Pränumeratiouspreile: ^ 1 Ins «rt i o I> »Pre is e: Eia- Donnerstag, 24. Juni 1680. —Morgen: Wilhelm. Mit der Post: San,jahr. fl. I». ,eigen bi» 5 Zeilen ÜO kr. Die Jdrianer Festtage. * Idria, 22. Juni. Die Staatsregie pflegt gewöhnlich nicht als der Höhepunkt wirtschaftlicher Verwaltungskunst zu gelten. Mau wirft ihr Vielschreiberei und infolge dessen Umständlichkeit und Kostspieligkeit vor, nnd es hieße auch vielfach den Wert gegebener That-sachen verleugnen, wenn man die eben erwähnten Vorwürfe so gleich in Bausch und Bogen als ungerechtfertigt abthun wollte. Wo vermöge der ganzen Organisation gewisse Anlagen zu gewissen Mängeln vorhanden sind, kann es ja nicht fehlen, dass diese Mängel auch hie nnd da zum Vorschein kommen. Aber es hieße das Kind mit dem Bade aus-schütten, wenn man die Staatsregie bloß vom Standpunkte ihrer Fehler beurtheilen und nicht auch die eminenten Vorzüge berücksichtigen wollte, welche dieselbe wenigstens auf einzelnen Gebieten unbedingt beanspruchen darf. Wir rechnen zu diesen Gebieten in erster Linie den Bergbau und können uns zum Nachweis des Gesagten auf den Festtag berufen, der heute der krainischen Bergstadt Jdria Veranlassung gab, sich in ein feiertägig Gewand zu hüllen. Zwar Tbird altem Branche gemäß der Achatiustag alljährlich als kirchlicher Festtag begangen. Soll ja doch gegen Ende des ersten Viertels des sechzehnten Jahrhunderts nach langem vergeblichen Schürfen eine neue Fundstelle auf Quecksilbererze erschlossen worden sein, nachdem die früher im * Vorliegendes Schreiben wnrde in Jdria am 22. d. nach Schluss der Festprocession, also zur Mittagszeit, ans-qegeben, wurde jedoch, wie der Poststempel „Jdria, 23. d." beweist, dort erst gestern expediert. Angesichts dieser Nachlässigkeit wäre es wohl wünschenswert, wenn die Postverwaltung der ihr unterstehenden Jdrianer Postexpedition den wohlmeinenden Wink geben würde, dass es in der Zeit der Eisenbahnen denn doch nicht gut augeht, wenn Briese 24 Stunden und darüber im Briefkasten li^en bleiben. Die Redaction. Jeuilleton. Seelen-Beichte. Von Harrtet. (Fortsetzung und Schluss.) Das Glück macht den Menschen edel und gut. Unzählbare Keime sprengen da ihre Knospenhüllen. Eine Engelschar zieht in die Seele, jubelnd beherrschen sie die Stimmen guter Geister. — Weh', wenn Schmerz und Unglück hereinbricht. Die jubelnden Engelsstimmen verwandeln sich in Teufelskrallen ; sie bohren sich wie glühende Dolche in das Herz. Jeder dieser Dolche schneidet in die Saiten des Seelenlebens, bis die Harmonie daraus geschwunden. „ Seit einem vollen Jahre war Eyrilla mein Weib. — Der Himmel mit seinem durchsichtig klaren Sonnenlichte verdüsterte sich durch eine graue Wolke. Langsam zog sie. sich von den Klippen rauher Wirklichkeit loslösend, herauf und umschattete mein Glück. Wenn ich zu Cyrillas Füßen saß und mein Herz ihr immer wieder den Schwur der glühenden Liebe, die über Zeit und Raum ihren Anker in Bau gewesenen Gruben nach kurzem Betrieb wegen völligen Versiegens der Erzadern ausgelassen worden waren. Diesem Ereignis zu Ehren wurde ein päpstliches Breve erwirkt, nach welchem der Achatius-tag für alle Zeiten zum kirchlichen Festtage für Jdria erklärt wurde, an welchem die Knappschaft die Erinnerung an die neue Erschließung der Werke durch einen solennen Gottesdienst und durch eine Procession um die Stadt und zn den Stollcnein-gängen der Quecksilbergruben feiert. Und doch ist es sehr in Frage, ob der Bergbau in Jdria und mit ihm das Achatiusfest noch heute bestehen würde, wenn nicht zu einer Zeit, in welcher infolge der Zersplitterung des Betriebs dessen Erträgnis bereits wieder in Abnahme gekommen war, Erzherzog Carl von Jnnerösterreich die Be-sitzrechte der drei in Jdria bestehenden Privatgesellschaften für das Aerar erworben und den Gesammt-betrieb der Jdrianer Werke in Einer Hand vereinigt hätte. Im Jahre 1575 wnrden die daraus bezüglichen Unterhandlungen begonnen, und da im Jahre 1580 nach deren Abschluss im oben ange-denteten Sinne die neue Bergordnung erschien, nach welcher der Betrieb des Bergbaues in der Umgebung von Jdria ausschließlich dem Staate Vorbehalten wnrde, so sind cs demnach in diesem Jahre drei Jahrhunderte, seitdem der Bergbau von Jdria durch die Einheit des Betriebes auch eine gesicherte Grundlage für die Zukunft erhielt. Aus Jdria, der kleinen unansehnlichen Knappenansiedlnng, ist mittlerweile eine nicht unansehnliche Bergstadt geworden. welche vielen Hunderten Arbeit und Verdienst gewährt. Wohl sind die Löhne der Arbeiter keine glänzenden — aber mit väterlicher Fürsorge hat der Staat dafür gesorgt, dass den Familien der Arbeiter unter allen Umständen des Lebens Noth-durst gesichert bleibt. Fanatiker des Selbstbestimmungsrechtes mögen darin, dass der Arbeiter auf den Bezug des Limitogetreides angewiesen ist und die Unendlichkeit geworfen, erneuerte, schlang sie ihre lilienweißen Arme um meinen Hals und flüsterte: „Eusebius, wie bist du doch gut!" Ihr Auge ruhte wohl in meinem Blicke, dann aber schweifte es über meinem Haupte hinweg nach dem Meere. — O, ich begann zu fühlen, dass ihre Seele nicht in meiner Liebe ruhte, dass sie in die Ferne schweife nach einem unbekannten Etwas. Feucht und groß wurde stets ihr Auge. „Eyrilla, süßes Leben!