N>^ -< /» 55 Pränumert7»c^ ^»_________________________________ ________ Amtlicher Theil. Gesetz vom 6. Juni 1882, Messend die Gebürenbefreiung der im Grunde des ^ndesgesehes vom 27. Dezember 1881, L. G. Bl. A-5 ox 1882, iiber die Karstaufforstung iui Tricster ^ladtgebiete zu errichtenden Verträge und sonstigen Urkunden. fi,. ^l't Zustimmung beider Hänser des Neichsrathes ^""k Ich anzuordnen wie folgt: y. 8 1. Die im Grunde des Landesgcsetzes vom ^/'Dezember 1881. L. G. Bl. Nr. 5 ex 1882, bebend die Karstaufforstung im Trirster Stadtgebiete Ml der Aufforstunqscommission mit den Grundbesitzern "Nb den Nutzungsberechtigten abzuschließenden Verein. Münz?,, iiber die Art und Weise der Aufforstung und "e hiebei zu gewährende Unterstützung, dann die zn "richtenden Verträge und Vergleiche über die Giund^ Werbungen und die Ablösung von Nutzungsrechten °urch den «Aufforstungsfonds des Gebietes der Stadt ""'st" sind stempel- und gebürenfrei. ^ , 3 2. Der Finanzminister ist mit dem Vollzuge ^>es Gesetzes beauftragt. Wlen mn 6. Juni 1882. » Franz Joseph m. l>. ^aaffe m. p. Dunajewski m. p. ANp^ k- «"d k. Apostolische Majestät habe,, mit »chster Entschl'ehunq vom 7- 9""/,3 dem N°'U"en Official der'Finanz-Landeskasse m Graz tr u^! Tnioboda in Ane.kennung seiner vichahngen Üj^«Ü?^ ersprießlichen Dienstleistung das goldene "'""uz allergnädigst zu verleihen geruht. br«ckeA"i..^Iu"i I8«2^u,lrde m^der s. l. H"f' '"'>? St""ts-lciufia , I' Alm das XXV Sliict dcS Neichsgeschblattcs vor» senN."°^ ü' der deutschen Ausgabe, ausgegeben und lier° ^^b,^s V",7m S.Iuni 1882. betreffend die Gebürnr-b fremn« der ,'m Ar.mdc des üandesaescl.,es """."^' zen'bcr 1881 ^ W Ä? Nr 5 °x 1882) über die Karst-aufsorstung im Tester Slad^bic.e zu errichtenden Vcr. f"'Mt dcr von, lialHchen U.n.deSa..ssch.'sse ""Grunde Z" «""dewschc v?m Ä.D^ember iWl und v°>>, 22 Ma 1A ""lzuuchmeudcn Anlehe» von 1.10U.000 fl. uno ^ ?3 das Ges^'liom 8, Juni 1882. betreffend die Eröffnung von Nachtranscrediten zum Voranschläge I»»^ !.,Wr. Zlg." Nr. Uls vom I?- Iunr 1882.) Nichtamtlicher Theil. Se. Majestät derKailer haben den durch Feuer verunglückten Einwohnern der Gemeinde Kleinmotten im politischeu Bezirke Waidhofen an der Thaya in Niedclöstcireich eine Unterstützung von 200 fl. aus Allerhöchsten Privatmitteln allergnädigst zu bewilligen geruht. Im heurigen Jahre wirb die Pferdeprämiierung für Mutterstuten, juuge Stuten und Slulfohlcn a m 4. September in Reifuiz fiir den Politischen Ve« zirl Gottfchce; am 6. Septcmber in St. Varthelmä fiir die politischen Veziike Gurkfeld. Nnoolfswi'rt und Tscheruembl; a ul 9. September in Oberlaibach füi die po« lilischeu Bezirke Littai, Umgebung Laibach. Loilsch und Adclsberg. sowie für die Stadt Laibach; endlich am 12. September in K> ainburg für die politischen Bezirke Krainburq, Radmannsdorf nnd Stein, uud zwar jedesmal u>n 9 Uhr vormittags, stattfinden. Als Piämien gelangen k. l. Dukaten und silberne Medaillen zur Vertheilung. Wien, 18. Juni. (Orig.-Corr.) Die Aeußerungen des Fürsten Bismarck ilber unsere Opposition haben begreifliche»weise dieselbe stark verschnupft, denn erstens sind dieselben so unzwei» dcutig, dass sie nicht leicht nmgcdentcl und appretiert werden können, und zweitens halle man stets den deutsche» Reichskanzler als eine Autorität hiugesteUt, deren Worte erhöhte Bedeutung haben. Unter dem frischen Eindrucke jener Rede war daher die opposi» tionelle Presse so consterniert, dass sie nichts vor« zubringen wusste; jetzt aber, wo man glaubt, den Lesern werde der Wortlaut nicht mehr recht erinnerlich sein, wagt man sich wieder ein wenig vor, und richtig brachte ein Blatt heraus, jeue Rede Bismarcks sei ein Auis an Oesterreich gewesen, dass die Allianz in Frage gestellt werde, wenn nicht wieder die deutsch-liberale Pcnlci ans Nuder komme. Dieser sehr — kühnen Intelpietatiun steht freilich das Bekenntnis eines unzweifelhaft liberalen Oiganes. des „Wiener Tagblatl", entgegen, dass erst durch das Votum der derzeitigen Majorität jene Allianz möglich geworden sei, während die Verfussungkpartei dieselbe beinahe durchkreuzt hätte, daher auch Bismarck auf dieselbe so schlecht zu sprechen sei. Man wird wohl keinen Augenblick lang im Zweifel fein können, wem man da zu glauben hat. Allerdings hatte die Opposition sehr stark auf die guten Dienste Vismarcks gerechnet, und erst jüngst suchte eine Broschüre, als deren Autor man Herrn v. Plener nennt, nachzuweisen, dass Deutsch, land ein Interesse daran habe, der liberalen Partei wieder zur Herrschaft zu verhelfen. Nun, die Antwort darauf ist erfolgt, und der Bescheid ist für die Be-werber sehr entmuthigend. Die Opposition sieht sich da« durch auch eines von ihr für sehr wiilsam gehaltenen Kampfmittels beraubt, denn sie kann jetzt nicht mehr die auswärtige Politik gegen die innere ausspielen und die Bevölkerung damit zu beirren suchen, dass sie die Herstellung des innern Friedens und der finanziellen Ordnung als eine Gefährdung unserer guten Geziehun« gen zu Deutschland hinstellt. Wer ein wenig selbst« ständig dachte, musste allerdings darüber im klaren sein, dass es für Deutschland höchst gleichqiltig sei, welche Partei bei uns am Ruder ist, dass es aber dem Finsteu Bismarck sehr darauf ankommt, dass die Monarchie klüftig und actionsfähig sei. Und gerade in dieser Hinsicht bieten ihm die jetzigen Verhältnisse die gewünschten Garantien, denn unter der qeqen» wältigen Regierung ist nicht nur jede Beeint,ächti« gung unserer