VrimiMtiwttm« - Preise Kür Laibach: Ganzjährig . . 8 fl. 40 kr Halbjährig . . 4 , JO , vierteljährig . 2 ., 10 „ Monatlich. . . — „ 70 „ Laibacher Mit der Post: Ganzjährig................IS fl. Halbjährig................ 6 „ Vierteljährig 3 „ Für Zustellung inS Hau» »iertelj. 85 kr., monatl. 9 kr. Einzelne Stemmern 6 kr. TJ [agblatt. Anonyme Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zuriickgesendet. KtfcictUn: Bahnhofgaffe Nr. 16. Lrprditi»««-» z«ser«1»»-Bure«»: Longreßplatz Nr. 2 (Buchhandlung von Jg. v. Slein-mayr 4 Fed. Bamberg.) J»f«rttm»»pretse: Kür die einspaltige Petitzeile & 4 tr., bei wiederholter Einschaltung L 3 kr. Anzeigen bis 5 ZeilepEK. : •• Bei größeren Jnseratt» ^>«tz Öfterer Einschaltung "i ehender Rabatt. KSt complinerten dere Vergütung. Nr. 38. Freitag, 16. Februar 1877. — Morgen: Konstantin. 10. Jahrgang. SBom Tage. Die Ministerkonferenzen in Angelegenheiten btt ©anlftofie werden unter Zuziehung der beiden ersten Capacitäten der Nationalbank, der Herren Pipitz und Lucam, in Wien fortgesctzt; man will erst versuchen, die Diffrrenzpunkle inbeireff der Dotation und der Kompetenz der Direktion unter Zuziehung von Bankvertretern zu lösen, und dann erst an die Entscheidung der ParitälSfrage gehen. Im Klub der Linken wurde die Frage angeregt, ob eS nicht angesichts der Lage der Dinge angemessen wäre, eine Parieikonferenz einzuberufen, welche über die Verhandlungen in der Banksrage die Anficht der Partei gegenüber der Regierung zum Ausdruck bringen sollte. Dr. Herbst wird sich diesfalls mit den Obmännern des Fortschrittsklubs und des Klubs des Centrums ins Einvernehmen setzen, um tin gemeinsame» Vorgehen zu ermöglichen. Die neueste Post meldet, daß vvnseite der Regierung an die Obmänner der verfassungstreuen Slobs eine Einladung erging, eine Gefammt.Klubkonferenz ein» jubernfm. Die Bankfrage gibt dem „Pester Lloyd" Anlaß, gegen den Führer der österreichischen Ver-fassungspartei eine Flut von Schmähungen los> zulasien. Der Artikel des genannten Blattes sagt: Entweder man respektiert die staatliche Selbstständigkeit Ungarns, dann muß man zugeben, daß Ungarn dem Gesetze logischer Nolhwendigkeit folgt, wenn es feine wirtschaftliche Paxilät aufrechtzuer- halten sucht, denn es handelt sich jetzt nicht um eine neue Errungenschaft, welche Ungarn anstrebt. Im Gesetze ist die ökonomische Parität Ungarns gewährleistet, und in der Praris wurde sie bisher nicht aufgegeben. Nur durch die provisorischen Beziehungen des Landes zur Nationalbank ist die Parität latent geblieben, aber sie liegt in der Natur der Sache, so daß, wenn von einer definitiven Regelung des Verhältnisses oder der Bankfrage überhaupt die Rede ist, jenes prinzipiell in Kraft bestehende Recht nach praktischer Geltung ringen muß. Der politische Dualismus hat den wirtschaftlichen zur notwendigen Folge, und doch ist Ungarn weit entfernt, auf die Zweitheilung um jeden Preis zu dringen, — oder man will die staatsrechtliche Selbständigkeit Ungarns nicht respektieren, dann bethätige man den Muth seiner Meinung, trete offen gegen den Dualismus überhaupt in die Schranken, proklamiere den wirtschaftlichen Centralismus als Beginn des Versuches zur politischen Eentralisation. Aber man wolle nun auf Schleichwegen confiscieren, was offen zu fordern man nicht die Coürage hat. ES bleibt uns noch übrig zu konstatieren, daß die österreichischen Minister nun auch da« Bedürfnis fühlen, mit der Verfaflung-partei über die Bankfrage in nähere Berührung zu treten; nach Meldung des „Pester Lloyd" soll der Kaiser den Wunsch ausgesprochen haben, sich auch von österreichischen ReichSrathSabgeordneten über die Stimmung inbetreff der Bankfrage informieren zu laffcn. In parlamentarischen Kreisen wird Klage geführt, daß die österreichische Regierung nicht schon im Verlaufe des vorigen Mai den Muth hatte, Zageständniffe an Ungarn zu verweigern, die sie mit den Interessen Oesterreichs für unvereinbar hielt. Das Rundschreiben des russische» Staatskanzlers gibt den Blätter» des Auslandes noch fort Stoff zu eingehenden Aualifen; die „Allgemeine Zeitung" schreibt: „Die Verhältniffe in der Türkei mögen so morsch, so hinfällig fein wie sie wollen, man mag von der Unwirksamkeit der Verfassung, womit die türkische Regierung ihre inneren Zustände zu verbessern trachtet, besonder» nach dem jüngsten Rückfall in die alte Willkür, überzeugt fein, das aber dürfte sich aus dem In-halt der Konferenz-Protokolle ergeben, daß der dort eingeschlagene Weg der am wenigsten geeignete war, eine wirksame Hilfe zu bringen, und daß die dort vorgeschlagenen Institutionen nicht dazu dienen konnten, den Frieden der Mächte unter sich zu sichern. Irren wir nicht, so theiten auch die Re« gierungen die Befriedigung, zum Schluß eine« Unternehmen« gelangt zu fein, welche«, um mit den Protokollen zu sprechen, ooü der „gravit6 de la Situation“ eingegeben, schon bei seinem Ursprung Bedenken erregte. Wenn für jede« Wort, da« ihre Bevollmächtigten in der Konferenz gesprochen, jede der sechs europäischen Mächte solidarisch haftbar oder gar mit den Waffen einzustehen verpflichtet sein sollte, so würde sich eine Summe von Solidarität ergeben, die schwerlich von irgend einer Macht anerkannt werden möchte. Aber den Beweis wird die Konferenz erbracht haben, daß es in der Natur solcher Versammlungen liegt, unwillkürlich weiter Ieuilleton. Fasteu-Katzenjammer! Noah I., von Gottes Gnaden geretteter Flucht-ling au« der großen Sünüflut, Besitzer de« Eigen-bau Territoriums am Gebirge Ararat, erfand nebst der ersten „Handpresse", nämlich der Weinpreffe, unter emierm auch den Katzenjammer! Diesem Urkater verdankte die Nachwelt zugleich ihre Scheidung in verschiedene