Nr. 2390. 1681. IV. lìirililidii'5 MràW-NI»tt für die üimmtcr Diözese. Anhalt: 1. Hilferuf zur Begründung eines förmliche» Kuabeusemiuars. II. Vorschrift für die Gleichförmigkeit der öffentlichen Gebetsformeln und Segenlieder. IH. Einladung zu den diesjährige!, Priester-Exerzitien in Sauerbrun». CjLW o die Noch am höchsten, ist auch die Hilfe am nächsten. — Der Mangel an Seelsorgern in unserer Mntterdiözese wird immer empfindlicher; die Hilfe liegt nächst Gott in unserer so oft erprobten Opferwilligkeit, geliebte Mitarbeiter im Weinberge des Herrn, die ich abermals anrnfe, fest überzeugt keine Fehlbitte zu machen. Gott hat die Laoanter Diözese im Laufe dieses Jahres empfindlicher als sonst heimgesucht; zehn Pfarrer im besten Mannesalter, und darunter zwei Dechante hat uns der unerbittliche Tod vom Weinberge des Herrn abgerufen, um ihnen den verdienten Groschen zu geben; mehrere Seelsorger sind, oder werde» nächstens in den Ruhestand treten, und über 20 Seelsorgsposten stehen in der Diözese unbesetzt. Das Bedürfnis! mehrerer Seelsorger steigt alljährlich mit der sich mehrenden Bevölkerung besonders an den in unserm Kirchsprengel sich kreuzende» Eisenbahnen. Das Verlangen nach neuen Seelsorgsstationen wird immer lauter, die Zahl jener Studierenden aber, welche sich dem geistlichen Stande widmen, ist für den Bedarf viel zu gering. Statt der normalen Zahl von 62 Alumnen, zählte unser Priesterhaus am Schluffe des abgelaufenen Jahres nur 38 Zöglinge. Wahrlich, „die Ernte ist groß, der Arbeiter aber wenige. Lasset uns bitten den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende" — aber auch helfen nach unfern Kräften! Die Erfahrung lehrt, daß die Zahl der Priesterkandidaten in dem Grade abnimmt, als der lebendige Glaube und das religiöse Gefühl in den Familien schwinden, dagegen das materielle Interesse steigt. Die reichsten Diözesen leiden am meiste» Priestermangel. Den Armen gehört das Himmelreich; nur arme Fischer wählte der Herr zu seinen ersten Bothen des Evangeliums; nur arme Jünglinge füllen noch fortan größtenteils die Reihen der Streiter Christi. An armen, hoffnungsvollen Studierenden haben wir, dem Herrn sei es gedankt, unter den Slovene» keinen Mangel; wohl aber Mangel an der notwendigen Unterstützung und Anleitung zum geistlichen Stande. Diesem Mangel wirksam abznhelsen hat unsere Mutter die kath. Kirche durch den Mund der heil. Kirchenversammlung zu Trient (sess. 23. de reform, cap. 18) weise vorgesorgt, und die Errichtung kath. Knaben-Seminarien anbefohlen, deren sich die meisten Nachbar- Diözesen erfreuen. Auch Altlavant war so glücklich, durch milde Beiträge und einige fromme Vermächtnisse unterstützt, zu Cilli ein Nothserninar zu errichten, worin bei 25 — 30 arme Studierende eine theilweise Unterstützung finden. Diese Anstalt soll nun förmlich constituirt werden. Der neue Lavanter Diözesanantheil besitzt bis nun zur Creirung eines Knaben-Seulinars nur ein Kapital von 2800 zu 4%, dann 7600 zu 5% Staatspapieren, welches von Seite des Hochwürdigsten F. B. Seckaner Ordinariates bei der Uebergabe des slovenischen Antheiles an Lavant zu diesem Zwecke abgetreten wurde, dann eine kleine Weingarten-Realität, in deren Genuß sich aber noch ein Zögling des Augustinenms zu Graz befindet. Der geringe Ertrag dieser Fundation mit 492 fl. reicht beiweiten nicht aus, um die Zöglinge, die Lavant vom Grazer Seminare überkommen oder nÄ? ausgenommen hat, zu unterhalten, und doch sind noch so viele hoffnungsvolle Jünglinge, die auch um Aufnahme bitten. Aufgemuntert von vielen wohlwollenden Diözesanen entschloß ich mich, diese neue Einladung zu milden Beiträgen für die förmliche Errichtung eines Knabenseminars an die geliebte Geistlichkeit, besonders des neuen Diözesanantheiles, mit der dringenden Bitte zu erlassen, die möglichen Unterstützungs-Beiträge entweder ein Mal für alle Mal, oder in /' Jahresraten einznzahlen, in das heiligende Blatt •/. einzuzeichnen, und bis Ende September d. I. durch das Dekanalamt einzusenden, um dadurch das Ordinariat in den Stand zu setzen, die Zahl der auszunehmenden Zöglinge zu bestimmen. Wie in den benachbarten Diözesen