Anbacher Ieituna. ,^< »»H Samstag am «K October R852. D>. ,?«lbachsr 3e>t..ng ,r,chemt. m.t Ansnahme ^r So,,..- .mo ffc.ertage, täglich, u,.d kosset sc.m,..t d.>. Veil^cn im Comptoir q an zjähri g N ff., halbjährig 5, ss Zft lr ».it Kr.uzl'and ,m (5omvto.rga»z^hr>., ,2 il.. halbjährig «st. Mr di. 3'ckcll.mq iu's H.i>», ,.»d balk'jäl.r.^ litt sr x.es.r ^» entrichte». M it bc r /o l Vor " ! '".', 6""""b""' m,tc> Krm^n.d mid gedo.ckter Adresse 15 ft., halbjährig 7 «. 3<> s>. - I» stratlonsqct.,, l, r n.r ei», S^lt.»,eile odsr ^» Raum dtrseibe,, i,r ei,,^ maOqc ^imch^ltm.g ^ sr.. ,ur ^wc»»a!lqc ^ lr.. ,»r ^imxlige 5 fr. (5. M. Innate l^< ,2 Z,i,c» kostcn l s!. sür :^ M^l. 50 kr. f,,r 2 Mal imd 40 fr. fur 1 Mal ein'zmchnlte.l ^>l du',c!> ^sl'iilir.» ist nach dem „provisorischen Gesche vom «. Novenibcr l«5N fiir Ins.'rtioiii'slampel" noch l<> lr. !>>r line jedesmalige Einschaltung hinzu z» rechnen. 'AmtiiHer Theil. ^3e. k. k. apostolische Majestät habe» mit Allerhöchster Entschließung tl'lo. Wien 7. October d. I., den Brünuer LandeSgerichtSrath EraSmuS Plouer über sein Ansucheu in deu wohlverdienten Rnhestand zu verseyen, und demselben für seine langjährige, treu« und ersprießliche Dienstleistung die Allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen zu geben geruht. Se. k. k. apostolische Majestät habeu mit Aller» höchster Entschließung vom 7. l. MtS. das au dem Collegialcapitel
  • °v /Violnoüi«» in Mailand erledigte Canonical dcm Coadjutor an dcr dortigen Pfarre l!i 8. Lu^lo,!»,<», Alois Rodi, aUergnädigst zu verleihen gernht. Das k. k. Ministerium für CultuS und Unterricht hat die Supplenten Carl Schmidt und Ludwig Preis; in Görz. dann den Snpplenten Joseph Bau-diS in Vndweis. zu wirklichen Gymnasiallehrern am Gymnasium zli Görz, ferner den Suppleuten Joseph Schi oil) in G5rz z„,z, wirklichen Gymnasiallehrer in Trieft ernannt- Am 2. November d. I. nm 10 Uhr Vormit-tagS wi,d in Folge d,S Allerhöchsten P^enteS vom 21. März 1818 die zweihundert und fünfzigste Verlosung der altereu Staatsschuld in dem hierzu be» stimmten Locale im Baukohause in der Slngerstraße vorgenommen werden. NichtnmtUcher Theil. Rundschau i,l den Leitartikeln der Ncsidenz - Ivl^llale. l(. — 8aib»icl>, l4. October. Die neuesten telegraphische» Tcpeschen aus Constantinopel vom li. d. M- werden »icht verfehlen, zu ernsteren Betrach-tuugeu in den Journalen das Material zu geben, bis sie von eventuel folgenden EreigMen verdniikelt wer-deu. Von beachtenomercher Wichtigkeit >st die Nachricht, dast die türkische Flotte bei VaN'ik vor Anker geheu werde. Dieser Ort au der rumelischen Küste deü schwarzen Meeres liegt einige Meilen nördlich von Vcnna und iu nicht großer Entfernung von Schnmla; so das; cine AusstcUuna. der lürk. Flotte all diesem Punkte den dreifachen Zweck hatte, die Operationen Omer Pasch.', z, m'terstn»en. die Russen an eme. Landung ,m Rucken der lnrk.schc.. ^,„„, z„ ^„^.,, und endlich die Verproo.antirung der Russeu iu dru Donaufürsteltthümeru zur See z« hindern. I„ eru. stell Worten beleuchtet der „vloyd" die gege„>r6rl!ge Situatiou, u»d meint, das: nach diesen Nachlichten die FriedenShoffnuug diese? Welliheils »»r noch derholte» Male anf das Zurückbleiben der abcudlän-dische» Anschanungen gegeoiwer den rrelle» Vorga»' gen i» schaften, ,u wenig berücksichtigt habe. Der AuSgleichnugSent' wl'.rf sei auf diese Weise für sie unannehmbar geworden, während er Rußland die Benveigeiung jedes Dioanebeschlusses eingeräumt habe. Diese Weigerung, fährt eS danu fort, versept die Pforte iu die Nothwendigkeit, zu den änßelstc» Mitielu zu greifen, um das >hr entrissene Gebiet wieder zu gewinnen. Eö heißt, daß Rußland eine e'lftägige Frist zur Räumuug der Moldau uud Wallachei erhalten werde, nach Ablauf derselben aber die Feindseligkeiten be» ginnen sollen. Die Diplomatie ist in großer Bewe-gnng. ^'ord Nedcliffe hat eine Dampffregatte mit sehr dringenden Dlpescheu cm seineu Hos besolden, — Die türkische Regierung erlaßt einen Aufruf an das Volk, ihr bei der Vertheidigung ihres Gebietes >'"d ihrer politischen Er.fteuz zu Hilfe zu eilen. Die Körperschaft der Ulema's soll ihr 2U0 Millionen Piaster zugesagt habe»; andererseits hat aber die AuS-gabe vou neuem Papiergelde in Zwanzig. Piaster,, stattgefunden. Zwei Dampfer führte» Kanonen von schwerem Caliber und M»„itiou nach Aattum. Der am 28. mit Tode abgegangene griechische Pattiarch Germauos erl^, ,>i^,„ Krebsübel. Auch der Gcoßrabbi der israclbische» Gemei»de, G. Ben. Iachar, ist am 22. September iu seiuem 86. Lebensjahre, währeud deS Tischgebetes am Schlagsiusse gestorben. Sein ^eichenbegängniß fand im Beisein ciuer uugemeiu großen Menge Leidtragende»» unter deu üblichen Gebräuchen Statt. — Ein sardinischer Ossi-cier, Herr Gavone, der sich gegenwärtig im türkisch«« Lager bei Schumla besiudet, gibt iu einem Briefe an das „Jouru. de Eonst." die Zahl der unter Omer Pasta'S Vefchl stehendeu Armee auf 100.000 Maim Infanterie, mit 2l>0 Kanonen und zehn Regimenter Kavallerie an. Das Heer