Völkerrafsen; denn al« der alte Noah gar zu oft „de« süßen Weines voll" und darnach katzenjämmerlich geworden war, und zwei seiner Söhne, der schlimme Sem und der schwarz gemüthete Cham, über den unzurechnungsfähigen Herrn Papa unter Umständen fich moquierten, die dem da» »al« noch ungedruckten bürgerlichen Gesetzbuche ent-«chteden widersprachen, da jagte er die beiden vor-lauten Bursche zum Teufel, und zur Strafe wurde Sem der Stammvater der Juden, Cham zum Ahnherrn unserer schwärzesten Mitmenschen, und Japhet zur Belohnung für seine ebenso keusch al« finnig erdachte bewußte ..Bemäntelung" der «elter-»ater de« kaukasischen Menschenstammes, de« edelsten, den (0 überhaupt auf dieser Welt voll Raffen und Narren, Katzenjammer und anderen freundlichen Gewohnheiten de« Dasein« in Hülle und Fülle gibt. Hätte übrigen« Noah als befahrener Seemann in feinen Mußestunden die Natur des rettenden Härings besser studiert, und hätte er das Salz dazu auch gefunden — eine fo ungerechte Raffenscheidung würde nie haben platzgreifen dürfen. Sei dem, wie ihm wolle: der Katzenjammer war da, und e« entsteht nunmehr die brennende Frage: „Was ist Katzenjammer?" — Glaebrtnntr, eine Autorität in diesem, von ihm gründlichst durchforschten Fache, beantwortet diese heikle Frage ungefähr wie folgt: „Einer der wunderbarsten Zustände de« Menschen, ein Phänomen für Fisiologie, Psichologie und Patologie, für den Wein- und Natur-Forscheristen, ist der — Katzenjammer, auch Kater genannt. Keine Sprache ist reich genug, ihn zu beschreiben; man muß ihn empfunden haben, um ihn unbeschreiblich und unbegreiflich zu finden. Katzen-jammer ist ein Mittelding zwischen Gesundheit und Krankheit, zwischen Hunger und Uebersättigung; Katzenjammer ist nüchterne Trunkenheit und trunkene Nüchternheit; Katzenjammer ist die Reue des Magens, ist die Katzenmusik, die der Kopf dem Magen bringt; Katzenjammer ist ein moralische» Ragout von Ueber« sättigung, Durstüberfluß, Idiosynkrasie und noch nicht zum Durchbruch gelangten Besserungsvorsätzen; Katzenjammer ist der „Thu'Snichtwiedermann", der immer wieder sündigt; Katzenjammer ist der Aschermittwoch de« Karneval«, und gegen ihn gibt e« kein Mittel, al« den oft mißglückenden Versuch, sich durch einen zweiten Kater au« den Umarmungen de« ersten Siammkater« herauszuwinden." So Glasbrenner. Aber der alle Satyr hat dabei auf die unheilige Dreifaltigkeit, die dem Katzenjammer unbestritten anklebt, total'vergeffen. Es gibt nämlich außer dem gewöhnlichen von Spirituosen, also von einer Art heiligen Geist erzeugten, durch und durch materiellen Katzenjammer, welchen man mit Barsch, Häring oder Russen" zu beseitigen versucht, auch noch einen schwer zu heilenden moralischen, und endlich einen in den meisten Fällen unheilbaren politischen Katzenjammer. Ueber die erste Gattung habe ich bereit« gesprochen. Folgt der moralische Kater. In erster Reihe ist der gewöhnlich die eiserne Konsequenz eine« zu rasch in fich hineingeschlürften LiebeSrausche«, und da« Erwachen au« dem letzteren daher meisten« viel schmerzlicher und oft auch viel folgenreicher, al« beim ordinären Spirituosen-Kater. Ei» Künstler, eine ortgerifsen zu werden, als eS in der Absicht der Vollmachtgeber liegen kann." Die Verbannung Mtthad Paschas steht auch noch fort auf der Tagesordnung publizistischer Thätigkeit. Englische Journale melden, Mithad Paschas Beseitigung sei eine Frucht russischer Um» triebe, überdies sei er ein Opfer der Palastinlriguen, denn er war e», der gegen die Verschwendung des Divan- da- Wort ergriff und auf diesem Felde den ersten Widerstand erfahre« mußte. Ueber die Action de- neuen GroßvezierS Ed hem Pascha schweigt bi- heute noch die Geschichte, nur so viel verlautet, daß er gegenüber Serbien sich sehr nachgiebig zeige und auf einzelne Bedingungen verzchtet, die sei« Vorgänger niemal- ausgegeben hätte. Die Türkei wünscht, es möge Montenegro zu den bevorstehenden FriedenSverhandlungen einen Delegierten nach Konstantinopel absenden, Montenegro will jedoch diese Verhandlungen in Wien ge« pflogen wissen. Es verlautet, die Hohe Pforte habe rin neues Rundschreiben an ihre Vertreter im Auslande gerichtet de» Inhaltes, daß die Beseitigung Mithad Pascha« einen Sistemwechsel nicht bedeute. In Rumänien haben die Friedenshoffnungen an Kraft eingebüßt, die Agitation der Insurgenten in Bosnien und in der Herzegowina fließt Oel in« Feuer. Serbien zeigt fich zum Friedensabschluflr geneigt. Die „Allg. Ztg." motiviert diese Ansicht mit nachstehenden Thaisachen; Sämmtliche Arsenal-Arbeiter wurden entlassen, es erging der Befehl, daß sämmtliche Ambulanzen und Spitäler aus den Schulgebäuden baldigst entfernt werden sollen, um letztere wieder zum Schulgebrauche einzurichten; ferner werden sämmtliche Zivilbeamte, welche während des Kriege« für den Militärdienst verwendet wurden, jetzt wieder in ihre regelmäßigen Stellungen zurückversetzt. Da diese Beamten auch die Hauptstellen im Jntendanturwesen versehen haben, so kann man kaum annehmen, daß sie dieser Stellungen enthoben würden, wenn irgendwelche Ausfichten auf Fortsetzung de» Krieges vorhanden wären. Ebenso entließ man sämmtliche Volontäre au« dem Militärdienste. Reichsrath. 236.Sitzung de« Abgeordnetenhause«. