„Mihtit, WihlftM, Zildmig str Me" Ntr. AK. Kr-ttag, R«. August t«««. V. Jahrgang Die ^Marburger Zeitung" erscheint jeden Sonntag. Mittwoch nnd Freitag. Preise — fiir Marburg: ganzjährig L fl.. halbjährig 3 fl.. vierteljährig 1 fl. 50 kr: für Zustellung m< Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fi.. vierteljährig 2 fl. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mit 10, bei zweimal,ger mit 15, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, wozu für jedesmalige Einschaltung 30 kr. Snseraten-Ssempelgebühr kommen. Zur Geschichte de8 Tages. Ueber den verunglückten Putsch der ungarischen Legion erfahren wir auS BreSlauer Blättern Folgendes: Dieselbe kehrte von ihrem Zuge über die österreichische Grenze am 29. Juli zurück, ging bei Hruschau über die Oder, um bei Schillersdorf (in Preußen) ein Ftld-lager zu beziehen. Der Uebergang dauerte, trotzdM alle in der Nähe befindlichen FahrMge requirirt wurden, und obwohl die Kavallerie eine Furt benützte und durch daS Wasser ritt, nahe an 3 Stunden. Bei den Truppen befanden sich 18 bis 20 Offiziere, unter ihnen Gencral Klapta und Oberst Betlen. Ein Berichterstatter der „Schles. Ztg." schildert die Lage des preußischen Heeres, wie dieselbe nach der Schlacht bei Königgräz gelvesen; er schreibt: „Unsere Lage ist augenblicklich keine so beneidens-tverthe. wie man in der Heimat, vielleicht durch das Glas der Selbsttäuschung betrachtet, glaubt. Lassen Sie mich versuchen, Ihnen ein recht klares Bild unserer Situation zu entwerfen. Preußens Macht vor den Thoren Wiens und Preßburgs besteht, wie ich Ihnen bereits mittheilte, aus 225,000 Mann bis jetzt kampffähiger Männer. Außerdem rücken 60.000 Mann Reservetruppen mit entsprechendem Belagerungsgeschütz nach. Wir haben zwei Provinzen durchzogen. Böhmen und Mähren, und sind in Niederösterreich und Ungarn eingerückt. Die uns gegenüberstehende Armee, die so gefürchtet war. ist biS auf 120.000 Mann (?) aufgerieben. Glan zende Gefechte und eine ihresgleichen suchende-Schlacht haben uns zu Herren der Situation gemacht und unser Ansehen in Europa befestigt; dies Alles geschah innerhalb vier Wochen. Dies tvären die Lichtseiten; nun aber auch die Schattenseiten. Die Provinzen, die tvir erobert und jetzt besetzt halten, sind die eigentlichen Kornkammern von Oesterreich ge« Wesen, leider ist seit dem Jahre 1863 Mißivachs eingetreten. Die geriii-gen BorrSthe find durch die enormen Requisitionen der österreichischen und später unserer eigenen Armee absorbirt lvorden; die diesjährige Ernte, die ohnedies durch die Mainachtfröste schon auf die Hälfte reduzirt war, ist durch Märsche. Bivouaks. Feldrequisitionen und das schlechte Wetter total vernichtet, die Biehheerden sind verzehrt. Böhmen. Mähren und Nieder-Österreich sind dadurch in Wüsten verwandelt deren Bewohner dem größten Elend entgegengehen. In diesen ausgehungerten Provinzen steht nun unser Heer, das durch Gelvaltmärsche angegriffen ist. und leidet am Nothwen-oigsten Mangel. Die Zufuhr von Preußen ist unzulänglich, daS Brot kommt verdorben und ungenißbar an; Kaffee ist fast das einzige Labsal unserer Soldaten. Gegräup^' und Reis kennt man nur dem Namen nach und ist nicht mehr nackzuschaffen, kurz eS sehlt an Allem. Die angestreng-testen und energischen Requisitionen sind erfolglos; Offizieren wie Gemei-nen wiederstrebt es. in den