tu iti) es auch in unfern Pfarrsprengeln nicht an Gönnern des geistlichen Standes mangeln, die gerne ibr Schärflein zu einem so edlen Zwecke beitragen werden, sei es tut Gelbe oder in Naturalien. Die Wahl der Art und Weise dieser Sammlung wird dem klugen Ermessen der Herrn Seelsorger überlassen. Auch die Pfennige der Witwe werden gesegnet. Großes haben wir, geliebte Mitbrüder, zum Besten unserer Mutterdiözese bereits geleistet, eine tiene Aera geschaffen; die Gründung eines Knabensetnittars sei die Krone unserer Schöpfung. Ohne Vorsorge für den Nachwachs eines tüchtigen Klerus wäre das Wohl miseres Kirchsprengels auf Sand gebauet. Je mehr äußere und innere Feinde unsere heilige Kirche bestürmen, um so mehr lasset uns sorgen für wackere Mitkämpfer unter der Fahne Christi. Für Gott und seine heil. Kirche, für unsere Diözese und unser Volk sei uns kein Opfer zu groß, keine Mühe zu schwer. Haben wir noch ein wohlgeordnetes Knabenseminar als Denkmal unserer Diözesanliebe gestiftet, dann werben wir getrost unsere theuere Gemeinde unseren wackern Nachfolgern im Gott geheiligten Amte anvertrauen, am Abende unseres Lebens ruhig den Hirtenstab niederlegen, und froh in das große Haus des Vaters blicken; denn unsere Werke folgen uns nach. (Apost. 14, 13) „Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns Allen." II. Einigkeit in allen Glaubens- und Sittenlehren ist die Ge und feste unserer heil. kath. Kirche, der lauteste Beweis ihres göttlichen Ursprungs und der fortwährenden Lei- tung des göttlichen Geistes. — Gleichförmigkeit iti den kirchlichen Religionsübungen, Gebetsformeln und Kirchengesängen, ist der »othwendige Lebensodem jeder Diözese, der die Seelsorge erleichtert, derselben Ansehen und Festigkeit gibt. Diese kirchliche Gleichförmigkeit mit vereinten Kräften anzustreben, ist nun für die Lavanter-Diözese eine um so größere Nothwendigkeit, als durch die Vereinigung der beiden slooenischen Diözesantheile sich auch so mancherlei und viel-bedeutende Verschiedenheiten begegnen, die in einem und demselben Kirchensprengel sobald als nur möglich verschwinden müssen, wenn den Seelsorgern das Wirken nicht erschwert und das gläubige Volk in seiner Andacht nicht gestört, oder gar geärgert werden sollte, was Gott behüthen möge. Es werden zwar Jahre und Jahre erfordert, um einer neu regulirten aus verschiedenen Antheilen rekonstituirten Diözese jene feste Form zu geben, deren sich benachbarte Kirchsprengel erfreuen, doch muß der Weg zum Ziele ohne Verschub angebahnt, und von Seelsorgern und Kirchendienern auch ohne Verzug betreten werden, damit alle unnothigen Abweichungen in unserer Diözese so bald als möglich ohne aller Störung verschwinden. In dieser Absicht hat das Ordinariat auf mehrseitiges Verlangen die Sammlung spezieller Disciplinar- und Pastoral-Vorschriften für die Lavanter-Diözese veranstaltet und als Richtschnur dem Wohlehrwürdigen Klerus mitgetheilt. Zu diesem Ziele solle» die Beschlüsse der Pastoralconferenzen führen, deren 13 Jahrgänge den Herrn Seelsorgern in den meisten vorkommenden Fällen die nothwendigen Aufschlüsse bietheu und die Wünsche des Ordinariates kund thu», welche vornehmlich darin bestehen, daß die Herrn Seelsorger nicht das Kind mit dem Bade ausgießen, alte, schuldlose Gewohnheiten ohne Roth nicht abschaffen, und schädliche Mißbräuche nur allmählig, mit aller Klugheit beseitigen mögen. Störend und sehr abweichend sind die gewöhnlichen Gebets forme ln, so zwar daß an der Gränze der Agramer Erzdiözese von dem Ave Maria drei verschiedene Formeln, als: Zdrava Marija — Pozdravlcna Maria, milosti polna und (Ješcna si Marija, gnade polna, itd. gehört werden. Ihn diesen Andachtstörenden Abweichungen vorzubeugen, hat das Ordinariat unter Beiziehung von erfahrnen Seelsorgern, denen die Muttersprache so wie die Diözesanverhältnisse wohlbekannt sind, die Kirche nagende: Sveto Opravilo očitne službe božje, za Lavantinsko skotijo neu revidirt, und als Normale an alle Seelsorgsstationen abgegeben, nach dem alle Gebetsformeln in der Kirche so wie in der Schule lauten sollen, damit die Heranwachsende Jugend die nothwendigen Gebetsformeln