Heerrskraft ausgeschlossen, sondern wird auch die Gewähr geboten, dass im entscheidenden Mo» menle die Monarchie im Innern geeinigt und finan-ziell consolidiert bestehen wird. Zur Lage. Wir lesen in der „Wiener Nllqe meinen Zeitung": „Als ein bemerkenswertes Symptom für dle in rein deutschen Bevölleruuqskreisrn Böhmens herrschende Stimmung erscheint die Thatsache, das» die am 13. d. M. staltgehabte Wahlerversammluna. in Kliile nächst Trautenau, welcher Abgeordneter Dr. Roser seinen Rechcnschaflsbericht etstalte,?, einstimmig eine Resolution annahm, die folgenden Punkt enthält: „Die heutige Versammlung erwartet von den Abgeordneten jeder Palteischaltierung, dass sie sich mehr den wirtschaftlichen als den politischen und nationalen Fragen znwendcn, da durch letztere Parlamentarische Talllk unuölhiq viel kostbare Zeit vergeudet wird." — Aehn» licke» Gesinnungen scheint auch die mährische Landbevölkerung zu huldigen, wie unter anderem aus dem Verlaufe des soeben in Brunn abgehaltenen, zahlreich besuchten ersten mährisch-schlesischen Bauernlages hervorgeht. Derselbe beschloss nämlich einstimmig folgende Resolution: „Der gesammte Bauernstand Oesterle'chs soll ohne Rücksicht auf die Nationalität eme einheit-liche, jeden Nationalitätenhader entschieden tadelnde Feuilleton. Kunst un> Herz. Original-Roman von Harrict-Griinewald. (22. Fortsetzung,) ..Sibilla. so höre mich doch", bat der Graf. ... «Mein Urtheilsspruch ist gefällt", sagte sie jeht lj ^r. indem sie die Hände von dem Antlitz falle» ^u,- «Ich muss das verlieren, was mich leben, athmen i^u. ~- deine Liebe! O", sie barg das Gesicht in Fen» Taschenluch, „das ertrage ich nicht, eher will u,"en Schuld, die trotz all der Glut im Herzen zu->„ ^n brennt und nagt und sie dann recht peinvoll <^ ^ "wä" noch vom Sterben reden?" Vin ^"k Mann konnte auch düster werden in er »Ü?^"' wo er tiefinnerlich die Schmach fühlte, die Vera! ^ durch das Leben fchleppte. — wo er fast hau?^ b" dem Gedanken, welche Rolle er in dem do,, ! ^ worden« fpielte. — und doch ließ er nicht "M fchönen, unglücklichen Weibe. Die gemein- same Schuld schlang um die verirrten Seelen unlösbare Bande und die ungeschwächte Leidenschaft fchien sie nach jedem Wiedersehen fester nno fester zu knüpfen. Drauheu im Corridor ließ sich ein fester Schritt vernehmen, er näherte sich dem Salon. Petrowitsch sprang von dem Sessel auf. «Der Minister; er soll mich jetzt nicht an deiner Seite finden", flüsterte der G>af, indem er die Porliöre zurückschlug und in das Musitzimmer trat. Sibilla fuhr sich hastig mit dem Taschenluch über das Gesicht, dann lehnte sie sich weit in den Fauteuil zurück, legte die eine Hand über die Augen, anscheinend in das Reich der Töne vertieft. Gorden trat in den Salon; er war sehr überrascht, seine Gemahlin allein am Frühstnckstische zu finden. „So verloren in schwermülhiges Traumen?" fragte er, indem er den fchönen Kopf zwifchen beide Hände fasste und zu sich emporzog. Der Miuister liebte seine zweite Gatti» fast noch leidenschaftlicher, als einst Marcellas Mnttcr. Er war eiue jener Na-tureu, die sich bei einem halten Verlust wie wähn« sinnig geberden, aber sobald das Grab sich einmal über der irdischen Hülle geschlossen, rasch vergessen, was drunten schläft, und sich wieder dem Leben und seinen Fieudeu zuwrnden. Gorden entgieng das kalte Verhältnis zwischen seiner Tochter und SibiUa nicht. Er hielt natürlich Marcellas Zmuckhallung gegenüber seiner Gemahlin für böse Launen, die er mit Strenge, welche ost an Härte und Lieblosigkeit grenzte, zu bannen suchte; aber diese Strenge entfremdete das Mädchen immer mehr und mehr dem Vater und feiner zweiten Frau, die niemals echte Muttelpflichten an demfrlbeu geübt. Was war ihr an dem Kinde ge< legen? Sibilla schlug jetzt ihr thränenfeuchtes Auge zu Gorden auf, wobei sie tief aufseufzte. „Du hust geweint, mein Engel?" sagte er zärtlich und bestürzt, indem er sie küsste. Die Gräfin ließ stets mit Widerwillen die Liebkosungen des alternden Mannes über sich ergehen, für den sich nie eine wärmere Empfindung in ihr geregt, heute aber schien sie dieselben gar nicht zu beachten und sagte sanft: „Die Musik stimmt mich unsagbar trübe." „Warum spielt Marcella?" fragte der Minister scharf. „Ich will....", er machte Miene, sich nach dem anstoßenden Raum zu begeben. „Lass das, Ludwig", warf die Gräfin rasch ein. „Petrowitsch liebt Beethoven, und fo habe ich selbst Marcella und Miss Ienlyn ersucht, eine vierhändige Sonate zu spielm." „Ah so!" Gorden strich sich das an den Schläfen stark ergraute Haar zurück. Er war noch immer ein staatlicher Mann, obwohl die Sonnenwende des Lebens längst hinter ihm lag; doch der Ausdruck ..alternder Mann" passte nicht für die ungebeugte Gestalt, die stolz und gebietend am Eingänge des Musikzimmers stand. Freilich, das Antlitz war nicht so schön, so jugendfrifch, wie das des Grufen Pellowitsch. es war von einer krankhaften Bläffe angehaucht, durch die an-gestreugte Berufsarbeit hervorgerufen, und um den schmalen Mund lag ein Zug, der dem Gesichte in Stuuden, wo ihm sorglose Heite'keit fehlte, allerdings einen alternden, müden Ausdruck verleihen musste dennoch hätte SibiUa diefen Mann lieben können, wäre ihre Seele nicht durch die unselige Leidenschaft zu dem Iugendgcspielen völlig verblendet gewesen. (Fortsetzung folgt.) Laibachcr Zeitung Nr. 140 1212 ____ Partei bilden und dahin streben, dass in die Legislative für den Bauernstand nur Angehörige desselben entsendet