.^nthkit, W»hlß»i», str ZUlt." «» RR« Freitag September R8SS. H II Jahrga«g Die .Marburg«» Seitmi»« erschelii« jeden S-imIag, Mittwoch imd Kr-it-g. Pieise - ftir Morbiirg: «an,jäh,lg « fl., h«Idjäh>ig Z fi., «ierteliiihrili I«. ö0 kr; wr Suftelliiiia mß Haus monatlich Iii kr. mit Postveisendimg : ilanzjähng ö fl., halbjährig 4 st., vierteljährig L fl. Die rin Mal gespaltene Garmonl^ttile wird bei einmaliger Einschaltuaa ________mit 10, bei zweimaliger mit 15, bei dreimaliger mit 2V kr. berechnet, wozu silr jedetmalige Einschaltung »v kr. SuseratewStempelgebtlhr kämmen. Zill Zeschicht« ttes Tage»;. Bon allen Landtagen verdient gegknivartig der galizische die Mlisfe Aufmerfsamktit. denn die Adrehverhandlunqen nehmen nroßartiste Verhältnisse an. Die Stellung GalizienS zum Reiche schkint Ziemial-kowsti am richtigen aufgefaßt zu haben: Das Land muß wählen, sci^^te der Redner, und entweder auf dem Wege der organischen rul»igtn Arbeit fortschreiten, oder den Weg des passiven WiderstondeS betreten. Zur letz-teren Maßregel habcn ivir einen weit besseren, triftigeren Anlaß zu Zeiten Schmerlings in den Jahren 1861 und 1864 gehabt, wo 10,000 unscrer Bürger in Gefängnissen wcgen Vergehen giskufzt halirn. die nicht »kt^en Oesterreich begangen worden sind, wo es so viele Prrßprozesse al» Zei-tungsartikel u s w. gegeben. Damals haben wir nicht zu jenem Mittel griffen, jetzt NM so weniger. Jetzt find wir doch viel bkffcr daran: wir haben die soziale Organisation und die Bolksanfktärung in unscren Händen. Das seien Hebel, welche zu mächtig sind, als daß wir um unsere Zukunft Befürchtungen hegen könnten. Aber dazu sei ruljige Arbeit notliwendig. Als Poleu. als Bcstandtheil einer zerrissenen Rntion, richten wir unsere Worte an den Kaiser von Oesterreich, als ein besondere» Volk verlangen wir für unser Land eine abgesonderte Srellung. In unserer geschichtlichen Vergangenheit wurzelt unser einziger ForderungStitel Wir wurden an Oesterreich nicht vererbt, nicht Oesterreich einverleibt, sondern man hat uns als Theil einer großen Notion genommen. DaS sei unser Rechts-titel zur Selbständigkeit. Und denselben muffen »vir versolgeu. auf geletz» lichen Wegen verfolgen, denn die Staatsraifon macht eö unS einleuchttno. daß daS Schicksal Oesterreich» das unsrige entscheiden werde. Was immer die Halbamtlichen in Preußen über die Friedens« ftimmung der Regierung sagen. eS ist Alles nur Arbeit aus Bestellung und steht mit den Thatsachlichen in Widerspruch. In der Wilhelms-straße zu Berlin berechnet man die Erhaltung des Friedens nur mehr nach Monaten. Dic Entfernung Bismarcks wird mit großem Leidwesen aufgenommen, und die Nachricht, daß er wieder einen Spaziergang unter-nehmen konnte, wie ein halber Sieg über die rothen Hosen gefeiert. Man schildert die diplomatische Verschwörung gegen Napoleon als so wcit ge« diehen. daß sie den erwünschten AuSgang nehmen muß. Die Vertreter Englands, Rußlands und Italien« am Berliner Hose haben sich beeilt, im Auswärtigen Amte ihre Befriedigung über die Kieler Rede des Königs auszudrücken. Vort)er soll eine Konferenz zwischen den Repräsentanten Englands und Rußlands stattstesundcn haben. Daß der österreichische Botschafter an der Konferenz nicht Theil nahm, sucht man einfach dadurch zu erkiärtn. daß der Augenblick noch nicht gekommen, um der Wiener Regierung enschiedene Anträge