„/reihett, Wohlstaad, Dilduvg str Alle." Str. SS. Freitag, 14 Mai S8«S. »I Jahrgang Die „Marbmger Zeitung/' erscheint leben Sonntag, Mittwoch nnd Frcitct^. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fi., hlilbjiihlig 3 fl., viertelj^ihrig 1 fl. 50 kr', siir Znstelluntj ins Haus monatlich 10 kr. — mit Postversendung: sanzjährig 6 fl.. lialbjälirig 4fl., virrteljäh>ig 2 fl. (z;ie ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mit 10, bei zweimaliger mit 15, bei dreimaliger mit L0 kr. berechne!, wozu für jedesmalige Einschaltung ki0 kr. Jnseraten-Stempelgebühr kommen. Zur k)?-; Tuitc-;. Morgen wird der Reich srath feierlich t^kschlosscn! Ueberblickcn «vir das Ftld der leßten gescßgkberlschen Thätigkeil. so erfreut das Au^r nur selttN ein lichter, g'üner Punkt; d.iK U,br>t^e ist ödrS Hait'eland — Sand. Viel Sanv lagert noch breit und tief und starte Ftlscn rn^^cn. an welchen bis heute die Ar,it»»il und dnS Volt noch Vrrj^ebenS iljle Kraft versucht Das Kontoront nicht aufgchobkn — die ollgcmtine bitrgerlichr Ehe nicht eingeführt — dt^S unmilleibare Wahliccht noch nicht aneitavnt und noch keine Anssicht. da? AbgeoidnetenhauS durch ncuc. srelslnnij^rrt Mitglieder aufftischtn uud endlich mit Hilfe derfilben eine wahic Polk^' tretung erringen zu können, die aUrin im Stande i!!. befrledi^cnl» zu lösen, ivaS die ji^ige Jntereslenv'rtretung noch nicht versucht, tva» ne befriedigend nicht lösen kann, lvie z B. die Arbeit rfragc. die galizische Angelkgenhtil. Wo finden wir genügtNdrnEriaP für die ut>ge!)eurcn Opfer an Gut und Blut, welche die neuln Geseke fordern? Wie Vi d. odcv daß wcnigstknS dks russische Kabinet die Absicht hat. ein btsser s Verhalt niß herbeizuführen. „Verschirdene Erscheinuttgen deuten darauf lziii, so zunächst das Fallenlossen des mit so großer Absichllichkeit eingeleiteten Verfahrens gegen den Bischof von Anguslolvo; so ferucr dic Slstiruiij, der Beschlüsse der St. Pctrrsburgrr Synode und dac« Aufhöscn der oft s'hr auffäligen Maßnahmln. betreffend deu Uebrrtritt zur „vichtgläubigen Kirche." Auch von dem strengen Uebertvochrn deS katholischen ÄlcruS hört man seit einiger Zeit nichts mehr, und ebenso findet die polnische Sprache als Untirrichtssprache in den Schulen krin Hinderniß metzr." Nlich dcm Empfaltg der einer von Graf Trauttmansdoiff eingefülirten Aboidnung galizijchrr Polen im Vatikan zu Theil grtvorden ist. ultd nach drn Worten, tvelche bei dieser Gelrgenheit zwischen dem Papste und d.m Sprecher dicser Abordnung gewechselt worden. iVäre die römische Kurie ihrersuts gleichfalls nicht abgeneigt, sich dem russischen Kabiuet gcfälliq zu erzeigen, natürlich aus Kosten und mit Verleugnung der polnischen Nationalität und Revolution. Die Sekundizseier darf also wohl als der Ausgangspunkt zu ein^r Verständigung zwischen Czar und Papst angcseljen tverdni. Die merktvürdigste Erscheinung in der gege nivärti g e l, frau-zösischen Wahlbewegung ist unstreitig dic Thcitsach?. daß alle Wahlschreibcn sich für den Frieden aussprccheii uttd kein linziger Akge-ordnetet e« lvagt. sich bei seinen Wülzlern dadurch beliebt zu machen, daß er in )ie Kriegspvsaune lloßk. In dieser Bezicliung scheint die Regierung iibrigens der öffentlichen Stimmung Rechnung tragen zu tvollen. denn sie läßt in ihrem Blatte ankündigen, daß sie nach der Auftiebuug des Lagers von ChalonS alle Soldaten entlassen will, deren Dienstzeit am 31. De-zembcr 1870 zu Ende »st. Die Vermini>crnng deö Heeres ivürde sich in Folge dieser Maßregel auf 45.000 Mann belaufen. Auf die Schlag-fertigkeit der fianzösiskt^en Armee ivürde diese Maßregel, iizie auch Mar-schall Niel vielfach auseinandergesetzt, freilich keinen Einfluß hat)en. Wichtig ist sie jedoch insofern, als sie darthut. wie sehr die französische Regierung sich genöthigt stellt, die friedlichen Gefühle d^r Nation zu beiücksichtig^n. Zur Kreigebung der theologischen Studien. II. Marburg. 