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Lesung der Regierungsvorlage, betreffend die Bewilligung eine« Kredit« von 700,000 fl. zum Zwecke der Betheiligung Oesterreich« an der Pariser Weltausstellung. Abg. v. Perger beantragt namens der Aus-schußmajorität dir Ablehnung des Kredite«, Abg. Gomperz stellt namens der Au«schuß-Minorität den Antrag auf Bewilligung eines Kredites von 600,000 fl. Das Wort ergreifen die Abgg. Dumba, Fux, Jsbary, Skene, Handelsminister von Chlumecky, die Berichterstatter Gomperz und Dr. v. Per ger; nach Schluß der Spezial-Debatte wird der Antrag der Minorität angenommen. Politische Rundschau. Laibach, 16. Februar. Inland. Am 14. t>. fand beim Minister-Präsidenten Fürsten Auersperg eine Konferenz über die Bankfrage statt. An derselben nahmen theil die Minister Auersperg, Pretis, Tisza, Szell, Wenckheim und Trefort, sowie als Vertreter der Nationalbank die Herren Pipitz, Wodianer, Schar-mitzer und Lucam. Die Diskussion hatte nach Bericht der „Presse" einen völlig zwanglosen Charakter. Nach dem, was über den Inhalt der Debatte verlautet, scheint es, daß man das ganze Bankstatut im Hinblick auf die drei bekannten Meinungsdiffe-renzen betreffs der fixen Dotation der Pester Direktion, der Kompetenz der Direktionen und der Zusammensetzung des Generalraths, welche Differenzen natürlich ihre weitverzweigte Wirkung an verschiedenen Stellen de« Statut« üben, einer neuerlichen Durchberathung unterzieht. I« dem jüngst veröffentlichten Statute, welche« bekanntlich von der österreichischen Regierung und der Nationalbank vertreten wird, ist die Ernennung der Beamten dem Generalrathe Vorbehalten, wogegen, wie es scheint, von ungarischer Seite Einspruch erhoben wird. Die Anschauungen sollen fich nach Mittheilung der „Deutschen Ztg." so weit geklärt haben, daß man an die Möglichkeit einer Einigung glaubt. E« ist bereits ficher, daß die Ungarn in Bezug auf die Kompetenz und Dotation der österreichischen Vorlage zusttmmen, dagegen bildet der dritte Differenzpunkl, die Parität, noch immer den Stein de« Anstoßes. Das Kabinett Auersperg ist wol gewillt, in der Form Zugeständnisse zu machen, beharrt jedoch in der Sache auf seinem frühem Standpunkte. Man will fich zu Modifikationen herbeilassen, nimmermehr aber die diesbezügliche Forderung der Ungarn voll und ganz acceptieren. Die cisleithanischeu Minister haben wiederholt daraus hingewiesen, daß fit die Genehmigung drr von drn Ungarn verlangten Zugeständnisse vor dem Parlamente nicht verantworten könnten, und betont, daß fie nur dann an die äußerste Grenze gehen würden, wenn fie vorher der Zustimmung de« Parlament« gewiß wären. In der Konferenz de« Klub« der Verfassung«-Partei soll die Regierung, welche in corpore eingeladen wird, zu Mittheilungen Über den neuesten Stand der Bank frage, die bi« dahin gelöst sein dürfte, vermocht werden; die Partei dürfte auf Künstlerin, dir von falschen Freunden ruhmestrunken gemacht worden und nun bei ihrem ersten Auftreten einem totalen Fiasko erliegen, find des moralischen Kater« bejammernswertheste Beute. Der moralische Kater verschmäht übrigen- auch etwa- weniger zart besaitete Gemüther nicht. Er beißt sich in den Seelen« wagen de- noch nicht ganz verdorbenen Schwindler» ebenso bereitwillig hinein, wie er den angehenden Lügner, den präsumtiven Dieb nach seiner ersten Näscherei verfolgt. Die Frau, die ihr erste« unerlaubte- Rendezvous Überstunden und die beim Nach» Hausekommen von zweideutig süßer Tändelei ihr liebender Gatte mit tausend Zärtlichkeiten überrascht; der Denunciant, der seinen besten Freund verrathen hat; der Spieler, der seine Ehre auf die letzte Karte gesetzt — empfinden diese alle und noch viele, viele andere nicht einen Katzenjammer, der, obgleich er sehr nobel ein „moralischer" genannt wird, doch gewöhnlich weit unmoralischer, empfindlicher und auch andauernder ist, al- der so viel geschmähte „ordinäre" Katzenjammer? Beim Manne ist drr gemeine Katzenjammer vorherrschender Begleiter; da- schöne Geschlecht wird etwa« weniger davon betroffen; dagegen schmeichelt fich der moralische Katrr drsto häufiger bei Damen rin, und bann heißt er die „Kathtrine", wa« den Spitznamen „die schlimme Käthe", „die bösen Ka» thertn" re. eine gewisse Berechtigung verleiht. Der schlimmste aller Kater ist aber der politische Katzenjammer; denn er trifft nicht einzelne Personen, sondern ganze Völker. Un« verdarb er im Svmmer-Earneval 1866 gründlich den Magen, und drr mehr paprizierte al« gesalzene 1867er Au«gleich«.Häring machte da« Utbel nur acuter; denn der Kater will nicht Nachlasse», der Häring auch nicht, und seit der Zeit feiert tu felix Austria nube! einen ununterbrochenen Aschermittwoch I ES ist übrigen» auch nicht ander- möglich. Die Herren Diplomaten suche« den politischen jftater mit Noten zu bekämpfen; auf Noten folgen von der gegnerischen Seite wieder Noten; nach Noten aber tanzt man, und — so geht bei un« der „alte Tanz" immer wieder von vorne loS. Auf den ekelhaften politischen Cancan folgt unausbleiblich der politische Katzenjammer! — Wann denn aber wird un« ein reinigender Aschermittwoch au« allen erbärmlichen Fastnachtsspiele« herauSernÜchtern; wo ist der „Dr. Eisenbart", der un» endlich und endlich vom politischen Katzenjammer befreit? — Jerrmia«. (Agr.Pr.) Grund und nach Maßgabe der Mutheilungen, welche ihr die Regierung eventuell machen wird, entweder die frühere Kundgebung erneuern ober eine neue Resolution fassen. Es wird großes Gewicht daraus gelegt, daß auch die eventuelle neue Resolution ein« müthig zustande komme. Der „Pol. Korr." wird au- Petersburg ge» chrieben: „Die scharfe Polemik zwischen der beut« chen und französischen Presse hatte wenig« len« das eine Gute im Gefolge, eine Klärung der deutsch-russischen Beziehungen herbeigeführt zu haben. Und wenn man hier ursprünglich an leitender Stelle nicht wenig darüber verstimmt war, daß in Deutschland Verdächtigungen der Festigkeit dieser Beziehungen einen so leichten Boden finden konnten, so ist in den letzten Tagen so manches vorgefallen, um die Bande, welche die Politik des deutschen und de» russischen Kabinetts verbinden, neuerdings zu kitten. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß sich die deutsche Politik jeier des russischen Kabinett» eng anschließt, und unter solchen Verhältnissen steht e» za erwarten, daß bald ei« Ausweg gefunden werden dürfte, die (von der Türkei) gewünschten Garantie« in einer Weise zu erlangen, die, den Interesse« Rußland- und Oesterreich-Ungarn- entsprechend, weder die der einen noch jene der ändern Monarchie irgendwie tangieren würde." AvSland. In preußische« Abgeordnetenreisen verlautet gerüchtweise, Minister Graf Eulen burg hätte seine Demission wegen Meinungsverschiedenheit mit Camphausen erbeten. — ES st begründete Aussicht vorhanden, daß die Verhandlungen wegen Erneuerung de» deutsch-öfter« r ei ch i s ch e n Handelsvertrages in Berlin stattfinde« werden. ES steht in Petersburg fest, daß die Kriegserklärung Rußland» an die Türkei nächsten» erfolge« werde, von ferneren Verhandlungen will man an der Newa nicht» wissen. Der Thronfolger Alexander sagte zu dem Repräsentanten einer Rußland befreundeten Macht: „Für un« hat die Stunde z« handeln geschlagen. Die Würfel werden bald ge« fallen sein." Eine neue russische Mobilisierung ist bevorstehend, um den Effektivstanb der Armee aus 500,000 Mann z« bringe«. Die Kriegspartei hat in Petersburg da» Uebergewicht. Der Zar hält die in Moskau gesprochenen Worte aufrecht. Durch fürstliches Dekret wird die große Skupschtina für den 26. Februar nach Belgrad einberufen, und werden die Wahlen für den 20. Februar ungeordnet. Zur Tagesgeschichte. — Ei« neuer Sprudel. Dem „Pr. Abendbl.* wird berichtet: „Anläßlich von Bohrungen. welche die k. k. provisorische Bergdirection in B r ü x al« Leiterin der Werke der in die Staatsregie übernommenen frühem Dux-Brüx-»omoteuer Braunkohlenbergbau-Actiengesellschaft an mehreren Punkten ihres KohlenreviereS vornehmen läßt, stieß man am 7. d. M. bei der Niederbringung eines Bohrloches auf einem der Stadt Brüx gehörigen Brundstücke in der Gemeinde Tschansch bei einer Tiefe von 12736 Metern bei der »nbohrung von Qnadersandstein aus eine warme Quelle. Das Waffer ist von schwesel-eisenhaltigem »eschmack mnd trat — gleich dem Karlsbader Sprudel schäumend — mit einer nngehenern «ewalt zutage. Die äußere Temperatur beträgt 17» R., wonach die innere Temperatur fit aus 22 bis 24« belaufen dürfte. Nach einer Messung des »usgewor-fenen WasserquantnmS durch Markscheider Woschahlik bezifferte fich dieses bei 3 40 Metern durchbohrter Sandschichte am 7. Februar aus 0 766 Kubikmeter (beiläufig 24 ttnbit-fuß) in einer Minute, bei 8 31 Metern durchbohrtem Sandsteine schon aus 126 Kubikmeter (38 Kubikfuß) in einer Minute, und d»S Waffer kommt in 80 Doppelstößen in der Minute zutage. Das «nde der wafferführenden Schichte ist nach der Ansicht von Sachverständigen jedenfalls am {üblichen Abhänge des Erzgebirges z» suchen, denn die Druck-höhe des Waffers ergab fich durch nicht hermetisch verschloffene Röhren bereits mit vier Metern über dem Rasen, end man dürste es — dem Anscheine nach — mit einem wahre» artesischen Brunnen, de« ersten in dem hiesige« »ecken, z» thu» haben. vonfeite bet hiesigen Stadtgemeinte als «rund-eigeathümerin werden «ersuche zur Prüfung de« untern Wassers hinsichtlich der innern Temperatur, Druckhöhe und Quantität angestellt und in einer in dieser Angelegenheit am 10. Februar stattfindenden Sitzung des Stadtverord-neten-Kollegium« die eventuellen Maßnahmen berathen." — Witterung. Die neuesten a» meteorologischen Observatorium in Wien eingüangten Witterungsdepesche» geben eine wenig tröstliche Aussicht für die nächste Zukunst, da einerseits die außerordentlich großen Niedeischläge bei hoher Temperatur in den Alpen noch unvermindert an-dauern und in allen aus diesem Gebiete kommenden Ge« wässern ein weiteres Steigen und größere Ueberstutungen befürchten lassen (Bregenz und Ischl melden bei andauernd warmem Wetter je 75 Millimeter Regen), während andererseits vom Osten her ein rapides Sinken der Temperatur und schon heute allgemein sehr tiefe Temperaturen gemeldet werden, so Krakau — 8-6, Lemberg — 110, Tarnopol —13, Sulina — 12 Brad, aus den russische« Stationen bis zu — 25 «rad Celsius, und ist nach der Bertheilung des Lustdruckes über den Kontinent ehestens ein HereinbrcLen dieses sehr kalten Wetters über Mittel-Europa zu erwarten. — AuS dem Vatikan. Der Papst ist, wie die »TimeS" erfahren, mit dem Projekt erfüllt, das vatikanische Eoncil fortzusetzen. Er hat einer Kongregation vonK»r-dinälen folgende Fragen vorgelegt: 1. Ist es bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge opportun, die Berathungen des vatikanischen Concils wieder aufzunehmen ? 2. Welche Fragen müßten und sollten zuerst in Berathung gezogen werden? 3. Sollten moderne Doktrinen den Gegenstand einer Reihe von vorläufigen Studie» bilden? Die erste Frage hat die Kongregation dahin beantwortet, daß, da die Ursachen, welche das Eoncil unterbrochen, nicht ausgehört haben, die Wiederaufnahme seiner Arbeiten nicht opportun sein würde. Die dritte Frage beantwortete die Kongregation bejahend. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiteu. Wriginal-Korresponden;. R«d«lsswerth, 14.Februar. (Eint Kußgeschichte. — Die neue Schule.) Ein junger Mann begrüßte vor «iuifltn Tagen auf offener Straße eine Dame und begleitete diesen Sruß mit einem Handkuß. Sin Gesalbter de« Herrn, rin vollblütiger Nachfolger des heil. Augustin, gerieth über diesen Akt der Galanterie in nervösen Zustand, nahm Anlaß, diesen Akt im «asthause im «reise seiner getreuen klerikalen Gesinnungsgenossen lächerlich zu machen und sich beleidigende Ausfälle zu erlauben. In unserem Städtchen führt noch immer die klerikale Clique daS Regiment, die Apostel und Jünger de« göttlichen Friedensstifters stiften in allen GeseüschastSkreisen Unfrieden, säen Unkraut unter de» Weizen. Anstelle der Brüderlichkeit. Milde und Freundschaft tragen die «lerikalen Zwietracht, Zorn und H»ß an der Stirue. Der «wähnte Handkuß qualifizierte fich zu einem ca wie celebre, die Klerisei fand in demselben den Kulminationspunkt de« »«schicklichen, Unästhetischen. Die tonsurierten Herren scheinen die Werke eine« PliniuS und den AuSfpruch Lato'S des LeusorS vergessen zu haben. Diese Herren erkennen die Legalität eines Kusse» auf offener Straße nur i» jenen Fällen, wenn der Ruß aus de» Pantoffel de« Märtyrers in «om oder auf die Hand des Priesters gedrückt wird. Die »nfehlbaren Könige des Reiches GotteS ließe* ei i« der alten Zeit geschehen, daß Kaiser u»d Könige die vchnh-schnallen und Steigbügel der Päpste küßte». — Ich kann meine heutige kurze Korrespondenz nicht schließen, ohne der Umtriebe zu erwähnen, welche in national-klerikalen »reifen u»ch immer gegen die neue Scheie angestrengt werden; es wäre endlich an der Zeit, an maßgebender Stelle dahin zu wirken, daß gegen das Institut der neuen Schule gerichtete Predigten nicht von der Kirchenkanzel aus gehalten werden. — (Perjonalnachrichten.) Der Propst deS Kvllegiatl,pitels in Rudolsswerth, Herr Simon Wils an, Wurde als Ritter des Ordens der eisernen Krone in den Österreichischen Ritterstand erhoben. — Herr Anton S a -”ut|a, Sinanzconcipist in Laibach, wurde zum Finanz-kvmwissär ernannt. - (Der Preßprozeß), welcher gestern hier vor den «eschwornen verhandelt werden sollte, wurde mittelst «ungleich erledigt. Der Angeklagte Redakteur des „Sloo. 1teiob‘ trug dem »läget, dem BezirkSwundarzte Sa»ton in Stein, bereits vor geraumer Zeit unter gewisser Bedingung den Ausgleich an, Kläger und Geklagter gingen erst in elfter Stunde in die Punktierung der Bergleichsbedin-gungen näher ein. Beide Theile verglichen sich dahin, daß »Slov. Nat." in seiner nächsten Nummer eine die Ehre Saurau's wiederherstellende Erklärung bringen werde und jeder der beiden Theile die ihn treffenden ausgelaufenen Klags- und Gerichtskosten zu bezahlen habe. — (@ t er 6 e f al l.) Am 23. v. M. starb zuJoachims* thal in Böhmen der deutsch-böhmische Dichter H a n s g i r g, zuletzt BezirkShauptrnann. Er wurde am 5. August 1823 zu Pilsen in Böhme« geboten. Zuerst ließ er die Kinder seiner Muse einzeln in Taschenbüchern erscheinen, erst im Jahre 1844 gab er eine Sammlung seiner Gedichte heraus. Herr I. 8 Sh. Schrniedl in Laibach, der mit HanSgirg mehrere Jahre an der Prager Universität zubrachte, ist so freundlich, uns in Ergänzung der über HanSgirg in den verschiedenen öffentlichen Blättern veröffentlichten Berichte mitzutheilen, daß Victor Ritter ». HanSgirg sich mit besonderer Vorliebe dem politischen Dienste widmete. In den erwähnten Berichten wird die Bekanntschaft Hansgirgs mit Egon Ebert nur als eine flüchtige bezeichnet; dem entgegen meldet uns Herr Schmiedl, daß er Hansgirg bei Egon Ebert sehr oft traf und Hansgirg im Haufe Schmiedls mit Egon Ebert zu toiederholtenmalen in nähere Berührung kam. Seit den Bierzigerjahren begegneten fich Hansgirg und Schmiedl nicht wieder. Hansgirg neigte fich der epischen Richtung und Novellistik zu. Hansgirg stand auch mit Professor Hanusch in Prag aus gutem Fuße; in des letzteren HauS sind die Fäden zu suchen, die Hansgirg später mit feiner liebenswürdigen Gattin Therese verknüpften. Frau Therese HanSgirg emancipierte sich zur Schriftstellerin, schrieb unter dem Pseudonamen „Theodor Reinwald" Erzählungen und Novellen. Möge diese kleine Notiz in den Kranz, welchen die literarische Welt dem Andenken HauS-girgs widmete, mit eingeflochten werden. Hansgirg und Egon Ebert verdienen als österreichische Schriftsteller volle Anerkennung, »nch Anastasius Grün hielt den Dichtet Hansgirg hoch in Ehren. — (Aus denNachbarprovinzen.) DerBiolin-Birtuose Pablo de Sarasate und der Pianist Anton D o o r konzertieren diesertage in Gra,; elfterer wird als der bedeutendste jetzige Violinspieler gerühmt und letzterer nimmt unter den Klavierspielern einen sehr geachteten Rang ein. — Die Murreguli et ung hat im Rahon der Stadt «raz bereits begonnen. — Für das Anastasius «rün.Denkmal find in «raz bisher 1251 fl. einge-gangen. — In Kroazien und Dalmazien werden demnächst 168 Orttgerichte ins Leben treten. — Der Intendant des kroatischen Nationaltheaters in Agram empfing eine von 200 Damen unterfertigte AnerkennungSadrefse. — Triest beschloß den heurigen Fasching am Aschermittwoch in glänzender Weise. An der Luftfahrt nach St. Andrä und Setvola nahmen 250 Equipagen und 30 Reitet theil. — In den LandeswolthätigkeitS-Anstalten in Kärnten standen im Jänner 1. I. 754 Individuen in Verpflegung, und zwar in der Krankenanstalt 558, Irrenanstalt 102, Gebär« anstatt 49, Siechenanstalt 43 und Armenanstalt 2. — Die allbekannte Wiener Lokalsängetin Frl. S a l l m e t) e r beendete auf der Klagenfurter Bühne ein glänzendes Gastspiel. — DasBettelenwefen greift heuet auch im Kärntner Lande, namentlich in Klagenfutt, Villach und Gurkseid am fich. — Zu L i e s ch a ch in Kärnten hat die DiphtheritiS epidemischen Charakter angenommen. — Das Landesgesetz, betreffend die Uebetnahme der städtischen Realschule in Essegg aus Landerkosten erhielt die a. H. Sanktion; auch die provisorischen Borschristen übet die Prüfung von Lehramtskandidaten für «imnasien in Kroazien und Slavonien erhielten die a. H. Genehmigung. — (Weinagenten?) ffiine aus Fachmännern bestandene Kommission tagte im Iahte 1874 in Wien zu dem Zwecke, um die Einführung beeideter Weinagenten zu begutachten. Nach dem Wunsche dieser Kommission wurden Erhebungen eingeleitet. Diese haben