ist iu Brigaden zu 8 — 10.000 Manu längs der Donau uud iu anderen Positionen gelheilt, so daß iu kurzer Zeit A0 — 40.000 Manu zusammengezogen werden können. Mehr als 40 Pnucte sind befestigt, überhaupt siud 120 VcsestigungSwelke aufgeführt wordeu. Nach einem andern Schreibe,, ans Schumla im „Impartial" hot die daselbst am 8. erfolgte Aukunft deS Mufti der Armee, deu mau als den Verküuder der Feindselig-keiteu betrachtet, große Freude erregt. Demselben Briefe zu Folge hat der Fürst von Serbien dem Generalissimus angekündigt, daß A0.000 Manu an der Gränze ständen, bereit, den österreichischen Truppen die Spilze zu bieten, wenn diese znr Ueberschrei. tung der Gränze Miene machen sollten. (Tr. Ztg.) Der „Constitution»«!" uud „Pays" bringen Artikel über dle orientalische Frage: Der Wortlaut dersell'en ist »eischieden, nach Iuhalt und Tendenz aber sind sie so völ/ig übereinstimmend, daß sie offenbar riner und derselben Eingebung ihr Dasein verdanken. ES handelt sich darnm, die Gcmücher zu bernhigln, eine friedliche Lösung, wie immer als möglich, „nd sogar wahrscheinlich in Auosicht zu stellen und darzuihuu, daß, deu schlimmsten Fall angenommen, eiu Krieg zwischeu Rußland uud der Türkei einen durchaus örtlichen Charakter behalten würde nud keiueswegs einen europäischen Brand herbeiführen könnte. Der „Constitutiounel" enthält einen Artikel, iu welchem er nachzuweisen sucht, daß eiue Coalition zwischeu Preußeu, Oesterreich uud Nußlaud gegen die Lebeuointeressen der zwei ersteren Staaten sei, uud worin er die Natur des Krieges schildert, der ihm unausweichlich scheiut. Ein Mittel bleibe noch, den Krieg zu vermeiden, weuu der Czar die Modi-füatioueu der Wiener Note aunchmen würde. Der „ConslitNtionuel" glaubt aber, daß dieß schwer zu erwarten sei, nachdem Rußland die Donauprovinzen beseyt. Wir müssen daher, fährt der „Consticuticmnel" fort, weuu wlr nicht von den Ereignissen überrascht werden wolleu, nus zum Krieg rüsten. Wenn es aber weise ist, diese Eventualität ins Auge zu fas« sen, so ist es nuveruünftig, darin Gefahren zu er-blickeu, die nicht eristiren. Kauu das Wort Krieg nicht mehr in einem Winkel rou Europa auSgespro« chln werden, ohne Frankreich schauderu zu machen, das ehemals bei diesem Worte begeistert aufjauchzte? Die Situation ist ernst, aber da die Coalition unmöglich, da eine Allianz zwischen Rnßlaud, Preußen uud Oesterreich nicht denkbar, so ist die Gefahr u<:r mehr gering: die eiues Krleges zwischen der Türkei und Rußland. Freilich werden Frankreich und Emi-laud iucervcnireu. ,wch nicht.,. d.s.m w,.,,.^ 2,,:°"^"^m.' befindet so kauu es <"chc la»ae z^'^ «effen'o.r G^«r r«M' ist m,r m.hr .„,» 98« Frage der Zeit und von heut« an kann man auf diese Vewegnng der beiden Flotten wie auf eine voll« brachte Thatsache zahlen. Aber innerhalb der Gränzen einer rein defensiven Action znm Schufte des Landes des Sultans, odne die Gränzen des CzarS zn bedrohen, kann diese Intervention weder den Charakter, noch den Schallplan deS Kampfes ändern. Es ist dieß ein Act des Schuftes der Türkei, kein Act des Krieges gegen Nußland. Indcm Frankreich und England mit ihren Flotten und selbst mit ihren Truppen die Integrität der Pforte schünen, welche durch die Verträge von 1840 und 184! verbürgt ist, thnn sie mehr als ein legitimes Necht ausüben: sie erfüllen eme gebieterische Pflicht. Sie vollbringen nicht bloß einen Act der Vorsicht, sondern auch der Ehrlichkeit- Wird ihnen Europa es znm Verbrechen anrechnen, wenn sie sich seiner Politik zur Nettnng der Türkei bedienen/ Wie könnte eine ganz uneigeu-, uüyige, bloß durch die Verträge gebotene Intervention einen europäischen Krieg gebären? Also kann ein Krieg zwischen Rußland und der Türkei nnr ein Krieg im Orient und nicht ein Krieg in Europa, nnr ein localer und kein allgemeiner Krieg sein. Ein solcher Krieg würde aber auf Handel, Industrie, Verkehr, Speculation eben so wenig Einfluß nehmen, als der lange Krieg in Algerien. Die indnstrielle und Finanzwelt gibt sich somit bei dem blosten Wolle ,.Kri?g" mit Unrecht einem panischen Schrecken l)in, den nichts rechtfertigt. Das „Pays" enthält einen Artikel, der dieselbe Ideeoordnnng, nur etwas leiser und zarter anSge-sprochen enthält. Die „Palrie" spricht sich in ihrem Leitartikel ganz in demselben Sinne anS, wie „Pays" m,d „Constitutionnel." Sie hält ebenfalls eine friedliche Lösung noch für wahrscheinlich nnd erwartet jedenfalls, daß Oesterreich und Preußen, wenn es zwischen Nußland und der Türkei z»m Kriege kommen sollte, sich neutral verhallen nnd dadurch daS Wci« tergreifen der KriegSslamme verhüten werden. Wir lesen in der „Patrie" : DaS Journal „die nordische Vieue", sagte in einer srmer l«yteu Num« mern, daß in diesem Angenblicke die Lage der or-thodoren Christen in der Türkei eine schreckliche sei; daß sie in Nnmelien dem Mord und der Plünderni'g preisgestellt und daß in Echiras und Voltina grie« chische Klöster geplündert und Mönche in heißem Wasser gesotten und zu Tode gemartert worden. Mehrere ausländische