« rief ich leidenfchaft-lich — angsterfüllt. Ihr Blick kehrte zu mir zurück. Aber es strömte mir in solchen Momenten keine Wärme daraus entgegen. Ein tiefes, stummes Sehnen lag in den Himmelsaugen. Das war die Wolke, die sich über mein Glück legte Wer je mit vollster, reinster Empfindung geliebt, wer diesem Gefühle sein ganzes Erdenglück zu Eigen gab, der wird die schneidig kalten Schatten in der eigenen Brust bei meinen Worten emportauchen fühlen. „Du gabst dich mit allem, was dein ist, Cy-rilla, sie aber wurde dein Weib, ohne dir die Seele zu schenken," schrie es wild in mir, wenn ich durch den Wald streifte, um in der Einsamkeit nach Ruhe zu Haschen. Ich lachte oft so bitter auf. dass die erschrockenen Vögel von den Bäumen emporflat« nur einen Theil seines Taglohnes in barem Gelde empfängt, einen des freien Arbeiters unwürdigen Zwang erblicken. Wer aber mit nüchternem Blicke und klaren, Verstände die Sachlage überblickt, der wird zugestehen müssen, dass gerade durch diese Verfügung jener Brantweinpest unübersteigliche Schranken gezogen sind, welcher der sogenannte freie Arbeiter so häufig den Taglohn der Woche und seine Gesundheit opfert, unbekümmert Harum, ob zu Hause seine Familie über einen Bissen Brot verfügt. Was die Versorgung der Kranken und der Arbeitsinvaliden anbe- langt, so sorgt der Staat für sie weit besser, als irgend eine andere Privatgesellschaft, welche zwar bei Zeiten günstiger Production und großen Absatzes weit höhere Löhne zahlt, dasür aber auch ohne Bedenken gleich ganze Scharen ohne jedweden Abfertignngsanspruch ganz aus dem Dienste entlässt oder auf einen wahren Huugerfold herabsetzt, wenn eben die Zeitverhältnisse eine Verminderung der Production als im Interesse der Unternehmer gelegen erscheinen lassen. Setzen wir noch hinzu, dass der Staat in letzter Zeit die Klagen wegen Einstellung des Avancements beseitigte, so werde« wir es Wohl begreiflich finden, dass der heutige Festtag zugleich als Erinnerungstag des dreihundertjährigen Bestandes der ausschließlichen Aerarialverwaltung der Jdrianer Bergwerke von der Bergstadt Jdria mit aufrichtiger Freude begangen ward, und dass an diesem Tag» auch nicht ein Hauch jener Zwistigkeiten zu spüren war, welche in jüngster Zeit so häufig den socialen Frieden der Gemeinde trübten. Bereits gestern war eine große Anzahl geladener Festgäste in Jdria angekommen, das im reichen Schmuck von Flaggen und Festons die leider bei strömendem Regen eingetroffenen Gäste mit zahlreichen Triumphpforten und Begrüßungsinschristen willkommen hieß. Gegen Abend ließ der Regen wenigstens so viel nach, dass die Beleuchtung ei- terten. Wen» ich mich aber still in das MooS legte, den schmerzverschleierten Blick hinaus auf das Meer gerichtet, kamen die Natursänger leise herangeflogen und ließen sich auf deu nächsten Büschen und Bäumen nieder. Sie wollten eine leidende Menschenseele in Traum und Schlaf ein-lullen. Ach, es gelang ihnen schlecht. „Gib mir auch ihre Seele, Naturgeist!" schrie ich oft leidenschaftlich, die Arme nach dem Meere ausstreckend, „ohne die Seele ist das Weib dem Gatten todter Marmor." Wild und schäumend schlugen die Wellen oft an das Ufer. Aus dem Brausen und Toben der Wasserfluten grollte die Stimme des Geistes an mein Ohr, sie schien zürnend zu rufen: „Du verlangtest nur die Knospe. — Sie ist dein geworden; dass sich ihr Rosenleben nur dir entfalte, ist deine Aufgabe." — Meine Ausgabe! Als ob es in der Macht des Menschen liegt, das Glück von den Sternen herab zur Erde zu ziehen Wochen, Monate waren vergangen. Die Wolke lag gleich schwer über meinem Leben. Lhrilla war sanft, gut und mild, fo mild, wie eine Mondnacht, aber auch so träumerisch still wie sie. — so freudenlos sanft. — Das wahre Glück, die echte Liebe ist hell, wie ein goldiger Sommertag, sie hat tausend mvglicht wurde, welche, von der Bewohnerschaft aus freien Stücken veranstaltet, den Vorabend des Festes in würdiger Weise schloss. Als eigentliche Einleileitung zum Jubelfeste muss die gestern im k. k. Werkstheater abgehaltene Festvorstellung angesehen Werden, deren von Dr. Keesbacher verfasster Prolog gewährte einen Ueberblick über die Geschichte Jdrias. Unterstützt wurde diese Declamation durch lebende Bilder und eine entsprechende Dekoration, welche zuerst den Schatz der Berge in der Gnomen Hut, dann Jdria im Jahre 1580 und endlich das Bild des Kaisers zeigte. Die Absingung der Volkshymne beendigte diese loyale Demonstration, an welche sich die Aufführung mehrerer Musikpiecen und ein ein» artiges Lustspiel anreihte. Trotz des fast ununterbrochen herabrieselnden Regens strömten heute schon in den ersten Morgenstunden ganze Scharen von Bewohnern der Nachbarorte in die Stadt, um an der Festprocession theilzunehmen. Schlag 10 Uhr verließ der Zug der geladenen Festgüste, unter welchen wir den Minister Graf Falkenhayn, den Herrn Landespräsidenten Winkler, den Landeshauptmann R. v. Kaltenegger, Vertreter des Landesausschusses, der krainischen Handelskammer und des Laibacher Gemeinderathes hervorheben, das Schloss Gewerkenegg, um sich unter Vortritt der Knappschaftskapelle in die Kirche zu begeben, wo der Minister von der Geistlichkeit begrüßt wurde. Die Procession, an welcher sich sämmtliche Beamte und Knappen, die Beamten der k. k. Forstverwaltung, der Veteranenverein und eine große Menge Volkes betheiligten, trat sodann den Umzug durch die Stadt und zu den Stollenein-gängen an. Nachmittags findet in der Turnhalle ein Bankett statt und