werden, welche untereinander eine Partei bilden." Ferner wurden noch Resolutionen gefasst, in welchen die Regierung gebeten wird, den Schulden« stand des bäuerischen Grundbesitzes mittelst allgemeiner Zinsenreduction zu convertieren, die Gebüren bei Darlehensaufnahmen herabzusehen, die Personal-Einkommensteuer einzuführen, die Schulpflicht 13» und ^jähriger Kinder auf die Wintermonate zu beschränken, den Eheconsens und die Freizügigkeit von der Zustimmung der Gemeinde abhängig zu machen und den Legalisie» rungszwang aufzuheben. Die abfällige Kritik des Fürsten Bismarck über die Taktik der deutsch-liberalen Partei in Oesterreich wird sowohl von hiesigen als von Provinzblättern noch immer lebhaft commentiert. Die „Sonn- und Mon -tags-Zeitung" sagt: „Fürst Bismarck hat un. sere verfassungstreue Opposition seiner Opposition als abschreckendes Beispiel hingestellt. Der Witz des deutschen Reichskanzlers hat mit versengender Glut den deutsch-böhmischen Cirkel getroffen, dass alle Mitglieder desselben jäh auffuhren und ein vielstimmiges Weh-geschrei im verfassungstreuen Lager ertönte. . . Es ist möglich, dass der Führer der Verfassungspartei durch ein dialektisches Meisterwerk vor den Wählern von Schluckenau den Beweis führen wird, dass Fürst Vis-marck weder von deutscher noch von österreichischer Politik ein volles Verständnis hat, aber die Welt wird es nicht glauben, und beschränkt, wie sie zu thun pflegt, nach dem Erfolge urtheilen." — Die „Montags» Revue" schreibt: „Kein zweiter Schlag hat die alte Verfassungspartei so hart getroffen wie die Rede des deutschen Reichskanzlers, in der er die Fehler dieser Partei mit einer Klarheit auseinandersetzt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigen lässt. Das Fractionswesen, die fortwährende Geltendmachung des Individuums gegenüber dem Interesse der Gesammt« heit sind dem Fürsten Bismarck zuwider, und weil die Analogie zwischen Berlin und Wien so frappant ist, zog er auch die Wiener Verhältnisse in Betracht." — Der «Sonn« und Feiertags-Courier' be< merkt: „Dass unsere „Herbstzeitlosen", wie Füist Bis» marck sagt, nie etwas zu rechter Zeit gethan haben, müsscn auch ihre publicistischen Anwälte zugeben. Es ist wahr, auch in der Herbst-Partei und ihrer Presse ist eine Zeitlang von der Heranziehung der Czechen zum parlamentarischen Leben manches gesprochen wor« den. Aber bei dem Reden blieb es auch. Ebensn war es mit der Ausdehnung des Wahlrechtes auf die Fünf-Gulden'Männer. Graf Taaffe hat gethan, was vor ihm zu thun niemand den Muth hatte, und das gibt ihm und seiner Regierung eine Ueberlegenheit, gegen die sich die redegewaltige, aber thatenarme Herbst-Partei vergebens sträubt. Auch in der Opposition ist diese Partei geblieben, was sie im Besitze der Gewalt war — die Partei der Negation, stets bereit und einig zum Widei stände, aber stets uneinig und zerfahren, wo es sich um positives Schaffen handelt." Auch die auswärtige Presfe beschäftigt sich viel« fach mit den Bemerkungen des Fürsten Bismarck über die österreichische Reichsrathslinke. So heißt es in einem Wiener Briefe der „Schlesischen Zeitung": «Die Organe der Herbst'schen Partei behaupten, dass die Aeußerungen des Fürsten Bismarck nur den Be« weis lieferten, dass ihm die richtige Erkenntnis der inneren Verhältnisse Oesterreichs vollständig abhanden» gekommen sei. Merkwürdig! Was die Thätigkeit der Herbst'schen Pattei betrifft, so sind darüber die Acten doch sicherlich geschlossen, und man braucht nur auf die immer deutlicher hervortretenden Symptome des Zerfalles dieser Partei hinzuweisen, um einzusehen, dass die Zeit dieser Partei vorüber ist. Jeder, dem nicht Vorurtheil die Augen vor der Wahrheit verschließt, wird zugeben müssen, dass die Partei nicht treffender hat charakterisiert werden können, als indem gegen sie der Vorwurf erhoben worden ist, dafs fie nie etwa« zur rechten Zeit gethan hat. Es ist das traurig, aber wahr. Dass mit dcr in einem unfruchtbaren Doctrinarismus verrannten Herbst'schen Partei nicht zu regieren ist. wird heute von allen Einsichtigen zugegeben, und der deutsche Reichskanzler hat in dieser Hinsicht nur ausgesprochen, was das Urtheil jedes Vorurteilslosen ist." — Die Augsburger „Allgemeine Zeitung" bemerkt unter anderm: „Die deutsch,liberale Partei hat eigentlich, besonders seit der Wahlreform, sehr wenig gethan, war einer Stagnation verfallen, die sie schließlich zu eiuer Partei der reinen Negation stempelte. Darin hat Bismarck vollkommen recht, wenn er sagte: mit einer solchen Partei wäre es nicht möglich gewesen, zu regieren.. . Die Partei des Dr. Herbst ist heute todt, und der Spott, mit dem sie Bismarck gegeißelt, klingt wie das Sterbeglöcklein derselben." Die Krisis in Egypten. Das Zustandekommen einer Eonferenz in Con« stantinovel zur Schlichtung der egypt,fchen Wirren wird in den neuesten Depeschen zwar als gesichert hingestellt, doch nmd die Türkn an der Conferenz nicht direct theünchmen. Die Nachrichten der „Ageuce Havas" aus London versichern, England und Frankreich haben den übrigen Mächten die Annahme eines lwwcolL do lI^ii»t«i638L!N6nt vorgeschlagen, in welchem alle Mächte versprechen sollen, die Integrität des egyp-tischen Territoriums zu achten und außerhalb des europäischen Concertes nichts zu unternehmen. Das „Journal de St.