Journale haben diese Angaben wiederholt- Die ottomamsche Negierung hat dlese Thatsachen in der formellsten Weise dementirt und angeboten, dnrch eine Untersuchung zu beweisen, daß sie falsch und lügenhaft sind. Es ist von Belange, sich gegen solche Gerüchte zu verwahreu, die absichtlich von gewissen, Nußland ergebenen Blättern zu dem Zwecke verbreitet werden, um zu beweisen, wie nothwendig es sei, daß der Czar daS Protectorat über die Griechen fordert. — (Mau wird sich erin« nern, daß die „OesterreichischeKorrespondenz" jüngstens der „Allgemeinen Zeitung" eine ähnliche Widerlegung entgegenstellte.) „Times" und „Chronicle" geben die friedliche Hoffnung nicht auf, und glauben, daß nach den neuc« sten Schritten der Cabinete selbst ein „localer" Krieg zwischen der Türkei und Nußland nicht zn befürchten sei. Die „Times" beginnt ihre Mittheilungen über die „Stclluug dcö CabinetS" mit der Beme»kuug, die Berathung sei auf gestern angesagt worden, weil mau vorausseftte, daß »m Laufe der Woche genauere Nachrichten aus Constantinopel emlaufen würden. Aber seit der telegraphischen Depesche von Montag brüte elu seltsames Dunkel über den Angelegenheiten im Oste>'. Man erwarte von Stunde zu Stunde emen Conrier. und nehme an, daß der Sultan b>5 jeltt schlrerllch den Rath des großen Conseils befolgt haben könne, weil eine so wichtige Maßregel wie eine formliche Kriegserklärung kaum verfehlt hätte in ganz Europa kund zu werde,,. — „Wenn diese'Erklärung (deS bisherigen Slillschrreigeno) die richtige ist, so läßt sich nnmöglich sagen, wie lauge der SM. tau, der bereits mit der großen Masse seiner Unter, thauen über diesen Punct entzweit scheint, sich die Em. pfehlung seiueS Conseils als tl» Unterpfand ihres Beistandes, und als em Factum f»r die Beachtung NllßlaudS vorbehalten mag. Es ist jedoch wahrscheinlich genug, daß, wenn er nicht schon mehr als dieß gelhau, und den Krieg wirtlich erklärt hat, dieß heute oder morgen geschehen kann. Die britische Neglerung hat, dieß wird man sehen, für «lne» solchen Fall alle zur Vertheidigung des ottomanischen Gebietes erforderlichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Unser Zweck und Ziel ist, die Dinge so schr als möglich auf den Standpnncc zurückzubringen, deu sie vor diesem Zer-würfniß einnahmen; wir wollen den Nückzng der russischen Heere über deu Pruth, der asiatischen Trup; pen über den Bosporus, der ägyptischen Flotte nach Alerandrien, und der englischen uud französischen Flotte nach Malta uud Toulou. Wir wünschen dieß Alles mic möglichst geringem Lärm herbeigeführt zu sehen. Der Frieden Europa's nud die Befreiung der Tülkei — das ist Alles, was wir anstreben. Das, dünkt uns, läßt sich erlangen, ohue einen Zusammenstoß mit Nußland zu suchen. Zu erwägen bleibt nur, wie wir diesen Zweck auf die leichteste, und für alle Vetheiligten ehrenvollste Weise erfüllen könuen. Un-scrc Stellung gegen Nußlaud erfoidert nicht, daß wlr ohne Noch seine Ehre vellefte». Verrieihen unsere Maßregeln einen solchen „Animus", so lönuce N»ß> land sich mit Necht von Unterhandlungen zurückziehen, die einen anderen als den vorgeblichen Charakter hätten. Die Herren, die sich so enttäuscht zu fühlen scheinen, weil der Herbst ohne thatkräftigere Schütte vr» nnserrr Seile vergangen ist, kennen vielleicht die außerordentliche Schu'ierigkelt nnd Unsicherheit unserer Verbindungen mit Constantlnopel uichc. Die lepce telegraphische Depesche, und überhaupt die lepte Nachricht anS der lnrkischsn Hauptstadt kam vergangenen Montag an. Sie kam von Semlm, «me Strecke von viel mehr als 2000 engl. Mellen, binnen 2 Stunden, und man sollte meinen, daß eme nenere Post ihr längst hätte nachfolgen müssen. Dieß war aber nicht der Fall, uud in diesem Augenblicke weiß hier keine Seele, was seit dem 2e sogenannte Aberdeen'sche Politik im Cabinet kemen Zoll breit Terrain verloren hat. „Chronicle" ist gegen die Meetings überhaupt, uud spricht sich auch gegen das in Nebe stehende entschieden anS. Wenn der Krieg auSgebrochen wäre, könnten Verhandlungen dieser Art dle Regierungen anei« fern und stärken. Iept seien sie vom Uebel. „Post" schweigt, nnd daS Wochenblatt „Economist" entlehnt sein Naisouuement den lchten Friedensartikeln der „Times". ' (Ost-D. Pst.) Neueste Post. Wien. 14. October. Aus Bukarest, K. d. M., erhält das „Fllalt" nachfolgendes Schrei' ben-. Die bedi n gu ngsw ei se Kriegserklärung der Pforte an Rußland, nämlich, wenn l.fttere Macht nicht binnen vierzehn Tagen die Donanfürstenthümer ränmt, ist bereits hier angelangt und bekannt worden. Da Nußlaud, so viel hier in den betreffenden maß« gebenden militärischen Kreisen verlautet, dieser Auf« fordermig uicht uachkommen wird und kann, so wird hier ein feindlicher Zusammenstoß als uuver» mcidlich betrachtet. In woblimterrichteten Kreisen wird versichert, daß die Donan am 9. oder 1(1. dieseS MonatS schon überschritten werden dürfte. — Von welcher Seile? darüber sind die Ansichten ge. theilt; »ach den Vorbereitungen aber, welche russischer Seits in der leftteren