Mille die Inschrift: „5 Dollars", darunter „^Franco", darllber im Halbkreise.' ,/»<-, ,^^>i istt,,,«!!,-,!!,:". darunter dü' Iah rcszahl ^<>?, der Rand geerbt nach Art der englische,, Tonve» reiguö. Der Gehalt dieser Münze ist 7,^„. Gramm seines Gold, während das Gewicht deß Sovereign 7^.^,. Gram fein Gold ist. Tcr lluterschied gegen den Souereign be'rägt hieuach ungefähr ^, Percent. In dieser Ziffer liegt dic große Schwierigleit filr England, den, ueuc» Münzsyslem bcizntreteu. Wie soll es scinc Etaaieglänbiger entschädige»? Wie sollen die finanziellen Bezie-hungcu England« zu seinen (iolonieu in da» neue System hin-über geführt werden? Wir gestehen c?, die Schwierigkeiten siud groß i allciu die Vortheile eiuer iutcruationaleu Goldmiluze siud bei weitem größer, und wir meinen, baß der englische Handels-stand alle bestehenden Hindernisse überwinden tonnte.
Laibach, 15. Jänner. Nus dem heutigen Marlle stud e » schienen: Ä) Wagcu mit Getreide, A Wagen mit Heu uud Strol, (Heu ^ Cir. 8^ Pfd.. Stroh 16 Clr. 22 Pfd), .W Waarn uud 4 Schiffe (24 Klafter) mit Holz. ____________Durchschnitts-Prcise.
st. ll. ft. l>. st. tl. st. lr.
Weizen pr. Mehen s! X0 7 '<.3" unter dem Normale.
Yeranttuortlichl-r Ntdactsur: Iaua, v. ltleilimavr
Diirscnbmcht.
Wien, 14. Jänner. Die Stimmung der Bürse war heute filr alle Effecte» flau, auch Devisen und Valuten wa?eu billiger. Gelb flüssig. Geschäft sehr beschränkt.
Veffentlicke Schuld.
4. des Staates (für 100 fl)
Geld Waare
In ü. N. zn 5M. sür 100 si. 53.30 53 50
In üsirrr. Währung steuerfrei 56 90 57.10 '', Stcmranl. iu ö. W. v. I.
' 1«Ü4 zu 5pEt. rückzahlbar . 89,— 89.25
'/, Stcueranleheu i» ost. N. . «5.25 55.50
Srlber-Auleheu von 1«»i4 . . 72.— 73.-Gilbcraul. I««i5 (Frcs.) rückzahlb.
iu 37 Jahr. zu 5 pEt. 100 si. 79,— -.-
slat.-Nnl. mit Iäu.^Eoup. zu 5"/„ ^5.40 i,5 50
„ „ „ Apr.-Eoup. .. 5 „ «5.30 »i5.40
Vletallique« . . . . „ 5 „ 5
Mit Verlos, v. 1.1839 . . . 152,5<> U.3.—
„ ^ „ 1854 . . . 72.75 73.'^
„ „ „ I860 zu 500 fl. t>3.~- 83 10
" ,, „ „ I860 „100,. 92- 92,25
" " ',,. 1864 „100.. 78.—
Scciermail ... « 5 „ 88.— 89.—
Ungarn.....„ 5 „ 69.25 69.75
Trmcser - Banal . . „ 5 „ 69.— 69.50
Ernatlcn uud Slavouien „ 5 „ 69.-- 69.50
Galizien . . . . „ 5 „ 63.— 63.50
Siebenbürgen . . . „ 5 „ 62.75 63.75
Butoviua .... „ 5 „ 03.— 63,5
Ocst.Dou.-Dampssch.-Gcs.^^ 484.- 485.-
Oesterreich. Noyd iu Triest ZiH» 181.— 183,—
Wieu.Dampfm.-Actg 5 vcrlosbar zu 5°/. 97,2u 97.40 lt. M. 1
Natiuualb.aufö.W verlosb.5„ 92.60 92.80
Uug.Vod.-Ereb.-Anst. zu 5'/, „ '.,0.75 91.--Nllg. öst, Bodtu-Eredit-Äustall
verloöbar zu 5"/, in Silber 1'>2.— 103,—
Uose (pr. StUck.)
Ercd.-N.f.H,u.G.z.100fl.ö.W. 126.5" 127.—
Don.-DmPfsch.-G.z.I00fl.CM, 91.— —...
Scadtgem. Ofen „ 40 „ ü. W. 25. - 26. .
Esterhazy zu 40 fl. LM. 117.— 119.—
Salm „ 40 « ,. . X2 - 32 50
Pallffy « 40 .. « . 24.25 24.75
Geld Waare
Tlary zu 40 fl, LM. 2^.50 29.S0
St. Ornois „ 40 „ „ . 26.~. 26.50
Wludischgral) „ 20 „ „ . 17.,")0 18.—
Waldstciu „ 20 „ „ . 20.75 21.25
Keglcvich „ 10 „ „ . 14.50 15.^-
Rudolf-Stiftung 10 „ „ . 14.— 14.50
Wechsel. (3 Monate.)
Augsburg für 100 fl südd. W. 100.40 I00.i!U
Franlfnrta.M 100 fl. detto 100.-0 100.70
Hamburg, für 100 Marl Vanlo 88 75 89.—
London für 10 Pf. Sterling . 120 50 120.75
Paris sitr 100 Franls . . . 47.90 47,9b
Tours der Geldsorten
Vcld Waare
K. Müuz-Ducateu 5 fl. 72 lr. 5 fl. 73 lr. Napoleonsd'or . . 9 „ 61 „ 9 „ 62 ^ Russ. Imperials . 9 „ 9«! „ 9 „ 95 ,' Vereinsthaler . . 1 „ 77 „ I „ 7?j" Silber . . 118 „ 50 „11^ „ 75 ,'
Kraiuische GruudcutlaNuug« - Obligatloueu, Pl'* vatnotiruug: 87 Ocld, 9