»84» ^»Z 43. Vaterländisches. Dampfschifffahrt auf dem Laibachfluffc. ^3^s ist nicht zu l.wgnen, daß in den letzten De-cennien in den lneisten Ländern cin bedeutendes Vorwärtsstreben angeregt und genährt wurde; aber auch Krain blieb nicht Zurück, und der Vaterlands-freund überblickt mit edlem Stolze die Resultate dieses Strebcns auf heimischem Boden. Das in der Nähe der Hauptstadt sich ausbreitende, einst in düstere Nebel gehüllte Moor ist nun größtenthcils ein verthcil-tes Fruchtfeld geworden, von tausend und tausend Canälen durchschnitten; dort, wohnst nur der kühne Jäger mit Lebensgefahr dem Wilde nachjagte, rollen nun auf schönen Fahrstraßen Wägen dahin und ergetzen sich Lustwandelnde; dort, wo cinst nur Sumpfvögel nisteten, erheben sich nun Wohngebä'ude, Wiesen und Accker, — und aus dem weiten Grabe dieser Gegend feiert die zeugende Natur ihr Aufer-stchungsfest. Krains Hauptstadt hat in einem Zeit- räume weniger Jahre, durch die Aufführung vieler neuer, im geschmackvollsten Style erbauter Gebäude, durch die Negulirung und Pflasterung seiner Straßen, und durch die Anpflanzung von Alleen in und außer derselben, an Verschönerung gewonnen, wie sich dessen wenige Provinzial-Hauptstädte zu rühmen haben. Als günstiges Merkmahl des socialen Vor-wärtsschreitens erhebt sich in Laibach das Casmo-Gcbäudc; — und blickt man endlich auf den hei« mathlichcn Laibachfluß — so wiegt sich ein stolzes Dampfschiff in seinen Fluthen! Dieses Dampfschiff wurde auf Kosten der Privilegiums-Besitzer, der Herren W. Moline und Jg. Skaria in einer Länge von 80 und in einer Breite von 13 Schuh, in der Nähe der Stadt am linken Ufer des Laibachflusses, durch die Gebrüder Thomas und Joseph Prichard erbaut. Nachdem dieser Bau rasch von Statten ging, so wurde bereits am 10. October l. I. dieses k. k. priv. Dampfschiff, im Beiseyn der eigens von den Herren Pn- 210 vilegiums-Besitzern hiezu geladenen hohen Behör-, den, und einer zahllosen Menge der Stadtbewohner vom Stapel gelassen. Am 14. l. M. machte dieses, durch eine Dampfmaschine von 14 Pferdekrast bewegte Schiff seine erste Fahrt nach Oberlaibach, welche im Hinaussahren, beiläufig eine Strecke von 3 Meilen, ungeachtet der Schwierigkeiten bei den häusigen Wendungen des Flusses, in 2^ Stunden, und im Rückwege in 2 Stunden 20 Minuten be» endet wurde; eine Fahrt, zu welcher die gewöhnlichen, durch Ruder fortbewegten Lastschisse .einen Zeitraum von 8 bis 10 Stunden benöthigen. Am 15. d. M. hatte die zweite Fahrt, mit Anwendung von u/12 Kraft, und zwar mit noch günstigerem Erfolge Statt, und es steht zu gewärtigen, daß es seine Fahrten nunmehr regelmäßig und bei Anwendung der ganzen Kraft auch mit größerer Schnelligkeit machen wird, wozu wir den Unternehmern Erfolg und Gedeihen wünschen. Untreue. (Aus dem eben erschienenen Werke: ^äveuwrez ok au ^i-, In meinem Berufe kommt kein Fall vor, der mehr Vorsicht und Gewandtheit erfordert, als wenn ein Mann seine Rechte von seiner Frau verletzt glaubt. Gewöhnlich ist das Unrecht auf beiden Seiten; ja nur zu oft ist es der Fall, daß ein hypo« chondrischcr Blick in dem Bezeigen einer halb koketten Artigkeit, wie sie den Damen geläufig genug ist, einen Treubruch sieht; und ist der Argwohn einmal gefaßt, so befestigt und vergrößert ihn jede, auch die unbedeutendste Kleinigkeit im Benehmen der Frau, und die Sache wird so auf die Spitze getrieben, daß sie mit dem besten Willen kaum mehr ^ in's Gleiche zu bringen ist. Einer meiner näheren Bekannten, der nichts weniger, als von argwöhnischem Temperamente war, hatte eine junge schöne Frau, und lebte mit iyr sehr glücklich. Da theilte ihm eines jener klatschhaften Stubenmädchen, welche die Pest der Gesellschaft sind, insgeheim mit, daß ein hübscher Offizier ungewöhnliche