-Petersbourg" sagt im Einklänge hie-mit, die Conferenz sei unvermeidlich, sie müsse sich aber ausschließlich auf die Behandlung der egyptischeu Angelegenheiten beschränken. Sollte eine Landung türkischer Truppen erforderlich sein, welche übrigens der Sultan vorerst noch ablehnt, so würde diese unter der Controle der Mächte und nur für eine bestimmte Dauer stattfinden. In Egypten selbst hat der Khedive inzwischen ein neues Miuisterium constituiert, und zwar unter dem Beiralhe Derwisch Paschas und der Consul». Dasselbe ist einer M'ldung des „Observer" zufolge in folgender W^ise znsanimcngesetzt: Ragheb Pascha Finanzen, Raschid Pascha Inneres, Znlfikar Pascha Justiz, Zetti Pascha Auswärtiges, Arab, Pascha Krieg. Arabi Pascha weilt in Kairo, die anderen Minister befinden sich beim Khedive ill Alexandrien. In Con-stantinopel ist die Absendung Mukhtar Paschas nach Egyplen wieder verschoben worden. Tewfik. Derwisch und Arabi Pascha haben zwar den europäischen Vertretern gegenüber gemeinschaftlich die Garantie fiir die Aufrechlhaltung der Ordnung übernommen, indessen lassen sich die Mächte dadurch nicht abhalten, auch ihrerseits für Garantien zu sorgen. Das italienische Panzerschiff „Affondatore" ist am 18. d. M. mit zwei Compagnien an Bord aus Port - Said in Alexandrien angekommen. — Dem ..Journal de St.-Pctersbourg" zufolge hat auch Russ-laiid analoge Dispositionen wie die übrigen Mächte zum Schutze dcr Consul» und der Staatsangehörigen getroffen, ind^n es Kriegsschiffe in die egyptischen Gewässer entsendete. — Der „Norddeutschen All« gemeinen Zeitung" zufolge mietete Deutschland in Constantinopel den Lloyddampfer „Danae", um die Reichsangehörigcn in Egypten aufzunehmen, da das auf dem Wege von Malta nach Alexandrien befindliche Kanoneilboot „Habicht" nur beschränkte Räumlichkeiten bietet. Der Lloyddampfer ist am I(i, Juni abgegangen und sollte mit größler Fahrgeschwindigkeit am 18. Juni abends in Alexandrien eintreffen. — Von dort ist am 18. d. M. nachmittags der Lloyddampfer „Espero" mit 238 Passagieren in Trieft angelangt. Die am 19. d. M. in Wien eingetroffenen Tele« gramme über die egyptische Angelegenheit lauten: Berlin. 19. Juni. Wolffs telegraphisches Bureau meldet: Die Westmächte haben den übrigen Mächten den Vorschlag gemacht, die Conferenz znr Verhandlung über die egyptische Frage am 22. d. M. in Constantinopel zusammentreten zu lassen. Die deutsche Negierung hat diesen Vorschlag angenommen. Hier eingegangene telegraphische Nachrichten lassen die Annahme desselben auch durch die Cabinette von Rom, Wien und Petersburg als sicher voraussehen. Die Conferenz wird demnächst nach Maßgabe ihrer Resul» täte mit der Pforte in Verhandlung treten. In Egypten erklärten der Khedive, Derwisch Pascha und Aralii Pascha den Vertretern gegenüber, die Garantie für die Erhaltung der Ordnung zu übernehmen. Paris', 19. Juni. Die „Agence Havas" meldet aus Alexandrien vom 18.: Wie man versichert, hat sich bus Cabinet Nagheb unter dem Einflüsse Derwisch Paschas und unter Mitwirkung der Consuln constitniert. Der Khedive versprach, Derwisch Pascha stricte Folge zu leisten. Das getroffene Arrangement wird allgemein mit Befriedigung aufgenommen. Die Nationalpartei bringt Ragheb Pascha große Sympathien entgegen. Die Aufrechthaltung des Khedive kommt einer türkischen Occupation zuvor. Die Sicher« heit der Europäer ist verbürgt. Die Notablenkammer wird zusammentreten und ein einer wahrhaften Constitution gleichkommendes Reglement votieren. Die Lage der Armee wird durch ein Provisorisches Militär-comilc geregelt werden. Paris, 19. Juni. Die ..Aqence Havas" meldet aus London vom Heutigen: Nachdem alle Mächte den Zusammentritt der Conferenz in Constantinopel angenommen haben, so werden Frankreich und England die diesbezüglichen Einladungen an die Mächte heute ergehen lassen. Der wahrscheinliche Zusammentritt der Conferenz erfolgt am 22. Juni auf Grund« läge der Aufrechthaltung des 3t,3,t,uu c^uo in Egypten. Die Confercnz wird einzig und allein die egyplische Frage verhandeln. Die Türkei wird an der Conferenz nicht theilnehmen, doch wurde iufolge eines Ueberein-kommens mit der Türkei Constantinopel zum Con« ferenzorte bestimmt, um die Communication mit der Pforte zu erleichtern und zu beschleunigen. Constantinopel, 18. Juni, nachts. Die Bot« schafter verfammelten sich gestern bei dem Grafen Corli und werden morgen bei Lord Dufseriu zusammentreten, wahrscheinlich um sich darüber zu einigen, die Pforte zur Annahme des Couferenzvorschlages aufzuforderu und ihr zu bedeuten, dass andernfalls die Conferenz anderswo ohne Theilnahme der Tiukei stattfinde!! würde. Dessenungeachtet ist der Sultan bis jetzt e^< schlössen, die Conferenz abzulehnen; der Sultan Y" seine Weigerung dein Botschafter Marqu.s de Noa'U" gegenüber in einer Audienz vom 10. d. M- wlederlM und bei diesem Anlasse bemerkt, dass er tue von" wisch Pascha verlangten Truppen nicht "ach Ml" ' senden werde. Gleichfalls am 16. d. M. !"ll Mu,u « Pascha den Auftrag erhallen haben, Earl Granv'u zu erklären, dass die Pforte gegen den Zusammen"' einer Conferenz außerhalb Constantinopels ohne ^> nähme der Türkei keine Einwendung erheben lvero > — Said Pascha dankte heute den Botschaft«" I"l die Unterstützung, welche die Consuln den B«-'^, in Alexandren bei dem Werke der Pac'ficmin'g "' steten. - Mukhtar Pascha, dessen Entsendung "^ Egypten nicht aufgegeben ist, soll dort 6"'""'!