Zeit getroffen worden sind. ist ein Angriff des Fürsten Gortschakoff wahrscheinlicher, zumal die erfolgte Kriegserklärung Nußland seiner früheren Verheisinngeu gegen die europäischen Mächte entbunden hat. Seit dem Bekanntwerden der lürki» scheu Kriegserklärung hat sich anch das Genicht wie« dernln erneuert, daß Fürst Memschikoff das Gouvernement der Fürsteuchümer übernehmen werde, waS unter den gegenwärtigen Umständen erhöhte Wahr» scheinlichkeit bat. Die russische Armee in den Lagern befindet sich bereitS auf dem Marsche gegen die Donau. C> e lt c r r e i ll'. * Wien, ». October. Nachdem die k. k. österreichische nnd köi'igl. baier'sche Negierm,g. sich dahin verständigt haben, daß die gegenseitige Handhabung der Bestimmungen der Strafgesel'e, welche sick' auf den Schuß fremder Souveräne und der öffentlich beglaubigten Vertreter fremder Staaten gegen Ehren« beleidlgungen beziehen, dnrch em« ausdrückliche öffentliche Kundmachung gesichert werden soll, so ist neuer» lich verordnet, und mittelst deS NeichSgeselMatteS kundgemacht worden, daß die §H. 487 bis einschließig 493, dann der §. 494 lit. n des Slrafg/seftes vom 27. Mai 18K2, insbesouders anch auf Ehrenbeleidi« gliugeu. welche auf Se. Majestät den König von Baiern, ferner gegen die bei dem k. k. österreichischen Hofe beglaubigten Gesandten oder andere mit öffentlichem Charakter bekleidete Bevollmächtige deS baier'« schen Staates begangen werden, jedoch mit der Beschränkung in Anwendung zu kommen habcu, daß ein strafgerichlliches Einschreiten immer nur anf Aerlan« gen des beleidigte» The,les P,^> g,eif) für alles übrige znm Schiffsbaue geeignete Eichenholz nut^r zwanzig Cubil-fuß Holzmaß zehn Gulden, nnd zwar bei l»), l>) und <) für je hnndert Wiener Cnblkfuß. Der Tag, von welchem angefangen die EinHebung deS „(ül'illo (1':>I lil»l-zl<^i<>" „ach diesem neuen 'Ausmaße eintritt, wird vou der Eeutralseebehölde in Triest öffeutllch bekannt gegeben werdeu. Hierdurch bleibt jedoch die Verpflich-tuug zur Entrichtung des bestehenden AuSgangszolleS für das Eichenholz bei deu betreffenden Zollämtern, im Falle deS UebenritttS über die Zolllinie, unberührt. '' In Anbetracht der von der Statthaltereiab-lheilung in Ofen dargestellten besonderen Verhältnisse hat sich daS Handelsministerium, einverständlich mit dem Ministerium des Innern und der obersten Po-lizeibehdrde, bestimmt gefunden, dit Ausübung des Hausirhandels in deu Städten Pesth, Ofen nnd All« Ofen, uncer Aufrechchaltung der im §. 17 des Hau» sirgesepeS ausgesprochenen ausnahmsweise» Begünstigung der Bewohner gewisser Gegenden der Monarchie, vom l. December angefangen zu untersagen. Jenen Hansireru jedoch, wel^e mit für die genannten Städte speciell ausgestellten Hinsirpässen bcreics versehen sind, wird ausnahmsweise gestattet, bis zum Ablaufe der Zeit, worauf ihr Hansirpaß noch lanttt, den Hausirhandel daselbst zu betreiben. 987 — Anläßlich eines vorkommenden CivilrechtS» falles hat der k- k. oberste Gerichtshof entschieden, daß, wenngleich ein im Auslande ausgestellter und von einem Ausländer auf cinen Ausländer gezogener, jedoch im Inlande an einem Orte, wo das kais. patent vom 2. Juni 1848 in Wirksamkeit steht, zahlbarer Wechsel auf wirkliche Zwanzigkreuzerstücke mit Ausschluß jedes Papiergeldes lautet, der Wechselschuldner dennoch berechtigt sei, die Zah> luna an dem bedungenen Zahlnugsorte innerhalb des österr- Kalserstaates in Banknote» oder Reichsschal)» scheinen nach dem Ne» »werthe zu leisten. V3ieu, 12. October. Es stnd heute Nachricht ieu ans Coustantinopel eingetroffeu, welche bis zum 4. October reichen. Die übereinstimmenden Mitchei» luuge» können in Hinsicht des fanalisirten Znstandes der Moslemin wemg Beiichigung gewahren. Der Courier aus Olmlch mit den dort vereinbarten Ans-gleichuugsvorschlägen war bemahl' gleichzeitig mit ei-ncm englisch - französischen Courier angekommen, welcher für die Herren Nedcliffe und de la Cour die Mittheilung brachte, daß man in London und Paris gegen die Olmnper Antrage sei, wodurch die Erwar« tnng auf eiuen Elfolg paralysirt wurde, und die Be» mühnngen des Herrn v. Brnck, die Annahme dersel« be» zu erwirken, ei folglos bleibe» mußten. Dennoch waren die Gesandten Frankreichs, Englands und Oesterreichs vereint bemüht, die Pforie im Allgemeine» friedlich zu stimmen, was bis 3. October nicht ge» laug. Der Sultan beharre anf seineu Forderungen. Hier hoffc man noch, daß das neue in Wie» entworfene Aiwgleichnugepro^ct Constantinopel erreiche» »verde, ehe dort der entscheidende Schritt geschehen. Verona, 8. October. Das „F. di Verona" schreibt -. Die Arbeiten an der Eisenbahn zwischen Ve-^na und Coccaglio stnd so weit vorgeschritten, daß "lese Bah» st, ecke, wenn nicht nnerwcntete Hindernisse dazwischentreten, im Laufe des Novembers dem Puc bl'cnm wird eiöffnet werde» können. An der Treviso-Tagliamento-Bahn wird eben-fallo so eifrig gea>beiiec. daß sie zur festgesepte» Frist beexdigt sein wlro. Mittlerweile sichert die Auofüh. rnng derftloen ter ^.meren blasse der B^ölkerung reichlich lohnenden, und im Hinblick auf den kargen Ausfall der dießjährigen Ernten doppelt willkommenen Erwerb. Von den Eisenbahnen zwischen Man-tua und Vorgoforse und zwischen Coccaglio und Ma.laod gla.lbt man mit hinlänglichem Grunde, daß die Arbeite., a„ denselbeu gleichzeitig werd,,, fortg,. sept werden. V e u l l ch l n " d Bremen, 7. October. Die „Weser Zeitung" enthalt folgende Bekanntmachung: Mein Sohn Alfred Schücking, ^ll<»l'n«.