14. Mai. Dic Rücksichten auf seine Entlvicklung und seinen Fortbestand, auf die all.,tmeinc Sittlichkeit, deren Schirmer und Pfleger der Staat ist — diese Rücksichten begründen nicht nur das Recht, fondern auch die Pflicht desselben, den Besuch jcsuiliftcr Hochschulen möglichst zu verhindern. Und iveiiN sich trotzdem noch Einzelne finden, welche ili'er Pflicht gegen sich und die Kesammlheit nicht gedenken und den Lockungen und Ber-führungen der Jesuiten nicht ividerstehen — ivas vermag der Staat gegen die Pläne und Bestreliungen dieser Partei? Die »vissensch.'.ftliche Freizügigkeit muß der Rechtsstaat gewährleisteu; Ein Zkirchhofsgeheimnik. Vom Vel^affer der „neuen deutschen Zeitbilder ^. (8. Fortsetzung.) „Schon seit Ialjre«. Karl, konnte ich Dir daS nicht glaitben. Seit Ialjren? Stit meiner Kindheit schon, so l^nge ich denken kann, hübe ich Dir itnmer angesehen, daß Du etivaS auf dem Herzen hattest, etwas recht Schtvcres. l»n schreckliches Oehcimniß Wie viele linadert Male, ivenn ich Dich träumend odcr wtil»el,d sitzen suh. mußte ich Dich fragen, wa» Dir fehle, was Dir daS Herz drücke. Wie olt bin ich Dir. loenn ich des Abends, noch ganz spät. Dich plötzlich sortschleichen sah. nachgefol,.t — Du tvarest ii» den Marten gegangen, durch die Taxushecke aiif den Kirchhof gekrochen, gingst auf dem Kirchhof z«vilchen den Dornen und den Gräbern herum, und horchtest und suchtest, und ich mußte durch die Hecke hiNtrr Dir herkriechen. und an Dich heran treten, und Deine Hand nehmen und Dich fragen, wonach Du dort liorchtest. tvas Du in der Nacht zivi-schen den Gräbern suchtest. Aber immer sagtest Du: eS ist Nichts. habe nur so traurige Gedanken, die niich quälen Ich muß allein sein, dann wird mir ivieder besser. — Einmal, als ivir auch »vieder am späien Ab ftlne Knechte am Staate, am Bolksglücke gefrevelt--unsäglich, unsühnbar! Kermischte Nachrichten (Der politische lZid.) „Rappel." ein Pariser Blatt, bespricht den Werth des politischen Eides. „Warum." fragt er. „ist der Cid. viejer ernste Akt in unserm Lande so lief gesunken? Wie lst man dahin gekom-men. ihn wie eine HöflichkeitSformel zu behandeln, ihn wie einen Feind zu überlisten und ihn mit tausend feinen Unterscheidungen, die eine» öffentlichen Ankläger Ehre machen würden, ju nmgeben? Die Schuld liegt an denen. w«lche den Eld. diesen religiösen Akt. zu einem polillschen Hilfsmittel herabgewürdigt haben. Alle Regierungen, mit Ausnahme »nicht, sein Wert wächst daher immer fort und scin Name wird durch alle einer einzigen, haben, kaum zur Gewalt gelangt, sich der Gewiffen bemäch >Zeiten l,indurch gesegnet werden. Der Krieg hat bis zur Erfindung des tigen und diljcnigen. welche dem Staate dienen, zwischen die Knechtschaft i Pulvers nach CollevilleS Berechnung 102.000.000 Menschen daS Leben und den Meineid strllen wollen. Sie bedachten hiebei nicht, daß. indem gekostet, die Dampsmaschine nimmt jährlich so vielen die harte, schwere feierlich sein kann, und daß ein Millionen unter den frivolsten Vorwänden vorgeschriebener Eid sich in einer