zu machen. Die BiSmärcker schmeicheln sich, daß man am BallhauSplotze diesen Vorschlägen nicht widerstehen wird, sobald man dort von den preußischen Plänen Kenntniß genommen, welche durch die Verbindungen mit Rußland und Italien mehr als zwei Dlittel des östeireichischen Gebietes gefährden. Die neulichen Wahlsiege der französischen Regierung werden a m Hofe Napoleons nach Kräften ausgebeutet. Die KriegSpartei stellt diese Siege als einen Beweis der Zustimmung hin welche daS Land der kriegerischen Politik gäbe, die man der Regiernug zutraut, und nament-lich als eine Gutheißung des neuen MüitärgesetzeS. daS eben im Sinne dieser Politik gemacht worden, und von tvelchem die Opposition zu ihren Gunsten einen so entscheidenden Einfluß auf die Wahlen erivartet hatte. Es verdirnt bemerkt zu werden, daß der Regierungskandidat im Mosel-Departement in seinem Ausrus an die Wähler sich offen alS Kriegsmann bekannt und ihnen versprochen, die Regierung zum Krieg gegen Deutschland zu drängen, wenn sie ihn in die Kammer schicken. Die bewegte Kriegs-Partei soll sich auf diese Wahlsiege stützen, um dem Kaiser glauben zu machen, daß der Krieg auch Vom rein politischen Standpunkte auS und in Bezug auf die bevorstehenden Generalwahlen eine höchst zeitgemäße Maßregel wäre, sei es, daß man dic Generalwahlen beschleunigt und sie unter dem Clndrucke eineS gewiß bevorstehenden Krieges ausschreibt, oder daß man sie nach vollbrachtem siegreichem Kriege unternimmt. Bei der großen Sorge, welche die bevorstehenden Generaltvahlen der Regierung verursach n, bci der großen Wichtigkeit, welche sie besonders für das Kaiserhaus haben, weil der Prlnz seine Großjährigkeit während der nächsten Wal)ldauer erreicht, dürste so meinen die Kriegslustigen — dieser Umstand allcin hinreichen, um dem Schivanken des Kaisers ein Ende zu machen und den Ausschlag für dcn Krieg zu geben. Slmenrausch und Edelweik. Vo« H. Schmit. (10. Fortsetzung.) Der GenSd'arm halte seine Briestajche hervorgezogen und zöjikrte noch etwas. „ES sehlt nur noch, daß der Borsteher mir meinen Rapport unterschreibt ... aber ich will zum Gemeindspfleger gehen — daS war' doch zu hart sür den Bater... „Geben Sie den Zett»l her." sagte der Bauer, „so lang' ich Bor-steher bin, thu' »ch meine Schuldigkeit...." Er unterschrieb mit sicherer Hand und blieb ausrecht stehen, bis der Brigadier mit seinem Gesaugtueu aus der Stube war. Evi hatte sich schon zuvor uubeachttt hinauSgeschlichen. AlS die Tbüre sich schloß, knickte er schweigend in den Stuhl zusammen ; die Mutter tastete wie schwindelnd um sich und glitt neben der Bank zn Boden. „Jetzt ist es ans." stöhnte sie. ..ganz auS.... Jetzt kannst alle Stund tielin. Bater. und kannst mir die Truhen bestell u l" 4. „Die heiligeu drei König." Mehr als ein halbeS Jahr und mit ihm der Winter »var vorüber; das sounige Pstngstsest hatte deffen Macht auch in den innersten Berg-thälern gebrochen, und cS »vor erkläilich. »varum vor dem Wirthshause „Am Stein" bei Berchtesgaden so ungewöhnlich viel Gäste versammelt waren und sich im Freien herumtrieben. Die Lust war warm, würzig und mild; der „Stein", der »iesi^^e FelSkoloß. »velcher das in seinen Schutz geflüchtete Wirtl)ShauS gewaltig überragt, war schon mit Grün be-deckt, denn die herabhängenden Flechten und Moose trieben neue Spißen. an Weide. Haitriegel und Wildrose brachen