jedoch, wie die „Grazer Zeitung" berichtet, ergeben, daß eint solche Maßregel nicht nothwendig ist, weil durch Ausdehnung des auf dem Gesetze vom 4. April 1875 beruhenden Institutes der be-eibeten HandelSmäklet aus den Weinhandel auch in diesem Verkehrszweige durch Bestellung öffentlicher Sensale sowol im Interesse der Weinproduzenten als der Wein« Verkäufer ein geregelter und solider Geschäftsgang angebahnt und gefördert werden kann. Die Aktivierung einer solche« Maßregel liegt aber nach Artikel 64 deS bezogenen Gesetzeausschließlich im Wirkungskreise der Handels- und Gewerbe« kammern, beziehungsweise der Börsenleitungen. — (Landschaftliches Theater.) Die Idee, Friedrich v. Schillers romantische Tragödie „Die Jungfrau von Orleans" uns in genießbaren Formen vvrzuführen, verunglückte. Die Benefiziantin Frl. P i s ch e k wählte biefe« nur auf Bühnen ersten RangeS gehörige großartige Heide»« und Ausstattungswerk, um ihre Befähigung zur Ausführung weiblicher Heldentollen in glänzender, hervorragender Weise nachweifen zu können. In dieser Beziehung erreichte Fräulein Pischek ihren Zweck, die Ausführung der Titelrolle war, insoweit daS Stimmorga» der fleißigen, jederzeit mit Eleganz und echter Frauenwürde auftretenden Schauspielerin es zuläßt, eine lobenSwerthe, der Bortrag der Monologe: „Lebt wo!, ihr Berge“ (Vorspiel, 4. Szene) und »die Waffen ruhen" (4. Akt, 1. Szene) ein begeisterter. Die Benefizianti» wur»e am Schlüsse des Vorspieles und nach jedem Aktschlüsse mit Hetvortufeu ausgezeichnet. Der beifällige Gruß beim ersten Auftritte und die wiederholten Beifallsbezeugungen während der ganzen Borstellung werden der Benefizianti« Ersatz für die karge Kasse-Einnahme bieten müssen. Wolle« wir in die Darstellung etwas näher eingehen. Wir sähe« die für ihr Frankreich, für ihren legitimen König kämpfende begeisterte Jungfrau; mir sahen den mit Pomp und Prunk auSgeführten Krönungszug Karl deS Siebenten von Frankreich ; wir sahen reiche Kostüme, können jedoch im Namen unsere» kunstfinnigen Publikums, im Namen bet studierenden Jugend zur Aufführung von unznfammenhängeuden, amputierten, verstümmelten und daS Andenken an de» große« deutschen Dichter schwer verletzenden Szenen an« einem dramatischen Meisterwerke niemals unsere Zustimmung geben. Wir sahen gestern nicht Schiller» Tragödie „Die Jungfrau von Orleans," wir sahen nur Fragmente. DaS Vorspiel (der Prolog) litt am wenigsten durch Amputation, die Rolle« deS „Thibaut" (Herr Paul) und der „Johanna" (Fräulein Pischek) wurden nahezu komplet gegeben, auch die Helmrede des „Bertrand" (Herr L a 81 a) hörten wir nahezu ungekürzt. Im ersten Akte (und auch in den einschlagende« Szenen der nachfolgenden Akte) trat Herr Direktor Fritzfch* als „Dnnois" recht effektvoll und feurig in den vorder» gtnud, er wurde für die hervorragende Leistung zu wieder-holtenmalen mit Beifall und Hervorruf ausgezeichnet; gelungen war die fünfte Szene des ersten Akte«. In die Aualhfe der weiteren Akte und Szenen können wir aber nicht eingehen, eS wurde nichts Ganzer, sonder» Zerrissene«, e« wurden nur Fragmente gebracht. ES vollzog sich ein schwere« verbrechen an den Werken de« großen Dichters. DaS Publikum konnte von den übrigen mitwirkenden Bühnenkrästen eine gediegene, begeisterte Leistung gar nicht erwarten, denn in zusammen-gestoppelten Szenen kann weder das Wort noch die Mimik znr durchschlagenden, entsprechenden Geltung gelangen. Die hübsche Rolle de« „Königs Karl de« Siebenten" erschien in sehr blassem Rahmen, Herr Rieger motzte die schönsten Stellen fallen lassen; der Mißmuth über die amputierte Rolle gab fich allzudeutlich kund. Auch die sentimentale, großherzige „Agne« Sorel" konnte ihren Gefühlen nicht de« entsprechenden Ausdruck geben, die fimpatisch klingenden Stellen fielen dem Blaustift zum Opfer. Frl. AtenS« dorf hätte ihren Part sicher zu einem der schönste» erhoben. — Unsere geschätzte Theaterdirection wird in der Folge die Aufführung solch' großartiger Bühnenwerke zu verhindern wissen. Die Bühne muß fich nach der Decke strecken, darf die Werke eines Großmeisters nie anders ak« im Originaltexte vorführen. Die Bühne darf bei Vorführung von Meisterwerken nie Anlaß zn störenden Momenten gebe«. Wir wollen von gestern nur noch eine Szene hervorheben. In der zehnten Szene des vierten Akte« tritt der gekrönte König au« der Kirche und sagt: „Mein gute« Volk l" Wir vermißten jedoch das mit der königlichen Ansprache beglückte Volk, die Bühne war — leer, ein allgemeiner Ausdruck der Heiterkeit folgte dem königlichen Gruße. Wir schließen das heutige Referat in der Erwartung, im weiteren Verlause der Saison zu einem ähnlichen nicht mehr Anlaß zu haben.________________ Aus dem Schwurgerichtssaale. Laibach, 13. Februar. Am Abend de« 21. September 1876 wurde die vo» Josessthal heimkehrende Familie und Gesellschaft des Oberste« M. ans der Straße «Sch» Mariafeld vo« de« beide« vur- schkN Johann B. »nd Johan» Leber angegriffen und mit Steinen beworfen. Bei der diesfalls vor dem stLdt.