sollen, wie verlautet, anlässlich der Jubiläumsfeier mehrere Auszeichnungen für verdiente Beamte in Aussicht sein. — 23. Juni. Die zum Schlüsse unseres gestrige» Brieses ausgesprochene Vermuthnng hat sich als begründet erwiesen. Unmittelbar nach Schluss der Festpro-cession theilte der Ackerbanminister den im Schloss Gewerkenegg versammelten Beamten und Knappen mit, dass er die angenehme Pflicht habe, der Ueber-bringer kaiserlicher Gnadengaben zu sein. Diese bestanden in der Verleihung des Hofrathstitels für Oberbergrath Lipold und in der Decoration des Ritterkreuzes des Franz-JosesordeiiS sür Bergrath Cermäk. Gleichzeitig brachte der Minister eine kaiserliche Verordnung z»r Verlesung, laut welcher für l 10 Bergarbeiter die Einrechnnng ihres iiifolge der Sistierung des Avancements in bloß provisorischer Verwendung zugebrachten Dienstes in die Freudenstimmen in der Brust, in der sie lebt. — Ich hatte es empfunden. Wieder hatte ich draußen im Walde meinem heißen Schmerze Luft gemacht, hatte dem Naturgeiste zum erstenmale wilde, leidenschaftliche Klagen in sein geheimnisvolles, den Staubgebornen ewig verschleiertes Antlitz geschleudert. — Das sollte ich büßen, furchtbar büßen! — Langsam kehrte ich heim. Als ich den Garten erreichte, fiel mein Blick auf die Terrasse, die den Ausblick nach dem Meere bot. Mein Weib stand dort. Die Rosenglut der untergehenden Sonne spielte in ihren weißen Gewändern, in den langen, blonden Haaren. Das Auge war nicht sehnsuchtsvoll in die Ferne gerichtet, als müsse von dort der Seele namenloses Heimweh gestillt werden, es haftete an einer hohen Männergestalt, die sich über die Epheuranken einer der weißen Marmorsäulen beugte. Mein Schritt wurde von der Terrasse gehört. Cyrilla wandte das Haupt. — Sie flog mir entgegen und rief mit strahlendem Auge: „EufebiuS, dein Bruder ist gekommen!" Mein Herz traf dieser Laut voll unbewussten Glückes wie ein Dolchstich. Aron eilte mir entgegen. Noch nie empfand ordentlichen Dienstjahre anbefohlen wird. Die Verlesung des kaiserlichen Gnadenactes wurde von der Knappschaft mit einem freudigen „Glück auf!" auf de» Kaiser beantwortet. Den wichtigsten Abschnitt des gestrigen Tages bildete das im schön decorierten Turnsaale der Volksschule abgehaltene Festbankett, über dessen Menu wir kurz hinweggehen, um dafür den gehaltene» Reden eine intensivere Würdigung angedeihen zu lassen. Eröffnet wurde der Reigen der osficiellen Toaste durch ein vom Landeshauptmanne Kaltenegger ausgebrachtes Hoch auf den Kaiser. Minister Gras Falkenhayn antwortete mit einem Hoch auf das stets treue Land Krain, das er als eine der schönsten Perlen jenes Kronreifens nannte, welcher da berufen erscheine, die Einheit der Völker zu symbolisieren. Aus diese in wirklich versöhnlichem Sinne gehaltene Rede hin machte es einen um so peinlicher überraschenden Eindruck, als Landespräsident Winkler zn einen, durchwegs in slovenischer Sprache gehaltenen Speech das Wort ergriff, welcher mit einem Toaste ans die Stadt uud die Knappschaft Jdrias schloss. Wenn unser Herr Landespräsident wirklich über den Parteien steht, so hätte er wohl einige Worte in deutscher Sprache reden können, ganz abgesehen davon, dass der deutsche Ursprung der Jdrianer Montanwerke und der Stadt Jdria, sowie auch der Umstand, dass erstere sich derzeit noch im Besitze deS österreichischen Kaiserstaates und nicht in jenem des nationalen Zukunftsherzogthums Groß-Slovenien befinden, es wenig angezeigt erscheinen lässt, wenn sich der Chef einer Landesregierung auf den einseitig nationalen Parteimann hinausspielt, als welcher er übrigens auch von Dr. Vos-njak in besonderem Toaste gefeiert wurde. Bürgermeister Stranetzky von Jdria toastierte deutsch und slovenisch auf Oesterreich, während Hofrath Lipold in mit stürmischem Beifall aufgenommener Rede darauf verwies, dass die treue Beamtenschaft Jdrias nur Dank der ihr von unten und oben gewährte» Unterstützung in der Lage sei, ihren Pflichten pünktlich uachzukommen. Mit warmen Worten dankte Redner den, anwesenden Minister durch seinen Trinkspruch dafür, dass er die Beamtenschaft Jdrias gegen ungerechtfertigte Vorwürfe in Schutz genommen habe, worauf der Laudtagsabgeordnete für Jdria R. v. Gariboldi die Reichstreue der Jdrianer Beamten feierte, welche sich durch kein Mittel des Parteiterrorismus von ihrer Anhänglichkeit an den österreichischen Einheitsstaat abwendig machen ließen. Noch sprach Hofrath Lipold auf den Landeshauptmann Kaltenegger, welcher seinerseits die Hebung der Bildung und die Achtung vor dem Gesetze als die Grundlage des Gedeihens des Staates bezeichnet^! ich bei dem Anblicke seiner herrlichen Gestalt so schmerzlich meine — Hässlichkeit. „Warum bliebst du nicht bei deinen Rosen?" — Ich sagte es eisig kalt. Die Bruderarme, die sich mir entgegenstreckten. sanken nieder und ein tief trauriger Blick traf den ineinigen. „Ich habe erkannt, dass die Rose», die ich mir Pflückte, auch Dornen haben, die in die Seele schneiden, dass sie blutet. Ich wollte ihrem duftgetränkten aber giftigen Athem entfliehen — an dein Herz entfliehen." Die leise gesprochenen Worte machten mich weich, die gute, treue Kindesseele tauchte aus meiner Bitterkeit ans, sie rang sich siegreich zum Lichte empor. „Aron, ich will dich an mein Herz nehmen, wenn du nur bei nur den Frieden suchst!"