°)°' " mit Derwisch Pascha wirken. — Wenn die ^"sm's nicht in Constantinopel zusammentritt, so dürfte ^> als Conferenzurt ausersehen werden. ^, Gerichtssaal. Wien, 19. I""' ^ (Process Hoffmann.) Vor dem SaM^ gerichte, dem Landesgerichtsralh Mayer P"N^ begann heute die für acht Tage anberaumte Ha ^ Verhandlung gegen den vorgeblichen Chevalier ^^ z, Hoffmann wegen Verbrechens des Betruges "' Vergehens der felbstverschuldelen Crida. Beka^nu" hat d,e Untersuchung fast vierzehn Monate gewM, nach den nun vorliegenden Ergebnissen dieser U» suchung hat Karl Hoffmann dadurch, dass er den Untersuchungsrichter wiederholt zu ninsW' a versuchte, die Länge dieser Untersuchungsdauer ^. ve'fchuldet. Der Angeklagte sieht trotzdem bMY' aus. Er ist brünett, hat schwarze glatte Haa« u ein zierliches schwarzes Schnurrbärtchen. Er >s» ß schwarz gekleidet und benimmt sich mit großer befangenheit. ^ Für die Anklage tritt St..A.-S. Aigner, f«r " Vertheidigung Dr. Marcel! Friedmann ein. ^ Nach Erledigung der üblichen Formalien W>n znr Verlesung der Anklageschrift geschritten. W" nehmen derselben Folgendes: ..^ Die k. k. Staatsanwaltschaft in Wien erhebt W Karl Hoffmann, 41 Jahre alt, in Karlsbad ' Böhmen geboren und dahin zuständig, katholisch, heiratet (geschieden), ohne bestimmte Beschält« zuletzt in Wien, 2. Bezirk, „Hotel L^nm" w°lM^ wegen unbefugten Ordentragens bcstraft, die " klage: ^ 1.) Karl Hoffmann habe dadurch, dass er ^ anfangs 1877 den Vertretern der „Railway ^, and Plant Company Limited" in Manchester, "^ besondere deren Directoren N. Perring und Sa»^ Hur rocks und dem Secrctär James Pa^el ^ Baron Hoffmann, Besitzer der Herrschaft WoN«^ in Kärnten, vorstellte und erklärte, es sei lhm ^ der österreichischen Regierung die Concession ä"'"^lg der Eisenbahn von Unter «Drauburg nach Wolss ^ ertheilt worden, nnd er habe die Aussicht, "»H^ Concession zur Fortsetzung dieser Bah» von Woll ,^ nach Iudenburg zu erhalten; er werde alle zum . ^ dieser Bahn erforderlichen Schiene» von dieser^^ schaft beziehen, wenn ihm dieselbe ein Darlehen 25.000 Pf. St. als Cautiou für diefe Concrsslo" A währe, für das er ihr eine Sichelstellung ""' ^s Vorrälhe von Holz, Steinen und Elfen u. s- ^„„e dem Gute Wolstzberg einräume, und in diescni /^? , anch am 12. Mai 1877 ein vorläufiges Ueberel»^ men schloss; dass er dan» vom 4. bis 8. 5M' ^ diese drei Personen auf dem Gute Wolfsberg y^s, führte und ihnen dasselbe und alle Anlagen A" ," von der gedachten Firma zu beziehe», u"d ^ ^tes ters verpflichtete, als Beweis feines Eighty"" ^«l-an der Herrfchaft Wolfsbcrg und d"» >" „ des vorräthen eine von drr Gefellfchaft als Ved»>! ' ^n; Darlehens begehrte bindende Erklärung ""«5 > ^ dass er endlich am 22. August 1877 "". "^b^ tischen Consulate i» W en mit Bezng auf dM^ Oe-einkommen und das von der Gesellschaft ge> ^ OM gehren die eidesstättige Erklärung abgab, oa»,^ ^ Wolfsberg und alle dort befindlichen 2""" ,„^ Holz, Marmor. Steinkohlen, Eisen u. s- l"- ' ^ «B fechlbares, unbelastetes Eigenthum seien, ou" ^stt,ü bis zur Erfüllung seiner Verpflichtungen '"Z ^r " werde, infolge welcher Eltlänmg I"'^« ss, ,ft per das Darlehen bildenden Accepte der Gesell") >^t,e-25.000 Pf St. am 23. Auanst l877 zur ^c ^, rung zugunsten Karl Hoffmam,s bei der m,g Lllibacher Zeitung Nr. 140 _____________ 1213__________________ 2l. Juni 1882. lt'chlschen Bank erlegte: sich einen falschen Stand bei-Mgt, sich für den Eigenlhnmer eines fremden Ver-Essens ausgegeben und sich überhaupt hinter dem alschen Scheine eines bemittelten Mannes und eines ^ieiibahnbau.Unternkhmers verborgen und durch diese ^'lssen Vorstellungen und Handlungen die genannten Personen in Irrthum szefübn. wodurch die „Railway ^teel and Plant Company Limited" in Manchester an Mm Eigcnthuine einen Schaden von 25,000 Pf. St., "ljo in einem 300 fl. weit übersteigenden Betrage er. lnden sollte und einen solchen in der Höhe von min« bestens 5000 Pf. St. auch wilklich erlllten hat. 2.) Derselbe habe in der Zeit vom Februar bis ^iai 1880 in Wien dadurch, dajs er im Februar 1880 den William Pearce, Chef der Schiffövaufirma «John Elder k Comp." in Glasgow, einlud, wegen Gestellung einer StahlschranbenrMt für Se. k. und k. Unheil den durchlauchtigsten Kronprinzen Erzherzog '"lldulf nach Wien zn kummen. dass er sich demselben lMmlber alö Äaron Hoffinann ausgab, der beauftragt >e„'. far Se. t. uud k. Hoheit alle auf die Jacht be-^glichen Vereinbarungen zu treffen, dass er wirtlich "ne solche Yacht um den Preis von 9000 Pfd. St. °M'llte; dass er ferner dem William Pearce einige Achen nach seiner Abreise von Wien mittheilte, der Mist von Rumänien beabsichtige eine Yacht zu acqui. I?ere,!. demsellirn die Vermitlluug des Baues dieser Mcht versprach und lhn aufforderte, zu dem Ende ^a»e zu jruden, und unt demsrlbm die Beschaffenheit U»d den Preis der Jacht mit 16,000 Pfd. St. ver-"liliarte und dadurch den William Pearce bewog, ihm klne Provision von 1600 Pfd. St. zu geben: sich einen Mm Stand beigelegt, sich hinter dem falschen shrine eines Bevollmächtigten Sr. t. und k. Hoheit ^ durchlauchtigsten Kronprinzen Erzherzogs Rudolf ","d eines VelMüllers des Fürsten von Rumänien und ewcs vermögenden, einflußreichen Mannes verborgen "Ud durch diese listigen Vorstellungen und Handlun-«en den William Pearce in Irrthum geführt, wodurch °"ielbe, rüÄsichtlich die Firma „John Eldel HComp.", "" ihrem Eigenlhume einen 300 fl. übersteigenden schaden erleiden sollte und einen solchen in der Hohe v°n 18.790 fl. 58 tr. auch wirtlich erlitten hat. n- , 3.) Derselbe habe in der Zeit vom Mai bis ^nde September 1880 in Wien dadurch, dass er sich «? ^"nz Prantner, Bevollmächtigten seiner Gattm ^iark Prantner um diesen zu Unterhandlungen über ^," Verkauf des Kauses der Maria Pranlner, 4. Bez. ^°a«e Nr, 6, und znm Abschlüsse eines Kausver- in«« ^" vollständiae Sicherstrllnng des Kausschil- ?,zu bewegen als Baron Hoffmann vorstelle. eß. dass er demselben als Sicherstellung Act.en elner 00»" Indusw"u.'