Laibachkr TaMtl. Redaction und Expedition: Bahnhosgasse Nr. 15. Nr. 44. Sränumerationgpreise-Kür Laibaili: Ganzj. fl. 8'4V; gnlerti->n«preise^ Siii- q—in-Hau-vr.,,25kr. Freitaq, 2Z. Februar 1878. — Morgen: Romana. ^ 11. Jahrg. Wt der Post: Ganzjähr.fl.iL. ^ ^ ;->g-n b,S !> Zeilen rv k. ^ ^ Die Orientinterpettationen. II. Jnbetreff der Stellung Deutschlands zur orientalischen Frage erklärt Bismarck, er könne die Stellung, welche Deutschland zu den neuesten Ereignissen genommen, noch nicht bezeichnen, weil ihm die bezüglichen Aktenstücke erst am Tage der Jnterpellationsbeantwortung zugekommen. Diese Aktenstücke würden der bevorstehenden Konferenz als Material vorgelegt werden, vorher aber schon den Gegenstand eines Meinungsaustausches unter den Negierungen bilden. Was eine Veränderung des Vertrages von 1856 sein soll, werde der Sanetion der Vertragsmächte bedürfen. Geschieht dies nicht, so folge daraus noch nicht die Nothwen-digkeit eines neuen Krieges, aber ein Zustand, den er im Interesse Europa's vermieden sehen möchte. Er nimmt dann „hypothetisch" an — was auch sehr wahrscheinlich ist, — daß auf der Konferenz eine Einigung über das, was zu geschehen hat, nicht zustande käme, daß die betheiligten Mächte, welche vorzugsweise ein Interesse haben (darunter wol sicher vor alleu Oesterreich!) den russischen Stipulationen widersprechen und sagen: „Es con-veniert uns in diesem Augenblicke nicht, darüber Krieg zu führen, aber einverstanden sind wir damit auch nicht, wir behalten uns unsere Entschließung vor." Der Kanzler, als Freuud Rußlands, führt uun aus, daß ein solcher Stand der Dinge der russischen Politik nicht erwünscht sein könne. Dieselbe sage mit Recht: Wir haben keine Neigung, uns alle zehn bis zwanzig Jahre der Nothwendig-keit einer türkischen Verwicklung auszusetzen, aber wir können ebensowenig wünschen, derselben eine sich alle zehn bis zwanzig Jahre wiederholende österreichisch-englische Verwicklung sub- stituiert zu sehen. Es liegt, wie der Kanzler glaubt, im Interesse Rußlands, zu einer Abmachung zu kommen und die Sache nicht un-abgemacht auf fernere, vielleicht ungelegenere Zeiten zu verschieben. Rußland, diesen Trost gibt uns der Kanzler, werde nicht Krieg führen, um die Aenderungen, die es für nvthwendig hält, von den übrigen Mächten durch Krieg zu erzwingen, es würde vorziehen, sich mit dem Gedanken „böLti pv88iäelltes" zu begnügen, d. H. wol in noch deutlicheres Deutsch übersetzt, es würde an allen seinen Eroberungen uud Prätensionen festhalten. Es frage sich nun, ob die anderen Mächte etwa geneigt sein werden, Krieg zu führen, um Rußland zu nöthigen, von seinen Bedingungen etwas anszugeben. Bismarck glaubt nicht an diese Eventualität, er glaubt nicht, daß Oesterreich bereit wäre, die russische Erbschaft in diesen Gegenden anzutreten, sei es, daß diese Länder Ungarn einverleibt oder zu Vasallenstaaten gemacht würden. Diesen Schwierigkeiten zu begegnen, sei die Konferenz zuerst von Oesterreich vorgeschlagen worden, Deutschlands Interesse sei die Beschleunigung der Konferenz; finde dieselbe auf deutschem Boden statt, so werde Deutschland das Präsidium zu führen haben, eventuell will aber Bismarck nach Anerkennung dieses Anspruchs von dessen Geltendmachung abgehen, aus Gründen der Zweckmäßigkeit, „je nach dem Personalbestände der sich auf der Konferenz Herausstellen wird". Bismarck ver-muthet, daß die Konferenz in der ersten März-Hälfte werde beginnen können. Vorher müssen ohnehin noch die Mächte einen Meinungsaustausch pflegen. Der Kanzler kommt jetzt zur Darlegung der von Deutschland auf der Konferenz einzunehmenden Stellung. Niemand werde erwarten dürfen, daß Deutschland von Haus aus seine Politik fest- stellen und sie anderen aufdrängen werde in irgend einer Form. Es wolle nur vermitteln, nicht den Schiedsrichter spielen. Das vertraute Verhältnis zu England ermögliche es Deutschland, auch zwischen England und Rußland unter Umständen eben so Vertrauensperson zu sein, wie zwischen Oesterreich und Rußland. Das Drei-Kaiser-Verhältnis beruhe überhaupt nicht auf geschriebenen Verpflichtungen. Keiner der drei Kaiser sei verpflichtet, sich von den anderen beiden überstimmen zu lassen. Das Bündnis beruhe auf der persönlichen Sympathie, dem Vertrauen der drei Monarchen und den langjährigen persönlichen Beziehungen der drei leitenden Minister. Emphatisch erklärt nun der Fürst, daß er „niemals die Verantwortung übernehmen werde, eine sichere, seit Menschenaltern erprobte Freundschaft einer großen, mächtigen Nachbarnation dem Kitzel, eine Richterrolle in Europa zu spielen, aufzuopfern." Diese große, mächtige Nachbarnation kann nur Rußland sein, warum nennt der Kanzler es nicht? Würde es etwa deutschen Ohren doch übel klingen? Aus all' dem dürfen wir unbedenklich den Schluß ziehen, daß wir von den „guten Diensten" Bismarcks wenig zu erwarten haben. Deutschlands Interesse ist nicht engagiert, die Freundschaft Rußlands ist ihm zu kostbar, und Oesterreich mag demnach znsehen, wie es mit Rußland fertig wird. Wir haben nicht mehr erwartet. Wenn Deutschland kein österreichisches Interesse mehr kennt, daß mit dem seinigen identisch, als freie Handelsschifffahrt auf der Donau, — wenn ihm die Erhaltung seiner Machtstellung und seiner Vergrößerung das Opfer unserer alten Freundschaft auferlegt, fo