---------------------- Ich zog ihn an mich! O, wäre ich doch grausam gewesen, hätte ich ihn von mir, von der Schwelle meines Hauses gestoßen — ich würde nicht sein Mörder geworden sein. — Aber das Schicksal leitet uns und unsere Handlungen. Wir müssen seiner dunklen Spur willenlos folgen, es sei, dass sie uns zur Sonnenhöhe des Glückes trägt oder an den Abgrund ewigen Verderbens. Ueber die schau» rige Tiefe schwebt dann, dem einsamen unerreichbaren Aare gleich, die Vergangenheit. Vergebens worauf Kammerpräsident Dreo die Reihe der Trink-sprüche mit einem Hoch aus Jdrias Hausindustrie abschloss. Im Laufe des Nachmittags hatte sich der Himmel wieder einigermaßen aufgehellt, so zwar, dass das für den gestrigen Nachmittag in Aussicht genommene Volksfest auf der „Zemlja" doch nicht ganz in Wegfall zu kommen brauchte. Trotz deS regenfeuchten Bodens hatten sich in den späteren Nachmittagsstunden rasch viele Hunderte von Menschen auf dem Festplatze eingefunden, dessen hübsche Decoration ein beredtes Zeugnis davon gab, dass man weder Zeit noch Mühe gescheut hatte, um von Seite der Festgeber dem Feste selbst ein möglichst schönes Aeußeres zu geben. Gegen Abend erschienen auch die geladenen Festgäste, darunter der Minister Falkenhayn, der Landespräsident Winkler, der Landeshauptmann und mehrere Mitglieder des Landesausschusses aus der „Zemlja", wo bei Anbruch der Nacht ein brillantes Feuerwerk abgebrannt wurde, während im Saale des Restanrationsgebäudes die tanzlustige junge Welt sich bis Mitternacht dem Tanzvergnügen hingab. Heute vormittags fand dir Befahrung der Gruben durch die Festgäste statt. Minister Falkenhayn erschien knapp vor halb 1l Uhr in Begleitung des Hosrathes Friese am Barbaraschachte, und wenige Minuten später glitt die erste Förderschale unter dem „Glück auf!" der zutage befindlichen Zuschauer in die schweigsame Tiefe hinab. Die Begehung der Gruben nahm mehr als eine Stunde in Anspruch, und muss bei dieser Gelegenheit ebensowohl das sichtliche Interesse des Ministers an den ihm offenbar nenen Geheimnissen des Bergbaues, als auch die liebenswürdige Bonhomie hervorgehoben werde», welche Hofrath Friese, der Referent für Bergbau-Angelegenheiten im Ackerbau-ministerium, jedem der Festtheilnehmer gegenüber an den Tag legte. Nachmittags zwei Uhr fand bei Minister Falkenhayn ein Diner im engeren Kreise statt, zu welchem neben den Oberbeamten von Jdria auch mehrere der geladenen Festgäste beigezogen wurden. Während des Diners lies ein Telegramm aus der Cabinetskaiizlei des Kaisers ein, in welchem der Dank des Monarchen sür die demselben an, Vortage gebrachte Huldigung ausgesprochen und der stets getreuen Bergstadt Jdria die kaiserliche Gunst zugesichert wird. Wie verlautet, hatte Minister Falkenhayn die Absicht angedeutet, seine Anwesenheit in Jdria über den ursprünglich beabsichtigten Termin auszudehiien. Allein ein Telegramm, welches ihn wahrscheinlich infolge der mittlerweile zum AuS-'bruche gelangten Ministerkrisis »ach Wien berief, strecken wir die Hände nach dem fernen Bilde aus. Es bleibt uns verloren. Nur die Erinnerung, ein schattenhafter Geselle jeglicher Zeit, lehnt sich müde an unser Gedächtnis. Vierzehn Tage verflossen. Die Wolke schwoll zum schwülen Gewitter in mir an. Mein Himmel gieng unter mit all', all' den Engelsstimmen; die Hölle tauchte dasür empor mit ihren gelben, grellen Lichtern. Das Verbrechen, die Uhrahne der bösen Leidenschaft reifte langsam in mir. Ich war Mephisto, der verlocken und verführen will. Ich wollte mich überzeugen, wie weit die Pflicht und Treue meines WeibeS gieng. Ob AronS Schön-heit ihre Seele zur Sünde reize. Wenn Cyrilla und mein Bruder sich allein glaubten, belauschte ich sie hinter einem Vorhänge in dem Schlosse, oder hinter den Rosensträuchen in dem Garten. Sie sprachen kein Wart, das auf einen Verrath meines Bruders oder meines Weibes mir gegenüber schließen ließ. Eins aber gewahrte ich bald, und das senkte die glühenden Teufelskrallen wilder Eifersucht in mein Herz. Wenn Aron sprach, schweifte Cyrilla nicht träumerisch in die Ferne. Groß und glänzend hastete ihr Auge auf dem Antlitze voll männlicher Schönheit. Ihre Seele war bei ihm, und traf sie fein Auge, so senkte sie die Lider; leise Rosenglut stieg ließ diese Absicht nicht zur Ausführung gelangen. — Abends schloss ein Festcommers, oder wie eS die Bergleute nennen, ein Schachttag. in der Turnhalle der Volksschule die hochinteressante Feier, bei deren Würdigung wir hervorheben müssen, dass die Betheiligung der Bevölkerung und der Knappschaft am Feste nicht etwa eine gezwungene, kommandierte war, sondern dass im Gegentheile unter der armen Knappschaft aus eigenem Antriebe Sammlungen veranstaltet wurden, um eine oder die andere besonders gut gelegene Hütte auf gemeinsame Kosten an der allgemeinen Beleuchtung theilnehmen zu lassen. Gesterreich-Ungarn. Die sozusagen über Nacht in Fluss gerathene Ministerkrisis hält gegenwärtig die Gemüther in einer fast über die Wichtigkeit des Gegenstandes hinausgehenden Spannung. Nicht etwa, als ob wir Aenderungen in den höchsten Regierungskreisen jede Bedeutung absprechen wollten. Gott bewahre! Aber so, wie das Ministerium Taaffe heute dasteht, halten wir eben die Situation noch nicht für reif, um zu einer definitiven Lösung der unter dem Namen des Coalitionssystems begonnenen Krisenära zu drängen. Das Ministerium Taaffe hat noch zu wenig Missgriffe begangen, um