Aufmerksamkeit für seine Frau zeige, daß er ein häufiger, und wie es scheine, gern gesehener Besucher sey. Uederdieß war durch längere Zeit ein geheimer Briefwechsel zwischen ihnen geführt worden, ja sogar zwei Gute-Nacht-Küsse hatte die Dienerschaft bemerkt und auf ihre Weise ausgelegt. Manche kleine Freiheiten im Umgänge, die einzeln ganz unbedenklich waren, aber zu einem ') Abenteuer eines Anwalts bcim Suchen einer Praxis. großen Betrage zusammengerechnet wurden, ließen auf ein genaues Einverständniß schließen. Das Stubenmädchen mußte sich auf die Lauer legen; doch konnte der Mann lange nicht zur Gewißheit kommen» bis endlich ein Brief aufgefangen wurde. In derselben Stunde noch brachte er dieß entscheidende Zeugniß zu mir, und als ich es durchgelesen, und seine auc-führliche Erzählung von dem früher Vorgefallenen angehört hatte, konnte ich nicht umhin, seiner Meinung beizustimmen. Es wurde beschlossen, daß ich augenblicklich zu der Schuldigen gehen und ihr die Nothwendigkeit vorstellen sollte, bei irgend einer Freundinn ihren einstweiligen Aufenthalt zu neh» men, bis die Gerichte das Weitere entschieden hätten. Ich fand die schöne Dame in der heitersten Stimmung; der Offizier saß auf dem Sopha zwischen ihr und ihrer Schwester. Die offene und h?rz» liche Art, mit welcher alle drei mich empfingen, brachte mich etwas in Verlegenheit. »Sie kommen gerade recht, Mr. Sharpe,« rief die Dame mir zu; «wir brauchen ihre Hilfe." Ich gab mir eine so feierliche Miene, als möglich, und fragte ernst nach der Ursache. «Wir haben einen Liebesbrief verloren, und Alfred hier ist darüber halb von Sinnen." „Ich habe ihn in meiner Tasche'.« sprach ich mit furchtbarem Ernste. «O geben Sie ihn wir, guter Herr; ich muß ihn haben; geben Sie mir ihn augenblicklich!« rief die Schwester, sprang plötzlich vom Sopha auf, und fuhr mir ohne Umstände in die Tasche um den Brief zu suchen. „Still, Karoline," begütigte die Frau; „Mr. Sharpe, wie kamen Sie zu jenem Briefe?" »Ich erhielt ihn — von Ihrem Gatten!" sagte 'ich, und meine Züge hatten noch immer ihre eherne Strenge. Die Damen sahen einander mit einer etwas erröthenden Verlegenheit an, die mir meinen Verdacht zur Gewißheit machte. Ich glaube, es erhob sich in meiner Miene ein leiser Triumph. Doch bald hatte die schöne Frau sich gesaßt; sie erkundigte sich nun ruhig, ob ich den Brief gc-lesen, und als ich es bejahte, fragte sie mit verstelltem Zorne, wie ich in fremder Leute Correspondenz zu schauen wagle. »Ihr Gatte hat es gewünscht," bemerkte ich trocken. „Und wie durste er sich unterstehen, diesen Brief zu öffnen?" »Sich unterstehen! D ich bitte — der Brief ist an Sie!« 211 «So hat den keiner von Ihnen das 6 unter dem Siegel bemerkt? Der Brief ist an meine Schwester, Sir. Und nun erlauben Sie mir, Ihnen Herrn und Madame Lawrence vorzustellen. Eie sind schon die lletzten sechs Monate her Brautleute gewesen, und seit einer Woche vermalt'.!" Jetzt kam die Neihe, überrascht zu seyn, an mich; ich muß in der That einem Schafe nicht unähnlich geschen haben. Der scharfe Blick der geistreichen Frau durchschaute, gewiß unsern Irrthum; denn ein gar boshaftes Lächeln spielte um ihre schönen Lippen. Doch man war so gnädig, mir mitzutheilen, warum die Sache als strenges Geheimniß gehalten worden: der Ossizier erwartete eine Rente von seinem Onkel. — Spanische Spruchwörter und Sinnsprüche, theils wörtlich frei, theils nach ihrem Smne ins Deutsche übertragen. <5enio ? li'ißura, nasta la senultur». Temperament und Figur Aendern nic ihre Natur. (^U5to5 l)2^ hue inerecen valo«. Manchen Geschmack gibt es auf Erden, Der verdient geprügelt zu werden. Es wahret die gebrühte Katze Vor kaltem Wasser schon die Tatze. Oallina en Corrai ageno. Im fremden Hühncrhofe steht verwaist Die Henne, weil dort Hcnn' und Hahn sie beißt. Ilav (^ato encerra^o. Es sey NUN, was es sey, Ein Rückhalt ist dabei. Ilav (?2t«5 H"^ callanslo comen kickones, L olrc>5 inaullan^o no ven ratoneä. Die stille Katze speist Leckerbissen, Die miauende hat noch kein Mäuschen zerrissen. Hoinkre innerto no N2l)Ia. Den Zeugen steche nieder, Er spricht alsdann nicht wieder. 