frische Blätter aus. und d^»-zwischen hatte der Schlehenstrauch dic nackten schwarzen Spitzen über und über mit weißen Blüthen besteckt. Die Wiesen., links vom Hause, ülier welche man fernhin Dächer und Thürme deS Marktfleckens erblickt, leuchteten im saftigsten Rasenschmuck, reichlich verziert mit Primeln und Ranunkeln, Feldnelten und Vergißmeinnicht, die »vie verschüttet streckenweise dicht bei einander standen; rechtS hoben sich die stattlichen Buchen uud Ahornbäunie. unter welche» Sitzplätze für die Gäste angebracht waren, und rauschteii mit den jung belaubten Kronen luftig ineinander — gegenüber. getrennt durch das jenseits des Sträßchens steil absinkende Thal, richtete sich !>cr hohe Göll breit, ernst und erhaben empor in dem frischen Rlijenkieide. das seine Sohle umwallt, mit dem dunklen Waldgürtel, der sülie Mitte schürzt, mit dem Schneeichmuck auf der Brust und dem Eis-diadem UN» die gelsenstirae. daS nur manchmal und auch dann nicht völlig der ^^lülieiidcn Juüsonne lveicht. Zudem war ^Freiuacht und Tanzmusik" im WirtliShause, denn eS galt die Nachkirchweih' in dem uiischeinb.lreii. aber banmumrauschten nnd andachtschauernden Kirchlein, 0liS damals — vor genau vierzig Jahren — noch nicht nm eine frostige »lothijche Kapelle vertauscht und als Eigenthnm eineS Großen der Erde öde gelegt und nmzäiint worden war. » An den Tischen unter den Bäumen lebte und schwirrte und summte es »Vit um einen schivärmenden Bienenstock; auS allen Thälern und von allen Hängen ringsum ivaren die Bauern heczugeivandert. mit Weib und Kind, ».i^ttrschen und Mädchen in ihren eigenthümlichen. damals von städtischen Schnitten und Mustern noch weniger entstellten Bergtrachten. Unter den Landleuttli fehlten hie und da auch Gruppen von Bewohitern des nahen Marktes nicht. Bürger und Saline»» Arbeiter, die einen freien Abind hatten, Holzschnitter. die eS einmal geivagt. sich von der Wertbank loszuschrauben, und etwa der Oberschreiber vom Rentamt oder Landgericht alS Wnrzcl'Ausläufer deS regierenden Beamtenthums. So munter und laiit es vor dem Hause zuging, wurde die Fröhlichkeit doch üliertroffen nnd übertönt durch Klarinette und Trompete, die auS den offenen Fenstern deS HauseS schmetterten nnd pfiffen, und vom mürrischen Gerumpel einer B^'ßgeige unterstüßt. eS weitl)in verkündeten, daß das juuge Volk sich dort zu den Freuden deS Tanz'S zusammengefunden. Zwischen den Z^chtijchen und Bänken vor dem Hause schritt der Jäger Gatierl im grauen, grünverbrämten SonntagSrocke mit Stutzen. Jagdtasche und Hirschsänger hin und lvieder und spähte mit steigendem Die Ntwegung in Spanien macht reißende Fortschritte. Das erste Zeichen wurde von den Dampffregatten „Villa de Madrid" und „Zaragoza" gegeben. Fünf andere große Seeschiffe unv <,lle miN' derbedentenden Echiffe. welche sich in Aadix b»fanden, »raten der Bewegung bei. Man begreist die Wichtigkeit der Erhebung dieser Kriegsschiffe. Mlt ihnkn beherrscht die Revolution die Küsten und kann die Bewegung über« allhin zu vtlbreiten. And,rstits ist die moralische Wirkung eine außer-ordentliche. Die aufrührerischen Generale rücken nach dem Innern vor. Außer Kartagena hat auch Verona die revolutionäre Fahne aufgepflanzt und Oberst Baldrich. welchen der General Prim zum Ober Kommandanten dieses TheilS von Katalonicn ernannt, muß sich gegenwärtig auf seinem Posten befinden. Mau