trotz der Huld, die ihm von hoher Stelle lächelt, zum Bekenntnis seiner Fehler und zum Rücktritt gezwungen zu werden. Und ohne einen solchen gebieterischen Zwang — wir meinen darunter natürlich nur einen moralischen — wird Gras Taaffe nicht vom Schauplatz zurücktreten. Von der Vortrefflichkeit seines staatsmännischen Genies überzeugt und mit einem hohen Grade von Selbstbewusstsein ausgestattet, glaubt er nicht daran, dass der von ihm eingeschlagene Weg nur zu einer allgemeinen Verwirrung der politischen Lage führen könne, und wird, nachdem die bisherigen Repräsentanten der Verfasiungspartei aus dem Cabinete ausgetreten sind, deren Stellvertreter eben dort nehmen, wo er sie bei dem ausgesprochenen Widerwillen der Verfasiungspartei gegen sein Cabinet allein zu nehmen vermag — aus den Reihen der Bureau-kratie. An die Ernennung des Herrn Weiß von Starkenfels ist wohl kaum im Ernste zu glauben. Eher würde sich noch Poklukar zum Landeshauptmann als Weiß-Starkenfels, der rührige Vertreter des kampflustigen Nltramontanismus, zu einem österreichischen Minister eignen. Seine angebliche Candidatur wird auch von den heutigen Wiener Blättern nicht mehr erwähnt. Dafür wird neben Weber, Streit und Gödel als den angeblichen in die immer marmorbleichen Züge, ihr Busen wogte heftig, ihre Gestalt sank weich und schmieg» sam in sich selbst zusammen. Ich begann Aron tödtlich zu hassen, dennoch zeigte ich ihm stets ein freundliches Gesicht. Wenn sein nachtschwarzes Auge aus Chrilla haftete, zuckten unruhige Lichter darin auf. Regte sich die alte, unverbesserliche Leidenschaft in ihm? Wollte er auch meine Knospe brechen — um sie dann zu den Rosen zu schleudern, deren Duft ihn vergiftete, seine Seele bluten gemacht? — „Nein, das sollst du nicht, eher tödte ich dich!" schrie eS wild in mir. Wo blieb die gute, sanfte KindeSseele, die einst den Bruder so heiß geliebt? — Ach! die gelben Flammen schlugen verheerend über dem wilden Traum zusammen. Ihre Höllenglut versengte die Frühlingstriebe der ersten Lebensjahre. — Noch war eS Zeit, Aron auf seine verderblichen Gefühle, wenn sie sich in dem Herzen regten, aufmerksam zu machen — aber ich wollte Mephisto sein.------------------ Ein wundervoller Sommertag neigte sich zu Eude. Ich gieng in den Wald. Zwei Pistolen steckten in meinem Ledergürtel, weil ich die Absicht hatte, Seevögel zu schießen. Die Marter in meiner Brust war in den letzten Tagen stumm geworden. Was sie jetzt umschloss, glich einer Wüste. Als ich den Wald erblickte, vergieng mir die Remplatzanten für Stremayr Generalmajor Graf Zeno Welsersheimb als Nachfolger des wackeren Baron Horst genannt, den wir hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit als Mitglied eines verfassungstreuen Cabinets zu begrüßen die Freude haben werden. Interessant sind die Anstrengungen, welche die hochofficiöse „Wiener Abendpost" macht, um die von der „N. fr. Presse" gebrachten Nachrichten über die Ursachen des unerwarteten Ausbruches der Ministerkrisis zu entkräften. Wie die „Neue fr. Presse" mittheilte, soll nämlich Baron Korb die Erklärung abgegeben haben, dass er nicht Mitglied eines Cabinets sein könne, in welchem der Finanzminister die wichtigsten zwischen dem Handelsministerium und dem Finanzministerium gewechselten Aktenstücke unterzeichnet, ohne sie gelesen zu haben, um später sogar deren Existenz in Abrede zu stellen. Anlass zu dieser allerdings schneidigen Bemerkung hatte Minister Kriegsau gegeben, welcher sehr verwundert darüber war, dass im Ministerrathe die Steuerbefreiung der Südbahn zur Sprache komme, ohne dass er, wie er sagte, von den diesbezüglich zwischen der Südbahn und dem Ministerium schwebenden Verhandlungen eine Ahnung hatte. Von Baron Korb aufmerksam gemacht, dass in dieser Angelegenheit bereits ganze Actenstöße aus dem Handelsministerium in das Finanzministerium hinübergewandert seien, soll nun Baron Kriegsau das große Wort gelassen ausgesprochen haben, dass er nicht alles durchlesen könne, was ihm in Reinschrift zur Unterfertigung vorgelegt werde. Die „Wiener Abendpost" sagt nun zwar allerdings, dass die Mel-dung der „N. fr. Presse" jeder thatsächlichen Begründung entbehre; aber abgesehen davon, dass sie einem thatsächlichen Dementi sehr behutsam aus dem Wege geht, müssen wir aufrichtig gestehen, dass wir nach den Proben, welche Baron Kriegsau bereits geliefert, auch recht gut an die Möglichkeit des von der „N. fr. Presse" mit-gelheilten Sachverhalts glauben können. Der galizische Landtag hat dem Verlangen des Landesgerichts, gegen die Abgeordneten Smar-zewski und Simon, welche des Betruges dringend verdächtig erscheinen, die strafgerichtliche Unter» suchung einleiten zn dürfen, keine Folge gegeben und den betreffenden Abgeordneten noch zum Ueberflusie eine Ehrenerklärung zukommen lassen. Mit Recht bemerkt hiezu die „Presse": „Er ist vielleicht noch nicht dagewesen, dass ein Landtag Mitgliedern der Legislative, welche eines nicht-polilischen Verbrechens angeklagt sind, Ehren- Jagdlust. Ich betrat sein grünes Dämmerlicht, streckte mich in das Gras und starrte unverwandt hinaus auf das Meer. Ruhig, still lag es heute da. Die leichten Wellenkäme, die es emporwarf, glichen nur einem losen Spiele der endlosen Wasserflut mit dem Windeshauche, der über den Wasser« spiegel hinstrich. Die Wüste in meiner Brust begann leisen Schmerzensregungen zu weichen. Die alte Sehnsucht nach Glück kam noch einmal zum Durchbruche. Mein Kopf sank an die harte Baumrinde einer Tanne, unter der ich lag. Thränen brachen mir aus den Augen. Der Engel der Kindheit, der in jener Stunde Abschied von mir nahm, weinte zum letztenmale um mein verlornes Leben.