>x ninl ^<>u! s<»>' (lunnünl^ zn Washington, hat mir ein ge. drncktes Veizeichniß der Namen derjenigen Deutscheu (gegen Nt>0 au der Zahl) mitgetheilt, welche im Land- und Seedienste der Vereinigten Scaateu in Merico oder anderswo geblieben sind, deren Nachlaß aber (insbesondere der Anspruch auf 12l) Acres Land, durch.iehendS l.'ll) Ld'or werth) noch nicht von den rechtmäßigen Erben reclainirt ist. Der Unterzeichnete ist bereitwillig, denjenigen Familien, die »ich in U». newißdeit weg..,, «iues verschollenen, einst nach den Veremigteu Staaten ausgewanderten Mitgl.edeS be, finden, und geeignete» Falls je»« Ansprüche gellend machen mochten, auf frank.rte Anfrage., auf dem Grunde des Namensverzeichuisses Bescheid zu geben U„d die NealisirllNg ihrer Forderung zu vermitteln. Schückiug, Dr. Italien. Slum, 2. October. DaS „G. di Roma" theilt mit, daß die im Jahre 1849 bei der Beschießung NomS arg beschädigte St- PancratiuSkirche wieder gänzlich restanlirt ist. Nom, 9. October. Der h. Vater hat ein apo>! stolisches Vreve über die Grüudu'.ig eines College det Väter der Gesellschaft Jesu in seiner Vaterstadt Sinigaglia unterzeichnet. Um ihr ein Unterpfand seiner Znneignng zn geben, hat Ee. Heiligkeit diese »tn« Anstalt gegründet, nnd sie den Jesuiten über-geben. Es soll die Jugend darin in allen kirchlichen Wissenschaften hcrangebildet werden, und wegen der güustigel! Lage der Stadt an der Gränze der Marken von Ancoua und der Nomagna dürfte dieses neue Institut nach dem römischen College eines der bedeutendsten im Kirchenstaate werden. Frankreich. Pnris, 8. October. Die „Patrie" erklärt zn einem formellen Demenci des Gerüchtes, welches von einer bevorstehenden Vermehrung des französischen Occupationocorps in Rom meldet, autorisirc zu sein. Nach der „Pattie" hat der Kriegsminister nicht jede Ercheilung von Urlaub verboten, sondern den Divisiousbefehlohaberu bloß anempfohlen, zur Elleich-terung des Dienstes sämmtlicher Mannschaften die Zahl der Urlaube lhunlichst zu beschranke». E<» Schreiben aus Cherbourg meldet, daß da5 Geschwader des Canals, aus sechs Schiffen bestehend, am 4. October Abends dorl eingelaufen ist- Die so lange schwebend gebliebene Frage der lransaclancifchen Schissfahrt lst nunmehr gelost worden. Die Concession von mehreren bedencenden Li' nien ist in einer englisch-französischen Gesellschaft er-theilt worden, welche zugleich die Eilanbnlß eihali«» hat, anßeihalb Frankreich gebaute Dampfschiffe zu diesen Diensten verwenden zu dürfe». OrM'ritallllicn und Irlnnd. Londo», 8. October. DaS gestrige Minister' Conseil, welchem alle Cablnecsmttglieder beiwohl^ ten, saß drei ei» halb Stnuden. Aus oer Sprache der halb offizielle» Blaccer gehc heroor, daß die Lange der Berathnng keiner Uüelnigkeil im Schooße des Cabmeis zuzuschreiben ist, und daß die Regierung überhaupt ihren bisherigen Ctandpnutt mcht verlas» sen hat. Die „Times" führt aus, daß der Frieden El,» ropa'ö nnd die Vefreiuug der Türkei von der Inva-slon durch russische Truppen daö Ziel sei, welches Ihrer Majestät Niinister einhellig anstrebte». So lange zu einer ehrenhaften uud friedlichen Lösung gule Aussicht vorhanden so, lohne sich die Mühe des Redens und Schreibens. Kbn»e sie durch diese Mit-cel l>lchc erzielt werde», so dürfe England nicht zaudern, Mittel von größerer Zirangokicift anzuwenden. Das sei die einstimmige Axsicht der Mimster. Commandant I«g«efielo. vo» Ihrer Majestät Schiff „Pdönir", >st l'rll seiner Sendung nach oen arcclschen Regionen zurückgekonnueu und bringt c,e erfreuliche Ncchricht, daß der zur Aufsuchung Sir John Fi-axklms ansgsscnidtt „Investigatoi" sich i» Sicherheit befindet, und daß ee endlich gelungen ist, rie lange gesnchte nordwestliche Dnrchfahrl aufznfin> oen. Vo„ Sir I. Fraukliu und seineu Fahrzeugen keine Spur. General Perowsky, Gouverneur von Orenburg, der ,m Jahre 1848 di« bekannte Erpedilion gegen den Khan rou Khiwa commandirle, hac die Festung Ahmchel, deren Besin die Straße nach Khl.ra den Rnssen eröffnet, mit Sturm genommen. So schreibt mau der „Timeö" aus St. Petersburg. Die Bank of England hat vor wenigen Ta^en die Entdecknng gemacht, daß ihre Noten durch pho-tograpbisches Verfahren anf so vollendete Weise nach. gemacht worden stud, daß selbst ihre gewiegtesten Cas-slere nicht l,n Stande waren, die echte» vo» de» u»-echteu Nocen zu unterscheiden. Alle Einzelnheiten, bis auf daö Wasserzeichen, bis anf die besonderen Keunzeicheu, welche nur wenige» Eingeweihten bekannt stnd nnd bisher um so eher zur Entdecknng von Mschnngeu geführt hatte», da sie