weiß, eines wie ausgezeichneten Rufes sich dieser Offizier erfreut, der im letzten Jahre den Feldzug zwei Monat lang gegen 30 000 Mann unterhirlt. Am 20. September weilte der Hof, iu großer Verlegenheit, noch in San Sebastian. Die Kölügin hatte, eben als sie nach Madrid zurückkehren wollte, die Nachricht vom Aufstände erhalten, worauf sie sofort die Abfahrt wieder abstellte, ohne Ztveifel aus Furcht, sich den Rückzug abgeschailten zu sehen. Eine Schaar von 14,000 Mann opcrirt zwischen Balladylid und Guadalaj-^ra und verhin-dert die Rücsk
nung anzugreifen. Haben wir auch zur Stunde kein verfaffnngsmäßigcs Recht auf die Errungenschaften des Jahres 1849, so ift uns doch das natürliche Recht zum Bewußtsein gekommen und fordern wir die Anerkennung desselben auch zur Uothwehr gegen den Erbfeind, dessen Hauptquartier im Süden liegt — lveit jenseits der vaterländischen Berge. Auf Widerstand im Mißmuth ringsum nach einem leeren Platze, um sich niederlassen und auch an dem allgemeinen Vergnügen Theil nrhmen zu können. Die Bauern bemerktrn ihn und seine Absicht wohl ; es wäre auch möglich ge-Wesen, durch Aneinanderrücken ein annehmbares Plätzchen zu gewinnen, aber sie wollten nicht und machten sichs noch bequemer und breiter als zuvor. Jeder Jäger war ihnen verhußt: die Jagd war damals noch ein ziemlich allg'Meines Vergnügen der Bauern in jenen Gegenden: es war, als ob sie noch eine dunkle Erinnerung aus der Zeit beivahrt hätten, in welcher siL als Herren von Gruud und Boden auch den Wildbann geübt, und die strenger gehaltene Ordnung des seit einem Jahrzehnt eingezogenen baierischen Regiments wollte ihnen nach der schwachen Herrschast nicht einleuchten, die ihnen aus den lrtzten Jahren der macht- und krastlos ge» wordenen gesürjleten Probstri noch in d»r Erinnerung war. Gegen Gaberl hatte die Abneigung noch einen besonderen Grund; ihm gab man die Schuld, daß der Mentel vom Bühelhof in der Ramsau. einer der saubersten. kräfti,tsten und wackersten Burschen der ganzen Landschast, «n Schande und Strafe gerathen war. Man fragte und grübelte nicht viel darüber, ob es mit Recht oder Unrecht geschah, ob Mentel schuldig war oder nicht; selbst alle die kleinen Fehden und Feindschasten zwischer, den Burschen der linzelnen Thälcr oder Dorsschaslen, sonst auf Leben und lod verfochten, ivaren vergrssen und ruhten eine Weile; das Volk vereinigte seinen Haß grgen den gemeinsamen Feind. Dem Jäger war diese Stimmung kein Geheimniß. aber sie irrte ihn nicht, und die Abneigung, die man ihm erwies, gab er reichlich zurück; er wandte ihnen hinwieder den Rücken zu und sab sie mit Blickeu der Geringschätzung an. die denen ihres Haffes ebenbürtig waren. „Guten Abend." rirf ihn einer der Burschen mit spöttischem Seitenblicke an. „es ist recht schod, daß Ihr so spät kommt — vor einer halben Biertelstund' hätl's noch Platz genug gegebe» da bei uns!" „Ich will keinen Pl^ bei Euch!" erwiderte Gaberl gistig. „Der Platz. Ivo Ihr Alle von Rechtslvegen hingeliört. ift ganz anderswo!" „Und lvo denn nachher?" rief es grollend entgegen. „Das sag' ich Euch, wenn ich einmal besser Zeit habe." war die Antwort; „jetzt mag ich nur mit ordentlichen Leuten zu thun haben!" Damit sehritt er dem Ende der Sitzplätze zu. wo unweit der Straße ein Lager der Regierung können wir um so w.niger tr.ffen. als in dcmselb n ja zwn Männer sich