------------ Stunden vergiengen, bis sich die Schmerzenswunden in meiner Brust geöffnet und wieder geschlossen hatten. Als ich das Haupt von der thränenseuchten Baumrinde emporhob, war es Nacht geworden. Der flimmernde Sternenhimmel spannte sich über das Meer und der Mond, der groß und voll in dem Weltenreiche unendlicher Schöpfungen hieng, spukte geisterhaft durch das Geäste der Bäume. Ich erhob mich von dem Boden. Mein Auge hieng an dem Firmamente. DaS unzählbare Sternengewimmel dämpfte die Mondkugel. — „Ihr Welten, voll Glanz und Licht, trägt Ihr auch Leid und Kampf auf euerer Bahn?" rief ich. „Dunkel und geheim- erklärungen ausstellt und gegen die Gerichte Front macht. DaS heißt ein böses Beispiel geben, die Achtung vor der Justiz untergraben, sich dem Verdachte des Nepotismus aussetzen und den Männern, um welche es sich handelt, einen schlechten Dienst erweisen." Vermischtes. — Aus kurzem Wege befördert. Eine freudige Ueberraschung durch den Kaiser Wilhelm ist, wie das „Kl. I." mittheilt, kürzlich einem Rittmeister zntheil geworden. Nach einer Besichtigung der Mannschaften und Landwehrlente, die der Kaiser in der neuerbaute» Kaserne der Pionnierstraße in Berlin vornahm, begab sich derselbe nach dem Officiers-Casino, wo sich inzwischen die Osficiere versammelt hatten. Der Monarch sprach mit diesem und jenem der ältern, sowie der jüngern Osficiere und wandte sich schließlich an den ältesten Escadron-ches des Regiments, Rittmeister v. S. Während des Gesprächs schrieb nun der Kaiser mit Kreide unbemerkt einige Worte auf den Waffenrock des Angesprochenen und entfernte sich darauf herzlich lachend mit dem Commandeur des Regiments, Prinzen von Hohenzollern. Plötzlich trat der älteste Stabsosficier des Regiments an den nichts ahnenden v. S. heran und knöpfte demselben die Epau-lettes ab, die er zum Erstaunen der Umstehenden und zur freudigen Ueberraschung des Betroffenen init befransten Majorsepauletten vertauschte. Der Kaiser hatte nämlich mit dem Kreidestift: „Zum Major befördert" auf den Waffenrock des Herrn v. S. geschrieben. — Eine grauenhafte That. In Berlin wurde letzten Samstag ein arbeitsloser Tischler, Christian Nitzel, wegen Verübung groben Unfuges — er hatte Frauen und Mädchen auf der Straße insultiert — verhaftet. Im Arreste tobte er herum und verunreinigte die Zelle in entsetzlicher Weise. Als man ihn anhielt, die Zelle zu reinigen, und dieselbe deshalb öffnete, stürzte er sich aus den Telegraphisten und Schutzmann Schulz, der eben sein Abendbrot verzehrte, und stieß ihm ein Brotmesser mit solcher Wucht in das rechte Auge, dass man das Messer nur mit Anstrengung wieder her« ausziehen konnte. Der Getroffene war übrigens sofort todt. Nitzel erklärte, eS fei ihm ganz gleich-giltig, wenn man ihn um einen Kopf kürzer mache. — Zärtliche Eheleute. Am 15. d. abends spielte sich in Mailand auf dem Aleffandroplatze eine amüsante Scene ab. Eine Frau und ein Mann machten sich vor dem Publicum laut schreiend nisvoll ist euer glänzendes, zitterndes Leuchten doch für die Erdbewohner." Ich schritt rasch vorwärts. Der Gedanke an Chrilla und Aron trieb mich plötzlich heim. Biele Stunden ließ ich sie allein — der Zauber der Mondnacht konnte sie in Liebesträume wiegen. Während ich einsame Thränen weinte, küssten sie sich vielleicht den ersten Tropfen begehrender Leidenschaft von den Lippen. Das erste süße Gift wonniger Liebeslust! Die Finger der Rechten legten sich auf die Mordwaffe in dem Gürtel. „Du sollst sterben, Aron, wenn du die Hand nach meiner Knospe ausstreckst." — Ich erreichte den Garten. Berauschende Blumendüfte trug mir der Nachtwind zu. Die Rosen glühten sanft; ihre» Purpurblättern entstieg die Blütenseele und koste mit dem Geisterlichte des MondeS. Käser wiegten sich auf Blättern und Grashalmen. Eidechsen huschten über den Rasen, der Luna den Silberschleier zur Nachtseier geraubt. — Die Terrasse, nach der mein glühender Blick huschte, war leer. Die Weißen Marmorsäulen und Statue», welche sie schmückten, um die sich der viel-armige Epheu schlang, badeten sich einsam in der Mondstrahlenflut. Wo war Cyrilla und Aron? Vielleicht — mich durchschauerte es frostig — in dem Venustempel! — Katzenartig schlich ich mich durch die weißen Rosenbüsche, an die offene Säulen- eben nicht die zärtlichsten Vorwürfe. „Habt Ihr keinen ändern Ort, »m Eure schmutzige Wäsche zu waschen?" fragte sie ein hinzugekommener Wachmann. — „Das heißt," schrie das Weib, eine robuste Frau aus dem Volk, etwa 30 Jahre alt, „dieser Halluuke von einem Mann verräth mich seit fast einem Monat . . . ." — „Aber sie, meine Herren," fällt ihr der Mann ins Wort, „es sind schon anderthalb Jahre, dass sie mich . . . ." — Die Wachen: „Wo wohnt Ihr?" — „Außerhalb der Porta Ludovica." — „Und Ihr seid eigens hiehergekommen, um hierzu streiten?" — „O nein, wir haben schon vor einer Stunde auf dem Domplatz angefangen." — Schallendes Gelächter. — Die Wachen: „Nun, so geht jetzt nach Hause. Es ist das Beste, was Ihr thun könnt." — Der Mann: „Nein, dur^aus nicht. Ich will nicht mit diesem unwürdigen Geschöpf