.ernehmung im Werte von w' .« ^' " die thatsächlich wertlos waren - an- °°. b.z er 100.000 st nach Einkassierung e.ner An- ^suug eines englischen Hauses bezahlen werde, das ",. demselben sagte er habe in London Paftlere ver- N"'et. die n'as) einer Nangierung sür 'hn meh«re ^'ll.onen ergeben werden; dass er welters dem F'anz z antner und seinem Advocaten Dr. Hackend rg M°°«raphien von dem Hauses '" London und Pläne seiner Damp yacht vor. ^s n„d auch erklärte, er sei ein russischer E.senbahw ^"-Unternehmer, dass er endlich auch unter Vorwe.s ""es Briefes behauptete, er sei vom Obersthofmelster« Z'nte aufgefordert worden, feine Dampsyacht Sr. k. und Hoheit'dem durchlauchtigsten Kronprinzen Erzherzog Rudolf zu einer Fahrt auf dem mittellandlscheu Meere "''"weise zu überlassen: sich einen falschen Stand bei. ^legt und sich hinler dem Scheine eines vermögenden "ta'nne« verborgen und durch diese listigen Handlimgen und Vorstellungen die G^lannttu in Irrthum geführt, Wodurch Marie Prantner an ihrem Eigenthume einen l^ fl. übersteigenden Schaden erleiden sollte und einen Elchen in der'Höhe von mindestens 843 fl 69 kr. °Uch wirklich erlitten hat. 4.) Derselbe habe in der Zeit von Ende Jänner ?ber Anfangs Februar bis Apnl 188 l in Wirn da« °"rch. dass er sich dem Tischlermeister Ludwig Schmidt ^ Baron Hoffmann vorstellte, die Skizze eines Tisches ^rwiez und sagte, er benöthige die Einrich'uug sür ^ei Kajüten einer in Glasgow im Baue befindlichen M)t. und ihn aufforderte, für die von ihm zu liefern. ?,e" Einrichtungsstücke uud Decorationen die erforder. "^en Entwürfe zu machen, und dass er weitcrs erklärte. 3 würde ihm die Mühe nicht machen, rmun er der ^.che uicht sicher wäre, und es könne von einem Nlcht< Mmldekommen des Geschäftes keine Rede sein, und ^>ö er ferner dem Ludwig Schmidt am 5>. April 1881 ^schriftliche Erklärung gab. dass er sür die Pläne ' ., Zeichnungen bei deren Empfange 500 fl, bar be> ^leil werde, und durch dies alles deu Ludwig Schmidt ^og, diese mit Arbeit und Voiauslagen verbundenen fllN^ "'^ Zeichnungen mache» zu lasse»: sich einen ^Hcu Stand beigelegt und sich hinter dem falschen k^lne eines zahlungsfähigen Mannes verborgen uud 3ut? ^'^^ listigen Vorstlllungrn und Handlungen den y ""'g Schmidt in Irrthum geführt, wodurch derselbe ^clink "" Eigenthume einen 300 fl. übersteigenden vo, ?"' "leiden sollte und einen solchen in der Höhe ^"0 fi. auch wirtlich erlitten hat. 5.) Karl Hoffmann, über dessen Vermögen mit Bescheid des k. k. La„desgerichtes Wien vom 6. Mai 1881 der Concurs eröffnet wurde, sei in Concurs ver-fallen und könne sich nicht ausweisen, dass er nur durch Unglücksfälle und unverschuldet in die U"mög-lichkeit gerathen sei, seine Gläubiger vollständig zu befriedigen; es falle ihm vielmrhr ein übermäßiger Auswand zur Last, und habe derselbe, nachdem der Passivstand den Activstand bereits überstieg, den Con< curs nicht sogleich selbst bei Gericht angemeldet, son» dern neue Schulden gemacht. Zahlungen geleistet und Pfand angewiesen. Karl Hoffmann habe hiedurch das Verbreche» des Betruges und das Vergehen der selbstverschuldeten Crida begangen. Der Anklagebegründung ist zu entnehmen, dass der Angeklagte, der sich Chevalier de Hoffmann nannte, sich den Schein eines sehr reichen, durch mehrere Orden ausgezeichneten Mannes zu geben wusste und durch mehr als ein I^hrzehent seine Umgebung über s»ine wahien Verhältnisse zu täuschen verstand, der Sohn der Ehllcute K nl und Maria Hoffmann. Glaser in Karlsbad ist. Sein Vorleben war ein sehr aben« teuerliches. Er wusste sich in aller Herren Länder durch die verschiedenartigsten Kunstgriffe in die beste Gesellschaft einzudrängen und sich reichliche Einnahms« quellen zu verschaffen. Lemberg, 19. Juni. (Hochverrathsprocess.) Im weiteren Ver-höre erklärte Olga Hrabar in deutscher Sprache, dass ihre rege Correspondenz, namentlich mit ihren, Bruder Miroslaw vom November 1881 bis Ende Iänuer 1882, nichts Außergewöhnliches bilde, weil Angeklagte stets mit ihrem Bruder einen regen brieflichen Verkehr unterhalten habe. Der Präsident verliest einen postamtlichen Ausweis über von der An» grklagten aufgegebene recommanoierte Briefe, deren Gesamnitzahl 107 betrug, wovon 38 an Miroslaw Dobizansli. einige an Mitangeklagte und andere Personen und einer an den Reichsrathsabgeordnelen Ku-laczkowski adressiert waren. Hierauf wird ein zweiter postamtlicher Ausweis über au die Angeklagte und an ihren Vater Adolf Dobrzansli vom November 1881 bis Jänner 1882 angelangte Vliese verlesen; die Ge-sammtzahl der aus Nussland gekommenen Briefe beträgt 37. Die Angeklagte leugnet, dass ihre Corre» spondenz einrn geheimen Charakter gehabt habe, und bedauert nochmals, dass nicht alle Briefe in die Hände des Gerichtes gerathen sind. Der Präsident hebt betreffs der Hniliczti-Aftaire und der Correspondenz mit ?. Naumowicz die unbehobenen Widersprüche hervor und verliest sodann einige der bei der Angeklagten saisierten Briefe. Die Antworten der Angeklagten auf die weiteren Fragen des Präsidenten und des Staats, auwaltes boten keinen Anhaltspuntt über den Inhalt der verdächtigen Korrespondenzen, weil Angeklagte hier» über nichts zu wissen oder sich nicht