Weise schwächt und zersplittert, daß er nur noch als eine bloße Förmlichkeit scheint. Die Regierun.; von 1848 war die einzige, welche die« fühlte. Sie verstand die Würde deS EideS besser als die. welche ihr vorausgingen und nachfolgten, und wollte einem halben Jahrhundert voller Meineide ein Ende machen. Sie verordnete^ dißhalb unter dem 2. März 1848: „In Anbetracht, daß seit einem halben Jahrhundert jede Regierung, welche zur Gewalt gelangt ist. Eide gefordert und entgegengenommen hat, welche bei jedem neuen politischen Wechsel immer aufs neue durch andere ersetzt wurden, werden die Staatsbeamten Hinsort keinen Eid mehr leisten." Indem sie so den gewöhnlichen Eid für alle diejenige» abschaffte, welche vom Staate bezahlt werden, konzentrirte die Verfassung von 1848 die plauze Feierlichkeit diefes großen Aktes, all sein« Kraft und religiöse Majestät auf die dem Präsiden-ten der Republik auferlegte Verpflichtung. Er allein leistete dcn Eid. seine Fassung war klar, formell und gebieterisch: n Gegenwart Gottes und vor dem durch die National-Versammlung Vertretenen französischen Volke schivöre ich. der einen und untheilbaren demokratischen Republik treu zu sein und alle Pflichten zu erfüllen, welche mir die Verfassung auferlegt." — WaS ist auS diesem Eidschwur geworden? (Versammlung der Protestanten in W o rm S.) Im Hinblick auf die bevorstehende Kirchenversammlung in Rom hat bekanntlich Pius IX. die Protestanten aufgefordert, in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren. Vom ständigen Ausschuß der süddeutschen Protestakten' Versammlung, der in WormS seinen Sitz hat, und einer Anzahl protestantischer Männer auS Baden. Heffen, Nassau und Bairrn ist nun beschlossen worden, auf Montag den 31. Mai eine Versammlung deutscher Protestanten nach Worms einzuberufen, um aus die Aufforderung des römischen Stuhles eine Antwort aus dem Munde deS protestantischen Volkes zu crtheiltN. Dem Programme gemäß wird Sonntag den 20. Mai Abends der erweiterte Ausschuß zujammentreten und Montag Vormittags die Hauptversammlung statifinden. welche mit einem ftst-lichen Zuge nach dem Luther-Denkmale schließen soll. (Arbeit und Krieg.) 3n Stuttgart hielt neulich Colleville eine Reihe von Vorträgen, die er mit einem höchst anziehenden Vergleiche Alexanders deS Großen und Jame^i Watt'6 einleitete. Colleville zeigt darin, wie viel mehr die friedliche Arbeitsthätigkeit gegenüber der kriegerischen sür eine sichere und schnelle Hebung der Kultur zu leisten vermag und kam dadurch zu dem Satze: „Zeder auf die Aneignung fremden Besitzes ge. gerichtete Ehrgeiz ist unberechtigt; leder unberechtigte Ehrgeiz erniedrigt die Person, der er inne wohnt und die ihm folgt. Dagegen ist der Ehrgeiz, der darauf gerichtet ist. die Kräfte der Nutut sich anzueignen und das Wohl des menschlichen Geschlechtes zu vermehren, ein berechtigter; jeder berechtigte Ehrgeiz aber hebt den Mann uni> sein Volk, wenn dieses ihn versteht und unterstützt." Colleville Verkennt die großen Eigenschaften AleLander'S nicht, allein Alexander zerstörte mehr, als er schuf, daher sein Reich vorübergehend war. Watt, der Arbeiter, schaffte nur und zerstörte sie ihre neuen Anhänger der Eide entbanden, welche diese den gestürzten Gewalten geleistet hatten, sie ihnen die Idee beibrachten, sich selbst vor-kommendenfalls von dem Eide loszumachen, den sie lhnen auferlegten. Sie bedachten ebensowenig, daß das was banal geworden ist, nicht mehr Arbeit ab. (Ein ehmaliger Franziskaner