gehen." — Das Weib: „Ich gehe mit jedem, der will, nur nicht mit diesem Ungeheuer da." In diesem Augenblicke tritt ein breitschultriger und bärtiger Mann hervor. „In diesem Fall kommen Sie mit mir." — Das Weib: Ans der Stelle." Und beide entfernen sich unter lautem Beifall des in heiterster Stimmung befindlichen Publikums. Der Mann will sich auf das Individuum stürzen, das seine Frau fortführt. Man hält ihn zurück. „Ihr irrt Euch," ruft der Ehemann, noch lauter lachend als die anderen; „ich wollte ihn nur zum Zeichen meiner Dankbarkeit umarmen, weil er mich von meinem Weib befreit hat." Local- und Provinzial-Angelegenheiten. — (Lehrerconferenz.) Heute vormittags fand im Rathaussaale unter dem Vorsitze des Be-zirksschnlinspectors Prof. Ritter v. Gariboldi die Lehrerconferenz des Schulbezirkes Stadt Laibach statt. — (Nachtragsfeier.) Der Männerchor der philharmonischen Gesellschaft feierte gestern nachträglich das Namensfest ihres Gesellschastsdirectors Hosrathes Ritter v. Schöpp l. Sonnwalden nnd des Musikdirektors Nedvöd im Clubzimmer der Casinorestauration. Die Gesellschaft befand sich in der animiertesten Stimmung. — (Die Laibacher Liedertafel) veranstaltet Samstag, den 20. Jnni d. I, zu». Besten der durch Elementarereignisse verunglückte» Bewohner Unterkrains im Garten der Casinorestanration ein Sommerfest »nter Leitung ihres Chormeisters Herrn I. E Schulz mit nachfolgendem Programm: 1.) F. Abt: „O wuuderselige Frühlingszeit," Chor; 2.) A. Förster: „kodratimi^ü,", Chor mit Soloquartett; 3.) Th Koschat: „Was fahlt dir liab's Schatzerle," Volkslied; 4.) Fr. Suppe: „Mein Liebchen nnterm Rebendach,". Soloquartett; b.) Dr. Jpavec: „Oo- moviüi", Chor mit Tenor« und Baritonsolo (Aem. Böhin uud I. E. Schulz); 6.) V. Petit: Lra- bantzonne" (belgische Volkshymne), Chor; 7.) E. Otto: „In dem Himmel ruht die Erde," Chor; 8.) I. Beschnitt: „Rheinfahrt," Chor mit Baritonsolo (I. E Schulz); 9.) A. Hajdrih: morjs", Chor; 10.) Th. Koschats: „'s Röserl am Wörthersee", Kärntner Volkslied; 11.) A. Nedvöd: „NHa roLiea", Soloquartett; 12.) V. Becker: „Gut' Nacht, mein Schatz", Chor. — Das Programm der Musikkapelle des Herrn Zörner wird in den Zwischenpausen nachfolgende Piecen znr Aufführung bringen: 1.) Suppe: „Fatinitza"-Marsch; 2.) Rossini: Lavatina aus „Barbier von Sevilla"; 3.) Suppe: „Boccaccio" - Quadrille; 4.) Hauser: „Heimweh"; 5) Zörner: Laibacher Liedertafel-Polka; 6.) Zörner: Opernlieder-Pot-pourri; 7.) Strauß: „O schöner Mai", Walzer; 8.) Zörner: Zapfenstreich-Potpourri; 9.) Styasni: Marsch. — Um 10 Uhr beginnt der mit zahlreichen wertvollen Besten ausgestattete Glückshafen. Der Preis eines Loses beträgt 5 kr., die Gewinste werden nach beendetem Losverkaufe ausgefolgt. — Anfang 8 Uhr abends. — Entree 30 kr. Ueberzah-lnngen werden dankbarst entgegengenommen und ans Verlangen quittiert, wobei wir bemerken, dass der ganze Reinertrag den nothleidenden Landsleuten in Uuterkrain gewidmet ist. Bei ungünstiger Witterung wird das Fest verschoben. Witterung. Laibach, 24. Juni. Morgens heiter, gegen Mittag Gewitter ans Westen mit Rege», nicht anhaltend, schwacher West. Wärme: morgens 7 Uhr 16 4", nachmittags 2 Uhr -j- 17 2° C. (187!^ -l- 22'4", 1878 23'8° L.) Baromeler im Falle», 733 63 Millimeter. Das gestrige Tagesniittel der Wärme -s- 15 3-, »», (73° uiiter dem Normale. Angekommene Fremde am 23. Juni. Hotel Stadt Wie». Weiß, Kaufm.; S»hai„,, Ingenieur; Dr. Kirchhammcr und Uhak, Wie». — Aldenburg, Kaiisni., Köln. — Höfer, Oberstabsarzt, Graz. — Strizl und Knnz, Privatiers, Triest. — Lackner, Handelsmann, Gottschee. Hotel Elephant. Taichig, Glücklich nnd Zitzer, Kcuisleute, Wien. — Cavalieri, Doctorsgatti», Triest. — v. Bertalau, Privat, Graz. Mohren. Zweckmaier, Besitzer, Nürnberg. — Goletz Rosalia, Private, Agram. — Liebe,iivei», Privat, Feld-kirchen. Gedenktafel über die am 28. Juni 1880 stattfiiidende» Lici-tationen. 3. Feilb., Bnkovica'sche Real., Konjskigraben, BG. Littai. — 1. Feilb., Jnvan'sche Real., Michelftetten, BG. Krainburg. —-3 Feilb., Pregl'sche Real, Ustje, BG. Littai. — 3. Feilb., Kokovisa'sche Real., Konjskireber, BG. Littai — 8. Feilb., MkoM'sche Real., Preska, BG. Littai. - — 3. Feilb., Götzl'sche Real, Laibach, LG. Laibach. — 3. Feilb., Zalar'sche Real, Lipsei», BG. Laas. — 3. Feilb., Velst'sche Real., Unterwodale, BG. Nassensuß. — 3 Feilb., Cerer'fche Real., Boltiju, BG. Littai. Lebensmittel-Preise in Laibach am 23. Juni. Weizen 10 fl. 40 kr., Korn 7 fl. 31 kr., Gerste S fl. 51 kr., Hafer 3 fl. 90 kr., Buchweizen 5 fl. 70 kr., Hirse 5 fl. 70 kr., Kukuruz 6 fl. 34 kr. per Hektoliter; Erdäpfel 4 fl. — kr. per 100 Kilogramm; Fisole» 9 fl. — kr. per Hektoliter; Rindschmalz 78 kr., Schweinfett 74 kr., Speck, frischer 68 kr., geselchter 70 kr., Butter 70 kr. per Kilogramm; Eier 1°/, kr. per Stück; Milch 8 kr. per Liter; Rindfleisch 56 kr., Kalbfleisch 46 tr., Schweinfleisch 64 kr., Schöpsenfleisch 36 kr. per Kilogramm; Heu 1 fl. 95 kr., Stroh 1 fl. 78 kr. per 100 Kilogramm; hartes Holz 6 fl. 20 kr., weiches Holz 5 fl. — kr. per vier C.-Meter; Wein, rother 20 fl., weißer 16 fl. per 100 Liter. Wiener Börse vom 23. Juni. Ktaot,- säukä. vilberrente SlaatSIose, 1854. . „ 1860. . , 1800 zu 100 fl. 1804. . Eennäeatlastiiagr- Obligation«». Galizien............ Siebenbürgen . . . Temeser Banat . . Ungarn .............. Anäeee Llsentkicke Hnteken. Donau Negnl.