werden wir hoffentlich in uns die Kraft finden, die nöthig ist, um allen panflavistifchen Drohungen Trotz zu bieten, und hoffentlich werden wir auf Jeuill'eton. Ferdinand Josef Schmidt f. (Schluß.) Schmidt trat in seinem naturwissenschaftlichen Fache auch als Schriftsteller auf. In der „Laibacher Ztg." 1852, Nr. 46, gab er eine gedrängte Uebersicht der in den Grotten Krains von ihm seit 1832 gefundenen Thiere; in der Stettiner ento-mologifchen Zeitschrift 1852, Nr. 11, die Beschreibung zweier neuer Arten von I^xtioäerus, nämlich LNAustatus und sericLtzus, dann Mehreres in den von Wilh. Haidinger herausgegebenen „Berichten über die Mittkeilungen von Freunden der Naturwissenschaften m Wien", im VII. Bande S. 52 ff: die Diagnose der Zixdoiwra 8cdwiätii Xk68 v. Ls., die Beschreibung der LxbipxjAerL ornats,, welche von Kollar als eine neue, bisher noch unbeschriebene Art bestätigt wird; — die Beschreibung des kbk-lsuZiuw WllLroiäks Lokw. und des vrassus «juinyukAuttatus 8edw., ersterer in der Knochenhöhle Ziavka, letzterer in einem Eichenwäldchen bei Oberfeld nächst Wippach gefunden; im VI. Bande S. 178 und im VII. Bande S. 69: die Beschreibungen mehrerer Schnecken, als der^slir leuooronL LikZI., der Helix ciroinsta und einer OlausiliL. In den Versammlungen von Freunden der Naturwissenschaften, welche im Laibacher Museum seit dem Jahre 1849 stattfanden, hielt Schmidt häufig Vorträge, welche in den Jahresheften des Musealvereines (Laibach 1856, 1858, 1862 und 1866) skizziert erscheinen. Das Jahresheft von 1866 brachte von Schmidt eine Abhandlung „Ueber die Orthopteren Krains." Ein fleißiger Mitarbeiter war er auch an den Abhandlungen des Wiener zoologisch-botanischen Vereines, in welchem er außer Beschreibungen einzelner Insekten noch^ mittheilte: Entomologische und conchyliologische Notizen aus Krain (B. IV., Sitzungsberichte S. 102); — „Ueber Höhlenthiere aus Krain" (B. V., Sitzungsbericht S. 6 und Abh. S. 1, 504); — „Notizen über Schmetterlinge" (B. IV. S. 111); — „Insekten der Karsthöhlen" (B. III. S. 156; B. IV. S. 5 und Abh. S. 23). Die Verdienste Schmidts um die Naturforschung fanden in der wissenschaftlichen Welt auch äußere Anerkennung; vom Jahre 1825 an, wo ihn die Frauendorfer Gartenbaugesellschaft wegen seiner Verdienste als Pomolog zum Mitgliede wählte, haben ihn nahezu dreißig andere naturwissenschaftliche Vereine des In- und Auslandes durch Verleihung von Ehrendiplomen ausgezeichnet. Roßmäßler widmete ihm das fünfte und sechste Hest des dritten Bandes seiner Ikonographie der Land- und Süßwasserconchylien, und die Wissenschaft belegte mehrere seiner Entdeckungen mit seinem Namen, so heißt eine bisher nur im Grottengewässer aufgefundene kleine Krebsenart Irozloebaris Lekwiätü, und mehrere seltene Grottenkäfer nnd Mollusken tragen seinen Namen. Neben dieser ehrenvollen Thätigkeit auf wissenschaftlichem Gebiete war Schmidt als Glied des Standes und der Gemeinde, denen er angehörte, erfolgreich praktisch thätig. Als Pomoloa vertheilte er unentgeltlich Tausende von Propfreisern zur Hebung der Obstzucht unter das Landvolk und wirkte anregend und leitend auf daS naturwissenschaftliche Studium der Jugend. Im Jahre 1836 Mitglied des Sparkassevereins, ward er bald in die Direktion und in das Euratorium gewählt. Als Mitglied der krainischen Provinzial-nnd Handelskommission ließ er sich die Einführung eines tüchtigen kaufmännischen Unterrichts besonders angelegen sein. Im Zusammenwirken mit angesehenen Kanfleuten gelang es ihm schon am 19. Oktober 1834 eine Handelslehranstalt in Laibach ms Leben zu rufen, welche, als Privatinstitut durch Herrn Mahr fortgeführt, sich noch zur Stunde ausgezeichneten Rufes erfreut. Ueber seine der Konferenz auch nicht allein stehen, die von Bismarck selbst betonte, Konstantinopel bedrohende Stellung Rußlands wird England zur Abwehr zwingen, wir hoffen, daß die „ehrlichen Makler-dienste" Bismarcks nicht den von Rußland wol gewünschten Erfolg haben werden. Der Kongreß wird hoffentlich beweisen, daß cs noch ein Europa, daß es an der Donau und an der Save noch andere als russische Interessen gibt, wenn man auch in Berlin keine anderen kennt. Die kalt egoistische Politik Deutschlands, welche vorläufig nichts kennt, als Sicherung seiner Flanke gegen Frankreich, und nichts sehnlicher wünscht, als den großen, mächtigen Nachbar Rußland zufriedengestellt und glücklich zu seheu, wird sich vielleicht eines Tages noch rächen, wenn dieser große, mächtige Nachbar sich im Orient befestigt haben und der treuen Freundschaft Deutschlands nicht mehr bedürfen wird! Der neue Papst. Kardinal Pecci wurde vorgestern zum Nachfolger Pius IX. gewählt und hat als Leo XIII. von seinem hohen Amte Besitz ergriffen. Von einer Thronbesteigung kann nur mehr figürlich die Rede sein, seit die weltliche Herrschaft des Papstthumes unwiederbringlich verloren ist. Immer ist aber die Bedeutung der Papstwahl für den Katholizismus und für die katholischen Staaten noch unvermindert, ja es scheint der Kamps mit den feindlichen Mächten der nationalen Einheit und der materiellen Weltanschauung dem Papstthum neue Kraft eingeflößt, der Verlust der weltlichen Macht seine geistige Macht gekräftigt zu haben. Mit begreiflicher Spannung wendet sich daher die Aufmerksamkeit der europäischen Welt der diesmal