entsinnen zu können behauptete. Zwischen den Aussagen der Olga Hrabar und jenen des Wladimir Naumowicz und N,czajs betreffs des Inhaltes der Correspondenzen ergaben sich Widersprüche. Dobrzanski erklärt, er fühle sich ganz un« schuldig, müsse aber seine Ehre vertheidigen; er werde daher, trotz der Zuversicht auf seine Freisprechung, eine ausführliche Vertheidigung vorlesen. Der Staats-anwalt widerseht sich der Verlesung der geschriebenen Vertheidigung mit Rücksicht auf den Grundsatz der Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Schlussverhand-lung. Der Gerichtshof gibt dem Einsprüche des Staalsanwaltes Folge, irdoch mit dem ausdrücklichen Zusätze, dass der Angeklagte sich der Notizen bedienen könne, wenn sein Gedächtnis nicht ausreicht. Der Angeklagte beginnt sodann mit der Erklärung, dass das Inqulsitrngefängnis in Lrmberg eine Musteranstalt sei, er könne darüber gar leine Klagen vorbringen. Aus die Anklageschrift übergehend, betont Dobrzanski, dass das russische Volk, welchen Ausdruck derselbe stets anstatt rulhcuisches Volk gebraucht, immer dem Reiche treu war, dass die Allianz mit Rutland Oesterreich stets zum Heile gereichte und dessen Ansehen und Ein« fluss in Europa erhöhte. Der Angeklagte hält sodann einen ausführlichen geschichtlichen Vortrag über die Schicksale Galiziens und der griechischen Kirche, wobei der Präsident >hn mehrmals unterblicht, um zum Gegen» stände nicht gehörigen Digressionen vorzubeugen. Gegen den Staatsanwalt tritt der Angeklagte so scharf auf, dass er vom Präsidenten znr Mäßigung ermcchnt wer° den mussle. Im weiteren Verlause sucht der Angeklagte alle belastenden Momente emzeln zu entkräften. Der» selbe erzählt seine Erlebnisse in Ungarn vom I^hre 1848 nut nachdrücklicher Betonung des Umstandes, dass er stets mit jenen Hand in Hand gieug, welche die österreichische Dynastie und die österreichische Herr° schast in Ungarn vertheidigten und stützten. Hagesneuigkeiten. — lHofnachrichte n.) Se. Majestät der Kaiser haben nm 19. d. M. vormittags Audienzen zu ertheilen geruht, und hatten die Ehre, empfangen zu werden: Kämmerer Graf Pejacsevich, eine Deputation, bestehend au8 den Herren Hofrath Dr, Ritter v. Geck, Buchdrucker Jasper und Hoftheater.Vuchbrucker Wulliehnufssr. Ehren-domherr Hoflaplan Dr. Kulavit. — Se. Majestät der Kaiser haben am 17. d. M. nachmittags um 2 Uhr das im Schüi'bruimer Parke neu erbaute große Glashaus zu besichtigen geruht. — Ihre l. und k Hoheit die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Marie Valerie ist am 19. d.M. früh um 7 Uhr 26 Minuten nach Ischl abgereist. — (Die Südbahn) feierte am Tamltage in Toblach den zehnjährigen Bestand der Pusterthal, linie. Pöllerschüsje begrüßten die Festgäste am Südbahnhotel. Vor dem Vanlette fand ein Aukflua. zum Toblacher See flatt, Beim Bankette eröffnete V^ubirec-tor Prenninaer die Toaste mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und hob die Verdienste nller hervor, die zum Tlfolgc der Vahn beia/tragen. Insbesondere gedachte er deS Willens des Generaldirkctors Schüler zur Hebung des Fremdenvellehrs im Puster, thale, Baurath v. Hügel erwiderte mit einem Hoch auf die Südbahn, Statlhultereirath o. Strobele hob die national ökonomischen und politischen Momente der Vahn» linie hervor. Es fehlte auch nicht an einem Tuuste auf die Presse. Nach dem Bankette unternahm die Gesellschaft eine Fahrt nach Landro. — (Arlberg-Tunnel.) Aus St. Anton am Arlberg wird vom 14. d. M. geschrieben: Heute, als am zweiten Jahrestage des ersten Spatenstiches für den östlichen Arlberg Tunnel, hat die Bohrmaschine im Suhl' stollen das 28 Hektometer bereit» angefahren; es ist daher die Hälfte des östlichen Theiles schon um etwa 140 Meter überschritten. — (Erzherzog'Iohann »Denkmal.) Das von den beiden Vereinen Oesterreichischer Touristenclub und Section „Austria" des deutschen und österreichischen Alpeiwereins in Neuberg (Steiermart) zu errichtende Denkmal naht seiner Vollendung. T>us Neuberger Fest, comiti ist in vollster Thätigkeit, um ba3 Wiener Voimti nach besten Kräften zu unterstützen, und sind für die am 25. d. M. festgesetzte Enthüllungsfeier die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Die Theilnahme für dieses patriotische Fest ist nicht nur in Steiermarl, sondern auch in Wien eine äußerst lebhafte. — (Ein unheimlicher Versteck.) Nm l blen b. M. ist in der Heilanstalt Ville.Euiard nüchft Paris ein Journalist Namens Eugen Soufflau gestorben, der vor dem Kriege Mitarbeiter des „Sivcle". der„ Opinion Nationale" und der „Cloche" gewesen war. Wie er in Geisteskrankheit verfiel, darüber erzählt ein Pariser Vlatt Folgendes: Soufflau, der den Krieg alb Franc» tireur mitgemacht hatte, war während der Commune in Paris geblieben und am I. Juni I8?l wegen Theil» nähme an dem Aufstande in seiner Wohnung verhaftet worden. Man führte ihn mit anderen Gefangenen nach dem Kriegsgerichte auf den Psre^Lachaise. Nls er an der Rue de la Folie-Regnault vorbei kam, suchte er zu entweichen. Er flüchtete sich in einen Winkel, und ein Mann, an den er sich um Hilfe wendete, öffnete ihm einen ungeheuren Schuppen, zeigte ihm einen großen Korb und rielh ihm, sich darin zu verstecken. Sonfflau that, wie man ihm sagte, Nach einer Weile zündete er eine Laterne an und blickt um sich. da sieht er in dem Schuppen einen großen Wagen, dann zwei hohe schwarze Vollen und vor diesen Vollen e>n Schaukelbrett: Entsetzen, er befand sich in dem Maga» zine deS Scharfrichters, und man hatte ihn in dem Korbe versteckt, welcher dazu dient, die Leiche des Gerichteten aufzufangen, Soufflau lief eiligst davon und kehrte in feine Wohnung zurück. Am folgenden Tage war er wahnsinnig. — (Egyp ten.) Die Gesammtheit des cultivier» baren Landes in Egypten, d. h. im eigentlichen Egypten, also bis Asfuan aufwärts gerechnet, wird aus nur 630 Quadratmeilen geschätzt, wovon noch etwa drei Siebentel brach liegen sollen — während der Flüchen-iühalt des ganzen Landes gegen 5500 bis 6000 Qiwdrat-meilen beträgt, so dass also ungefähr neun Zehntel Wüste und nur ein Zehntel für den Ackerbau geeignete» Land sind. Die Bevülterungszahl betrug 1876 5'/, Mil. lionen, darunter waren 68,000 Fremde, wovon 44,000 männlichen. 