als evangelischer Prediger.) Bor etwa anderthalb Jahren meldete sich beim evangelischlutherischen Konsistorium zu Dresden ein Franziskaner aus Prag. Namens „Ich sah ihn." „Und wie war sein Aussehen?" „Finster und in sich gekehrt, wie immer." „Wie fandest Du Deinen Vater?" „Ich sagte es Dir schon, ich fand ihn unruhiger. Er ichien et'vas auf dem Herzen zu haben. Er fchien es aussprechen zu müssen. Er richtete sich auf. dann sah er mich an, so sonderbar. Auf einmal legte er fich wieder zurück. Das that er oftmals so." „Er sagte Dir nichts?" „Kein Wort." „Rosa, ich muß jetzt gehen. Versprichst Du mir Eins?" Was könnte ich Dir abschlagen, Karl?" „Bleibe mir immer gut. bleibe immer meine Freundin." „Wie könnte ich anders werden? Aber wie kommst Du zu der lvttte?" „Ich kann es Dir nicht sagen. Aber sage Ja zu meiner Bitte. Ich habe nur noch kurze Zeit zu leben. Dann folge ich Deinem Vater. Dann — Sage Ja. Rofa. daß Du mich immer lieb behalten willst. Gib mir die Hand darauf." „Immer, immer. Karl. Hier Haft Du meine Hand. Ich werde Dich nie verlassen." Sie schwiegen und drückten fich wohl stumm die Hände. In stummer Liebe? Nicht weit von ihnen wurde leise eine Thür geöffnet. „Mamsell Rosa." flüsterte eine männliche Stimme in den Gang hinein. „Hier bin ich." antwortete das junge Mädcheu. Die Thür wurde leise in das Schloß gelegt. Dann sagte die Stimme: „Der Herr AmtmdNn haben mrr befohlen, schleunig den neuen Herrn Assellor herzubitten. Ich soll auf der Stelle gehen." Das junge Mädchen schien sich einen Augenblick zu besinnen. Dar-auf sagte sie: „Gut. Friedrich, gehe. Ich werde zum Vater zurückkehren. Führe aber den Herrn Assessor nicht gleich in das Krankenzimmer, sondern in den blauen Saal. Ich möchte ihn vorher sprechen." Das hörte ich noch. Es blieb mir. in der allerdings traurigen Rolle, die ich einmal übernommen hatte, nichts übrig, als mich so eilig und leise tvie möglich zurückzuziehen. Ich that das. und verrieth mich nicht. Ich verlieb unbemerkt das Haus und den Hof. Draußen vor dem Hosthore kehrte ich um, als wenn ich aus der Stadt komme. Ich ging wieder auf das AmthauS zu. Mitten im Hofe begegnete mir ein Bedienter mit einer Laterne. Er erkannte mich und Üieb vor mir stehen. „Ich war gerade auf dem Wege, um den Herrn Assessor zu dem Herrn Amtmann zu bitten." Es war die Stimme des Friedrich, der mit der Tochter deS Amtmann» gesprochen hatte. „Mich?" antwortete ich. „Und ich bin auf dem Wege, um mich nach dem Befinden des Herrn Amtmannes zu erkundigen." „Es geht dem guten Herrn sehr schlecht. Ich fürchte, daß er die Nacht nicht überlebt, obgleich sie Alle im Hause daS Ende noch nicht so nahe erivarten." Ich ging mit ihm in das HauS. Er führte mich in einen blauen Salon und bat mich, einige Augenblicke zu verziehen, er wollte mich ankündigen. Was wollle der Amtmann von mir? Was seine Tochter? Nach einer Minute erschien daS junge Mädchen. DaS Kind. daS ich vor sechs Jahren gesehen hatte, war zu einer vollblühenden Jungsrau geworden, und in den schönen Zügen sprachen sich Geist und Herz aus. Angst und Sorge um den kranken Vater hatten zivar für den Augenblick die Wangen etwaS gebleicht. Sie war nur um so schöner. Sie wurde nicht verlegen. alS sie mich wiedersah. Sie hatte etwa» SchlvereS aus dem Herzen. daS sie über eine kleinliche Verlegenheit erhob. „Mein Herr." s^gte sie. „mein kranker Bater wünscht Sie dringend zu sprechen. Er hat mir nicht gesagt. lvaS er Ihnen mitzutheilen hat. Es muß ein