überraschend schnell, nach blos zwei Sitzungen, zutage getretenen Wahl des Conclaves zu. Kardinal Pecci wurde in den letzten Tagen übereinstimmend als Kandidat der gemäßigten Partei bezeichnet. Bonghi in seinem vieleitierten Buche „Pius IX. und der künftige Papst" schildert den Kardinal Pecci als einen der auserlesensten Geister des heiligen Collegiums, von sehr gemäßigter Natur und zugleich an Gesundheit den Rüstigsten von allen. Er habe viel studiert und wohl regiert, er sei ein ausgezeichneter Bischof gewesen. Doch sei er in Bezug auf die gegenwärtige Lage der Kirche von nicht weniger pessimistischer Ansicht als seine Collegen und begreife die Zeit nicht besser als diese. Anregung wurde ein Handels-Krankenverein 1836 in Laibach gegründet, der noch gegenwärtig wok>l-thätig fortwirkt. Wo es galt, etwas Gemeinnütziges zu unterstützen, fehlte gewiß der „alte Dorfschmid" nicht. Die Gemeinde Laibach ehrte das Verdienst ihres Mitbürgers durch Verleihung des Ehrenbürgerrechtes. Als Schmidt am 19ten Oktober 1869 seine goldene Hochzeit feierte, brachten ihm alle wissenschaftlichen und Humanitären Vereine und Corporationen ihre Glückwünsche dar, und Se. Majestät der Kaiser zeichnete seine Bestrebungen durch Verleihung des goldenen Ver-vienstkreuzes mit der Krone aus. Die letzten Lebensjahre Schmidts trübte die Schwächung der Sehkraft, welche ihm die gewohnte Beschäftigung mit seinen Sammlungen wehrte, aber seine unveränderte Geistesfrische gestattete ihm noch immer geistige Beschäftigung und Theilnabme an allen Vorgängen und Schicksalen des Landes. Den größten Theil der Sammlungen schenkte er der Oberrealschule Laibachs uebst einer reichhaltigen entomologischen Bibliothek. Schmidts Andenken wird stets unter seinen Mitbürgern und bei allen Freunden der Naturwissenschaft in Ehren bleiben. Möge der Weg, den or mit schönem Erfolge betreten, auch künftighin von den Freunden der Naturschätze unseres Landes weiter verfolgt! werden! Eine biographische Skizze schildert dcn neuen Papst wie folgt: Joachim Pecci wurde am 2. März 1810 in Earpineto, Diözese von Agnani, geboren, begeht also demnächst seinen 68. Geburtstag. Er ist von hoher Gestalt, hat die Hagerkeit eines Asceten. Sein Kopf fällt durch seine Feinheit auf. Die Linien seines Antlitzes sind fest, bestimmt, ein wenig eckig. Die Stimme ist sonor und glänzend, wenn er eine Rede hält; leicht näselnd, wenn er familiär spricht. In seinem Privatleben ist er einfach, einnehmend, liebenswürdig, geistvoll. Im Amtskleide, uuter dem Purpur oder im bischöflichen Schmucke, wird er ernst, erhaben, majestätisch. Man könnte sagen, er gibt sich in plastischer Haltung, aber er sucht diese Haltung nicht, sie ist ihm natürlich, sie ist der Ausdruck seiner patrizischen Natur. Als Delegat in Benevent säuberte er diese Provinz von den Briganten. Als Delegat zu Spoleto und Perugia zeigte er dieselbe Energie In der letzten dieser Städte geschah es unter seiner Verwaltung, daß die Gefängnisse leer wurden. Als Nuntius zu Brüssel erreichte er es, daß Leopold I. für ihn von Gregor XVI. den rothen Hut begehrte. Gregor XVI. vollzog aber die Ernennung nicht, er behielt den Empfohlenen „iu pgtto" und vertraute ihm die Diözese Perugia. Seine Ernennung zum Kardinal erfolgte durch Pius IX. am 19. Dezember 1853. Der Kardinal Antonelli hielt ihn von Rom fern, man sagt, weil er ihn als Rivalen fürchtete. Der Kardinal Pecci hat mannigfaltige Bildung, ist sogar Poet. Gegenüber den italienischen Behörden hat er stets eine über den Parteien stehende Haltung beobachtet. Tagesneuigkeiten. — Ans den „Fliegenden Blättern." Wer ist der Löwe des Tages? — A. Leo XIII. F. Was bedeutet „in pstto?" auf Deutsch? — A. „Im Magen." Gregor XVI. war dem gegenwärtigen Papst, damaligen Bischof Pecci, nicht grün. Als König Leopold de» Kardiualshut für Pecci forderte, behielt er ihn „in pstto." — Das Neueste in Paris sind gegenwärtig die elektrischen Kerzen. Dieselben geben weder Hitze noch Rauch von sich, und ihre Leuchtkraft im Verhältnis zu Gas ist wie die der Sonne zum Mond, und kosten nur so viel als Gas. Man betrachtet sie als die größte Erfindung des Jahrhunderts. — Pariser Modetollheiten. In einem Pariser Modenberichte finden wir die Beschreibung einer Toilette, die besonderes Aufsehen erregt hat und in der es wie folgt heißt: „Ueber die Borderbahnen des Rockes waren breite Stoffecharpen gelegt, welche mit schwarzen Sammtschleisen und gekochten Krebsen (!!) befestigt waren. Aus den Schultern und der Vordertaille fanden sich dieselben Garnierungen vor und die Schleppe war reich mit großen Schleifen und Krebsen decoriert. Im Haar lag ein Kränzchen von ganz kleinen Krebsen, Korallenschmuck, und ein Fächer von ecreoisse-rothem Atlas auf schwarzem Ebenholzfuß komplettierte die Toilette, die jedenfalls mehr apart als schön war. Nichtsdestoweniger sind wir überzeugt, daß die Idee der Krcbsgaruitur viele Nachahmer finden wird, umsomehr, als sie immer ziemlich thener bleiben wird. Die Krebse sind nämlich aus Deutschland, sie müssen in den bestimmten Größen sein »nd werden dann gekocht, und zwar mischt man das Wasser mit etwas Salzsäure. Nachdem die Krebse gar sind, werden sie in heißen Oefen gedörrt, so daß ihr Inhalt gänzlich austrocknet, wodurch sie keinen schlechten Geruch aunehmen können. Die so hergestellte