-Lose llng. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . . Aetien v. Hanken. Credi'.anstalt f.H.n.G Nanonalbank............ Aetien v.Tran»p»rt Unternehmungen. Alföld-Babn.......... Donau. Dampfschiff. lLlisabeth-Westbahn . Ferdinands Nordb. Hranz.Ioseph-Bahn . Äalrz. Aarl-Ludwigb i^mberg - «Lzernowiy -Lloyd-riSeseUschast . Geld War»' 73 60 73 70 74 20 74 30 88 65 88 75 122 50 123 - 134 — 134 25 133 75 134 25 173 50 173 75 97 80 04 75. 94 20 95 75 U2 114 50 120 50 282'-831 — 158Ä 98 20 95' 94 50 95 112 5.0 114 75 120 75 Nordwestbahn . . . Rudolf-Bahn . . . Staatsbahn . . . . Südbahn........... Ung. Nordostbahn Psanäbriese. Bodencreditanstalt in Gold........... in österr. Währ. . Nationalbank. . . . Ungar. Bodencredit- 282 20 832 — 159 576 — 578 — 190 — 190 50 2507 l 8510 »69 50 ,70 -275 — 275-85 167 25 167 7b 692 - 693 Aeld 167 75 16250 L84 — 83 — 149 — 116 25 101 — 102 ' 0 101 25 PrioritütL-Obkig. Elisabethbahn, l.Em Ferd.-Nordb. i. Silber Kranz-Ioseph-Bahn. Galiz.K-Lndwigb.l.iL L)est. Nordwest-Bahn Siebenbürger Bahn StaatSbahn 1. -, 57 6 « Ware 168 — 163--284-25 83 25 149 50 116 60 101 25 102 60 101 50 98 50 105 — 100 70 105 — 100 80 84 60 174 50 125 20 107 50 180 50 ,8-50 117 35 5 56 S 34 57 65 Telegraphischer Cursbericht am 24. Juni. Papier-Rente 73 75. — Silber-Rente 74 35. — Gold-!>iente 88 85. — 1860er Staats-Anlehen 133 50. — Bank-actie» 828. — Creditactie» 283 — London 117 10. — Silber - — K. k. Münzducaten 5 53. — 20-FrancS-Stücke 9 33. — 100 Reichsmark 57 45. Halle heran, die in das Meer hinausgebaut war. — Da — da — vor meinen Augeu sprühten rothe Flammen auf — saß mein Weib am Sockel der Statue. Zu Cyrillas Füßen lag Aron. Er hielt ihre Hände in den feinigen und flüsterte süße Lie-besworte in ihr Ohr. — Gott, und Venus schleuderte keinen Flammenblitz nach -dem Paare? Sie beschützt nur die Liebe, ob sie mit reiner Glut in das Herz zieht, ob sie, über gebrochene Treue hinwegschreitend, davon Besitz nimmt, darnach fragt sie nicht. — Die Wellen mit dem blitzenden Strahlengefunkel der in den Wasserfluten gebrochenen Mondscheibe murmelten leise und schlugen sanft kosend an die Marmorstufen des Tempels. Ihr Liebeslied, das sie Cyrilla und Aron saiigen, sollte für ihn zur Todteuklage werde,,. Noch wenige Schritte, und ich stand, ungesehen von den beiden, hinter einer der Säulen des Tempels der Liebesgöttin. Voll lag der Moudstrahl, der durch die Halle flutete, auf Cyrillas Zügen. Den Ausdruck, den sie in jener Minute besaßen, werde ich nie vergessen, und müsste ich durch die Ewigkeit wandern, um zum zweitenmale Mensch zu werden. Die Seele lag in ihren Augen, auf ihren Lippen! Die Seele der Liebe, der Leidenschaft, wie ich, ihr Gatte, sie niemals aus diesem Antlitze getrunken. — Schön, überirdisch schön war es immer, jetzt aber leuchtete der Himmel aus den tiefen Augen; er strahlte auf Aron nieder. Jetzt — o, mein Weib beugte sich zu ihm herab, ihre Arme schlangen sich um seinen Hals, ihre Lippen näherten sich den seiuigeu — ich hob die Mordwaffe, der rasende Schmerz in meiner Brust führte die Hand. Zwischen den ersten Tropfen der Liebeslust sollte sich der Tod drängen und ihn mit seinem wesenlosen Scheine versiegen machen. — Der Schuss fiel. — Aron sank mit einem gellenden Aufschrei auf den Marmorboden vor dem beschützenden Götterbilde nieder. — Der Höllenfürst brannte in jener Minute das Kains-Zeichen auf meine Stirne. Cyrilla brach mit eiuem herzzerreißenden Laute neben dem tödt-lich Getroffenen zusammen. — Immer schwebt der furchtbare Moment vor meinen, ruhelosen Geiste, wo ich mich über mein ohnmächtiges Weib beugte, wo ihr das Bewusstsein zurückkehrte und sie, versteinertes Entsetzen in dem Antlitze, die Hände abwehrend nach mir ausstreckte und die blutlosen Lippen: „Mörder, Mörder!" hervorstießen. — Der Himmelsglanz in den blauen Sternen war erloschen. Die Nacht der irren Seele blickte mich aus meiner verlornen Seligkeit,meinemgestorbenen Glücke an. Dieser entsetzliche Blick trieb mich von dannen. Ich stellte mich selbst vor das Gericht. Sein Urtheilssprnch für den Brudermörder lautete: Lebenslängliche Kerkernacht. Nie wieder sah ich das himmlische Antlitz Cyrillas. Die Knospe zernagte der glühende Schmer-zenswnrm. Mein Weib wurde wahnsinnig und stürzte sich in das Meer. — Es streckte verlangend seine tausend Nebelarme nach de», jungen, zerstörten Leben aus. Es gab ihm Ruhe. Trost und Frie- den, sang Cyrillas Schönheit ein ewiges Todten« ljed!-------- Zwölf Jahre liegen abgebüßt hinter mir. — Der Tod hat seinen Keim in meine Brust gelegt. — Vielleicht noch wenige Wochen und es ist zu Ende mit mir. — Ich will nicht aus dem Leben scheiden, ohne meine „Seelen»Beichte" niedergeschrieben zu habe». Heute, draußen ist ein wundervoller Sommertag — ich fühle es selbst in den kalten Kerkerwänden, die viele Sonnengoldfäden einspinnen — schrieb ich meine Beichte zu Ende. Die zitternden Hände konnten kaum mehr den Stift halten. Fliegt, kleine Blätter, feucht von Reuethränen, fliegt hinaus in den goldigen Sommertag, in die köstliche Freiheit! Durch das vergitterte Fenster meiner Zelle lasse ich euch in den Schlossgarten der grauen, düstern Veste fallen. Der Park wird oft von Fremden besucht. — Vielleicht kommt ihr in freundliche Hände! Druck von Jg. v. Kleinmayr L Fcd. Bamberg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Hans Kraus.