leeren Gegenden und unter den ausgehungerten jammernden Bewohnern zu requiriren. Dabei keine Aussicht auf baldige Abänderung. Sie können sich wohl denken, daß der Zustand unserer herrlichen Truppen kein erfrenlicher ist. TyphuS und Cholera zeigten sich be-reitS. Täglich zahlreiche Begräbnisse und fortwährend Zurückschaffen von zahlreichen Erkrankten, die nur auS Mangel an dem Nothwendigsten nnterliegen. In den Ortschaften unter den Bewohnern überall Krank-hciten. Sie laufen den Soldaten nach und bitten um Brot, statt unsere Truppen zu verpflegen. CS ist herzzereißend. wenn man dieS Alles sieht. Unsere sämmllichen Aerzte sind der Ansicht, daß wir. falls die Verpflegung binnen kürzester Zeit keine angemessenere ivird, den Hungertyphus im Heere zu erwarten haben. Das Landvolk wird dieser Epidemie nicht ent-gehen können. Die Armee, die viel und geduldig ertragen hat, leidet un-läglich, und zu bewundern lväre eS. wenn die maßlosen Entbehrungen nicht zuletzt auch eine Wirkung auf die moralischen Kräfte üben sollten. Nach einer verlorenen Schlacht mit feindlichen Festungen und einer gereiz-ten Bevölkerung im Rücken wäre die Lage schrecklich. Darum entweder rasch vorlvarts tmch Wien oder ein rascher Friede. Die fünftägige Waf. fenruhe ist keine Erholung für die Armee, denn die Quartiere sind leere Das Ukaldblümchen. Bon v. A. (Fortsetzung.) II. Der Fremde hatte unterdessen den Thalgrund rasch durchschritten und war bald darauf im Innern deS vorerwähnten Waldes verschwunden. Er hielt jedoch nicht den breiten Fahrweg ein, welcher denselben durch-schnitt, sondern bog auf einem Seitenpfade ab. der sich in der Tiefe deS Forstes verlor. Rüstig und nicht ohne Gewandtheit folgte seine schlanke, wohlgebaute Gestalt den vielen Krümmungen deS engen Weges, und leicht und sicher glitt sein Fuß über die Baumwurzeln und das Schlingkraut, worauf er IN diesem abgelegenen Theile des Forstes nicht selten stieß. Seine Hal-tung war fest und gerade und zeigte einen Anstrich von Muth und Ent-schlossenheit. der durch ein großes schwarzes, blitzendes Auge noch mehr hervorgehoben wurde. Seine Gesichtsfarbe bildete ein dunkles männliches Kolorit, durch welches jedoch in lriser Färbung ein gesundes Roth drang. Die Oberlippe seines in iveichen Linien endenden Mundes bedeckte ein sorgfältig gestutzter Bart, der, wie sein Haupthaar, dem dunkeln Glänze einer Kohle nichts nachgab. Der Fremde verfolgte, ivie gesagt, auf die eben beschriebene Weise eine Zeit lanj^ seinen Weg. bis er plötzlich, die Zweige eineS Haselnuß strauche« auseinanderschlagend, auf einen großen viereckigen Platz gelangte, der mit hohem tvuchernden Grase und mit einzelnen unter den Schlügen der Art gefallenen Baumstämmen bedeckt lvar. Auf einem dieser Stämme saß eine Gestalt, die wir unS etwas näher zu beschreiben die Mühe neh-meu müffen. Eß war ein Mann, oeffen Haar das Alter bereits völlig aebleicht hatte und deffen gekrümmter Rücken bewies, daß die Last der Jahre über ihn gekommen war. Er trug eine alte l>laue Uniform mit rotbem Besatz, ganz nach dem Schnitt, wie solche zu Ende des vorigen und «och zu Anfang dieses Jahrhunderls liei unseren Armeen gebräuchlich war. dazu bis an die Knie reichende, mit Knöpfen besetzte Gamaschen von grobe», grauen Tuch >nd gelbe Lederbeinkleider, die auS der Haut eines Hirsches gegerbt waren. Zu seinen Füßen lagen