Dekoration ist nicht gerade häßlich, nur durchaus bizarr zu nennen." .... Krebse zur Damentoilette verwendet. Kein Wunder, daß cs da mit dem Geschmack der Toilette» rückwärts geht......... — Fünf Generationen waren kürzlich bei Gelegenheit eines Familienfestes in Wilmington Amerika) vertreten, nämlich der 100jährige Dell Noblet, ein Abkömmling der nach der Bluthochzeit aus Frankreich nach Irland geflüchteten Hugenotten, im Kreise von 6 Kindern, 2d Enkeln, 27 Urenkel» und 2 Ururenkeln. — Vollständiger Mangel an Schnee herrscht im Staate Wisconsin in Amerika. Infolge dessen stockt die Holzverfrachtung. Die Bäume sind gefällt und znm Verschiffen bereit, man kann jedoch die Flüsse nicht erreichen. — Die seit einiger Zeit in Amerika und England so sehr beliebten Riesenaquarien haben ein nenes Genre von Th ierbänd i g eru in die Mode gebracht, den Krokodilmann, welcher sich in riesige, von allen Arten von See-Ungethümeu wimmelnde Wasserbecken begibt nnd mit diesen Thiereu allerlei Kunststücke anssührt, welche noch weit ner-vcuerregender als die in Löwenkäfigen bis znm Ueberdrnsse ansgesührten sind. Da produciert sich gegenwärtig in dem großen Aquarium von Brighton in England ein Tancher inmitten einer unheimlichen Gesellschaft vou Krokodilen, Alligatoren, Wasser-Mangen, Riesenschildkröten, Meerlöwen und ähnlichem Gethicr. Der Behälter ist mit elektrischem Licht glänzend beleuchtet, so daß die Zuschauer alle Wechselsälle des Kampfes genau verfolgen können. Der Tancher jagt die Thiere durcheinander, stößt und schlägt sie, und das Pnbliknm wird nicht müde, ihn mit Beifall zu überschütten. Lokal- und ProvinMl-Angelegenheiten. — (Aus dem Abgevrdnetenhause.) Herr Graf Gustav Thuru-Valsassina hat vorgestern als Abgeordneter des krainischen Großgrundbesitzes die Angelobung geleistet und seinen Sitz eingenommen. — (Persoualnachricht.) DerHerrOber-landesgerichtspräsident Dr. R. v. Waser ist am 20. d. M. von Graz nach Wien abgereist, um den Sitzungen des Herrenhauses beizuwohnen. — (Sterbefäll e.) Am 20. d. M. starb in Laibach der Handelsmann uud Realitätenbesitzer Herr Simon Pefsiack, Gatte der in literarischen Kreise» bekannten Frau Louise Pessiack nnd Vater der königl. Hofopernsängerin Frl. Helene Pessiack in Wiesbaden. — In Steinbüchel starb am 19. d. M. der dortige Pfarrer Herr Lorenz Bernik. — (Nach Rom) wird sich, um dem neuen Papst zu huldigen, eine Deputation österreichischer Katholiken begeben. Graf Pergen ist in dieser Richtung thätig. In Laibach hat Herr Probst Dr. Jarz, Präses des katholischen Vereins, dem Ausschüsse angezeigt, es werde gewünscht, daß auch Krain sich betheilige. Theilnehmer mögen sich bei dem Herrn Probst melden. — (Faschingschronik.) Auf besonderes Verlangen vieler Gäste findet Dienstag den 26. d. in den Restaurationslokalitäten des „Hotel Europa" eine zweite geschlossene Hausunterhaltung statt. Die Regiments-Musikapelle besorgt die Tanzmusik. Die Dainen wurden eingeladen, in Haustoilette zu erscheinen. — (Faschingslnst.) Aus Oberkraiu wird uns geschrieben: Wie alljährlich, so fordert auch Heuer der Fasching in unseren Gegenden seine Opfer. So wurde vor beiläufig drei Wochen in Obersernik, Pfarre Zirklach, bei einer Hochzeitsfeier ein Bursche erschlagen. Nachdem man ihn festlich aufgebahrt und feierlich begraben, ging cs wieder vom Hoch-zeits- zum Leichenschmaus. — Vor 14 Tagen erstickte ein Bnrsche in Sncha infolge zu großer Freß-lust au einem Stück Fleisch. — Am 12. d. M. nachts fand ein anderer in Zirklach bei einer Hochzeit infolge eines Stiches seinen Tod. Es sind dies so kleine Illustrationen zum socialen Leben der bäuerlichen Bevölkerung in unserem lieblichen Oberkrain. — (Zum Konzerte Essipow.) Die Pianistin Frau Anna Essipow, welche demnächst auch hier konzertieren wird, ist nach Bericht der „Presse" eine ganz eigenthümliche Erscheinung, sie besitzt nebst riesiger Technik eine ganz ungewöhnliche Gestaltungskraft, die zündend wirkt. Ueberraschende Kunstfertigkeit, feine Nuaneiernng, klarer Vortrag, markierter Ausdruck sind Eigenschaften, die das Spiel der renommierten Künstlerin ganz besonders auszeichnen. Als Chopinspielerin hat Frau Essipow keine Rivalin. Die bekannten Wiener Musikkritiker Prof. Schelle und Prof. Dr. Hanslik sprechen sich über Frau Essipow sehr günstig aus. — (Aichungswescn.) Der hiesige Magistrat sieht sich veranlaßt, alle jene, die nach dem Artikel Xll des Gesetzes vom 23. Jnli 1871 verpflichtet sind, ihre Fässer aichen zu lassen, nochmals zu erinnern, daß sie der Aichpflicht, infoferne sie derselben noch nicht nachgekommen sein sollten, all-sogleich entsprechen und alle Fässer, sohin auch jene, die sie in den Kellern eiugelagert halten, sogleich der Aichung nach dem metrischen Sisteme zu unterziehen haben, indem sonst bei bereits verstrichener Frist gegen diejenigen, welche dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nachgekommcn sein sollten, das vorgeschriebene Strafverfahren eingeleitet werden müßte. — (Zur Fahrordnung.) Der hiesige Magistrat erließ nachfolgende Kundmachung: „Der Magistrat findet zur Verhinderung möglicher Unglücksfälle durch schnelles und unvorsichtiges Fahren sich bestimmt, zu verordnen, daß das Einlenken in die Spital- uud in die Schustergasse, sowie das Befahren dieser beiden Gaffen bei Tag und Nacht nur