systematisch geau» dert werdeu und da jede Nummer »nr ein Mal ausgegeben wird, waren auf'S Genaueste reprvdncirt. Damn, - F^rstellthumer. Von der Dona»,. ,'>. October. Die „Allgem. Ztg." machc folgende Betrachtungen unter der Ueber-schrift: „Der Enropülsche Vertrag über die Dardanellen !" „5^aben einige englische lind franzMche Kriegs-Ichiffe oie Daroanelle» pass,^. um dem Sultan Schnp gegen befürchtete Meutereien zu gewah'en, die freie Fliedensenlschließung des gutherzigen Fürsten aus Os-manS Stamm gegen Einschllchlernnge» der Fanatiker zu unttsstnye», oder für den Fall der Gefahr Leben und Eigenthum ihrer Nationalen durch resp ctable europäische „Breitseileu" ^l schilpen, so kann daS ans Hnmanltacsruclslchtel! nachgesehen werden. Man wird, wie wir vermmhen. in d,ese,n Falle, eingedenk des allen Spruchs: „Kummm» ^ ,^mm^ m^liiu," daS stresste posilioe Recht l,icht i», die erste Linie statsächllch können also anch nur die völkerrechtliche!: Bestlimullügen fnr den Ftleoeu Geltung fi»de». Die Vr'sllchllimi der fm,f Machte in dem Vertrag vom Iadre 184l war und ist eine gegenseitige. Angenommen, aber nicht zngegeben, die Blscpung der Do-»anfürstenthümer durch die russischen Truppen sei eine Aggression gegen die Türkei, und England wie Frankreich wollten oder dürften stch dafür durch Hmtansenung des Vertrags von 1841, Rußland gegenüber , eine entsprechende Stellung verschaffen, so bliebe immer noch die schwere, nicht zu beseitigende »och zu rechtfertigende Verlegung des gegebenen WorteS, der eingegangenen Veriragspsticht gegen die beiden anderen Unterzeichner und Bürgen des Ver-lragü, gegen Oesterreich und Preußen. Haben England und Frankreich die Zustimmung der genaulitel, beide» Mächie zu der Hintaosepuug jener Vertrags-bestlmmung, z" welcher die fünf Großmächte stch ge-genseicig verpflichteten, eingeholt und erlangt? Wir zweifln daran; wir glauben es sogar bestimmt verneinen zn dm sen. Nimmermehr kann es im Interesse der Pforte liegen, deren Erhaltung der ostensible Zweck jener Demonstration sein soll, noch i„ dem der beiden große» Seemächte selbst, Oesterreich mid Preußen durch ein Vorschreiten z» vnlchen, daß jegliche RechtSgrnndlage entbehrte. Es würde ei» solches Mißachten europäischer Verträge, uuter dem Vor-wa»oe der Parleinadme bei eiugetteteneu Zerwürfe nisse» zwischen zwei Reichen, die ohnehin allzu prekäre Zuknnfc der Pforte iu der That einer größern Gefahr aussehen als alle bisherigen Schritte Rußlands. Chronische Krankheiten, wie bieder Türkei, dnrch heroische Mittel heilen wollen, ist das füv den Patienieu gefah>llchste Erperiment; wer ihn am Leben erhallen möchte, rächet ihm Beseitigunq heftiger Assecte. Mäßigung und Ruhe. Steigern jel)t schon die westlichen Freunde nnd „Helfer" der Türkei das Fieber, welches anf die Lethargie gefolgt, so wird es vollends nnbegreistich, weun sie — uneingedenk anderer, weit schwerer wiegender Momeute nnd Verhältnisse — dnrch rechtsverleyendeS Vorschreiten gewaltsam ein indioi« dnelleS Leiden zur Ursache einer allgemeinen Miß» stimmuug machten, die sich bedeutuugsvoll über »reite Kreise zöge." Telegraphisch«' Depescbr«. Trieft,"-'. October. A^ befabrt auf der Eisenbahn ro.' V" «^,^ .^ glücklich vollbracht D.e A^ ^. BreScla soll am 1- s- ->"' r^i' 988 Feuilleton. Aus Eentral-Afrika. (Neuester Mlssionsbenchr an das Comity deS Marien- Vereines in Wien.) (Schluß.) «Vcr Aufenthalt in der Nähe des Aequators und so auch in Gondokoro dürfte in mancher Beziehung erträglicher sein, als in den mittlern und untern Nilregionen von Senaar, Dongola und selbst in Aegypten, da die Hitze dort bei weitem nicht einen so langen Theil des IahreS anhält, als in tiefer gelegenen Gegenden des Nilthales. Die Hitze, welche in den oberen Nilgegenden in den Monaten Dccem» der, Jänner und Februar der mittlern Temperatur den heißesten sieben Monaten vom April bis Octo-ber in Khartum annäherungsweise gleich kommt, fing in Gondokoro schon im März in Folge des oft Tage lang bedeckten Himmels so bedeutend zu fallen an, daß wir uns zuweilen in die Heimat versetzt gc-glaubt haben würden, wenn uns der Anblick unserer schwarzen Umgebung nicht wieder augenblicklich enttäuscht hatte. Diese Temperatur, bci dcr man zum Arbeiten stets aufgelegt ist, soll bis zum November vorherrschend sein. Zudem liegt Gondokoro ziemlich erhaben und man genießt, wenn man aus drr nie enden wollenden unaeheuern einförmigen Ebene her« auskommt, ringsherum einer überraschenden Ansicht von mannigfaltig geformten Bergen, welche d»r Landschaft etwas ungemein Erheiterndes und Auf. munterndcs, daß sich im Gemüthe des Fremden augenblicklich regt, verleihen. — Am Fuße der Station windet sich der Strom, der sein Haupt noch immer in geheimes Dunkel gehüllt hat, aus den hin und her geschleuderten Granitmassen von Tokiman hervor und durchströmt, durch eine Anzahl von Eilanden durchschnitten, die unabsehbare Ebene gegen Norden, deren kreisförmiger Horizont durch den Nyerkanyi m Nordoste» durchschnitten ist. Im Westen steht in erster