-del. Bezirks-gerichte Laibach abgesührte« Strafverhandlnng wurden beide Bnrfchen )i je dreiwöchentlichem Arreste verurtheilt. — Der nämliche Johann Keber wurde mit Urtheike des k. 1. Landes-geeichtes Laibach vom 28. Dezember 1876 wegen Verbrechens der fchweren körperlichen Beschädigung mit drei Monaten Kerker abgestraft, weil er am 27. August 1876 abends gegen acht Uhr dem Johann S. einen Stein derart an den Kops fchlenderte, daß dieser infolge dessen eine an und für sich schwere körperliche Beschädigung erlitt. Heute steht Johann fieber vor den Äefchroernen und hat sich »egen Verbrechens des Todtschlages und wegen Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung zu verantworten. Der Sachverhalt ist folgender: 8m 30. Dezember 1876, also zwei Tage nach der letzten Aburteilung des Johann Äeber wegen Verbrechens der schweren körperlichen Beschä» digmng, tranken Johann Hebet, Johann Borstner, Karl Kokevar und Joses Semrajc nebst anderen Burschen im Hause des Josef Dimnik zu Stndenz Branntwein; sie »er* ließen da« wirthshaus um Mitternacht. Alsbald entspann sich ein Wortstreit zwischen Karl Roievor und Joses Semrajc, welcher damit endete, daß Äoievor den Semrajc zu Boden warf. — Während Borstner den Koievar zu beschwichtigen suchte, bewaffnete sich Johann Heber mit einem Holzscheit »nd versetzte damit dem Karl fioCeoar einen so heftigen Schlag aus den Kopf, daß derselbe zu Boden fiel. Der eben von Laibach kommende Jakob Ä. hob den schwer Verletztin vom Boden auf und brachte ihn nach Hause, woselbst Koievar schon am folgenden Tage, 31. Dezember 1876, infolge des erlittenen Schlages am Blutschlage verschied. Nach obigem Borsalle besuchte Johann Keber in äSe» sellschaft des Johann BorStner und Jakob ftocjanfic, denen sich noch andere Burschen zugesellten, noch mehrere Kneipen, „nd als man sich schließlich auf den Weg nach Hause machte, entspann sich zwischen Keber und Kocjaniii ein Wettstreit. Da jedoch die Mehrzahl der Burschen für floejanät Partei ergriff, machte sich Keber eilends davon, nachdem er noch einen Stein auf seine Gegner geschleudert. Borstner lief Htm Keber na», ohne ihn jedoch ,n ereilen, denn Keber verschwand plötzlich hinter einem Wirtschaftsgebäude. Borstner begab sich nun ganz harmlos zum elterlichen Hause des Keber und knüpfte dort mit dem Vater des Keber, der auf der Schwelle stand, ein Gespräch an. Plötzlich sprang Johann Keber mit eiltet Erdhaue bewaffnet herbei und versetzte dem Borstner mit derselben einen Schlag übet den Mund, so daß dieser alsbald zu Boden stürzte. Nachdem Keber dem schon am Boden liegenden Borstner mit der Etdhane einen Schlag übet dar Kinn versetzt, verschwand er. Johann Borstner erlitt nach dem Ausspruche der Sachverständigen infolge dieser MiShandlung zwei on und für sich schwere, in ihrem Zusammenhange lebensgefährliche Verletzungen. Die Beschwornen bejahten einstimmig die auf obige Verbrechen lautenden Hauptsragen und verneinten ebenso die auf volle Berauschung oder andere Sinnenvetwirrung artikulierten Zusatzfragen, woraus Johann Keber vom Schwurgetichtshofe, unter dem Vorsitze des k. k. L<8R. Dr. Leitmeier, wegen Verbrechens des Todtschlages und schwerer körperlicher Beschädigung zu sieben Jahren schweren und verschärften Kerker« verurtheilt wurde. Anpflanzung der ObstNume. (Schluß.) So vortheilhast es im Herbste ist, unter den früher erwähnten Verhältnissen zu pflanzen, so lange nämlich noch kein starker Frost den Boden erkältet hat, so nachtheilig ist eine zu späte Pflanzung. Tritt auch, wie dies häufig der Fall ist, nach oft 3 bis ßtSgigem Frost und Schnee wieder milderes Wetter ein, so muß man doch mit dem Pflanzen trotzdem sehr vorsichtig sein, indem der Boden dann ge «ähnlich durch das Schneewasser sehr erkältet ist. Selbst wenn der Boden anscheinend ganz aufgefroren, finden sich trotzdem häufig noch eine große Zahl kleiner Eiskrystalle in dem Boden» welche die Neu bildung von Wurzeln und also das Anwachsen des Baumes beeinträchtigen. Gar manche Baumpflan zangen, bei welchen dir Regeln de« Pflanzen» genau befolgt wurden, mißglückten dadurch, ohne daß dir betreffenden Pflanzer dem richtigen Grund auf dir Spur gekommen find und das Mißlingen meist den erhaltenen Bäumen zuschieben, selbst wenn sie noch so schön und völlig gesund waren. Im allgemeinen gedeihen die Pflanzungen, welche zu rechter Zeit im Frühjahr geschehen, bester als Die Herbstpflanzungen, doch wirken hierbei so viele lokale Verhältnisse mit, daß sich nicht bestimmt im allgemeinen sagen läßt, ob die eine oder die andere Pflanzzeit die vorzüglichere sei. Kann man im Herbst jo zeitig pflanzen, daß sich noch neue Wurzeln bilden, so erhallen jedenfalls die Bäume dadurch einen namhaften Bvrsprung und treiben im Frühjahr sehr schön und kräftig aus. Die« findet, wie gejagt, aber nur in lockeren, warmen Böden gewöhnlich statt. (fiin im Herbste, oder überhaupt ein frisch ge« pflanzterBaurn, ist bis zurjNeubildung seiner Wurzeln al» ein kranker Baum zu betrachten. Er steht durch keine Saugwurzeln, da ihm diese nach dem Pflanzen fehlen und erst wieder erzeugt werden müssen, in einem direkten Zusammenhang mit dem Boden, kann sich also auch dessen Wärme nicht zunutze machen, er leidet demnach, da et die Bodenwärme des Untergründe« nicht erhalten kann, weit mehr durch die Winterkälte als ein feststehender und gehörig eingewurzelter Baum. Daher ist ein sorgfältiger Schutz der Stämme wie der Wurzeln bei im Herbst gepflanzten Bäumen absolut nölhig, und wo man diese nicht geben kann, ist die Frühling-Pflanzung, und zwar kurz vor vor dem Ausbrechen der Knospen, immer vorzuziehen. Die frisch angeschnittenen Wurzeln werden bei später Pflanzung im Herbst an den Schnittstellen gewöhnlich lernsaul, indem sich kein Vernarbungsring mehr bilden kann. Auch erfrieren spät gesetzte Bäume sehr leicht, da sie, wie schon gejagt, keine Bodenwärme aus den tiefen Bodenschichten erhalten können. 