im Schritt erfolgen dürfe. Dieses wird mit dem Beisatze zur allgemeinen Darnachachtuug kund gemacht, daß gegen die Uebertreter dieses Verbotes nach den bestehenden Strasnormeu vorgegangen werden wird." — (Falsche Staatsnoten.) In Dnplach, Gerichtsbezirk Neumarktl, fand eine gerichtliche Hausdurchsuchung wegen falscher Staatsnoten statt. (Für Landwirt he.) Der Landeskulturrath des Königreichs Böhmen veranstaltet am 15., 1' ten und 17. Mai l. I. in Bubeuc bei Prag einen internationalen landwirthschaftlichen Markt, und richtet das diesbezügliche Comite auch au die Laudwirthe Krains die Einladung zur Betheiligung au diesem Markte. Zugelassen werden landwirthschaftliche Hausthiere (Pferde, Rinder, Schafe, Borsten- und Geflügelvieh, Hunde), landwirthschaftliche Maschinen und Geräthe. Anmeldungen der Theilnehiner sind bis 20. April l. I. an das Comite-Bureau in Prag, Wenzelsplatz 799, zu richten. — (Landschaftliches Theater.) Durch nahezu vier Wochen signalisierten die Theaterzettel: „In Vorbereitung: „Der Herr Präseet, neuestes Sensations-Lustspiel, in Paris über 200mal gegeben," — und was wurde gestern geboten? — eine simple, des feinen Tones, des Witzes und geistigen Inhaltes gänzlich entbehrende Komödie, die nicht mit „Lustspiel", sondern mit „Schwank" betitelt werden sollte. Durch derartige, an Schwinde! grenzende Reelame wird in der Folge gediegenen Bühnenwerken der gebürende Theaterbesuch entzogen. Die einfache Handlung, daß ein bornierter Kandidat für die Stelle eines Deputierten oder Regierungsorganes anftritt, ist des aufgehobenen Abonnements und erhöhter Eintrittspreise wahrlich nicht würdig, und die Theaterunternehmung wird es sich nur selbst zuzuschreiben haben, wenn in der Folge der verlockenden Reelame gar kein willfähriges Gehör gegeben wird. Das Laibacher Publikum wirv dieses leichte und seichte Bühnenprodukt, mag es in Paris über 200mal über die Bretter gegangen sein, nicht zum zweitenmale ansehen, dessen sind wir sicher. Herr Alberti gab die Rolle des nach der Würde eines Präfecten strebenden eitlen Mannes (Pon-teriffon) recht gut, auch Frau Dupre-Hassel-wander (Lucretia), die Herren Laska (Borro-meus) uud Leut hold (Birochet) waren bemüht, den: geistlosen Machwerke einiges Amüsement ein-zuflößeu, aber — vergebens, wir zählen den „Herrn Präfecten" zu den Todten. Herr Kraft hat in der Erwägung der Wethlosigkeit dieses Bühnenproduktes auf das Studiumr der Rolle des „Oskar v. Ville- cresnes" wenig Mühe verwendet. Das Publikum erlebte wieder einmal „zwei Stu nden der Täuschung"; die üblen Folgen derselben wird die Direktion Fritzsche zu tragen haben. — (Aus den Nachbarprovinzen.) Die „Triest. Ztg." erzählt, daß der vou Graz zum Be-nach Triest abgereistc Rittmeister in Pension, Franz Petrochi, sich in Nabresina über die Schienen legte, dnrch den nach Triest verkehrenden Personenzug überfahren und sofort getödtet wurde. — Ju Agram starb am 21. d. Bischof Kralj. — In M ari a-Lore tt o wird eine große Bade-nnd Schwimmanstalt errichtet. — Im Krankenhause der barmherzigen Brüder in Graz wnrden im Jahre 1877 14o5 Kranke verpflegt, darunter 58 aus Kram. Die Summe der Verpflegstage beziffert sich mit 28,039. Aus dem Schwurgerichtssaale. Laibach, 21. Februar. Jakob Cebul aus Tersain, Bezirk Stein, steht heute vor den Schranken des Schwurgerichtshofes, um sich über die gegen ihn vorliegende, auf Verübung des Verbrechens des Raubes lautende Anklage zu verantworten. Der Gerichtshof besteht aus dem LGR. Zhnber v. Okrog als Vorsitzenden, aus dem LGR. Dr. Vi-diz und LGA. Tomsic als Votanten; Schriftführer Ansenltant Freiherr v. Lazzarini; Vertreter der Staatsanwaltschaft Staatsanwalt OLGR. Persche; Vertheidiger des Angeklagten Dr. Ahazhizh. Die Anklage bringt folgenden Sachverhalt: Am 16. Dezember 1877, nachmittags gegen 1 Uhr, begaben sich einige Burschen, darunter Johann Borz und Jakob Cebul. von Tersain nach Mannsburg, um angeblich dem dortigen nachmittägigen Gottesdienste beizuwohnen. Die Burschen gingen in friedlicher Stimmung in ein Gasthaus, nahmen dort drei Liter Wein zu sich, Johann Borz bezahlte die kaum einen Gulden betragende Zeche, behob in Mannsburg den von ihm ins Verdienen gebrachten Taglohn im Betrage von 10 fl. 50 kr., angeblich in zwei Geldnoten L 5 fl und Sechserln bestehend. Die fromme Wallfahrt der Burschen war auf eiu zweites Gasthaus gerichtet, auch dort zahlte Johauu Borz die Gesammtzeche im Betrage von 2 fl. 54 kr., und die Zechgesellschaft trennte sich. Johann Borz machte die eidliche Aussage, daß er um 1 Uhr nachmittags, kaum 300 Schritte vom Pfarrorte Mannsburg entfernt, auf der von Mannsburg nach Tersain hinziehenden Bezirksstraße von Jakob Cebul aus Tersain angehalten wurde. Cebul umfaßte mit einer Hand den Borz und mit der anderen Hand riß Cebul die linkseitige Brusttasche des Borz auf, zog eine Brieftasche aus derselben, raubte den darin befindlichen Geldbetrag mit 7 fl. 26 kr. und entfernte sich sofort. Auf Grund dieser eidlichen Aussage wurde gegen Jakob Cebul die Anklage wegen Verbrechens des Raubes angestrengt. Aus den Zeugenaussagen geht hervor, daß mehrere Burschen, namentlich Johann Borz, Jakob Cebul, Lusic und StencH, am 16. Dezember 1877 in mehreren Gasthäusern zechten und Johann Borz die Zeche bezahlte. Der Zeuge Kovac gibt an, er sei auf der Bezirksstraße