24.000 weiblichen Geschlechtes, Von den Fremden waren fast 30.000 Griechsn. 14.500 Italiener und fust eben so viele Franzosen, 3800 Engländer, "vil» codex durch eine besondere Fachmänuer-Commission unter dem Präsidium des Iustizmiuisters an. Wien, 20. Juni. Se. Excellenz der Herr Ministerpräsident Graf Taaffe ist heute morgens aus Mi« schau wieder in Wien eingetroffen. Berlin, 20. Juni. Fürst Bismarck ist heule früh nach Varzin abgereist. Berlin, 20. Juni. Die bisherige Untersuchung gegen den Obersteuermaun der Kriegsmarine, Mei-ling, wrgcn Lalidesverrath ergab, dass die Größe des Verrathe nach keiner Richtung die Bedeutung hat, welche d,e Zeitungen ihm oblegen. Paris, 20. Juni. Die Cabinette von Paris und London haben gestern abends die Einladungen zur Theilnahme an der am 22. d. M. zu eröffnenden Conferenz versendet. Die Antworten werden heute erwartet. — Nachrichten aus Alexandrien dementieren die Gerüchte, dass bei der jüngsten Emeute 250 P. r- sonen ge»ödt,'t worden seieu. Consularberichte consw tieren, dass 46 Europäer a/tödtet wurden. Die Za^ der ins Mee, geworfenen Leichen wild auf 39 g'' schätzt. Die Grsammtzahl der Opfer dürfte 80 v,s >"' nicht übersteigen. Alexaudrien, 20. Juni. (Meldung des ,M" ter'sch.'n Ailreou".) Gerüchtweise verlautet, d'l Pascha sind von Kairo eiugetroffen und hawi dem Khedive und Derwisch Pascha die vollzogene Aildui'll des neuen Cabin ts angezeigt. Die Namcu der M luster sind noch nicht bekannt. ____. Handel mld M'kswirtschaftliches, Nudolfswert. 19. Juni. Die Durchschnitts.Preise M" sich auf dem heutigen Marlte wie folgt: ^ .. Weizen pr. Helwlitcr 8 65 Eier pr. Stück . . "" ! Korn „ 6 5l Milch pr. Liter . . ^ ,° Gerste „ 4 88 Nindfleifch pr. Kilo . - ^ Hafer .. 3 90 Kalbfleisch „ ^ gg halbfrucht „ — — Schweinefleisch „ ^ ^. Heiden „ 6 51 Schöpsenfleisch ,, "" ^ Hirse „ 6 51 hähnocl pr. Stücl . ^ ^ Kuluruz „ 7 48 < Tauben „ ^ ^. Erdapfel pr.Meter-Ztr. — — heu pr. 100 Kilo . ^ ^ Linsen pr. Hektoliter — — Stroh 100 ., . ^" Erbsen „ — — holz, hartes, pr. Cubil- ». Fisolen „---------Meter .... ^ Nindsschmalz pr.Kilo — — — weiches, „ ' ^ Schweineschmalz „ — — Wein, roth.,pr.Heltolit. ld ^ Speck, frisch, .,---------------weißer. „ lu Speck, gerällchert, ., — — ^. Anftekl>mmene Fremde. Am Ii), Juni. , Hotel Ttadt Wien. Dr. Klabutschar, l. t. Oberstabsarzt, u'^ lirchen. - Nobler, l. pens. Beamter, Iiumc. — M"'5 Ncalitätcnbcs,. samntt Tochter, Pola. — Lcuz. Pllvatl"' Pcruz. Gusmann, Arlt. Kansltc, nnd Nipper, Wien, Hotel Elephant. Praprotnik, Kranlen^Iunafrau, ^"^.„. Kummer, Pfarrer, Lese. — v. vlrald, und v. Scaliaero»', bahnbeamtc, Poutafel. — Schwaiaer. Comnus. Weitem' - Adamic, Prioatbcamter, Audapcst. — lvoch. Kfm-, ^" "^ Vairifcher Hof. Klcinlerchrr, Iabrilant, s. Frau, Domschal^ Ulizzoli Maria, Nudolsswcrt. ,, ^. Mohren. Maznr. Chcmnil). — Sterlat sammt Frau. ^>"'' ^. Chrai^hcr P, Chraisshcr L. nnd Chrai«rr Ch., Sigosato-Kole»z, Trieft. — Inrcti«!. Dicustmädchcn, Laibach.___^. Verstorbene. Den 20 Juni. Lucia ssalan. Lampiill'iltochtcr, 20 M?^ Nicnerstrafzc Nr. 1!). Fraisen, — Marianna Ncdini. Thorn"« tersaattiii, 5'3 I. Maria-Thcn'sienstraßc ')ir. 10. Enlarliü'g ° llnterlcibsor^ane. - Elisabeth Mateuje, Mühlpächtersto^ ' 1« I., Kolesiaqasse Nr. 21. Wasser ucht. — Johann Äcild«. " tarilltsbcamteuS'Sohu. 3'/. I., Polanaslrahe Nr. 11, Vlmz scl)"Ni1. ______ _________ ___5, Meteorologische Veubachtull,^» in kliib^!!> ' ^ W N ^ 3,k il 7 U. Mg"7:s8 52 ^io^SO^Wvach" bewöllt «g 20. 2 ^ N. ?ii?70 4-18 2 O. mäfzis, theilw.hciter "" 9 .. Ab. 73? 02 -l-13 0 O, schwach heiter ^^l Vormittags bewöllt, nachmittags Ansheitcrunss, l«„.^ Abend, sternenhelle Nacht. Das Tagesmitlcl der Wiirmc -r ^ um 4 5" unter dem Normale. ^,, ^ Verantwortlicher Redacteur: Ottomar Ba mbl^> M^il^l^N Wir machen die Leser auf den dcr hc!''^z O^z^l^^^,. „Laibachcr Zeiüma" bcilicqcndcn Pr?>p"^ ,,AiücviUi" mit Einladung zur Prnnumcrntion ausm^^ ^ Für die so überaus herzliche Theilnahme w^' W ^ rend der Kraulhcit meillcö unvcrgcsslichcll Gatte", M W^ des Herrn W > 2iek2.ii Xianilil, > W k. t. U ez il tsh aup l n, llnn cs in Steil», > W für die zahlreiche Vcthciliqunn am Le!chcnbeaä>'^ M ^ nissc nnd insbesondere für die uielcn p"/l>tv"" W ^ Kranzspenden saqc ich hicmit allcn, die mich d" >> ^ ihr Beileid geehrt und getröstet haben, meiue» tm> ^ ^ empfundenen Dant. ^ W > Ottilio KlllNl^-» W Für die vielen Vcwcisc aufrichtiger Theilnüh"" > ^V während der Kraulhrit des Herrn ^ > Wilhelm Mally, > M Haus. uud Realitätenbcsihcrs, » W sowie für die schönen Kranzspenden und s"^ ,^ > W Bcnlcitnllg seitens der hiesig» Liedertascl z"r.^ « W Ruhestätte sprechen hicmit ihren tiefgefühlten ^a.n ^ W die trauernden Hinterbliebenen. » W Ncumarltl, 1i).Iun! 1882. ^W