befinden, die 1849 aus Seiten der Volksparlei ge-kämpft und zue Schaffung der Reichsverfaffung mitgewirkt, deren BestiM' mungen uns heute noch so beg,hrensiverth erscheinen — wir meinen die Herren: Berger und Giskra. Die bürgerliche Behörde, welche künstig die Standesbücher führen soll, ift die Gemeinde, die aus ihrem beschränkten Räume all' die Verhältnisse, um deren Beurkundung es sich handelt, am leich-testen überblickt. Die Befähigung der Gemeinde zu diesem Ge-schüft dürfte wohl Rtemand bezweifeln, sobald einmal die angeregte B>l. dung von Hauptgemeinden durch ein neues Gesetz ermöglicht, ja de« sohlen lvird. Die Führung der Standesbücher vermehrt das Einkommen der Geistlichen und ift nun die Frage: sollen diese Gebühren auch von der Gemeinde bezogen tverden? Im Staate und in der Gemeinde, die wir uns nach dem reinen Begriffe denken, soll Alles. waS der Einzelne Von der Gesammtheit beansprucht, auf Koften derselben geleistet werden --hätte somit in diesem Falle der Einzelne keine Gebühr zu entrichten. Da unsere Gemeinden aber sehr wenig oder gar kein Vermögen befitzen und die Deckung der Auslagen für Zivecke, die gesetzlich heute schon erreicht werden sollen, die Steuern bedeutend erhöht, so dürfte für die Zeit des schweren Anfangs und deS Uebergangs zu geordneten besseren Zuständen wohl diese Rücksicht den Ausschlag geben — für die Einhebung einer mäßigen Gebühr zu Gunsten der Gemeinde. Lermischte Nachrichten. (Bra uer Bers a m m l ung.) Die deutsch amerikanischen Bier» brauer hielten kürzlich eine Versammlung in Buffalo nnd beschlossen, sich aus dem ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten zu organisiren, um den fanatischen, gegen persönliche, religiöse und gewerbliche Freiheit gerich-teten Bestrebungen mit Erfolg entgegenwirken zu können. (Erfindung.) Als Wunder der Mechanik lvird in einem ame-rikanischen Fachblatt eine neneefundene Setzmaschine gepriesen, die ver« mittelst Elektrizität gehandhabt wird. Durch dieselbe wäre es einem Berichterstatter in Washington möglich, seinen Bericht nicht blos nach Reworleans zu telegraphiren, sondern iu der dortigen Druckerei seines Blattes durch de» Telegraphen zugleich zu setzen. Sine Erklärung der Maschieue findet sich im angegebenen Blatte nicht. lAus demPopatoff'schen Paradiese.) Sur Sharak-terisirung der in Litthauen herrsehenden Zustände mag folgender von ei-nem Augenzeitgen verbürgter Fall dienen. Eine deutsche Erzieherin ging in Wilna mit einem kleinen Knaben, dem Sohne eines hochgestellten russischen Beamten, auf einem öffentlichen Platze spazieren. Die Unter» Haltung zwischen beiden tvurde deutsch geführt Im Laufe derselben sprach der Knabe, sei es aus Scherz oder Gereiztheit, laut, so daß die Vorübergeheitdcn es hörten, ein polnisches Schimpfivort aus. Sogleich trat zur Erzieherin ein anständig gekleideter Mann ^^ein geheimer Polizei« agent) und forderte sie auf. in seiner Begleitung mit dem Knaben auf das Poiizeibureau zu gehen. Als sie dort angekommen, stellte sich heraus, daß weder die Erzieheriit noch der Knabe ein Wort russisch oder polnisch verstanden, sondern beide nur deutsch und französisch sprachen. Dessen« ungeachtet wurde die Er^iehertn nach einem langen, dnrch die Vermittlung eines Dolmetschers geführten Verhör wegen des polnischen Wortes, das ihr kleiner Zögling «u einem öffentlichen Orte