vor Mannsburg dem halb angetrunkenen, mehrmals zu Boden gestürzten Johann BorZ begegnet; letzterer erzählte dem Kovac, daß er Borz — vom Cebul angefallen und der in seiner Brieftasche befindlichen Barschast beraubt worden sei. Die verschiedenen Zeugenaussagen lauten widersprechend, den Vollzug des Raubattentates hat kein einziger der einver-nommenen Zeugen gesehen, nur Johann Borz, der Beschädigte, beharrt ans seiner Aussage. Auffallend erscheint, daß Borz während des Attentates nicht um Hilfe gerufen hat. Nach Schluß des Beweisverfahrens stellt der Präsident des Gerichtshofes an die Geschwornen eine einzige Hauptfrage: Ist der Angeklagte Jakob Cebul schuldig, am 16. Dezember 1877 nach 1 Uhr nachmittags auf der von Mannsburg nach Tersain führenden Bezirksstraße den Johann Borz in gewinnsüchtiger Absicht angehalten, denselben mit einer Hand gewaltsam festgehalten und mit dex ändern Hand die linkseitige Rocktasche aufgemäch't. aus derselben eine Brieftasche heraus gezogen und aus derselben die darin befindliche Barschaft von 7 fl. 26 kr. sich angeeignet zu haben? Der Staatsanwalt ergreift das Wott: Obgleich' Cebul angegeben hat, daß er den Borz nicht waltsam angepakt und denselben nicht der Barschaft von 7 fl. 26 kr. beraubt habe, müsse er dir Ge-? schwornen ersuchen, über Cebul das „Schuldig"'zu sprechen. Borz hat seine Aussage beschworen/ er hat mit den übrigen Genossen wol gezecht, sei aber! nicht total betrunken gewesen; BorZ habe an Tcig-lohn 10 ft. 50 kr, behoben, habe hievon die Zeche, ini Betrage von 2 fl. 54 kr. bezahlt, und der Restbetrag von 7 fl. 26 kr. sei ihm vom Cebul gewalkt sam entrissen worden; Borz habe den an ihm verübten Raub dem Zeugen Kovac sofort mitgetheilt. Der Vertheidiger des Angeklagten plädiert in nachstehender Weise: Das Verbrechen des RaubrS begeht jenes Jndividium, welches einer anderen Person Gewalt anthnt zu dem Zwecke, sich einer fremden beweglichen Sache zu bemächtigen. Der Verteidiger zweifelt an dem Vollzug dieses ActeS durch seinen Clienten Jakob Cebul; denn dieser ist der Sohn wohlhabender, braver Eltern, Cebul selbst sei bisher gerichtlich uubeanständet; die Aussätze des beschädigten Borz verdiene keinen Glauben, sie ent!» halte in Erwägung der weiter vorliegenden Zeugen^ aussagen Widersprüche, und der Zeuge Kodak sei kein unmittelbarer Zeuge in Bezug auf die angeblich wirklich vollzogene Beraubung des BorZ; überdies wurde der Ankläger, beziehungsweise Beschädigte, Johann BorZ vom Zeugen Kovac im trunkenen Zustande auf der Straße aufgefunden; im vor> liegenden Falle liege eine Gewaltanwendung erwiesen nicht vor, es könnte sich höchstens um einen Diebstahl handeln. Der Staatsanwalt findet zwischen den Aussagen des Beschädigten und jenen der Zeugen keirte Widersprüche, der Raub wurde nach eidlicher AM sage des BroZ verübt und die Aussage des Letztgenannten verdiene vollen Glauben. Der Verheidiger des Angeklagten bemerkt: im vorliegenden Falle sei der Beweis der Schuld des Cebul nicht erbracht, und er hoffe, die gestellte Hauptfrage werde verneint werden. Der Vorsitzende resümiert Anklage, Zeugenaussagen und den Gang der ganzen heutigen Verhandlung, definiert die gesetzlichen Begriffe „Raub", „Gewalt", „böse Absicht", bewegliche Sachen" und stellt es den Geschwornen anheim, wohl zu erwägen: ob die von Borz beschworne Handanlegung des Cebul an Borz eine gewaltsame war, und ob diese Handlung aus gewinnsüchtiger Absicht von Cebul unternommen wurde? Die Geschwornen gaben nach kurzer Berathung ihre Sentenz bekannt; der Obmann derselben (Graf Lanthieri) meldet: daß die Geschwornen die an sie gestellte einzige Hauptfrage mit „Nein" (neun Stimmen „Nein", drei Stimmen „Ja") beantwortet haben. Der Präsident des Schwurgerichtshofes verkündet sofort das Urtheil, dahin lautend: Jakob Cebul werde des ihm zur Last gelegteu Verbrechens des Raubes nicht schuldig erkannt. Eine alpiue Rechtsfrage. Dr. Leopold Schiestl, Obmann des österreichischen Touristenklub, behandelt im Jahrbuche des österreichischen Touristenklub pro 1876 (auS-gegeben Wien, 1877) eine neue interessante alpine Rechtsfrage. Die Alpenforfchnng hat bisher den Boden der Jurisprudenz nicht betreten, von der Idee geleitet, daß die Vegetationsgrenze zugleich auch den Grepz-stein für das Geltungsgebiet der weltlichen Gesetz- gebung bilde, daß über dieselbe Justiz und Polizei nicht hinausreiche. Der große deutsche Dichter singt: „Auf den Bergen wohnt die Freiheit," — wo die Macht der Elemente entfesselt staust, da ist für die Minierarbeit des Rechtsg lehrten ein geeigneter Boden nicht vorhanden. 