1,2 <Ü2l!a6a poi- rcLpuesta. Einen ohne Antwort lassen, Hcisit sich ganz lakonisch fassen. I^o tionito no es lo uue so pe^n. Schnell ahmet sich daS Böse nach, Das Gute aber nur gemach. 1,2 (üakra iira 2I monte. Der Flsch wird stets ins Wasser trachten, Die Gems' die Eb'ne stets verachten. I>o u^ue no lue on mi 2no, no es cn ini 6ano, Was nicht geschah in meinem Jahr, Dafür b»n ich der Haftung bar. Die Architecten und Papierfabrikanten im Thierreiche. Die Wespe, welche in Gemeinschaft lebt, die sogenannte republikanische Wespe, ist bisher kein Gegenstand so fleißiger Beobachtungen gewesen, wie die Biene, welche den Honig macht. Dieß ist aber eine ungerechte Zurücksetzung. Die Wespen-Mutter, einzige Gründerinn ihres Hauses, arbeitsam, immer thätig, und im Anfang ihres Unternehmens ganz aUein, hat ein Recht auf größere Achtung, als die Bienen-Königinn, welche faul, von gehorsamen Dienern umgeben, und in mitten sehr fleißiger Bürger unthätig ist. Sobald die Temperatur sich erwärmt, sucht die Wespen-Mutter (vespa vul^aris) eine schon vorhandene Aushöhlung im Boden; wenn fie eine solche nicht finden kann, so gebraucht sie zu diesem Zweck ihre kräftigen Kiefern. Eine umlaufende Gallcric, deren äußere Thüre ein oder zwei Zoll breit ist, führt zu einer Kammer von ungefähr zwci Fuß im Durchmesser, wo das Insect eiligst die Grundlagen zu stiner neuen Stadt entwirst. Die Baumfasern, der Länge nach durch ihre zangenartigen Fühlhörner gespalten, und zu einer Art von Charpie verwandelt, dann mit Speichel benetzt, bilden eine fcste Masse, welche das Insect mit sei» ner Zunge und mit seinen Beinchen ausdehnt, und woraus es die äußere Wand seines Stockes bildet; aber dieser dünne Stoff würde den Larven noch keinen hinreichenden Schutz gewähren. Man verdoppelt die Mauern, man verdreifacht sie, ohne sie indessen mit einander zu verbinden, so daß immer cin Raum zwischen den Wänden bleibt. Wenn diese erste Arbeit beendigt, und der Platsond gemacht ist, dann macht die Wespe aus demselben Stosse in dem Gewölbe eine erste Terrasse; zwölf oder fünfzehn leichte, zierliche, in der Mitte dünn zulaufende Pfeiler stützen diese kreisförmige Terrasse, welche aus einer Masse sechseckiger Zellen besteht, die unten eine Ocssnung haben, und geometrisch gebaut 212 sind. Zwischen der ersten und zweiten Terrasse laufen mehrere Reihen von Pfeilern, welche eine mit der andern verbinden. Alle folgenden Terrassen sind nach demselben System gebaut und gewähren einen zierlichen Anblick. Die Wespen machen keinen Honig, und jene Zellen dienen nur zur Auferziehung der Jungen. Die Anzahl der-Zellen ist bedeutend. In dem Maße, in dem die Bevölkerung zunimmt, bereichert man den Stock mit neuen Terrassen, jede aus 1600 Zellen bestehend. Nach einer ungefähren Berechnung kann man annehmen, daß jährlich aus einem solchen Wespenstockc 30,000 Wespen hervorgehen. Im Winter verfällt das Gebäude beinahe gänzlich, und dient einer kleinen Anzahl, vor Kälte halbtodter weiblicher Wespen zum Zufluchtsort, den sie im Frühjahre verlassen, um niemals wieder dahin zurückzukehren. So viel sinnreiche Geschicklichkeit ist also fast gänzlich umsonst verschwendet; ein verlassener Wespenstock ist eine ewige Nuine. Die Hornisse (vespa cradro) baut beinahe eben so wie die Wespe; aber die Masse, welche sie fabricirt, ist gröber; sie errichtet gewöhnlich ihre Colonie in den Stämmen alter