mehrere Sprengel mit Schlingen und kleitle Netze, mit deren Besichtigung er eifrig beschäftigt war. „Der Nebel ist ausgeblieben." murmelte der alte Mann, indem ein gutmüthiges Lächeln seine verwitterten Züge erhellte, „und der alte Wilm hätte diesmal nicht genöthigt gehabt, sich vor der Reveille zu erlieben. O die Thiere des WaldeS haben auch ihren Verstand, obgleich die Menschen in ihrem Hochmnth eS blas Instinkt nennen. Aber wer, so wie ich. dreißig Jahre unter ihnen gelebt und beobachtet hat. der weiß, daß ihnen von Uttserem Herrgott auch eine Sprache verliehen ward, obgleich dieselbe unverständlich erscheint, weil es niclit des Schöpfers Wille war, uns die-sclbe zu offenbaren." Hier ivurde der Greis durch einen leisen Schlag auf die Schulter unterbrochen und eine metallreiche Stimme sagte mit einer Weiche und Gutml'lthigkeit, der man es anl)örte. daß sie der Widerhall des Herzens war: „Nun. Wilin. gibst Du Dich wieder Deinen philosophischen Träu-mereien hin?" Der Alte lvendete den Kops und blickte in das jugendliche Antlij^ des Fremden, welcher ihm die Hand lächelnd zum Gruß reichte. „Ach. ich weiß wodl." sagte er. den Jüngling mit sichtbarem Wohl-gesall n anblickend, welcher sich inzwischen ihm gegenüber aus einem Baumstamm niedergelassen lZlttte, „ich tveiß ivohl. daß die heutige Jugend mit dem Alter tveniger als sonst in seinen Anchten harmonirt. und d^ch das. was sonst klug und weise genannt wurde, jetzt häufi^; dem Spotte und der Verachtung unterliegt, aber sehen Sie. Herr — Herr —" „Nun, Müller. Maler Miiller." lachte der Andere. „Wies beliebt. Ein Name thut zur Sache ni-dts, und ein alter Sold.^t^ ivie ich. hält sich stets streng an die gegebene Ordre. Nun. sehen Sie. ^ie nennen das philosophische Träumereien, wenn ich mich hier in ^er Einsamkeit deS Waldes, Ivo mich nur Gott hören kann, meinen ein-fachen Gedanken hiygelie. aber glauben Sie. wenn man sieht, daß dieser Gott in der Welt immer mehr verleugnet wird, dann füblt ein alter Mann. Ivie ich. der täglich da oben zur großen Armee abgerufen werden kann, doppelt das Bedürfniß. sich vor itim in der Anschauung seiner Werke beivundernd zu beugen." „(^ewlß. Wilm. und Du weißt wohl, daß ich selbst um keinen Preis diesen Glauben aufgeben möchte." „Ich lveiß dies. Hierzu haben Sie auch eine viel zu fromme Mut-ter und einen viel zu edlen Vater gehabt." Ruhesjättcn. in denen man nur Hunger und Krankheiten kmnt; man sehnt sich nach den Bivouaks selbst bei ungünstigem Wetter — zurück und verlangt nur seine vorschriftsmäßigen Rationen. Doch leider lautcte heute wieder der DivisionSbesehl der 1. Division: „Empfangen wivd heute nichlS. die Kolonnen sind nicht angelangt, und haben die betreffen-den Kommandeure ihre Verpflegung einzuquartieren." Man hat heute Nackt sämmtliche Quartiere von Bötimischtrut militärisch untersuchen lassen, ohne Lebensmittel aufzufinden. Heute frühzeitig gingen abermals nach allen Seiten Requisitions Patrouillen mit Wagen ab. welche die Weisung erhalten haben, unter keinen Umständen (?) ohne Proviant zu« rückzukehren. Das ist die augenblickliche Lage unserer Armee. Eine merkwürdige Urkunde zur Geschichte der letzten Waffen still-ftandSverhandlungen zwischen Preußen und Baiern ist das Bittgesuch der Gemeindevertretungen von Augsburg und Nürn-berg an den König Ludwig. Diese „Vorstellung." die erst