gesprochen hatte, zu kleines Tischchen angebracht war. mehr um den Ueberblick der Gegend zu geben, als um zum Zechtisch zu dienen. Die Bauern sahen ihm grimmig nach und steckten flüsternd die Köpse zusammen; das Unlvetter stand aus-g«bildet im Luslkreise. aber noch grollte es von ferne und harrte des Augenblicks, sich entladen zu dürfen. „Mit Verlaub." sagte der Jäger zu dem dort allein sitzenden und städtisch g'kleideten Gaste. „Da gibl's tvohl noch ein Plätzchen sür mich! — Was seh' ich!" rief er dann, als der Fremde sich ihm zuwendete und leicht bei Seite rückte. „Der Herr Reinthaler I Sind Sie auch wieder da! Habe Sie ja fett vorigem Herbst nicht mehr gesehen ^ ivissen Sie. seit dem fidelen Al»end, wo wir damals im Scharten Käser zusammenge» troffen sind! Da sieht man's Berg und Thal kommen nicht zusam« men. aber die Lent'l" „Ich bin gestern angekommen." sagte der Maler, „und will den Sommer in der Schöitau zubringen! Die Gegend ist unerschöpflich an Schönheit aller Art!" „Das wohl." entgegnete achselzuckend der Zager, „die Gegend wär' schon recht — aber die Lent'. die Lent'. die sind einmal zu schlecht! Wenn ich die Gegend anschaue, kommt mir daS Fortgehn auch schtvee an. »Venn ich aber an die Leute darinnen denke, geh' ich lieber hent' als morgen!" „So ivollt Ihr sort?" „Allerdings. Ich habe heut beim Forstmeister in Berchtesgaden meine Abschieds Anfwartung gemacht, drum bin ich in solcher Gala. Ich bin hinaus versetzt worden in die Ebene, bin selber Forstwart geivorden... eS hätte auch nicht mehr gut gethan. mit mir und dem Bauernvolk!" „Ich glaube das." erwiderte der Maler. „Ihr habt es etivas gar scharf angepackt, und wie ich Euch >chon bei unserem letzten Zusammen-treffen gewarnt habe ... Allzu scharf macht schartig!" Der Jäger hob eben den frisch gesüllten Maßkrug und blies den Schaum davon hintveg. schielte aber dabei spöttisch nath dem Maler hin-über. „Ja so," sagte er. nachdem er getrunken, „das hätt' ich beinahe vergessen! Sie sind ja auch ein Wilddiebs-Advokat. Einer von denen, die's den Spitzbuben recht bequem machen »vollen und sie mit Pelzhandschuhen anfassen möchten! Sind Sie denn noch der alten Meinung? tiner Geldstrafe von lk Silberrubelu verurtheilt. Als fle hiekauf den Namen des Battrß des tleiuin Uebelthiiters, eines angesehenen russischen Be.'MttN. nannte, wurde das Strasdekrekt zwar zurückgenommen, ihr aber unler ernsten Verwarnungen di? Pflicht eingeschärft, darüber zu wachen, daß der ihrer Obhut anvertraute Knabe nicht wieder durch das Aussprechen eines polnischen Wortes ein öfftntlicheS Aergkrniß gebe. (Schulze-Delitzsch.) Zum ö0. Geburtstag diese» Manncs bringt die Verliner BolksZeitung an ihrer Spitze ein Gedicht, in welchem es heißt: El trus, der Arbeit Fahnen Voran in manchem Streit; Still ,bnct' er die Bahnen Der kunft'gen befferen Zeit. Kühn hat er stets vertreten Des Voltes heilig Recht. Und sich in allen Röthen Bewährt als treu und echt. (D eut sche Bol tspartei). In der Versammlung, welche die deutsche Voltspartei dieser Tag« zu Stuttgart abgehalten, ist außkr den bereis mitgetheilten Anträgen noch foljzender Ertlärung beigestimmt worden: 1. Die Boltsparlei ist eine Partei des Friedens, sie erkennt in jedem Kriege eine verdammungswürdige Schädigung aller greilikitS Intcr. effen und thut. was in ihrer Macht ist. gegen die jetzt drohende Kriegs' gtfahr. 