schlvereS Grheimniß sein. Aber was eS auch sei. darf ich zu Ihnen vertrauen, daß Sie meinen armen Vater seine letzten Stunden nicht schwer machen, und daß Sie —" Sie konnte vor plötzlichem Schluchzen nicht weiter sprechen. Erst nachdem sie sich gesammelt hatte, fuhr sie fort: Jäger, zum Uebertritt. Die Sache wurde ihm nicht leicht gemacht, .da er nicht nur Sekretär bkim Kardinal-Erzbischof von Prag. Fürst Schwären-berg. sondern 1866 sogar Beichtvallr dt« Königs von Sachsen zur Zeil der Anwesenheit deSsellien in der böhmischen Landeshauptstadt gewesen. Die Geiftlichtcit zögerte, aber da er tiehlMptete, seit Jahren sich mit dem Gedanken an den Uebertkitt getragen zu haben, ebnete sie ihm schließlich den Weg und am 10. d. M. hat er nun zum erstenmale al< evangeli-scher Kandidat der Tizcologie in der Dresdner Sophienkirche eine Predigt gehalten. (Die Hei ra tS ka u ! i o n en der Ossi ziere.) Die Ankla^^en und Besürchtungen, die öffentliche Blätter hinsichtlich der Heiratskautionen der Offiziere ausgelprochkn. habe« die amtliche „Wiener Abendpost" end-lich v-ranlaßt, ihr Stillschwci^ten zu brechen und die beruhigende Versicherung zu geben, daß alle Bisürchtungen grundlos. Diese Kautionen sind dem genannten Blatt zufolge nicht zu StaatSzwecken verwendet worden, sind noch vorhanden und zwar im Gesammtlietrage von 69 Äiilliontn und würde die Staatsverwaltung durchaus keinen Anstand nehmen, die Ansprüche der pensioniricn Offiziere zu befriedigen, falls da» HastunftS-band gelöst und die Beivilligung zur Rückstellung ertheilt werden sollte. Marbllrger Berichte. (Schule und K i rch e.) Am 10. d. M. kamen fünf Grundbc-sitzer aus der Pfarre Lembach in die Kanzlei deS Bezirksausschusses und beschwerten sich. da< d,r Scbullehrer nur slovenisch unterrichte, ja sogar die vorgeschriebenen d»uljch'slov.nischen Lehrbücher abgeschafft und rein ilo-venische eingeführt habe. Der Obmann der Bezirksvertretung nahm mit den Beschwerdesührern ein Protokoll aus und übermittelte dasselbe der Bezirkshauptmannschast mit dem Ersuchen, dasür sorgen zu wollen, daß der Unterricht nach Borschrist ertheilt nnd den berechtigten Wünschen der Bevölkerung Rechnung getragen werde. Sonntag, den 2ö. April eiferte der Pfarrer gegen diese Grundbesitzer ; er sührte einige sehr unpassende Gleichnisse an. gab den Leuten zu verstehen, eS sei besser, in einer Sache nicht drein zu reden, die sie nichtS ansieht, und bewies die Unmöglichkeit, dem jraglichen Wunsche zn lntsprcchen. Mit den tiessinnigen Worten, daß man ja anch einem Kinde. ivclches ein geschliffenes Messer begehre. daS' stlbe verweigern müsse. Die Beschwerdeführer erstaunten aber noch melzr. als sie am 12. Mai folgende „Einladung" erhielten: „Auf Anordnung des A. B. L'wantrr Konsistoriums voin 8. Mai 1869 Nr. 186 wird N N.. GrundbeflKer in N. in Betreff der am 10. April d. Z. bei der Bezirks-Vertretung Marburg anhängig gemachten Beschiverde in daS Gasthaus deS Herrn Franz Robitsch in Lembach auf den 14. Mai 1869 um 9 Uhr Bormiltag zur Einvernehmuntt vorgeladen. OrtSschulaufsicht Lemblich, am 12. Mai 1869. L. Herg, Ortsschulvorsteher." Dte Vorgeladenen haben die Anmaßung deS Pfarrers gebührend zurück^^ewiesen und >n einer Zu. schrift an die Schulvorstehung erklärt, der Einladung zu einlr Besprechung tvären sie mit Vergnügen nacht,ekommcn, gtgen eine Vorladung zur Einvernehmung aber müssen sie sich vertvahren nud «vünschen die Veröffentlichung des psarrherrlichen BefrhlS. Diese fünf Grundbesitzer