Bäume. Die Ve^ia ni6ul2N5 hängt ihr kühnes Zimmerwerk an einem Zweige auf, und setzt es so, nur von einem Bande gehalten, welches das Insect gewebt hat, allen Stürmen der Jahreszeit aus. Die Cayenner Wespe oder Carton-Wespe fabricirt einen förmlichen Carton, den sie wie einen länglichen Sack oder wie eine Jagdtasche gestaltet, und auf die äußersten Zweige der höchsten Bäume legt. Der Negen läuft von der lak-kirten Oberfläche dieses Cartons ab, und der Schnabel der Vögel kann ihn nicht durchdringen. Man kann nicht künstlicher zwei so entgegengesetzte Eigenschaften: Festigkeit und Leichtigkeit, verbinden. Die papierne Masse und der Carton, welche aus der Fabrik jener Iüsecten hervorgehen, sind dauerhaft, glatt gearbeitet und wetteifern mit den besten Pro-ducten unserer Fabriken. Die Wespe weiß, was dem größten Theil unserer Papier-Fabrikanten noch unbekannt ist, daß die ganze Eigenschaft des Papiers von der Länge der Fasern abhängt, welche sich im Kleister erhalten, und daß Lumpen- und Hanf-Fasern nicht die einzigen Materien sind, welche sich in Papier verwandeln lassen. Sie hütet sich wohl, ihre Materialien zu zerhacken oder zu zerstoßen, was ihr nur ein schwaches und leicht verletztes Papier geben würde; sie wendet alle vegetabilischen Substanzen an, in denen sie ein Element für ihren Kunstflei'ß findet. Sie bringt ihr Werk seit Erschaffung der Welt mit sehr einfachen Instrumenten zu Stande, welche nicht verrosten und sich nicht abnutzen, aber sich auch nicht vervollkommnen. Ehe wir Menschen zu der jetzigen Vervollkommnung in dieser Hinsicht gelangten, haben wir alle Hülfsquellen der Chemie und der Physik erschöpft. Die Wespe war schon eine vortreffliche Papier-Fabrikantinn, als noch auf Holz, Stein, Blei und Eisen geschrieben wurde. Der Instinct der Thiere erreicht rascher sein Ziel, als die menschliche Industrie: ohne Schwanken, oh« ne Ungewißheit, aber auch ohne Fortschritte. Wir bedürfen der Jahrhunderte, um eine einzige Kunst zu vervollkommnen; ader diese Vervollkommnung steht nicht still. Ein Insect braucht nur einen Augenblick zu leben, um Allcs zu wissen, was seine Gattung jemals zu wissen veunag. Der Mensch könnte indessen viel von jenen instlnctartigen Kün« sten der Thiere lernen. Wenn er früher die Papier-Fabrication der Wespen beobachtet hätte, so würde er sich viel ungeschickte Versuche erspart haben. Der Typus fast aller menschlichen Handarbeiten findet sich bei den Thieren. G. Feuilleton. (Zum Heile Europa's) wurde einem Journalisten das ungeheure Glück zu Theil, einer Prubeoorstellung der Araber beiwohnen zu dürfen. Man sieht dem Manne an, daß er vor lauter En-thusiasmus die Augen gegen den Himmel kehrt, und in dieser verkehrten Stellung schwatzt ec: Ich Referent bin allein der Glückliche, der sich einen Begriff von dem Leistungsvermögen dieser Gesellschaft gemacht hat. »Wenn ich behaupte, daß dieses Verniöaen ein außerordentliches sey, so habe ich viel, aber noch nichts gesagt." __ Klopstock sagt iil jeinem Messias: Ach so muß ich denn reden, mein Freund? Ein ewiges Schweigen Wäre für meine Betrübniß und deine Beruhigung besser! Doch du willst es, ich red': o Seraph! Ischariot heißt er. (Der Vielundnichts sager) schreibt unter anderem auch: „Klischnigg und Lawrence leisteten Außerordentliches: aber __ — aber __ ^. die Araber sind idnen gleich zu setzen!!« — Mein Herr, aus Ihr Wohlergehen! — Das kommt mic gerade so vor, als wenn Jemand den Chimborasso ersteigen wollte, und am Fuße desselben spornstreichs, hinauf zu laufen anfängt. E h a r a d e. (Zweisylbiq.) Mein Erstes wird ii, de>, Flammen erzeugt. Ein leiser Hauch verweht es leicht. I>, ganz Eürupa möchtest dli < trau,,! Kein Zweites >o groß als das G^uze schaun? Verleger: Ignaz Alois Edler v. Kleinmayr.