2. Den Süddeutschen empfiehlt sie die Gründung eines sreiheit-lichen Südbundes, welcher durch eine gemeinsame Boltsvcrtrctung und Bundesgewalt zusammengehalten und auf ein dem schweizerischen ähnliches Milizwesen gestützt ist. S. Innerhalb des norddeutschen Bundes sördert sie jede Bestrebung, welche auf größere Selbftändigteit der einzelnen Landestheile. sowohl Provinzen als Einzelstaateu abzielt. Sie weist den von Preußen annettirten Ländern die Aufgabe zu. das Bewußtsein und die Anhünglichteit an die im demokratischen S«nn berechtiaten Eigettthüm-lichteiten ihres früheren Staats« uud GkMeindelebens im Volte zu halten und zu stärten. 4. In Deutsch-Oesterreich ist die innere FreiheitSarbeit sowohl Borbedingung wie sichere Gewähr der Wiedervereinigung mit Deutschland ; die Beschleunigung und allseitige Durchführung einir gründlichen Reformpolitit ist gleicherweise ein spezifisch österreichisches wie ein gesammtdeutsches Jntereffe; nur wenn Deutsch Oesterreich die Fühlung Mit der deutschen Ratoinal» uud Freiheitsbewegung behält und die Segnungen dieser Wechselwirtuug erhalten Hilst, wird seine innere Ke-formpoluit Erfolg und Bestand haben. S. In diesen Bestrebungen hat fich oie Voltspartei in ganz Deutschland »vechselseitig zu unterstützen. 6. Im Falle eines Krieges wird die Balkspartei. eingedenk der natio-naleu Wicht, auf der Seile stehen, wo kch die Bürgschaft findet für die Unversehrtheit des gesammten deutschen Bodens und für die Herstellung bleibender Unabhängigkeit vom Auslände. Auch im Kriege wird die Boltspartei nicht ablassen von der Arbeit sür die Freiheit und Einheit des Vaterlandes. (Schul e.) Die Gesetzentwürfe über Schulaufficht. welche dic Rc. gierung den Landtagen vorgelegt und die start von tlerital bureatratischem Geiste durchweht sind, haben den ständigen Ausschuß der allgemeinen österreichischen Lehrerversammlung bestimmt, seine Bedenken über diese Vorlage in ein?r Dentfehrift (vom Standpuntte der ErziehungSkunde be-urtheilt) sämmtlichen Landtagen zu unterbreiten. Ich Hab' wohl Unrecht gethan, daß ich den Kerl hineingebracht habe? Ich Hütte wohl fein still halten und mich von ihm abstechen laffen sollen „Ich versteh' Euch nicht. Ich bin, wie gesagt, gestern angekommen uud weiß nicht, was geschehen. Bon wem redet Ihr?" „Bon wem sonst, als von dem übermülhigen. fürwitzigen Buischen. mit dem ich schon voriges Jahr im Scharten Käser aneinander gerathen binl Sie waien ja dabei und haben mich zurückgehalten! Ich Habs da» Mals schon gewußt, daß er mir noch einmal eingeht — nnd es ist auch so eingetroffen schon am andern Tag Mich ivundert. lvenn ln drr ista^t nichts von der Geschichte erzählt worden ist — aber wenn Sie's nit wifftn, tann ich's Ihnen wohl sagen ..." Er erzählte und lilieS dabei mit sichtbarem Wohlbehagen die Tabak-tvolten aus seiuer Ulmerpfcife vor sich hin. „Sr hat freilich geleugnet bis auf den letzten Augenblick," schloß cr dann, „aber eS hat ihm nichts geholfen — die Ueberiveisung wd Aergbai-Vtsellschast. Die Marbnrger Kohlen-Berschleiß'Agentte empfiehlt zur geneigten Abnahme: Köflacher Stückkohle. . . pr. ZollZentner 35 kr. Lankoviher Ttückkohie . . pr. Zoll Zentner 40 kr. Studenitzer Tcbmiedekohle pr Zoll Zentner 42 kr ab Magazin Grazervorstadt. Die Zustellung inS HauS wird billigst besorgt. Marburg, im September 1868. (540 Atois üuandesi. Kundmachung i--- zum Beginne de« Schuljahres 1868/63 an der k. k. Lehrer-bildungsschule zu Marburg. Am 1. Oktober Privatprüfunu. Bormittag vo« 8 Uhr an für die Realschnle und 4. Hauptschultlasft. Nachmittag von 2 Ubr an für die 1. 