stehen mit ihren Forderungen nicht alleiii ; den» als iu den nach Lembach eingeschulten Gemeinden bekannt wurde, daß ma« eine derartige Beschiverde erhoben, ivurde den Betreffenden von vielen Seiter, der Vor. Vurf gemacht, daß sie nicht ein? Beschwerdeschrift zur Unterzeichnung her. umgesandt, indem gewiß Alle unterschrieben hätten. Die Cutschiedeaheit dieser Männer verdient dir »ollste Anerkennung eines jeden SchulsreundeS. (Ertrunken.) Fra,^ Gradischnik, Winzer in Kränich. Pfarre St Peter, war am 12. d. M. im Weingarten der Frau Gornit mit Hauen beschäftigt. Um 6'/, Uhr Abends entfernte sich von ihm sein Knabe Franz. um bei der grau Gornik zu effen. Gradischnik befahl dem zwölf-jährigen Kindsmädchen. dem Knabe» nnchzugehen; dieses aber kam bald mit der Nachricht zurück, daß derselbe im Hausteiche der Frau Gornit ertrunken liege. Die Rettungsversuche blieben ersolgloS. (Zum TodeSsall in Ober-Kötsch.) Nach dem Beschluße des KreiSgerichteS ist bekanntlich der Mühljunge Michael O. wegen des an seinem Dienstgeber Mathias R. in Ober-Kölsch verübten Todtschlages in den Anklagestand versetzt worden: die übrigen Angeschuldigten — das Weib und ein Sohn des Müllers — ivurden freigelassen. Dieser Tage ist Joseph R. dem Gerichte übergeben ivorden. nachdem ihn der Gemeindevorsteher festgenommen, gestützt auf die Aussage des Mühlknechtrs Joseph Thomaschitz. welcher behauptet, dieser Sol)n deS Erschlagenen sei am fraglichen Verbrechen so unmittelbar betlzeiligt. wie Michael O. (V e r s chö n e r u n g de r S t a dt.) In mehreren Versammlungen des politisch-volkswirthschaftlichen Vereins ist die Verschönerung der Stadt zur Spracve gekommen und tvurde in der letzten Sitzung ein Ausschuß von 9 Mitgliedern gebildet, welcher die bezüglichen Fragen Vorzuberathen und Anträge zu stellen hat; diesen Ausschuß bilden die Herren: Brand, stätter. Rö dling. Stopper. Professor Riert. Dr. Streinz. Hauptmann Seidl. Julius Pfriemer, WieSlhaler. Fetz. (Ge m < i n d er e ch nu n g.) In der gestrigen Sitzung des Gemein-deousschuffeS tvurde der Bericht über die Gemeinderechnung vorgetragen, genehmigt und der Beschluß gefaßt. diesell,e drucken und den Steuer-trägern mitthellen zu lasten. (Vergnügungsfahrt nach Trieft.) Wie alljährlich, so ver. anstaltet auch Heuer die Verwaltung der Südbahn eine Psingstfahrt nach Triest; der Zug wild morgen Abends um 6 Uhr hier eintreffen und auf der Rückfahrt am Dienstag früh Marburg wieder berühren. Letzte Post. In der Katb»li?enverfammlnng zu Tchlauder» (Tirsl) ist der RegierungSkommiffär mißhandelt und lebensgefährlich bedroht worden. Der norddentscke Reichstag hat den Antrag auf Gewähr» ng von Taggeldern für die Mitglieder verworfen. In der Hauptstadt Perstens hat ein blutiger Kampf zwischen den religiösen Varteien stattgefunden; man zählt Todte und Verwundete, sov Personen wurden verhaftet. Eingesandt. Am vorletzten Sonntag feierte unser Kaplan den Frühgottesdienst. Während der Predigt erschien der Arzt deS Ortes und wollte Platz nehmen; der Kaplan unterbrach aber seinen Vortrag mit den Worten: „Guten Morgen. Herr L.!. wo Sie früher waren, dort gehen Sie wieder liinl" Der Arzt »erhielt sich ruhig. Wer gibt dem Prediger das Recht, der Heiligkeit des Ortes ^u vergessen, einen Pfarrgenofsen öffentlich zu beleidigen und den Gottesvlenst zu stören? Was wäre die Folge getvesen, ivenn Herr L. sofort in der Kirche geantwortet hätte? Saldenhofen, am 12. Mai 1869. Mehrere P f ar r i ns a fs e n. „Und