gleichlautend erlerne; ältere Leute sind bei ihren alten Formeln ruhig zu belassen. Die lästigsten Abweichungen für Priester und Organisten findet man bei den vielen S e g e n l i e d e r u, indem an manchen Stationen zum Segen mit dem Sanctissimum mit der Orgel und dem Gesänge gar nicht stillegehalten, an ändern wieder bei verschiedenen Absätzen iunegehalten wird, was bei dem Wechsel der Seelsorger und Organisten die Andacht stört und Verlegenheiten bereitet. Diesem llebelstande abzuhelfen ist in unferm Diöz e s an-SaHrbuche Drobtince für das Jahr 1861 eine Sammlung der bernährtestett Segen lieder in slovenischer Sprache mit den beliebtesten Arien veranstaltet worden, die für Organisten ntich abgesondert in der Ordinariats-Kanzlei zu haben sind. Diese Segenlieder nn», und ohne spezieller Ordinariats-Genehmigung keine ändern, sind beim gemeinschaftlichen Gottesdienste zu gebrauchen, wobei genau nach jenem Absätze das Tantum ergo, wenn solches gebräuchlich, auzustimmen und zum Segen stille zu halten ist, wie es in obgenannter Sammlung Vence blagoslovnib pesm za Lavantinsko škofijo bezeichnet vorkommt. Bei der heil. Messe zur Wandlung mit dem Gesänge und Orgelspiele itine zu halten, ist derzeit in der ganzen Diözese gebräuchlich, auf das die Gläubigen in feierlicher Stille ungestört dem Allerheiligsten ihre höchste Anbetung darbringen können; an manchen Orten wird die gleiche Stille auch zur heiligen Communi an beobachtet, damit die Gläubigen um so leichter den Act der geistlichen Communio» vollbringen. Dieser Gebrauch empfiehlt sich aus dem gleichen Grunde und erhöhet die Andacht, daher es das Ordinariat wünschet, daß in allen Kirchen der Diözese mich zur heiligen Communion Stille beobachtet werde. Erhaben ist die Idee der Gleichförmigkeit in allen gottesdienstlichen Handlungen ein schönes Bild katholischer Einigkeit; dieses erhebende Ideal anzustreben sei im Großen wie im Kleinen unser Bemühen. Lasset uns aber mich nie vergessen, daß unsere heilige katholische Kirche, ein lebenskräftiger Baum, immer neue Zweige, Blüthen und Früchte des Schönen und Nützlichen erzeugt, das wir sorgsam pflegen, vor Ausartung bewahre», aber nie durch ein zu starres Festhalten au unwesentlichen und gleichgültigen Dingen zerstören sollen. Heilig sei uns darum auch in diesem Stücke das erhabene Wort des großen hl. Angusti». „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus autem caritas.“ III. Geliebteste Mitbrüder! der Weltapostel Paulus ruft uns allen die ernsten Worte zu : Noli negligere gratiam, quae est in te, quae data est tibi cum impositione manuum presbyterii. Haec meditare, in his esto: ut profectus tuus manifestus sit omnibus. Auch die Priester, und in Sonderheit die Seelsorger, beuöthigen einer alljährlichen Erholung, um nicht zu ermatten in ihrem heiligen Berufe. Die schönste Gelegenheit dazu biethen uns die gemeinschaftlichen Priester-Exerzitien, welche in diesem Jahre abermals zu Sauerbrunn bei Rohitsch, and zwar vom 9. bis zum 13. September in bekannter Ordnung durch einen Priester der Gesellschaft Jesu abgehalten werden. Venite iterum confratres, et videte, quam dulcis sit Dominus querentibus se. Die Herrn Theilnehmer haben ihren Entschluß entweder unmittelbar oder durch das Dekanalamt dem Ordinariate anzuzeigen, und die Ankommenden sich mit ersten Tage wenigstens bis 3 Uhr Nachmittags beim Hauptpfarrmnte turnt heil. Kreuze zu Sauerbrunn zu melden, und im Talare mit dem Breviere zu erscheinen, wo für ihre Unterkunft gesorgt wird. Weil aber sowohl die Seelsorge, als auch der beschränkte Raum der Kapelle zu Sauerbrunu viele Priester an deren Theiluahme verhindert, so stehen Jedem die geistlichen Häuser bei den ehrwürdigen Missionspriestern zu St. Josef bei (Siili, so wie bei den P. P. Franziskanern zu Maria Nazareth, zu Raun und zu heil. Dreifaltigkeit in W. Bücheln zu jeder Zeit offen, um sich in stiller Zurückgezogenheit den Privatexerzitien zu widme», tuo Jeder gegen eine geringe Vergütung eine liebvolle Aufnahme und geistliche Hilfe finden wird. Marburg, am 16. August 1861. flnton -ilinrlm, Fürst-Bischof. Druck voi, E. Jauschih in Marburg.