erfolgte, nachdem eine Abordnung der beiden Vertretungen keine Andienz erhalten, spricht deutlich genug für den Zustand des bairischen KriegSheeres, die Mängel der letzten Kriegführung und die dringende Nothwendigkeit deS Friedensschlusses. In der Bittschrift heißt es u. A.: „Namenloses Unglück hat der unheilvolle Krieg Deutscher gegen Deutsche über unser Vaterland schon gebracht. Blut in Strömen ist vergossen. Städte und Fluren sind verwüstet worden. Die Bürger von Nürnberg und Augsburg scheuen nicht zurück vor den Opfern, die dem Wohle des Staates gebracht werden müssen, aber sie forschen heute vergeblich nach den politischen Erfolgen, die einen Ersatz für die schweren Opfer bieten sollen. Die gegenwärtige Lage der Dinge läßt nicht absehen, welchen Vortheil Baiern durch eine Aortführung deS traurigen Krieges noch erringen könnte; dagegen ist zu befürchten, daß durch eine Fortdauer deS Krieges Baierns Selbstständigkeit mehr und mehr gefährdet »vird. und eS ist gewiß, daß eine längere Zheilnahme am Kriege dem materiellen Wohlstande deS Landes eine kaum in Dezennien heilbare Wunde schlagen muß. Das erfolgte Aufgebot der Landwehr ist nicht geeignet, eine günstige Aenderung der militärisch politischen Lage hcrbelzuführen, sondern kann uur beitragen, das ohnehin große Unglück zu vermehren und den materiellen Ruin des Landes zu beschleu-nigen. Seit fünfzig Jahren wurde das bairische Landwehr-Institut so vern»ichlässigt, daß es ihm gegenwärtig an allen Voraussetzungen der Felddiensttauglichkeit mangelt. Ohne brauchbare Waffen, ohne die unentbehrliche sonstige Ausrüstung kann die Landwehr dem Feind nicht entge-gengestellt werden, und es ist eine Unmöglichkeit, in wenigen Wochen jetzt nachzuholen, was in einem halben Jahrhundert versäumt worden ist." Das Einladungsschreiben deS Präsidenten Leite an die namhaftesten Mitglieder des Kongresses deutscher Volkswirt he zu der Versammlung in Braunschweig bezeichnet als Hauptaufgabe dieser Verei-nigung der Ärtreter volkswirthschaftlicher Interessen: .,aus die von der preußischen Regierung gemachten Vorschläge einer Bundesreform einzugehen, deren gewaltiger Ernst und unaufhaltbare Verwirklichung seitdem durch die Kämpfe und Siege auf den Fluren Böhmens bezeugt und verbürgt ist, und demgemäß, neben und mit dem Ausschuß deS deutschen Handels- wie StädtetagS und Nationalvereins. im Anschluß an die Reichs-Verfassung vom 28. März 1849 für das baldige Zustandekommen deS deutschen Parlaments durch Ausführung des Reichswablgesetzes vom 12. April 1849. und zwar möglichst in jedem zum Zollverein vereinigten deutschen Staat dies- und jenseits des Main, mit allen zu Gebote stellen- „Ach. Wilm, wenn sie noch lebten!" Diese Worte wurden von dem jungm Manne mit einer tiefen Weh-muth ausgesprochen, so daß man es ihnen wol)l anhörte, daß sie der unverfälschte Ausdruck eines von Schmerz ecsüllten Herzens waren. „Wir müssen Alle fort." sagte der Alte, an seinen Schlingen zupscud — „die Guten wie die Bösen, die Gerechten wie die Ungerechten." „Nur zu wahr. Doch laß mich Dich an die Verpflichtung erinnern, die mir auserlegt ward. Werde ich sie erfüllen können?" Der Wal'dbewohner ließ die Schlinge, welche in seiner Hand ruhte, langsam niedergleiten und sagte: „CS wird manchen harten Kampf kosten, eh^ die Redoute genommen ist. da aber unserer Sache die Gerechtigkeit zur