'Deshalb wirft auch der Jurist, dem Actentische d'^dieu sagend und den Berge» zueilend, den gan zeu Plunder der Frau Justita beiseite; uud dei n,och ist es dem Juristen nicht erspart geblieben., für sein Jus auch in luftigen Gebieten Stoff und Nahrung zu finden und die alpine Literatur c^uch mit juridischen Thesen zu speisen. In dieses Gebiet gehört die Rechtsfrage über das Gletsch er-Ei genthum. Di.cse Frage wurde bereits von mehreren Alpenv cremen auf die Tagesordnung gesetzt. Sie hat n icht nur ein theoretisches, sondern auch ein hervorragend praktisches Interesse, seitdem wir wissen, daß das Eis der Gletscher nicht nur zu cu-liua.rischen, sondern auch zu technischen, medizinischen un'o anderen Zwecken verwendet wird und zu einem förmlichen preiswürdigen Handels- und Industrie-Artikel geworden ist. Der Canton Wallis in der 'Schweiz exportiert jährlich mehr als 11,000 Zentner Eis; aus dem Griudelwald-Gletfcher werden alljährlich mehr als 15,000 Zentner Eis nach Deutschland und Frankreich verfrachtet. Auch in Oester reich findet der Eisbezug aus seinen eigenen Hochgebirgen nach Wien, Pest und anderen Orten statt; Oesterreich ist demnach berufen zur Fragestellung: Wem das Eigenthum der Gletscher und Berge überhaupt zustehe? Dr. L. Schiestl faßte diese Frage im Hinblick auf die iu Oesterreich bestehenden Gesetze und hier Herrschenden Verhältnisse näher ins Auge. Es ist unzweifelhaft, daß das Eis, das früher, so wie die Luft, das Wasser u. s. w., als eine Sache von unerschöpflichem und unermeßlichem Gebrauche und deshalb als unzugänglich dein Eigenthnmsbegriffe angesehen wurde, iu die Reihe jener Objekte getreten ist, welche, wie jede andere benützbare Sache, Gegenstand des Verkehres und des Privateigenthumes zu bilden geeignet sind, uud die Frage ist demnach gerechtfertigt: wem das Eigenthnm daran gebüre? (Fortsetzung folgt.) Literarisches. („Ueber Land und Meer.") Allgemeine illustrierte Zeitung. Zwanzigster Jahrg. 1878. — „Deutsche Romanbibliothek" zu „Ueber Land und Meer." Sechster Jahrg. 1878. Stuttgart, Verlag von Ed. Hallberger. Die bis jetzt erschienenen Hefte von „Ueber Land und Meer", welches erst kürzlich sein Jubiläum der tausendsten Nummer feierte, enthalten wieder eine solche Fülle reichster nnd bester Unterhaltung und Belehrung der mannigfaltigsten Art, geschmückt mit den prächtigsten Illustrationen, daß es in der That schwer zu begreifen ist und sich nur mit der enormen Verbreitung erklären läßt, wie so Vieles und Schönes in einem einzigen Heft für den Preis von nur 50 Pfennig geboten werden kann. Von derselben erstaunlichen Billigkeit ist die „Deutsche Romanbibliothek", welcheihrenAbonnentendieneuesten Original-Romane der ersten deutschen Schriftsteller für einen so geringen Preis als dauerndes Eigen-thnin gibt, daß sie für einen zweibändigen Roman, der sonst mindestens seine 6 Mark kostet, uur etwa 70 Pfennig bezahlen. Die „Romanbibliothek" befestigt sich aber auch mit „Ueber Land und Meer" immer mehr in der Gunst des Publikums. Namentlich ist cs die Damenwelt, welche die nächst erscheinenden Nnnimern stets mit Sehnsucht erwartet. Begegnen wir in dein neuen Jahr von „Ueber Land und Meer" Schriftsteller- nnd Künstlernamen wie: Hans Hopfen, August Silbersteiu, Max v. Schlägel, Ernst Eckstein, S. H. Mosenthal, P. v. Weilen, W. v. Dünheim, I. van Dawall, Max Wirth, H. Noe, Elise Polko, Leo Waren, Dr. Hugo Schramm-Mae-donald, Claire v. Glümer, Georg Horn, E. M. Vacano, F. A. K.anlbach, C. Kurzbauer,, C. Stair ber, L. Kraus, H,. Lossow, C. Rone, B. Vautier, I. Kaloros, H. MLers, A. Wanjura, C. E. Döpler, Herbert König. K. Bndmer, F. Kollarz, Ferd. Keller, C. Rechlin n. v. a., so bringt uns die „Deutsche Romanbibliothek" vor allem einen großen socialen Roman: „Gold und Blut" von Gregor Samarow, dem sich zunächst die Romane: „Soll ich?" von Robert Byr, „Ich lebe" von Marie Colban, „Der Junker" von Edmund Hoeser anreihen. Beide Journale sind so recht zu genußreicher, gehaltvoller Unterhaltung für das deutsche Familienhaus angethan und würdig, immer größeren Eingang zu finden. Bestellungen hieraus besorgt die hiesige Buchhandlung Jg. v. Kleinmayr L Fed. Bamberg. („Die Brennerei- und ch e in i s ch - t e ch -nische Industrie-Zeitung") erscheint seit dem vorigen Jahre in Wien als Beiblatt der seit zehn Jahren erscheinenden finanzpolitischen Zeitschrift „Expreß." Diese neue Fachzeitschrift berührt die landwirthschaftlichen und technischen Industriezweige im weitesten Umfange, behandelt aber niit besonderer Wärme die in der österreichisch-ungarischen Zeitnngsliteratur, trotz ihrer hervorragenden Wichtigkeit. noch gar nicht gewürdigte Brennerei- sowie die übrige chemisch-technische Industrie als besondere Specialität. Das Blatt bringt nicht allein eine Fülle von technisch-fachwissenschaftlichen, sondern auch von fachjnristischen Aufsätzen, und haben die bisher erschienenen freisinnigen Artikel der „Brennerei- nnd chemisch-technischen Industrie-Zeitung" über das nene österr. Branntweinsteuergesetz, den Zolltarif re. re. allseitig den lebhaftesten Beifall gefunden. Die Besprechung und bildliche Darstellung der neuesten technischen Erfindungen ist bei einem Fablatte solcher Specialität etwas Selbstverständliches, und es präsentiert sich dasselbe daher auch in einer besonders eleganten Ausstattung. Mail prännmeriert mit 4 fl. für Oesterreich-Ungarn und mit 9 Mark für Deutschland halbjährig in der hiesigen Buchhandlung von Kleinmayr Bamberg. Witterung. Laibach, 22. Februar. Bormittags trübe, nachmittags heiter, sehr schwacher O. Temperatur: morgens 7 Uhr -j- 0 6", nachmittags 2 Uhr 3-4» 6. (1877 -s- 6 0»; 1876 > 7 7-6.) Barometer im Steigen, 749 21 mm. Das gestrige Tagesmittel der Temperatur -j- l'8", um 2'2° über dem Normale. Anqekommene Fremde am 21. Februar. Hotel Stadt Wien. Surau, Steucramtsadjunct. Seno-setsch. — Hedeiiig, Kfm. und Merkl. Wien. — Pohlia, Kfm.. Lichtensels. Hotel Elefant. Friedman», Kfm., Wie». — v. Gasteiger, Oberlieutcnaiitsgattin, und Mnhlhanfcr. Oberthierarzt' Laibach. — Poher Helena, Littai. — Podvitranski, Privat, Seifeiiberg. Baierischer Hof. Azulcjo, Graz. — Oblak, Rudolfswerth. — Häring, Agent, Krain. Sternwarte. Petschnik, Gcmeindesckretär, Nendegg. Verstorbene. Den 21. Febrna r. Alois Cidrich k. k. Haupt-zollamts-Afsistent, 60 I., Floriansgasse Nr. 15, Lnngen-Rippciisellciitzündnng. — Victor Gasteiger, Edler v. Rabenstein nnd Kobach, k. k. Oberlientenantssohn, 4 Monate, Herrengasse Nr. I», Lungenlähmung. — Ursula Mozina, Schnhmacherswitwe, 55 I.. Herrenaassc Nr. 4. Wassersucht. — Gregor Piknsch, Inwohner, 45 I., Zivilspital. Lungen-tnberknlose. — Margaretha Osredkar, Inwohnerin, 56 I., Zivilspital, Lungentuberkulose.