Rtihe der Körök und weit hinter ihm erheben sich in der von den Yangwara bewohnten Ebene mehrere einzelnstehende Gipfel in halbkreisförmiger Form. Im Osten eröffnet der stolze Belenyan den Zllg der Alpenkette des Lokoya, die sich von Norden nach Süden hinaufzieht, indessen wieder im Süden erst dcr sattelförmig gestaltete Lulury, dann der Lunge und der burgartig empor, ragende Logwek, viel Mannigfaltigkeit in das Bild der herrlichen Landschaft bringt. Auf dem flachen Boden erhoben sich in der nächsten Nachbarschaft zwischen den darüber emzeln zerstreuten Wohnungen der Bewohner von Gondokoro große schattige Bäume dicht und breit belaubt, welche daselbst, von einer gleichen Höhe betrachtet, einem lichten Haine ähn^ lich sehen. Wenn ein Luflhauch von irgend einer Seite wehet, so wirkt derselbe erheiternd und er. frischend auf Geist und Körper, weßhalb sich der Missionar daselbst ernsten Studien und Arbeiten leichter widmen wird, als in Khartum, wo gewöhn, lich eine viel intensivere Hitze herrscht, welche auf den Fremden unbehaglich und lähmend wirkt. Ich habe daher volkommenen Grund zu er» warten, daß sich die Bari durch diese Station für das Ehristcnthum und für die in demselben und dulch dasselbe begründete Civilisation bald werden gewinnen lassen. Die Mission wird bei ihrem Fortschritte natürlich die von Alters her ins L'ben der Bari eingewurzelten Gebräuche und Mißbrauche, manch' abergläubische Sitte und andere Hindernisse zu bekämpfen haben. Der Mangel an einer festen l,!,d stabilen Negierung Hal in dem Wesen des ein zelnen Bari den FreiheitS- und Unabhängigkcils schwindel derart ausgebildet, daß er k.inen Richter über seme Handlungen anerkemu, höchstens zuweilen ,u:r Friedensstiftern Gehör gidt und sich im Uebrigcn nur stets auf ftine Lanze und Pfeil und auf die si^ene Gescl'icklichkkit in rercn H.inrhabuog derusl Bei Dicbstal'I, Ehebruch oder Todischlag, wen,, r, von der Menge der betreffenden Familie überrascht und übermannt wird, kauft sich der Bari entweder los. oder er büßt sein Vergehen durch einige Keulen> hiebe auf den Kopf, die in der Ncgel einen augenblicklichen Tod zur Folge haben. Die Nation hat wohl einen nominalen Häuptling, so wie auch eine Anzahl von untergeordneten Häuptlingen, die aber gewöhnlich zur Einführung der für die gesell' schaftliche Existenz nöthigen Ordnung weder Sinn, noch hinreichende Macht haben. Der bei den Bari eingewurzelte Unabhängig/ keitösinn mag wohl auch Ursache sein, daß sie bei dem Vorhandensein einer zum Scheine eristirendcn Monarchie die Patriarchalvcrfassung unter Familien-Häuptern beibehalten haben. In jedem District? gc. nicßt das am meisten wohlhabende Familienhaupt, d. h. derjenige, der am meisten Weiber, Kinder, Anverwandte und die zahlreichste Helrdc hat, auch das Ansehen eines Häuptling/s. Um die Wohnung des Familienhauptcs haben seine nächsten und fernen Anverwandten in kleinen Distanzen zerstreut ihre eigenen Wohnungen; Boden und Heerde ist ihnen gemeilischa'tlich; zur Zeit der Aussaat besäet jede untcrgtoldncte Familie entweder das Terrain, das um ihre Wohnung herumliegt, oder man bctheilt sich gemeinschaftlich an der Aussaat so wie auch an der Ernte. Die individuellen Angclegenhriten werden gewöhnlich als Partei der ganzen. Familien betrachtet, was häufige Fehden zwischen denselben verursacht, und da zugleich die Blutrache eine bedeu-tende Rolle dabei spielt, so geschieht es nicht seilen, daß in manchen Gegenden der Friede Jahre lang nicht eingeführt werden kann. Diese so velwickeltcn politischen und privaten Verhältnisse der Nation werden und können bloß durch die frieden» und ruhe. stiftende Lehre des göttlichen Heilandes, wclche Jedermann seine Pfiichtcn vorzeichncl, in ein enl» sprechendes Gleichgewicht gebracht werden. Auch die Vielweiberei, welche derart eingewurzelt ist, daß nach der größeren oder geringeren Anzahl der Weiber, so zu sagen, der Adel dcs Manncs bemessen wird, dürfte sich einer erwünschten Ausbreitung des (Zhri-stenthuins durch längere Zeit widersetzen; doch hierbei werden aber wieder die Armen zu Guten kommen und dcr Wohlthaten dcs Ehristeiithumes auch hier zuerst theilhaftig werden. So würden sich bei cincin lieferen Eingehen noch viele Hindemissc auffinden. Doch warum sollte ich mir Mühe geben, die Geduld meiner frommen Leser mißbrauchen und dieselben, allhier weiter erzählend, meinen .igcncn und ihren Glauben in die unendliche Barmherzigkeit, Güte und Allmacht Gottes schwächen und zugleich die wundervollen Wirkungen der unwiderstehlich?», fortreißenden göttlichen Gnade vergessen, welche uns die Annalen der Verbreitung des Glaubens nicht nur auö den ersten Iahrhunoer» ten der Kirche, sondern auch aus der neuern und neuesten Zeit, unler noch viel roheren Völkern, )U unserer Erbauung und Aufmunterung zur Genüge darbietlN. Der Eugcl des Hs»rn wachte doch auch schon wahrend der gegenwärtigen Expedition ohne Unterlaß an unserer Seite, da wir aus so vielen Gefahren, welche uns den Untergang drohten, durch cine unsichtbare