daß Sie stets meines Vaters Ehre schonen werden? Dars ich Sie darum bitten, mein Herr?" „Mein Fräulein." erwiderte ich ihr, „mein Thun wird Ihnen beweisen, daß es Ihrer Bitten liei mir nicht bedurste. Sie sind mir den. noch heilig, als die Bitten eines edlen, treuen Tochterherzens." „Sie beruhigen mich. Mein Herr. Wie danke ich Ihnen!" Sie sülirte mich zu dem Zimmer des Kranken. An der Thür blieb sie zurück. Ich tvar mit dem kranken Amtmann allein. In dem Zimmer brannte nur eine Nachtll. lun 9 1.'Iir in liei' Dvr Verbilvkenv virc! ^sm j'ronwlou ^n<1«i»IIarburA snt 13. ^lai 1869. (316 I^icolaa?» I^avlcirör. Lürv^or I^aelcirsr. VineenL ^els«, ILammmaeksr. Siusann« G'utti'r, ged. in gwssvi' <^us«»I>I! l?nn?s ^n?üi»e vttn kttum>voll-, Hald-Zelmfvvttll. unü I^sinen-LtoKsn von i!. <» !'i« il.' 12 — ^an/6 ^n/üß^6 von den !)68ton ^elint'^vllstotsen von i!. I-'Z 1>ig tl. HerronAs^se, ?»)^ei'kit:kcg I1»u«. S343. (S0ö TurnvMMÄMarbura. !/rtiwiIlizt Fahmiffen-Versteigermg. Ä Vom k. k. Bmrksaerichte Marbura wird bekannt gemacht: ES sei Bezirksgerichte Marburj^ wird bekannt gemacht: ES sei Der Marburger Turnverein veranstaltet am 16. ÄKai zu Ehren über Ansuchen des Herrn k. k. Notars Ludwig v. Bitterl die sreiwillige der Abgeordneten fiir den Turntag des iuneröstcrreichischen GauverbandeS^Feilbietung dcr zum Verlasse der Maria Kotzbeck gehörigen, auf 108 fl. Nachmittag um 4 Uhr unter Mitwirkung dcr Südbahnkapelle ein 29 kr. geschätzten Fahrnisse, als: Wasche, LeibeSkleider und Pretiosen. auf dem Platze neben dem Haußner'schkn Meierhofe, und Abends um 8 Uhr in Herrn Tlz. Götz's Bierhalle eine I'vitlrQVRpv, wobei die Kapelle des Herrn Hohl mitwirken wird. Zur Theilnahme an dieser doppelten Feier werden die ?.'!'. unter-stützenden Mitglieder des Turnvereines und die ausübenden und unterstützenden Mitglieder des Männergesangvereines (unter Vorweisung ihrer Mitgliederkarten), sowie die Herrcn Beamten sämmtlicher k. k. und Privatbehörden und das löbl. Offizierskorps aufs Freundlichste eingeladen 312) vom Tnrnrathe. bewilliget und hiezu die Feilbietungs-Tagsatzung auf den Mai »SSV Vormittag 10 Uhr in der Kanzlei des k. k Notars Dr. Reiser angeordnet. K. k. Bezirksgericht Marburg am 26. April 1869. Z. 4517. (311 MMavI» ntv ÄSKSHvrsen kN In i!er ZNanusakwrumarett - Handlttnfl von ^o»«k 8vlir v ä! i^dii werden 2OM« Ellen KchafWll-SrAalbscidcn-Älcidtrstlifft, das Neotstt-Wi ^!für Frühjahr-, Sommer- und Herbst-Taison, aus einer Wiener s Konkursmaffe nngkkauft. A unter dem Original-Fabrikspreis, und zwar Stoffe iMy ^ Original Fabrikspreis von 90 kr. bis fl 1 20 kr. init nur 4S kr.^ «...... W kr. „ W kr. „ „ 4ß» kr. „ »Skr.Z. .. SSks.^ Vom k. k. Bezirksgerichte Marburg wird hiermit bekannt gemacht: Cs sei über Ansuchen deS Ant. Fallesch, Eigenthümer der Realität Berg Nr. 22 aä Frauhrim. in die Cinlkitung deS Amortisationsversahren bezüglich der bei obiger Realilät seit dem 20. August 1810 hasttnden Kapitalsforderung des Josef, Anna und Maria Wabitsch pr. 966 fi. 38^/4 kr. gewilliget worden. Es werden demnc^ch Josef, Anna und Maria Wabitsch und ihre allfälligen unbekannten Rechtsnachfolger aufgefordert, ihre Ansprüche bin-neu Einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen vom Tage der ersten Einschaltung deS Ediktes an bei diesem Gerichte so gewiß anzumelden und darzuthun, Widrigens nach Ablauf dieser Frist in die Löschung obiger Satzpost gewilligct würde. Marburg am 10. April 1869. G o Si 7« kr. KS kr. «« kr. SS kr^ SV kr. hintailgegeben. »« kr. 7« kr. «s kr. ev kr. SS kr. S» kr V »«k L SS kr. ^ s Wir enthalten uns jeder weiteren Anpreisung und ersuchen das P. T. Publikum, sich von der Walirheit des Obgesagten Z freundlichst zu überzeugen. (317 Für neue und solide Waare wird garantirt. Aufträge vom Lande prompt ausgeführt. nie Ä«ixvH»e«en!! (274 in 6 dis 10 versokiväenen empüekit ü. kviokmvzfi', (^oväitor vi8 ü. vi8 »Hotel I^lolir". ^welcher in der Spezerei vollkommen be-wandert, ein tüchtiger Verkäufer und der slovenischen Sprache mächtig ist, wird aufgenommen bei Franz Scher« bäum am Hauptplatz in Marburg. — Dort sind ferner SßVO Gimer neue Weine vorzüglicher Qualität und 20 Eimer bjähr. Alivowitz zu verkaufen. (313 Edikt. (314 Uertige Knabe« Aleider als Firmungs Geschenke sind in großer Auswahl zu haben, auch MKnn«rklOl«I«r ««d HVA«vI»v sind fortwährend in jeder Größe am Lager bei Ku8t»v kiiulleeluivi', u. 309 Hauptplatz, nächst dcr Mohren Apotheke. ^—"''oWraße, vi8-s.-vi8 „Stadt Wien" im Brandstetter'schen Hause. Z. 4007. Editt. Vom k. k. Bezirksgerichte Marburg wird bekannt gemacht: Es sei über Ansuchen des Ferdinand Weitzl die exekutive Versteigerung der dem Herrn Johann Waidacher gehörigen, gerichtlich auf 8830 fl. geschätzten Bcsitzesl)älfte der Realität C. Nr. 33 aä Magistrat Marburg bewilliget und hiezu drei Feilbietul^S-Tagsatzungen. u. z. aus den AB. Mni, SV. Juni und S4. Jnli 1t,69, jedesmal Vormittags von 11—12 Uhr, die ztvei ersten in der diesgerichtlichen Amtskanzlei, die dritte in der Viktringhofgaffe mit dem Anhange angeordnet worden, daß die Pfand-realität bei der ersten und zweiten Feilbietung nur um oder über den SchätzungSlverth, bei der dritten aber auch unter demselben hintangegeben werden tvird. Die Lizitationsbedingnisse. wornach insbesondere jeder Lizitant Vor gemachtem Anbote ein 10^^/^ Vadium zu Händen der Lizitationskommis« sion zu erlegen hat, so wie das Schätzungsprotokoll und der Grundbuchs-eztrakt können in der diesgerichtlichen Registratur eingesehen werden. K. k. Bezirksgericht Marburg am 7. April 1869. Alle, lvelchc auf d.n Nachlaß der am 17. März d. I. in Marburg verstorbenen Frl. Anna Mafreda eine Forderung zu stellen haben, werden eingeladen, dieselbe ani SS. Mai d. I. Vormittag 9 Uhr in der Kanzlei des gefertigten k. k. Notars als Gerichtskommissärs anzumelden oder bishin schriftlich ihre Anmeldung bei dem k. k. Bezirksgerichte Viar-bürg zu überreichen, ividrigens. wenn die Vcrlaßmasse zur Befriedigung der angemeldeten und liquidirten Forderungen nicht hinreichen sollte, dieselben, insoferne ilznen kein Pfandrecht zusteht, !wn der Befriedigung ausgeschlossen werden. Marl,urg am 9. Mai 1869. Dr. Fr^inz Radey, k. k. Notar als Gerichtskommissär. Zn der Kavallerie-Kaserne t- ! ^! zu Marburg wird die (Kantine im Offertweqc auf drei Jahre vermiethet. Von einem Gute wird ein Revierförster aufgenommen. Offerte sind zu richten an Güterdirektor Franz Perko in Marbnrg. I Am 1. Juni 1869 l-n',«" Große VtwiaWthung des k. k. Ssterrtichischr« Staats-Aklrhrns vom Jahre 1864. Gewinne des ^ulelitns fl. 250.000. fl. 220.000. fl. 200,000. fl. 150.000. fl. 50.000, fl. 25.000, fl. 15.000, fi. 10,000, fl. 5000 ze. !c. Kleinster Getvinn 160 fl. Gesetzlich gestempelte Antheilscheine, welche so langt giltig stnd, bis denselben der zwanzigste Theil eines Gewinnes von fl. bis abwärts fl. IKV ^gefallen ist, empfehlen gegen Einsendung des Betrages oder Posteinzahlung tt Gulden pr. Stiil!^, Stück fl. 7