____________________ Gedenktafel über die am 2 6. Februar 1878 stattfindenden Licitationen. 3. Feilb, Frank'sche Real.. Eelje, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Skerl'sche Real., Soze. BG. Feistriz. — 3. Feilb., ViN'sche Real., Dornegg, BG. Feistriz. — L. Feilb., Lo-gar'sche Real., Verbovo, BG. Feistriz. — I. Feilb., Lo-gar'sche Real., Verbica. BG. Feistriz. — 3. Feilb., Her-vatin'schc Real., Jablaniz, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Ce-ligoj'sche Real., Postenje, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Rant'sche Real., Dolenjavas, BG. Lack. - 2. Feilb., Jelovkan'sche Real., Bnkoverh. BG. Lack. — 2. Feilb., Blagojne'sche Real., Wippach, BG. Wippach. — Reass. 2. Feilb., Jan- kovic'sche Real., Hrastovea, BG. Nassensuß. — 2. Feilb., Tercel'sche Real., Hrase, BG. Nrainburg. — 2. Feilb., Seuche Real., Bndanje, BG^Wippach. — 2. Feilb., Trat- Strasisch, BG Krainbnrg. - I. Feilb., Äindischer'sche Besitzrechte, Strasisch, BG. Krainbnrg. Theater. Heute (ungerader Tag): Zum Vortheile des Gesangskomikers Julius Laska: Zum sechstenmale: Die Porträtdame, oder: Die Profezeiunaen des Qniribi. Komische Operette in 3 Akten von Richard Genee und F. Zell. — Mnsik von Max Wolf. Telegramme. Wien, 21. Februar. Nach einer Meldung der „Korrespondenz Havas" erklärten Derby und Bismarck, nicht dem Kongresse beizuwohnen, worauf Gortschakofs dasselbe erklärte. London, 21. Februar. Die „Times" melden aus Pera vom 20. d. M.: Namyk Pascha geht nach Petersburg, um Abänderung der harten Friedensbedingungen zu erwirken, welche die Ausweisung aller Muselmanen aus dem neuen Fürsten-thume Bulgarien enthalten sollen, dessen Grenze bis auf wenige Meilen von Konstantinopel vorgeschoben wurde. — Die englische Kanalflotte ist von Gibraltar nach dem Orient abgegangen. Im Oberhause erklärte Derby, die Schwierigkeiten wegen des Konferenzortes seien beseitigt; es wurde Baden-Baden gewählt. Er glaube, die meisten Mächte werden ihre Botschafter entsenden. — Jin Unterhause erklärte Northcote, das Ergebnis der Unterhandlungen mit Rußland sei folgendes: Rußland verpflichtet sich, keinen Theil der Halbinsel von Gallipoli oder die Boulair-Linien zu besetzen, noch Truppen auf die asiatische Seite der Dardanellen zu senden. England verpflichtet sich, keine Truppen auf der Halbinsel von Gallipoli zu landen, noch die asiatische Seite der Dardanellen zu besetzen. Wiener Börse vom 21. Februar. Allgemeine 8taat»-fHukä. Papierrente .... Silberrente .... Goldrente........... Staatslose, 1839. . . „ 1854. . „ 1860. . „ 1860(5tel) „ 1864. . Grunäentkastungr» Obligationen. Galizien............ Siebenbürgen . . . Temeser Banat . . Ungarn.............. Anäeee össentki«Le Flnkeken. Donau-Regul.- Lose Ung. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . . Aetien v. Hanken. Kreditanstalt f.H.u.G. SScompte-Ges., n.ö. . Nationalbank......... Aetien v. Traarport Unternekmungrn. Alföld-Bahn......... Donau - Dampfschiff -Elisabeth-Westbahn . ^erdinandS-Nordb. . ranz-Joseph-Bahn. )aliz. Karl-Ludwigb. Lemberg ° Czernowitz -Lloyd-Gesellschast 7 . Geld 63-65 67 25 75-05 308 — 107 — 111 50 119-75 138 25 7650 77-50 78 20 104- 77 — 86 75 233 75 797 U450 379 -16350 1982 129-244 50 119 25 396 — Ware 63 75 67 35 75 15 310 — :08 — 112 — 120 138 50 86 50 77 78 50 ?8i,0 104 25 77-25 87 234 798 — 115 381— 164 — 1987 129 50 245 119 75 398 — Nordwestbahn . . . Rudolfö-Bahn . . . Staatsbahn .... Südbahn............. Ung. Nordostbahn . Pfandbriefe. Bodenkreditanstalt in Gold........... in österr. Währ. . Nationalbank.... Nngar. Bodenkredit- Prioritürr-Obkig. Elisabethbahn, i.Em Ferd.-Nordb.i. Silber Franz-Ioseph-Bahn. Galiz.K-Ludwigb,l.E. Oest. Nordwest-Bahn Siebenbürger Bahn Staatsbahn, 1. Em. Südbahn L 3 Perz. ,, L 5 „ . Privatkofe. Kreditanstalt . . NudolsSstistung. Devisen. London .......... Eekäforlen. Dukaten............ 20 Francs .... 100 d. Reichsmark . . Silber............ Geld 109-116 25 260'-76 — 111-50 106 50 89 65 98 25 95 92-50 105 50 87 20 100 50 89— 6550 15450 111 50 95 25 161 öO 13 50 118 50 5-62 9 46', 58 40 105 80 Ware 109 50 11675 26050 76 25 112 — 107— 89 90 98 35 96'- 93 — 106 — 87 50 101 — 89-25 65-75 155— 112 — 9550 163 -14'- 18 60 5 63 9 47,/, 58 50 106- Telegrafischer Kursbericht am 22. Februar. Papier-Rente 63 25. — Silber-Rente 67 25. - Gold-Rente 75-—. — 1860er Staats-Anlehen III —. — Bank-actien 797. — Kreditactieu 231 25. — London 118 85. — Silber 107-—. — K. k. Münzdukaten 5 64. — 20-Francs-Stücke 9 50-/,. — 100 Reichsmark 58 55. Druck von Jg. v. Kleinmayr L Fed. Bamberg- Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Franz Müller.