Hand befreit worden sind und wenn dic Heiden keinen Anstand nehmen, uns ihre eigenen Kinder, wclcye sn wohl auch als einen uuvcrauße» lichen Schatz betrachten, anzuvertrauen, um denselben lluterricht zu ertheilen, so habe ich allen Grund zu l'chanptcn, daß dicß wohl aus kcincin anderen Be wcggrunde geschieht, als in Folge icner Gnade, welche den Weg zur Annahme des Ehristenthumcö zu neuen Triumphen der Kirche bahnt. So lwssen wir, wird dieselbe göttliche Gnade in der fernen Entwicklung der Mission wirken; möge nur d»r Herr derselben eine hinreichende A»zU)l von frommen, unermüdlichen, mit Mnth lind Slandhaftigkeit ausgerüsteten Glaubensboten verschaffen, welche geeignet wären, den armen l'cvnaä) ä'ssiatell legern, nach dem Auöspiuche des Heipeuap.'strls, »Allen Alles« zu werden. Mögen al'tr auch die Bande, welche durch lmsicwda»? Hand geflochten, Millionen von Glaubt gcnherzen an die Mission binden, unter dem Schutze der Himmelskönigin „Maria" stets kräftiger werden, die frommen Fürbitten zur Erleuchtung und Be-kehrung der heidnischen Neger ohne Unterlaß zu dem Throne der göttlichen Barmherzigkeit empor» steigen, — dann haben wir auch künftighin uns vor keiner Macht zu fürchten und werden uns stets mit willigem Herzen und freudiger Aufopferung unserem Berufe weihen. Vom Bord der ,)5l>!1» mawlina« im Nahar ei Abiad, im Monate Mai 1853. Dr. Ignaz Knoblecher m. ^. A. P. V. M i S c e l l e n (Gin Eonfusionsrath ) Von einem »Eon susionsrathc," wie der Berliner einen Zerstreuten zu lituliren pflegt, erzäM A. Dumas in seinen Me» muiren eine drollige Geschichte. Derselbe t)>eß Parseval de Grand-Mai son und h>ittc ciu episches Gedicht: „Philipp August« geschrieben, gegen das die Welt auch den Zerstreuten gespielt, indem sie es glücklich vergessen ha. Herr Parseval begann in Gegenwart zweier Freunde und Dnmas: »Stellen Sie sich vor, dieser Tage habe ich in meiner Zerstreutheit meinen eigenen Namen vergessen.« — »Ihren eiqe. »cn Namen?« fragte sein Frennd. „Nicht möglich!" ^ »Ja, ich hielt cs sell'st nicht für möglich, llder es ist doch so. Hören Sie nur, ich sollte mich mit als Zeuge unterschreiben, wissen Sie, auf dem Ehecontracle des Dingsda — nun des Dings, da, der die Tockter von dem Dingsda a/heiralhet hat. Ader ich bitte Sie, so h.lfcn Sie mir doch aus den verwünschten Namen." „Ja, lieber Freund, es gibt ja viele Dingsda, welche die Tochter von linem Dingsda heilalhe»; wie können wir Ihnen da helfen? — »Merken Sie denn nicht, ich meine die Tochter von dem Dingsda, der mein Eollege in der Akademie ist. Er schreibt Eumödim — von ihm i>t z. B. — ach. nun k.nni ich mich schon wieder nicht darauf besinne» — es ist ein Stück, das Handell von Etwas, was auch Mcrcier zu »ioem Theaterstück verarbeitet Hal." — „Alexander Buval « demertle Dumas. — »Nichtig! Ja, i.,, ja, bei dem war's! Ich dank'Ihnen, ol'wohl ich schon von selbst daraus gekommen wäre. Schen Hie, seine Tochter heirathcle den Dmgöda, einen ArchiNcteu. Er hat auch ein Werk geschrieben übcr — min, über das Dingvda, das bei einem Ausbruche des Vesuv unter.-ging, wobci anch der Dingsda seinen Tod fand." — »vielleicht der Architect Marols, der ein Weit über Pompeji schrieb, wo Plnuuä umkam."— »Getroffen! Ich dank' Ihnen sehr," rief Herr Parseval, nickte Qnmas freundlich zu uno versank in daS, was er sein Nachdenken nannte. „Aber Sie wollten u„S ja die Geschichte erzählen," emmerte ihn einer der Freunde. „Ich, eine Geschichte?« — »Ja wohl! Sie hal^u >ic ja schon angefangen. Es war auf der Vcrlo» Dung . . .« — »Nichtig," siel Herr Parseval ein. »I'ht erinnere ich mich ganz genau Jeder unter fchclcb seinen Namen. Da dachte ich bei mir: Jetzt rl)MMl die Reihe zu unterschreiben an Dich. Ich m-l)mc die Fcocr, denke hu, uno hcr, um mich auf mcinen Namen zu dn, wie lächerlich ich mich machen würde, wenn ich memcn Nachbar um meinen N.nncn !raa/n würde. Wir befanden uns in einen» Gemache zu ebener Erde: oie Tl)ür stieß aus den Garten. Ich renne in den Garten hinaus, schlage mich an die Stirn und sage zu mir selbst-. »Aber Mensch, Mensch, wie ist dein Name, dein Name?" Nenn mir in jenen» Augenblick Jemand gc,agt hätte: ich müßte m.ii»c,l Nan-.cn nennen, wen» ich nicht gehängt sein wollte, fürwahr, ich l)ätte mich hangen lassen müsse». Inzwischen waren Alle mir nach in dei» Gaitei» a/-cill, sie süchtci» mich wic eine Stecknadel. Alexander Duval, der Brautvater, war es, der m>ch erwischte. „Oa ist er ja." rief er, „der Tausendsassa, der Par» scoal dc Grand-M^ison, der davonläuft, wahrscheü». lich um ein Gedicht zu machen, wenn er den Contract unterzeichnen soll.« — »Victoria!" schrie ich »Nun hab' ich ihn, meinen Namen! Parscval de Grand. Maison driß' ich!" U'id meine.! N unen fort und sort wiederholend, um ihn nicht wieder zu vergesse«, eilte ich i>» den Saal zurück und schrieb ,hn, meinen Namen, flugs unter das Dingsda." ______ Druck und Verlag von I- v. Kleinmayr und F. Namberg in ^aibach. Verantwortliche Herausgeber und Redacteure: I. ". kleimnayr und F- ^amberg.