2. 3. Hauptschultlaffe. Jeder Privatschüler hat sich Taa» vorher z« melde« und da« Zeng-niß der vorgehenden absolvitten «lassen, sowie da« Eertifitat über den vo» einem Priester ertheilten Sieligiontunterricht beiznbringen. Am 2. Oktober findet die Aufnahme der Schüler der Real- und Hauptschnle und Lehramtskandidaten Vormittag von 8 Iii« 11 Uhr statt Die Aeltern werden ersucht, die Schüler selbst vorzuführen und sich genau an die Aufnahm«stnnden zu halten. Da« Schulgeld beträgt in der Realschule halbjiihria 3 ff. Sst. «. in der Hanplschule halb Shrig 2 fl. b0 kr. öst. W. Die in die Real chnle neu eintretenden Schüler haben die Auf-»ahmttaxe mit 2 fl. 10 kr. Ssl. «. zu erlegcu. Am S. Oktober ist Morgeu« 8 Uhr da« hl. Geist-Amt in der Domkilche, bei welchem sSmmtliche Schüler zu erscheinen haben. ________Di» Direktion. 8. Vollimsna'ij pliotoKiavIniielisr 8al«n in ZNarkurg (Stichls Harten) ist von NN» an t »Uli od geöffnet und e« finden die Aufnahmen «uuuterbrocht« von v Uhr Früh bi« 5 Uhr Abend« statt. (ö48 llM« »«n«U« Solnktok»! vis <)riein»I»u»x»bv «Zo» in Sg. ^uA»Kv vriokivvvvov, ielioken Luok8. ^vckoimanv uütse Vvr pvrMlieliv «eliut-t °° (sssnsuvt 1 in Li» öanct vo» ZS2 Lsitva mit K0 »vat. ^dbilckunßson. In Ilwiodlsgs vvr8zvx«It. ?roi« 110 8^. « L. 2 86 »r., ist 6uro^ »Iis öuod» daväluvxsQ, in HVIei» von Vvr«I6 sr Stvk»v»pl»t«, dvriskvll. (SSL Visse kodo 2iLsr m»vkt ^v6a ^vprsiiaux übsrtlüssigs. ./«av» L»vmpl»r 6sr ()rixin»l»u»^»bv lus MUS« wit osi^oäruoktvm Stempel verslsssvlt worauf Z!U »oktou. Iikurentius muvsmit vov! ssiu. UW^RRRWRRRRRUMRßRRRRRR RRMUUK l^. Wllerezxm 8ß«een!w»mliIii»»IIiiiiz sbere Herreatßjse viZ-äv» de« As^el Mohr und die Ilk der Aerrei- «ad Pßßgajst, „z»« ßßlde»e> l» HßUkdmU empfiehlt zu herabgesetzten Preisen: Fein reinschmeckenden Gantos-Eaffee Pfnnd KL kr. „ « kr. „ Laguayra „ „ 60 kr. Feinsten „ Zava „ „ 6« kr. „ „ Seylo« „ „ 72 kr. Extrafein „ Euba « . „ 74 kr. „ „ Menado „ . „ 78 kr. Feinst damPfgebrannter Caffee ,.60 kr. Extrafein „ „ . . „ 72 kr. Kxtrafein Tafel-Reis Pfd. 16 kr. Feinstes Aizer Oel . Pfd. 60 kr. Fein Kioretton „ „ 14 kr. „ Leerer Speiseöl „ 44 kr. .. Osttgltaner „ „ IL kr „ dopp. raff. Rübsl „ 30 kr. Feinstes amerikanisches Petroleum Pfd. 20 kr. Niedertage von bestem Dampsmehs. Sxtrafein KönigSmehl Pfd. 14 kr. Extrafein Semmelmehl Pfd. 10 kr. Zeinst GrieSler-Auszug „ 13 kr. „ Dampfgries „ 16 kr. „ Bäcker« „ „ 12 kr. Fein „ „ 1k kr. Für reelle Bedienung wird garantirt. 544 Eisenbahn-Fahrordnung fllr Marburg. «ach Wien: «ach Trieft: Abfahrt: 6 Uhr 2S Min Früh. Abfahrt: 8 Uhr 14 Min. Krüh. 7 Uhr « Min «bends. S Uhr 48 Min. Abend,. Nach Villach: Abfahrt: 9 Uhr Krüh. Die gemischten Züge verkehren täglich in der Richtung nach Wien: Trieft: Abfahrt: 12 Uhr 84 Min. Mittag». Abfahrt: 1 Uhr 32 Min. Mittag«. Räch Blei bürg jeden Samstag. Abfahrt: 2 Uhr 20 Min. Mittags. Die Eilzüge verkehre« täglich zwischen Wien und Trieft. Nach Wien: Nach Trieft: Abfahrt: 2 Uhr 46 Min. Mittag». Abfahrt: 1 Uhr S2 Mi». Mittags. Beranwortlicher Aedaktenr: Kranz WieSthaler. L. N. et.». Druck nnd Verlag von Eduard Zanschitz in Marburg.