6« ist daher nur in leichten und warmen Böden und warmen Lagen, wenn man zeitig im Herbst pflanzen kann, zum Hetbstsatz zu rathen. Dagegen empfiehlt es sich, die Bäume zum Pflanzen schon im Hei bst auszugraben und einzu>chlagen, oder auch aus den Baumschulen dann schon kommen zu lassen und über Winter an einem geschützten aber nicht zu sonnigen Platz im ©arten gut einzuschlagen, sie bann zur Zeit der Pflanzung im Frühjahr herauszunehrnen, die Wurzeln frisch anznschnetden und sofort in da« gehörig vorbereitete und bereit« von der Sonne erwärmte Erdreich zu pflanzen. Als Mittel, welche dem Gedeihen der frisch gepflanzten Bäume sehr förderlich sind, sind zu beachten a) frische« Anschueiden der Wurzeln beim Setzen, b) Umgeben der Wurzeln mit Komposterde, c) Unterbringung von etwa« Hafer und Gerstenkörnern unter die Wurzelkrone, d) gehörige« Angießen , e) Umbinben der Stämme bi« zur Krone mit Schilf oder Stroh als Schutz gegen die trockenen Märzwinde, f) Belegen der Baumscheibe mit einer humosen Streu. Treiben trotz sorgfältigen PflanzenS einzelne Bäume nicht au«, so nimmt man sie Mitte Mai ober anfangs Juni wieder au« dem Boden, schnei-bet die Wurzeln frisch an, stellt sie eine Stunde in« Wasser und setzt sie dann wieder, gießt sie gut an und überlegt die Baumscheibe mit einer humosen Streu. Schon nach acht Tagen zeigen sich dann die jungen Triebe. Daß nur solche Bäume anwurzeln können, welche in einem kräftigen Boden erwachsen sind und abgelagerte Nährstoffe zur Bildung neuer Wurzeln in genügender Menge aufnehmen und ablagern konnten, nicht aber mager ausgewachsene, oft überständig gewordene und zum Pflanzen zu alte Bäume ordentlich wachsen können, darf ich als bekannt voraussehen. Witterung. Laibach, 16. Februar Morgens und vormittags fast heiter, nachmittags teilweise bewölkt, mäßiger SW Wärme: morgens 7 Uhr 00\ nachmittags 2 Uhr + 10-6« C. (1876 + 5 0«; 1876 + I O* C.) Barometer im Fallen 738 28 mm. Das gestrige TageSmittel der Wärme + 4 1», um 4-4» über dem Normale. Angekommene Fremde am 16. Februar. Hotel Stadt Wie». Fant, Kfm., Soglas. — Barlhelme, Lakner und Schleimer, «ottschee. — Fischer, Ingenieur, Villach. — Weiß, Reisender, Lesfer, k. k. russischer Hof« schanspieler und Natansky, «sm„ Wien. — Ludwig »raf Thnrn, k. k. Wachtmeister, Ems. Hotel Elefant, ffirebenz, Untetkrain. — Polganscheg, Reisender und Roiz, Ingenieur, ®raz. — Jegher, Ingenieur, Pest. — Jagovic, Nasfensuß. Hotel Europa. Schulz, k. k. Regierungsrath, Wien. — Kulm, Direktor, Steter. — eteintil, Inspektor, R. B Bairischer Hof. P^ulin, Beamtet, Bottschee. — Kiket, Holzhändler, Triest. — Melitzer, Wels. Mohren Menzinget, Obertrain.______________________________ Gedenktafel über die am 19. Februar 1877 stattfindende« X'icitationen. 3. Feilb., Äramer’jdje Real., Laibach, 8®. Laibach. — 3. Feilb., Eetnivc'sche Real., Eegovmca, 8®. Ktainbntg. — 3. Feilb., Hintii'sche Real., Puschendotf, BÄ. Landsttaß. — 3. Feilb., Kramar'sche Real., Roje, B®. Landsttaß. — 3. Feilb., Hotsel'sche Real., Mttnkendorf, BÖ. Landstraß. — 3. Feilb., Tomsii'sche Real., Hotits», 80. Littai. — 2. Feilb., Preget'sche Real., Ustje, BL. Littai. — 3. Feilb., Angnstin'sche Real., Augustine, B®. Landsttaß. — 3. Feilb., Subadolc'sche Real., St. Matein, B®. Landsttaß. — 3. Feilb., Bozik'sche Real., Tschadesch, B®. Landstraß. — 2. Feilb., Kusma'sche Real., St. vatthelmä, B®. Landsttaß. — 2. Feilb., Udvanec'sche Real., Osttog, B®. Landsttaß. — 2. Feilb., Miklauiii'sche Real., ®rutsch, B®. Landstraß. — 2. Feilb., Ktal'sche Real., Kropp, B®. Radmannsdorf. — Einzige Feilb., Oblak'sche Real., Selo bei Kosca, B®. Littai. — Einzige Feilb., Rizolli'sche Forderungen, Laibach, L®. Laibach. Theater. Heute: Zum fünftenmJe: Fotinitza. Komische Oper in 3 Akten, mit Benützung eine« Dem Fanbla« entlehnten älteren französischen Swss:« von F. Zell und Richard Gente. Musik von Fron, von Snppö.____________ Telegramme. Konstantinopel, 15. Februar. Aus neuerliches, an den Fürsten von Montenegro gestelltes Verlangen des GroßvezierS, die Friedensverhandlungen an irgend einem anderen Orte und nicht in Wien zu führen, antwortete heute der Fürst, er halte zwar Wien als den geeignetsten Ort, um jedoch seinerseits Versöhnlichkeit zu beweisen, so schlage er als Verhandlungsort Cattaro vor. Pari-, 15. Februar. Changarnier ist gestorben. Wiener Börse vom IS. Februar. Staatefond«. Geld Ware Sperj. Renke, Sft-Pav-dlo. oto. oft. in 6116. 61*60 63-— 68 06 68 25 .'nie »on 1854 .... 106— 106*60 iafe von 1860, ganze 'ose von 1860, Kluft. HO— 11076 118— 11850 Prämiensch. r. 1864 . 134*60 135— Ürundant.-Obl. Ciebenbürg. 71*75 72-60 aagan 78-26 73-75 Aotien. «ngto-Beat 76— 76-26 Srebitanftatl 147*70 147-90 Oeeofttenbant . . . . tecomDte«Unflott . . 680- 685— Kranco » Bank . . . . handelibauk - ationalbanf . . . . 884— 838*~ Lest. Bantgefelll. . . :imcn»8ant 63'- 53 60 8erlehr«bank 78.50 79- Asöld-Bahn . . , . 96— 96-— Kart Ludwigbabi-, . . Staif. Stil.»Bahn . . 211 — 211 25 138*25 133-75 «oif. jft, OofefOb . . 122— 122*60 SlaatSbah» 238. - 240 - Südbahn..... | 78 — 78 25 Pfandbriefe. Allg. öst. Bod.-Eredit. dto. in 33 0....... Nation, ö. W........ ttitg. Bod.-Ereditaust. Prioritäte-Obl. »ranz 3ofef8=®a6n . Ccft. Nordwestbahn . Siebenbürger . . . . SlaatSbahn.......... Südbahn 4 5 Perj. bto. Sone Lose. Ärebit» Lose . . Rudolf« - Lose . Wechs.(33Jionl) Aug»bnrg 100 Mar! "ranff. 109 Mark. Hamburg, „ London 10 Md. Steil, ’tlatiä 100 inan« Münzen. Kais. »iüllj-Ducalen rv-Krancemiü . • ■ ■ Deitsche ReichSbanI. Silber . . Geld Warr 105— 89*25 96 40 86*25 105-6# 89 50 96 60 86*60 91-26 90-35 60 26 154 60 94-26 91 5» 80 50 60*60 156— 94-60 162*50 13*60 163- -14 — CO 10 60*30 123 60 49 — 123 7t 48-10 5 80 988 60*75 114— 5 92 9 89 6080 114 60 Telegrafischer Kursbericht am 16. Februar. Papier-Renle 62 55. — Silber-Rente 67 80. - ®»l* Rente 74 20. — 1860er Siaats-Anlehen 109.75. — Bank' actien 836. — jtretitactien 147- -. — London 124'30. — Silber 114-50. — Ä. k. Münzdukaten 5 93. — SO-Franc» Stücke 9 92. — 100 Reichsmark 60 90. Stack mx 3g. v. Kleinmayr & Ked. Samberg. »erleget: Ottomar Bamberg. dir Redaktion verantwortlich: Franz Müller-